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Nr. 186 (Erffcs Blatt
178. Jahrgang
Donnerstag, 9. Anglist 1928
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Drid 1*6 Dtrlofl: vrLhl'fche UntoeLsilLIrvuch- und Stehiönidtrd R. Lauge tu Stegen. §chttft!ettung und SefchäftrsteSe: Lchnltttatze X.
?li»abe< ron Injetae« für btt Iage»nnmmet btt jam Nachmittag vorher.
Prell fkr 1 mm höhe ftr Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auemart» 10 9$etd)ipfennig; für Re» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, D loh Vorschrift 20' , mehr.
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sämtlich in Diehen
Lim Deutschlands innere Einheit.
Der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther über die Ziele des Bundes zur Erneuerung des Reichs.
«Bin, 8. tlH* (£11) 3n bet OHorgcnau*» gabe der «Lin. 3tg.“ vom S. August nimmt Reichskanzler 0. D. D r. Luther unter her Ueberfdynfl .Um Deutschland-innere ainbeir *u ben Aufgaben des .'Bunbc« 1 ur Erneuerung de- Reiches" Stellung. Dr Quthcr führt u a. aus
Deutfchland^La« ist gefährlich Kitt» ift gewisser. Um in 5er Gegenwart durchzuhalten und eine bessere Zukunft zu erringen, muh der Retchsbau gefestigt toertau Mit b:m ge- ringften Derbrauch an Kräften soll das Deich auf die beste TBeife verwaltet werden. Da« Dolk ist einig darüber, daß bieS nicht «schicht dah Verwaltung imb Regierung in ihrer heutigen Sorm zu teuer und zu wenig wirkungsvoll find. Kräfte und Energien werden verschwendet, wo zu- fammengcfoht und gespart werden sollte. _
Die Weil drauhen meint, daß den Kräften der Deutschen kaum eine Aufgabe AU schwer fei. Iktoet«: bi? Höhe der RcparaiionSforde- rungen. Die Aufgabe der Deutschen, ihnen eine ihre Kräfte nach außen und innen zusammen- fassende Regierung zu geben, wird, feit die Deutschen in die Geschichte eintraten, weit geringer bewertet
Bon jeher bcnuljlen Gegner diese» Fehlen der slaoiflchen Srästezusammenfassung 5 u r Entmachtung und Kiederhaltung der fo starken und wichtigen deutschen Raffe. Der Ruf nach „(Erneuerung de» Reiche» an Haupt und Gliedem" erfüllte fast drelvieriel Jahrtaufende der deutschen Geschichte.
Qm da» Reich zu bewahren, um e» unter den veränderten Bedingungen des deutschen Lebenskampfes nicht vergehen zu lasten, must der Staat für die neuen Aufgaben weitergebildet und 3 u • fammengefchweistt werden. Soll das Schicksal de» .»eiligen römischen Reiche» deutscher Ra- tion", da» heutige Reich nicht treffen, dann ist feine lange Zeit mehk y verlieren. Die Verlust» Ziffern der deutschen Zahlungsbilanz, die jeder Monat neu vor Augen siihrt, zeigen, dast es so nicbt weitergehen darf.
Die Sprache dieser Tatsachen ist so mächtig, dast auch echte und berechtigte Gemutsempsindungen darauf Rücksicht nehmen müsten. Vier Milliarden jährlich wird nach Dollzahlung der vaweslasteu der Fehlbetrag der Zahlungsbilanz lu-mochen. ein Fehlbetrag, der sich leicht noch erhöhen kann.
heruntrrdrücken läht er sich nur, wenn die Reid)»rrgiming INahnahmen ergreift und auch durchführt, die durch Ausgabenminderung die Einnahmen steigern. Jeder Steuergroschen, der an irgend einer Stelle im Deutschen Reich überflüssig ausgegeben wird, seht an anderer Stelle im haushalt de» Reiches, der Länder und Gemeinden. Er fehlt zum ll»ie- deraufbau de» von handel und Industrie verlorenen Kapitals, fehlt vor allem für die dringend notwendige Droduktionsftelgerung der Landwirtschaft. Bor einem Menschenalter wurde in Deutschland nur ein kleiner Teil de» Bolkseinkommen» für den Staots- bedarf beansprucht. Gegenwärtig wird etwa ein Drittel bc» Bolferinfommm» von öffenllichen Körperschaften für direkte oder indirekte staatliche Zwecke angefordert. Die Un- gerei nitheil en de» deutfchen Staatsaufbaues haben nur deshalb noch nicht zu offenkundigen Zusammenbrüchen geführt, weil im Gegenioh zur AktiengefeNschast der Staat immer wieder Zwang»beiträge von seinen Bürgern erheben kann. Da» Bolk zahlt für die Zehler in feinem Staatsaufbau.
Solange ber Dualismus in ber Reichs- Dauptstabt -wischen freust, und Reichsrcgierung. ruch -wischen Prcusictukirlamcnt und Reichstag Seftebt find burch.zre.fende. da« ga.^e Reich umfassende LanierungSmastnabmcn unmöglich 3m Meinungsstreit -wischen prcustischer imb RcichS- crfltcnmg gibt cS keine Instanz, dir zur Snt- chcibung berechtigt ober berufen ist. Re:ch4- Dräfibent und ReichSkan.;ler haben in Preuhen T'irt bas geringste zu sagen. Rack dem StaatS- rccht braucht ihnen fein Schutzpolizist zu geborgen. Die Innenpolitik des 'Dreifünftel beS Reiches imfaflenben Preuhen und bie deutsche Austenpolitik muffen von Fall zu Fall in Einklang zcbracht werben, was irichk immer und nicht nmer rechtzeitig gelingt. Auf der anderen Seite r!ln deutfckxn Länder seinen staat-
.^chen Ausgaben aks Land nicht mehr gewachsen. L r c?cnncn f^bst bie Problematik und Un- Haltbarkeit ihrer gegenwärtigen Staatsform, wie wünfchen Dereinsachung und Aenderung.
Die zwingenden Gründe für eine Kräftigung der Reich»gewalt dürfen nun aber nicht eine AuflöfnngdespreuhischcnStaat«- znsammenhange» herbei führen.
Die Bildung des pveustifchen Staates ist eine ><r gronten Taten deutscher Vergangenheit, und die sich in ch.n auswirkende Staatskralt ist auch ür die Gegenwart in keiner CSetfc überflüssig gdrerben und ist besonders nötig für unteren
so bedrohten Osten. Die Ausgabe liegt also darin, ben DualiSmuS zwischen Reich und Preuhen zu überwinben und doch den Zusammenhang Preuhens als staatliches Gebilde zu erhalten. Ebensowenig aber darf das Endergebnis eine Zentralisation sein. Gerade um so stark als möglich deutsch zu sein, muß die Reichsgewalt durch ein ausgeprägtes, sich feines Wertes bewußtes Sigenlebender einzelnen Teile Deutschlands untermauert werden. 3m künftigen Reichs land wird dafür zu sorgen sein, dah möglichst viele Ausgaben den Stellen übertragen werden in denen ber Gedanke der Selbstverwaltung sich am kräftigsten regt. DaS werden nicht nur bie Provinzen fein, sondern vor allen Dingen, wie bisher Städte und Gemeinden, bie mit ihrer unmittelbaren Arbeit für baS Wohl der Bevölkerung die Grundpfeiler deS deutschen Staats- wefenS auch in ber Zukunft bleiben müssen.
Rückkehr des Reichspräsidenten nach Berlin.
Kiel. 8. Aug. (WB.) Rach Abschluh der Schehübungen der Reichsmarine kehrte Reichspräsident v. Hindenburg heute abend
18 Uhr mit dem Linienschiff ..SchleSwig-Holstein" nach der Kieler Föhrde zurück, wo er wiederum auf ben Flottentender ..Heia" urnftieg. bet ihn nach dem DahnhofS-Kai brachte. Au! dem Kai hatte sich eine vieltausendköpfige Wenge angelammelt Als bet Flottentender um 7.10 ilijr am Bahnhofs-Kai anlegte, wurde der Reichspräsident von begeisterten Hurra-Rusen empfangen. Rach kur-en Abschied-Worten an ben an Bord zurückbleibenden Chef der QRarinelcitung. Admiral Zenker, sowie an den Reichswehr- Minister, ber biS Donnerstag in Kiel verbleibt. begab sich der Reichspräsident in Begleitung seines SvhneS sowie mehrerer höherer Marineoffiziere in den Bahnhof. 7.33 ilpr verlieh ber Reichspräsident v. Hindenburg Kiel mit dem sahrplanmähigen D-Zuge nach Hamburg. Gr wird am Donnerstag wieder in Berlin einttesfen und dann noch etwa eine Woche in Berlin weilen, um an der DersassungS- feier teilzunehmen Auch wird er noch ben inzwischen in Deutschland cingetroffenen deutschen Botschafter in Washington von Pri11wih und Dassron. empfangen. Rach dem 16. Aug. wird er feinen Urlaub antreten, den er. wie gewöhnlich, in DietramSzell in Badem verbringen wirb
Stefan Radiffch f.
H g r a m , 8. Bag. (TU.) Stefan Raditfch ist Mittwoch abend 8.55 Uhr gestorben. Der Patient hatte sich am Mittwochabend noch ziemlich wohl gefühlt. Bla gegen 20 Uhr sah er im Lehnstuhl,sprach mit feiner Familie and spielte mit seinen Enkelkindern. Um 20 Uhr trat eine plötzliche Verschlechterung seine» Befinden» ein, die seine Familie veranlahte, Prof, wenckebach - Wien, der am Mittwochabend Agram verlassen sollte, au» dem Hotel nochmal» an da» Krankenlager zu rufen. Als Pros, wenckebach eintraf, befand sich Raditfch bereit» im Iode»kampf. wenckebach empfahl den Angehörigen, einen Priester holen zu lasten.
In Agram herrscht über den Tod Stefan Raditfch» grohe Trauer und tiefe Erschütterung. Um 12 Uhr Mitternacht begannen olle Glocken in ber Stadt zu läuten. An einzelnen Gebäuden werden bereit» Trauerfahnen gehlht, während am Donnerstag die gesamte kroatische Hauptstadt und da» ganze Land Trauer anlegen werden. Bor der Billa steht eine grohe Menschenmenge. 3m Irauer- Hause befinden sich auher den engeren Familienangehörigen de» Berblichenen noch viele Abgeordnete seiner Parteiorganisation.
P r i b i t s ch e w i t s ch. der sich in Beide» aus- hielt, ist ohne von dem Tode Raditfch» fienntni» zu haben, um 22.45 Uhr in Agram ei n gcIr 0 f - f e n. In später Abendstunde waren sämtliche Parteiführer in der Billa Raditfch» oerfammell. Die besonnenen Elemente verbreiten einen Ausruf, in dem die Kroaten und Slowenen aufgefordert werden. keine unbesonneneo Handlungen zu begehen.
Aus die ersten Rochrichten über den Tod Raditfch» wurden die öffentlichen Lokale sofort verlosten. Die musikalischen Darbietungen wurden eingestellt und die öffentlichen Dorffellungen in den Theatern sofort abgebrochen. Um 11 Uhr abend» wurden Lrfraansgoben der Blätter herou»gegeben, und da» Publikum umstand in großen Scharm die Redaktionen der Zeitungen, um Reuigfeilen zu erfahren. Zu Ruhestörungen ist e» nicht gekommen.
Berliner Presseecho.
Verschärfung der füdflawifchcn Krisis.
Berlin, 9. Aug. (XU.) Die Berliner Blätter würdigen eingehend die polittsche Tätigkeit und die Bedeutung des seinen schweren Wunden erlegenen Kroatenführers Stefan Raditfch. Dabei weist bie .D A 3“ darauf hin. batz der gewaltsame Tod. ben Stefan Raditsch gefunden hat. für Südslawien eine vorläufig noch unabsehbare Verschärfung seiner iimerpo'ittschen Konflikte bedeute. — Auch die .K re uzz e i t u ng" weist daraus hin. dost sich bie Folgen für bie jugoslawische StaatSkri'e noch gar nicht übersehen liefen. — Die .Deutsche Tageszeitung" betont, dast Raditsch zur Krönung seines Lebens- werkeS als Märtyrer durch Mörder Hand gefallen fei, mache noch den Toten gefährlich. — 3n ber .Dörfenzeitung" wird hervvrgehoben, dah Raditsch als Vorkämpfer für die Kroaten al- Märtyrer gegen die Herrenherrlchaft der Serben zu Belgrad und als Streiter für ein unabhängiges Kroatien gestorben fei. Sein Tod fimne Schicksals wendend sein. — Rach dem Urteil des „ßofalanj.“ war Raditsch eine wider- fv»uchsvolle Persönlichkeit, ein von ungestilltem
Dhrgeiz beherrschter Agitator, oft unklar, Wandlung s fähig und unberechenbar. — Die .Dvss. Zeitung" sagt: Kaum ein europäischer Pvli- tifer habe in seiner Tätigkeit so viele politische Sprünge begangen, von rechts nach links, von ber Republik zur Monarchie, vom Lobprei'er des Krieges zum Pazifisten. Denn für Raditsch sei dies alle- Taktik gewesen. Er habe nur einen eingefleischt-en Gedanken, nur eine Liebe gehabt, das Wohl des Dauern und nur eine 3beologie, den Bauernstaat, die Schaffung einer neuen Weltordnung, in der ber Bauer die erste Rolle spielen würde. Auch der kroatische Rationalismus sei ihm nur Mittel, nicht Endzweck getreten Das _BerI. Sage bl." halt das Hinscheiden RaditschS für einen Verlust für das Land, weil der erregten Masse der abgöttisch verehrte Führer fehle, ber seinen Einflust auch mästigend zur Wirkung zu bringen hermrxbt hätte. — Der .Vorwärts" meint, bei bem leidenschaftlichen Temperament der zwar slawischen, doch südlichen Menschen könne aber ein Ausbruch der DolkSleidenschaft die nächste Folge vom Tode RaditschS fein, und die Parole .LoS von Belgrad, wo man unsere Führer ermordet! zündende Kraft gewinnen.
Der kroatische Bauernkönig.
Stefan Raditsch, dessen Tod die Krisis des südslawischen Staates zweifellos erheblich verschärft. wurde 1871 als Sohn bäuerlicher Eltern in einem kroatischen Dorfe geboren. Rach Absolvierung deS Gymnasiums in Agram studierte er in Moskau. Prag und Paris Philosophie und polittsche Wifsenscyaften. Durch wiederholte Reisen, besonders nach Rustland und Böhmen, kam er. ber inzwischen etwa 10 Sprachen zu beherrschen gelernt hatte, in per-öntiche Berührung mit ben Trägem ber allllawi chen 3bec. Ende 1601 arünb.t' Raditsch m.t e.n^m Bruder Ante die kroatische Bauernpartei. Er galt als treuer Anhänger der Habsburger und über trug sogar die Kaiferhymne inS Kroatische.
Nach dem Weltkrieg bekämpfte Raditsch zunächst auf» heftigste den Bolschewismus. 3n der Frage der neuen ctaotsbilbung lehnte er die Gründung eines Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen ab und trat alsbald in heftig ft e Opposition gegen Belgrad. Seine jetzt republikanische Bauernpartei erhielt in der Konstituante (November 1920) 50 Sitze. Raditsch selbst mustte aus dem (Bc sängnis entlassen werden. Er hielt sich jedoch mit seiner Partei vom Parlament fern und eroberte bei den Wahlen vom März 1923 gar 70 Sitze.
Um die 5 ober alt fi e r 11 n g Jugoslawiens zu erzwingen, versuchte nun Raditich, die Unterstützung der kroatischen Forderungen seitens fremder Machte, insbesondere Englands, zu erwirken Äls diese Versuche fehlschlugen, wies Raditsch die kroatischen Abgeordneten an, die parlamentarische Abstinenz aufzugeben (Frühjahr 1924). Er selbst begab sich von London nach Moskau, wo er die Aufnahme der kroatischen republikanischen Bauernpartei in die Bauern-Jnternationale durchsetzte.
Erst nach der Bildung eines versöhnlichen Koalitionskabinetts Dawidowitsch im Sommer 1924 kehrte Radi sich nach Agram zurück. Statt jedoch das Kabinett Dawidowitsch aus Grund des erzielten Einoemehmens zu unterstützen, führte Raditsch durch Entfachung einer rücksichtslosen republikanischen Agitation den raschen Sturz dieses Kabinetts herbei. Die wiederernannte Regierung Paschitfch» Pribjtfchewitsch schrieb nun Neuwahlen aus, ordnete auf Grund des antikommunistischen Gesetzes die Auflösung der Bauernpartei an und liest die Barteüeirung verhaften: Raditfch selbst wurde gleichfalls verhaftet. Während gegen ihn die gerichtliche lltstersuchiing wegen seiner Beztehtmgen
mit Moskau eröffnet wurde, erlangte Raditfch auch bei den am 8. Februar 1925 durHgesichrtrn (dritten) Parlamentswahlen wieder 69 Sitze für seine Partei. Diese sollten nun von der Pajchitsch-Regierung für ungültig erklärt werden. Da begab sich eine Art Wunder. Raditsch» Bruder Paul erklärte in dessen Einverständnis plötzlich in der Skuptschina, dah seine Partei sich jetzt auf den Boden der neuen Verfassung stelle. Die meisten Mandate wurden daraufhin für gültig erklärt. Es folgten eifrige Verhandlungen unter Der Hand mit dem Ergebnis, dah am 15. Juli 1925 ein Pakt zwilchen Pafitfch und Raditfch gc* schlossen wurde, wonach die kroatische Bauernpartei auf ihr bisheriges Programm verzichtete und in das nunmehr gebildete neue Koalitionslabinett zunächst Paul Raditsch mit einigen Barteifreunbcn eintrat. 3m November 1925 übernahm Raditsch selbst da» Unlcrrid)t»minifterlum.
Lang« hat allerd.ngs die Ministerherrlichkeit des kroatischen BauernkönigS nicht gedauert. Die hesttge Agitation, die Raditsch zugunsten einer Umgestaltung der verfassungsrechtlichen Grundlagen des SüdslawenstaatcS im föderalistischen Sinne fortsehten, führten bald wieder zum Bruch mit Belgrad und zu neuem erbittertem Kamps um die Autonomie Kroatiens. Die heftigen parlamentarischen Kämpfe führten dann zu den blutigen Ereignissen des 20. 3uni 1928 in b*r Belgrader Slupfchttna. bei denen auch Stefan Raditfch schwer verwundet wurde.
Die seltsame Persönlichkeit Stefan Raditschs hat der bekannte politische Schriftsteller Adolf Grabowsky vor kurzem auS Anlah eines Interviews, das chm der Kroatensührer gewährt hatte, treffend geschildert. Er schrieb
Bor wenigen Wochen habe ich ihm in (einer Agramer Villa gegenübergesessen. Ein kleines, sehr einfaches chaus, weit draußen vor der Stadt Es war ein häßlicher Regentag, und nur mühsam stapfte das Auto über die tief aufgeweichten Wege. 3m Haufe Lärm und Kindergefchrei. Ich werde in das Arbeitszimmer geführt, ein kleinbürgerlicher, ziemlich verwahrloster Raum mit vielen Büchern. Raditsch erhebt sich von einem Plüschsesfel. Ein dicker, untersetzter Mann in graublauem, schlecht fitzendem Anzug mit vielen Flecken Ein etwas schwarstiches Hemd sieht heraus, dem der Äragen fehlt. Auf dem kurzen Hals ein runder Kopf mit kleinem struppigen Bolldart. Di? Augen blicken groß und starr, ich erinnere mich sofort, daß er kaum sehen kann.
Sehr schnell sind wir mitten im Gespräch, das drei Stunden dauert. Raditsch soricht fast ununterbrochen in ausgezeichnetem Deutsch. Wie Kaskaden stürzen die raschen Worte auf auch nieder, begleitet von heftigen Gestikulationen der fleischigen, aber keineswegs weichlichen Hände. Immer bemüht er sich, vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen, und meine Aufgabe besteht eigentlich nur darin, ihn bei der Stange zu halten. Sehr bald ichon habe ich den Eindruck einer unerhörten, dabei aber völlig ungezügelten Genialität. Ich habe mit vielen bedeutenden Leuten gesprochen, Raditsch steht einsam in dieser Schar, als etwas Einzig?» und Unocr- gleichbares.
Vielleicht bezeichnet man ihn am besten als ein Elementargeschöpf, das nicht non einer Mutter stammt, sondern das die südslawische Erde selber geboren hat. Alle Dämonien eines Elementarwelens walten in ihm. Deshalb läßt er auch jede Taktik und jede parlamentarislye Künstelei weit unter sich zurück: er ist von überragender Intelligenz, von schnellster Auffassungsgabe und raschestem Mombina- tionstatent, aber er ist nicht klug im landläufigen Sinne des Wortes. Eber schon schlau, nämlich von jener tiefen Bauernschlauheit, bie gelernt hat, der Ratur das abzutisten, was sie nicht freiwillig her- pibt. Und er ist doch wieder selbst ein Stuck der Rgtur in seiner grandiosen Unberechenbarkeit.
polnische Hetze.
Ter Acrger über den Lzeanslug.
Kattowitz, 9 Aug. (XiL) An der neuen polnische Porilehotze gegen Deutschland beteiligt sich auch die Kaktowiyer ..Polska Zachod- nta“. Das Blatt schreibt unter der Lleverschrttt: „Skandalöses Versagen des deutschen Radios oder ein neuer Beitrag zu der Menta.ität der Hunnen", daß der Dampfer „Samos" die Rachricht von der Rettung der polnischen Ozeanflieger e r st 2 0 Stunden später übermittelt habe." Entweder habe allo," so fährt das Blatt wörtlich fort, „das geradezu unerhörte Versagen des deutschen Radiodienstes oder wiederum eine dem europäischen Denken unverständliche Bosheit und unmenschliche Schadenfreude ab» '.ch.iich die Rachrichten zurückgeyalten, um den Polen, die in Angst um daS Schicksal ihrer Flieger auf Rachricht warteten, etwas auszu^ wisichen."
Die Behauptungen der „Polsfka Zachvdnia" entbehren selbstverständlich jeder Grundlage. Rachdem das Blatt vorher noch von erner „Mih- r::rtschaft bei den deuttchen Eisenbahnen" ge- tprochen hat, berrutzt es die bedauerlichen Eisenbahnkatastrophen zu emer Hetze gegen Deutschland. Solange diese Methode der „Polski Zachokmia", die mit polnischen Regie«


