fitnfc, fühlten tolr We Hoffnungslosigkeit mrfever Bemühungen bereits 1915. Der Umstand des Eintritts Amerikas in den Krieg übte jedoch vor allem eine starke psychische Wirkung aus. Sch könnte kaum eine einzige Schlacht nennen, in der die Anwesenheit der amerikanischen Truppen den entscheiden<)en Faktor gebildet hätte. Cs war mehr die Vorstellung von der ungeheuren Stärke Amerikas, von seinen schier unerschöpflichen Hilfsquellen, die den Kampfgeist unserer Truppen lähmte und eine gewaltige seelische Belastung unserer Führer bedeutete.
Wir machten uns auch bald llar, daß unser Ll-Dootfeldzug gegen die Amerikaner hoffnungslos war, und muhten feststellen._ dah die amerikanische -Armee vorzüglich ausgerüstet war. Jede Division eines amerikanischen Heeres besah tausend Maschinengewehre, eine für europäische Begriffe geradezu phantastische Anzahl. So fühlten wir, dah die Anwesenhüt der amerikanischen Truppen in Europa zu einer immer größeren Bedrohung unserer Zukunst werden müsse.
Derselbe Standpunkt muh auch bezüglich der Frage der Friedensregelung eingenommen werden. Als Amerika den Mittelmächten den Krieg erklärte, stieg nicht nur das Vertrauen der Alliierten in den Endsieg gewaltig, sondern auch ihre Siegesforderungen schnellten im gleichen Mähe in die Höhe. Es war in diesem Stadium nicht mehr möglich, vorsichtige Versuche in der Richtung einer baldigen Beendigung des Krieges mit irgendwelchen Aussichten auf Erfolg zu unternehmen. Von diesem Standpunkte aus betrachtet war also der Eintritt Amerikas in den Wellkrieg ein durchaus entscheidender Faktor.
Obwohl wir damals nicht mehr große Hoffnungen aus den endgültigen Sieg hegten, so glaubten wir doch nicht, unseren Feinden a u f Gnade und Barmherzigkeit ausgelie- sert zu sein, selbst wenn wir befteat würden. Ich bin davon überzeugt, dah sich ohne den Rückzug Bulgariens aus drrn Kriege, unsere Hoffnungen in dieser Beziehung auch verwirklicht hätten. Der unerwartete Rücktritt unseres östlichen Verbündeten rih indessen eine solche gewaltige Lücke in unsere südliche Front, dah wir sie mit unseren geringen Hilfsquellen zu verstopfen nicht mehr in der Lage waren.
Damals machten wir und llar, dah das Ende des Krieges hrrannahte. linse re Hilfsmittel waren nahezu erschöpft: obwohl unsere Truppen fast unerträgliche Leiden erduldeten, so war es doch keineswegs verwunderlich, dah sich bei ihnen allmählich ein Gefühl der Erschlaffung und der Kamps es Müdigkeit einstellte. Die Lage wurde noch dadurch verschlimmert, daß das Herannahen des llnglückes auch in der Heimat klar empfunden wurde, ein Um- stand, der zu einer Verschärfung der polllischen Gegensätze führte.
So kam es dann, daß die österreich-ungarische Armee sich einem Feinde bedingungslos ergeben mußte, der sie im offenen Kampfe nie besiegt hatte, llnsere Truppen hiellen welle ©ebiete in Ruhland besetzt, sie okkupierten ganz Rumänien und Serbien sowie den größten Teil DorditalienS. Unsere ungünstige geographische Lage, die uns den Rachschub von Lebensmitteln und Kriegsgerät unmöglich machte, und unser Mangel an Reservetruppen, um unerwartete Lücken auszufüllen, hatten jetzt die Wirkung, uns der Früchte unserer strategisch günstigen Lage zu berauben.
Obwohl die Armeen der Mittelmächte besiegt wurden, haben meines Erachtens ihre Führer di« größeren strategischen Fähigkeiten bewiesen. Durch diese Bemerkung will ich jedoch nicht die Leistungen dec alliierten Führer herab- setzen. Die haben gesiegt, und das ist schließ- llch das Ziel aller mllitärischen Strategie. Wir dürfen indessen nicht vergessen, dah in den ganzen Jahren bis 4—5 Monate vor der Beendigung des Krieges die Initiative eigentlich ständig bei den Mittelmächten lag. Die Leistungsfähigkeit der verbündeten Völker geht aus dem Ilmstand hervor, dah eS ihnen gelang, den Krieg bis tief in das Gebiet ihrer Feinde hineinzutragen. Wenn wir uns die alte militärische Regel vor Augen halten, dah die Kraft deS Angriffes der beste Maßstab für die Fähigkeit des Führers ist, so muh man die Siegespalme sicherlich den Mittelmächten geben, sie waren während des ganzen Wellkrieges die Angreifer. Ihre Führer zeigten das größere strategische Genie. Die Riedrrlage war nicht die Folge der überlegenen Kriegskunst ihrer Feinde, sondern einzig und allein die Folge einer allmählichen Erschöpfung, die sich aus der allzu langen Dauer des Krieges ergab. _____________________
Aus der Pcovmzialhauptstadr.
Gießen, den 10. Rovember 1928.
Oer neue Hut.
^Aber Kitti, schon wieder etwas ReueSl" begrüße ich meine kleine, elegante Freundin. „Ach, Du meinst meinen Hut. 3a, wenn du wüßtest, was der gekostet hat." Ich rate eine Zeitlang, als sie aber bei 30 Mark immer noch verneint, halte ich ihr einen langen Dortrag über Verschwendung und Sparenmüssen in diesen Zellen. „Also, liebste Kllti . . .“ Ihr übermütiges Lachen unterbricht meine Pädagogik. „Du, Sonia, hör aus. Jetzt meine Heberraschuna. Geh' nach nebenan und hol' deinen alten Hut, den du vor drei Zahlen erstandest. Und gib mir eine Schere, eine große Radel und zwei bunte Wollfäden. — Danke." Ich gehorchte stillschweigend, war ich doch bei Kllti Sensationen gewöhnt.
Ritsch, ratsch — mit energischem Schnitt fällt die breite Krempe des unmodernen Hutes. Mit einem Griff wird er auf links gewendet, wo bie Farbe noch wie neu (ft. Mit kühnem Schwung stülpt mir Kitti die Kopfform aut und schneidet aerobe über der Rase cübaS ein. „Do, mein Kind, hier schneiden wir ein Dreieck auS für deine Ponnis. Und nun wird aus der Krempe ein spitz zulaufendeS Band geschnitten, daS mit bunten Wollstichen auf den Hut befestigt wird." ES sind 10 Minuten vergangen, da habe ich einen feschen modernen Turbanhut. Bewundernd betrachte ich mich im Spieg^. „Dank. meine lleine Putzmacherin, nie wieder predige ich dir Sparsamkeit.'^
Rach Kitlls Fortgehen hole ich noch drei unmoderne Hüte hervor und garniere sie mit Filz- streifen von anderen Krempen. Durch Einschnitte in die Form eines rosafarbenen HuteS führe ick schwarze Filzstreisen, ein schwarzer Filz wirb mit Seidenband und einer Agraffe geschmückt, ein dritter ganz und gar mit farbiger Seide in groben Stichen bestickt. Stolz seh: ich nach einer hinbe auf vier hochmoderne kleine Hüte. —
Wissenswertes über Dauerwurst.
Von Veterinärrat Dr. Stein, Gießen.
Die Zeit der Hausfck^achtun^en ist wieder gekommen, und daher soll einiges ub.r tie b.i die,en Schlachtungen in verhältnismäßig großer Menge hergestellte Dauerwurst gesagt werden, zumab man immer wieder von unbrauchbar gewordener Dauerwurst und dem dadurch entftnnbenen Schaden berichten hört.
Die sog. Dauerwurst wird im Gegensatz zu den bald nach ihrer Herstellung zu verbrauchenden Frischwürsten für eine längere, oft Monate dauernde Aufbewahrung hergerichtet. Die Konservierung wird außer durch Dalzzusah und reinliche Herstellung erreicht durch Trocknen und Räuchern bei den Rohwürsten (Zervelat-, Mett- und Bratwürste) und durch Kochen und Rauchern bei den Kochwürsten (Leber- und Blutwürste, Schwartemagen und dergleichen). Die Haltbarmachung durch Verwendung antiseptisch wirkender chemischer Stoffe wie z. D. Borsäure, schweflige Säure, Benzoesäure usw. ist gesundheitsschädlich und gesetzlich verboten. Lediglich gegen die Verwendung geringer Mengen von Salpeter bei der Herstellung von Rohwürsten und bei der Pökelung ist nichts einzuwenden.
Gutes Trocknen der Würste ist zur Vorbereitung und Unterstützung des Räucherns dringend erforderlich. Die haltbarmachende Wirkung des Räucherns beruht darauf, daß erstens dem Fleisch bei der im Räucherraum herrschenden hohen Temperatur Wasser entzogen wird, und daß außerdem die im Rauch enthaltenen desinfizierenden Stoffe (Kreosot, Karbolsäure. Kohlensäure, brenzliche Oele usw) das Wurstfüllsel durchziehen. Angewendet wird die langsame, tage- und wochenlang dauernde sogenannte Kalträucherung, bei der ein Rauch von 20—25 Grad Celsius auf die Würste einwirll.
Durch das Kochen der Kochwürste werden die stets im Füllsel vorhander-en Fäulnisbakterien abgetbiet. Richtiges Durchkvchen der Wurst ist erforderlich, da sonst in der Mitte drr Wurstmasse vollkommen unberührte Bakteriennester zurückbleiken, die auch nach den schärfsten Räuchern noch ein Verderben der Wurst herbei'ühren tonnen, lleberhaupt kommen für das Verdorben- fein von Dauerwürsten folgende Mr acken in Frage. Entweder liegen Fehler bei der Herstellung vor, wie z. B. das schon erwähnte unzureichende Durchkochen, mangelhaftes Stopfen, Unsauberkeit und dergleichen oder aber die unsachgemäße und zu lange Aufbewahrung ist schuld am Verderben und damit an empsindlichen wirtschaftlichen Verlusten.
Zur Herstellung von Rohwurst eignet sich am besten gutes kerniges Knbfl'-tsch und Fl e i ch von älteren gut gemästeten Schweinen. Fleisch von jungen Rindern und Schweinen ist weniger geeignet. Bei Hausschlachtungen rersäbrt man am besten in der Weile, daß man die Tiere ein bis zwei Tage vor dem Wurstmachen abschlachtet und sie in einem kühlen und luftigen Raum a u f h ä n g t. nicht hinleqt. Da Kochwürste gut und vollkommen durchgekocht sein müren, empfiehlt es sich, für Dauerware keine zu großen Mägen und Blasen als Wursthüllen zu benutzen, sondern nach Möglichkeit kleine. Auf alle Fälle ist eS ratsam, die großen und dicken Würste zuerst zu verbrauchen, bevor eine vielleicht im Innern vorhandene nicht durchgekvchte Stells die ganze Wurst verdirbt. DaS auf dem Lande geübte Aufheben der dicken „Günther" bis zu allerletzt ist ein Fehler.
Bei Dauerwürsten tritt die Fäulnis ganz anders auf wie bei Frischwürsten. Letztere werden
zuerst schamertg und bann tm Innern graugrün oder rötlichgrün: dabei strömen sie einen säuerlich widerlichen Geruch aus. Fauliger R o h - wurst ist dagegen äußerlich meist gar nichts anzusehen. Be'.m Anschneiden oder Anbrechen merkt man einen eigenartig widerlichen Geruch, der allerdings durch den Rauchgeruch oder durch den Geruch von Gewürzen (Knoblauch!) teilweise oder ganz verdeckt sein kann. Immer aber ist als wichtigstes Kennzeichen der fauligen Zersetzung bei Rohwürsten die Wurstmasse verfärbt, und zwar oft grell ziegelrot, seltener graubraun oder grünlich. Meist liegen bei der rohen sogenannten Winterware Mischprozesse mit Ranzig- teit vor. Faulige Kochwürste sind rm Kern erweicht, schmierig, meist Heller als die übrige Wurstmasse oder auch grünlich verfärbt und riechen säuerlich. Faulige Würste jeder Art sind geeignet, die menschliche Gesundheit zu schädigen, und daher zu vernichten. Durch Kochen oder Braten werden die giftigen Stoffwechselprvdukte der Fäulnisbakterien nicht unschädlich gemacht. Vor der Unfitte, faulige Würste durch Kochen ot-er Braten „genießbar" zu machen, muß nachdrücklichst gewarnt werden. Wurstvergiftungen nehmen nicht selten einen tätlichen Ausgang.
Das Ranzigwerden ist die bei der Dauerwurst am häufigsten anzutreffende Zersetzung, weil ganz zu Unrecht die irrige Ansicht besteht, Dauerwürste seien unbegrenzt haltbar. Beste Winterware hält sich höchstens ein Jahr, meist nur fünf bis acht Monate. Sommerware ist schon nach zwei bis sechs Monaten ranzig bzw. ranzig und säulig zersetzt. Die Ranzigkeit ist eine AllerSerschei- nung, bei der sich daS Fett der Wurst unter dem Einfluß des Lichtes und der Luft verändert und einen gelben Farbenton annimmt Die Wurst bekommt einen grauen Rand, der sich durch bie gelbe Verfärbung der Fetteilchen von dem so- genannten Frostrand unterscheidet.' Im vorgeschrittenen Stadium der Ranzigkeit ist auch das Innere der Wurst schmutziggelb verfärbt. Die Schnittfläche ist in der Regel feucht Bei so weit vorgeschrittener Ranzigkeit ist die ganze Wurst als gesundheitsschädlich zu beanstanden. Ranzige Wurstränder müssen weggeschnitten werden. Ist nur die Wursthülle ranzig, so ist dies in gesundheitlicher Hinsicht bedeutungslos, da die Hülle nicht mitgegeffen wird.
Ebenso bedeutungslos ist die Anstellung von .Schimmelpilzen auf Dauerwürsten. Die Pil^e lassen sich durch Abwaschen mit Salzwasser leicht entfernen. In Hohlräumen schlecht gestopfter Würste finden sich ebenfalls häufig grünliche Pilzrasen. Sie sind als gesundheitsschädlich anzusehen und durch Wegschneiden zu entfernen.
Don Krankheitskeimen können durch Verarbeitung des Fleisches kranker Tiere Tuberkulose-, Milzbrand-, Rauschbrand-, Rotlauf- und andere Keime in die Würste gelangen. Auch kann gesundes Fleisch nachträglich mit Kran^eitskeimen menschlicher Herkunft angesteckt werden. Peinliche Sauberkeit bei der Zubereitung, Verwendung einwandfreien Fle.sches und gesundes Personal sind unbedingt erforderlich bei der Herstellung von Würsten und Fleischwaren jeder Art. Derartige Rahrungsmittel unbekannter oder zweifelhafter Herstellung weise man unter allen Um- ständen zurück, weil sie häufig auS Rot- und Schwarzschlachtungen stammen, bei denen die vorschriftsmäßige älntersuchung der geschlachteten Tiere umgangen wurde.
Am nächsten Rachmittag bekam ich von „Ihm" eine lange Strafpredigt über Verschwendung und Sparenmüssen in diesen Zeiten.
Ihnen aber, liebe Leserinnen, habe ich hoffentlich mit meiner kleinen Plauderei auch zu neuen eleganten Hüten verholfen.
<5onfa v. M.
•* Wichtig für Lungenkranke. Die Sprechstunden der Fürsorgrstelle für Lungenkranke in drr Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden Montagnachmittag von 4biS5 Uhr statt. Lungenkranke und Krank- heitSgesährdete, di« in ärztlicher Behandlung stnd, bedürfen einer Heber Weisung ihres Arztes an die Lungrnfüriorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten.
** Der Gewerkschaftsbund derAnge- stellten (G. D. 21.) hat jetzt eine eigene Geschäftsstelle für die Provinz Oberhessen in Gießen errichtet. Die Geschäftsstelle befindet sich in den Schwarzschen Bauten in der oberen Bahnhofstraße.
- Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Dieser Tage sprach in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Geh. Hofrat Pros. Dr. E. Oberhummer aus Wien über Beobachtungen auf einet Weltreise. Cs war eine Wellreise eigener Art, welche von den Vereinigten Staaten unternommen wurde, am 500 Studenten die Welt zu zeigen. Gleichzeitig wurde auf dieser schwimmenden Universität unterrichtet und während der Fahrt der Lehrbetrieb aufrechterhalten, bei Landungen durch Exkursionen viel Wissenswertes gezeigt. Der Redner führte seine Zuhörer in schnellem Wechsel durch die besuchten Landschaften, nach Cuba, durch den Panama larval, nach Honolulu und Japan. Die Zerstörung durch die Erdbeben, der Unterschied zwischen Alt- und Reujapan im Städtebau wurde tm Bilde vorgeführt, und den gleichm Gegensatz zeigte Hongkong mit dem Stadtplan oer Altstadt, Der wie ein verschnörkeltes Ornament anmutet. Rasch wechselten Gegenden, Dolkstypen und Rassen, Bauart der Städte und ihr Leben. Die Philippinen wurden besucht, in Siam sahen wir einen Teil alter südasiatischer Kultur in den drei Hauptstädten des Lande-Z, machten einen Empfang beim Herrscher mit, tarnen in die tropische Pracht Javas und fuhren durch die Sundastraße, um die Dulkanruine des Krakatau zu bewundern, dessen gewaltiger Ausbruch vor 45 Jahren die halbe Insel verschwinden ließ. In Indien entzückten uns hie Bauwerke mit ihrer reichen Ornamentik, die in starkem Gegensatz zur klassischen Ruhe griechischer Baudenkmäler stehen, und von denen der Weg nach Aden mit seinen gewaltigen Wasserbehältern führte. Durchs Mittelmeer ging die Fahrt nach dem malerischen Lissabon, sowie durch Spanien und Frankreich zurück nach Deutschland. Vieles and Vielseitiges lieh der Redner an seinen Zuhörern vorbeiziehen, das durch den Gegensatz wirkte und durch die angenehme Art des Vortrags.
Oberheffen.
Latrrtreis Gießen.
OO Klein.Linden, 9. Nov. Der weit über die Grenaen unseres Dorfes hinaus bekannte Red tor L 3L Albert Boßler verschied heute nachmittag gegen 5 Uhr infolge eines Schlaganfalls. Geboren 1860 in unserem Nachbardorf Heuchelheim, besuchte er von 1878 bis 1881 das Lehrerseminar zu Friedberg und fand seine dienstliche Verwendung in Ruppertenrod, Quetfborn und feit Mitte der 90er Jahre in Klein.Linden. Hier wurde er bald eine beliebte Persönlichkeit, denn mit Rat und Tat war er allezeit bereit, jedermann behilflich zu sein. Seine Heimalliebe und sein tiefgründiges Wissen auf dem Gebiete der heimatlichen Volkskunde befähigten ihn, mit großem Geschick die „Heimatvereiniaung Stiem- Linden", eine Vereinigung aller Heimatfreunde unseres Dorfes, aufs beste zu leiten und zu fördern. Auf dem Gebiete der Volkskunde hat er sich schriftstellerisch betätigt; bekannt ist seine „Gesch chte des Dorfes Klein-Linden". Mehr als 30 Jahre war er Rechner der hiesigen Kleinkinderschule und bis zum Jahre 1927 Organist unserer evangelischen Kirche. Im Jahre 1925 trat er nach 44jährigem Schuldienst infolge des Abbaugesetzes in den wohlverdienten Ruhestand, besten er sich aber nur 3 Jahre erfreuen durfte.
ch Stockhausen, 8. No-, Heute mittag gegen 12 Uhr kam ein Flugzeug aus der Richtung Kassel, um über Gießen nach Frankfurt a. W. zu fliegen. Llnweit unseres Ortes, zwischen Frcienseen und Weickartshain, mußte es eine Rotlandung vornehmere. Schnell hatten sich viele Bewohner der umliegenden Orte aus bem Seental eingefunden, um diesen Gast, den man sonst nur hoch oben über den Dörfern schweben sieht, aus der Rähe zu bewundern. Gegen 7g3 älhr versuchte es, sich wieder in die Lüste zu schrauben, mußte aber nochmals nicht weit von Lardenbach den Boden aussuchen. Gegen 3 Uhr endlich gelang es ihm, abzufliegen, nachdem man das Flugzeug auf einen erhöhten Kleeacker gezogen hatte, wo dann der Start gelang. Der Pilot unternahm den Weiterflug allein, währeill) der Mitfahrer mit der Dahn noch Frankfurt fuhr. Das Flugzeug beschrieb noch einige Kurven über dem Seental, um sich bann immer höher in sein Element zu erheben und schließlich den Rachblickenden zu entschwinden. Der Eindecker trug die Rümmer D1093.
Kreis Friedberg
/£ Bad-Rauheim, 9. Rov. Der hiesige Horst des Deutschen Pfadfinderbun- d e S veranstallete im Turnerheim einen Sprel- abend, dessen fein gewählte Darbietungsfolge auf beachtenswerter Höh? stand und starken Anklang fand. Ein „Pfadfinderlaacr" zeigte die stark geistig eingestellte Seite des Pfadsinder- bundes. LandSknechtsleLer, Lautengesänge, sinnige Sprüche und Erzählungen von H. Löns füllten in reicher Folge das Logerieben aus. 3m zweiten Teil des Programms wurde Lessings „PhilotaS"
recht trefflich toteftetgegebfli ObedBeafna»! «. M v. Strzamieczny, ein warmer Freund be Pfadfinderjugend, machte in einer kurzen Ansprache mit Inhalt und Ziel der Pfadfindev» bewegung bekannt. Gr konnte mitt eilen, dah sich unter den Erwachsenen eine Vereinigung der Förderer der Pfadfinderjugenll gebildet habe, die erfreulicherweise in Dad-Rau- heim schon zahlreiche Mitgli der zähle. — Gestern spielte das Hessische Künstlertheater, da- von der hiesigen Volksbühne zu sechs Theater- aufführungen im Laufe des Winters verpflichtet ist, Schiller- „Maria Stuart". Durch daS Entgegenkommen der Bad- und Kurverwaltung, die den Theatersaal des Kurhauses zur Verfügung stellte, und der Stadtverwaltung, die einen Zuschuß von 120 Mark bewilligt hatte, konnte die Vorstellung nachmittag- auch für Schüler der Oberrealschule und del Fortbildungsschule gegen einen mäßigen Eintrittspreis gegeben werden. Auch von Friedberg konnten noch 60 Schüler zugelassen werden.
Kreis Büdingen.
!! Büdingen. 9. Rov. Der Gemein de - r a t beschäftigte sich tn seiner jüngsten Sitzung zunächst mit der Stellenbefetzung an der Stadtkasse. Diefe Angelegenhrit hat den Ee- meinderat bereits mehrfach beschä tigt. Der Vorsitzende richtete nun die Frage an den Gemeinte- rat, ob der Bewerber Otto K n a f als gewählt anzusehen sei. Die Abstimmung ergab' die Tte- jahung. Im weiteren Verlaufe der Sitzung touibe eine Abänderung zur Orssatzunq über die Benutzung der städt. Kan älle angenommen. Zur Ortsfatzung über die Erhebung einer Filia l steuer Warden die vom Ministerium des Innern vorgeschlagenen Abänderungen vom Gemeindcrat gutgeheißen. Gelegentlich dnefl Rundganges verschiedener Herren der Stadtverwaltung und des Verkehrs» und Derschl>nerungS- vereins wurden im Stadtbild verschiedene Mängel festgestellt. So wurde ganz besonders der Zustand des Z.egelhüttenwrges beanstandet. Der Gemeinderat hat nun die Bürgermeisterei mit der 2lbstellung der Mängel beauftragt
△ Ridda, 9. Rov. Um die neugeschaffen« Hausmeister st eile für die hiesige Realschule hatten sich 22 Bewerber gemeldet, unter denen einige von auswärts waren. Dee Stadtvorstand hat die Stelle dem Barbier Karl Ferro II. hier übertragen. Mit der Stelle ifti eine geräumige und freundliche Dienstwohnung im neuen Realschulgebäude verbunden, die wahrscheinlich für viele Bewerber der Hauptgrund zur Meldung war.
• Berstadt, 9. Rov. Dieser Tage könnt, Johannes Dieffenbach XL hier fein 50jähriges Dienstjubiläum als Kirchendiener und Glöckner der Gemeinde feiern. In dieser langen Spanne Zeit war er in dem einst von seinem Vater übernommenen Dienste fteil äußerst pünktlich, gewis enhast und zuverlässig, was auch im Kirchweihgottesd'.enst durch Verlesen von Anerkennungsschreiben des Landeslirchrn- amtes und des e bang. Dekanats Ridda, sowie in herzlichen Danlesworten W Ortsgcistiichen zum Ausdruck gebracht wurde. Gemeinde und Kirche ehrten den Jubilar durch Ueberreichung eines SesielS als bescheidenen Zeichens ihrer Dankbarkeit für treu geleistete, langjährig« Dienste. — Zu gleicher Zeit konnte auch unser« seitherige Handarbeitslehrerin. Frau Elis« Pflüger, auf eine 28jährige Lehrtätigkeit an unsererDolksschule zurückbliäen. Die Gemeinde lieh eS sich nicht nehmen, auch ihr einen Sessel zu übermitteln, zum Beweise dafür, dah die Gemeinde dankbar anerkennt, waS di« Jubilarin in langer, mühevol er Arbrit an der weiblichen Schuljugend d:S Dorfes geleistet hat. Wir können hier nur den aufrichtigen Wunsch äußern, dah beiden betagten Iubilaren ein freundlicher, ungetrübter Lebensabend beschieden sein möchte.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 9. Rov. Die Hackf rücht« fino jetzt erngeerntet. Während die Kartoffelernte sehr gut ausgefallen ist, lassen die Di ck- wurzer teilweise vrel zu wünschen übrig; ft« sind vielfach stark gerissen. Die Aussaat der Winterfrucht ist bis auf wenige Weizenäcker beendet. Das Korn hat sich schon recht schön entwickelt. — DaS hiesige Johann- Friedrich-Stift bedeutet für unser Städtchen und die nähere und weitere Hmgegeitb ein« grobe Wohltat. Im letzten Jahre wurden im Altersheim 13 Alle, tm SiechenhouS 15 Pfründner verpflegt. Auch das neue Krankenhaus wirkt sehr seqmsreich: 360 Personen mit 13 255 Pflegetagen lanbm hier Aufnahme, 158 Operationen der verschiedensten Art wurden auSgeführt, 104 Aachtwachen geh allen. An bei Anstalt arbeiten sieben Schwestern auÄ dem Darmstädter Diakonissenhaus. 3m Durchschnitt besuchen 40 Kinder die Kleinkinderschule. Die Landwrrte unseres Städtchen- und der Umgegend unterstützen die Verwaltung der segensreichen Anstall durch Lieferung von Gemüse, Obst, Kartoffeln usw. tatkräftig. Immerhin sind schwere Sorgen finanzieller Art zu überwinden. Man war auch zu baulichen Erweiterungen gezwungen. Ein neue- Gebäude wurdeerrichtet, das im unteren Stockwerk Waschküche. Bügelstube und Holzstall, im oberen die Wohnung des Wärters enthält. — Mittwoch wurde hier der noch tn rüstigem Mannesaller jäh verstorbene, allgemein beliebte Dauinspektor Gl11sch zur letzten Ruhe bestattet. Er ist an den Folgen eines bei Freienseen stattgehabten Autounfalles verstorben Er war nur wenig übet ein Jahr hier tätig, als Rachfolger des ebenfalls im besten Mannesaller verstorbenen Dautnfpek- torS Sommerkorn Vorher war der mm Verewigte in Hungen tätig.
wg. Gedern, 9. Rov. Bei den anläßlich des diesjäh:iaen RvtkreuztageS veranstalteten Haussammlungen tomben gespendet in: Durlhirds 1850 Mk.. Gedern 175.19 OHL. Glashütten 42.25 Mk., HartmannSham 14.20 Mk.. Herchenhain 29.30 Mk., Kaulstos 1SL80 Mk., Mittel-Seemen 14.— Mk^ Rieder-Seemen 12.80 Mk., Ober-Seemen 50.40 Mk., Ober-Cai» 3550 Mk.. Sichenhausen 14.— Mk., Steinberg 52— Mk., Volkartshain 12.20 Mk-, insgesamt also 490.14 Mark. Rach Abzug der Unkosten verblieb ein Reinertrag von 410.94 Mk.. von welchem 30 Prozent an das Deutsche und Hessische Rote Kreuz abgetiefert wurden, während die restlichen ZO Prozent den örtlichen Rvt- kreuzorganisationen überwiesen wurden.
V Gedern, 9. Roo. Der Ertroa der Grasnuhung unserer großen Gemeinde- Wiesen ist in Den letzten Jahren bedeutend z u- rüdgegangen. Sv wurde u. a. tm Jahve 1927 die Grasnutzung ehret •/* Morgen großen Wiese mit 60 Pf. bezahlt. Für den Stadtfäckel


