Ausgabe 
10.10.1928
 
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Oie Wetterlage.

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Scytfef.

La ton:na

wirtschaft im allgemeinen, sowie insbesondere über bevorstehende staatliche Maßnahmen zur ander- weiten Regelung der derzeitigen Vorschriften über die Untervermietung von Wvhnräu- m e n berichtet. Wie der 'Amtliche Preußische Pressedienst aus dem Ministerium für Volls- wchlfahrt erfährt, entbehren diese Nachrichten jeder tatsächlichen Unterlage.

vervollständigt, noch einmal überprüft und er­gänzt durch Instrumente und Seekarten. Für Post und Fracht ist um 12 Uhr mittags die Annahme geschlossen worden. Auch das Gepäck für Passagiere soll nur 20 Kilogramm be­tragen Aber sozusagen um jedes Kilo wird er­bittert gekämpft, weil jeder Passagier so viel wie möglich mitnehmen will. Es muh beruhigt, vermittelt und geschlichtet werden. Immer neue Leute melden sich im letzten Augenblick an, um die große Reise über das Meer mitzumachen; aber es gibt nur immer dieselbe Antwort, dah niemand mehr mitgenommen werden kann. Rur bei dem Oberst Herrarea von der Spanischen Luftschrffgesellschaft wird eine Aus­nahme gemacht. Heute morgen ist auch der ameri­kanische Passagier G i l f i l l a n aus Luzern ein­getroffen. Die endgültige Liste der Fahrgäste konnte noch nicht aufgestellt werden. Man weih nur, daß alles in allem mit der De - satzungetwa 60 Menschen an Bord sein werden. Heute nachmittag wird der amerikanische Konsul erwartet, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Die V i s u m frage ist im übrigen ebenso geregelt wie bei den Dampfern.

Die meisten Fahrgäste sind heute abend m Friedrichshafen eingetragen, darunter auch der preußische Innenminister G r z e s i n s k i, Mini­sterialdirigent Dr. Brandenburg, der Leiter der Luftfahrtabteilung im Reichsverkehrsmini­sterium, und der amerikanische Passagier Dr. Ro­bert Reiner. Für das Reichsverkehrsmini­sterium wird auch der bekannte Meteorologe Dr. Banken mitfahren. Es verlautet, dah Dr. Ecke­ner, der mit demGraf Zeppelin" ursprünglich nur drei Tage in Amerika bleiben wollte, von Lakehurst aus noch eine große Fahrt nach dem Süden, vielleicht nach Süd­amerika und Westindien, beabsichtigt. Für die Amerikafahrt sind bisher rund 52 0 00 Postsendungen aufgeliefert worden. Das ist eine so außergewöhnlich grohe Menge, dah die vom Z. R. III noch übertroffen wird. In den letzten Tagen sind die Sendungen in so großer Anzahl eingegangen, dah dem Postamt Fried­richshafen von Stuttgart drei Beamte zur Aus­hilfe geschickt werden mußten, die nichts weiter tun, als die Sendungen nach den Bezirken sor­tieren, über denen sie abgeworfen werden sollen.

vollen Kranz am Denkmal der deutschen Ge­fallenen nieder. Dieses Verhalten der Mission hat in den hiesigen deutschen Kreisen einen dankbaren Widerhall gefunden.

Friedrichshafen. 9.OH. (Dom Sonberbe- richlerslatier des WTB.) Der morgige Aufstieg des ..Graf Zeppelin" ist heule abgesagt worden. Dieser Beschluß muhte gefaßt werden, weil die Wetterlage gerade;» außerordentlich schlecht ist. Die Karten zeigen so schwere Stürme über dem Ozean, daß es. wie Dr. Eckener sagte, ge­fährlich wäre, in sie hineinzufahren, weil sogar große Ozeandampfer in Seenot geraten. Dazu kommt noch, daß auch im Bodenseege­biet für morgen heftige winde und Regen zu er­warten sind, was bei der Kleinheit der Halle außer­ordentliche Schwierigkeiten verursacht, wie schwie­rig die örtlichen Berhältnisse liegen, Hal ja gerade die letzte Landung besonders deutlich vor Augen geführt. Das Barometer fallt außerordentlich stark und gleichzeitig steigt die Temperatur an. Das wirkt sich auf das Schiff fo ungünstig aus, daß die Trag­kraft von gestern bis heute mittag allein schon einem Unterschied von 3,2 Tonnen unterworfen worden ist. Dr. Lckener betont, daß er auch bei mittelmäßigem Wetter gestartet wäre, daß er aber die erste Fahrt nicht gerade unter so ungünstigen Umständen antreten möchte. Deshalb sind auch die Arbeiten an den Kojen, die heute nacht beendet werden sollten, verschoben worden. Ls ist übrigens keineswegs gesagt, daß der Aufstieg unter allen Umständen morgens siattfinden muß. wenn die Wetterlage es erlaubt, ifterauchzujederan- deren Tageszeit möglich. Die weitere Ent­scheidung über den Termin des Ausstiegs wird mor­gen früh fallen.

Oie letzten Vorbereitungen.

Andrang derPassagiere.-GrotzePoftrnengen

Friedrichshafen, 9. Ott. (Vom Sonder­berichterstatter des WTB.) In der Zeppelrnhalle herrscht heute reges Leben. Die letzten Vor­bereitungen für die Amerikafahrt sind in vollem Gange. Traggas wird nachgefüllt, Brennstoffblaugas und Betriebsstoff für 120 Stunden wird an Bord genommen. Proviant wird eingeladen, die Ravigationsausrüstung wird

der Küste des Roten Meeres gelegenen Kolonien, sowie der Gebiete, die es am Aegäischen Meer verwaltet, sicherzustellen. Frankreich dage­gen muß sich am Mittelmeer, auf dem Atlan­tischen Ozean und in der Nordsee verteidigen und nicht nur seine Verbindung mit dem Mittel­meer schützen, sondern auch die mit seinen Be­sitzungen in Westafrika, Aequatovial-Afrika und Madagaskar, Indochina und Westindien aufrecht- erhalten. Es ist also klar, daß die Gleichheit beider Flotten im Mittelmeer eine gewal­tige Lleberlegenheit für Italien be­deuten würde. DasOeuvre" wendet sich da­gegen, Laß die italienische Regierung eine Ton­nage fordert, die gleich sei der Tonnage, die die am besten bedachte kontinentale Wacht und das sei Frankreich erhalte. Auf der Kon- ferenz von Washington habe das Erfolg gehabt. Das Prestige des Duce wolle, daß er nicht we­niger erlange als sein Vorgänger. Aber die Fortsetzung dieser Politik wäre, so erklärt das Blatt, wiÄlich ohne Gerechtigkeit und vielleicht auch nicht ohne Gefahr. Italien besitze ja nicht Frankreichs Kolonien.

Auch die Abendpresse sieht als eigentlichen Zweck der italienischen Note in per Frage des englisch-ftanzösischen Flottenkompromisses die Forderung Italiens nach Gleich stell ung mit Frankreich in den Seerüstungen. Einmütig wird dieses Verlangen abgelehnt. DasIournal des Debats", das Rom den Rat gibt, nach dem Beispiel Londons auf das System eines abwechselnden Druckes auf Paris und auf Berlin zu verzichten und sich einem allgemeinen Abkom­men anzujchließen, will Italiens Recht, See- streittrafte zu unterhalten, die seinen Be­dürfnissen entsprechen, nicht bestreiten, fordert aber die gleiche Möglichkeit für Frankreich. Das Blatt hält neue Verhand­lungen nicht für aussichtslos, glaubt jedoch, daß eine allgemeine Verständigung langer Annähe­rungsarbeit bedürfe. Das englisch-ftanzösische Abkommen bilde einen Teil davon. Auch dieLibertö" hält jede weitere Erörterung über die italienische Forderung nach Gleichstellung mit Frankreich für fruchtlos. Ein Verhältnis zwischen der italiLn'.schen und der französischen Marine wer­de natürlicherweise erst hergestellt werden können, wenn eine allgemeine sranzösisch-ita- lienischeVerständigung erfolgt sei, eben­so wie das französisch-englische Flottenabkom­men durch die Annäherung der Regierungen von Paris und London ermöglicht worden sei.

Der Ammkastari desGraf Zeppelm"verschvben.

Schwerer Sturm über dem Atlantik. - Schlechte Wetterlage im Tiodenseegebiet.

Aus aller Welt.

Ein alter Hochstapler.

Einer der größten Hochstapler und Betrüger aller Zeiten, der als Baron de Moser- Rothschild seit zwei Iahrzehnten die Krimi­nalbehörden fast aller europäischen Staaten be­schäftigt hat, ist jetzt wieder in Berlin wegen eines großen Betruges fe st genommen wor­den. Baron de Moser-Rothschild, dessen richttger Name nur Moser-Rothschild ist, hat zusammen mit einem gewissen Dobrin einem Friedenauer Kaufmann eine wertvolle Iuwelens am m- l u n g herausgelockt und diese dann verpfändet. Zwei Tage spater aber wurden er unb sein Helfer auf die Anzeige des Friedenauer Kaufmanns von der Kriminalpolizei überraschend verhaftet. Die Inwelcnsammlung konnte bei verschiedenen Pfand­leihern wieder gefunden und dem recht­mäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Seinen Betrug hat er nur mit Hilfe von Emp-

Gchuhmahnahmen des Rundfunks.

Berlin, 10. Ott. (Eigene Drahtmeldung.) Die Maßnahmen, die bisher bei der Berliner Rund- funcgesellschaft durchgeführt worden sind, um ähnliche Ereignisse, wie den Vorfall am vergange­nen Samstag unmöglich zu machen, bestehen darin, daß Anweisungen getroffen worden sind, nach denen der Ansager während eines Rund­funkvortrages nicht mehr telephonisch abgerufen werden darf. Darüber hinaus sind keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen ergrif­fen worden, da die zuständigen Stellen weitere Aenderungen in der Organisation nicht für not­wendig Hilten. Es soll in Zukunft allerdings noch jeder Sprecher im Rundfunk am Tage vorher eine Legitimation zugesandt erhalten, mit der er sich im Rundfunkhaus selbst avsweiscn kann. Im übrigen wird der Reichs- rundsunllommissar darauf hinwirken, daß diese beid.n neuen Bestimmungen auch bei den übrigen deutschen Rundfunlgesellschasten zwecks Vermeidung von irgendwelchen Miß- b.äuchen durchgeführt werden.

Kem Abbau der Wohnungszwangs wrrischast in Preußen.

.eilin, 9. Ott. (WB.) Zeitungsmrldungen h l :n letzthin wiederholt über einen bevor­stehenden weiteren Abbau der Wohnungszwangs-

OwoTKennn o nerter. ® nam ocdtcn ® vronilo. cedecRt.ireoej

N- Sehnet Graupeln. ® HebelR6ewit,£r,(§) Windstille.«^ seh» (eichte» Os» dnassifle» SCdsudWesi Q stürmische» nordtfest

Piene fliegen mit dem winoe. Die ouoen Stationen stenenaen Za* ten geben die Temperatur an. Oie unten verbmden om oM^Jachet» m* rtceresniteat» umoereebneteo Luitdryci

Wettervoraussage.

Das Tiefdruckgebilde ist ostwärts gewandert und liegt mit seinem Kern heute morgen über Südskandinavien. An seiner Rückseite dringen wieder maritime Luftmassen bei uns ein, die die Temperaturen etwas zum Sinken bringen. Nie­derschläge werden höchstens noch in ganz leichten Schauern auftreten, denn da der Luftdruck im Westen erheblich ansteigt, ist mit einer Besserung der Wetterlage zu rechnen.

Voraussage für Donnerstag: Wech­selnd wollig mit Aufheiterung, kühler, nur noch vereinzelt leichte Schauer, westliche bis nord­westliche Winde. Witterungsaussichten für Freitag: Weitere Besserung der Wetter- [oge.

Lufttemperaturen am 9. Oklober. mittags 15,6 Grad Celsius, abends 13,3 Grad Celsius: am 10. Oktober: morgens 11,4 Grad Celsius. Maxi­mum 15,9 Grad Celsius. Minimum 7,6 Grad Celsius: Niederschlag 2.6 Millimeter: Sonnen- scheindauer 2/4 Stunden. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 9. Oktober: abends 11,2 Grad Celsius: am 10. Oktober: morgens 10,4 Grad Celsius.

Frankreichs Konflikt mit der Hearflpreffe Oie sensationelle Zournalistenverhastung in Paris.

Dienstag, = d. 9. OKI. 1928, 7haDds |

fehlungsschreiben angesehener und einflußreicher Persönlichkeiten ausführen können. Ob diese Schreiben gefälscht sind, konnte bisher noch nicht estgestellt werden. Baron de Moser-Rothschild ist nach längerer Vernehmung durch die Krimi­nalpolizei wieder auf freien Fuß gesetzt worden, da weder Fluchtgefahr noch Derdunke- lungsverdacht zu bestehen scheint. Das Verfahren gegen ihn ist aber bereits eingeleitet worden.

Manöverschäden in der Eifel.

Bei den diesjährigen Eifelmanovern der englisch-französischen Besatzung ha­ben besonders die Straßen der Nordeifel stark unter dem Durchmarsch der Trupennkolonnen. die zumeist mit schweren Kraftwagen be­fördert wurden, gelitten. Bor allem bieten die Straßen ahraufwärts bis Adenau und die Straßen Euskirchen Münstereifel Blanken­heim einen trostlosen Anblick. Lleberall begegnet man Schlldern mit der Aufschriftün- fahrbar! Straßendecke zerstör 11" Die Benutzung dieser Straßen für den landläusigen Verkehr ist nachgerade lebensg^ährlich. In den letzten Wochen läßt die Straßrnbauverwcrltung ebenso wie in der südlichen Eifel, deren Straßen auch mehr oder weniger stark bei den Manövern gelitten haben, die einzelnen Strecken wieder Her­richten und mit einem Teerbelag versehen, so daß die Mängel in kurzer Zeit, allerdings unter erheblichem Kostenaufwand, behoben sein dürften. >

Sturmfahrt desAlbert Ballin".'-

Der HapagdampferAlbert Dal- lin" ist nach einer schweren Sturmfahrt, in deren Verlauf 34 Passagiere Verletzungen davon­getragen haben, im Neuyorker Hafen eingelaufen. Sämtliche Verletzten hatten sich bereits hinreichend erholt, um sich ohne Hilfe an Land begeben zu können. Das Schiff selbst ist von dem schweren Wetter insbesondere wäh­rend des Versuchs, dem in Seenot geratenen holländischen FrachtdampferCelaeno" zu Hilf« zu eilen, ziemlich mitgenommen worden. Eine riesenhafte Woge drückte während des Höhepunktes des Sturmes das Mittelfenster der Kommandobrücke, die etwa 25 Meter über der Wasserlinie liegt, ein und überflutete das Steuerhaus. Drei dicke Fenster des vor­deren Promenadendecks und eine nach dem Unter» deck führende Tür wurden zertrümmert, wobei drei auf dem Promenadendeck beftndliche Passa­giere Quetschungen erlitten und durch GlaS- splitter verletzt wurden.

Hamburg auch 1927 Deutschlands größter Passagler- urid Frachthafen.

Nach amtlichen Statistiken wies Hamburg auch für 1927 den stärksten Passagier- und Frachtoerkehr der deutschen Seehäfen auf. Der seewärtige Güter­verkehr betrug über 25 Millionen Tonnen, d. h. das Fünffach ederinBremenu mgeschlage- n e n Güter und runb 53 v. h. des gesamten deut­schen Güterverkehrs über See. lieber Hamburg reisten 129 208 Passagiere nach Uebersee, wobei zu bemerken ist, daß die Personenbeförderung über Hamburg fast vollständig durch deutsche Schiffe erfolgt.

Zwei Todesopfer eines Motorradunfalls.

In einer unübersichtlichen Kurve in Rath bei Köln ist ein mit zwei Herren und zwei Kindern besetztes Motorrad mrtBei- wagen mit voller Wucht gegeneineHa u s- e cke gefahren. Die Kinder kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Dagegen erlitten die beiden Herren so schwere Verletzungen, daß sie, wie dieRheinische Zeitung" erfährt, gestern abend im Krankenhaus gestorben sind.

Oer Reparaiionsausschuß.

Noch keine Entscheidung über seine Zusammensetzung.

Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 10. Oktober. Die Vorarbeiten zur Zu­sammensetzung des großen Reparativ n s a u s» s ch u s s e s, oer nach den Genfer Beschlüssen in nächster Zeit zusammentreten soll, bringen bereits eine Flut von Kombinationen mit sich. Besonders heftig wird vor allem die Zusammensetzung dieses Reparationsausschusses, dessen Beratungen sich in erster Linie mit dem Dawesplan beschäftigen werden, diskutiert. Zweifellos spielt hier trotz der Sachlichkeit der Probleme die personelle Zusammen­setzung eine außerordentlich große Rolle, und es ist selbstverständlich, daß Deutschland mit dieser Auf­gabe seine se st en Kräfte betrauen wird. U. a. wird bereits als Mitglied der deutschen Ver­tretung der jetzt in seinem Amt neu bestätigte Reichsbankpräsident Schacht genannt. Wie wir aber von unterrichteter Seite hören, ist bisher, wenigstens in Deutschland, in dieser Hin­sicht noch kein endgültiger Beschluß ge­faßt worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden auch die deutschen zuständigen Stellen eine Bekannt­gabe der deutschen Vertreterliste schon deshalb mög­lichst bis zum letzten Augenblick vermeiden, damit keine der deutschen Persönlichkeiten erneut m i t dem innerpolitischen Kampf belastet und deshalb bei Außenoerhandllmaen gebunden oder entwertet die schwierigen Auseinandersetzun­gen im Reparationsausschuß beginnen muß. Auch die Frage, ob man auch besondere Sachverständige aus neutralen Staaten hinzuziehen wird, ist noch nicht geklärt, da einstweilen die Fühlung­nahme zwischen den direkt interessierten Ländern über die Errichtung des Reparationsausschusses recht gering ist.

Neuregelung des Kraftverkehrsbeiriebes.

Berlin, 10. Oft. (Priv.-Tel.) Mit Ende des Jahres laufen die Vertrüge zwischen derReichs- b a h n und der Spitzenorganisation der regio­nalen Kraftverkehrsunternehmen, der Kraftverkehr Deutschland A.-G., ab. Der Reichs­bahn erscheint eine Vereinheitlichung des gesamten Fernverkehrs erwünscht. Des­halb sind seit längerem Verhandlungen zwischen Reichsbahn. Post und den privaten Gesellschaften im Gange, hinzu kommt die Frage der Unter­haltung der durch den Verkehr mit den schweren Wagen überaus stark benutzten Land st raßen, für deren Instandhaltung der Steuerzahler aufzu- kommen hat, während den fiskalischen Verkehrsein- 1 Achtungen d i e Einnahmen aus dem Der-

Wirtschastshilfe für das Gaargebiei.

Beteiligung an den Reparationslieferungen

Berlin. 9. Okt. (WTB.) In der Frage der Beteiligung des Saargebiets an den deutschen Reparationssachlieferun- g e n nach Frankreich ist es jetzt zu einer Ver­ständigung zwischen der deutschen und ftanzösi- fchen Regierung gekommen. In mehrtägigen Ver- hanÄungen. die in Berlin zwischen dem Präsiden­ten des französischen Sachlieferungskomitees, Serruhs. und den Vertretern der beteiligten Reichsministerien geführt wurden, ist schließlich eine Einigung dahingehend erzielt worden, daß 110 000 Tonnen Eisenbahnoberbaumaterial und Eisenbeton von den Saarwerken mit einer 35prozentigen .Unterbeteiligung des Ruhr­gebiets auf Reparaticmskonto nach Frank­reich geliefert werden sollen. Diese Mengen haben einen Gesamtwert von rund 15 Millionen Mark. Außerdem ist für das laufende Sach- lieferungsjahr, d. h. für die Zeit vom 1. April 1928 bis zum 31. März 1929 ein allgemeines Kontingent bis zur Höhe von 7,5 Millionen Mark für anderweitige Sachlieferungen aus dem Saargebiet festgesetzt worden. Die zu- ständigen Reparationsinstanzen in Paris, denen die Vereinbarungen bestimmungsgemäß vor gelegt wurden, haben sich mittlerweile mit ihnen ein­verstanden erklärt. Damit sind für die Wirtschaft des Saargebiets im laufenden Jahre neue Aufträge von beträchtlichem Um­fange sichergestellt, die hoffentlich ziemlich fühlbare Erleichterungen bringen wer­den. Nur in dieser Erwartung hat die deutsche Regierung sich dazu entschließen können, ihre schwerwiegenden grundsätzlichen reparationspoliti­schen Bedenken gegen eine solche Regelung für diesen Ausnahmefall zurückzustellen.

Sozialdemokratische Wehrpolitik

Ein neuer Anschlag auf den Panzerkreuzer.

Berlin, 10. Okt. (Priv.-Tel.) Auf dem sozial- demokratischen Parteitag des Bezirks Branden- burg^Grenzmark hat OEbgeorbneter Wels Aus­führungen über die Regierungspolittk der Sozial­demokratie benutzt: Die Panzerkreuzerfrage ist nicht nach der Zahl der Kriegsschiffe zu ent­scheiden, sondern wir müssen sie grundsätzlich nach dem Wehrproblem überhaupt beurteilen. Die Partei wird das Problem ernsthaft prüfen. Zu einer Klarheit zu kommen, wird nicht leicht sein. Die Einstellung der sozialistischen Parteien in den verschiedenen Ländern ist grundverschieden und so wird der Grundgedanke sein und bleiben: allgemeine Abrüstung! Im Reichstage wird die Fraktton bei der Etatberatung den Wehretat auf das sorgfältigste prüfen, wie das auch vorher bereits im Finanzministerium erfolgen muß. Ich fürchte keine Desavouierung, wenn ich heute sage: Der Reichstag wird sich mit einem Anträge der sozialdemokratischen Fraktion befassen müssen, der kurz und bündig lautet:Der Bau des Panzerkreuzers A wird eingestellt!"

kehr bisher entgehen. Im ganzen handelt es sich um eine hervorragend wichtiac volkswirt­schaftliche Angelegenheit, die man durcy Lösung der Verträge und Uebernahme in eigene Re- g i e fördern zu können hofft.

Paris, 9. Okt. (WTB.) Wie die Agentur Havas berichtet, hat der amerikanische Geschäftsträger A r - m o u r heute nachmittag den volitischen Direktor am Quai d'Orsay, (Sorbin, ausgesucht und sich im Namen seiner Regierung über den Stand des Falles choran unterrichtet. Es sind ihm, so heißt es in der chavasmeldung, alle von ihm ge­wünschten Aufschlüsse zuteil geworden. Seine De­marche habe in keiner Weise den Charakter eines Protestes der amerikanischen Regierung getragen. In offiziellen französischen Kreisen weife man dar­auf hin, daß die französische Regierung, anstatt sich darauf zu beschränken, den amerikanischen Journa­listen aufzufordern, Frankreich zu verlassen, das Recht gehabt hätte, gegen ihn e i ne r i ch t l i ch e s Verfahren einzuleiten wegen Besitzes und Ver­wendung von Dokumenten, die die Sicherheit des Staates und die nationale Verteidigung betreffen. Dies fei ein Vergehen, das mit Gefängnis g e - ahndet werde.

Der Vorstand des Verbandes der angel­sächsischen Presse in Paris hat einstimmig beschlossen, an den Ministerpräsidenten und an den Außenminister einen Antrag auf Einleitung einer neuen Untersuchung zu richten. Es ist ein Unterausschuß ernannt worden, der sich zur Verfügung Poincares und Briands zur Erteilung aller notwendigen Erläuterungen halten wird. In der Sitzung teilte Horan mit, daß das Dokument, das ihm in Paris von Hearst selbst aus- gehändigt worden sei, weder durch Ange­bot von'Geld, noch auf irgendeinem anderen illegalen Wege in den Besitz des amerikanischen Zeitungsverlegers gekommen fei. Der Excelfior" will von einem Mitglied des Vorstan­des der angelsächsischen Presievereinigung in Paris gehört haben, daß es sich bei dem Rundschreiben des Quai d'Orsay an die französischen Botschafter um ein vervielfältigtes Exemplar handele, das aus der amtlichen Korrespondenz m i t d e r französischen Vertretung beim Völkerbund stamme.

Stalfen middasFlollenkompromiß

Paris lehnt die italienische Forderung der Rüstungsgleichheit zur See ab.

Paris, 9. Okt. (WB.) Zur italienischen Qtnt» wort auf das englisch-französische Flottenkompro­miß schreibt derMattn": Italien hat, welche Entwicklung seine Küste am Mittelmeer auch nehmen möge, nur deren Verteidigung und die Verbindung mit seinen in Nordafrika und an

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