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Ur 266 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen)

Samstag, |0. November 1928

3m Kampf um Weltfrieden und Abrüstung.

Eine Umfrage am zehnten Lahrestag des Waffenstillstands.

Zeldi^arfchalt von Hindenburg, Präsident des Deutschen Reiches:

Seitdem Rapoleon seine Feldzüge gefüh.t, haben sich die Leiten geändert. Keine Muskelkraft kann an Stelle der Tanks, der Giftgase, der Flugzeuge und der schweren Qlrtillevie treten. Qlber Deutschland hat kein Interesse an Kriegen und Kämpfen, Deutschland ist mit seinem inneren Wiederaufbau beschäftigt.

M. Doumergue, Präsident der französischen Republik:

Aus den schrecklichen Folgen des Krieges scheint eine Tatsache mit aller Klarheit hervor- zutreten: Die Rationen befreien sich von der Abschllehung, die vor dem Kriege so üblich war, und beginnen in menschlicherer und ernsterer Weise sich umeinander zu kümmern. Die Be­mühungen zum gegenseitigen Ver­ständnis . das Verstehen der Zu- und Ab­neigungen der einzelnen Völler, all das wird in der nächsten Zukunst schöne Früchte tragen. Meiner Ansicht nach besteht das beste Mittel zur Vermeidung von Mißverständnissen darin, alle Äationen auf friedlicher Grundlage zu ver­einigen und sie durch geistige und gefühlsmäßige Momente zu binden.

Calvin Coolidge, Präsident der Bereinigten (Staaten von Amerika:

Wir alle erkennen sehr wohl die Rotwendig- Utii, daß wir jede nur erdenkliche Vorsichts­maßregel treffen müssen, um uns und die üb.ägs Well vor einer ähnlichen Tragödie zu bewahren, wie sie im Jahre 1914 über uns hereinbrach. Wahrend man natürlich niemals die natio­nale Verteidigung feines Landes aus dem Auge lassen sollte, so sind dennoch die Arbeiten zur Erhaltung des F.iedens gleichfalls nötig, und ietter Mann und jede Hrau sollten daran mitwirken. Das amerikanische Volk ve langte von seiner Regierung, daß sie alles versuchte, was in ihrer Kraft stand, die Schwierigkeiten, die bei der Frage der Regelung der Affären mit anderen Rationen bestanden, auf diploma­tischem Wege beizulegen und unter keinen Umständen Waffengewalt anzuwenden.

Benito Mussolini, königl. italienischer Premierminister:

Wir wollen keinen Krieg, aber wir wollen bereit sein. Alle Friedensverträge haben ihre Fehler. Viele Probleme, die durch den Krieg und den Frieden entstanden, werden eine Lösung verlangen. Es gibt Rationen, die ein­fach unter den augenblicklichen Verhältnissen nicht leben können. Man denke nur an Ungarn. Die Rot des ungarischen Volles ver­langt dringende Abhilfe, ilnD dann, Italien, gleichfalls in schwerer Rotlage. Die F age der kolonialen Ausdehnung, die für Ita­lien so ungemein wichtig ist, wird ebenfalls zu­sammen mit den anderen Problemen, die für die ganze Well von Bedeutung sind, gelöst werden. Aristide Briand, französischer Minister

der auswärtigen Angelegenheiten:

Wir waren in der Dergangenhüt oft schweren Gefahren nahe und haben bei verschiedenen Ge­legenheiten erkennen können, daß die Lage in Europa noch nicht jene Ausgeglichenhüt und innere Festigkeit erreicht hrt, die den Staats- mern gestatten würde, ihre Wachsamkeit und sh re Friedensbemühungen auszug-eben. Gs gehört mll zu den gewaltigsten und größten Ausgaben,

Gießener Gtaöttheater.

Schiller:Ton Carlos".

Di« furchtbare seelische Bedrückung, die der junge Schiller samt seinen Kameraden unter der Fuchtel des brutalen und engstirnigen Da­nausenherzogs Karl Luien hat auf sich nehmen und bis zur verzweifelten Flucht hat durch- kämpsen müssen, schaffte sich in drei elementar- gewallig ausbrechenden Entladungen seines miß­handelten und fast abgewürgten Künstleriu^ns mächtig Luft: in denRäubern", imFieseo", inKabale und Liebe". Drei Schauspiele nach­einander wie ein dreimaliger wilder Aufschrei in tyrannos". Der zittert noch nach im vierten und reifsten Werk der Schillerschen Jugend, im »Carlos". welcher in drei Ansätzen, drei großen Schaffensperroden, mehrfach unterbrochen, zurück­gestellt um derMillerin" willen, noch ganz auS der seelischen Stimmung heraus geschrieben ist, in der mit fliegenden Kielen die ersten drei Dramen aufs Papier geworfen worden waren.

Der große, bis in die nächste Gegenwart wir­kende Zwiespalt der Generationen, der ewige Widerstreit zwischen Vätern und Söhnen in denRäubern" ist hier ins Historisch-Politische gewendet. Die treibenden seelischen Energien dar Luise Millerin", Liebe undKabale", sind aus dem Bürgerlichen in die Staatsaktion übersetzt. Der geschichtlich verbrämte Freiheitsgedanke im Fiesco" wird auf anderer geschichtlicher Ebene wiederaufgenommenen und zugleich in einem tiefe­ren Sinne über nationale und zeitliche Begren­zungen hinausgehoben.

Schon ist imCarlos" aber die große Wand­lung eingeleitet, ganz Reues geschieht, wird dies im älebergang von der aufgewühlten, l- . X l'-.l v* *. i.. ..

naturnahen Prosa der Sturmzeit zum Blank- Vers, zum edeln Maß der Klassizität und der großen Tragödie an. ImCarlos' wurde, was zuvor aus eigenem bitteren Erlebnis als ge­quälter Schrei eines geknechteten Herzens, als Ausbruch mißhandelten und mit Füßen getre­tenen Gefühls sich wild und krampfartig enllud. gebändigt, ins älnpersönliche gemäßigt und zur großen, menschheitlichen Idee geweitet: die fünf gewaltig ausgreifenden Akte des dramatischen Gedichts waren bestimmt, fünf ragenden Pfei­lern gleich das mit demRathan" des Ham­burger Dramaturgen und der GoethrschenIphi-

den Frieden wirllich Wiederherzust eilen. Roch sind nicht alle Wunden ve.heilt, noch bluten manche. Die Furcht mancher Qtattonen, daß ih e augenblickliche Sicherheit teil eswegs garan­tiert ist, ist berechtigt. Die Regelung all dieser Faktoren, die ost im Widerspruch zueinander stehen und gefahrbringend sind, verlangt eine ständige Aufmerksamkeit und dauernde Bespre­chungen zwischen den Ministern der verschie- denen Länder. Aus folgendes aber sollte das besondere Augenmerk gerichtet werden: Es be­steht eine Art Seuche eines internationalen Gei­stes, der es bewirkt, daß bei den Zusammen- künfien in Genf die Vertreter der einzelnen Länder, ohne freillch die besonderen Interessen außer Acht zu lassen, die Dinge doch in einem anderen Lichte seben, als wenn sie i n ihrer Heimat geblieben toä.en und nur durch Kuriere miteinander verhandell hätten.

George Clemenceau, ehemaliger französischer Premierminister:

Die Verhältnisse werden durchaus zufrieden­stellend bleiben, solange die gegenwärtige Machtverteilung auf dem Kontinent bestehen bleibt. Erlridet aber du-ch eine Reu - erstarkung des deutschen Imperia­lismus dieses Verhältnis eine Aenderung. so wird Europa einen neuen Weltkrieg auszu- kämpfen hiben. Die Geschichte hat sich noch im­mer wiederholt, aber bi2 Menschen sollten solche Wiederholungen unmöglich machen. Der Frie­den beruht auf der größten Zahl der Armeekorps und ist das Werk der mili- tärisch stärksten Macht.

Marschall Joch, Oberkommandierender der aliiTerten Armeen im Weltkrieg:

Riemand kann sich über die Zukunft äußern. Der letzte Krieg hat infolge der riesigen Opfer, die er gekostet, infolge seiner, unvermeidlich:n Ausdehnung über die ganze Welt, die der Kampf zwischen zwei großen Rationen verursachte, und infolge des Abscheus, mit dem ec die Herzen aller Menschen epüllt hat, auf jeden Fall einen neuen Weltkrieg in nächster Zukunft unmöglich gemacht.

Francois Marsal, ehemaliger französischer Premierminister:

Ich gebe zu, daß die Friedensverträge unvoll­kommen, daß sie schlecht entworfen waren, aber ich glaube, man sollte sie (sicherlich ist es das Beste) so lassen, wie sie einmal bestehen, ob­gleich sie viel zu wünschen übriglassen. Ich trete, ehe ich etwas in irgendeiner Weise ändere, Hefter mit aller Kraft für den Status quo ante ein. Fünf Jahre war ich an der Front und im Schützengraben: ich habe genug und will fein Blutvergießen mehr sehen. Aber was ich gerne sehen möchte, ist. daß man der Menschheit eine Erholungspause gibt und dies sollte aus der Landkarte Europas zum Ausdruck kommen. Ich bin Überzeugt, daß Del einer älmgeftaltung der augenblicklichen Grenzen, es nicht In der Weise geschehen tonnte, daß man weitere An­griffskriege unmöglich machen würde. Das bieße aber aut Barbarei zurückkehren. Rein, lassen wir die Sachen, wie sie sind, und ruh?n wir rrnS alle einmal richtig auS und lassen die Wunden vernarben und Hellen.

Biscountetz Astor, Mitglied des britischen Parlamentes:

Ich erUace mit aller Bestimmtheit, daß es In der Hand der Frauen Hegt, die Welt von kommenden Kriegen zu befreien. Die Frauen

gerne" begonnene Bauwerk in innerer Harmonie zu volleiiden. Im vollen Akkord dieses Drei- klangs verkündet sich die geistige Form des ge­läuterten Iahrsuaderts: im streng stilisierten Szenengefüge Bekenntnis und Forderung der Humanität.

Eine ältere Definition besagt, zu den Klassllern sei zu zählen, was bei Reclam für zwanzig Pfen­nige erhältlich ist und im Theater seine drei Stunden bauert (Hier wird es, mit den Strei­chungen. sogar um eine runde Stunde mehr.) Diese Erläuterung ist nicht gerade erschöpfend, aber bezeichnend, und sie gibt der Regie, zumal im FalleDon Carlos', unmißverständliche und beherzigenswerte Winke. Heber ein sehr fest begrenztes Zellmaß läßt sich der moderne Thea­terbesucher (wenn er schon um feiner Bildung willen hingeht und nicht zugeben würde, daß er sich bisweilen rechtschaffen gelangweilt hat) ein klassisches Stück nicht oorsehen. Selbst durch eine ehrwürdige Tradition' grh.il gte Ausnahmen wie diese hier läßt et nur ungern gelten: der Regisseur habe die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, darauf Rücksicht zu nehmen und emsig den Rotstift zu schwingen. In der Tat be­kommt man einen ungestrichenenDon Carlos" heute so gut wie nirgends mehr zu sehen. Es kann sich also fast stets nur darum handeln, was und auf welche Weise gekürzt und Zell gespart worden ist.

Die gestrige Aufführung ist von Oberspielleiter T a n n e r t inszeniert worden. Es muß ihm zu- gestanden werden, daß die Streichungen, die er vorgenommen Hal, zu rechtfertigen sind. Zum mtn.be ft en dürfte es nicht leidjt sein, vom Stehen­gebliebenen nennenswerte Teile gegen die Aus­sparungen einzutauschen. Obwohl manches, was man zu sehen erwartet (z. B. die große Audienz, III 6), zu vermis en war, und wiewohl zu bedenken ist, ob die Zusammenzehung in der vorliegenden Form dem Verständnis der oft verwickelten Linienführung des Stückes in der wünschens­werten Weise entgegenkommt, ilebrigenS war bie Aufführung rein szenisch durchaus einwand­frei gdöft Die Raumgestaltung (Löffler) gab gute und stimmungsvolle Bilder in einem beider­seits fest begrenzten Rahmen. Gelegentlich wären seitliche Zu- und Abgänge zweckdienlich gewesen, da die an sich wirksame Treppe im Mittel- und Hintergründe, zumal bei Gruppenauftritten, nicht immer die erforderliche Bewegungsfreiheit ge­stattet.

werden auch dafür sorgen, daß die Männer in Zukunft vernünftiger hindeln we.den, als sie es bisher getan haben. Ich gebe zu, daß die Män­ner bereits viel bedächtiger geworden sind als früher, und ich werde auch den Grund hier- füi angeben. Sie Haven nämlich bamit ange­fangen, uns Fcauen a ls vernunftbegabte Wesen zu betrachten. Hat aber der Mann einmal begonnen, sich mit uns Frauen auf ver­nünftige, verstandesmäßige Art einzulas'en, so erkennt er auch sofort, daß er mit uns z a rechnen haben wird. Ich erkläre, daß der Frieden in der Hauptfachs- auf den Frauen be­ruht, doch gibt es noch viele Millionen Frauen in der Welt, die zwar den Frieden wollen, die sich aber geistig nicht mit der Friedensidee be­fassen, nicht darüber nachdenken, wie er zu er­reichen sei. Wir müssen daher in die Welt gehen und solche Frauen leyren, wir dürfen nicht nur national denken, nicht nur internatio­nal denken, sondern auch vernunfigemäß. Wir müssen soviel von unfern Eigenliebe aufgeben, uns innerlich frei machen, eh2 wir an die Arbeit gehrn können und die Menschen überreden, dir anderer Meinung als wir selbst sind. Vor allen Dingen aber müssen wir ehrlich sein. Die häßlichen Dinge können vor einem reinen Herzen nicht bestehen. Anständigkeit der Gesinnung ist es, was toir In dieser Stunde zuerst fordern müssen.

Sir Austin Chamberlain, königl. groß- briianischer Minister öer auswärtigen Angelegenheiten:

Wir betreiben eine Versöhnungspoli­tik trachten nach Verständigung und F.ieden. Was in unserer Macht steht werden wir tun, um einen Weg zur Lösung etwaiger Schwierig­keiten zu finden, die sich zwischen uns and unseren Rachbarn ergeben sollten. Obschon wir keinerlei Absicht h den, Diktatorengewalt auszuüben, und uns der Wunsch durchaus fern liegt. irgendeinem anderen Lande eine bestimmte Politik vorzuschrei- |

ben, so wollen wir doch darauf hinwllken, der Welt den Frieden zu sichern, der besteh.nden Zivilisation die Möglichkeit des 'Wei ter bestehens zu geben. Dor allem aber trachten wir darnach, daß unsere Söhne und Enkel dereinst nicht eine ähnliche Tragödie zu durchleben haben werden, wie wir es haben tun müssen.

G. Bernard Shaw:

Wirlliche Abrüstung ist unmöglich. Jedes­mal wenn man abzurüsten beschließt, sind bie Waffen bereits veraltet. Keine Ration wird jemals wirllich abrüsten können, selbst wenn sie es wollte. Es wäre viel besser, wenn wir mit unseren bloßen Fäusten kämpfen würden. Die vernünsfigste Lösung wäre bie, daß man Die Könige und Staatenlenker die ganze Geschichte im Boxkampf ausfechten ließe. Für bad Ergebnis würde es feinen ilnterfdjub machen und viele kostbare Leben wären gerettet.

Lord Reading, ehem. Dizekönig von Indien:

Die große Idee, die jeder im gegenwärtigen« Augenblick vor sich sieht und die jeder in Eng­land als Ideal zu verwirklichen trachtet, und too.ür ein jeder wohl viel zu opfern bereit wäre, ist die Beseitigung des Krieges, die Sicherung des Friedens. Rie wieder, so laßt uns hoffen, soll sich das wiederholen, was wir während des Weltkrieges erlebten. Wenn im Laufe der Jahre die Böller die Verträge, die sie unter- zeichneten, richtig verstehen gelernt Ha­ven, und die Mentalität Der Rationen sich gegen jeden Kampf gerichtet haben wird, dann wird auch niemand mehr Daran denken, mit dem Säbel zu rasseln und auf militärische Hebeilegen- heit zu pochen. Dagegen wird die Menschheit erkennen, daß es das Beste ist, alle Dispute und solche werden und müssen entstehen durch friedlich: Verhandlungen und Auseiaanderfehun- gen zu begleichen. Auf diese Weise wird bann auch der Frieden gesichert sein.

Der Zusammenbruch Oestemich-ilUMliZ

Don Generaloberst Arz v. Straußenberg, ehemaligem Ches des tu.f. österr.-ungar. Generalstabes.

Die alte österreich-ungarische Armee war aus den verschieden st en Nationalitäten zusammengesetzt und bildete ein so bun­tes Gemisch fremdrassiger Völler schäften, wie wohl kaum eine andere Armee. AuS diesem Grunde hatte unser Heer weit größere Schwie­rigkeiten zu überwinden als eine Armee, die aus rein nationalen Truppenkörpern zusam­mengesetzt war, und daher fühlten wir das Herannahen des Zusammenbruches auch weit eher als unsere Verbündeten.

Zwei Momente tm Verlauf des Krieges waren es vor allem, die einen ungeheuren Einfluß auf die endgültige Entscheidung auSübten. Einmal war es die Marneschlacht, die uns eigent­lich aller vernünftigen Hoffnungen auf den Sieg beraubte, und schließlich war es der Zusam­menbruch Bulgariens, der unS auch der letzten Chance für einen einigermaßen erträglichen Frieden beraubte. So kam es zu dem Frieden, der die Existenz der jahrhundertealten Monarchie vernichtete.

Die Führer der österreich-ungarischen Armee waren sich bereits Ende 1915 darüber klar, baß die Hoffnungen auf Sieg nur noch sehr ge­ring waren, ilnfere Hilfsquellen an Menschen wie Kriegsmaterial neigten sich immer mehr ihrem Ende zu. Die Jahre 1914 und 1915

hatten der österreichischen Armee ungeheure Verluste gebracht. Der Heeresabgang, ent­weder durch Tod oder durch Gefangenschaft, betrug etwa 2 Millionen Mann. Es war voll­kommen unmöglich diesen ungeheuren Verlust aus unseren eigenen Reserven zu ersetzen. Der einzige Gedanke, der uns beherrschte, war dem- zufolge nicht etwa ein Ringen um den Sieg, sondern der Kamps um die Aufrecht­erhaltung des Staates und um die Herbeiführung eines Friedens, der die Lebensinteressen der Dvppelmonarchie wah­ren sollte. Hätte natürlich In Oesterreich-älngariH jemand damals geahll, dc»ß das Ende des Krie­ges uns einen so vernichtenden Friedensvertrag bringen würde, einen Vertrag, der Die gesamte Doppelmonarchie in Stücke Aerriß und eines der größten und ältesten Reiche Europas in eine Zahl einer Staaten, die zum Teil für eine Selbst - tegi.'tung noch gar nicht reif waren, zerschmet­terte, d^nn wurden wir unser letzte-. --^er gebracht haben, um eine andere Regelung zu er­zielen. Damals allerdings hatte noch niemand Die Befürchtung, daß uns ei l solch vernichtender Frieden aufgezwungen würde.

Von großer Bedeutung für den Kriegsausgang war natürlich der Eintritt Amerikas in den Krieg. Wie ich bereits oben ausgesüh.t

Allerdings ist mit einer dramaturgischen und szenischen Lösung der Regieaufgabe in diesem Falle noch nicht alles getan: man spielte Schiller, und Schiller muh auch innerhalb einer zeitgemäßen Auffassung nicht nur mit dem Äuge, sondern vor allem mit Dem Ohr inszeniert werden. Er muß musikalisch gespielt werden. Jede Szene muh Gingen (ohne daß sie pathettsch zu dröhnen oder gar leer zu lärmen braucht), llnb hier versagte die Regie in ein­zelnen Partien ganz, in anderen teilweise, und nur in ganz wenigen Szenen (der des Groh- inquijitord z.D.) war sie im Schillerschen Sinne wirllich gelungen. In ben ersten beiden Akten geriet fast alles zu laut und zu schnell. Gut und verhältnismäßig geschloffen außer b?r schon er­wähnten: die Szenen Der Elisabeth und der Gboli, die große Aussprach« zwi chen Phi.ipp und Posa: die Kerkerszene wenigstens von lebhafter theatralischer Wirkung.

Don Carlos war Otto Knur; er muh ihn spielen, es ist fein eigentliches Fach Er ist auch seiner schauspielerischen Veranlagung wie seiner äußeren Erscheinung nach durchaus für diese Rolle geeignet Er hat etwas Jugendliches und Strahlendes, das de.n stürmischen Insanten vor- ttefflich zu Gesicht steht. Gr war ein guter Carlos überall Da, wo er ruhig sprach gevänrpft wer- halten, besonnen: aber diese Szenen waren leider sehr in der Minderzahl.

Er begann gleich um einen vollen Ton zu hoch mit ganzem Einsatz des Gefühls und der Sprache, ohne auf eine Steigerung bedacht zu fein. Er spielte bie ersten Szenen viel zu überstürzt, zu laut und zu nervös, so daß er stellenweise nur mit Mühe zu verstehen war. (Hier und auch später noch hätte d.e Regie eingreifen und auf Oefonomie in der groß.n und schweren Rolle hinwirken, ein gedämpfteres und sprachlich be­ruhigtes Spiel tzerausarbeiten, die bewiesener­maßen guten Anlagen dieses Schauspielers zu maßvoller Entfaltung von innen her und sinnge­mäßer Steigerung bringen müssen.)

2lm glücklichsten wirkte er in der großen Szene bei der Eboli, später mit Lerma und ganz zuletzt vor Elisabeth.

Arzdorf war Posa. Eine ungleiche Gestal­tung. Anfangs sehr äußerlich und ofsenbar vom Gegenspieler mllgerissen: Regie! zu über­stürzt. Gerade her muß er im edeln Maß seiner Haltung und Sprache vom stürmischen Infanten abstechen und, reifer als jener, über ihm flehen.

Der Prüfstein ferner Rolle ist natürlich stets die große Rede vor dem König (III10). Da Blieb er nichts schuldig. Er zeigte den Adel und dis hier offenbar werdende menschliche Ue&erlegen- hell seines Helden, er hatte den großen Schwung und die innere Bewegtheit seiner klangvollen Rolle.

Auch die spätere Kerkerszene gelang ihm über­zeugend, obwohl er mehrfach durch textliche Un- sich erhell gehemmt schien.

Die einheitlichste Leistung in den männlichen Hauptrollen bot Gareis als König Philipp: gleichmäßig von der ersten bis zur letzten Szene: immer das Bild, das man erwartet: die schwere und nicht dankbare Rolle ge.ftig und sprachlich (bis auf ein paar umnertliche Schwankungen) bewältigt.

H a e f e r als Herzog Alba wirkte etwas ein­tönig in der dumpfen Starrheit, die feine Partte stets an sich hat, wenn man nicht den abgründigen Fanatismus dieses unheimlichen Vasallen in den Hauptszenen durchbrech.n sieht. (älebrigens war die Maske nrcht glücklich.)

Als tüchtige Sprecher bewährten sich V 0 l ck (Lerma) und Ebert-Grassow (Großinqu.si- tor), der eine ausgezeichnete Szene hatte. Da st ä schien sich als Domingo, der ihm kaum liegen konnte, nicht besonders wohl zu fühlen.

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lieber die Besetzung der werblichen Haupt­rollen kann man geteilter Meinung sein. Im ganzen wirkten die Damen einheitlicher als ihrs männlichen Partner.

Trude Heß gab Die Elisabeth: eine sehr jugend­liche, sanfte und zierliche Königin, voller Würde und Haltung, auch jeder Gefühlslage gewachsen; nur hätte sie stimmlich etwas mehr aus sich herausgehen dürfen: mit dem Flüsterton, der ja recht wirksam sein kann, muß man sparsam um­gehen.

Maria Koch enblich, als Eboli: eine glänzende Erscheinung, große Dame, höfisch und zärtlich zugleich, aber immer mehr Liebhaberin als In­trigantin, mehr auf Verführung und Schäfer­spiel bedacht, als auf Rache, Verschwörung und Verrat. Die ganze Rolle leicht, glatt, schAnbaL mühelos gespielt und gesprochen, ohne doch flach oder konventionell zu toirfen.

Spielleiter und Darsteller konnten wiederholt den Beifall des Hauses entgegennehmen. Dr.Th,