Ausgabe 
11.4.1928
 
Einzelbild herunterladen

Parteispaliungen rechts und links

Leninbund und deutsch-konservative Partei

1

geben sich aber selbst

Tagen

Die Wetterlage.

einen Versuch, mit der nationale zu paktieren.

ich tiefer die paar empfunden, als ich Gedichtband in der

einzelne Wellen schlagen, rauschen herauf wie Sagen: Herz, auch du warst jung'

sonne. Lind selten habe Zeilen von Suliirf Große am Abend den schmalen Hand hielt. Da heißt eS:

1 Einsam in den alten lächelt Erinnerung,

wohl keinen Illusionen darüber hin, daß sie damit wenig Erfolg haben werden: denn die Bezeichnung2enrn-<Bunb' übersehen alle Ein­geweihten unschwer und selbstverständlich in Trotzki-Bund", also in eine Parteigänger- beweg ung der von Moskau Gemaß­regelten. Wir werden also künftighin min­destens zwei verschiedene Schattierungen von Kommunisten in den Parlamenten auftauchen sehen: denn obgleich dem bürgerlichen Verstände die feinen Unterschiede zwischen der Richtung Stalin und der Richtung Trotzki nicht gerade verständlich sind, sichert der letzteren schon die Tatsache einen gewissen Erfolg, daß hier der strengsten Observanz nicht die Gewaltmittel zur

Verfügung stehen, mit deren Hilfe sie in Moskau dieTrotzkisten" vernichtet und verbannt hat.

Mit dieser Sondetchewegung innechalb des Kommunismus stimmt eine Parallelerscheinung auf der rechten Seite des Parlaments überein, die erheblich mehr Sensation machen dürfte. Denn hier hat sich die Deutsch-Konser- vative Partei in einer lehr auffälligen und mit ihrer sonstigen Zurückhaltung im Wider­spruch stehenden Form in den Wahlkampf ein- gemischt. Während sie sonst eigentlich nur eine Art vonAttienmantel" der alten Firma dar­stellt, fordert sie jetzt Eintreten ihrer Anhänger für denVölkisch-nationalen Blv d, d. h. im ®cunbc für die Deutschvölkischen, die den Herren Graefe und Wulle im Berkaus der Legis­laturperiode langsam weggeschwommen sind. Aber damit verläßt die Deutsch-Konservative Partei ihre Rachkriegstradition, der Deutsch natio­nalen Partei Hilfsstellung zu leisten. Unb es entsteht ein um so schwierigerer Gefühls­konflirt für die Wcchlerschaft. als ja der Vor­sitzende der Deutsch-Konservativen Partei, Gras Westarp, eben auf Grund dieses Kommandit- Verhältnisses seine Führerrolle in der Deutsch- nationalen Partei erlangt hat. Wie er sich per­sönlich mit bicfem Lkbichwenken seines engeren Freundeskreises, dem z. B. auch Graf Seidlitz- Sandrecki als Führer angehört, abfinben wird, ist vielleicht weniger wichtig, als das Verhalten der ländlichen Kreise im Osten, als deren Wort­führer sich die Deutsch-Konservative Gruppe bis­her in der Deutschnationalen Partei starke Gel­tung zu verschaffen wußte. Der Versuch einer Reubelebung der nach dem Ergebnis aller neueren Wahlen im Absterben begriffenen deutschvölki­schen Bewegung wird auch mit dieser Unter­stützung freilich Zaum viel Erfolg haben: aber für die deutschnationale Wahlparole sind damit Schwierigkeiten entstanden.

didateN-aufzustellen. Sie machen freilich vorher kommunistischen 3nter»

Wettervoraussage.

Das Hochdruckgebiet über Skandinavien hot sich weiter südwärts ausgcbreitet und infolgedessen zeigt das sich abflachende westliche Tief eine mehr südöst­liche Verlagerung. Der Einfluß der Druckstörungen wird bei uns zunächst das wolkige Wetter fcrtbc stehen lassen: Niederschläge treten nur vereinzelt und in geringen Mengen auf. Die Temperaturen gehen etwas zurück und besonders tagsüber wird die zu­nehmende Erwärmung durch die Bewölkung ge­hemmt werden.

Wettervoraussage für Donnerstag: Wechselnd wolkig, kühler, vereinzelt etwas Regen.

Lusttemperaturen am 10. April: mittags 22,4 Grad Celsius, abends 12,5 Grad Celsius: am 11. April: morgens 13 Grad Celsius. Maximum 22,8 Grad Celsius. Minimum 6 Grad Celsius

Aus aller Wett.

Biesenzifsern des Berliner Feiertagsverkehrs.

Der Berliner Osterverkohr hat nicht nur alle Er­wartungen übertroffen, sondert, war auch noch viel größer, als der Osterverkehr des Vorjahres. Von der Reichsbal)ndirektion Berlin sind in der Zeit von Donnerstag bis Sonntag rund 15 0 Dor- und Nachzüge und Son­de r z ü g c abgelassen worden Insgesamt haben in diesen Tagen 420 000 Personen Berlin verlassen. Im Stadt-, Ring- und Dorortbahnverkehr wurden am Ostersonntag 1600 000 Fahrgäste, am Montag 2 200 000 befördert. Dos ist eine Spitzenleistung. wie

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 11. April. Im Wahlkampf sollte, so nimmt im allgemeinen der Laienverstand an, eine Konzentration aller um ihre resp. Parteifahne erfolgen, lind die einzelnen Wei- nungsverschiedenhäten. die sich im Laufe einer Legislaturperiode herausgestellt haben, müßten bei dieser Gelegenheit a u s ge glichen und bei- gelegt werden, damit dem Volk möglichst wenige und möglichst einfache und einleuchtende Wahl­parolen vorgelegt werden können. Aber die Praxis unterscheidet sich ganz erheblich von dieser theoretischen Idealkonstrukti on. Bei vielen Par­teien. und vor allem bei den Radikalen von rechts und links, kracht es i.m Gebälk und der Spaltpilz, dessen Eindringen in gemäßigtere Par­teien sie dereinst erzeugte, wirkt weiter und zersetzt die Parteien, die er schus.

Das zeigt sich zimächst einmal bei der kommu­nistischen Partei, deren Sektierer und Aus­geschlossene einenLenin-Dund" gegründet und beschlossen haben, bei den Wahlen eigene Kan-

Aus der provinzialhaupistadt.

Gießen, den 11. April 1428.

Die Alten und die Sonne.

Die Frühlingssonne tut Wunder. Den Blät­tern werden die Knospenröckchen zu eng. Sie wollen ans Licht, und überall kommt Helles Grün zum Vorschein. Der Rasen war zuerst da. Die Sonne aber lockt und lockt, bis alle Bäume ihr neues Gewand angelegt haben.

Auch der alte Herr da auf der Bank ist der Lockung gefolgt. Wohl hat et noch feinen dicken Winterüberzieher an. und nur vorsichtig hatte er sich in die laue Frühlingsluft gewagt. Mit achtzig Jahren kann man keine Sprünge mehr machen. Aber der golönen Sonne kann niemand widerstehen. Da wird das Zimmer eng und finster, wenn ihre Strahlen durch die Scheiben bringen. Und nun sitzt er hier und freut sich, daß er seine Stube verlassen hat. Die Hände auf seinen Stock gestützt, schaut er freundlich nach der Frühlingspracht und den vorbeigehenden Menschen.

Er bleibt nicht lange allein. Gf7^4tippelnder Schritt naht sich, und überrascht toenbet sich der alte Herr:

Ei, guten Tag, Frau Rachbarin! Auch mal herausgemacht?"

Ja, es ist zu schön heute. Da glaubte ich. dcktz ein kleiner Gang mir wohltäte."

Was macht der Rheumatismus?"

Ich danke, es geht besser, aber ganz weg ift er noch nicht. Bei imS Qfiten verschwindet er ja nie ganz."

Sie hatte sich neben ihn gesetzt. Unb baxtn schwiegen sie. Rur eine große Freude unb un­endliche Zufriedenheit standen in ihren Augen.

Auf dem Spielplatz und in der Lllrlage tum* Hielten sich die Kinder, bauten Sandburgen, war­fen ihren Ball und haschten sich. Auf der Sttahe raffelten Fuhrwerke. flitzen Autos vorbei. Bon fernher klingelte die Elektrische. Es war ein Tag wie jeder andere auch. Für die beiden Alten aber war es ein Festtag. Zum erstenmal nach langer Winterszeit wieder im Freien zu sitzen, das konnten nur sie voll und ganz ge­nießen. Die warme Frühlingsluft erweckte sie unb ließ in ihren runzeligen Gesichtern neue Lebensfreude erstehen. Sie waren ja dem Schick­sal so dankbar, daß sie noch einmal hier sitzen durften, noch einmal dem Spiel der Kinder zu- schauen konnten. Sie. die geglaubt hatten, daß der vergangene Winter ihr letzter sei.

Ich sah die Alten sitzen und blieb unwilllürlich stehen. War's das stille Leuchten ihrer Augen, oder die ruhige Zufriedenheit ihrer Gesichts- züge, bic mich unwillkürlich bannten? Unauf­fällig setzte ich mich auf eine nahe Bank und betrachtete sie lange. Sah den alten Herrn, wie er mit seinem Stocke in den Sand Figuren zeichnete, unb die freundliche Frau, wie sie den Kindern zunickte.

Wie mochte ihnen beim Anblick des Frühlings und der lustigen Kinderschar ihre eigene Ju­gendzeit heraufsteigen? Sie sahen sich auch dort sitzen an dem Sandhaufen, ober mit dem Ball spielend, und in den Bäumen fangen tote heute die Vögel.

AuS der Jugendzeit ..."

Ich nahm das freundliche Bild der beiden Alten mit mir, als ich wieder an die Tagesarbeit ging. Bei aller Hast unserer Tage, bei allem Rennen und Jagen der Menschen benie ich an die Alten dort auf der Bank in der Frühlings­

gangen, so daß die Kinder allein im Hause waren. Als Entsteh ungsursach« wirb Brandstiftung angenommen.

Zwei Kinder verbrannt.

In ßiggenau im Vorarlberg wurde das Haus eines SHuhmachermeisters durch Feuer zerstört. Der 10jährige Sohn und die 13jährige Tochter des Besitzers fanden in den Flammen den Tod. Unter dem Verdacht der Brandstiftung wurde der Schuhmachergehilfe Johann Kugler aus Sachsen verhaftet, der am Abend vor dem Brand ein Nachtquartier im Hause erbeten hatte.

Theaterbrand in Krakau.

In der Rächt zum Samstag brach im Theater Bagatelle ein Feuer aus. das das Theater teil­weise einäscherte. Der Schaden wird auf 500 000 Zloty geschäht, während das Gebäude nur mit 225 000 Zlotv versichert ist. Als Ursache wird leichtfertiges Umgehen mit Licht durch Theater­personal angegeben. In dem Theater, das in der letzten Zeit an ein großes Kino verpachtet war. befand sich ein großes Lager von Filmmaterial.

Drei Streckenarbeiter vom Zuge getötet.

Im Hauptbahnhof Z ü r i $ wurden 6 ©treden- arbeiter von einem Zuge überrascht. Drei von ihnen konnten nicht mepr rechtzeitig aus weichen und toutben von der elektrischen Lokomotive er­faßt und sofort getötet. Rach den polizei­lichen Ermittlungen hat ein Dorarbei ter dieGefahr zu fpäterkannt. da er gerade in feinem Arbeitsbuch etwas nachsah.

Ein Kind aus dem Zuge gefallen und überfahren.

Auf der Fahrt von Amsterdam nach dem Haag stürzte ein vierjähriges Kind aus dem Zuge und wurde von einem auf dem Reben­gleis herankommenden Eisenbahnzug überfahren unb getötet. Das Kind hat wahrscheinlich beim Spielen bi e Abteiltür geöffnet.

Mysteriöse Arsenikvergistung.

Der Schauspielerin des Reichenberger Theaters H. Morton ging, angeblich von ihren Angehörigen in Brünn, eine Postsendung mit Oster- tot ten zu. Sie teilte das Gebäck mit der Thea­terdienerin Maria Flöget. Rack dem Genuß der Torte erkrankte Maria Flügel unb vier Mit­glieder ihrer Familie. Die Mutter und ihre Tochter sind in der Rächt im Krankenhaus ver­storben. Der Tod erfolgte unter Anzeichen einer Arsenik Vergiftung, lieber ben Absender des Paketes herrscht noch Unklarheit.

Plattdeutsch als Gerichtssprache.

Aach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Oldenburg ist das Plattdeutsch offiziell als Gerichtsfprache anerkannt worden, nachdem die inoffiziellen Verhandlungen mancher ländlicher Anttsgerichte bereits in Plattdeutsch stattgefunden haben.

Acht Kilometer Geschwindigkeit für Automobile in AttVerlio.

Die Berliner Verkehrspolizei hak in verschie­denen Straßen Alt»Derlins neue Verlehrsschilder aufgestellt, durch die die Auto.rrobilisten wegen der Baufälligkeit mehrerer Häuser­gruppen und den durch den schnellen Auto­mobilverkehr hervorgerufenen Erschütterun­gen zur Herabsetzung der Geschwindigkeit auf acht Kilometer aufgeforbert werben.

Ein päpstlicher Orden für den italienischen Kronprinzen.

Wie dieGermania" berichtet, hat der italie­nische Kronprinz, der in der Karwoche an den heiligen Stätten weilte, von dem latei­nischen Patriarchen von Jerusalem im Auf­trage des Papstes das Grohkreuz des Ordens vom Heiligen Grabe erhalten. ES ist dies das erste Mal. daß ein Mitglied des Hauses Savoyen feit 1870 einen päpstlichen Orden erhalten hat.

Der Jliegcr Bohne tödlich verunglückt.

Hamburg, 10. April. (W. T. B. Funkspruch.) In der vergangenen Rächt stieß auf der Langen­horner Chaussee ein mit fünf Personen besetztes Privatauto mit einem Wilchfuhrwerk zusammen. Der Ches- pilot I. B o h n e , der sich am Steuer befand, wurde gegen das Steuerrad geschleu­dert, wobei die tBrv.ft eingedrückt wurde. Bohne war sofort tot. Der Flieger Maulenberg, bet sich ebenfalls in dem Automobil befanb, blieb unverletzt, to^tenb die übrigen drei In­sassen. darunter zwei Samen, ernste Verletzungen erlitten unb in em Krankenhaus gebracht werden muhten

I o c a r n o bildeten. Der Friede auf dem Balkan könne nur durch die Anwendung des Prinzips Der Balkan den Balkanoölkern!" ge­sichert werden. In der diplomatischen Aktion Musso­linis sehe man aber keinen einziaen Keim einer solchen Friedenspolitik, zumal drei Länder absichtlich aus diesen Unterteilungen ausgeschlossen seien, nämlich Jugoslawien, Oesterreich und die Tschecho­slowakei. Es fei zu befürchten, daß die Annäherung unter dem Schutze Mussolinis nichts anderes als d i e Bildung einer Einheitsfront gegen diese drei Länder sei. Das linksgerichtete Peuple" stellt es außer Zweifel, daß diese Besuche durch Mussolini selbst verursacht wurden, der den .Herrn der Potentaten ober zum mindesten den Schiedsrichter der e u r o p ä i s ch e n Ge­ich i ck c spielen wolle. DasOeuvre" ist der Auf­fassung, Mussolini taste das Gelände nach allen Seiten ab. ohne einen klaren Gedanken zu haben, indem er hier Groll unterhalte und dort eine An­näherung versuche, deren Nutznießer er fein würde. Er peitsche die irredentistischen Gefühle der einen auf, während er den anderen Genugtuung ver­weigere.

Eine neue Volksabstimmung für Eupen-Malmedy gefordert.

Paris, 10. April. (WB.) Die Sonntags» ummer derDermere Heute" vetöfsentticht ein Schreiben, das fünf Zeitungen der drei Kreise von Eupen, Mal- medy unb St. Vitb an Senator Esser, den einzi­gen im Bezirk geborenen Parlamentarier, gerichtet haben. In dieser Zuschrift wird der Senator gefragt, ob er die im Jahre 1920 erfolgte Befragung als eine Volksabstimmung ansehe, oder ob er nicht bet An­sicht sei, daß eine neue, und zwar eine wahre Volksabstimmung in den drei Kreisen stattfinden muffe.

Die schwarze Schmach in Trier.

Trier, 10. April. (Landespressedienft.) In der Rächt zum Ostermontag wurde ein junges Mädchen, das sich allein auf bem Heimweg befand, von einem farbigen Besatzungs- svl baten am Mustor überfallen und vergewaltigt. Auf die Hilferufe des Mäd­chens eilten in der Rähe befindliche Fußgänger herbei, worauf der Täter die Flucht ergriff und in der Dunkelheit entkommen kvnnte. Die Trierer Polizei fahndet in Ge­meinschaft mit der Vesahungsbehörde eifrig nach dem Täter, der bis zur Stunde noch nicht ermittelt werben konnte.

Ein angetrunkener Franzose erschießt zwei Deutsche.

Re unkirchen 10. April. (Lpd.) Wie die Reunkirchener Zeitung" meldet, erschoß in einem Rachbarort ein angetrunkener französischer Zollbeamter zwei junge Deutsche unb ver­barrikadierte sich darauf in seiner Wohnung, wo er von den deutschen Landjägern belagert wurde. Der Zollbeamte gab dabei achtzig Schüsse auf die Straße ab. ohne jedoch jemanden zu treffen. Schließlich zündete er sein Bett an unb erschoß sich selbst.

sie nur an ganz wenigen Tagen im Jahre vorkommt. Die Straßenbahn hat am ersten Feiertag 2 Mil­lionen Fahrgäste, am Ostermontag 2,2 Millionen be­fördert. Auch die Autobusse der Berliner Omnibus- gcsellschaft hatten einen Riesenverkehr zu bewältigen.

Dom Deutschen verein zur Forderung des mathe­matischen und naturmisfenschaftttchen Unterrichts.

Der Stuttgarter Tagung des Dnuschen Ver­eins zur Förderung des mathematischen und na­turwissenschaftlichen Unterrichts ging eine geo­logisch-morphologische Führung nach dem Lichtenstein voraus, die Professor Dr. Wagner, Stuttgart, übernommen hatte unb der etwa 60 Teilnehmer Folge leisteten. Bei der ersten Sitzung sprach bann Ministerialrat Dr. Löffler, Stuttgart, überDenkmittel der Ma- tHematil im Dienste anderer Wissenschaften". Zum Gedächtnis des schwäbischen Raturforschers Robert Mayer, dessen 50. Todestag in das laufende Jahr fällt, hielt sodann Professor Dr. Grammel von der Technischen Hochschule Stutt­gart eine Gedenkrede. Hierauf sprach der Phy­siker Professor Dr. G e r l a ch, Tübingen, über bk- Bedeutung des Energiegesetzes m der modernen Physik", wobei er von den wissenschaftliche,'. Cha- tafleten der Physiker Robert Mayer, James Prescvtt, Joule unb Hermann Helmholtz ausgiug. Rach einer Gedenkrede über Friedrich Wöhler, den großen Forscher und Sntbeder auf dem Ge­biete der Chemie, wurde die Sitzung geschlossen.

Sechste Tagung der Deutschen Elternschaft in Magdeburg.

In Magdeburg wurde, wie alljährlich in der Osterwoche, die 6. Tagung der deutschen Elternschaft aus dem ganzen Reich eröffnet Sie begann mit einer Dorstandssihung des Reichs- elternbundes unter dem Vorsitz von Exz. Conze. Rach einem Bericht des Geschäftsführers des ReichSelternbundes, Pros. Dr. Hinderer, zur schulpolitischen Lage und zu den bevorstehenden Parlamentswahlen, und nach einer kurzen Aus­sprache wurde festgestellt, daß die Organisation der Elternbünde infolge des Scheiterns des Reichs- schulgefetzes sich innerlich noch gefestigt habe. Der bisherige Vorsitzende, Conze, wurde wieder­gewählt.

Zehn Personen aus dem Eomersee ertrunken.

Ein mit 20 Ausflügleru besetztes Motor­boot kenterte infolge Steuerschabens auf dem Cvmersee. Zehn Personen ertranken. Währenb der Fahrt des Motorbootes löste sich bas Steuer. Zwei erschreckte Frauen stürzten sich m den See. Bei dem Versuch einiger Passagiere, sie zu retten, schlug bas Boot um unb sank. Ein anberes Boot eilte sofort von Conto herbei unh nahm die Schiffbrüchigen auf. Die beiden Frauen und acht junge Leute werden vermißt

Schwerer Aulounsall eines Göttinger Gelehrten.

Der Göttinger Professor der Anatomie, Dr. Fuchs, fuhr mit einem Mietsauto bei der Wartburg mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometer gegen einen Baum. Der Wagen überschlug sich und stand sofort in Hellen Flammen. Dem Chauffeur gelang cs. die Tochter des Ehepaares Fuchs rechtzeitig aus dem Wagen zu retten, während der Professor und seine Gattin mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus überführt werden mußten.

Drahtfeilattentat bei Perleberg.

Ein frecher Raubüberfall wurde im Walde in der Rähe von Perleberg verübt. Zwei Männer brachten durch ein quer über die Sttaße ge­spanntes Drahtseil zwei Motorradfahrer au Fall. Die Maschinen gingen vollkommen in Trümmer und die Fahrer erlitten erhebliche Ver­letzungen. Die beiden Räuber zwangen die beiden Verletzten mit vorgehaltenem Revolver zum Hoch­halten der Arme. Dem einen der Heberf alten en gelang es zu entkommen. Der andere wurde vollkommen ausgeplündert. Der durch den ersten Fahrer inzwischen herbeigcrusenen Polizei, sowie den Forstbeamten, die fosort die Verfolgung aufncchmen, gelang es nicht, bic bei­den Täter zu verhaften.

vier Kinder verbrannt.

In der letzten Rächt brannte in Langhelwigs- dorf (Kreis Bollenhain) die etwa zehn Minuten vom Dorfe abseits gelegene Wirtschaft beS Landwirts Walter vollständig nieder. Vier Kinder im_ Alter von fünf bis zehn Jahren, die im Gebäude schliefen sind verbrannt. Der Vater, der Witwer ist, war abends, nachdem die Kinder schlafen gegangen waren toegge-

Was die Reichsbahn einkaust.

1,8 Milliarden für das Bau- und Beschaffungsprogramm.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 11. April. Die Reichsbahn, einer der größten Wirtschaftsbetriebe der Wett, hat im ver­gangenen Jahr allem für 1,8 Milliarden Mark im Rahmen ihres Bau- und Beschaffungs- prograrnmed eingekauft. Diese Summe hebentet gegenüber dem vorangehenden Jahr eine b e - trächtliche Erhöhung, denn damals wurden nur rund 1,5 Milliarden Mark für diese Zwecke von der Reichsbahn ausgegebcn. Aus der Höhe dieser Ziffern kann man ermessen, welche Bedeutung der )lieichsbahn im gesamten deutschen Wirtschaftsleben zukommt, urro wie sehr dieses von einer eventuellen Kürzung des Dauprogrammes betroffen würde, da eine solche Einschränkung auch für die Reichsbahn nur dann von Bedeutung wäre, wenn bannt wirk­lich einige 100 Millionen eingespart werden könnten.

Außerordentlich schwer ist eine Scheidung inner­halb des Bau- und Beschaffungsprogrammes nach Neuanschaffungen außerhalb des bis­herigen Rahmens, gegenüber der Erhaltung des laufenden Bestandes durchzuführen. Für das vorig« Jahr ergibt sich, daß ungefähr 1,23 Milliarden säch­licher Ausgaben der Reichsbcchn für die Erhaltung des damaligen Bestandes gemacht werden mußten, während rinrb 270 Millionen Mark in jenem Jahr für Neuanschaffungen, wobei auch die Bauten ein- zurechnen sind, ausge geben wurden. Man kann an­nehmen, daß auch heute das Verhältnis ein ähn­liches ist, toerfn auch inzwischen der Spielraum für Neuanschaffungen etwas größer geworden sein mag. Im Jahre 1926 verteilten sich die 1,23 Milliarden Mark auf rund 400 Millionen für Ausstattung und Betriebsstoffe, 284 für Erneuerung baulicher An­lagen, 487 für die Erneuerung maschineller Anlagen unt) der Fahrzeug«, mährend der Rest bei verschie­denen anderen kleineren Posten ausgegeben wurde.

Im Rahmen des Beschaffungswesens spielt die deutsche Waggonbau-Vereinigung, die im Zusammenhang mit der Dcstechungsaffäre gelegent­lich genannt wurde, ba der tteichsobcrbaurat Schulze von der Reichsbahngesellschaft zu der Waggonbau-Vereinigung abgeordnet war, eine große Rolle. Diese große Organisation ist merkwürdiger­weife sehr wenig bekannt, obgleich sie einen Zu­sammenschluß der führenden deutschen Waggon- baufabrtfen zu einer H e r st e ll u n g s g e m e i n - s ch ast bedeutet, wobei der Reichsbahn der Einkauf l non Waggons natürlich sehr erleichtert wird. Dreißig _ Waggonbauwerke sind in diesem Vertrag, der vor- * läufig bis zum 31. Dezember 1931 läuft. Die Reichs- < bahn, auf deren Veranlassung diese Vereinigung ge­gründet wurde, hat ftd) dafür verpflichtet, mindestens 90 v. Sj. ihres Bedarfs an Waggons aller Art bei dieser Vereinigung einzukaufen.

5<w

P

r

Wien 15

Tii '-«t* 1 ' ;

Oneuer $ or«cxt. ® womi» e otMtii Ne--*

5U>nee aOrewefn. e Mettel X «#>!:er.(g)wteesWt."O' eirrter »Si uSM^e» 50tfi.iowe5l v) 5torwö<fw rsrswtst Ott Pfeee fielen Ml dem wiede. oik »«den Mcbonen swnenee^ Za* en gesen die Temperatur ta Dte Lt"»<e «crtttidcn Ort* awt HciUK* ne*resnf*oe.maerethncte» uittdrert

Tjisnstaj' den.Jfynl J92\ ________ 'f'abends.