Ausgabe 
8.11.1928
 
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Platz; er wollte damit das Symbol derunsicht­baren (Saftes* schaffen: des darbenden europäischen Kindes. Im Jahre 1921 wurde er dann zum Handelsminister er­nannt, und mit ungeheurer Arbeitskraft erweiterte er ständig fein Ressort. Er übernahm die Aussicht über das Radiowesen und über die Zivilluftschiff- fahrt; auch bei der Regelung der Auslandschulden zog man ihn au Rate. Außerdem beschäftigte er sich mit landwirtschaftlichen Fragen, und mit Recht nannte man ihn im Ministerium dasMädchen für Alles".

Englands Auffassung der Reparaiionsfrage.

Leine eigenen Schulden an Amerika sollen mit den Reparationen bezahlt werden.

London, 3. Olot). (WTD. Fuickfpruch.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" schreibt: Vergangene Woche haben das britische und das französische Schatzamt Denk- schrrsten über die neuesten Besprechungen zwischen PoincarL und Churchill über den geplanten neuen Reparativ nsausschuß ausgetaufcht. 2lm Montag hat der Schatzkanz-ler dem btalienischen und dem belgischen Botschafter und dem japanischen Ge­schäftsträger eine Rote übergeben, die die bri­tische Auffassung zur Darstellung bringt. Sn ihr wird bargetan, daß d ie bisherigen britischen Zahlungen an die Ber­einigten Staaten durch die Reparations­einnahmen und die Schuldenabzahlungen der al­liierten Schuldner Englands nicht völlig ge­be cf t find und daß das sich ergebende De­fizit bei den künftigen Einnahmen aus beiden Stellen in Rechnung gestellt werden muh, mit anderen Worten, alle Hebers chüsse aus diesen Einnahmen werden, solange es nötig ist, zur Tilgung der Defizits benutzt werden. Diese Rück­stände find hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die britischen Zahlungen an Amerika zwei Jahre vor den Schuldentilgunaszahlungen der Alliierten an Groh-Britannien begonnen haben. Hierüber hinaus enthält die britische Rote nichts sehr Bestimmtes oder Bemerkenswertes. Sie Läßt die Frage des Status und der Zahl der Sach­verstand.gen ziemlich in der Luft. Die bri­tische Regierung beabsichtigt offenbar, die An- fichten Deutschlands, der anderen alliierten Mächte und der Bereinigten Staaten sorgfältig zu er­wägen, bevor sie ihren endgültigen Entschluß über diese Punkte faßt. Tatsächlich ist eine baldige Einigung nicht erwartet wor­den und -war sogar noch bevor die llnsicher- heit infolge des Rücktritts Poincares entstan­den war.

Ein Reichsetat der Sparsamkeit.

Woher neue Steuern nehmen?

Berlin, 8.Koo. (prlo.-Iel.) Das Reichvkabl- nefl, das gestern mit der Beratung de» Reichshaus- holles für 1929 begann, erörterte zunächst die Grundsätze, nach denen der Etat ausgestellt werden soll. Es herrscht Uebereinstimmung darüber, daß e» ein Etat der Sparsamkeit werden, und daß alle nicht unbedingt notwendigen Maßgaben ver­mieden werden müßten, um da» Defizit, da» un­vermeidlich ist, möglichst niedrig zu halten. E» dürfe bereit» al» feststehend angenommen werden, daß da» Defizit im haushalt für 1929, das durch neue Steuern gedeckt werden müßte, erheb­lich unter 600 Millionen Mark liegen werde. Die der fehlende Betrag eingebracht werden und durch welche Steuern neue Einnahmequellen erschlossen werden sollen, darüber liegen Beschlüsse de» Reichs­kabinetts noch nicht vor. Sie bleiben späterer Be­ratung vorbehalten.

Oer künftige Luftschiffbau.

Eckener über Konstruktionsverbesseruugen.

Berlin, 7. Rov. (WTD.) Dr. Eckener über­gibt dem WTB. folgende interessante Erklärung: Meine auf einem Bankett gemachte gelegentliche Aeuherung über die Geschwindigkeit und Sicher­heit desGraf Zeppelin" und mein Ent­schluß, dieses Luftschiff nicht für einen re­gelmäßigen Verkehr über den At­lantik einzusetzen, ist offenbar vielfach miß­verstanden worden, und ich möchte deshalb folgende Erläuterung dazu geben:

Die Erfahrungen insbesondere auf der Rück­fahrt von Amercka haben mir in der Tat die Er­kenntnis gebracht, daß es notwendig ist, die Geschwindigkeit des Schiffes zu er­höhen, wenn man auch bei ungewöhnlicher Wetterlage, wie sie damals herrschte, einen ge­nügend schnellen und einigermaßen fahrplan­mäßigen Luftverkehr über den Ozean durchfüh­ren will. Wir hatten schon beim Bau desGraf Zeppelin" in Erwägung gezogen, mehr Ma­schinenkräfte einzubauen. Wir sahen davon ab, weil die Ausmaße unserer Bauhalle uns zu einer Schiffsform nötigten, die ein verhältnis­mäßig großes Totgewicht der Konstruktion er­gab unb zu einer gewissen Beschränkung bezüglich der Motoren führte. Ein neues Schiff wird mehr Maschinenkräfte aufweifen müssen.

Was die Festigkeit des Schiffes angeht, so glaube ich, daß die ungeheuerliche Bean­spruchung, der das Schiff Über Reufundland unterworfen wurde unb die es ohne jeglichen Bruch ertrug, ein schlagender Beweis für die Zuverlässigkeit der Konstruktion fein müßte. Aber ich bin mir klar darüber geworden, daß man auf transatlantischen Fahrten unter älmständen mit ganz außerordentlichen Beanspruchungen rechnen muh unb daß man in feinen Anforderungen an die Festigkeit der Konstruktion des Guten nie zu viel tun kann. Run haben die erwähnten beschränkten Der- hältnisse unserer Dauhalle uns gezwungen, e i n Verhältnis von Durchmesser zu Länge zu wählen, das statisch nicht g ü n * st i g ist. Wir werden künftig kürzere unb dickere Schiffe bauen, die selbstverständlich unter sonst gleichen Verhältnissen eine größere Bruchfestigkeit haben, unb es ist nach der schon außerordentlich günstigen Erfahrung, die totr im schwersten Wetter mit demGraf Zep­pelin" machen konnten, ganz klar, daß solche noch besseren Schiffen allen Stürmen gewach- s e n sein werden.

Sch möchte ausdrücklich betonen, daß ich den Graf Zeppelin" zwar nicht für geeignet halte, nach einem regelmäßigen BerkehrSplan über den Ozean zu faßten, daß das Schiff aber noch

Oie Kabmeiiskrisis in Frankreich.

Oer Appell an poincars.

Parts, 8. Rov. (WTD. Funkspruch.)Echo de Paris" rst auf Grund der Ergebnisse der Be­sprechungen zwischen dem Präsidenten der Repu- blir und den führenden Politikern der Ansicht, daß Poincar 6, der heute abend ins Elisee gerufen werden wird von Doumergue ersucht werden wird, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen. Das Blatt unter­streicht, daß die Demission des Kabinetts nicht die Folge einer Abstimmung in der Kammer war, was die Lösung der Krise erleichtern müsse, und fährt dann fort:

Gestärkt durch die emgeßolten Gutachten, feine eigene äleberzeugung, die Anficht des Parlaments unb der öffentlichen Meinung wird Doumergue mit Wärme und Rachdruck an den Patriotismus und die Hingebung des großen Staatsmannes appellieren, von dem das gan^e Land die Krö­nung des Werkes erwartet, dem er alle seine Kräfte gew.dmet Hut. Wird Poincarä sich aber überzeugen lassen? Wenn nicht, wird er dann feinen etwaigen Rachf vlger bezeichnen? Unb wenn dies Andrö Tardieu wäre, wird diefer die Ausgabe übernehmen? Wir glauben eS nicht. Dann würbe Drianb unb der Ge­danke eines Ministeriums weitgehender republika­nischer Konzentration übrigbleiben. Abrr Poin- care hat noch nicht sein letztes Wort gesprochen."

Pertinax bezeichnet es imDaily Telegraph" als wahrscheinlich, daß Poincarö die Fortfüh­rung seines Amtes ablehnen werde. Aber selbst wenn er versuchen sollte, ein Kabinett zu bilden, würde es ihm sehr schwer fallen, mit Leuten wie Herriot zu einer Einigung zu kommen. Tatsächlich seien anicheinend die T a ge der Rationalen Union vorüber. Es bestehe Aussicht auf eine lange Dauer der Krise und Persönlichkeiten wie Driand hätten jetzt Aussicht, auf Grund eines Programms der repu­

blikanischen Gemeinschaft Ministerpräsident zu werden.

Oie Aussichten eines Kabinetts der Linken.

Die Stellung der Sozialisten.

Paris, 8. Nov. (TU.) Wie der Dertreter der TU. aus parlamentarischen Kreisen erfährt, hat der Führer der radikalsozialistischen Partei D a l a d i e r bei seinem Besuch im Elysee dem Präsidenten der Republik als Lösung der Krise ein Linksmi- nisterium vorgeschlagen, das sich von den un­abhängigen Linksradikalen (den Anhängern Sou- cheurs) bis zu den Sozialdemokraten erstrecken und folgende Parteien umfassen würde: die Sozialisten, die Republikanischen Sozialisten (die Partei Briands und Painleoss), die Radikalsozialisten (die Partei Herriots) und die Unabhängigen Linksradikalen (Partei Loucheurs). Die sozialistische Partei, die heute in den Abendstunden in der Kammer tagt, dürfte bereits zu diesem Vorschlag Stellung neh­men. Man darf annehmen, daß Perfönllchkeiten in­nerhalb der Partei, wie z. B. Paul-Boncour und R e n a u d e l einen derartigen Dorschlag stark unterftühen werden, der sicherlich auch die Billigung des Dorfitzenden der Partei, Leon Blum, der der Kammer allerdings nicht angehört, finden dürfte.

So zeichnen sich immer genauer die Zukunfts­möglichkeiten ab, auf der einen Seite ein Kabi­nett Poincarö, .dem der rechte Flügel der radikalsozialistischen Parckei angehören würde, auf der andern Seite ein Kabinett der Linken mit Einschluß der Sozialisten. Von einer Minister­präsidentschaft Briands spricht man im Augen- blick weniger, da letzterer sich weigern soll, die große Verantwortung zu übernehmen. Doch dürfte er in den genannten Kombinationen das Portefeuille des Außenministers beibehalten.

Line Zenininisminpellaiion zum LisenkonM

Berlin, 7. Rov. (WB.) Die Zentrums- fraktion des Reichstages hat nach einer längeren Debatte, die sich mit den Aussperrungen in der Eisenindustrie des Ruhrgebietes befaßte, die Einbringung folgender Interpellation an­genommen:

Die nordwestliche Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustriellen hat trotz des am 31. Oktober vom Reichsarbeitsminister für verbindlich er Nörten Schiedsspruches am 1. November die angedrohte Schließung der Betriebe verwirklicht. Dieses Vorgehen bedeutet, unbeachtet der von den Unternehmern geltend gemachten rechtlichen Einwendungen, eine schwere Gefährdung de» aus den Arbeitsfrieden gerichteten Grundgedan- kensde» Schlichtungswesens und hat unabsehbare wirtschaftliche und politische Folgen. Mehr denn 200 000 Arbeiter find mit ihren Fa­milien dadurch betroffen. Infolge der engen Verbindung der Hüttenwerke mit dem Bergbau werden große Massen der Bergarbeiter arbelt»- los. Da» gesamte für diese Industrie tätige Transportgewerbe wird in kurzer Zeit zum Er­liegen kommen. Die gesamte Produktion, der handel, Gewerbe und Mittelstand und die be­troffenen Kommunen werden dadurch aus das schwerste geschädigt. Da» gedenkt die Reichsregierung zu tun, um die durch da» Vorgehen der Arbeitgeber erschütterte A u - toritätbes staatlichen Schlichtungs­wesens und den Arbeitssrieden wiederherzu- stellen, sowie die der gesamten deutschen UJlrt- schast entstandenen Schäden abzuwenden?"

Außerdem hat die Fraktion drei Anträge eingebracht, in denen Gesetzesänderungen über das Schlichtungswesen und Tarifverträge

vorgeschlogen werden, die der Erreichung und Festigung des Arbeitsfriedens dienen sollen. Der erste Antrag will eine Aenderung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- sicherung vom 16. Sui 1927 herbeiführen, und zwar soll § 94 dieses Gesetzes im Abf. 1 den Zu­satz erhalten, daß die in diesem Paragraphen ent­haltenen Bestimmungen Über die Richtzahlung von Arbeitslosenunterstützung bei W'rlfchaftskämpsen keine Anwendung finden sollen, falls die Aussperrung von Arbeitgebern trotz des in Geltung befindlichen Tarifvertra­ges vorgenommen wird, bzw. falls die Aus­sperrung nach Derbindlichkeitserklä- rung eines Schiedsspruches für den Be­reich der ausgesperrten Arbeimehmer als Taris- Partei erfolgt. Für dieses Gesetz wird rückwirkende Kraft ab 15. Oktober 1928 gefordert. Der zweite Antrag fordert die Abänderung der Ver­ordnung über das Schlichtungswesen vom 30. Oft. 1923, und zwar soll in Art. 1 der § 5 einen Zusatz erhalten, wonach, wenn von einer Schlich­tungsstelle ein Schiedsspruch gefällt und dieser von einem Schlichter oder dem Reichsarbeits­minister für verbindlich erklärt worden ist, dieser Berwaltungsakt al» rechtswirksam aruu- sehen ist. Der dritte Antrag sieht eine Aenderung der Derordnung über Tarifverträge vom 23. Dezember 1918 vor, dergestalt, daß der § 1 dieser Verordnung einen Zu'atz erhält, wonach, wenn ein Tarifvertrag besteht, für die Parteien Streik und Aussperrungen nur zulässig sind, sofern zwischen ihnen eine Gesamt- ft r e 11 i g E e i t über Punkte besteht, die tarif- vertraglich nicht geregelt sind, aber an sich in den Geltungsbereich dieses Tarifvertrages fallen. Die Snterpellationen und die Anträge werden in der am Montag der kommenden Woche stattfindenden Reichstagssihung von dem Abg. Stegerwald begründet werden.

wiederholt den Atlantischen Ozean überqueren soll, sobald wir die Brenngasbeschaffungs- ftage, die uns bekanntlich einige Schwierigkeiten machte und noch macht, zur Zufriedenheit gelost haben.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident v. Hindenburg emp­fing den Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann zum Vortrag. Der Reichspräsi­dent sprach bei dieser Gelegenheit dem nach langem Erholungsurlaub in sein Amt wieder zurückgekehr- ten Min.ster seine besten Wünsche für weiteres per­sönliches Wohlergehen aus.

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Am Mittwoch wurde der kürzlich gestorbene deutschnationale Landtagsabgeordnete Rudolf K i n ö t auf dem Waldsriedhof bei Darmstadt beige­fetzt. Der Trauerseier wohnten u. a. Staatspräsident Adelung, Landtagspräsident Delp, die Vertre­ter der verschiedenen Landtagsfraktionen und zahl- reiche Angehörige studentischer Verbindungen bei. Die Trauerrede hielt Pfarrer Heß. Rach verschiede­nen Ansprachen und Kranzniederlegungen wurde ein von Herrmann Durte zum Tode Kindts verfaß­tes Gedicht verlesen.

SchulkreuzerEmde n" wird Anfang Dezember zum zweitenmal eine längere Äusbildungs- rcife antreten, die der navigatorifchen, seemännischen und technischen Ausbildung der Kadetten der Reichs­marine dienen soll. Die Fahrt geht zunächst nach dem spanischen Hasen Villa Garcia, wo das Weihnachtsfest begangen werden wird, von dort über Port Mahon auf den Balearen und Neapel nach A n g o st o l i o n, wo dieEmden" mit dem heimkehrenden SchulkreuzerBerlin" zu­sammentrifft. Von hier soll der Kreuzer seine Reise sortsetzen über Konstantinopel, Aden, Mom- bassa, Port Victoria (Seychellen) und Sabang nach Riederländisch-Indien, Neuseeland, die Südsee, die Westküste Mittelamerikas, Ost- kuste der Vereinigten Staaten und über die Kanarischen Inseln und Spanien nach der Heimat zurückkehren, wo er Anfang März 1930 wieder er­mattet wird.

Der deutsche Flieger von König -Warten- Hausen, der im August mit einem Leichtflugzeug in Berlin zu einem Fluge nach Karachi (Indien)

als Bewerber um den h i n d en b u r g p o k al ge­startet war, ist gestern abend eingetroffen und hat somit feinen Flug Berlin-Indien mit dem Klein­flugzeug, das einen Moton von nur 20 PS. hat, beendet. Nach einwöchigem Ausenthall wird von König über Lahore, Poshawar und Delhi nach Kal­kutta fliegen, und dann vielleicht seinen Flug nach dem fernen Osten ausdehnen, um zu beweisen, daß sich seine Maschine auch unter wechselnden klimati­schen Verhältnissen bewährt.

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Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Republik Oesterreich wird am Sonntag in den Abendstunden ein militärischer Fackelz u g am Dallhausplatz und anschließend daran ein Zapfenstreich statt inden. Sodann ist eine Festvorstellung im Opernhaus angesetzt. Am Montag, dem Staatsfeiertag selbst, wird in der Slephanskirche Kard'.nalfürsterzbischof Dr. Pisfl ein feierliches Hochamt zelebrieren, an dem Bundespräsident Hainisch, die Bundes­regierung, das diplomatische Korps, Mitglieder des Parlaments und Dertreter der öffentlichen Körperschaften teilnehm n werden. Rach dem Got­tesdienst werden die am Stephansplatz aufaefteil» ten zwei Bataillone vor dem Bundespräsid n'.en vvrbeimarschieren. Bunde Spräsid.nt Dr. Haiaisch wird das Präsidium des Rationalrates und die Vorsitzenden des Bundesrates sowie das diploma­tische Korps empfangen. Mittags versammelt sich der Rationalrat zu einer Festsitzung: nachmittags gibt Bundespräsident Dr. Hainisch einen größe­ren Empfang.

Aus aller Wett.

Auf derFlucht vor dem Lavastrom dcsAetna

Rach den letzten Meldungen aus dem Aetna- gebiet steht dre Unterbrechung der Eisenbahn- linie DarreMessina unmittelbar bevor. Man rechnet damiit, daß der Lavastrom Mittwoch spä­testens um Mitternacht d ie Bahnkörper erreichen wird. Hm den Verkehr au'recht- zurrhallen, wurde eine Dampferverbin­dung zwischen Catania und Messina eingerichtet. Da auch die Telephon- und Telegraphenleitun­gen unterbrochen wurden, kann der Verkehr dem Festland nur über das Snnere von Sizilien geleitet werden. Sm Hafen von Catania wurde eine Funkstation eingerichtet, um wichtige Funkmeldungen über das ganze Land verbreiten

zu können. Der Lavastrom dringt zur Zeit tn einer Brette von etwa 400 Metern mit stei­gender Geschwindigkeit gegen das SlÄtchen Runztata vor und verwüstet auf feinem Wege Ortschaften, Drücken. Straßen, Dahnen und Weingärten. Die Flüchtlinge aus dem von der Lava begrabenen Städtchen Wa-scall und dem bedrohten Runz-iata werden nach Darre gebracht. Auf den bis jetzt noch unbedrohten Straßen bewegen sich endlose Züge von Flüchtlingen, daneben Arbctterabtellungen, sizilianische Truppen, Wilizabteilungen, viele Reugüerige und Zeitungsberichterstatt.»c. Sn den bedrohten Ortschaften veranstalten die Bewoh­ner Prozessionen, um die Hilfe des Him­mels anzurufen. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab, als die Bewohner von Wascali macht­los zusehen muhten, wie die feurigen Massen in ihre Häuser eindrangen, wie sie alles in Flammen hüllten und wie ganze Straßen von der Lavamasie ausgefüllt wurden.

Ein neuer Derbrecherkampf In Köln.

Zu einem blutigen Kampf mit Verbrechern kam es im Zentrum von Köln. Ein Kriminal­beamter und ein Landjäger überraschten die bei­den arbeitslosen Tagelöhner Müller und Vir­nich dabei, als sie von einem Fuhrwerk einen Ballen stehlen wollten. Während es dem Landjäger gelang, Mullrr zu fesseln, wurde der Kriminalbeamte von Virnich über­wältigt und derart brutal mißhandelt, daß er bewußtlos zusammenbrach Der Landjäger tarn seinem Kameraden au Hille und schoß auf den Verbrecher, der auf der Stelle getötet wurde.

Ein gefährlicher Bahnban.

Bei dem soeben begonnenen Dau der baye­rischen Zugspitzbahn ereigneten sich drei schwere Unfälle. Ein 24jährrger Arbeiter wurde von einem Stein am Kopfe getroffen. Er stürzte eine 100 Meter hohe Felswand hinab und war sofort tot. Ein 29jähriger Arbefter wurde kurz darauf von einem ebenfalls hnnmterbrechen­den Stein am Rückgrat getroffen und so schwer verletzt, daß er kaum mit dem Leben davonkomrnen dürfte. Ein dritter ^Inglückssall ereignete sich in der Rähe des Eibsees, wo ein Arbeiter von einem entgleisten Rollwagen er­drückt wurde.

Leichtsinnige Muforaferd einer Frau.

Ein Personenkraftwagen, der von einer Dame gesteuert wurde, überfuhr in Koblenz in rasender Fahrt am Clcmensplatz einen Motor- rabfahrer, der vorschriftsmäßig auf der rechten Fahrfeite fuhr. Die urau verlor durch den Un­fall, der durch ihre Unvorsichtigkeit heroorgerufen war, die Geistesgegenwart und schleifte den mit den Trümmern seines Motorrades unter den Rädern des Kraftwagens liegenden jungen Mann noch eine Strecke weit über das Straßen- Pflaster. Erft durch Hochheben des Personen­wagens konnte der Schwerverletzte ge­borgen werden. Die Lenkerin des Wagens hat bereits im vergangenen Jahre ihren Kraftwagen aus einen Bürger ft eig gefteuert, wo­bei eine Frau schwer verletzt wurde.

Drei Männer bei einer Segelpartie ertrunken.

Rach Meldungen aus Wesermünde ereignete sich auf der Sune ein schweres Dootsunglück. Beim Aussteigen aus dem Segelkutter in das Deiboot glitten die drei Snfaffen des KutterS, zwei Steinmehgefellen und ein Gastwirtssohn au8 und ertranken, ehe ihnen Hilfe gebracht wer­den konnte.

Oie Wetterlage.

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Mlttv/och, M.1923'

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» Sehnet a Graupeln «Hebel R Grwnitr.(g)wind$iilic.O-' seh» ernte- O51 ^5 nesnoc sudwaweji q Mnrmutne- nordwes» Ort Pt en« n regen mit dem winde Die oeiden Stationen stehenden Zefi» ten fteSer. die Temperatur an Die Linien eerpnidea Orte mit flieichci» «sf rveztyaivtao omaerernneie» Lefldreet

Wettervoraussage.

Die über Frankreich lagernde Störung lößr an ihrer Nordseite weiter vorwiegend aus dem Osten kommende Luftmassen zufließen. Infolgedessen er­fährt die Wetterlage wenig Aenderung, wenn auch das Drucksallgebiet uns zeitweise durch Bewölkung beeinflussen dürfte. Niederschlage sind iedoch in un» serem Bezirk kaum zu erwarten.

Wettervoraussage für Freitag: Wechselnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, Tem­peraturen nachts weiterhin in Gefrierpunktnähe, meist trocken.

W i 11 e r u n g sa u sf ich t e n für Sams­tag: Wolkiges Wetter, noch zeitweise Ausheite- rung, Temperaturen wahrscheinlich wenig verän­dert, meist trocken.

Lufttemperaturen am 7. November: mittags 5 Grad Celsius, abends 2,9 Grad Celsius: am 8. Nov.: morgens 2,7 Grad Celsius. Maximum 5,1 Grad Cel­sius, Minimum 0,3 Grad Celsius. Erdtempera- turen am 7. November: abends 6,2 Grad Celsius: am 8. November: morgen» 3,7 Grad Celsius. Sonnen­scheindauer 3% Stunden.