Ausgabe 
10.5.1928
 
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blick wagen. Ml die kleinen Meinungsverschieden­heiten, die oft genug auch seine Freunde an der Richtigkeit des eingeschlageilen Weges und inSbe'ondere an den gewählten Mitteln zwei­feln liehen, treten vor dem einen Gedan'e i zu­rück! R cht dem Diplomaten allein, vor allem der aufrechten Persönlichkeit, die sich im höchsten nationalen Pflichtgefühl in Zeiten schwerster Sorgen in die Presche warf, gilt heute un'ere Erinnerung und unter Gedenken.

Fürst Bülow überStresemann

Zum 50. (tzeburtdtag des Außenministers

Berlin, 9. Mai. 3m Acht-älhr Abendblatt schreibt der ehemalige Reichskanzler Fürst Bülow über Dr. Stresemann u. a.: Wenn weitere Kreise des deut chen Volkes heute m i t Dank und Achtung d:S Staatsmannes ge- dächten, der seit vier Jahren unter den schwie­rigsten Verhältnissen unsere auswärtige Politik führt, so sollte das selbstverständlich er­scheinen. Deut'chlands Außenminister kämpft aber Mir Zeit um die innerpolitische Stellung feiner Partei, und d i e Wogen von Unsachlich­keit und Verständnislosigkeit, die in jedem Wahlkampf ein Land zu überfluten pfle­gen, lassen ein besonnene- Urteil schwer aufkom­men. Die Entwicklung Stresemanns hat die Er­wartungen bestätigt, die auf ihn gesetzt wurden. Er ist die markanteste Figur deS neuen parlamentarischen Deut ch'a^ds geworden und hat alS Außenminister Qualitäten gezeigt, die ihm im Auslande V.-achtung verschalten. Seine Auf- fassung von nationaler Würde ist gradlinig. Stresemann hat aus einem glatten Voden m i t sachter und kluger Taktik viel für Deutschland erreicht, den nicht geringen Hindernissen zum Trotz, die sich ihm wiederholt in Dens entgegenstellten und der Widerstände un­geachtet, die ihm im eigenen Lande erwuchsen. Wan glaubt dem deutschen Außenminister Stre'e- mann, daß Deutschland den Frieden will. Ohne jemals die Würde deS Deutschen Reiches zu vergeben, hat Stresemann es verstanden, eine fernere Position aufzugeben, um eine nähere, notwendigere zu erreichen. Ein Staats­mann von solchen Eigenschaften ist ein Besitz, den Deutschland sich zu sichern und zu er­halten allen Anlaß hat.

Oie Verfaffungsreform im Wahlkampf.

Der Deutschnationale von Meubcll.

München, 7. Mai. (TU.) Der Reichsinnen­minister Dr. v. Keudell sprach in einer Wähler- Versammlung der Deutschnationalen Vol'spartei Münchens über aktuelle innerpolitische Fragen, wobei er nachhaltig fürdasföderalistische Programm der bayerischen Regie­rung eintrat und die Aufrechterhaltung der bayerischen Eigenstaatlichkeit alS eine der wich­tigsten Voraussetzungen für da- Gedeihen de- Deutschen Reiche- bezeichnete. Es sei bisher noch ntcmar.bem gelungen, den RachweiS dafür zu er­bringen, day die Beseitigung der Eigenstaat­lichkeit der Länder für da- Reich irgendwelche Ersparnisse bringen werde. 3n jedem Fall sei mit einer kostspieligen Aufblähung deS Reichsapparates zu rechnen. 3n Lleberein- fiimmung mit der bayerischen Regierung erhebe die Deutschnationale Volkspartei die Forderung nach einer klaren Abgrenzung der Zu­ständigkeiten zwischen Reich und Ländern. Der Gedanke des Einheitsstaates mülle, nicht zuletzt im Interesse der deutschen Kultur, be­kämpft werden, wenn man nicht auch aus kultu­rellem Gebiet einen einheitlichen Zwangsstaat schassen wolle. Die Schaffung der bayeri­schen Sonderrechte habe nicht die Ver­ewigung von kleinstaatlichen Rechten bedeutet, sondern einen wesentlichen Bestandteil der BiS- mcr.lschen ReichSver'as'ung. Eine gesunde Wcier- entwicklung unsere- Vaterlandes sehe voraus, daß alle Teile freudig im Reich mitarbeiteten.

Der VolkSparteiler von Kardorsf.

In einer Versammlung der D. V. P. in Schöne­berg sprach der Abm v. K a r d o r f f über die politischen Ziele der Partei. Gr führte u. a. auS: Eine Reform der Reichsverfassung sei in vieler Hinsicht nötig. Die Macht des Reich-Präsidenten müsse gestärkt werden. Es gehe nicht an. daß Minister dauernd kämen und gingen ES widerspräche auch dem Sinn der Reichsverfassung, wenn die Minister reine Parteiminister seien. Tine He rauf- setzung de - Wahlalter- auf 24 Jahre würde das Gleichmaß der Entwicklung fordern. Die Reichsreform mülle schrittwei e durchge ührt werden. DieK Yudell-Schule" hätte nicht Gesetz werden dürfen, da sie da- Staatsaufsichtsrecht über die Schulen gefährdete. Die Landwirt­schaft sei in einer schwierigen Lage. Ihr müsse unbedingt geholfen werden, da eine sterbende Landwirtschaft eine kranke Industrie nach sich ziehe. Das Landvolk habe nicht nur wirtschaft­liche Bedeutung, sondern müsse auch aus be­völkerungspolitischer Rücksicht ge­schützt werden. Allerdings sei die schlechte Politik de- Landbundes auch schuld an der schlechten Lage. Zu bekämpfen sei ferner der steuerlose Wettbewerb de - Staate - gegenüber den Privatbetrieben. Die Sozialpolitik sei zwar unbedingt notwendig, sie dürfe aber nicht so weit gehen, daß se das Verantwortlichkeit-- gefühl de- einzelnen vollkommen untergrabe. Da- Schlichtungswesen gebe zu sehr zugunsten der Arbeiterschaft vor. Seine Hauptausgabe bestehe darin, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer an einen Tisch tu bringen. Man solle doch nicht vergessen, daß Kapital und Arbeit auseinander angewiesen seien.

Ter Tcmokrat Sülz

In einer Dahlverfamm'.ung der Deutschen Demokrat:fchen Partei trat der frühere ReichS- innenmintfter Külz entschieden für den Ein­heitsstaat ein. In der deutschen Republik sei kein Raum für Staaten, deren Eigenstaatlichkeit nur auf dynastischer Tradition und nicht auf eigener staatlicher Leben-kraft be­ruhe. Den ein-elstart ichen Selbst rndi zkeits- bcftrcbunqcn müßten die Belange des Gesamt- volkeS entgegengeste'lt werden. Außenvolit.fch for­derte der Redner die Räumung der Rhein- lande. Abrüstung auch bei den anderen Staa­ten und Abänd'rung der Daweslasten. Die ver'lof'ene Rechtsreqierung ba'e nach die'er Rich tung nicht einen einzigen Erfolg au'wett-'n kön­nen. im Gegenteil sei uncre Außenpo'itik m der zwie'pältigen Haltung der Deutschnationalen

Oer EolmarerAuionomistenprozeß

Eolmar. 9. Mai. (DB.) Zu Beginn der Verhandlung am Mittwoch wurde das schwei- zeri'che Darlehen wieder zur Debatte gel.ellt. Abbt Fahhauer erklärte, daß di«Erwinia" ihre Grundstücke mit einer hohen Mauer hab« umgeben und eherne Rolläden habe anbcingen müssen, um sich vor llebctfällen zu schützen, denn die Staatsanwaltschaft im Elsaß schütze ja das Eigentum heimattreu gesinnter El'ässer nicht. Die Tatsache, daß jene umgewcch- selten 100 000 Schweizer Franken in Form von 820 000 franzö'ischen Franken auf ein Konto mit dem Damen von Agnes Eckermann bei einer Schweizer Bank in Luzern deponiert wo.d:n 'e cn erklärte Fahhauer. man habe im Elsaß lein Konto errichten wollen, um die erschwerenden Formali­täten beim Umwech'eln der Gelder zu vermeiden. Außerdem habe daS Geld ja doch auch in der Schweiz zurückgezahlt werden müssen. 2m übri­gen stellte bei den vielen Fragen des Vorfi l enden Fahhauer die Gegenfrage ..W a S hat denn das alle - mit dem Komplott zu tun? Er habe persönlich noch einmal 25 000 Franken Schulden gemacht unter der Bürgschaft von Dr. Rlalln. um alle Ausgaben bestreiten zu können. Wenn jene 100 000 Schweizer Franken deutsches Geld gewesen wären, dann hätte er diese Lasten nicht auch noch auf sich genommen.

Abbs Fahhauer ccllärte, es werde ein Zeuge erscheinen, der aussagen ve.de, dah Poin- c a r £ die Frage erwogen haue, ob es nicht möglich sei, dieDolksstimme" durch gericht­liche Urteile, beispielsweise wegen Beleidi­gung, zu ruinieren. So sei sie in dem von derAction Fran^aise" angestrengten Pro­zeß zu 32 000 Franken Geldstrafe verurteilt worden. Dann fragte der Angeklagte Fahhauer durch Vermi.' iung deS Vorsitzenden den Zeugen Polizeikomm. ar Bauer, ob er nicht seinen. Fahhauer-, Hauseigentümer namens Kupfer, der früher in einer Schule Hausmeister war und sich jetzt vier Hauser gebaut habe, gefragt habe, ob ihm nicht Fahhauer deutsches Geld gegeben habe. Darauf antwortete der Zeuge Dauer, er habe eine solche Frage nicht gestellt, sondern heraus- zubekommen versucht, wie sich die jetzige günstige Finanzlage des ehemaligen Schulhausmeisters er­kläre. Bauer betonte, dah er niemals eine amt­liche älntersuchung ge ührt habe, sondern nur eine Derwaltungsenaueie.

Dann fragte Ross», inwiefern der Zeuge Bauer behaupten wolle, daß er, Rosss, mit Rapp, Muth ober Ley zusammen gearbeitet habe, worauf der Zeuge Bauer erklärte, dies habe er nicht behaupten wollen. Weiter widerlegt Rosss die Angaben des Zeugen Bauer, daß er In die Streikbewegung der Lehrer von 1920 verwickelt gewesen fei. Rosss wendet sich sodann gegen die Behauptung Bauers, daß auf Betreiben des autonomistischen Flügels der Katholisch-republikani­schen Dolksvereinigung die Forderung der Zwei­sprachigkeit und der Derwaltungsau- t o n o m i e in das Parteiprogramm ausgenommen worden sei. Er verliest das Programm anderer Parteien vom Jahre 1919, da» diese beiden For­

derungen schon enthält. Wenn der Zeuge Dauer ihm sein« Reise ins Ausland aus dem Jahre 1926 zum Vorwurf machen wolle, so sei das seltsam: denn er sei viel in allen Jahren gereift, um sich über bie Schulreform in den einzelnen Landern zu unterr.d)tcn. Das seine ihm vorgehaltene Reise nach Basel betreffe, so habe er feine schwerkranke, sieche Schwester besucht, die dort m der Klinik liege. Rosts kommt alsdann auf den Dorwurf des Polizeikommissars Bauer zu sprechen, er habe den Streik ber Eisenbahner und Lehrer im Jahre 1926 geschürt, und erklärt hierzu, er habe bie Entschließung über den Streik nicht annehmen können, weil er an der betreffenden Sitzung gar nicht teilgenommen habe. Als Roste aus- ruft, er habe die Interessen von 43 000 Gewerk­schaftlern und Pensionsempfängern vertreten, die nicht das Geld oehabt hätten, um sich Holz zum Heizen ihres Zimmers laufen zu können, entsteht im Saale Lärm, worauf der Vorsitzende eine Ver­handlung pause eintreten läßt.

Rach Wiederaufnahme ber Verhandlungen er­klärte Rosst- weiter, dah er im Oktober 1914 mit einer Barschaft von drei Mark als felddienst­untauglich aus dem deutschen Heere entlassen in Colmar angekommen sei. Die 100 000 Franken, mit denen er sich 1926 an der Erwinia beteiligte, habe er sich erspart. Die Tendenz der Erwinia habe ihm zugefagt. Er habe sich auch an einer in Paris neu herausgegebenen Schulrevue be­teiligt und dort durchgesetzt. dah ein Artikel, der die wirlliche Lage im Elsaß darstellte, ver­öffentlicht wurde. Sonst fei es ihm nie gelungen, in der Pari'er Prelle Artikel unterzubringen, die die wirlliche Lage im Elsaß schilderten. Rosts gab u. a. noch an, er besitze noch für 72 000 Fran­ken Aktien der Gesellschaft A l f a c i a. Als er wegen Unterzeichnung deS HeimatbundmanisesteS von feinem Lehrerposten abgefeht wurde worüber noch die Entscheidung ber Verwaltungs­gerichtsbehörde ausstcht sei er i n d e n V e r - waltungsrat der Alsacia eingetreten. Man habe ihm aber die Bedingung gestellt, daß er feine Beziehungen zur Erwinia aufgebe. Um diese Bedingung erfüllen zu können, ohne seine 100 000 Franken Anteile mit Verlust Hals über Kops verkaufen zu müssen, habe er einen seiner Freunde. Lehmann, gebeten, feinen Anteil zu übernehmen, ohne ihn zu kaufen. DaS fei im Mai 1927 geschehen.

Oer V. O A zum Auionomistenprozeß.

B e r I i n, 9. Mai. (WB.) Der Verein fürbas Deutschtum im Auslandc gibt folgende Er- I klärung ab: Aus ber Presse erfahren wir, daß im Colmarer Prozeß gegen die sog. elsaß lothringischen , Autonomiften von ber Staatsanwaltschaft die Be- schulbigung erhoben wirb, baß diele Bewegung vom Verein für das Deutschtum im Auslände unter­stützt worden sei. Der V. D. A., der völlig u n politisch nur für Unterhaltung deutscher Schulen und Kultureinrichtungen im Auslände sorgt, ist weder um eine solche Unterstühungstätigkeit gebeten wor­den, noch hat er je eine solche Unterstützung gewährt.

versandet. SS gelte zu zeigen, ob daS deutsche Doll eine Politik der Verständigung wolle ober nicht. Unsere Außenpolitik müsse bewußt auf Verständigung eingestellt sein, denn die Mil­lionen deutscher Krieger seien nicht um deS Kriege-, sondern um deS Fried enswillen gefallen. Auf dem Gebiet der Wirtschaft müßte sich der Staat größte Zurückhaltung auf- erlegcn und die bisherige Einmischung in wirt­schaftliche Dinge unterlassen. Das bisherige Steuersystem, das sich als ft art ft c Hem­mung für bie Wirtschaft erwiesen hab«, mühte geändert werden.

Stahlhelm und Wahlen.

Magdeburg, 8. Mai. (TU.) Aus einem Deutschen Abend, den der Stahlhelm im Kristall- Palast veranstaltete, ergriff u. a. der Bundes- sührer Franz Seldte das Wort und legte die Stellungnahme des Stahlhelms zu den kom­menden Wahlen dar. Er führte u. a. aus, der Stahlhelm wisse, daß er den Kampf auch gegen einen großen Teil des Bürgertums aufnehmen müsse. Der Stahlhelm sei kein Wehrverband, sondern ein Willensverband, ein politischer Verband. Auf Grund der Verantwortung und deS Gewichtes, das im Bund der Frontsoldaten liege, könne sich dieser nicht den Luxus gestatten, wie die Heinen Verbände, und von einer Betei­ligung an den Wahlen abreden. Die Betei­ligung an derWahl fei Befehl. Der Stahl­helm habe sich zu geistigen Ideen durchgearbeitet.' Wenn er jetzt küyl und ruhig den kommenden Dingen gegenüberstände. so würden über die kleinen nahen nicht die großen fernen Ziele vergessen. Wenn wir nicht zu einer Verfassungs­änderung. zur Wiederkehr des Zweikammer­systems. zu einer Verstärkung der Regierungs­gewalt kämen, dann würde das kommende Par­lament auch nicht die Entscheidungen bringen, die der Stahlhelm wünsche. Auch die nächsten Reichs­tagswahlen würden nicht die vom Stahlhelm gewünschten Ergebnille bringen, aber die ge­wählten Stahlhelmabgeordneten mühten ihre Aufgabe darin sehen, weiter zu schulen und zu werben für die Ideen des Stahlhelms, ber zur Zeit zur Opposition verdammt sei. Rur unaus­gesetztes zähes Ansehen seiner Ideen würde eines Tages zum Siege führen. Der Stahlhelm wolle, daß das Deutsche Volk sich aufrichte. DaS sei ein Stück des WegeS zu dem Endziel, der inneren und äußeren Befreiung des Vaterlandes.

Oie Oonez-Affäre.

DieBcschuldigungcn gegen deutsche Firmen

Essen, 9. Mai. (WTB.) Zu den russischen Meldungen, daß die Firma Knapp in Wanne- Eickel in Rußland unlautere Machen­schaften betrieben habe, erklärt die Firma dah sie niemals minderwertige Ma­schinen nach Rußland geliefert habe Es fet ganz ausgeschlossen, daß der Mon­teur B a d st i e b e r gestanden haben soll, daß er minderwertige Maschinen der Firma Knapp in­stalliert habe. Es sei auch ausgeschlossen, daß Dadstieber einen Grubendicektor be'ochen Hai.« Dazu hätten ihm die Mittel gefehlt, denn er fet nur auS Einkün den, b:c die russischen Gruben zahlten, entlohnt worden. Von der Firma Knapp sei ihm irgendwelcher Betrag zu unlauteren Machenschaften nicht gegeben wor­den. Da- angebliche Eingeständnis deS In­

genieurs Gorletzki, et habe mit der deutschen Firma Knapp einen Vertrag über Lieferung minderwertiger Maschinen abgeschlossen und da­für von Knapp fünftausend Mark durch einen Ingenieur Kurina erhalten, wird von der Firma aufS entschieden st e bestritten. Kurina sei Knapp überhaupt nicht bekannt. Auch bestreitet die Firma Knapp, daß sie irgend­einem russischen Beamten geldliche Zuwendungen gemacht habe.

Oie Auslandanleihen deutscher Städte.

Berlin, 9. Mai. (WB.) Die Beratungsstelle für Aurlondkredite befürwortete in ihrer geftrigen Sitzung den Antrag des Deutschen Sparkassen- und G i r o o e r b a n d e s, im Laufe der nächsten Zeit eine Sammelan- leihe deutscher Städte in Höhe von ungefähr 17,5 Millionen Dollar an den Auslandmarkt zu bringen. Die Beratungs­stelle wird dafür Sorge tragen, daß alle die Städte, die im Rahmen der Anleihe der Girozentrale zu berücksichtigen sind, anteilmäßig nach Maß­gabe der von der Beratungsstelle befürworteten Beträge an dem Erlös der Anleihe t e i l n e h m e n. Ferner befürwortet die Bera­tungsstelle die alsbaldige Ausgabe von Anleihen der Städte Berlin und F r a n k f u r t a. M. Di« Feststellung der endgültig den Städten im Rah­men ber Anleihe der Giro-Zentrale zufallenden Beträge ist noch vorbehalten. Für den Herbst ist die Ausgabe eines zweiten Teils der Anleihe des Deutschen Sparkassen- und Oirooer- bandes und die Ausgabe einiger weniger Ein­zelanleihen großer deutscher Städte sorge- sehen.

Oie rumänische Krisis, y atianuS Optimismus.

Bukarest, 9. Mai. (TU.) Ministerpräsident B r a t i a n u gab dem Vertreter der TU. folgende Erklärung über die innerpolitische Laae in Ru- mänicn ab:Ich bin sehr verwundert, alle die falschen Rachrichten zu lesen, die auch diesmal im Auslande über die Sage in Rumänien verbrei­tet worden sind Die Versammlung von Karlsburg war nur eine Episode im Kampf den die Rationale Bauernpartei gegen die Regierung führt. Von der Parlamentsmehrheit und den oer- fastungsmäßigen Stellen unterstützt, wird die Re- gicrung das Werk ber politischen und finanziellen Festigung weiterführen. Uebrigens dürste jeder, der bie wahre Lage Rumäniens kennt, nicht bestreiten können, daß allen Schwierigkeiten zum Trotz das Werk ber inneren Festigung fort geführt worben ist. Zu der Frage des Prinzen Carol habe ich zu erklären, daß ich es sehr bedauere, daß der Prinz, schlecht beraten, Fehler begeht, die feinem R u s abträglich sind."

Die Führung der Rationalen Bauern­partei hat beschlossen, daß weder Maniu noch andere Führer zum Regent- kchaftsrat gesandt werden sollen, sondern daß ber Generalsekretär Magiaru dem Rcgent- fchaftsrat bie Entschließung von Karlsburg d er­legen soll Das ist auch durch Magiaru am gestrigen Vorm.ttag geschehen. Der Beschluß der Rationalen Bauernpartei gewinnt erbebte Bedeu­tung, wenn man bedenkt, daß zurzeit die Ratio­

nale Bauernpartei zur Regierung kein« Be­ziehungen unterhalt und auch die Beziehungen 3um Regentlchaftsrat kühler geworden sind. In der Tat ist Magiaru beauftragt worden, einen Protest zu oerfafien gegen die Unterdrückung der oppositionellen Blätter.

Oas Schicksal dorote.

London. 9. Mai. (XU.) Der Innenminister erhielt heute eine längere Erklärung deS Prinzen Earol. in der b c er wie verlautet, darum ersucht, d.e gegen ihn verfügte Aufforde­rung zum Verlassen Großbritannien- auszu- beben. Er habe nicht d.e Absicht und beabsich­tige auch fernerhin nicht, irgend etwa- zu unter­nehmen, was gegen d.e internationalen Gewohn­heiten während seines Aufenthalts in England verstoße. Das Schreiben Earol» ist vom Innen­minister sofort erwidert ward-en. Dem Prinzen Earol ist offiziell mitgetcilt worden, daß. rafi» er das Land nicht sobald alS möalich verlade, der Ausweisungsbefehl d rchge ührt wer­den wird

Aus aller Welt.

Schwere Sturmschäden In Ungarn und DalmaNen.

In Ungarn herrschte ein orkanartiger Sturm, der in diesem Breitengrad nur selten zu ver­zeichnen ist. Der Sturm hatte ein starke» Fallen der Temperatur zur Folge Die TeDöI'erung war beunruhig', dr sie der Meinung war, der Orkan sei der Vorbote eine- Erd­bebens. Der Sturm hat auch in der Provinz rohen Schaden angerichtet. Zahlreiche T _ 'Hon­eitungen wurden zerstört und t>iek " Horn­stein« umgewvrsen Die Gewalt deS diurmei war so stark, dah einige Kirchtürme in» Wanken kamen Durch den Orkan, ber mit einer Ge­schwindigkeit bi- zu 90 Kilometer in der Stunde über das Land brauste, sind in Budavest über 100 Personen verletzt worden. In R a g u s a brachte ein heftiger Wirbelsturm ein im Bau befindliches Schulgebäude zum Teil zum Einsturz. Das herabfallende Mauerwerk fiel auf die tiefer gelegenen Häuser. Drei Einwoh­ner fanden dabei den Tod.

Unwetterkatastrophe in Kolumbien.

Infolge schwerer Regengüsse stürzten in dem Dorf« R i o S u c i o im Bezirk Cal das 20 Wohnhäuser ein. Bisher wurden zehnLeichen aus den Trümmern geborgen. Durch das Unwetter soll auch die (Ernte schweren Schaden genommen haben.

Der Fall Jakubowski.

Der Leiter des Landeskriminalamte» Reu» strclitz, Regierungsrat 6 t c u b i n g. und der als wis enschafrlicher Berater herangezogene K imi- minalpsychiologe Dr. Han- v. H e n t i g-Münchcn sind auf Grund ihrer Ermittlungen in der Sache Jakubowski zu folgendem Ergebnis gekommene Die neu feftgefteHtcn und sorgfältig durchge- prüsten Tatsachen führen zu der Vermutung, dah der im Jahre 1925 wegen Morde- an einem angeblichen Kinde verurteilte und Hin­gerichtete russische Kriegsgefangene Jaku­bowski der Mörder nicht gewesen fein kann. Drei der vermutlichen Täter wurden ver­haftet und dem Amtsgericht Schönberg zu­geführt. Wie da» .B. T." erfährt, sollen zwei von den 03erhafteten, die fich gegenseitig beschul­digten, bereit» Geständnisse abgelegt haben. Der Indizienbeweis, auf Grund dessen Jakubowski 1925 zum Tode verurteilt und hin­gerichtet worden ist, könne, so schreibt da» Blatt, bereits al» erledigt angesehen werden.

Der Reubau der Reichskanzlei.

Am 18. Mai kann die Reichskanzlei auf ihr 50jährige» Bestehen zurückblicken. Rachdem nun­mehr der R e u b a u auf dem Rebengrundstück deS alten Gebäudes gesichert ist, wird am 18. Mai, also am 3ubiläumdtage. die Grund­steinlegung zum Reubau mittag- um 12.30 U^r in feierlicher Form vollzogen werden. Auch Reichspräsident v. Hindenburg hat sein Erscheinen zugesagt. Rach der Grundsteinle­gung findet in der Reichskanzlei auf Einladung de« Reichskanzlers ein Frühstück statt.

General Primo de Rivera will heiraten.

Paris, 15. Llpril. (Sil.) Wie au» San Se­bastian gemeldet wird, erklärt man in gut unter­richteten Kreisen, dah sich General Primo be Rivera in allernächster Zeit verheiraten werd« und zwa^ mit Fräulein Rini Eastillano. Tochter ber Gräfin be Santeliz. Die zukünftige Gattin Primo de Rivera- ist 47 Jahre alt Sie besitzt eine jährliche Rente von 500 000 Pe­setas. König Alfons wird Trauzeuge sein. Wie eS heißt, soll die Hochzett am 2. Mai, am Erinnerungstage der ilnabhängigkeit-erklL- rung Spaniens, stattfinden.

Dom Bund der Auslanddeolfchen.

Eine Rheinlanbtagung o:ranftaltet bet Bund ber Au-landdeutschen in Verbindung mit der Deutschen Weltwirt chastlichen Ge elt chast vom 5. bi- 8. Juni 1923 gelegent ich ber Inter­nationalen Pres eauS'fr l mg in Köln. Für die Veranstaltungen in K>ln sind u. a. Ansprachen bzw. Vorträge vorgesehen von Gouverneur z. D. Dr. Schnee. Reichsmini'tet a. D. Dr Külz. Geheimrat 5fr. LouiS Hagen. Reich-ministet a. D. Dr. Koet h. In Köln wird ein Groß» Kraftwerk und eine Braunkoblengrube befich'igt werden, in Traben Trat ach e ne Weink'-llerei. ht W eSbaden findet eine Veranstaltung im Kurhaus ftatt

Wettervoraussage.

Weitere kalte Luftma^en sind nach Deutschland vorgedrungen und haben zu DarometeranstiEg geführt. 3n der vergangenen Rächt war bet uns da- Minimum um null Grad. Die Berg« zeigen eine leichte Schneedecke und eine wei­tere Zunahme de» Froste». Da noch immer die laLtc Luftzufuhr nicht beendet ist, so bleibt zu­nächst daS Wetter noch unfreundlich und kalt. Jedoch dür'te im Lause deS Sam»tag» lang'arn« Erwärmung einfrtzrn, d?nn über Island hat da» bortige Ties bereits kräftige Temperaturzunahme gebracht.

Vorhersage für Freitag: Wolkige- W:t er mit zunächst noch wenig veränderten Tem­peraturen, meist ttocken.

Vorhersage für SamStag: Langsame Erwärmung wolkig und vorwiegend trocken.

Lufttemperaturen am 9. Mai mittags 8,6 Grad Celsius, abends 2,7 Grad Celsius, am 10 Mai: morgens 3,9 Grad Celsius Maximum 10,9 Grad dc'r Minimum 0,6 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 9. Mai abends 15,2 Grad Celsius am 10 Mai morgen» 9,8 Grad CEclfiu». Riederjch'.äge: 0,6 Millimeter. Sonnenscheindauer: 9H Stunden.