Ausgabe 
9.10.1928
 
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aus Ruppertenrod. In Aufgabe 10 und 11 wur­den keine ersten Preise erzielt. Dagegen wurden die Beerenweine der Aufgabe 12 mit vier ersten Auszeichnungen bedacht. Diese ent­fielen auf Otto Schneider - Groh-Felda, sowie auf Wilhelm Hofmann, Otto Orth und Ed. Schlosser aus Ruppertenrod. Die letzte Auf­gabe zeigte Eingemachtes verschiedener Art. Frau Lehrer Strack und Fräulein Martha O 11er­be i n - Rrrppertenrod durften die ersten Preise dieser Klasse davontragen.

Starkenburg.

WSA. Darmstadt, 8. Okt. Kriminalinspek­tor Johann Würz, bei der hiesigen Staatsan­waltschaft, der vor einigen Tagen in einem hiesigen Lokal eine Falltreppe hinab­stürzte, ist an dem dabei erlittenen Schädel- bruch, ohne das Dewuhtsein wieder erlangt zu haben, g e st o r b e n.

Rheinhessen.

WER. M a in z, 8. Oft. Als am Samstag nachmittag der 17jährige Hans Vetter im Wallmeisterhaus in Wackerheim auf der Tenne eine Arbeit verrichten wollte, kam ec einem im Scheunengebälk befindlichen Wespenne st zu nahe. Im Ru überfielen die gereizten Tiere den jungen Mann, der aber nicht mehr bis an die von außen her angelehnte Leiter gelangen konnte, und sprang die in der Mitte des Spei­chers befindliche Oeffnung hinunter. Der Sprung war jedoch so unglücklich, dah Vetter sich dabei einen Beinbruch zuzog. Der junge Mann mußte in das Städtische Krankenhaus verbracht werden.

Buntes Allerlei.

Eine neue Erklärung des Tornados.

Die Vorgänge bei den gewaltigen Luftwirbel­erscheinungen, die auch in diesem Jahr in Amerika wieder so ungeheure Verwüstungen angerichtet

haben, sind noch nicht geklart. Die auch heute noch vielfach vertretene Ansicht, daß diese Wirbelstürme, sowohl die amerikanischen Tornados wie auch die amerikanischen Tromben, nur die Achse eines auf- steigenden Luftstromes darstellen, ist durch genaue Beobachtungen widerlegt. Professor A. W e g e n e r, der sich seit Jahren mit diesen Erscheinungen be­schäftigt, vertritt nun in einer neuen Abhandlung, über die K. K n o ch in denNaturwissenschaften" berichtet, die Ansicht, daß der Hauptteil des Torna­dos in einem horizontal liegenden, in der Wolke verborgenen Schlauch besteht; der für uns sichtbare Teil dieses Schlauches stellt nun sein herabhängen­des Ende dar. Zunächst bildet sich nach Wegeners Meinung einMutterwirbel" mit horizontaler Achse, der nicht vom Boden nach den Wolken, son­dern von den Wolken nach dem Boden wächst. Daraus ergibt sich die hüpfende Bewegung des Schlauches mit dem Aussetzen in der Zcrstörungs- spur. Häufig ist unterhalb der Wolke ein Umbiegen des Schlauches festzustellen, und zwar nach der Seite des Regengusses. Der ungeheure Kraftver­brauch, der sich auf dem Zerstörungsweg äußert, kann nur aus dem Mutterwirbel erneuert werden. Den größten Wert legt Wegener auf die Fest­stellung eines äußeren Streufeldes, im Gegen­satz zu dem inneren Streufeld, in dem die aus dem Zerstörungsweg fortgeschleuderten Gegenständ« nie­derfallen. Dieses äußere Streufeld liegt auf der andern Sekte der Hagelzone, und in ihm sind schon Gegenstände niedergefallen, die aus der bis zu fünfzig Kilometer entfernten Bahn des Tornados abgehoben wurden. Nur bei einem Wirbel mit ho»i- zontaler Achse ist es möglich, daß sich selbst schwere Gegenstände solange schwebend erhalten können. Das Ende des Mutterwirbels ist als offen anzu­sehen. Da die herabgesallenen Gegenstände teilweise mit einer Eiskruste überzogen waren, muß der Mutterwirbel in der Region der unterkühlten Wassertröpfchen liegen; das ist im Sommer in einer Wolkenhöhe von etwa 4000 Meter der Fall.

Der Traum des Zöllners.

Ein moderner Joseph, dem seine Traumdeutung nicht weniger gute Dienste leistet als dem biblischen Helden, ist ein Neuyorker Zollbeamter, der auf diese immerhin nicht gewöhnliche Weise 2000 Säcke mit Ega ii III tXM u im।WAiirruwMwrmia ZIrarMiianrumuMi

Flaschen voll Whisky im Wert von 200 000 Dollar entdeckte. Der Zollbeamte John Mc. Gill träumte eines Nachts, daß er einen Fischkutter namens Carolina sähe, der im dichten Nebel mit einer Alkoholladung fuhr; er sah das Schiff auf dem Meer hin und her schwanken wie einen Betrun­kenen und die Mannschaft, die er ebenfalls im Traum erblickte, torkelte nicht weniger. Als der Träumer am Morgen aufwachte, gab er sofort seinen Beamten Befehl, in der Umgegend von Neu- york nach einem Schiff namens Carolina zu suchen. Man fand auch tatsächlich solch ein Schiff, einen harmlos ausseyenden Kutter, der Fische in der Nähe des Fulton-Fischmarktes auslud. Die Beam­ten meldeten das McGill, und dieser begab sich so­fort an Bord und bewies die Wahrheit seines Traumes, indem er unter den Fischen 2000 Säcke mit Whisky entdeckte.Es ist eine Familien- Eigenschaft, daß wir immer vom Meer träumen," erklärte der moderne Joseph,und unsere Träume sind meist wahr."

Zeitschriften.

Die Aeuhorrer MonatsschriftCurrent Hi- ftort) hat in ihren letzten Heften internationale Diskussionen über die Kriegsschuldfrage veröffent­licht, die, von Professor Barnes eingeleitet, der bedeutsamen Frage gewidmet ist, ob Deutschland im Juli 1914 Oester reich-Tlngarn zum Kriege getrieben hat. Barnes kommt zu dem Ergebnis, daß Deutschland nicht direkt für die österreichische Politik verantwortlich gemacht werden kann. Graf Verchtold, Graf Hoyos und der Gesandte von Wiesner nehmen zu den Darlegungen von Bar­nes Stellung. Von deutscher Seite antworten Staatsminister von Iagow und Staatssekretär a. D. Zimmermann. Ein amerikanischer Gegner dieser Auffassungen kommt in Professor Florinskh zu Wort. Diese aufschlußreiche Kriegsschulddis­kussion wird in dem Oktoberheft der Berliner Monatshefte für internationale AufklärungDie Kriegsschuldfrage" (Verlag Berlin R W 6) in ihrem wesentlichsten Teilen wieder­gegeben. Die Ausführungen von Professor Flo- riüsky werden von Graf Derchtold In einer län­geren Zuschrift beantwortet.

Ein bunter Strauß Lektüre Romane, No- oetlen, Gedichte, bebilderte Artikel über mancherlei Kunst und Reisen, wissenschaftliche Abhandlungen verschiedener Spezies usw. läßt die Bestimmung derW estermanns Monatshefte" (Verlag Georg Westermann in Braunschweig) als Familien­zeitschrift für das deutsche Haus klar hervortreten. Aus dem Inhalt des Oktoberheftes ist besonders her­vorzuheben: Die Geisterstadt, Romanfolge von Heinr. Lilienfein; Indischer Urwald von Annie France- Harrar; Die Seele der Biene von Dr. A. Seidel; Schneesturm, Novelle von Carry Brachvogel; Aus meiner Husarenzeit von Georg von Ompteda.

Bei den jetzt beginnenden langen Abenden er« hebt sich auch heute noch bei manchem die Frage nach einer Zeitschrift, die substantiell und in ihren Wir­kungen nachhaltiger ist, als die bunten Magazine und Wochenschriften. Solchen Fragern ist die bei C. H. Beck in München seit vier Jahren erscheinende MonatsschriftZ e i t w e n d e" zu empfehlen, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, unsere Zeitprobleme vom Boden einer evangelisch fundierten Weltanschau« ung aus zu behandeln. Wie mannigfaltig, faßlich und dabei doch nicht oberflächlich solch ein Zeitwende- heft ist, bezeugt wiederum das so fein komponierte Oktoberheft. Der Beitrag Richard Ecksteins über Rassenforschung, Rassenglaube, Rassenlegende" prüft klar und umsichtig die weltanschauliche Tragfähig, feit des Rassengedankens. Es folgt ein markantes Charakterbild Lenins von Rudolf Thiel. Die sich als feiner Kontrast anschließende Novelle Eva von EckardtsWesen und Erscheinung" schildert mit seltener seelischer Zartheit ein tragisches.Mädchen- schicksal. Unsere Vorstellung vom Amerikanismus er­hält durch Karl Rodes Schilderung amerikanischen Universitätslebens an der Berkeley-University Form und Farbe. Die Rettung aus der Not der evangel. Kirche durch eine Belebung des Symbolgedankens wird von Karl Fischer nach der positiven und nega- tiven Seite hin erörtert.______________________________

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