Einzelbild herunterladen

Nr.159 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 9. Juli (928

Was lehrt uns die amerikanische Wirtschaft?

Dezentralisation des Bankenwesens. - Kampf gegen den Staatssozialismus.

Don Dr. Edmund Stinnes.

dieser staatssozialistischen

von

ist. Selbst konservativ ob^r pri- eingestellte Menschen handeln als ob sie Vollstrecker des mar«

Seuche befallen vatwirtschaftlich als Beamte so,

Auch hier Hot also Amerika einen Weg ge» sunden. die Gefahren zu vermindern, die auS den modernen Großkonzernen erroachsen. Die deutsche Wirtschaft ist in der Nachkriegszeit von den, Gedanken befallen worden, durch Ver­trustung und Fusionierung liehen sich alle Schaden heilen. Sie ist dabei wieder einmal in ein Extrem verfallen, weil sic die ent­stehenden Gefahren nicht genug erkennt. Darum würde auch für uns ein Antitrust-Gesetz von grohem Wert sein Es könnte eine auf die Dauer ertötend wirtende Artcrienverlalkung ver­hindern. Vei einem solchen Gesetz kann es sich für und nicht darum handeln, kurzfristige Kar­telle und Syndikate zu verhindern. Aber kein finanziell einheitliches Gebilde sollte das Recht haben, mehr als 50 Prozent der Pro­dukte eines Industriegebietes zu kontrollieren.

Verkennen darf man heute auch nicht, bah die größten und brutalsten Monopolunternehmer Kontinentaleuropas die Staaten, Provin­zen und Stabte geworden sind. 3n den ver­gangenen Jahren der Finanzkrisen war cs für die öffentliche Hand leicht, unter dem Druck sehr hoher Steuern das private Unternehmertum im Sinne sozialistischer Ideen zu Fall zu bringen. Dieser Entwicklung zum Staatssozialis­mus leistet das internationale Kapital bedauer­licherweise Vorschub, wenn es mit besonderer

Vorliebe Städten, Provinzen und Ländern Kre­dit gewährt. Durch die angedeutete Entwicklung ist in Deutschland der Atzteit der öffent­lichen Hand an der gesamten Volkswirtschaft von etwa 15 Prozent auf etwa 25 Prozent ge­stiegen. ES hat den Anschein, als ob bas ganze deutsche Volk 1 K:r

xistischen Programmes seien.

Amerika hat sich zum Vorteil der Wirtschaft wie des Staates vom Staatssozialismus bisher freigehalten. Die gesamte Wirtschast ist in der Hand des privaten Kapitals. Jede wirt­schaftlicheBetätigung des Staates erfährt schärf st e Ablehnung. Man nimmt von vornherein an, sie sei unkauf männisch und korrupt. Rur die Post ist drüben ein Staatsunternehmen. Allerdings hat der Staat während des Krieges viele Privalunternehmungen, besonders Eisen­bahnen, in seinen Besitz genommen. Aber dos finanziell vernichtende Ergebnis dieses Versuches durfte für lange Zeit in den Vereinigten Staa­ten das Interesse am Staatssozialismus erstickt haben. Auch der englische Staat betätigt sich nicht als Unternehmer. Ja, es wird dort als ungesetzlich und unmoralisch be­trachtet, wenn der Staat seine Machtstellung dazu benutzt, um den Staatsbürgern wirtschaftlich Konkurrenz zu machen. Erst unter dem Ein- fluh der Arbeiter hat in den Rachkriegszeiten eine andere Entwicklung eingesetzt, die sich kaum zum Dortell der Wirtschaft auswirken dürfte. Sv hat sich der Staat durch Subsidien an die Kohlenindustrie aktiv in die Wirtschaft einge­mischt.

Wir hoben uns seit Jahren bemüht, an dem amerikanischen Bcilpiel zu lernen. Rach ameri- nischem Muster hat die deutsche Industrie r o t io- nalifiert, um die Produktivität zu erhöhen. Aber einen der für Amerikas Gedeihen ent­scheidenden Faktoren, die Ablehnung des Staatssozialismus, haben wir zu un­serem Rachteil nicht beachtet. Auf den Wirt­schaftsgebieten. deren technische Entwicklung zu einem gewissen Abschluß gekommen ist. und dre Monopolunternehmungen erfordern (Gas. Was­ser, Elektrizität, Post, Telegraph, Straften­

Aus der Klugzeugperspektive.

3mHermann Köhl" von Essen nach Köln.

Don Or. Werner Wirths.

Wan könnte so schreiben: der gewaltige Leib des Riesenvogels zitterte vor Erwartung. Die gewaltigen Schwingen (31 Meter Spannweite) strebten zum Himmel empor der Sonne ent­gegen! Der Deist des Menschen bezwang die Ele­mente, er fesselt die entfesselten Kräfte des Motors (750 P. S.); siehe Sophokles: ..nichts Ge- waltrgeres lebt als .. . Man könnte sich selbst, mb cm man da- Flugzeug besteigt, über­aus wichtig nehmen, da man doch zu besagter gewaltiger Gattung gehört. Doch die freundliche Sachlichkeit. mit der sich auf dem sommergrünen Flughafen von öffen der Verkehr regelt, läftt intellektuelle Abschweifungen nicht aufkommen Schon berfmlen die Gäste in den bequemen Fauteuils der geräumigen Kabine, schon hebt sich ganz ohne Pathos der metallene Vogel in die Lüfte - hier schimmert zwischen zarten Waldgebüsch das schmale Band der Ruhr, dort dräuen zurücksinkend die Schlote fusionierter Zechenkomplexe. Ob der bunten Schönheit dieser Welt ringsum vergibt der Commis voyageur in gehobener Stellung, der zur Firma zurück nach Berlin strebt, die im Taschenbuch säuberlich ver­zeichnete Orders, wächst über das eigene Sein hinaus und gibt sich wohlgefällig der gleitenden Gegenwart hin.

Stiegen ist Selbstverständlichkeit' Das Flug­zeug. das den Ramen des kühnen Ozeanbezwin- gers trägt, hat selbst nichts Abenteuerliches- es ist jeder Zoll Behaglichkeit, Zivllisation, sei­ner selbst nicht minder bewuftt als drüben am Mittelfenster das reizende Girl aus rheinischen Landen, das nüd>tern spöttisch den Höhenmesser an der Wand prüft, dieweil er erst 300 Me­ier anzeigt. Aber wir steigen und unter diesem Morgenhimmel entschleiert sich die gute alte Mutter Erde.

Biir steckten da unten zwischen luftraubenden otrahenzügen. zwischen hinunelabriegelnden Fa- briitoänben, hinter denen der Mensch als Kollek- schafft, schasst, schafft. Wir fuhren aus maschmendurchtobten Hallen in einsame Stollen.

upS auch dort unten in der Tiefe der Schachte das wilde Gemeinschaftslied der Arbeit £5!S!-' schwermütige Zusammenklang von -maschine und Mensch, der beim zitternden Licht

II.

Die Bedeutung der Dezentralisation de« amerikanischen Bankwesens scheint in Europa noch nicht genügend erkannt zu fein. Berlin ist identisch nut dem deutschen Geldmarkt, Paris mit dem französischen. London mit dem englischen Aber Amerikas Geldmacht ist nicht mit der WallstreetS gleichzusetzen. Die Gesetze der Einzelstaaten in bezug auf Banken verbieten diesen die Eröffnung von Zweigstellen außerhalb ihres Staates, oft sogar außerhalb der Stadt ihres Sitze«. Dadurch ist eine Kon­zentrierung der Depositengelder und damit der Machtmittel auf einen Platz hin unmöglich. Reu- York. Boston, Phlladelphia sind durch ihre Lage die gegebenen Plätze für die Vermittlung des Geldes nach Europa. Ihre Bedeutung ist aber heute für die alte Welt beinahe grober als für die Vereinigten Staaten. Reben ihnen haben sich drüben Ehikago, San Franzisco und Reu- OrleanS zu Finanzzentren entwickelt, die unab­hängig von Reuyork geworden sind. Mit Sorgen sieht Wallstreet den Tag kommen, an hem Ehikago zur stärksten Geldmacht der 11. S. A. wird. Der Kampf, den Henry Ford 1921 auszufechten hatte, dürste am besten die wirtschaftliche Bedeutung dieser Dezentralisation kennzeichnen 1921 hatte Ford innerhalb sechs Rlonaten 125 Millionen Dollar aufzubringen. Die Banken versuchten diese Gelegenheit auszu­nutzen. um Ford ihre Bedingungen zu diktieren, d. h. seine Unabhängigkeit zu be- schneiden Ford half sich dadurch, daft er die Sroduktion abdrosselte, das halbfertige Material hr schnell in fertige Autos umwandelte und seine Vertreter zwang, diese Wagen gegen Bar­zahlung abzunehmen. Selbstverständlich war das und damit war Fords Plan gelungen nur dadurch zu verwirklichen, daft die Vertreter ihren Kredit aufs äuherste in Anspruch nahmen. Dieser Kredit verteilte sich ober auf 5000 von­einander unabhängige Finanzstellen im ganzen 11. S. A.-Lande! Hätte sich dieser Vorfall in einem europäischen Lande abgespielt, in dem die gesamten Finanzmittel auf einen Platz wie Berlin oder Paris konzentriert sind, so hatte dieser Platz durch eine einheitliche Parole an seine Filialen den Kredit auch für die Gesamt« Ford-Organisation sperren können.

Das Sherman-Antitru st - Gesetz ver­bietet in ähnlicher Weise die Bildung von Han­dels« oder Industrieunlemehmungen. die einen wesentlichen Teil irgendeiner Warengattung er­zeugen oder verteilen. DaS Gesetz ist in den Jah­ren seines Bestehens immer wieder angewendet worden, um Monopole zu verhindern. Diele Fusionen hat es verhindert. Der Strahltrust muhte seinetwegen seinen Tochtergesellschaften viel gröbere Selbständigkeit gewäh­ren, alS er zuerst beabsichtigt hatte, eine Tat­sache. die sich später als ein wirtschaftliches Ak- tlbum gezeigt hat. Der grobe Pulver- und Ehemiekonzern Dupont de Remours Powder Cor­poration tourbe zu einer Teilung gezwungen, ebenso die Standard Oil Co. of Rew Jersey. Kartelle und Syndikate verbietet das Gesetz voll­ständig. Alles geschieht auch, um inoffizielle Preiskonventionen selbst in Gestalt eines Gent- lemen-agreement zu verhindern. Trotz mancher Bedenken dürfte die in dem Antitrustgesetz zum Ausdruck kommende Einstellung im Interesse der Gesamtwirtschaft liegen. Sie erhält zumindest die Konkurrenz und verhindert dadurch eine Artc- rienverkallung der Wirtschaft. Sie sichert auch die persönliche Initiative, denn fo- lage niemand eine Monopol-Stellung ein­nimmt, ist die Bahn für Führematuren nicht ver­sperrt

der Grubenlampe, beim Stöhnen der Dynamos, im Schweiße seines Angesichts den ilrftoff der Wärme ans Licht hebt. Wir spürten den Zwang des Schicksals, das der Masse das bäuerliche Glück, das Feld und den Ackcr nahm, sie hinein- pferchte in Mietskasernen. Von hier oben, aus anderer Perspektive, sehen wir, wie die ver­gewaltigte Ratur, trotzdem der grobe Rahmen blieb, wie Fluh. Wald und Feld das stumpfe Bild der Zechen umschließen, abgrenzen, einord­nen. Sellsam: diese organische Geschlossenheit des Ganzen trotz der Fülle der Gegensätze!

Run kreuzen wir den Rhein. Er kam aus der Ruhe der Rebenberge, wo in verschlafenen Städt­chen noch die Romantik zu Hause ist: unmittelbar unter uns wurde er ein Glied menschlicher Zweck­arbeit. Schleppkähne decken. Industrieanlagen umrahmen ihn. Stehen wir nicht peinlich zwi^ scheu den Zeiten, mit der absonderlichen Liebe zu Spitzbögen, klingenden Sleinbruunen. Blumen­stöcken in Kleinstadtwinkeln und der unausweich­lichen Hingabe an die Schnelligkeit um ihrer selbst willen, den Rettord, die Phantastik der Be­wegung? Wir fahren im Flugzeug mit dem Sturm um die Wette und träumen von der Linde von Rüdesheim. Gewift haben der Commis voyageur und das Girl längst entschieden, wo­hin sie gehören. Er liest die neueste Rümmer der Textilzeitschrift, es schiebt mit lässiger Eleganz eine blonde Locke unter die Baskenmütze.

Für Augenblicke verschwindet die Erde. Wolken vernebeln uns Aber der Rhein bleibt Richtung indes hinter uns Landstraßen. Dörfer und Städte, Felder und Wälder zurückbleiben. Stärker fängt sich der Wind in den Tragflächen, drängt uns herauf und herunter. Doch unverrückbar steht nun vor uns im mächtigen Steingeviert der großen Stadt der heilige Dom. Sinnbild des Glaubens. Mittelpunkt der Landschaft, an dem bet Wille des Kollektivums klein wird. Ob wir auch hoch über seinen Türmen kreisen, wir finden in unserer ledergedämpften Kabine die Wahrheit nicht, die jedem seiner Steine innewohnt. Kehren wir zur Erde zurück! Zwischenlandung!! Der brave .Hermann Köhl" tut seine Pflicht., Sanft nimnü uns die Mutter Erde ans Herz zurück.

Der Commis voyageur bleibt. Das Girl ver­läßt uns. Der Pilot gesellt sich zu ihm. Beide umwandern in lebhaftem Gespräch das Flug­zeug und sieh da: in den Augen der kleinen rheinischen Lady leuchtet mit einem Mal jener romantische Schimmer auf, den wir oben in

bahn. Eisenbahn), wäre eine volle Ileberführung dieser Betriebe in die Privatwirtschaft bedenklich. Das öffentliche 3nter?1fc könnte jedoch qenü 'cnh durch eine Beteiligung seitens der öffentlichen Hand von 51 o. H. des Stimmrechtes gewahrt bleiben. Die übrigen Attien sollten Privaten angebvten wer­den. bann würden auch diese Unternehmungen nach kaufmännischen und wirtschaft­lichen Gesichtspunkten geleitet werden. Alle anderen Betriebe sollte die öffentliche Hand verkaufen. Von dem Erlös könnte die Staats­verwaltung einige Jahre weitgehend leben bei einem gleichzeitigen starken Abbau der Steuern. Mit diesem Verkauf würde der Staat sein wahres Wesen, das Hoheit ist. wieder­herstellen, und seine Ausgabe des Schutzes er­füllen. Der Staat ist nicht aktives Mitglied der Wirtschaft, sondern ihr neutraler Regler. Würde man nach amerikanischem Vorbild die öfsenlliche Hand auf daS ihr zu stehende Maß beschränken, bann würde gleichzeitig die seit langem geforderte Vereins achung der Verwaltung und so der Steuerabbau möglich fein.

Rationale Zahlung der Ostverdrängten.

Unsere Landsleute jenseits der Grenzpfähle haben 1926 27 eine große Zählung (Kataster- aller Deutschstämmigen im ehemaligen Posen und Westpreuften veranstaltet, um den wackeren Sejm- abgeorbneten Unterlagen für die Verhandlungen mit der Regierung über eine zu gewährende Kulturautonomie zu liefern.

Die Ergebnisse der äußerst mühsamen und langwierigen privaten Zählungen der Deutschen drüben, seit die schlimmen Verlustzahlen der Verdiängungsjahre abgeebbt sind, haben den deut­schen Sejmmitgliedern natürlich schon mannigfach bei ihren Interpellationen nützen können. Fordert diese Tat uns Ostmärker nicht zu gleichem Tun auf, einwandfrei zu ermitteln, wieviel Posener. Westpreußen, Oberschlesier, Memeler ufw. aus den uns ohne Abstimmung ober unter Vergewaltigung bes Abstimmungsergebnisses ge­raubten Landgevieten ins Reich ober sonst wohin hoben abwandern müssen? Die überall im Reiche ansässigen ost-landsmannschaftlichen Vereine und Verbände, und die 500 Ortsgruppen des Deut­schen Ostbundes können vorbereitende Arbeit für die uns vvrenthaltene Ostabstimmung leisten und die Gewißheit ihres deremstigen Erfolges wecken, indem sie, angefeuert durch das Beispiel ihrer Landsleute an der Warthe und Weichsel, alle Verdrängten, über deren Zahl die Angaben weit auseinandergehen, einwandfrei zählen, sie in ein Rational-Kataster aufnehmen und damit die Grundlage schaffen für die künftige Ostlandfahrt zur Abstimmung.

Die Zählung muß möglichst genau auch die seit 1919in der Fremde" verstorbenen Ost­märker erfassen: sind doch so viele unter dem fruchtbaren Eindruck des Verlustes der alten Heimat, von Hab und Gut, unter der Zermür­bung jahrelangen Kämpfens um angcmeffenc Ent­schädigung lange vor dem ihnen sonst gesetzten Lebensziel dahingegangen. Man wird nach Ab- xug der auch unter gewöhnlichen Verhältnissen Verstorbenen eine leider in die Tausende rei­chende Zahl Ostmärker buchen müssen. Als stumm mahnender Rückhalt werden sie hinter den lebenden Hunderttausenden stehen, damit diele die allgemeine Verdrängten-&lung so zuver­lässig und gewissenhaft durchführen, als ob sie der Staat selbst vornähme.

der Luft in ihnen vermißten. Ist die Romantik doch nicht gestorben? Ob Rheinwein, gothische Kirchen. Geranienstöcke oder Chefpiloten -- es ist halt immer dasselbe. Was wir auch er­finden, der Motor des Hebens schlägt seit Jahr­tausenden den gleichen Takt.

Drei auf dem Dachboden.

Don Max Zungnickel.

Auf bem Dvben, wo die Spinnen wohnen, der Mondschein, die alten Flaschen und Lumpen, da lagen, in einem Winkel, drei Bücher zu­sammen: Das erste Buch war zerlesen, grell­bunt und fettfledig. Es sprach verwegen und krächzend wie eine alte Trompete von den großen Taten des Rick Carter. .Ich habe das Bild meines Helden in aber tau fenb Jun gen herzen ge­blasen. O. ich habe für meinen großen Rick ©artet geworben, bis ich zerfetzte. Stunden­pläne schlug ich in den Wind, Eltern Worte waren für mich dumme Siebereien. Und nun liege ich hier im Lumpenkittel. Wer weih, was aus mir wird."

Da sing's neben dieser Schwarte, sehnsüchtig zu flüstern an:Ich bin dieMadonna im Schlafcvupe." Ich rieche nach Parfüm. O ja, ich bin aufregend Ich weiß einen Roman, etwas kitzlig zwar wie ein angeschmutzter Frauenunter- rvck. aber die Menschen liefen wie besessen hin­ter mir her, um meine Geschichte zu hören. Ich scheffelte Geld. Ich habe meinen Roman so oft erzählt, daft ich schon ganz zungenlahm bin. Sieh mich nur an. mein Freund und Ritter, sieht so eine Madonna im Schlafcoupe aus!"

Rick Carter feixte fein rerächlliches Lachen: ..Wir gehören zusammen, ich, der Landstreicher mit den zerissenen Hosen, und du. bas her« schminkte alte Mädchen. Wer weih, was mit uns noch geschieht?"---

Da raschelte es durch die Seiten des dritten Buches. Es sah auch nicht mehr festlich aus. O. man sah es dem Buche an, bah es schon unzählige Wimperschläge aufmerksamer Augen erlebt hatte. Und es sprach mit einer leisen DemutIch bin aus der Wahrheit eines war­men Dichterherzens geboren. Raabe hieß der Kauz, der mich schrieb. Ich habe lange, lange nach einem Menschen gesucht. Jahrelang stand ich wartend beim Buchhändler Ich bin billiger wie

Die tief innerliche Bedeutung der Verdränglen- däblung liegt darin, bah sie dartut die Hun- derttauscnde ehemaliger Bewobner Posen». West- preuhens und Ostobellchlesiens sind nicht gewillt, in dem durch Zerreißung und Zerschneidung so verengten und übeinöLerten Roich unlerzutauchen und die unS angeborene engere Heimat abzu- ftreifen tote ein unnützes zerschlissenes Gewand, sondern sie bewußt zu betoabreu bis auf den Tag! Hat doch die in ihrer Dreiteilung jeben ernsten Beschauer so erschütternd packende Gestalt der Provinz Grenzmark Posen-Westprvußen. die erst nach so manchem Kamps entstand und deren Bestand kurzsichtige Sv rer heute wieder ge­fährden. nur einen Sinn, wenn ifove unterbro­chenen Grenzen einmal durch eine unbeeinflußte Abstimmung auf der Grundlrge des Vorkriegs- jahres 1913 14 weit ostwärts wieder zusammen­wachsen. Wenn alle zusammen stehen, wird da- ErgebniS dereinst hinter der Llbstimmung vom 11. Juli 1920 in Alleiistcin-MarienWerder und der vom 20. März 1921 in Obei-schlesien nicht Zurückbleiben!

pflanzerischuhdienst im Kreise Friedberg

Die Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft zu Friedberg schreibt uns:

Gewaltig sind die Verluste, die durch Schäd­linge und Krankheiten an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen jährlich angerichtet werden. Die Gesamtschäden werden von fachmännischer Seite mit etwa 2' Milliarden angenommen. Aufgabe des Deutschen Pflanzenschutzdienstes ist es. diese Schäden auf ein möglichst geringe» Maß bei« unterzudiücken. Auch im Kreis Friedberg soll deshalb der Pslanzenschutzdienst neu organisiert werden. Zu diesem Zwecke hit die Friedberger Lehranstalt aus dem Kreis Friedberg 30 Vertrauensleute zu einer Bespre­chung eingeladen, die in der Hauptsache dazu biente. Qlufllärung $u geben über Krankheiten unb Schädigungen, die an allen unseren Kultur­pflanzen auftreten. Erfreulicherweise hatten säst alle her Eingeladenen. die meistens ehemalige Schüler der landwirtschaftlichen Schulen Fried­berg und Butzbach sind, sich eingesunden. In seiner einleitenden Ansprache begrüßte Direktor Dr. Schad die Erschienenen, besprach dann die Organisation des Deutschen Pflanzenschutzdienstes und dankte für die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit. Große und volkswirtschaftlich wichtige Aufgaben harren auch in dieser Beziehung der Bearbeitung. Erwähnt sei nur beispielsweise die gemarkungs­weise 'Bespritzung der Obstbäume, mittels der dem Kreisobstbauverein zur Verfügung stehenden Motorspritze, die planmäßige Durchsührung der öaatgutreinigung mit neuzeitlichen Maschinen auf genossenschaftlicher Basis, die Einführung der Trockenbeize und anderes mehr. Anschlieftenb hieran referierten Studienrat DrHeß1er über Krankheiten und Schädlinge des Obstbaues", Landwirtschaftsrat Dr. Dienst über .Beschädi­gungen an Getreide", Landw-Ass. Dr. Heß über Beschädigungen an Hackfrüchten". Eine rege Dis­kussion schloß sich an die Referate an bei der das große Interesse zum Ausdruck kam. das alle Anwesenden dieser wichttgen Sache entgegen« bringen. Die Veranstaltung schloß mit einem Dang durch den Lehr- und Versuchsgarten der Lehranstalt und in die anschließenden Felder. Hierbei wurden noch praktische Untertoc Hungert gegeben. Den Teilnehmern war Gelegenheit ge­geben, sich von der Arbeit der in der Lehranstalt stehenden Motorspritze zur Bekämpfung der Obst- bauschäblinge zu überzeugen.

ihr. Für ein paar Groschen verschenkte ich mich. Liber der Mensch, der mich las. vergas mich nie. Was ich ihm erzählte, das nahm er mit in sein Leben, damit er gut und glücklich wurde. Unb als der alte Bahnmeister, bet im­mer unb immer wieder bei mir zu Gaste war. aus seinem Sterbebette lag, da dachte er einen Augenblick noch an mich und grüßte mich, als er in die Ewigkeit ging. - - O, ich kann nicht sterben, wenn man mich auch in den Ofen wirft! Ich werde nicht schlecht, wenn ich auch unter Lumpen liege. Fragt doch die Menschen, die euch besessen haben, fragt sie doch, ob ihr sie glücklich gemacht habt?---Ach. ich glaube,

fie kennen euch gar nicht mehr Was mit mir geschieht? Was kümmert's mich, Ich bin wie das reine, klare Wasser unb wie das Brot unb wie das Kerzenlicht.'

Ach du!" trumpfte Rick Carter auf.Du er­bärmlicher Philister! Tausend Iungenhände grif­fen fiebernd nach mir. Unb du? Ein einziger war dein Freund!"

Du hast schon recht. Aber kannst du dich noch entsinnen der Jung en äugen, die dich lasen?"

Rick Carter war stumm.

Don bem Mann, der mich fein ganzes Le­ben hindurch bewahrte, weiß ich noch jede Falte auf seinem Gesicht. Ja, ich kenne sogar sein Herz und alles, was er mit diesem Herzen tat;---da war ich dabei."

Und ich?" flötete neugierig die Madonna hn Schlafcvupe.

-Ach du", sprach die Geschichte von Raabe. Du warst einmal drei Monate modern. Wer für dich 2 Taler ausgab, bereute es schon längst "

Da öffnete sich kreischend die Tür. Die drei lagen da wie Ertappte, die nicht erwischt wer­den wollten. 3m Flinkerlicht einer Laterne sahen fie ein altes, umherspähendes Frauenangesicht.

Da wurden sie alle drei ergriffen und nach unten gebracht, in eine kleine Stube. Licht war da unb Wärme und ein Uhrenschlag an der Wand.

Die alle Frau nahm den Rick Carter unb die Madonna im Schlafcvupe unb warf beide ohne Wimperzucken in den Ofen, der sie heiß­hungrig auffraß. Und während die beiden flat» fernb im Ofen vergingen unb in die Hölle fuhren, saft die alte Frau über der Geschichte von Wilhelm Raabe und war für eine Abend­stunde im Himmel ihres HerzenS.