Ausgabe 
9.10.1928
 
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Nr 258 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 9. Oktober (928

Spielvereimgung 1900 Gießen.

Liga Frohnhausen (Dill) Liga 4:0 (1:0).

Ligareseroe Frohnhausen (Dill) Ligareserve 8:2 (5:1).

3. Ettingshausen 2. 6:3 (1:2).

1. Jugend Niedergirmes 1. Jugend 2:0 (2:0).

2. Jugend Steinberg 1. Jugend 3:0 (3:0).

3. Jugend Frohnhausen Schüler 1:0 (0:0).

1. Schüler Aßlar Schüler, Aßlar zu spät ange- treten.

ö. Das Hauptinteresse der Zuschauer konzentrierte sich naturgemäß auf das Spiel der L i g a Mann­schaften, das unter der Leitung des Schiedsrich­ters I a n o w s k y (Marburg) stand. Um es vor­weg zu sagen: die Leistungen konnten beiderseits nicht befriedigen, sie standen bis zum Seitenwechsel weit unter Durchschnitt. 1900 begann mit ziemlich heftigem Wind im Rücken, lag auch oft stark drän­gend vor dem Frohnhäuser Tor, brachte aber nur ein einziges Mal den Ball über die Torlinie. Unge­zählte glänzende Torchancen ließ der recht unge­schickt spielende Sturm in einer Reihe aus. Fast alle erzielten Eckbälle landeten hinter dem Tor. Ein Frohnhäuser Spieler verletzte sich durch eigene Schuld und schied kurz vor der Pause aus. Auch der Platzverein mußte infolge plötzlicher Erkrankung eines Spielers beim Spiel Umstellungen vornehmen. Berücksichtigt man außerdem noch, daß bei 1900 der Rechtsaußen ganz ausgeblieben war und durch einen Spieler der vorher tätigen 2. Elf ersetzt wurde, so war das Kräfteverhältnis wieder einiger­maßen ausgeglichen.Das Resultat entspricht dem Spielverlauf, denn auch die Gäste hatten nach der Pause sichere Chancen, die im Uebereifer ausgelassen wurden.

Das Spiel der Reserven stand ganz im Zeichen des Platzvereins. Bei ständiger Ueberlegen- heit wurde Tor auf Tor erzielt; allerdings wurden die Blauweißen dabei durch den recht schwachen Gästehüter unterstützt. Die Tore Frohnhausens fielen nach schnellen Durchbrüchen an der aufgeruckten Gie­ßener Verteidigung voroei.

1900s dritteElf trat die Fahrt nach Ettings­hausen durch ein Mißverständnis nur mit zehn Spielern an. Wenn trotzdem ein Sieg für die Gieße­ner dabei herauskam, so spricht dies für deren jetzige Spielstärke. Bei Halbzeit stand das Spiel noch 2:1 für Ettingshausens zweite Mannschaft.

Die erste Jugend der Spielvereinigung fer­tigte im Pflichtspiel die erste Jugend von Nieder- g i r m e 5 ab.

Die zweite Jugend gewann in einem ver­kürzten Spiel, verschuldet durch Ausbleiben des Schiedsrichters, gegen Steinbergs erste Jugend.

Dio dritte Jugend, alles 15jährige, gewann gegen die technisch sehr schön spielende Schülerelf von Frohnhausen, infolge körperlicher Ueberlegen- heit. Die Aßlarer Schüler traten leider zu spät an, so daß das Spiel nicht zum Austrag kam.

V. f. B.

Liga Dillenburg Liga 7:2.

Ligares. Dillenburg Ligares. 3: 1.

Dritte Queckborn 7:1.

l.Sgb. 1. Igd. Sp. D. Wetzlar 2:2 abgebr.

2. Igd. 1. Sgö. Leihgestern 1:1.

2. Schüler 1. Schüler Leihgestern 1:0.

Ligamannschast gestaltete auch ihr zweites Verbandsspiel zu einem vollen Erfolg, indem sie Dillenburg auf dessen eigenen Platz mit klarer Tordifferenz schlug. Der Verlaus der ersten zwanzig Minuten des Spieles ließ allerdings wenig Hoffnung auf einen Sieg Gie­ßens zu. Wenn man auch von vornherein damit rechnen mußte, daß Dillenburg auf eigenem Ge­lände ein ungleich schwerer Gegner ist, als auf Plätzen größeren Ausmaßes, so überraschten die gegen den Dorsomttag in wesentlich stärkerer Auf­stellung stehenden Einheimischen noch durch ihren geradezu beispiellosen Eifer. Die V. f. D.-Glf hatte Mühe, sich der ungemein forschen Angriffe der Platzelf zu erwehren und konnte trotz zähester Gegenwehr nicht verhindern, daß der Gegner das Führungstor erzielte. Beiderseits wurde das schon anfangs sehr flotte Tempo noch verschärft

Geld M vom Himmel.

Vornan von Paul Enderling.

Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.

12. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Schlimm", meinte Grotteck tiefernst, ihm auf den Rücken klopfend.Aber es gibt ja gottlob noch an­dere Frauen, die wahres Verdienst zu schätzen wissen."

Surrmann nickte.Ich muß Ihnen etwas anver- ttauen", begann er verlegen.Was ich vorhin über Fräulein Brodersen sagte, stimmte nicht ganz. Ich habe natürlich für sie geschwärmt. Welcher Mann täte es nicht? Aber ich bin sozusagen außer Kurs gesetzt. Brodersen hat mich mit Geld unterstützt. Das ist es. Denken Sie, man kann ein Mädchen um­werben, wenn sie weiß, daß man ihren Vater an­gepumpt hat?"

. 'Tpejtt"' entgegnete Grotteck kühl.Das kann man nicht. Und nun ist es Zeit, die Sitzung abzubrechen."

Der Lyriker erhob sich seufzend.Jetzt find Sie wieder Der Baron. Kühl, unnahbar, distanziert, nordd^t.ch. Und das ist schade. Ich wollte Ihnen beim Fortgehen zwischen Tür und Angel, ver­stehen Sie ein Geständnis machen."

Noch eins?"

Surrmann reichte ihm mit treuherzigem Gesicht die Hand.Ich wollte Ihnen einen Band meiner, gotischen Sonette widmen, und zwar mit der Wid­mung: Meinem Freund Kurt Grotteck. Darf ich?"

Sie dürfen. Aber nun ade! Morgen ist auch noch ein Tag, wie Peter Cornelius so schön singt"

Kurt Grotteck dachte lange über den Besuch nach. Er hatte also einen Freund gewiß ein schöner Gewinn eines Tages. Ach ja, einen Freund konnte er gut brauchen. Aber auch der kleine Surrmann war nicht derjenige, auf dessen Schultern er sein Geheimnis laden konnte.

Auch die zarte Mutter im fernen Grotthausen würde unter dieser Last zusammenbrechen. Und wer blieb sonst?

Inge Brodersen! sagte eine Stimme in ihm. Sie war klug und stark. Ihr konnte er beichten. Ihr wußte er beichten, ehe er ihre Hände küßte. Ja, das war es gewesen, was er hotte sagen wollen:Ich I

Turnen, Sport und Spiel.

und mit äußerster Kraft- und Energieentfaltung gekämpft. Hatte es zuerst bei V. f. D. etwas an genauem Zuspiel, und präziser Zusammenarbeit gefehlt, so fand sich die Mannschaft schließlich doch mehr und mehr zusammen, so daß der Aus­gleich noch vor der Pause erzielt werden konnte. Aach dem Wechsel versuchten beide Parteien, sich in der Forcierung des Temvos zu überbieten. Dillenburg mußte jedoch bald einsehrn, daß es gegen die technische älebrrlegenheit und reifere Spielweise Gießens auf die Dauer nicht aufkam. Von der Läuferreihe gut unterstützt, zeigte der V. f. D.-Sturm ein prächtiges Spiel. Vier Tore innerhalb etwa zehn Minuten waren die Folge der starken Tleberlegenheit der V. f. D.-Mann- schäft. Bei diesem Stand (5:1 für Gießen) raffte sich Dillenburg für kurze Zeit noch einmal auf, um jedoch bald darauf um so stärker wieder abzufallen. Es beschränkte sich in der Hauptsache auf die Verteidigung, mußte sich jedoch noch zwei weitere Tore gefallen lassen. Kurz vor Schluß gelang es seinem Mittelstürmer bei einem Durch­bruch der zu weit aufgerückten Gießener Ver­teidigung, davonzugehen und das zweite Tor zu erzielen. Das Resultat entspricht dem Spielver­lauf und muß als voller Erfolg des V. f. D. ge­wertet werden.

Der Ligareserve fiel es wesentlich schwe­rer, zu gewinnen. Sie war dem Gegner technisch und taktisch überlegen, kam jedoch gegen dessen ost sehr rauhe Spielweise insofern nicht richtig auf, als sie ihre Feldüberlegenheit nicht durch die entsprechende Torzahl zum Ausdruck brin­gen konnte. Ihr Spiel litt stark unter den fal­schen Entscheidungen des viel zu nachsichtigen Schiedsrichters, der nicht imstande war, die Platz­mannschaft zu einer faireren Spielweise zu be­stimmen. V. f. B. hatte eine Reihe von Gelegen­heiten, darunter einen Elfmeter, der an die Querlatte geschossen wurde, das Resultat zu er­höhen, lieh diese jedoch unausgenützt vorüber­gehen. Immerhin darf die Elf mit dem Ergeb­nis zufrieden sein.

Auch die Dritte holte sich die beiden Punkte durch einen sicheren Sieg über Queckborn. Queckborns Eifer reichte nicht aus, um der tech­nischen Tleberlegenheit der V. f. D.-Clf standzu­halten.

Die erste Iugendmannschaft traf in der gleichen des Wetzlarer Sportvereins auf ihren stärksten und auch härtesten Gegner. Das Tressen wurde beim Stand von 2:2 vom Schieds­richter abgebrochen, weil ein Wetzlarer Jugend­licher seiner Aufforderung, das Spielfeld zu verlassen, nicht nachkam. Das Spiel, das für die erste V. f. D. Jugend das letzte der Vorrunde der Pflichtspielserie war, gilt für sie als ge­wonnen, so daß sie bis jetzt ungeschlagen an der Spitze der Iugendinannschasten beS Gaues Gie­ßenWetzlar steht.

Auf hiesigem Platz erkämpfte sich die zweite Jugend elf gegen die spielstarke erste Jugend Leihgesterns eine 1:1.

Die zweite Schülermannschaft zeigte sich in guter Verfassung und schlug die körperlich überlegenen Schüler Leihgesterns knapp.aber verdient mit 1:0.

Fußball in Heuchelheim.

S. 13. Heuchelheim I S. 13. Ettingshausen I 5:0.

Zum ersten Derbandsspiel trafen sich am Sonn­tag diese Mannschaften in Heuchelheim. Obwohl die Heuchelheimer mit drei Ersatzleuten an treten mußten, waren sie doch das ganze Spiel hindurch stark, überlegen. Etttngshausen stellte eine gleich­mäßig ausgebildete Mannschaft, die einen noch sehr primitiven Fußball spielte. Das faire Spiel wurde von Dietrich, D. f. D. Gießen, sehr gut geleitet.

V. f. X Lich.

Die erste Mannschaft von Lollar weilte am Sonntag in Lich und mußte sich mit 2:1 (1:1) geschlagen bekennen. Lich spielte sehr gut und hätte noch mehr erreicht. Da der sehr gute Halblinke wegen Verletzung ausscheiden mußte,

spielte Lich die letzten 30 Minuten nur noch mit 10 Mann.

Die zweite konnte ebenfalls 2 Punkte von Grohen-Duseck mit nach Hause bringen.

Handball im Männeriurnverein.

Die zweite Mannschaft erkämpfte sich am Sonntag einen einwandfreien 9:3 Sieg über die gleiche vom Turnverein 1 8 4 6 Gießen. Anfangs sah es nicht so aus, als ob das Re­sultat so hoch ausfallen würde, jedoch in der zweiten Halbzeit gingen die Männerturner mäch­tig aus sich heraus.

Auf besonders guter Höhe stand das Spiel der beiden er st en Mannschaften. Turn u. Sport Marburg und Mtv. Gießen, das Gießen verdient mit 7:4 gewinnen konnte. Die Marburger Mannschaft, eine der besten des Gaues Hessen, legte gleich zu Anfang ein mäch­tiges Tempo vor, mußte sich aber nach kaum 5 Minuten Spielzeit gefallen lassen, daß Mtv. in Führung ging. Marburg glich jedoch kurz da­nach aus. Unentschieden 3:3 wurden die Seiten gewechselt. Marburg konnte dann noch einmal in Führung gehen, siel aber gegen Schluß des Spie­les dem eigenen Tempo zum Opfer. Die Männer­turner drückten kräftig auf Marburgs Tor, und die Marburger Mannschaft hatte genug zu tun, um eine höhere Niederlage zu verhüten.

Am dritten Sonntag der Derbandsspiele im Handball des Gaues Hessen steht der Männer- TurnvereinGießen mit 6 Punkten ander Spitze. Der stärkste Anwärter auf die dies­jährige Meisterschaft, T. V. Wetzlar, hat bis jetzt zwar zwei Spiele geliefert, von denen aber nur eins als Punktes Piel in Frage kommt, weil der Derbandsschiedsrichter im Spiel gegen T. V. 46 fehlte und das Spiel als Gesellschaftsspiel aus­getragen wurde.

Handball in Großen-Buseck.

Großen-Buseck I Herborn I 10:4 (5:2). Großen-Bufeck Jugend Herborn Jugend 5:3 (3:2).

Zu einem Gesellschaftsspiel trafen sich am Sonntag diese Mannschaften in Großen-Duseck. Herborn stellte eine äußerst flinke Mannschaft. Mit dem Anpfiff entwickelte sich ein äußerst rasches Spiel. 3m Feldspiel waren sich beide Mannschaften ebenbürtig, nur ließ Herborn die entscheidenden Torschüsse vermissen.

Voll Spannung s. h man dem Iugendspiel ent­gegen. Stellte kwch Herborn eine Iugendmann­schaft, die mit vier Mann aus der ersten Mann­schaft verstärkt war. Grotzen-Dusecks Mannschaft spielte sehr flink und konnte nur durch Eifer das Feld behaupten.

Handball in Großen Linden.

Turnverein Großen-Linden Jugend gegen Tv. 1846 Gießen Jugend 8:4 (4:2).

Zu einem Freundschaftsspiel trafen sich diese Mannschaften am Sonntag in Großen-Linden. Die Gäste waren in bezug auf Zusammenspiel besser als die Platzmannschaft. Trotzdem war Großen-Linden überlegen; Gießen kann es seinem Tormann ver­danken, daß das Endresultat nicht noch höher wurde.

Arbeiter-Turn- und Sportbund.

Wieseck I Heuchelheim I 4:3 (3:2).

Heuchelheim war in Wieseck zu Gast. Nach Anstoß Wiesecks, der gut Dorgetragen, abgewehrt wurde, folgte schönes offenes Feldspiel. In der 6. Minute konnte der Halblinke der Gäste einen Torschuß an­bringen, der von dem Ersatzhüter Wiesecks gehalten wurde, aber über die Hände ins Tor rollte. Bei einem Durchbruch gelang es den Gästen, durch überraschenden Torschuß des Halbrechten das Re­sultat auf 2:0 zu stellen. Bereits zwei Minuten später wurde der Ausgleich hergestellt. Nicht lange danach verschaffte Halbrechts seiner Mannschaft die Führung. Halbzeit 3:2. Nach Seitenwechsel ging Heuchelheim mehr aus sich heraus. Ein Flanke wurde von Halblinks der Einheimischen zum vierten Tor eingedrückt. Heuchelheim erzielte durch einen Fehler der Verteidigung der Einheimischen das

habe meiner Mutter versprochen, außer ihr nur die Hände der Geliebten, der ewig Geliebten zu küssen ..."

Einmal würde er den Satz vollenden. Und in die­sem Gedanken schlief er ein.

*

Als er am nächsten Tag aus dem Rundfunkbau trat, stand Martha Rebmann an der Freitreppe.

Sie hier?" fragte er ftirnrunzelnd. Er gab sich gar keine Mühe, seine peinliche Ueberraschung zu verbergen. Aber dann rührte ihn ihr verlegenes, demütiges Gesicht, und er zwang sich zu einer freundlichen Miene.

Wenn ich Sie störe, gehe ich gleich wieder", sagte sie unterwürfig.Ich weiß ja auch gar nicht, ob Sie Zeit haben."

Er überflog ihr einfaches, geschmackvolles Kostüm und stellte fest, daß sie ihn nicht komprimittierte. So wurde ihm seine Liebenswürdigkeit nicht allzu schwer.Für Sie habe ich immer' Zeit, Fräulein Rebmann. Ich freue mich, Sie bei Tageslicht be­trachten zu können."

Sie lachte auf, um einen Grad zu laut, wie ihm schien.Sie machen ober eigentlich nicht den Ein­druck."

Er gab ihr die Hand. ,Zch zerbreche mir nur noch den Kopf, wie Sie mich ausfindig gemacht haben. Zufall?"

Ich will ehrlich sein: es ist Berechnung. Nein, Berechnung ist nicht der richtige Ausdruck. Na, es war jedenfalls nicht allzu schwer. Quevedo kannte ja Ihren Namen, und daß Sie hier zu tun haben, las ich im Programm."

Also eine kleine Detektivin?" fragte er lachend.

Sie erblaßte und warf ihm einen erschrockenen Blick zu. Warum traf sie dieser Titel so? Aus dem Gefühl heraus, eine Beleidigung gutmachen zu müs­sen, setzte er lächelnd hinzu:Natürlich nur eine in eignen Angelegenheiten. Ich wollte Sie gewiß nicht mit jenem Kiewening in eine Reihe stellen. Ich weiß ja, daß Sie eine Kollegin von mir sind und eine sehr begabte dazu."

Als sie durch den Torbogen auf die Straße ge­treten waren, sagte Martha, schüchtern aufblickend: Nehmen wir wieder ein Auto? Am Tage ist es ja billiger." Sie hob wie ein kleines Kind die Hände hoch:Bitte, bitte, es war so schön neulich."

War es schön?" fragte er, etwas gerührt.Ich hatte ein schlechtes Gewissen: ich glaube, ich war gar nicht sehr freundlich zu Ihnen."

Es kam doch alles so überraschend, und Sie hat­ten gewiß an andres zu denken."

Das hatte ich", sagte er lachend.

An Jokohama?"

Nein, an näherliegende Dinge."

Das hatte er also schon vergessen.. Sicher hatte er etwas ganz andres bei dem eiligen Abschied neu­lich vorgehabt. Sie ging wortlos, beklommen neben ihm. Sie blickte erst etwas freier drein, als Grotteck, um die Stimmung zu retten, ein Auto heranwinkte und ihr ritterlich beim Einsteigen half.

Wohin?" fragte der Chauffeur.

Das hat die Dame zu bestimmen", meinte Grotteck.

^Sie errötete vor Freude.Auf die Höhe! Zum Müssen Sie denn nicht jetzt im Alcazar spielen?" Heute ist mein freier lag."

Er neigte sich zu ihr.Den werde ich mir von jetzt an wohl merken müssen, wie?" An ihrem dank­baren Nicken erkannte er befriedigt, daß sein Ton der rechte war. Sie war nicht mit Galanterien ver­wöhnt, die Kleine, wenn sie so was schon glücklich machte.

Er war froh, daß der Wagen sie schnell aus den Bezirken der Stadt entführte, wo er jeden Augen­blick einen Bekannten treffen konnte, der ihn mit dieser Klavierspielerin beisammen sah.

Sie saßen, jeder in eine Ecke des offenen Wagens gedrückt, als ob sie eine Berührung vermeiden woll­ten. Martha Rebmann schaute die Passanten strah­lend an, als wollte sie sie auf die Tatsache ihrer Autofahrt aufmerksam machen.

,Hch muß mich entschuldigen," begann er nach einer Weile,daß ich Sie nicht seitdem aufgesucht habe. Aber ich war allzu beschäftigt."

Sonst wären Sie gekommen?" Natürlich. Warum sollte ich nicht?" Dann ist alles gut", sagte sie leise, mit einer Zärtlichkeit, die er zu überhören versuchte.

Alles gut? Oh, es gibt eine Menge Dinge, die nicht gut sind." Er dachte an die vergangenen bösen Nächte und Tage, wo jedes Geräusch und jedes Telephonklingeln die Nerven in Unruhe brachten. Seit heute morgen lag der Schatz wohlverwahrt in

dritte Tor. Dann fand das Spiel mit obigem Re­sultat, Ecken 5:4 für Wieseck, sein Ende.

Marburg I Gießen 1b 4:4.

Gießen hatte die Fahrt nach Marburg unter­nommen mit der Hoffnung, zwei wertvolle Punkte nach Hause zu bringen. Diesmal erlebten sie jedoch eine Enttäuschung. Der Anstoß brachte flottes Spiel, schon in den ersten Minuten brachte ein Elfmeter Gießen die Führung. Be­reits eine Viertelstunde später gleicht Marburg aus. Dis Halbzeit gelang es jedoch den Gästen, das Resultat auf 2:1 zu stellen. Rach Seiten­wechsel meist offenes Spiel, beiden Parteien ge­lang es, gute Torgelegenheiten herauszuarbeiten. Bei Schluß des Spieles stand das Resultat unentschiedcm 4:4, beide Parteien teilten sich die Punkte.

Raunheim I Wetzlar I 5:0.

Raunheim, das durch die Riederlage am Dor­sonntag in Alsfeld Lehren gezogen hatte, trat diesmal wieder komplett an. Wetzlar stellte eine stark verjüngte Elf ins Feld. Rach Anstoß ent­wickelte sich ein flotter Kampf. Raunhnm tonnte bald durch eine gut getretene Ecke in Führung gehen. Dis zur Pause gelang es ihnen, das Resultat auf 3:0 zu stellen. Rach Seitenwechsel weiter flottes Spiel. Der Gästetorwart fiel jetzt ganz aus dem Spiel. Zweimal noch konnte Raun­heim erfolgreich fein, aber auch Wetzlars Sturm schaffte gefährliche Momente vor Raunheims Tor. Es blieb ihnen jedoch das verdiente Ehrentor versagt, imi> mit 5:0 mußten sie sich Raunheim beugen.

Leun I Kinzenbach I 6:1.

Kinzenbach war in Leun. Ueberraschend kommt das Resultat. In scharfem Spiel, indem sich Leun mehr und mehr durchdrückte, gelang es ihnen, bis Halbzeit 3 Tore oorzulegen. Nach Seitenwechsel war weiterhin Leun überlegen und konnte bis Schluß noch weitere 3 Tore erzielen, dem die Gäste nur das Ehrentor entgegensetzen konnten.

Raunheim II Rieder-Girmes I 4:1.

Daß Naunheims 2. Mannschaft den Nachbar so abfertigen würde, hatte niemand erwartet.

Daß Gießens Jugend, die in Naunheim gegen die dortige Jugend spielte, mit einer 3:0-Niederlage nach Hause ging, kommt ebenso überraschend.

wieseck II Rodheim I 3:5.

Wäre Wieseck bei Beginn des Spieles vollzählig angetreten, so hätte das Resultat umgekehrt stehen können. Eckenverhältnis 9:3 für Wieseck.

Amtsgericht Gießen.

Gießen, 5. Oft. Zum Markte fahrende Händler werden nicht selten auf offener Land­straße die Opfer frecher Diebe. Diese schleichen sich während langsamer Fahrt an den hinteren Teil des Wagens und holen aus seinem Innern, soweit dieses von außen für sie erreichbar, die ost unzulänglich verwahrten Marktwaren heraus, unbeobachtet von dem nichts ährenden, vorn sitzenden Führer des Wagens. In zwei bet arti­gen, auf der Straße LollarGießen vorgekom­menen Fällen wurde heute gegen den Gelegen­heitsarbeiter D. aus T., dem man nach seinen Vorstrafen solche Taten recht wohl zutrauen konnte, verhandelt. In dem einen Fall war er unter verdächtigen Umständen ganz bald nach dem Diebstahl gesehen worden, als er mit einem Rucksack, über dessen Inhalt er sich nicht aus­zuweisen vermochte, auf den Gießener Markt fuhr; in dem anderen Fall sah man ihn, einen Sack unterm Arm, zur Zeit der Tat ganz in der Rahe des Tatortes ebenfalls unter r«ht ver­dächtigen Umständen. Trotz noch weiterer schwer­wiegender Verdachtsmomente wurde V. aber nicht überführt; er mußte wegen mangelnden De weises freigesprochen werden. Deide Fälle mögen auf der Landstraße fahrenden Händ­lern zur Warnung dienen.

dem stählernen Safe einer Bank. Unangerührt. Aber damit war nicht viel geholfen. Was hatte das Schick­sal mit ihm vor? Mit einem gar nichtobligaten" Paukenschlag war es in das heitere Scherzo seines Lebens gefahren bums und nun mußte er sehen, wie er über das Krescendo zu einem anstän­digen Finale gelangte. Würde er die Kraft dazu haben?

Gewallsam riß er sich aus seinen Gedanken. Was ist Quevedo für ein Mensch? Ist er eigentlich Spanier? Oder stammt er vom Bodensee? Er spricht ein verdächtig gutes Deutsch."

Sie wußte, daß der Spanier eine deutsche Mutter gehabt hatte, daß sein Bruder ebenso kohlraben­schwarz sei wie er semmelblond, und daß er der gutmütigste Chef sei, den man sich denken konnte. Aber er ist raffiniert. Und stark wie ein Bär. Er wird mit jedem Gast fertig", setzte sie mit naivem Stolz hinzu.

Ist das bisweilen dort nötig, so ein bißchen Brachialgewalt?"

Brachialgewalt?" wiederholte sie unsicher.

Wie war er eigentlich aus dies Aktenwort gekom­men? Er drückte sich doch sonst deutsch aus. Äichtig, Herr Kiewening, der große Detektiv, hatte es neu­lich gebraucht. Wie kam er aber immer wieder im Gespräch mit diesem Mädchen auf diesen Kerl?

Kennen Sie Ihre Gäste bei Namen?"

Einige, die der Wirt kennt. Und die Stammgäste natürlich."

Auch Herrn Kiewening?"

Er sah verwundert, wie sie bei diesem Namen zu- sammenfuhr und verwirrt verneinte.

Und in seiner Stimmung, die ja jetzt ständig hin­ter Rätseln herjagte, begann er, sie unbarmherzig auszufragen. Wie lange sie ihn von Angesicht kenne, ob keine ihrer Kolleginnen ein Verhältnis mit ihm t)abe, ob sie noch nichts von den Taten dieses Herrn gehört habe, zum mindesten aus den Blättern? Sie beantwortete alle Fragen mit einem eifrigen Stopf- schütteln, immer ohne ihn anzusehen.Aber, was er ist, werden Sie doch wissen?" fragte er fast drohend.So was spricht sich dach herum, so was schrecklich Interessantes?"

Ich bin noch zu neu dort." Und sie lenkte geschickt ab:Sehen Sie nur den schönen Wagen, den grün- lackierten!"

(Fortsetzung folgt.)