Ein großer Tag der Liebig-Gesellschaft.
Die Gesellschaft Liebig-Museum hielt gestern I unter dem Vorsitz von Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Sommer im Liebig-Museum ihre Gene, ralversommlung ao. 3n der geschäftlichen Sitzung berichtete der Dorsitzend- zunächst über die Tätigkeit der Gesellschaft im verflossenen Fahr, wobei er jnsbesontei- aus wichtige Der,- erwerbungen hinwies. Hierauf wurde der Dor- stand neu gewählt. Die Wahl hatte folgender Ergebnis: Erster Vorsitzender Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Sommer: Schriftführer Apotheker Adolph. Gießen: stellvertretend? Vorsitzende sind: 5k. Fritz M e rll. Darmstadt, und Uni» versitätS-Professor Dr. Brand. Gießen: Bet- fiher sind: Universitäts-Professor Dr. Elbs, Gießen: Universitäts-Professor Dr. Schaum, Gießen: Professor Wöhler. Darmstadt: Ge- Heime Bat Prof. Dr. Behaghel, Gießen: Oberbürgermeister Dr. Keller. Gießen: Karl Liebig, Valparaiso: Universitäts-Professor Dr. Burke r, Gießen. und Oberbaurat Ber t h, Gießen, als Vertreter der Regierung. Dem Vorstand kooptiert find die Herren: Georg Merck. Darmstadt: Prof. Verl. Darmstadt. Pros. Bassow, Leipzig: Univ.-Prof. Dr. Mei gen. Gießen, und Pros. Werner. Mergentheim.
Die Generalversammlung beschloß, eine L i c - big-MufeumS-Denkmünze an Personen oder Firmen zu verleihen, die dem Museum größer« Stiftungen vermacht, oder sonstwie in hervorragender Weise zu seiner Förderung bei- getragen* haben. Die Denkmünzen sind von 5k. P a r e t. Stuttgart, entworfen und werden in vierfacher Ausführung hergestellt, zwei davon sind auS Silber, zwei aus Bronze. Alle zeigen auf der Vorderseite das Bildnts Liebigs, auf der Rückseite sieht man bei der einen Ausführung das Eingangsportal des Liebig-Museums, bei der anderen die Fensterseite des pharmazeutischen Laboratoriums im Liebig - Museum. Die in Bronze ausgesührten Deickmünzen können auch käuflich erworben werden. Die Generalversammlung beschloß, die silberne Medaille an folgende Familien, Firmen und Einzelpersonen zu verleihen: 1. An die Familie Merck in Darmstadt. 2. An die Familie des Chemikers A. W. v.Hofmann in Gießen. 3. An die Famili«' Fehling. An die Familie des Geheimrats P r i b r a m. 5. An die Familie des Dr. W a s l c in Gießen. 6. An die I.-G.-Farben-2ndustric 7. An die Dvnamit-A.-G. vormals Robel in Köln a. Rh. 8. An Geh. Med.-Rat Pr<. Dr. Sommer in Gießen
Sodann hielt im Hörsaoi des Liebig-Labo« ratoriums Studienrat Dr. H e u st e l' Gießen einen Vortrag über „Robert Mayer zum G e d ä ch t n i s". Der Redner erörterte im ersten Teil seines Vortrags in tiefgründiger, klarer Weise die verschiedenen Hauptprobleme, mit deren Lösung die exakten Wissenichaften sich in der Reuzeit in der Hauptsache zu beschäftigen hatten. Unter diesen Problemen nimmt das der Erfindung des sogenannten „Perpetuum mobile“ einen hervorragenden Platz ein. Tausende haben sich an seiner Lösung versucht. Rachtem der Redner in längeren Ausführungen klar gemocht hatte, welche ungeheuren Kraftquellen in der Ratur. beispielsweise im Wasser, vorhanden sind, und nachdem er festgelegt hatte, was man in der Physik unter „Kraft", .Arbeit", „Energie" verficht, ging er dazu über, an einem einfachen Versuch mit einem Fadenpendel die Begriffe „Macht" und „Wucht" zu erklären. Er zeigte 'dabei, daß durch das Ineinandergreisen und »Sichablösen von .Macht" und „Wucht" das Fadenpendel eigentlich ein einfaches „Perpetuum mobjte“ darstellcn müsse, weil es durch die Erhaltung seiner Energie dauernd in Schwingung bleiten könnte, wenn nicht ein Drittes, die Reibung oder Wärme, hinzukäme, die das Pendel allmählich wieder in die Ruhelage versehe. Robert Mayer, so führte der Redner aus. habe das große Verdunst, in grundlegenden Arbeiten die Tatsache festgestellt zu haben: er habe das mechanische Wärmeäquivalent errechnet imb das Gesetz von der Erhaltung der Energie ausgestellt. 3m zweiten Teil seines Vortrags beschäftigte sich der Redner mit dem Lebensgang Robert Mayers und zeigte, mit welchen Schwierigkeiten Mayer zu kämpfen hatte, um anerkannt zu werden. Besonders klar stellte der Redner die Tatsache heraus, daß es 3ustus
von Liebig war. der zuerst die ungeheure Wichtigkeit der Entdeckung Robert Mayers erkannte und den ersten Aufsatz Mayer- über diese Arbeiten in seinen Annalen veröffentlichte. Liebig hat auch darüber hinaus in außerordentlichem Maße dahin gewirkt, daß Mayer anerkannt und geförvert wurde.
Reicher Beifall dankte dem Vortragenden für feine gedankenreichen Ausführungen. Der Vorsitzende verlieh dem Dank nochmals in beredter Weise Ausdruck. Hierauf gab er einige Erklärungen über den dritten Teil des Programmes. der den Empfang der Versammlung von der Liebig-Woehler- Feier in Darmstadt vorsah. Zu ihrer Begrüßung begab sich ein Empfangsausschuß zum Bahnhof, um die Gäste durch die mit Flaggen reich geschmückte obere Bahnhofstraße nach dem Museum zu geleiten. Unter der Fühmmg Prof. 5k. Sommers besichtigten die in großer Zahl erschienenen Gäste das Liebig-Museum. Rach dem Rundgang vereinigte man sich nochmals im Hörsaal des Laboratoriums. 3n einer kurzen Ansprache ging der Vorsitzende auf die Entwicklung des Museums ein und legte die zunächst zu bewältigenden Aufgaben dar. Dabei erwähnte er. daß das Mn.eum im verflossenen 3ahr um eine Reihe wertvoller Sachen bereichert worden fei. Hierher gehören u. a.: eine Sammlung von Briefen A. W. v. Hofmanns, eine Briefsammsung. gestiftet von Fräulein Fehling. das Ausgabenbuch der Eltern Liebigs und eine Abschrift von Briefen Liebigs aus seiner Studenten- und Heppenheimer-Zeit. 5>ic Durchsicht dieser Briese hatte Pros. Bert. Darmstadt, übernommen: sie sind in einem Buch gesammelt, das käuflich zu haben ist.
Rach dem feierlichen Empfang im Liebig- museurn nahmen die Gießener Mitglieder des Museums und ihre Damen mit den Gästen ein einfaches Mittagsmahl im Saale des Gesell- schaftsvereins ein. Aus den heiteren Mienen der sonst so ernsten Männer aus Wissenschaft und Praxis der Chemie und ihrer Damen, den Gästen aus Rordameriko. England, Holland. Dänemark, der Schweiz, Spanien, ja sogar aus dem Fernen Osten, konnte man so recht erkennen, wie tief das Andenken und die Verehrung des großen Meisters in ihnen wurzelt. Immer wieder anerkannten sie, daß hier in Gießen das von dem verdienstvollen Geheimrat Professor Dr. Sommer zu neuem Leben erweckte „Heilig- tum der Chemie", das Liebig musem, steht, in dessen Räumen der chemische Heros zum Segen der Menschheit gelehrt und gewirkt hat. Ramens der Landesuniversität begrüßte Se. Magnifizenz der Rektor, Professor Dr. Rosenberg, namenS der Stadt Gießen Bürgermeister Dr. Frey, für das Liebigmuseum Geheimrat Prof. Dr. Sommer die Schar der Gäste und dankten ihnen in beredten Worten für ihr Erscheinen.
Ramens der Gäste sprachen Professor Dr. Baker ans Groningen in Holland, Dr.-Ing. h.c„ Dr. phil. Mittafch, Direktor der 3.-®.* Fartenindustrie in Ludwigshafen am Rhein, Präsident Reester von ter amerikanischen chemischen Gesellschaft — dieser in deutscher und englischer Sprache —, Direktor Dr. Buchner aus Hannover u. a. Alle Redner dankten dem Schöpfer des Liebigmuseums, dessen Zielen sie wärmste Förderung versprachen. Zum Schluffe vereinigten sich die Gießener mit ihren Gästen noch beim Kaffee auf ter Terrasse ter Liebigs- höhe und genossen bei Hellem Sonnenschein den einzig schönen Blick, der sich über 3uftus Liebigs Arbeitsfelder, das grüne Tal und Oie es umsäumenden Burgen und Berge, dem Auge bietet. Unaufhörlich arbeiteten die Kodaks der Gäste.
Mit Bildern der Erinnerung aus der Vergangenheit und ter Gegenwart kehren sie in ihre Heimat zurück. Das schöne Gießen, das chemische Bethlehem und in ihm bas „Heiligtum der Chemie" hatte seinen großen Tag. der ein würdiger Abschluß der Liebig-Wöhler-Feier in Darmstadt war. Das Denkmal unseres großen Justus von Liebig in der Ostanlage trug reichen, wirkungsvollen Kranzschmuck in einheitlicher Form. Sc war von der Stadt Darmstadt, der deutschen Bunsengesellschcht, der deutschen chemischen Gesellschaft, der Technischen Hochschule in Darmstadt u. a. gestiftet. Am Denkmal wehten die
Möwe im Sturm.
Vornan von Sophie Kloerß.
9. Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Wohnst du hier im Hause?"
„Ob ich hier — Nein, das wenigstens nicht. No, nun must ich aber eilen, ich hab' Geschäfte."
Komisch, hier hatten alle Leute Geschäfte. Am späten Abend und am frühen Vormittag. Das war auch solche neumodische Sache.
,Vch hab' mich so geängstigt um dich," sagte Elena, als die Schwester heraufkam. Sie hatte einen Frühstückstisch in dem Zimmer richten lassen, in dem Maria geschlafen hatte. Mehr als dieser Winkel und das große Schlafzimmer schienen nicht zu ihrer Verfügung zu stehen. Aber das war ja gleich, wenn man nur zusammen war. Sergei hatte natürlich seine eigenen Zimmer.
„Geängstigt? Warum denn? Bin ich so klein, daß ich verlorengehen kann? Also du, denk', ich hab' da in der Markuskirche einen jungen Mann getroffen, der fuhr mit mir von Wien hier her- unter. Der zeichnet hier, weißt, der hat mich her umgeführt in der Stadt. Nicht so in den Kirchen und Galerien wie die alte Meersberg, sondern in den Kanälen und auf den Brücken und wo das Volk zusamuienkommt. War das luftig!"
„Schau' die Maria! Geht mit den jungen Herren allein durch die fremde Stadt. Ja, man lernt das Leben anders kennen, wenn man nicht mehr im goldenen Käfig fitzt. Gelt?"
„Findest cs doch nicht schlimm, du? Er war solch ein jeiner Bursch: uno so ehrerbietig"
„Das sollt' er wohl."
„O dii, ich hab' ihm gesagt, ich wär nur «in Fräulein von Erdmannsdorf. Nicht mal .Baronesse' hab' ich gesagt. Wenn man schon seine Sachen im Kaufhaus zusammenholen muß — So, Elena nun will ich aber eßen, ich habe einen Mords hunger."
„oo warst du schon als Kind. So gesund mit deinem Hunger und deiner Sehnsucht narb Luft und Freiheit."
„Die Meersberg hat es schlimm mit mir gehabt. Aber die Tante Innozentia sagte bnd> manches Mal: .Wenigstens den Leichtsinn von der Elena,
den hat sie nicht.' Was hast denn du so Leichtsinns. I
ges getan? Warst doch erst achtzehn, als btt Sergei heiratetest."
„Man kann zwischen vierzehn und achtzehn schon allerlei Torheiten ausüben, trotz Stiefmutter und Tanten und Erzieherinnen und Ehrenfräulein. Und die Ofener Dragoner hatten es nah nach Schloß Erdmannsdorf."
Da fiel Maria die Begegnung wieder ein von drunten in ter Halle.
„Ja, und der Fredi, der ist ja auch hier." „Wo hast denn den schon gesehen?"
„Unten im Haus, als ich eben hereinkam. Du, Elena, wer wohnt denn da unten? Das roch so eigenartig aus den Stuben, so süß und übermäßig. Fast noch schlimmer war es als der Dunst aus dem Kanal."
„Da unten war der Fredi? Wo ich ihm doch ein für allemal verboten hab' — Ah das wenigstens sollt' er einem doch nicht antun, der Kerl —"
„Eien —"
„Es ist da unten vermietet. Das geht uns nichts an. Aber du solltest, wenn du schon durchgehen muht, nicht in die Türen sehen, Maria. Du wenigstens nicht."
„Nein. nein. Ich kann's ja lassen. Aber was seid ihr für komische Leute. Immer so, als wär' da was zu verstecken. Du bist gar nicht mehr meine alte Elena."
„Ich bin schon noch die alte leichtsinnige Elena. Viel leid)tfiniger noch als damals. Aber du — du sollst nicht hierhinein. — So, nun reden wir non was anderem "
„Von den Diener Dragonern? Die lieben Serie. Wie viele von ihnen find wohl noch da? Wie sie tanzen konnten! O wie ich dich beneidete, daß du schon die große Dame warst, und ich durfte nur fo einmal von ter Galerie aus zuschauen. Und du — den Fredi, den habe ich damals geliebt.”
„Ach geb. Du warst doch noch ein Kind."
„Aber unsere Jungfer, die redete alle Tage von ihm, wenn sie mir die Haare machte und die schuhe bandelte. Ich glaub' — na ja er war wohl ein großer Schürzenjäger. Aber was wußte ich davon! lind immer: .Der Schönste und der Fixeste, das ist alleweil der Prinz Hochheim.' Ich habe bann immer ten Frebi als einen Märchenprinzen ge» sehen, ber mich einmal erlösen sollte. Und wie er Feld ging - ja, da war ich eben vier, habe ich ihm eine fcibenc Börse gehäkelt.
hessischen Landes- und die ReichSfarten. Auch die Stadt Gießen hatte es sich nicht nehmen lassen, den Weg vorn Bahnhof bis zum Cie- bigmufeum zu Ehren ter Gäste reich mit Fahnen zu schmücken.
Möge der feierlich verlaufene Tag der alten Landes-^lniversitätsstadt und ganz besonder- in ihr der dem Andenken ihres größten akademischen Lehrers geweihten Stätte, dem Heiligtum ter Chemie, dem ßiebigmufeum. zum Segen gereichen. Denn auch für Liebig gilt bas Wort: Es wird der Ruhm von feinen Erdentagen nicht in Aeonen untergehn!
Liebig-Wöhler-Zeier in Darmstadt.
WSR. Darmstadt, 7. Juli. 3n ter Otto- Berndt-Halle zu Darmstadt begann heute vormittag im Anschluß an die 10. Hauptversammlung der Vereinigung von Freunden der Tech- nischen Hochschule Darmstadt die große Liebig- Wöhler- Feier, in deren Mittelpunkt die Einweihung und Hetergabe des Liebig- Geburtshauses stand, das durch die Stadt Darmstadt genau in feinem ehemaligen Zustand unter Benutzung des alten Baumaterials in ter Großen Kaplaneigasse 30 wirderhergestellt worden ist und das auch die Anfänge eines Liebig-Museums enthält. Zu dem akademif chen Festakt waren außer dem Staatspräsidenten, zahlreichen Vertretern ter Staats- und städtischen Behörden viele offizielle Vertreter des Auslandes erschienen, lo Präsident Dertrand. Paris; Pros. Dr. Euler. Stockholm; Direktor ® all, Paris: Präsident Garcia. Madrid: Exz. Osaka. Kioto (Japan): Präsident Reefe, Millmgton; Veibel Stig. Kopenhagen; Präsident Thope, London; weiter sah man Geheimrat Pros. Dr. Fritz Haber. Berlin; Dr. Geiß. München: Direktor Brandts. Darm- ftadt; Pros. Dr. v. Braun. Frankfurt a. M.; Pros. Dr. Drevermann. Frankfurt a. M; Geheimrat Dr. Duisverg. Qeperhifen; Prof. Dr. König, Karlsruhe: Direktor Dr. Krische. Berkin; Direktor Karl Merk, Darmstadt; Pros. Dr. Rosenberg, . Gießen; Direktor Dc.- Zng. h. c. Win th c r, Frankfurt a. M. und Generaldirektor R o u s s e l.
Rach einer längeren Begrüßungsansprache von Prof.Dr. Ber l (Darmstadu sprach Staatspräsident Adelung, ter besonders die verbindenden Beziehungen, ter Wissenschaft auf internationaler Grundlage und die Bedeutung Liebigs und Wöhlers für das Hessenland hervoryob. Er pries Liebig als einen ter größten Wohltäter, dessen Ramen die Menschheit noch in den fernsten Tagen nennen werte. Rach dem Staatspräsidenten sprach Oberbürgermeister Dr. G l ä s s i n g. ter die festliche Versammlung im Ramen der Stadt Darmstadt begrüßte. Der Rekror ter Technischen Hochschule Darmstadt, Pros. Dr. G. K a m m er begrüßte die Festversammlung im Ramen der Hochschule. Prof. Hofrat Dr. Schlenk (Berlin) im Ramen ter Deutschen Chemischen Gesellschaft, teS Vereins Deutscher Chemiker und der Bunsen- Gesellschaft. Der Präsident ter Chemical Society of London, Prof. Dr. E. T h o p e, verlas nach furaer deutscher Begrüßung eine englische Dank- und Huldigungsadresse.
Dann gab ter Direktor ter Technischen Hochschule Darmstadt akademische Ehrungen bekannt: Geheimrat Dr.-Ing. Karl Bosch (Heitel- berg) und Geheimrat Dr.-Ing. Fritz Haber (Berlin) wurde die Würde eines Doktoringenieur ehrenhalber für ihre überragenden Verdienste auf technischen, und wissenschaftlichem Gebiet, besonders dem der Ammoniaksynthese. verliehen; dem Oberbürgermeister von Darmstadt, Dr. G l ä s s i n g und Bürgermeister Buxbaum (Darmstadt) wurde die Würde eines Ehrensenators der Technischen Hochschule Darmstadt verliehen.
Anschließend hielt Geheimrat Pros. Dr. Fritz Haber ten Festvortrag über Liebig und Ge- betmrat Prof. 21. Wohl (Dmrzig) über Wöhler. Damit war der Festakt beendet.
Die Teilnehmer begaben sich dann zum L i e - biggeburtshaus, wo Bürgermeister Buxbaum nach feierlicher Rete den Schlüssel des Hauses an Geheimrat Dr. A. v. Weinberg, ten Vorsitzenden der Liebighaus-Stiftung, übergab. Herr v. Weinberg ließ noch einmal an Hand zahlreicher persönlicher Erinnerungen und von Zitaten aus Liebigs Schriften ein Lebensbild deS großen Forschers erstehen. Dann folgte eine Besichtigung des Hauses.
das war gerade so in die Mode gekommen — aber geschickt habe ich sie ihm nicht. Dazu fehlte der Mut. Ein Seufzer. „Und nun sehe ich ihn wieder, abgerissen und verlebt —*
„Hing dein Herz denn noch immer an ihm?"
„Ach bewahre. Er hat manchen Nachfolger gehabt. Im Krieg, in den Lazaretten — und nachher — aber das war ja auch alles nur so von weitem. Ich habe doch auch nach der Revolulion teinen Schritt ausgehen dürfen ohne den Stephan hinter mir. Und wer kam denn noch zur Tante, bitte ich dich! Die alten Gräfinnen und Exzellenzen — und wenn man ein Kompliment hören wollte, mußte schon der Mierendorf es sagen. Und dann war es grab fo gichtisch wie er selber."
Giulietta sah in die Tür. „Der Herr Baron läßt fragen, ob die Damen schon zu sprechen sind."
Sergei Wladimirowitsch kam in blendender Laune. Einen schnellen fragenden Blick seiner Frau erwiderte er mit einem siegerhaften Lächeln. Seiner jungen Schwägerin küßte er die Hand, setzte sich neben sie und ließ sich von ihr ein Brötchen richten.
„Sie haben uns Glück gebracht, Maria. Gestern abend sind glänzende Geschäfte zustande gekommen. Und wenn Sie wollen, dürfen Sie nach dem Frühstück mit Elena ausgehen und die Läden der schönen Venezia auf ihre Leistungen prüfen. Er legte einen Umschlag vor seine Frau hin. „Es ist mir ^einc Freude, den beiten Damen einige fröhliche Tage gewahren zu können."
„Ach, Sergei, wenn wir hier heraus könnten! Es sollen Dillen am Meer zu haben fein, auf den Inseln, am Lido —" Sie brach ab, Sergeis Gesicht war schon wieder sehr kalt geworden.
„Wenn wir es uns einmal leisten können, meint Liebe — Du weißt, daß es zurzeit nicht der Fall ist. Meine Geschäfte binden mich an dieses Haus. Und nun will ich mich den Damen empfehlen — Auf Widersehen beim Diner."
Als Sergei das Zimmer verließ, folgten Marias Blicke ihm unwillkürlich zur Tür, und wie die aufging, Iah sie für eine Sekunde Giulietta dahinter, als hätte sie wartend gestanden. Dann kam ein Kichern, sofort erstickt — sie hatte es dennoch begriffen. Ahnte (Elena das?
Aber Elena hatte_ den Umschlag geöffnet und wählte die blauen Scheine. .Lamm. mein Liebling. Sergei hat recht, wir wollen uns ein paar
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
OWcitcrshain,7. Juli. Heute fand hier eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Junglehrer des Bezirks Grünberg statt, zu der auch eine große Zahl älterer Kollegen erschienen war. Nach einer Begrüßuna des Leiters der Arbeits- aemeinfchaft, Lehrer Bocher (Grunberg), zeigte Herr Seipp von hier in seiner Klasse in vorbildlicher Weise, inwieweit der Grundsatz der Selbst- tätigfeit und Selbständigkeit im Sinne der neuen Arbeitsschulidee in der Grundschule durchgeführt werden kann. An die drei Lehrproben schloß sich eine rege, lehrreiche Aussprache an.
< ©rüningen, 8. Juli. Nächsten Sonnlag findet hier in Verbindung mit der Feier des 7 5 • jährigen Bestehens des Gesangvereins der Adam Ißheimschen Stiftung das Wertungsfin- gen des Hausberg-Wettertal-Sängcr- b u n b e 5 statt. An dem Wertungssingen werden sich die elf in dem Bund vereinigten Vereine beteiligen.
< Eberstadt, 8.Juli. Der Verein ehemaliger Land w i rtschastsschüler Lich beabsichtigt, am nächsten Samstag und Sonntag bie seit langer Zeit geplante Rheintour durchzu- führen. Beabsichtigt ist, neben der Dampferfahrt von Aßmannshausen bis Koblenz ein Besuch von Mainz, Wiesbaden, des Niederwalddenkmals und einiger Rheinburgen. Man rechnet mit einer regen Beteiligung der Mitglieder und deren Angehörigen.
Kreis Friedberg.
Z. Bad-Rauheim, 8 Juli. 3m musikalischen Leben dieser Saison, das bis jetzt wiederholt durch glanzvolle Veranstaltungen ausgezeichnet war, ist ein ganz besonderes Ereignis ter Lieder- und Arienabend gewesen, den gestern abend Heinrich SchlusnuS gab, ter berühmte Baritonist ter Berliner Staatsoper. Der Erfolg deS Konzerts war schon äußerlich durch die Tatsache gegeben, daß das große Konzerthaus schon lange vor Beginn ter Veranstaltung ausverkauft war. Der gefeierte Künstler brachte Lieder von Schubert. Beethoven. Mozart und Hugo Wolf in vollendeter gesanglicher Wiedergabe. Das beifallsfreudige Publikum erzwang sich mehrere Zugaben. Hervorzubeben ist die feinsinnige Begleitung durch den Pianisten Franz Rupp (Berlin). Das Konzert war auch von Gießener Musikfreunden gut besucht.
Rheinhessen.
LPD. Mainz, 7. Juli. Die Stadt Mainz ist im Begriff, eine neue große Sportanlage an der Binger Straße zu errichten. Das Gelände umfaßt einen Raum von etwa 40 000 Quadratmeter; es" sollen auf ihm Dahnen und Plätze für alle Sportarten angelegt werten. Der CrstehungspreiS beläuft sich aus etwa 250 000 Mart.
Preußen.
G^weres Explosionsunglück bei Kassel.
6 Todesopfer.
Lpd. Kassel, 8 . 3uli. Am Samstagvormittag ereignete sich in tem Orte Altmorschen bei Kassel ein furchtbares ExplosionSunalück, dem. wie erst jetzt bekannt geworden ist, sechs Menschenleben zu m Opf er gefallen sind. In den Gipswerken K. Georgi explodierte aus bisher noch unerklärlicher Ursache ter Dampfkessel tes Werkes, wobei ter Kesselwärter Groh durch die Stichflammen sofort getötet wurde, während fünf andere Arbeiter schwere Verbvennungen und Vergiftungen durch Kohlen- oxvdgase erlitten. Die fünf Verunglückten warten in das Melsunger Städtische Krankenhaus übergeftihrt. doch war jede ärztliche Hilfe ver- gebens. Zwei ter Verunglückten starben bereits iurz nach ter Einlieferung, während bie übrigen drei am Sonntagvormittag ihren Verletzungen erlagen. Der in dein Werk angerichtete Materialschaden ist ziemlich beträchtlich.
Kreis Wetzlar.
—(5— Lützellinden, 7.Juli. Die diesjährige Heugrasversteigerung unserer Gemeinde war im Gegensatz zu sonstigen Jahren sehr stark besucht. Für Wiesen von durchschnittlich 1500 Quadratmeter wurden 10 bis 20 Mark geboten, was im Hinblick auf den geringen Grasbestand und die starke
fröhliche Tage machen. Wer weiß, was morgen ist. Ach, wenn man wenigstens feine eigene Gondel halten konnte, aber fo — immer in diesen Mietsgondeln — nicht einmal sicher ist man, daß man nicht Ungeziefer aufliest." Die Schwester zärtlich umarmend, flüsterte sie: „Es scheint wirklich, du hast uns wieder Glück mitgebracht. So heiter war Sergei lange nicht."
Wie ein beschenktes Kind stand Elena zwei Tage später vor der Schwester.
„dr hat uns eine Villa an der See gemietet. Auf den Inseln! 0 Maria, mit einem Garten voll '.Hofen und Flieder Und einem Badehäuschen. Und einer Gondel und Gondelier und — 'Sd), wie man bescheiden geworden ist? Dor zehn Jahren wäre ich da nicht hineingezogen, und nun freut man sich so unbeschreiblich. Einmal heraus^ aus diesem modrigen Kasten. Reine Luft! Und See! Und Blumen! Und du und ich den ganzen Tag dort zusammen. Und nicht seine gräßlichen Geschäftsfreunde."
„Wenn ich nur wüßte, was du mit denen zu tun hast, Elena!"
Denk, nicht dran. — Nun haben mir Ruhe. Nun fahren wir dahinaus. Giulietta packt schon. Einen Monat dürfen wir da draußen sein, einen ganzen Monat. Und bis dahin — Maria, freust du dich mit mir?" .
„3a, ja. Ich kann es nur nicht so zeigen wie du.
Elena tanzte durch die Stuben. Ihre zierlichen Füße schwebten über die dünnen Teppiche, in jeder Bewegung lag ihr Jubel. Das Blondhaar schien goldener als an anderen Tagen, die feinen Züge wie von innen durchwärmt und verklärt. Wie mußte sie gelitten Haven unter diesem Haus! — Drei Stunden später waren sic draußen.
Und die Tage waren voll Sonne und Rosen. Die blauen Wogen der Adria fpielten um die Marmorstufen, auf denen sie nieterstiegen in die Flut. Sie lagen auf den lenz warmen Wassern und tauchten und jagten sich wie Kinder. Los- gelassen von den dunklen Lebensgewalten, wieder jung und froh, wie fit gewesen waren, ehe ter große Welteubrand auch ihr Schicksal in sein Chaos mitgeriffen hatte.
(Fortsetzung folgt)
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