Ausgabe 
10.10.1928
 
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Nr. 239 Erstes Blatt

J78. Jahrgang

Mittwoch, 10. ©Höbet 1928

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen

Die Vorschläge des Luiher-mdes zur Verfassungsreform.

Eine Aussprache.

Berlin. 9. Oft. (£11.) Aus Anlaß der Her­ausgabe der von uns gestern auszugsweise ver­öffentlichten DenkschriftReich und Länder" desBundes zur Erneuerung des Reiches" hatten die Mitglieder des engeren Arbeitskreises des Bundes zu einem Presseempfang eingeladen. Oberregierungsrat A d a m e tz legte an Hand zahlreicher Beispiele und Belege nochmals kurz die Ziele und Wünsche des Bundes auseinander. Aus der anschließenden Diskussion sind besonders hervorzuheben die Darlegungen von Bürgermeister Or. Petersen, Hamburg der von vornherein erklärte, daß Hamburg be­reit sei, im Deutschen Reiche aufzugehen, ob­wohl es eine tangere Geschichte staatlichen Eigen­lebens aufweise, als fast alle anderen Länder. Gerade als Richtpreuhe bekenne er sich als ein Bewunderer Preußens und seiner großen histori­schen Aufgabe. Keimzelle und Erbauer des Deut­schen Reiches zu sein. Der Weg über Groß- Preußen sei aber nicht möglich und deshalb müsse Preußen seine historische Aufgabe darin sehen, den großen Schritt vorwärts zu tun, der aus Preußen und den anderen nord­deutschen Ländern ein einheitliches Reichsland erstehen lasse. Dieser Schritt solle nicht durch sterbende Länder erzwungen werden, sondern müsse aus freiem Entschluß ge­tan werden. Schon heute seien die Länder nur noch Träger einer bescheidenen Zeitsouveränität und gerade der Einfluß Preußens sei durch die Weimarer Verfassung und die dort ge­troffene Regelung der Stimmführung im Reichs­rat vermindert worden.

Reichskanzler Or. Luther betonte, daß der Bund ein starkes Reich wolle. Er wolle endlich zusammenfassen,' von einer Zerschlagung Preußens könne keine Rede sein. Dezentralisieren könne nur ein Star­ker, eine Weiterbelassung der Doppelung der Instanzen bei Reich und Preußen sei unmöglich. Die Hebernahme der Finanzverwaltung und der sozialen Aufaaben auf das Reich habe schon heute den preußischen Verwaltungsapparat ausgehöhlt und in der Deamtenerneuerung zu einer Spezia­listenschichtung geführt, der nur durch neue Ver­einheitlichung der Verwaltung in Reich und Reichsland abgeholfen werden könne. Die Lösung, die schon der Freiherr von Stein vorausgesehen habe, liege in einem Ausbau der Selbst- Verwaltung. Diese müsse unter Heberführung der Staatskrast des preußischen Staates auf das Reich neu gestaltet werden.

Erstes Echo.

Berlin, 10. Oft. (Priv.-Tel.) Die Denkschrift des Bundes zur Erneuerung des Reiches wird insofern fast von allen Blättern begrüßt, als sie eine Anregung der als dringend notwendig bezeichneten öffentlichen Diskussion über das Pro­blem der Erneuerung des Reiches bedeute. Die in der Denkschrift gemachten konkreten Vorschläge finden jedoch in den einzelnen Blättern ganz unterschiedliche Beurteilung. DieDeutsche Zeitung" überschreibt ihren Kommentar: Falsche Methoden" und sagt, daß eine Durch­führung der Vorschläge Dr. Luthers die aller­größten Gefahren mit sich bringen müsse. Sie würden keineErneuerung" des Reiches bedeu­ten, sondern die Möglichkeit heraufbeschwören, daß durch Reform erreicht wird, was nicht ein­mal der Revolution gelang: das Bismarck- Reich auseinanderzusprengen. Das Reichslandbundölatt, dieDeutsche Tages­zeitung" , behält sich ihre Stellungnahme noch vor und begrüßt vorläufig lediglich die Problem­stellung durch den Bund. In derD. A. Z." wird ausgeführt:3n einem wird der Luther­bund sicher das ganze deutsche Volk hinter sich haben, nämlich in der Feststellung, daß und wes­halb es so wie bisher nicht mehr wei - tergxhen kann. Ein besseres Verdienst scheint es uns zu sein, daß der Bund mit aller Schärfe Öen Dualismus Deich Preußen als Kernproblem der ganzen Reichsreform heraus- gearbeitet hat."

Das Zentrumsorgan, dieGermania", sagt: £te Vorschläge des Bundes bilden eine brauch­bare Grundlage sür die Diskussion, die sich hof­fentlich an sie anschlirtzen wird. Sie sind geeignet, alle auf den Plan zu rufen, die sich ernsthaft um des Reick< s Zukunftsbau bemühen. Wird das Echo auch verschieden sein, jeder Gedankenaus­tausch bringt uns in den Erkenntnissen einen Schritt vorwärts. Das heilige Römische Reich deutscher Ration ist zujammengebrochen, weil es die Frage der Reichsreform gegen die territoriale Gewalt seiner Fürsten nicht zur Lö­sung bringen konnte. Mag uns jenes Beispiel eine Warnung sein. Es ist notwendig, daß die heutige Zeit kein kleip.es Geschlecht findet.

Das demokratischeB e r l i n e r T a g e b l a t t" Überschr .ibt feine Stellungnahme:I n poli­tisch luftleerem Rau m". Es heißt darin u. a., daß in der Denkschrift des Bundes mit knappen, überzeugend e Argumenten die Un­erträglichkeit des jetzigen Zustandes dargelegt werde. Luthers Plan sei kühn und es sei erfreu­lich, daß er Anhänger auch in solchen Kreisen erworben h.ibe, die so weitgehende Projekte bis­her abgelehnt hätten. Der kühne Plan sei aber

nicht durchführbar, weil er nicht kühn genug sei, weil er sich auf die Schlagbäume Rorddeutsch- lands beschränke. Die Differenz zwischen Preußen und Reich komme darin zum Ausdruck, daß in Preußen eine Mehrheit der Weimarer Koa­lition besteht, während sie im Reich nicht ge­geben ist. Schon aus diesem Grunde werde sich Preußen niemals als Reichsland unter Verwaltung und Gesetzgebung des Reiches stellen. Ein Aufgehen Rorddeutschlands und eine Kon­servierung der süddeutschen Einzel­staatlichkeit fördert den Einheitsstaat nicht, sondern erschwert ihn noch mehr. Der Kampf des Rordens gegen den Süden wird verschärft, der Interessenausgleich, in erster Linie der Finanz­ausgleich, nicht erleichtert, sondern nahezu un­möglich gemacht. Luthers Plan wird auf dem Papier stehenbleiben. Die politische Realität er­reicht er nicht.

Die »Vossische Zeitung" meint, daß die neue Mainlinie, die geschaffen werden solle, sicher

nicht leichtgenommen werden könne, und die mora­lischen Eroberungen, die vielleicht m Süddeutsch­land gemacht werden könnten, seien den Preis, den sie forderten, nicht wert. Die Bewegung für die Reichseinheit brauche die Arbeit des Erneue­rungsbundes nicht zu bekämpfen, aber sie müsse und werde über sie hinaussühren. Der deutsch- nationaleLokalanzeiger" bezeichnet den Vorschlag des Bundes als unhaltbar, ja im Grunde undiskutierbar. Durch den Verzicht Preußens auf seine Eigenstaatlichkeit verfiele das Reich in Länder zweierlei Rechts. Preußen das Harakiri zuzumuten, heiße utopisch fein. Die Lösung könne nur in einer organischen Verkuppe­lung des Staates Preußen mit dem Reiche be­stehen. Eine solche organische Verbindung sei freilich undenkbar unter dem extrem-parlamen­tarischen System. Die Abhängigkeit der Regie­rung von Vertrauens- und Mißtrauensvoten sei die Hauptschwierigkeit, die einer organischen Ver­koppelung von Reich und Preußen entgegenstände.

Schweres Einsiurzunglück in Prag.

Mehr als 60 Arbeiter und Passanten unter den Trümmern eines Betonneubaus. Erst vierzehn Tote und einundzwanzig Verwundete geborgen.

Prag, 9. Oktober. (2BB.) heule nachmittag 3 Ilhc ist an der Ecke der Poric-Straße und der Bifchofsgasfe der große fünfstöckige Neu­bau des Geschäftshauses der Firma Jaschek samt dem großen davor er­richteten Baugerüst aus bisher noch unge­klärter Ursache eingestürzt. Das Gebäude war bereits unter Dach. Auf dem Bau waren 87 Ar­beiter beschäftigt, von denen sich nur 16 als ge­reitet meldeten. Ungeklärt ist noch die Frage, ob die herabstürzenden Schuttmassen, die zum größten Teil in die Poric-Straße gefallen sind, nicht auch noch eine Anzahl Strahenpassanten und zwei Wagen mil ihren Kutschern verschüttet haben. Die Stromzuführungskabel in der Poric-Straße sind durch das Unglück unterbrochen worden.

Die Unglücksstelle ist sofort durch eine starke Truppenabteilung abgesperrt worden. Sämtliche Feuerwehren sind alarmiert. Bis fünf Uhr nach­mittags wurden 16 Verwundete und zehn Tote aus den Trümmern geborgen, so daß die Zahl der unter den Trümmern Liegenden auf 60 geschäht werden kann. Außerdem wurde ein Lastauto, ein Lastwagen mit Pferden und eine Frau mit einem Kind unter den Trümmern be­graben. Vermißt werden auch der Bauleiter Putz­mann, der Leiter der Detonarbeiken Ingenieur Mündel und ein Vauarchilekt. An den Aufräu­mungsarbeiten sind 500 Feuerwehrleute mit Autogenlampen und Bohrmaschinen beteiligt. 3n aller Eile werden auch Reflektoren aufgestellt, um die Arbeiten nachts fortführen zu können.

Das eingeslürzle Haus war ein Eisenbeton- b a u und halte fünf Stockwerke oberirdisch und zwei Stockwerke unterirdisch. Von der ausführen­den Firma wird erklärt, daß die Bauberech- nungen ganz genau waren, die Herstellung des Betons mit amerikanischen Maschinen geschah und daß die Sauarbeiten nicht im Akkord vergeben waren. Die Katastrophe wird der schlechten Qualität des verwendeten Zementes zugeschrieben, der wohl nicht in der vorgeschriebenen Zeit trocknete und hart wurde. Der Präsident der staatlichen Rcgulierungskommissron erklärte, daß sich die Vauunternehmung Prazak & Moraweh, welche den eingcslürzlen Reubau ausgeführt hat, nicht an die bestehenden Vorschriften gehalten habe, und daß die Baubewilligung nur auf fünf Stockwerke über und eines unter der Erde lautete, während in Wirklichkeit sieben über und zwei unter der Erde ausge­führt wurden.

Kur; nach sechs Ahr abends erschien an der An­glücksstelle der Stellvertreter des Ministerpräsiden­ten, Dr. S ch r a m e k. Außer den gemeldeten Toten und Verwundeten liegen von den übrigen Opfern noch keine Rachrichten vor. Es wird be­fürchtet, daß auch zahlreiche Fußgänger verschüttet wurden, denn im Augenblick des An­glücks war in der Rähe des Reubaues ein leb­hafter verkehr. Vis sieben Uhr abends konnten aus den Trümmern keine weiteren Leichen geborgen werden.

Sie AeMngsarbeiten der Äacht.

Prag, 10. Oft. (WTB. Funlspruch.) Aus den Trümmern des eine.estürzten ReubaueZ, unter denen noch eine große Anzahl Arbeiter begraben liegt, wurden b i s gestern abend 11 Uhr weitere drei Verletzte gerettet. Durch eine Oeffnung im Keller des Nachbarhauses gelangte man dann zu einem vierten Arbeiter, der ebenfalls verletzt war und in Sicherheit ge­bracht wurde. Da man in. diesem Keller noch weitere Stimmen hörte, wurde die Oeffnung erweitert, so daß sich ein fünfterQIrbeiter, der nur leicht verletzt war, befreien konnte.

Es wurden ferner drei Leichen gefun­den. Man setzte sich in den Kellerräumen des Rachbarhauses durch Klopfen mit zwei weiteren Verschütteten in Verbindung. Diese konnten die Stelle angeben, an der sie sich befanden und es gelang, ihnen Erfrischungen zu reichen. Rach 11 Uhr abends wurde eine weitere Leiche aufgefunden. Der Bürgermeister von Prag, Dr. Baxa, hat angeordnet, daß auf allen Pra­ger Reubauten Nachprüfungen vor­genommen werden.

Das Schicksal Südtirols.

Eine Trauerkundgebung in Innsbruck.

Innsbruck, 9. Oft. (£.11.) Am Mittwoch jährt sich zum 9. Male der Tag, an dem Süd- t i r o l offiziell von den Italienern annek­tiert worden ist. 2lus diesem Anlaß fand an diesem Abend eine große Trauerkundge­bung statt. Vom Landes- und Rathaus sowie von anderen öffentlichen Gebäuden Innsbrucks wehen Trauerfahnen. Punkt 6 Uhr setzte von allen Kirchen Innsbrucks sowie von den Kir­chen sämtlicher Gemeinden Rordtirols Trauer­geläute ein. In Inrisbruck trat eine Dreiminu­tenpause im Verkehr ein, während der auch der Straßenbahnverkehr stillstand. Um 7 Uhr begann im großen Stadtsaal unter massenhaftem An­drang eine Trauerkundgebung, in der Rationalrat Professor Dr. Kolb in ergreifen­den Worten das Leid Südtirols schilderte und einen Appell an die gesittete Welt richtete. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, in der von der österreichischen Regierung verlangt wird, alle möglichen Wege zu beschreiten, um das Los Südtirols zu erleichtern. Es wird darauf verwiesen, daß Rordtirol nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht habe, die Minder­heitenfragen an entsprechenden Orten an­zuschneiden. Sie Bundesregierung möge die süd­tiroler Sache durch entscheidende Interventionen bei den internationalen Stellen abhängig machen, bevor sich die Bevölkerung Südtirols gezwun­gen sehe, ohne Rücksicht auf die Einstellung der Regierung selbst die ihr geeignet erschei­nenden Wege zu beschreiten. Die Kundgebung verlief in voller Ruhe.

Ungarns Vorstoß gegen die Friedensverträge. Die Aufforderung an Kellogg.

Die ungarische Regierung hat, wie gestern schon kurz gemeldet, in einer Rote an den Staats­sekretär Kellogg mitgeteilt, daß sie dem Kriegs-- ächtungspakt beitreten wird. Diesem Sch.ittkomm aber insofern eine besondere Bedeutung bei, weil Ungarn an seinen Betritt die Bedingung einer Revision der Friedensver­träge anschließt. Das WortRevision" wird zwar nicht ausdrücklich gebraucht, wohl aber genügt schon der Hinweis auf die Ungerech­tigkeiten, die durch den auf gezwungenen Friedensvertrag entstanden sind und die besei­tigt werden müßten, um frühere oder spätere gewaltsame Zusammenstöße zu verhindern. Un­garn fordert die Bereinigten Staaten und die übrigen Rationen auf, einen Modus zu suchen, um für die Zukunft eine W iedergutma- chung bestehender Ungerechtigkeiten auf fried­lichem Wege zu sichern". Wir fönnen den Vorstoß der ungarischen Regierung nur begrüßen, weil auch wir wissen, wie unerträglich die Si­tuation ist, in die Mitteleuropa durch d.e Frie- densdiftate hineinmanövriert wurde.

Fraglich ist es allerdings, ob der Staatssekretär Kellogg dem ungarischen Llppell Folge leisten und fein Friedens werk durch eine Revision der europäischen Verträge fortsetzen wird. Amerika steht unmittelbar vor den Präsidentenwahlen, hat also für irgendwelche außenpolitischen Aktio­nen der Regierung weder ZeitnvchInter-

e s s e. Außerdem dürfte es Kellogg auch gar nicht wagen, vor dem Amtsantritt des neuen Präsidenten der ungarischen Forderung zu ent­sprechen. weil das einer Einmischung in europäische Angelegenheiten gleich käme, von der der Durchschnittsamerikaner noch immer nichts wissen will. Die Signatarmächte, etwa Frankreich. Italien oder England dagegen, werden keinen Finger rühren, um den von Ungarn gewünschten Modus ausfindig zu machen. Sie müßten ja dann für die Her­ausgabe ihrer Kriegsbeute eintreten.

Zwei Vorkämpfer gegen die Kriegsschuldlüge.

Verdiente akademische Ehrungen für Schwertfegcr und Draeger.

Berlin, 9. Oktober. (TU.) Der Arbeits- aus schuß Deutscher Verbände hatte zu Ehren des von der Universität Göttingen zum Ehrendoktor ernannten Oberst a. D. Dr. Bern­hard Schwertfeger zu einem Frühstück in die Deutsche Gesellschaft 1914 eingeladen. Gouver­neur z. D. Dr. Schnee würdiate die Verdienste Dr. Schwertfegers um die Erforschung der Kriegs­ursache. Ihm schloß sich der stellvertretende Dekan der ©öttinger philosophischen Fakultät, Professor Dr. A. O. Meyer an. Oberst Schwertfeger dankte für die ihm zu seinem 60. Geburtstag erwiesenen Ehrungen und kündigte den Abschluß seines neuen WerkesDer Weltkrieg der Dokumente" an. Er versprach, wie bisher alle seine Kräfte den Arbeiten um die Wiederherstellung der deutschen Ehre zu widmen.

Im Anschluß daran verkündigte für die philoso­phische Fakultät der Universität Jena Geheimrat Professor Dr. C a r t e l l i e r i die Ernennung des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes des Ar­beitsausschusses Deutscher Verbände, Hans Draeger, zum Ehrendoktor. Das Diplom ist ge­widmetDem tüchtigen und geschickten V o r - kämpfer der Einheit und Unversehrt­heit des Vaterlandes in den' schwersten Nachkriegszeiten, dem aufrichtigen und tapferen Retter der Wahrheit, unermüdlich in Schrift und Tat bei Aufhellung der Kriegsursachen, in Erinnerung an den durch Einigkeit der Bürger ausgezeichneten Tag des 4. August 1914. Rach- dem Dr. Schnee seiner Befriedigung über diese Ehrung Ausdruck gegeben hatte, banlte Dr. Dtzae- ger der philosophischen Fakultät der Universität Jena für die Ehrung. Er führte aus, daß er in der gleichzeitigen Ehrung von Oberst Schwert­feger und ihm einen Ausdruck des Charakters der deutschen Bewegung gegen die Schuldlüge erblicke, die keine sozialen und politischen Unter­schiede kenne. So hätten sich auch die beiden Generationen in dem Kampf der Wahrheit su­chenden Wissenschaft und vaterländisch strebender Vereine zu gemeinsamen Wirken zusammenge- funden.

An dem Festmahl nahmen u. a. teil: Reichs­pressechef Dr. Zechlin und sein Vorgänger Mi­nisterialdirektor Dr. Spiecker, die Reichstags­abgeordneten Biedermann, v. Dryander und Falkenberg. Außerdem waren erschienen der frühere Äeichsaußenminister Dr. Rosen, Exzel­lenz Raschdau, Exzellenz v. Altrock, sowie Ver­treter der Hochschulen, der politischen Parteien und der großen Wirtschaftsorganisationen.

Ein denWerSchritt inWarschau?

Protest gegen die Hindenburg-Hetze des Weftmarkenvcrcins

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 10. Ott. Die zusammenhängend organi­sierten Versammlungen des polnischen Westmar - kenvereins in den letzten Tagen in Warschau, Kattowitz und Thorn, wo die Kundgebung einen Zug bildete, der vor dem deutschen Konsulat das deutschfeindliche chetzliedRota" sang und die alle als eine Kundgebung gegen die Ober­schlesienrede des Reichspräsidenten von Hindenburg aufgezogen waren, haben auf deutscher Seite berechtigtes Aufsehen erregt. An solche Kundgebungen ist man in Deutschland zwar gewöhnt, aber die Verzerrung, die die Reden des Reichspräsi­denten von Hindenburg dabei erfahren, schafft eine Situation, mit der sich auch die deutsche Regie­rung, wie wir hören, auseinandersetzt. Wie wir von gutunterrichteter Seite hören, erwägt man in zuständigen Stellen, ob angesichts der Aktion des Westmarkenvereins nicht die deutsche Regierung durch ihren Vertreter in Warschau mit dem Hinweis vor­stellig werden soll, daß die Verfälschung, die die Hindenburg-Rede auf diese Weise durch den Wcst- markenverein unter Duldung der polni­schen Regierung erfährt, keineswegs den deutsch-polnischen Beziehungen förderlich ist.

Italienische Ehrung deutscher Gefallenengräber in Belgrad.

Belgrad, 9. Oft. (WB.) Bei einer gestern in Belgrad zum Andenken an die Kämp­fe an der Saloniki-Front veranstalte­ten Siegesfeier begab sich die italienische Militärkommission unter Führung des Generals Grafen Petiti di Loretto offi­ziell zu dem deutschen Kriegerfried­hof in Belgrad und legte dort einen Pracht-