Ausgabe 
9.3.1928
 
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Nr. 59 Erster Blatt

118. Jahrgang

Zreltag, 9. Mür; 1928

Erichen»! rügltch,ontzer Sonntag» nnb feiertags.

Beilagen.

©teßenei FamiliendlSNer Heimat im Bild Die Scholle

Dlonats-BeingspreU: 2 Reichrmard und 20 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanl chiafle: 51, 54 und 112 Anlchrist für Drahtnach­richten Snjelgerleften.

postschecktonro.

Jranffnrt am Main 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck vnö Verlag: vrühl'fche Untversilütr-Vuch- nnö Stetnöruderet R. Lange ht Sietzen. Schriftiettung unö Seschäflrftelle: Zchnlftratze 7.

Lnaahm« oon Bnjelgcn für die lageenummer ois zum Rach mittag vorher.

Preis für l mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Drelte örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig^ für Re» Klameanzeigen oon 70 n m Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20 . mehr.

Chefredakteur

Dr Friedt Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyrrot, für den übrigen Teil ifrnft Dlumschein: für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in (Biegen

Spaniens und Brasiliens Rückkehr zum Völkerbund.

Eine Aufforderung des Ratspräsidenten. Oer rumänisch-ungarische Opiantenstreit beschästigt erneut ohne Erfolg den Vötterbundsrat.

Spanien und Brasilien kehren in den Völker- bund zurück, ihre vor anderthalb 3ahren ein- gereichten Kündigungen werden anulliert, so daß le beiden Mächte nach tote vor Mitglieder des Bundes verbleiben. Diese Tatsache muh auf bad lebhafteste begrüßt werden. Gerade für Deutschland bedeutet diese Rückkehr ein be­sonderes Ereignis: fiel doch der Austritt beider Mächte tn die Zeit, in der Deutschland als Mit­glied deS Bundes einen ständigen Sitz im Rat tzugeteilt erhielt. Damals waren die Fragen um das Reglement bei den Wahlen der nichtständi­gen Mitglieder aktuell geworden und man be­mühte sich, einen Modus zu finden, der einmal den Interessen der kleineren Staaten entsprach und zum anderen einen geeigneteren Turnus ge­währleistete. Dah beide Länder, Brasilien sowohl als auch Spanien niemals in ihrem Austritt auS dem Bunde eine Spitze gegen Deutschland sehen wollten, haben sie in ihren seinerzeitigen Erklärungen auch klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. Brasiliens Grund zum Austritt war, wie es in der Role der brasilianischen Re­gierung an das Dölkerbundssekretariat hieß, die am 10. Juli 1926 Mello Franco überreichte, der, dah Brasilien Im Völkerbund ausschließlich einen Bund europäischer Groß­mächte sah. Diese Ansicht war schon einmal von einem anderen südamerikanischen Lande, näm­lich Argentinien, vertreten worden. Auch damals handelte es sich um Bersassungssragen und Argentinien glaubte, dabei eine Benachteili­gung der außereuropäischen Staaten erblicken zu müssen. Spanien trat unmittelbar in den Tagen des Eintritts Deutschlands in den Völker­bund aus dem Bunde aus. Ausdrücklich spricht Spanien in seiner Rote vom 8. September 1926 seine wärmsten Wünsche für den Eintritt Deutsch­lands aus, und begründet seinen Austritt mit der Reorganisation des Völker­bundsrates in bezug auf die ständigen Sitze. Man wird sich dabei erinnern, daß für Spanien die damals noch ungelöste Tanger- fr a g e eine nicht minder wichtige Rolle spielte, und manche Gründe für seinen Austritt mögen wohl von hier aus ausgegangen fein.

Ohne Frage bedeutet der Entschluß beider Länder, ihre Kündigung auszuheben, ein be­deutsames Ereignis in der Geschichte des Völker­bundes, der sich doch nach den einleitenden Sätzen der Dölkerbundssahung die Förderung der Zusammenarbeit unter den Rationen und die Gewährleistung des internationa'en Frie­dens und der internationalen Sicherheit zur Aufgabe gemacht hat. Ein Bund der Völler kann er und wollte er ja auch nur deshalb sein, weil ihm alle Völker angehören sollen. Erst bann wird es möglich sein, auf dem Wege gegen­seitigen Austausches der Meinungen ein Völker­schiedsgericht zu schaffen, das sich überall durch- zusehen in der Lage ist. Die wertvolle Arbeit, die seinerzeit sowohl Spanien wie auch Brasilien im Bunde geleistet haben, ist immer anerkannt worden. Ihre Rückkehr zum Bunde verspricht deshalb auch, daß sie, die sich immer für den Frieden der Welt eingesetzt haben, fortan eben- folch wertvolle und nützliche Arbeit leisten wer­den. Man kann nur hoffen, daß nunmehr auch Argentinien, das ja bisher noch nicht formell aus dem Bunde ausgetreten ist, sondern sich feit 1920 jeder aktiven Arbeit ent­hielt, sich nunmehr auch wieder zu einer solchen aktiven Arbeit entschließen wird. Hier liegt ja der Fall etwas anders, als Argentinien seinen Beitritt noch nicht durch fein Parlament ratifizieren lassen konnte, was auf innerpolitische Schwierigkeiten zurückgeführt werden muß. Es sind aber starke Bestrebungen im Gange, diese Ratifikation nunmehr durchzusühren und Argen­tinien wieder aktiv in Genf mitarbeiten zu lassen.

Oie Zniiiative des Ratspräsidenten.

Genf, 8. März. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Dormittagssihung des Völkerbundsrats verlas der Ratspräsident Urrutia (Uruguay) eine Erklärung, in der er zu den Austritts­erklärungen Brasiliens und Spa­niens, die Mitte 3uni bzw. Anfang Dezember wirksam werden, Stellung nahm und der Meinung Ausdruck gab, dah der Völkerbund zu dieser Möglichkeit nicht schweigen werde Es müsse geprüft werden, ob die im Iahre 192o vorhandenen Gründe noch bestehen und ob sie auch heute noch fo stark feien, daß der Entschluß Brasiliens und Spaniens endgültig und irrepara- bal werde. Urrutia schlägt deshalb eine De­marche des Völkerbundsrates vor, durch die den beiden Staaten ein neuer Beweis der außerordentlich großen Bedeutung gegeben würde, die er der Mitarbeit öic;er beiden Staa­ten im Völkerbund und an der Sache des Frie­dens beimiht. In dieser Hinsicht erklärte er sich bereit, im Rainen des Völkerbundsrates zwei Briese an Brasilien und Spanien zu richten und für eine der nächsten Sitzungen den Wortlaut und eine entsprechende Entschließung dem Dölkerbundsrat vorzulegen. Diese Ini­tiative des Ratspräsidenten fand sofort Die

Unterstützung Chamberlains, der sich jedoch zu der Sache selbst erst nach Vorlage der Briefe und des Entschließungsantrages äußern wollte. Auch die übrigen Ratsmitglieder gaben ihrer Zustimmung lebhaften Ausdruck, wobei das chilenische Ratsmitglied D i 11 e g a s das große Interesse betonte, das insbesondere d i e südamerikanischen Staaten an der Wiederaufnahme der Zusammenarbeit Brasiliens und Spaniens im Völkerbund haben.

2Reid)6minifler Dr. Stresemann erklärte, er habe stets es als ein besonders schmerzliches Zusammentreffen der Ereignisse empfunden, dah in dem Augenblick, als Deutsch­land in den Völkerbund eintrat, zwei große Ra­tionen ihre Mitarbeit am Völkerbund einstell­ten, wodurch eine empfindliche Lücke ent­standen sei. Dieser Meinung habe er verschie­dentlich und auch bereits in seiner ersten Rede vor der Völkerbundsversammking im Herbst 1926 Ausdruck gegeben, zumal da Spanien und Bra­silien zwei Länder seien, mit Denen Deutschland in nahen und freundschaftlichen Be­ziehungen stehe. Der Wert ihrer aktiven Mitarbeit im Völkerbund brauche daher von ihm nicht besonders hervorgehoben zu werden. Beide Länder seien zweifellos berufen, in Zukunft im Interesse des Völkerbundes erneut sehr wertvolle Dienste zu leisten. Er könne daher nur aufrichtig die Initiative des Ratspräsidenten begrüßen, die dahin gehe, beide Länder zur Wieder­aufnahme ihrer Arbeit im Völkerbund zurück­zugewinnen. Ratspräsident Urrutia betonte, oah die einstimmige Unterstützung seiner Initia­tive durch sämtliche Ratsmitglieder eine denk­würdige Kundgebung darstelle, die eine größere moralische Bedeutung besitze als Der nunmehr an belDe Regierungen zu richtende förmliche Appell.

Oer rumänisch-ungarische Optantenstreit.

Die alten Gegensätze in unverminderter Schärfe.

Bei Der Beratung des zweiten Punktes Der Tagesordnung, des rumänisch-ungari­schen Optantenkonfliktes, gab zunächst Chamberlain als Berichterstatter eine kurze Darstellung der Entwicklung der Angelegenheit, die den Rat bereits seit 1923 beschäftige. Er er­innerte an die Vorschläge, Die das Ratskomitee im September vorigen Jahres unter Zustimmung Der Ratsmitglieder ausgearbeitet hatte, und an Die Aufforderung des Rats an die beiden Re­gierungen, durch direkte Verhandlun­gen eine Lösung zu suchen. Bei dieser Sachlage sei es vor weiterer Stellungnahme des Rates angezeigt, daß zunächst Die beiDen Parteien mitteilen, was sie inzwischen unternommen haben. Diesem Gesuch entspricht Titulescu mit dem Hinweis, seine Regierung habe bereits im Dezember Dem Rate telegraphisch mitgeteilt, Daß sie den Ratsbericht vollinhaltlich a n n e h m e.

Graf Apponyi erinnert Daran, dah Die im Ratsprinzip enthaltenen Drei Grundprinzipien nur a l s Empfehlungen angenommen wor­den seien. Die rumänische Regierung habe jedoch der ungarischen erst vor 14 Tagen eine amtliche Antwort auf ihre im Dezember gemachten Transaktionsvorschläge zukommen lassen.

Diese Antwort wurde von (fyraf Apponyi ins­besondere deswegen kritisiert, weil die rumä­nische Regierung oon Ungarn vor Auf­nahme der direkten Verhandlun­gen den Verzicht aus ihren eige­nen Rechts st andpunkt verlangte und ferner, weil die Antwort den Charakter eines Ultimatums trage, was absolut unannehmbar sei. Der rumänische Vor­schlag bedeute ungefähr den Verzicht auf zehn bis elf Millionen Franken, denen der Wert von 150 Millionen Hektar Land gegenüber- ftünben.

Das sei kein Verhältnis, das für eine ernst­gemeinte Transaktion in Frage kommen könnte. Bei dieser Sachlage könne die ungarische Re­gierung nur ihren Antrag wiederholen, dah der Rat auf Grund des Artikels 239 des Ver­trages von Srianon einen neutralen E r - satzschiedsrichter in das gemischte rumä­nisch-ungarische Schiedsgericht ernenne.

Titulescu wies Den vom Grafen Apponyi erhobenen Vorwurf de.- uitimatiüen Charakters zurück. Er betonte, daß Rumänien gezwungen sei, die Vorbedingungen juristischer Art zu stellen, da sich sonst eine privilegierte Behand­lung der ungarischen Optanten ergeben tonnte, durch Die die rumänische Regierung sich der Ge ahr aussetzen würde, dah auch die übri­gen Optanten ähnliche Forderungen an _ sie stellen. Rumänien, dessen Währung gegenwärtig sch echter stehe als diejenige älnaarns, könne sich ohne schwere Gefahr nicht uferlosen Ans rächen wegen feiner Agrarreform ausfetzen. Rach dem Pariser Abkomn.en von 1922 über die Ver­teilung der Red a a t i onsza hlun gen habe Ru­mänien Den größten Teil feiner For­

Derungen von Oesterreich und Un­garn zu erhalten, und wenn Apponyi eine Anrechnung hieraus als ein Luftschloß bezeichne, so beweise das. dah er Die Hoffnung auf Zah­lung Der Reparationen Durch Ungarn ebenfalls für imaginär halte. Rumänien könne sich unter keinen Umständen eine Kriegsentschädi­gung mit Passivsaldo gefallen lassen.

Graf Apponyi führte darauf aus, der vom Rat im September angenommene Voranschlag habe den Charakter einer Verhandlungsgrundlage für beide Parteien, nicht aber einer end­gültigen Entscheidung, und Ungarn fei also zu feiner Annahme nicht verpflichtet.

Mit sehr eindrucksvoll ootgetragenen grund­sätzlichen Erwägungen warnte Gras Apponyi im Schluhteil feiner Rede davor, daß der Rat zum Kassationshof für die Rechtspre­chung internationaler Gerichte gemacht werde, da sonst das Recht der Politik unter- geordnet werde. Wenn der Rat sich nicht entschließen könne, die von Rumänien zurück­gezogenen Richter zu ersehen, so gebe es nur noch den Weg der Einholung eines Gutachtens beim Haager Internationalen Gerichtshof darüber, ob die im Berichte des Rates au gefteUten Grundsätze den Bestim­mungen des Vertrages von Trianon ent­sprechen.

Nach der fast anöerthalbftünbigen Replik des Grasen Apponyi vertrat T i t u l e s c u mit aller Ent- schiedenheit den Standpunkt, daß Ungarn nichts anderes als eine Dorzugsbehandlung für

die ungarischen Optanten erreichen wolle. Wenn Un­garn den vorliegenden Ratsbericht und einen Ver­gleich auf der Grundlage eines teilweisen Erlasses der Reparationszahlungen annehme, so sei Rumä­nien bereit, über die Summe selbst weiter zu ver­handeln. Unter Berufung aus den Bericht des Rates sprach sich Titulescu sehr entschieden gegen b i e Stellung von Ersatzrichtern für das un­garisch-rumänische Schiedsgericht aus, ebenso gegen oieEinholung eines Gutachtens bei dem Haager Gerichtshof.

3m Anschluß an die Sitzung ist der Dölkerbunds- rat zu einer anderthalbstündigen Geheimsitzung zusammengetreten, um in Abwesenheit oon Titu­lescu darüber zu beraten, weicher Weg nach den heutigen absolut gegensätzlichen Erklärungen der beiden Parteien zur Beilegung des ungarisch- rumänischen Dptantenftreites beschritten werden soll. Ein Ausweg wurde noch nicht gesunden, so daß die Weiterberatung auf morgen vormittag vertagt werden mußte. Es schien wenig Neigung vorhan­den zu sein, die Angelegenheit in irgendeiner Form dem ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag zu überweisen, da bei der gegensätzlichen Auf­fassung der beiden Parteien Möglichkeiten zur juri­stischen Lösung des Konfliktes kaum mehr vor­handen sind. Es hatte nunmehr den Anschein, daß man im weiteren Verlause der Beratung nach der Möglichkeit einer finanziellen Trans­aktion sucht, mit der sich Ungarn einverstanden erkläre« könnte, andernfalls bliebe für diese Tagung kaum etwas anderes als die weitere Ver­tagung der Frage übrig.

Ernste Lage in Arabien.

Ibn Saud greift Transjordanien an. - Englische Abwehrmaßnahmen.

London, 8. März. (WTB.) Don den ®ren- zen Arabiens liegen heute ernstere Rachrichten vor, Die Darauf hindeuten, Daß im nördlichen Gebiet Die kriegerischen Wahabiten bereits Den von Ibn Saud verkündigten Heiligen Krieg be­gonnen haben. Eine britische Abteilung von zehn Panzerwagen, zehn Flugzeugen und einer Anzahl von Transportwagen ist in Der Rahe Der Grenze von Redschd südwestlich von Basra stationiert. Marinetruppen und Matrosen Des Kriegsschiffes »Emerald" Durchziehen täglich die Straßen. Es wird berichtet, daß kleine Abtei­lungen von Wahabiten Dörfer im Trans- jordanland angegriffen und beseht haben und daß die Automobilstrahe von Bagdad nach Damaskus zeitweilig unterbrochen sei. Die Regierung von Palästina trifft nach Dc- riebten aus Jaffa beschleunigt V e r t e i d i - gungsmaßnahmen. Alle auf ilrlaub befindlichen Offiziere und Mannschaften sind zu- rückgerusen worden. Die in Pamle in Palästina stationierte zweite Panzerwagenkompagnie der britischen Luftstreitkräfte ist gestern abend nach Amman abgegangen. Aus Aegypten sind Trup­pen und Flugzeuge, von denen jedes 20 Mann fassen kann, nach Amman abgesandt worden.

In informierten Londoner Kreisen verlautet, daß in Kürze Verhandlungen mit 3b n S-a u d eröffnet werden sollen, um klarzulegen, welche Fragenerneugeregeltwissen will. Ibn Saud, Der dem britischen diplomati­schen Vertreter in Mekka ersuchte, die britische Regierung solle sich verpflichten, keinen Ein­spruch gegen den von ihm getätigten Waffen­einlauf zu erheben, wurde die Antwort zu­teil. dah Großbritannien Den Waffenexport nicht behandeln werde, wenn er sich verpflichte, seine Aufträge bei britischen Firmen in Ucber- einstimmung mit Der Konvention über Den Waffenhandel zu tätigen.

Oie Lirfache der Unruhen.

L o n d o n , 9. März. (WTB. Funlspruch.) Der be­kannte britische Arabienkenner, St. I o h n Philby, der britischer Hauptvertreter im Transjordanland oon 1921 bis 1924 war, drahtet derDaily News and Westminster Gazette" aus Dscheddah über die Lage an der Jrakgrenze: Nach zuverlässigen Infor­mationen hat das Bestehen der Behörden des Irak und des Transjordanlandes auf den Bau oon Forts an der ganzen Grenze den Beduinenstäm­men ernste Besorgnis verursacht. Die augenblickliche Beunruhigung ist allein dem Bau des Bu,aiya-Forts an der Grenze von Nedfched zuzuschreiben. Der all­gemeine Eindruck in Dscheddah ist, daß Großbritan nien wünscht, die Vertragsgrenzen auszu- dehnen fürden Bau einer strategisch en Eisenbahn von Akaba nach Basra. Die Verwirk­lichung einer solchen Absicht würde allgemeine Er­regung verursachen und 3bn Sauds Bemühungen, die Stämme zu beruhigen, erschweren. Es heißt, daß Sir Gilbert C l a y t o n (der letztes Jahr für Groß­britannien den Dfcheddah-Dertrag abgeschlossen hat und sich zur Zeit in London befindet) nach D s ch e d- dahkommen wird, um die Lage zu erörtern. Dies würde zweifellos die beste Lösung fein, weil jeder Bruch der Dertragsverpflichtung zum Schaden der Unabhängigkeit Arabiens ernste Unruhen ver Ursachen würde. Ibn Sauds Haltung ist vollkommen

freundschastkich, er protestiert nur gegen Aktionen, die die Stämme beunruhigen. Die Annahme, daß Ibn Saud seine Autorität über die Stämme verliere, ist lächerlich.

Oie Gtudentenunruhen in Aegypten.

Demonstration gegen den Englandvertrag.

Kairo, 8. März. (WTB^) In Kairo, Assiut unö Bantah tarn es heute bei Demonstra­tionen Der streikenden ©tuDenten zu ilnruben, bot Denen verschieDene Personen, Darunter auch einige Polizisten, Verletzungen er­litten. An Den älncuhen waren nur Die streiten­den Studenten beteiligt. Wie verlautet, wurde n»r ein Ausländer verletzt, und zwar der Leiter der amerikanischen Hochschule in Assiut, Dr. Russe, dessen Studenten die Teilnahme an Dem Streik ablehnten, nachdem sie dazu von Den ©tuDenten der Scheich-Schule aufgeforDert wor­den waren. Letztere griffen das Schul­gebäude an unö zertrümmerten Die Fenster­scheiben mit Steinwürfen. konnten jedoch zurück- gedrängt werden. 3n Kairo unternahmen Die Studenten einen Angriff a u f das Haupt­quartier Der Ratio-nalisten, tour» Den jedoch von Der Polizei unö den An­gestellten des Hauptquartiers zerstreut. 3n T a n t a h verbrannten Studenten Drei Auto­mobile, Darunter Das des ägyptischen Komman­danten. 3nsgesamt wurden bei Öen Unruhen 23 Studenten unö 8 Polizisten verletzt. Die Zahl^ der Aufständischen in Kairo, die Die Pol zei an- griffen unö mit Steinen beworfen haben, betrug 1500. Die Polizei trug Stahlhelme unö Schilder als Schuh gegen den Steinhagel. Der Dorsizende Der Kammer unö Führer des Wasd, R a h a s Pascha, beschwor Die Studenten, sich nach Hause zu begeben. Rach weiteren Ausschreitungen wurde fein Rat befolgt, und Die Mehrheit der Stu­denten zerstreute sich.

Die Eingeborenenbewegung auf Samoa.

Wellington, 8.März. (WTB.) Die Behör­den hobeil das Urteil von sechs Mona­te n Gefängnis auf, das in Apia gegen die 400 Mitglieder der illegalen Polizei vcrhästgt wor­den war und wiesen die Verurteilten an, in ihre Dörferzuruckzukehren und mit den loyalen Eingeborenen zusammen zu arbeiten. In den einzel­nen Gebieten werden Versammlungen abgehalten, in denen die Fragen behandelt werden, die einer Aende- rung bedürfen. Der Gouverneur erklärte, er sei der Ueberzeugung, daß die Eingeborenen oon Euro­päern verleitet worden seien. Ein Teil der Mau-Eingeborenen habe seine Abgaben entrichtet.

Spanischer Besuch in Berlin.

Berlin, 8. März. (WTB.) Der frühere spanische 3nnenminifter Antonio Goicechea ist in Berlin eingetroffen und in Begleitung des spanischen Botschafters vom Herrn Reichspräsiden­ten empfangen worden. Der Besuch des Ministers, der insbesondere der Berliner elektrischen 3n- dustrie sowie den Luftschifsanlagen fein 3nteresse