Ausgabe 
9.2.1928
 
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wurde, die Zurückziehung ihrerKontroll- beamten aus Frankreich zugestehen. Da unser Handelsvertraa mit Amerika auf der Basis gegen­seitiger Meistbegünstigungen bericht, von der wir allerdings bisher keine Vorteile hatten, weil die Amerikaner grundsätzlich keinem Staat Zoll­zugeständnisse machen, versteht es sich von selbst, daß dieser günstige Umstand auch uns zugute kommen muß. Bezeichnend für die Ohnmacht der europäischen Staaten man denke nur an Groß­britannien! ist es aber doch, daß sie diese Han- delsspionage dulden und es nicht wagen, die ameri- kamschen Agenten des Landes zu verweisen.

Britischer Mißerfolg in Indien Die Inder lehnen die Mitarbeit an der Berfassungsreform ab.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Febr. Die Londoner Regierung hat vor einiger Zeit eine Kommission nach In­dien geschickt, deren Aufgabe es sein sollte, die Resultate der 1921 in Kraft getretenen indischen Verfassungsreform zu studieren. Diese Kmn- mrision, die unter Führung von Sir John Simon steyt, wurde aber wenig freundlich empfangen. Es kam bei ihrer Ankunft zu blutigen Demon­strationen, die im ganzen Lande eine starke Empörung auslösten. Die Kundgebungen richteten sich aber weniger gegen die Kommission selbst als gegen das Verhalten der Londoner Regierung, die es abgelehnt hatte, mit den Indern zusam­menzuarbeiten. Sir John Simon war aber wesentlich vernünftiger als seine Auftraggeber. Er machte den Vorschlag, daß die Indier sieben Vertreter in die Kommission entsenden möchten, wodurch sie dann die Möglichkeit haben würden, auch ihrerseits zur weiteren Verbesserung der Verfassung Vorschläge zu unterbreiten. Dieses Angebot ist aber bei den Indern auf unfruchtbaren Boden gefallen. Sie haben es a b g e l e h n t, der Kommission beizutreten, darüber hinaus ist Sir John nicht einmal von dem Präsidenten der Gesetzgeben­den Versammlung empfangen worden. Damit haben sie zu erkennen gegeben, daß sie weder von der Kommission noch von möglichen Verbesserungen der Verfassung etwas wissen wollen, die lediglich auf di« Aufrechterhaltung der britischen Herrschaft zugeschnitten ist. Der Kampf geht weiter und die blutigen Demonstrationen der vori­gen Woche werden nicht die letzten gewesen sein.

Nach einer Reutermeldung aus Madras hat die oberste Justizbehörde der Präsidentschaft von Madras dem Ausschuß für die Boy­kottierung der Simon-Kommission untersagt, für die Dauer eines Monats Konfe­renzen zur Organisierung desHaitals" (Streik und Trauerkundgebung) während des Besuchs der Simon-Kommission in Madras abzuhalten. Der Anschlag von Plakaten und die Organisierung von Freiwilligen, die Propaganda gegen die Kommission treiben sollen, sind ebenfalls unter­sagt.

Regierungskrisis in Norwegen

Das Arbeiterrabinett HornSrud gestürzt.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Febr. Die letzten norwegischen Wahlen ergaben zur allgemeinen äleberraschung ein so starvrS Anwachsen der sozialistischen und kommunistischen Stimmen, bah der Sozial- hemokratte die Regierungsbildung ü b e r l a s s e n werden muht«. Der König hat auch das Kabinett Hornsrud bestätigt, das nun daran ging, zunächst den Etat gehörig zu­sammenzustreichen und vor allem auch eine Ver­kleinerung der Wehrmacht ins Auge zu fassen. Unterstützt wurde dieses Kabinett im Parlament von der demokratischen Benstrepartei. In den wenigen Tagen ihres Bestehens ist es aber zu mancherlei unliebsamen Erscheinungen gekommen, die man allgemein auf die Ausliefe­rung der Regierungsgeschäfte an Sozialdemo- kraten uni) Kommunisten zurückführt. Es machte sich namentlich eine starke Kapitalflucht in das Ausland bemerkbar, so daß sich für die norwegische Währung ernste Ge'ahren ergaben. Das hat die Benstrepartei veranlaßt, dem Kabi­nett seine Unterstützung zu entziehen. In­folgedessen ist im Storthing ein von der bürger­lichen Limen cestellier Mihtrauensantrag angenommen worden. Damit ist die sozia­listisch-kommunistische Regierung schon wieder g e- stürzt. Norwegen ist aber dadurch vorerst um nichts gebessert. Sozialdemokraten und Kommu­nisten sind im Storthing so mächtig, daß man gegen sie nicht regieren kann. Schreiten sie nun ihrerseits zur Offensive, dann wird es zu keiner arbeitsfähigen Negierung kommen, so daß schließlich nichts anderes als die Aus­schreibung neuer Wahlen übrig bleiben wird. Der Premierminister des gestürzten Kabinetts der Arbeiterpartei wird voraussicht­lich dem König empfehlen, den Leiter der Radi­kalen Partei, den vormaligen Ministerpräsiden­ten Mowinckel, mit der Bildung der neuen Regierung zu betrauen. Mowinckel hat erklärt, wenn der König ihn um die Bildung einer neuen Regierung ersucht, so werde er ein nur aus Radikalen zusammengesetztes Ministe­rium bilden.

Oie fremden Konsuln Aeuyorks auf dem LloyddampferColumbus^.

Neuyork. 3. Febr. (WB.) An Bord des Dampfers des Norddeutschen Lloyd,Colum- b u s fand gestern das dritte Jahresdiner und Ball der Bereinigung der frem­den Konsuln Neuyorks statt, der 67 Kon­sulaten angehörten. Die beiden früheren Jahres- vmers waren an Bord englischer Damp° s e r veranstaltet worden. Bei der gestrigen Ber- anstaltung sprachen der Kommandeur des zwei­ten Armeekorps Generalmajor Ely. der frühere Gouverneur Miller und der Mteilungschef nn Staatsdepartement Nelson Johnson. Der Grundton ihrer Reden war auf Bölkerverständi- gung gestimmt. Miller hob als gutes Zeichen Jj*Et l1}06 Verständigung hervor, daß dieses Festmahl auf einem deutschen Dampfer stattsmde. Der Dorsihende der Ber­einigung der Reuyorker Konsuln, der britiscke Generalkonsul Sir H. G. A r m st r o n g . dankte für die Heberlassung des Dampfers. Auf Wunsch Armstrongs waren die deutsche und die amerikanische Flagge als einzige Flag­gen angebracht, und auf seinen Wunsch spielte auch das Orchester am Schluß der Feier die deutsche Nationalhymne

Das Mieterschutzgesetz.

Aenderungsvorschläge im Reichstag.

Berlin, 8. Febr. Die zweite Beratung des Entwurfes zur Aenderung des Mieterschutzgesetzes wird fortgesetzt. Abg. H ö l l e i n (Komm.) nennt die Vorlage einen Wechselbalg, eine Verbeugung des Bürgerblockes vor dem Terror des Haus- agrariertums. Die Freunde der Wohnungs- zwangswirffchaft beirutzten Drohungen und K o r r u p t i o n zur Durchsetzung ihrer Zwecke. Sie hätten sogar Abgeordneten 500 Mr. für einen Vortrag in ihrem Sinne geboten. (Hört, hört!) Ein sachlicher Grund zur Aenderung der Mieterschuhgesetzgebung und zur Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft sei. nicht vorhanden.

Abg. Dr. Jörissen (W. Bg.) erhofft von der Vorlage eine kleine Verbesserung in der Stellung der Hausbesitzer, die unter dem jetzt herrschenden Wohnungsbolschewismus völlig rechtlos geworden seien. Die meisten Parteien hätten sich leider von den Wohnungsbolschewisten ins Schlepptau nehmen lassen und auch der Re­gierung fehle der Mut, mit der bolschewistisch be­einflußten Wohnungszwangswirtschaft Schluß zu machen. Der Redner bedauert, daß die An­träge der Wirtschaftspartei auf Erleichterung des Wohnungswechsels im Ausschuß abgclehnt worden seien.

Abg. Winnefeld (D. Dp.): Der Antrag der Wirtschastspartei sei unannehmbar gewesen. Die Wohnungszwangswirtschaft könne nicht mit einem Schlage aufgehoben werden, wenn ihre Lockerung auch notwendig sei. Der vorliegende Entwurf komme den Bedürfnissen der Haus­besitzer entgegen: aber ein bescheidener Mieter­schutz sei erforderlich, um Ruhe und Ordnung im Reiche aufrecht zu erhalten. Wenn Dr. Jörissen die Haltung der Regierungsparteien im Aus­schuß scharf angriff, so habe er wohl vergessen, daß er selbst den meisten Anträgen dieser Par­teien zugestimmt hat. (Hört, hört!) Der Redner wünscht ein« B e f r i st u n g des Gesetzes nur bis 1929. Die Wohnungsämter sollten vollständig beseitigt werden.

Keichsjustizminister Hergi

weist darauf hin, daß nach der preußischen Ver­ordnung der Mieterschutz bestehen bleibe f ü r die Ateliers von Künstlern, die Teile der Wohnung sind. Es werde aber weiter geprüft werden, wie jede Gefährdung der Künstler durch solche Verordnungen verhindert werden könne, ebenso sei ein Schuh für diejenigen Inhaber gröhererWohn ungen beabsichtigt, die auf die älntervermietung als einzige Ein­nahmequelle angewiesen sind. Bei der bevor­stehenden Wohnunaskonferenz würden diese Fra­gen mit den Länderverkretern und den Haus­besitzerverbänden besprochen werden. Nach einer noch im Reichsrat liegenden Vorlage sollen auch die Fürsorgeverbände eingeschaltet wer­den zugunsten derjenigen Mieter, die sonst eine Mieterhöhung nicht aufbringen könnten.

In der Einzelberatung begründet Abg. No- wack (Soz.) den Antrag, daß der Zustellung der Kündigung ein Sühnetermin vorauS- gehen müsse.

Ministerialdirektor Oegg bestreitet, daß di« Richterschaft sich einmütig gegen die Novelle ausgesprochen habe. Tatsächlich werde durch den Entwurf am materiellen Recht nichts geändert, sondern nur das Verfahren vereinfacht.

Weiterberatung Donnerstag.

Das neue Strafgesetzbuch.

Kein Ende der Ausschutzverhandlnngen abzusehen

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Febr. Das neue Strafgesetzbuch wird bereits seit September letzten Jahres in dem Strafgesetzausschuh des Reichstages Stück für Stück beraten. Aber immer ist noch kein Ende abzusehen, so daß auch niemand mit Bestimmt­heit sagen kann, ob noch dieser Reichs­tag den neuen Entwurf in zweiter und dritter Lesung abschließend beraten wird. Zwar ist derAllgemeine Teil" fertig beraten, zwar sind 100 Paragraphen durchgesprochen, aber d i e dreifache Zahl steht noch aus. Bor allem aber sind noch nicht durchgesprochen die entscheidenden und heute schon heftig umstrittenen Bestimmungen über den Landes - und Hoch­verrat. Gerade .gegen diese Abschnitte des neuen Entwurfes richtet sich eine besonders hef­tige Opposition, die einmal behauptet, daß die geplanten Bestimmungen gerade bei dem Begriff des Landesverrates zu weitgehend seien und daß ihnen eine zuverlässige und klare For­mulierung fehle. Nun muh man berücksich­tigen, daß ohnedies der Strafrechtsausschuß, der in der letzten Zeit allerdings stark durch die recht unruhige große Politik in seiner Arbeit beeinträchtigt wurde, in der Woche durchschnitt­lich nur 10 Paragraphen zur Entscheidung bringt. Man kann sich daher mit Leichtigkeit ausrechnen, wle lange der Ausschuß für die ganzen 300 ubrigblewenden Paragraphen zu arbeiten hat Hinzu kommt noch, daß es bisher meist nur erste Ausschußlesungen waren, in denen des Strafgesetzbuch beraten wurde, und daß eine Reihe sehr wichtiger Probleme für eine zweite Ausschuhlesung zuruckgestellt worden sind. So kanm man annchmen, daß selbst, wenn eine Reichstagsauslosung erst im Herbst stattfinden tollte, das lehige Plenum kaum noch zu einer letzten Entscheidung über das neue Strafgesetz­buch kommen wird. Bis dahin gehen die wichtigen Verhandlungen im Ausschuß mit einigen Ferien­unterbrechungen weiter. Es ist nur zu bedauern, daß man in Deutschland weniger als es z. B. in England der FaN ist, auf geeignete Weise die Oefsentlichkeit über die äußerst interessanten Beratungen unterrichtet, oder sie zur Anteil­nahme an der für jeden einzelnen wichtigen Verhandlungen erzieht.

Auionomistenverfolgung im besetzten Gebiet.

Frankfurt a. M., 8. Febr. (Landespresse- dlenst.) Die französische Kriminalpolizei verhaftete vor einigen Tagen in einem Vorort bei Mainz einen geroiffen 3 a b o t, der dort seit etwa einem Jahr ansässig ist. Zadok kam aus dem Elsaß, wurde aber spater hessischer Staatsbürger. Als Grund der Ver­haftung wurde französischerseits Waffenbesitz angegeben. Diese Verhaftung mußte auffallen, da wegen Waffenbesitz in letzter Zeit keine Verhaf­tungen mehr vorgenommen wurden. Run stellt sich heraus, daß der Grund Waffenbesitz nur «in Vor­wand war. Wir erfahren nämlich, daß Zadok wegen Betätigung in der elsässischen Autono-

miftenbemegung von den Franzosen seit lan­gem gesucht wird. Er wurde ins Elsaß zurückge- bracht und vom Untersuchungsrichter vernommen. Zadok soll Gründer der Mülhausener Autonomisten- gnippe gewesen sein und schon in den Anfängen der Bewegung sich betätigt haben. Bezeichnend ist, daß die Franzosen, da sie ihre Opfer in Deutschland auf legalem Weg nicht erreichen können, die Besatzungs­macht ausnutzen, um mit Hilfe der Ordonanzen ihre Ziele zu verfolgen.

Forderungen der Landwirtschaft.

Der NeichSlandbund in der Reichskanzlei.

Berlin, 8.Febr. (1BB.) Der Stellvertreter des Reichskanzlers, Reichsminifter h e r g t, empfing heute vormittag in der Reichskanzlei in Gegenwart des Reichsministers für Ernährung und Landwirt­schaft sowie der Vertreter der beteiligten Ressorts eine Abordnung des R e i ch s l a n d b u n- des, der die Präsidenten Hepp und Graf Lalckreuth, sowie die Direktoren Kriegs­heim und von S y b e l angehörten. Die Vertreter des Reichslandbundes brachten eine große Anzahl von Forderungen vor, die im einzelnen eingehend durchgesprochen wurden. Sie wiesen eindringlich darauf hin, daß die Landwirtschaft die Maßnahmen, die von der Reichsregierung bisher zur Erleich­terung der wirtschaftlichen Rot des Landvolkes vor­gesehen seien, nicht als ausreichend be­trauten könne. Die anwesenden Mitglieder der Reichsregierung erklärten hierzu, daß es sich bei den bisherigen Beschlüssen der Reichsregierung um ein zusammenhängendes System von Hilfs- maßnahmen handele, dessen weiterer Ausbau mit allen verfügbaren Mitteln durchgeführt werden solle.

SineAotMdgebmgmMderschlefien

Neusalz^ 8. Febr. (WB.) In mehreren aus den fünf Kreisen Nordniederfchlesiens, Grünberg, Sagan, Sprvttau, Frei­st a d t und ® log a u , sowie aus dem Kreise B o m st von Tausenden von Bauern besuchten Notkundgebungen wurde eine Entschließung ge­faßt, in der zunächst das geschlossene Eintreten obne Unterschied der Partei und Konfession für die Forderungen des Reichslandbundes betont und weiter u. a. verlangt wird: Voller Erlaß der Wasserschädenkredite, Uebemahme der Deich­lasten durch den Staat, besondere Hilfsmaß­nahmen für den Pächtcrstand, Bereitstellung aus­reichender Mittel für Meliorationen, Sperrung bet Grenze gegen die Einfuhr polnischer Schweine und Kartoffeln und Neuordnung der Erwerbs­losenfürsorge. Die Staatsregierung wird um eine Beantwortung bis zum 20. Februar ersucht. In einer späteren auf dem Marktplatz veranstal­teten Kundgebung nahm der Hauptredner den Anwesenden den feierlichen Schwur ab, hinter der gefaßten befristeten Entschließung zu stehen und als letztes Notmittel den Marsch der Dauern nach Berlin fest ins Auge zu fassen.

Aus aller Well.

(Eröffnung

des Fernsprechverkehrs DeutschlandAmerika.

Der Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und Amerika wird am 10. Februar nach Austausch enriger offizieller Gespräche voraussichtlich in den späten Nachmittngsftunden auf genommen weihen. 2luf deutscher Seite sind zunächst Berlin, H a m burg und Frankfurt«.M., auf amerikanischer öette alle Orte der Vereinigten Staaten und der Insel Kuba zugelaffen. Die Gebühr für ein gewöhnliches Dreiminulengespräch zwischen Deutschland und der amerikanischen Zone I be­trägt 330 Mk., für jede weitere Minute 110 Mk., Gespräche mit den übrigen amerikanischen 3onen kosten 12 Mk. je Zone mehr. Die Gespräche werden zweckmäßig an dem Vortage oder so früh wie möglich an dem Tage angemeldet für den sie gewünscht werden. Verbindungen werden vom 11. Februar ab täglich zwischen 13.30 und 24 Uhr hergestellt.

Bandenüberfall auf polnische Güler.

3n der Nähe von Lemberg hat sich Montag­nacht ein blutiger äleberfall ereignet, dem im ganzen sieben Personen zum Opfer gefallen sind. Am späten Abend langten auf einem kleinen Vorwerk, das ein ehemaliger Hauptmann bewirtschaftet, vier Herren, ele­gant gekleidet, in einem Auto an, das sie für reparaturbedürftig erklärtem Sie baten um Nachtquartier. Der Hauptmann nahm zwei von ihnen auf und brachte zwei andere bei seinem Gutsnachbar unter. Bald nach dem Schlafengehen bemerkte er seine beiden Gaste in seinem Schlafzimmer. Auf feinen Anruf, stehen zu bleiben und die Hände hoch zu heben, zogen sie Revolver, wur­den aber durch den schnelleren Gutsherrn sofort nieder geschossen. Der geistesgegenwärtige Mann eilte dann sofort zu seinem Nachbarn, um diesen vor einem ähnlichen üleberfall zu bewahren, kam aber bereits z u s p ä t. Der zweite Gutsbesitzer, seine Frau und seine Tochter, lagen in ihrem Blute. Auf einem Schleichwege lief der Hauptmann in seine eigene Besitzung zurück, toeil er annahm, daß nunmehr die beiden anderen Banditen hierher kommen würdem Er täuschte sich auch nicht. Die beiden schlichen sich kurz darauf an seine Wohnung heran, wurden aber ebenfalls von ihm n i e d e r ge s ch o s s en.

Auffindung eines Teils der Bibliothek Newtons.

Die Bibliothek Newtons, oder wenigstens ein leit davon, der bisher als verloren galt, ist in einem Prwathaus in Glucestershire entdeckt worden. Es handelt sich um mindestens 500 bis 600 Bände.

Anfall des Fakirs Blacaman im Zirkus Busch.

_ Bei einer Vorstellung im Zirkus Busch wollte der tfafir Blacaman, nachdem er bereits Hühner, Ka­ninchen und einzelnen Löwen in kataleptischen Zu­stand versetzt hchte, fünf wild gemachte Loroen gleichzeitig hypnotisieren. Hierbei erhielt er von einem Löwen einen Tatzen- l) ieb am linken Unterschenkel, der den Nerv traf und Blacaman so schwer verletzte, daß er seine Vor­führungen abbrechen mußte.

Die letzte Beteranin von 18070/71 gestorben.

3n dem Niederlahnstein benachbarten Frücht ist die letzte noch bekannte Veteranin aus dem Kriege 1870/71 gestorben. Es war die 78jährige Henriette Eppstein geb. Metz, die während des Feldzuges auf den Schlachtfeldern' i m Dienste des Roten Kreuzes tätig war und für ihre heldenhafte Taten eine ganze An- Zahl Auszeichnungen und Anerkennungen er­holten hatte.

Neuer Pfandleiheskandal in Berlin.

Bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht 11 schwebt ein Verfahren gegen einen Pfandleiher im Zentrum Berlins, der sich ähnlicher Betrü­gereien schuldig gemacht hat, wie der Inhaber des Allgemeinen Lombard- und Lagerhauses Bergmann. Er suchte durch Anzeigen Geldgeber und hängte den sich meldeten Leuten als Sicherheit für ihre Einzahlungen völlig wertlose Waren an. Gegen ihn von den Gerichten erlassene Arreste blieben er­folglos, da sich herausstellte, daß alles auf dem Namen seiner Frau steht. Wieder­holt waren gegen den Pfandleiher Haftbefehle erlassen worden, doch verstand er es, sich in jedem Falle geschickt der Festnahme zu entziehen. Der Fall erregt um so größeres Aufsehen, als es sich diesmal um einen staatlich kon­zessionierten Pfandleiher handelt.

Nach der »Voss. Ztg." handelt es sich bei dem neuen Berliner Pfandhausskandal um unreelle Machenschaften des Pfandleihers Bernhard Winter, in FirmaWinter konzessioniertes Leihhaus", in der Friedrichstraße 23£. Bei den Polizeibehörden haben sich bisher etwa 100 Per­sonen gemeldet, denen Winter entweder wert­lose Pfandscheine verkauft, oder denen er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen grö­ßere Beträge zur Führung seines Geschäftes entlockt hat. Winter^ ließ die Konzession auf feine Ehefrau übertragen und arbeitete alsGeschäftsführer" mit einem so niedrigen Gehalt, daß alle Pfändungen frucht- I o s verliefen. Nach dem Muster Beramanns inserierte Winter in Berliner Tageszeitungen und suchteSpareinlagen", die er mit 24 bis 36 v. H. zu verzinsen versprach. Der Umfang, Öen die Betrügereien Winters angenommen haben, wird von den Polizeibehörden augen­blicklich noch nachgeprüft.

Gegen den Inhaber eines Lombardhauses in der Potsdamer Straße sind bei der Kriminal­polizei zahlreich« Anzeigen wegen Untreue ein- gelausen. Die Anzeigen erscheinen so begründet, daß die Kriminalpolizei sich entschlosien hat, das gesamte Material der Staatsanwaltschaft zu unterbreiten, die über die zu ergreifenden Maßnahmen zu entscheiden hat. Ferner sind mehrere Anzeigen bei der Kriminalpolizei ein­gelaufen, die einem der größten Lombardgeschäfte im Zentrum Berlins, das durch seine aufdring­lich« Reklame viel von sich reden machte-, ähn­liche Betrügereien vorwerfen.

Raubüberfall im Südosten Berlins.

Degen 121/, Uhr wurden die Bewohner eines Hauses der Tempelherrenstraße im Südosten der Stadt durch gellende Hilferufe alarmiert. Man fcmd die JnhaberineinesKonfitüren- und Zigarren ladens, eine 6j Jahre alte Frau Priegnih, blutüberströmt mit schweren Kopfverletzungen an der Treppe ihres im Keller liegenden Geschäftes auf. Polizei und F.merwehr brachten sie ins Krankenhaus, wo sie noch ver­nehmungsunfähig öamieöerHegt. Die Beamten des Raubdezernates der Kriminalpolizei unter Leitung des Kommissars Werneburg stellten fest, daß im Laden und in der angrenzenden Woh­nung ein Kampf zwischen der Frau und dem Täter stattgefunden hat. Der Räuber hat die Frau anscheinend überfallen und nie- derges chlagen, während sie sich anschickte, ihn zu bedienen. Was geraubt wurde, lann erst festgestellt werden, wenn die UeberfalLme sich wieder erholt hat.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Westströmung hat weiter angehallen und bas milde Wetter mit vereinzelten leichten Niederschlägen fortbestehen lassen. Da nun Luftmassen polaren Ur­sprungs, die bereits über dem Ozean erwärmt tour» den, folgen, werden auch bei uns wieder die Tem­peraturen sinken, jedoch noch nicht unter den Ge­frierpunkt zu liegen kommen. Dabei bleibt vorläusig das veränderliche Wetter erhalten. Wechselnde De- wölkung mit Aufheiterung und nur strichweise ge­ringe Niederschläge sind zu erwarten.

WettervoraussagefürFreitag: Wech­selnd wolkig, Rückgang der Temperaturen, meist trocken.

WitterungsaussichtenfürSamstag: Zeitweise bewölkt und Temperaturen nachts um Null.

Lufttemperaturen am 8. Februar: mittags 6 Grad Celsius, abends 6,5 Grad Celsius; am 9. Fe­bruar morgens 4,1 Grad Celsius. Maximum 6,7 Grad Celsius, Minimum 3,1 Grad Celsius. Erd- temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 8. Februar: abends 2,8 Grad Celsius; am 9. Februar: morgens 2,6 Grad Celsius. Niederschläge: 0,1 Millimeter.

Wintersport im Vogelsberg (hoherodskopf):

Südwestwind; Wetter: neblig; Temperaturen1 Grad Celsius; Schneehöhe: 20 Zentimeter; Sport­möglichkeit: ziemlich aut.