Ausgabe 
11.4.1928
 
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Nr 85 Erstes Platt

178. Zahrgang

Mittwoch, U. April 1928

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Siegener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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Chefredakteur:

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.llchyriot, für den übrigen Teil Emst Dlumfchein: für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Dießen.

Warum der Cavett-KÜm in Holland verboten wurde.

Amsterdam, 9. April. (SU) Die hvllän»

tnc

(anb verboten hat, begründet ihre ®nt- scheidung mit folgen ben örtoägungen: Der Eo» vell-Film könne, abgesehen von Dem Lahmen, der dem Krieg entnommen fei, nicht als Vnn- Kriea-film be-eichnet werden. Der Eharatter von Mist Eavell sei unrichtig gezeichnet. wenn behauptet werde, daß sie mir au« Gutherzigkeit, um junge Leben zu retten, S^^t habe. Sie habe sehr gut gewußt, das) die Soldaten, sobald He über die Grenze gewesen seien, raschest wie­der in die Front zurückkehren urtb einem sicheren Tode entgegengehen wurden. Die Darstellung de« Film« sei um so unrichtiger, al« Miß Eavell sich al« britische Staatsangehorrge ,-nb Pslegefchwesrcr in dem von Deutschland be­sten Gebiet schon durch ihr Amt ge- . ch ü h t gewußt habe. Obwohl bte Deutschen tn dem Film nicht unsvmpathifch dargestellt wurden, werde sich da« Publikum unbedingt gegen sie entscheiden. Sie hätten tn dem Film eine schlechte Rolle erhalten und würden immer den Kür­zeren ziehen. Der Film sei nicht gegen den Krieg, sondern gegen ein Volk gerechtet. Der Film könne durch Wachrufen ganz bestimm­ter Ereignisse, die von vielen Leuten, die noch heute lebten, miterlebt worden seien, den e i n g e s ch l a s en e n Haß wieder w a ch r u f e n und die mühsame Derstän - bigung der Doller zerstören. Ob die Derurleilung Miß Eavell« unumgänglich not­wendig ober ein Fehler gewesen ist, wird von der Kommission beiseite gelassen. Der Dorsal! habe jedenfalls den Haß unb bic Feindschaft gegen die Deutschen außerordentlich vermehrt unb e« sei vom Standpunkt der öffentlichen Mo­ral und der guten Sitten auf da« aller- ichärfste zu verurteilen, daß ein so pein- iiche« Ereignis, da« noch nicht der Geschichte rmgepöre. al« Pikanter zugkräftiger Film ausgenuht werde. Au« diesem Grunde unb mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung Holland«, wo durch den Krieg unb besonder« die Cavell-Affäre feinerzett große Meinungsver­schiedenheiten hervorgerufen worden seien, halte c« die Kommission für ihre Pflicht, die Auf­führung bet Filme« m Holland zu unter- ' agen. Wer hierin eine freundliche Geste gegen­über Deutschland fehe, der möge bedenken, daß es auch im Interesse Englands sei. eine Aus­nützung des Tavell-FilmS zu vermelden. Die hol­ländische Regierung habe seit dem Jahre 1918 mit aller Energie im Interesse des eigenen Lan­des und der gesamten Menschheit für die Ver­ständigung der Dölker gearbeitet.

China und Japan.

Die mandschurische Vahn. Die Politik Dschansttsolins.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers-.

Berlin, 11. April. Die Pekinger Regierung beabsichtigt, das mandschurische Eisen­bahnnetz auszubauen, sie soll bereits entspre­chende Der trage mit einer deutschen Firma abgeschlossen haben. Die Pläne haben in Zolio begreifliche Erregung ausgelöst, da die Japaner hierin eine Schmälerung ihrer Interessen erblicken. Es ist zu einem hef­tigen Roten wechsel zwischen Japan unb dem Beherrscher Rordchina«. dem Marschall Tschangtsolin gekommen, dem die Tokioter Presse andrvht, daß Japan von seinem Macht­mittel Gebrauch machen werde, wenn er sich den japanischen Wünschen nicht fügen sollte. Auffäl­lig ist die scharfe Tonart dem chinesischen Mar­schall gegenüber, der bisher von den Japanern mit Geld und Waffen ausgerüstet wurde, und der in Rordchina etwa die Rolle eines von dec Regierung Japans eingesetzten Staathalters spielte. Tschangtsolin hat aber seine Stelluni > derart zu verstärken gewußt, daß er allmählich auf die Hilfe Tokios verzichten kann. Zugute kommt ihm dabei die Kriegsmüdigkeit des Sü­dens. bet nicht mehr in der Lage ist. die mili- tärischen Operationen ernsthaft fortzusetzen. Aber auch Tschangtsolin scheint nicht mehr die Absicht zu haben, den Bürgerkrieg neu aufflammen zu lassen, er hat vielmehr den Weg der Verständi- gung mit der 71 a n I in g r e g i e r un g be­schritten und auch in Form einiger Zollverein­barungen Erfolge nach Hause gebracht. Wenn mich die Wiederherstellung des Friedens in China selbst noch in weiter Feme liegt, so zeigt sich doch, daß die sich bekämpfenden Parteien bereit sind, zusammenzugehen, um dem japanischen Druck Widerstand entgegenzusetzen. Spitzt sich der Kon­flikt zwischen Peking unb Tokio zu, bann kann es sehr leicht geschehen, daß der Süden dem Ror- den in seinem Kampfe gegen Japan tatkräftige Hilfsstellung leistet.

Oer Kommunismus in Japan

Ernste Lage.

Tokio, 10. April. (WTB.) _ Rachdem die Llnterfuchung gegen die am 15. März verhafteten Kommunisten beendet ist, hat die Regierung die Zensur für Rachrichten über Japan aufgehoben. Der Generalstaatsanwalt erklärte dem Der tret er einer Zeitung: der Haupteindruck, den man aus der ganzen Angelegenheit gewinnt, ist der. daß die Lage ernst ist, denn Japan sieht sich angesichts bet ziemlich weit verbreiteten auf»

Nürnbergs Totenfeier für Albrecht Dürer.

auer um Deutschland legt;

Mussolinis Battanpolitik

Oie Osterbesprechungen in Rom.

rührerischen Bewegung einer ungemein gro­ßen inneren Schwierigkeit gegenüber Der gegenwärtige Versuch, die Grundlagen des Reiches zu erschüttern, der zwar aus dem eigenen Lande kommt, aber von den radikalen Ge­danken eines anderen Dolkes beein­flußt ist. ist weit schwerwiegender als eine von außen kommende Drohung einer bewaffneten Macht. ... .

Wie verlautet, beabsichtigt bte Regierung, einige Professoren, bic ihre kommunistische Gesinnung befunbeten, abzus etzen und gewisse studentische Arbeitsgemeinschaften für soziale ©tu- dien aufzulö 1 en. Ein japanischer Mitarbeiter eines russischen Journalisten wurde verhaftet, jedoch wurde keine Anllage gegen ihn erhoben.

$orn von Bulach schreibt Memoiren.

Paris. 10. April. (WB.) Havas meldet aus Colmar. Baron Claus Zorn von Bulach habe angetünbigt. baß er demnächst seine UI em p i - ren veröffentlichen werde, die wichtige Enthüllungen über die Lage im El­saß bringen würden. Er werde sieDer großen franaöfifdjcn Ration" widmen. Sie bezweckten, seine elsässischen Landsleute über gewisse Er­eignisse auszuklären. Die Veröffentlichung werde in deutscher Sprache erfolgen, wahrscheinlich aber werde das Buch ins Französische übersetzt werden.

Oie Militärrevotte in Venezuela.

Die Rolle der Amerikaner.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin. 11. April. 2n Venezuela ist es wie schon kurz gemeldet zu einer neuen THilitär- revvlte gekommen, bic zwar rechtzeitig niebei> geschlagen werden konnte, an deren Spitze auch diesmal ebenso wie bei dem vor kurzem ge­scheiterten Putsch Studenten standen. An­geblich soll die nationalistische Jugend Dene- zuelas mit der Polittk des Präsidenten nicht einverstanden sein, von dem behauptet wird, daß er die Absicht habe, die Oelvorkom- men seiner Heimat dem amerikanischen Kapital auszuliefern. Daß der seit 20 Jahren im Amte befindliche Präsident sich mit derartigen Plänen trägt, ist nicht anzunchmen. zumal die Amerikaner schon seitlangem die Oelschätze Denezuelas ausbeuten Man fjmmt den wahren Gründen der letzten beiden revo­lutionären Erhebungen etwas näher, wenn man sich vor Augen hält, bah die OeTfelber keinen natürlichen Zugang zum Meere be­sitzen. und daß die Amerikaner seit langem den Bau eines Kanals beabsichtigen, um das Petroleum bequemer abtransportteren und

polnischen Ministers anzuseh der sich damit in die Mauei . ,

im Gegenteil, Mussolini hat alles Interesse daran, auch nur den Anschein zu vermeiden, als ob er sich an einem neuen Kesseltreiben gegen Deutschland be- teiligen wollte. In diesem ganzen Spiel ist Deutsch land Zuschauer, wenn auch unser Gesamtinteresse offensichtlich dahin geht, zu vermeiden, daß auf dem Balkan ein neuer Konflikt entbrennt, dessen Kosten gar zu leicht auf uns, auf den Teil des geringsten Widerstandes abgeladen werden könnte.

stallisterenden Puntt in Osteuropa betrachtete, hat dadurch wesentlich an Einfluß verloren, und ver­mutlich ist das her Grund, der den polnischen Außenminister noch Rom geführt hat. Er will verhüten, daß Polen in den Konslikt hinein­gezogen wird, der sich um Jugoslawien entwickelt, weil Polen sonst sehr leicht in bic russisch-deutsche Zange kommen könnte. Er will lich eine Rücken­deckung bei Mussolini schassen unter Be­rufung auf das ziemlich gleichartige Regierungs- syftem, das heute in Rom unb in Warschau herrscht.

Iebenfalls ist es ganz verfehlt, biese Romreise bes ' *ien als den Schlußstein,

Beunruhigung in Paris.

Ein Komplott

gegen den europäischen Frieden."

P a r i 5 , 10. April. (TU.) Die Beunruhigung über die Ministerbesuche in Rom spiegelt sich deutlich in der Pariser Linkspresse. Die Morgenblätter geben her Befürchtung Ausdruck, daß Mussolini ein Komplott gegen den europäischen Frieden schließe. Obwohl Mussolini sich als Pa­zifist ausgegeben habe, so schreibt derOuotidien", bnbe er doch Entscheidungen getroffen, die nicht dem Frieden dienten. Auch seine Reden über den «Bren­ner seien kriegerischer Natur gewesen. Das Blatt wirst die Frage auf, ob Mussolini die Mithilfe ober Neutralität gewisser Staaten suche, um bas Belgra- her Kabinett einzukreisen ober ob er unter sei­ner Dormunbschaft einen Bunb ber Weltreaktion schließen wolle. Der sozialistische Populaire" wendet sich gegen die Auslegung, als ob die gegenwärtigen römischen Verhandlungen einen ersten «schritt auf dem Wege zu einem Balkan­

zeit eine religiöse. Mit seiner Kunst arbeitete er, die Bibel verstehen zu lernen. Sein Christustyp war eine religiöse Tat Als Durers Schöpfung verbleibt ein Typus des großen Menschen, ber vorher nicht da war. Um für den großen Menschen die Form finden zu können, mußte Dürer sich selbst zum großen Menschen erzogen haben. Nicht als ästhetische Natur, sondern durch das Ganze seines menschlichen Wesens ist Dürer unser volks­tümlichster Maler geworden, bas Urbild des deut­schen Äünftlers, vor dem wir in dieser Gedächtnis- stunde verehrend, liebend, dankend uns verneigen.

Nachdem die OsterkantateVictoria plaudite coe- litesDcrtlungen war batte die Feier ihr Ende er­reicht. Im Rathaushof hatten inzwischen Dertrcter der Deutschen Künstlcrschast Aufstellung zu einem

Fackelzug nach dem Oürerdenkmal genommen. Um V,10 Uhr bewegte sich der Fackelzug unter Glockengeläute durch die abge­blendeten Straßen, und zwar über den allhistori­schen Hauptmarkt. durch die Tuchergasse und Winllerstrahe. vorbei an Dürers Geburtshaus, nach dem Albrccht-Durcr-Platz. überall von einer stumm verharrenden, dichten Menschenmenge er­wartet. Eingeleitet wurde die Huldigung am Denkmal mit einem Männerchorgesang des Frän­kischen Sängerbundes, der BeethovensGottes Macht und Dorscchung" vortrug. Es folgte ein gemischter Chor des Sängerkartells Rürnberg

Eigene Dnchtmetdung desGießener Anzeigers".

Berlin, 11. April. Mussolini hat in ber Woche vor Ostern eine geradezu erstaunliche Aktivi- tat entwickelt, er hat mit den Türken, mit den G r t - ch - n mtt dsn Rumänen verhandelt unb ben polnischen Außenminister zu einem Besuch nach Rom geloben, wobei zweifellos nicht nur über bas gute Wetter gesprochen werben wirb. Daß bie fron- zöfische Diplomatie Darüber starke Anzeichen von Nervosität verrät, ist schließ! begreiflich, sie fürchtet, von Italien überspielt zu werben und hat sehr wenig Trümpfe im Spiele, um das zu verhindern.

Das Tangerexperiment, das zum Teil nur dazu dienen sollte, ist mißlungen, Italien hat seine Zustimmung zu dem neuen Tangerstatut ge­geben, in dem Koinmuniauö befindet sich aber der interessante «Satz, daß über die italienischen An­regungen später noch verhandelt werden würde. Mussolini hat also auch da feine Bedingungen ge­stellt, die ihm vermutlich auch zugestandcn wurden unb beren Erfüllung wahrscheinlich nicht nur in Ma­rokko lag. Aber bie französische Hoffnung, baß damit ber italienische Ehrgeiz zunächst befriebiat sei, hat sich nicht erfüllt, im Gegenteil, die französisch-italienischen Beziehungen bleiben nach wie vor auf dem toten Punkt und inzwischen verfolgt Mussolini seine Bal­kanpläne zielbewußt weiter.

Aus Albanien hat er die Jugoslawen heraus- manövriert, er hat damit bas Aufmarschgelänbe ge- wannen, bas er für seine aktive Ballanpolitik braucht: unb wenn es auch vielleicht übertrieben ist, daß in buntlcn Nächten bereits italienische Kanonen in Durazzo gelanbet werden, so ist doch zweifellos richtig, daß die Italiener alles daran fetzen, um Al­banien fortisikatorifch zu einem Ausfa111or auf Dem Balkan auszubauen. Die Jugoslawen haben nachgeben müssen, ihre Niederlage gegen Italien war zum mindesten fein Erfolg der französischen Politik.

Gleichzeitig sind die Fäden, die von Rom nach B u d a p e st spielen, verstärkt worden, die Belgrader Diplomatie muß sich also auch im Rücken bedroht fühlen, und Versuche, auch B u k a r e st wie A t h e n für das italienische Spiel zu gewinnen, werden wenigstens dazu führen, Jugoslawien auch nach dem Süden und dem Nordosten zu isolieren. Die kleine Entente, die sich einmal als den gewesenen fri-

Nürnberg im Zestschmuck.

Rürnberg. 10. April. <WB.) Nürnbergs Allstadt hat für die Dürertage einen ihrem Eharaktcr sorgfälttg angepaßten künstlerischen Festschmuck erhalten Dom Bahnhofsplatz zur Königstraße. von dort nach dem Hauptmarkt und bi« zum Albrccht-Dürer-Platz wehen zahl­lose Flaggen in allen Farben, die zum größten Teil in den Formen mittelalterlicher Danner und Wimpel gehalten sind. Mtt besonderer Liebe ist der Albrecht-Dürer-Plah geschmückt: Inet erheben sich Masten mit kostbaren Fahnen, deren Oberfeld auf Goldgrund daS Zeichen de­alten Meister« trägt. Rechts und links im Hin­tergrund des Denkmale« hängen aus allen Fen­iern rote, mit reichen Ornamenten durchwirkte Teppiche, die dem Platz ein eigenartige«, an rühere Zeiten gemahnendes Gepräge verleihen. Das hohe Eisengitter vor dem Denkmal ist ver- chwunden. das schöne Dürer standbild er­hebt sich jetzt frei vor einem Hintergrund von Pflanzen, deren lebhaftes Grün mit dem Rot der Teppiche an den Häuserfronten m festlicher Harmonie zusammenklingt. In den Straßen »errscht lebhaftes, festliches Treiben.

Oie Feier im Rathaus.

3m festlich geschmückten großen Rathaus- a a l fand heute abend um 7.30 Ähr die von >cr Stadt Rürnberg veranstaltete Gedenkfeier tatt. Unter den Erschienenen bemerkte man den Reichsminister bes Innern v. Keudell. den preußischen Kultusminister Dr. Becker, den bayerischen Kultusminister Dr. Goldenber­ger. den thüringischen Kultusminister Dr. Leutheußer, den österreichischen Gesandten in Berlin Dr. Frank, den ungarischen Ge­sandten in Berlin. Koloman von Kanha. den italienischen Botschafter tn Berlin. Graf Aldrovandi MarcScvtti. den französi­schen Geschäftsträger in München. S v m t e d'Ormesson. Rcichskunstwart Dr. Red«- 1 o b . ReichSlagspräsident L ö b c den Direktor der Gemäldegalerie tn Dien. Hoftat Dr. Glück, Direktor Sti? von der Albertina in Wien. Generaldirektor Petrow ites vom Museum der bildenden Künste in Budapest, Direktor des Kunstmuseums in Dotenbura. Professor Q£d Romdaal. Direktor der Akademie der bu- denden Künste in München. Geheimrat Prof. Dr. Bestelmeyer. ferner Vertreter der Stadt Rürnberg. des Handels und der Industrie und eine große Anzahl Pressevertreter des In- und Auslandes. Rach einem Thorvvrtrag ergriff Rürnbergs Oberbürgermeister Dr. Luppe das Wort und führte u. a. aus: Rürnberg will feinen großen Sohn ehren. Alles Volk soll sich vertiefen können in Dürers Werk wie in feine Persönlich­keit: Geist und Kultur aus Rürnbergs Blütezeit soll vor uns erstehen und Kunst und Kultur unserer Zeit sollten wetteifern mit den Werken der Alten, von ihnen lernen und aus ihnen neue Freude und Verständnis gewinnen.

Geheimrat Prof. Or. Wölfflin (Zürich) gab darauf als bester Kenner Dürerscher Kunst der Versammlung in großen Umrissen ein Spiegelbild be* Lebens unb Schaffens Albrecht Dürers, ber in bie deutsche Kunst die geklärte plastische Anschauung gebracht habe, aus dessen Zeichnungen eine eigen­tümliche Wärme unb Beweglichkeit strahle, bei dem grundsätzlich alles Spannung unb Aktion sei: der Dürerblitf" habe nicht seinesgleichen. Am meisten hebe sich Dürer von seinen deutschen Zeitgenossen da- durch ab, baß er nach einer letzten vollkommen abso­luten Form verlangte. Für ben Deutschen sei es bezeichnend, daß in ber Gesamtsumme von Durers Kunst allein das Individuell-Einmalige in seiner un­übersehbaren Mannigfaltigkeit ben Ausschlag gebe; bie große sittliche Charakterfigur sei die eigentliche Schöpfung Dürers geworben. Wie anders als heute, rief ber Vortragende aus, hat Dürer bie Aufgabe bes Künstlers gefaßt! Sein Darstellen war ein Er- kennen der Natur, die tieffte Bewegung der Durer-

deS Deutschen Arbeitersängerbunde« mtt dem ..Festlied" von Schütz. Professor Rudolf S ch i e st l trat daraus an das Denkmal Dürer« unb sprach im Ramen der Deutschen .Künstler­schaft Huldigungsworlc. Einmütig sei die Be­wunderung. die Begeisterung über das. was Dürer geschaffen habe. In seinem Werk feierten wir den Sieg der Unsterblichkeit großer Kunst über die Vergänglichkeit des Menschen. Rach Erwähnung dessen, was Dürers Werk zum edelsten Ausdruck deutschen Wesen« em- porgehoben habe, pries Professor Schiessl Albrecht Dürer alS Symbol deusscher Kunst und schloß: .Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun. Du hast'« getan. Albrecht Dürer, du ausrechter deutscher Meister!" Ein gemeinsamer Ehor de« Fränkischen Sänger­bundes und des Sängerkartells Rürnberg de« Deutschen Arbeitersängerbunde« unter Beglei­tung eines MusiNorp« stimmte daraus den Ehor aus den Meistersingern von Rürnberg an: .Wach auf, es nahet sich gen Tag".

Rachdem der Ehor verllungen war. marschierte der Fackclzug unter Vorantritt einiger Bläser vor das Albreckt-Dürcrhaus am Tiergärtner Tor, wo die Fackeln zusammengeworsen wurden. Eine prächtige Burgbeleuchtung. die Tausende und aber Tausende von Zuschauern angelockt hatte, bildete den Abschluß de« Gedenk- und Huldi­gungstages.

womöglich auch die Oelfelder selbst in den Be­reich der Mündungen ihrer Schiffsgeschühe bringen können. Gegen den Dau diese« Kanals hat sich Präsident Gomez bisher energisch ge­wehrt. so daß mit Recht angenommen werden darf, daß hinter den Verschwörungen der Stu­denten und einiger Militärfteise die Ameri­kaner stecken, die in Mittel- und Südamerika in der Vergangenheit wiederholt recht erfolg­reich mit dieser Methode gearbeitet haben.

Wahlen in Chikago.

Ehikago, 10. April. (WTB.) Fast alle Poli­zisten der Stadt und außerdem Tausende von Freiwilligen bewachen die Urnen bei den Vor­wahlen. in denen heute die republikanische Partei des Bürgermeisters Thomson, die bie Wieder­wahl des Gouverneurs Small unterstützt, und die Anhänger des Senators Deneen, seines Geg­ners. in heftigem Kampfe gegeneinander ringen. Kraftwagen mit Polillsten durcheilen die Straßen, um Bombenwür'e und Schießereien zu verhindern. Ganz früh am Tage benachrichttgten die 21n* Hänger eines Lokalpolitikers die Polizei, daß dieser verschwunden und wahrscheinlich ent­führt worden sei, um ihn zu verhindern, sich an den Wahlen zu beteiligen. Ein anderer be­kannter Lokalpolitiker wurde ebenfalls von be­waffneten Männern entführt.