Ausgabe 
8.11.1928
 
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Ur. 264 Erster Blaff

178. Jahrgang

Donnerstag, 8. November 1928

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Die Scholle

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Chefredakteur

Dr Friedr. Wilh Lange. Derantworllich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil fiurt Hillmann. sämtlich in Gießen

Hoovers Wahl zum Präsidenten der Lt. S. A.

Die Wahlschlacht.

Jlengotf. 7. Roo. (IBIS. Junffprud).) Aus dem Verlauf der Präfidenlfchaflswahl. die sich dies­mal durch einen Rekord der Wahlbeteiligung aus- zeichnete, ist als bemerkenswert hervorzuheben, duft dem demokratischen Kandidaten 5 mlth, dem Gouverneur des Staate» Reuyork, die Wahlmänner­stimmen diese» Kreise» verloren gegangen sind, obwohl die Stadt Reuyork selbst überwiegend demokratisch gestimmt hat. Welter sind dem demokrallschen Kandidaten verschiedene Kreise ver- loren gegangen, die In früheren Wahlen ausnahms- lo» demokratisch gestimmt haben. Auch die Far­mer de» mittleren Westen» haben anschei­nend ihre Stimmen für Hoover abgegeben, ob­wohl man im demokratischen Lager gerade aus Farmerkreisen eine starke Unterstützung der Kan­didatur Smiths erwartet hatte, namentlich nach dem Senator Morri» von den Republikanern abtrün­nig geworden war. Um 10 Uhr war Hoovers Sieg bereit» gesichert. Die in den solgendeu Stunden ein- trefsenden Ergebnisse au» den abgelegensten Distrikten, die die Stimmen für Hoover lawinen­artig anschwellen Netzen, gaben diesem Sieg dann den Eharakter dessen, was in amerikanischen Politi­ken Jargon al»Erdrutsch" bezeichnet wird. Trotz der ungeheuren Wahlbeteiligung blieben störende Zwischenfälle verhältnismätzig gering, wo sie vor- tarnen, erklärten sie sich öielfad) daraus, datz in vielen Städten, wo keine Stimm-Maschine zur Ver­fügung stand und mit Stimmzetteln gewählt wer­de.» muhte, die Wahllokale derart mit Stimmzetteln übersiutet wurden, datz Fässer zu ihrerAuf- bewahrung herbeigeschafst werden muhten.

Reuyork ebenso wie die kleinste Stadl des Lan­des bot ein Bild gespanntester Erwartung. Auf den Straften, in denen sich Kopf an Kopf drängte, in den Restaurants und anderen öffentlichen Lo­kalen, ja, selbst im Zuchthaus Sing- Sin g wurden die Wahlergebnisse durch Rund­funk und Lautsprecher bekanntgegeben. In den groften und eleganten Hotels, in deren Gesell­schaftsräumen sich ungezählte Gäste für die Wahl­nacht eingesunden hatten, hielt man mit der Be­geisterung über den Sieg Hoovers nicht zurück. Die Reuyorker Gesellschaft hatte die erste Hälfte des wahlabends in der Metropolitanopera verbracht, wo Richard Strautz'Aeg optische Helena" mit Laubenthal und der Jeriha in den Hauptrollen in einer glänzenden Aufführung zum erstenmal über die Szene ging. Als hier die ersten Rachrichten über den Sieg Hoovers eintrasen, äufterten die bekannten Vertreter der Finanzwelt, die wegen der Auswirkung der Präsidcntschafts- wahl auf die Börse Besorgnis halten, bereits grötzte Befriedigung, während sich rasch nachher herausstellte, datz nicht nur das Fortbestehen einer republikanischen Regierung gesichert war, sondern datz Hoover wahrscheinlich mehr Wahlmän­ne r st i m m e n erhalten wird, als h a r d i n g und Eoolidge seinerzeit erhielten. Auf Grund des Wahlsiegs der Republikaner wird Senator Charles Curtis Vizepräsident werden. Obwohl noch nicht alle Resultate vorliegen, ist es wahr- scheinlich, datz Franklin Roosevelt Gouverneur des Staates Reuyork werden wird.

Rach Schätzungen der Reuyorker Polizei zählte die Menge, die abends und nachts die Be­kanntgabe derwahlrefultate erwartete, allein auf dem Times-Sguare etwa 45000 Personen. Obwohl es sich vorwiegend um Anhän­ger der Demokraten handelte, nahm die Menge dennoch im allgemeinen auch ihrem Kandidaten un­günstige Ergebnisse mit guter Laune auf. _ In E h i t a g o , wo die Gefahr von Zwischenfällen besonders nahelag, hatte sich auch die Dundes- behörde am Schuh der Wahllokale beteiligt, in deren Rähe Bundespolizeibeamte mit Maschinen­gewehren in Bereitschaft gehalten wurden. Es er­eigneten sich jedoch keine Zwischensülle von Bedeu­tung. In Kansas-City wurden 250 Personen wegen Störung der Wahlhandlung verhaftet.

Hosvers Sieg.

Washington, 7. Rod. (WB.) Präsi­dent Eoolidge hat an Hoover einen Glück­wunsch gerichtet, in dem er den großen Erfolg Hoovers hervorhebt und hinzufügt, er erblicke in diesem Eintreten der überwältigenden Mehr­heit des amerikanischen Volkes für die Repu­blikanische Partei gleichzeitig eine wundervolle Vertrauenskundgebung für seine eigene Regierungstätigkeit. Runmehr könne er sich befriedigt zurückziehen. Kellogg hat Hoover ebenfalls einen Glückwunsch über­sandt. Er bezeichnet das Wahlergebnis als großen persönlichen Triumph Hoo­vers und als Beweis, datz das amerikanische Voll mit der republikanischen Politik zufrieden sei und keine Aenderung wünsche. Die erste Ehrung als künftiger Präsident wurde Hoover in seinem Heim in Palo 3lto von den Stu­denten der Stanford-Universität

dargebracht, denen Hoover in einer kurzen An­sprache dankte. Währenddessen warf ein Flug­zeug 21 Sternraketen ab. Aus der Flut der aus dem ganzen Land einlaufenden telegraphischen Glückwünsche ist ein Telegramm des Vorsitzenden des republikanischen Waylkomitees von Reuyork hervorzucheben, in dem es hcitzt: Sie verdienten diesen wundervollen Sieg, da Sie in einem Wahl­jahr, in dem die Opposition, um den Ausgang des Wahlkamvfes zu beeinflussen, andere Pro­bleme in die Debatte zu werfen versuchte, darauf bestanden haben, datz die wirtschaftlichen Momente erörtert werden.

Die Frühausaaben der Blätter beider Parteien heben den überwältigenden Umfang von Hoovers Sieg hervor. Die demokratische »World" hält es für möglich, datz Hoover 455 von den 531Wahlmännerstimmen auf sich vereinigt. Die republikanische Zeitung »Herold and Tribüne" hält 356 Wahlmänner­stimmen für gesichert. Die demokratischeTieto Bork Times" glaubt, datz Smith nur mit 88 un­bedingt sicheren Stimmen rechnen kann. Smiths Wahlerfolg war im wesentlichen auf einige Groß­städte beschränkt. Eimelne lokale Erfolge konnten allerdings auch die Demokraten auf- weisen. So erscheint in Reuyork der Sieg des demokratischen Senators Eopeland über Bot­schafter Houghton gesichert, ebenso der des de- mokrattschen Kandidaten für den Gouverneur­posten über den republikanischen Kandidaten Ot­tinger.Herald and Tribüne", die republika­nisch ist, und dieTieto Q3ort Times", die demo­kratisch ist, feiern in gleicher Weise in ihren Leitartikeln Hoovers Sieg. Das republikanische Organ bezeichnet das Wahlergebnis als Triumph der Vernunft über die Sen­timentalität. Selbst in der Prohibitionsfrage habe Smith anscheinend die Wähler nicht zu feinem ablehnenden Standpunkt bekehren können, obwohl kein Zweifel bestehe, datz die Bevölke­rung irgend eine anständige Lösung die­ses Problems wünsche. Die ,Rew Bork TmieS" führt aus, Hoovers Wahlsieg entspreche seinem Ruf als Administrator, den er sich in der Ver­gangenheit geschaffen habe und dessen Berech­tigung er nun endgültig zu beweisen haben werde.

Hauffestimmung der Aeuyorler Börse.

Reuyork, 7. Rov. (WTB.) Die Wahl Hoovers bewirkte in Wallstreet eine neue starke Haussebewegung. Aus allen Teilen der Welt lagen riesige Kaufaufträge vor, zu deren Bewältigung die Dörsensirmen alle ver­fügbaren Kräfte heranziehen mutzten. Die Kurse stiegen bereits zu Beginn des Börsenverkehrs um bis zu 10 Dollars, dann erfolgte jedoch teilweise ein Rückschlag, weil angesichts der Un- sicherheit, die dadurch hervorgerufen wurde, daß der Börsenticker um 40 Minuten im Rückstand war, Realisationen vorgenommen wurden.

Genugtuung in England.

London, 7.Rov. (Täl.) Der starken Auf­wärtsbewegung der Reuyorker Börse nach De- kanntwerden der Wahl Hoovers ist auch die Londoner Börse gefolgt. Alle ameri­kanischen Werte waren stark gefragt und konnten ziemliche Kursgewinne verzeichnen. 3n politi­schen Kreisen beschränkt man sich vorläufig auf formale Glückwünsche zu der Wahl Hoovers und vermeidet jeden Hinweis, als ob sich die eng­lische Politik irgendwie mit der republikanischen oder demokratischen Seite verbunden fühle. Trotz­dem ist ziemlich sicher, daß die Wahl Hoovers mit einiger Genugtuung aufgenom­men wurde, da zunächst einmal die Gefahr einer Richtralisizierung des Kellogg-Paktes durch den amerikanischen Senat im Falle einer Wahl Smiths endgültig beseitigt ist. Die Stellung­nahme der Vereinigten Staaten zu den großen schwebenden europäischen Problemen ist, wie man weiß, nicht an die Person des Präsidenten ge­bunden. äleberdies hat Hoover im Laufe der Wahlkampagne so eindeutige Erklärungen zur Schuldenfrage abgegeben, datz an seine Wahl in dieser Hinsicht keine besonderen Hoff­nungen geknüpft werden. Die gute Kenntnis europäischer Verhältnisse Hoovers werden aber, wie man annimmt, diese Verhandlungen nicht unwesentlich erleichtern. Einem englisch- amerikanischen Ausgleich werden durch die Wahl Hoovers zweifellos weniger Hindernisse in den Weg gelegt werden als durch eine Wahl des Demokraten Smith.

pariser Echo.

Keine bordtiflen Illusionen.

Paris 8. Nov. (WTB. Funkspruch.) Zur Wahl Hoovers schreibt dasEcho de Paris": Hoovers Sache ist es, sich als Vertreter des amerikanischen Volkes über die Welt hinaus zu erheben, sich von den engen Formeln seines Berufes, seines Milieus und seiner Karriere loszulösen. Er neigt überaus dazu, Europa als einen schlechtorgani­siert en Kontinent und wegen seiner natio­nalen Denkweise als einen ständigen wirt­schaftlichen Skandal änzusehen. Er möge nicht vergessen, daß neben wirtschaftlichen auch ge­wisse zivilisatorische Eigenschaften vorhanden sind. Das Journal" erklärt: Man würde sich sehr täuschen, wollte man annehmen, daß der 29. Präsi­dent der Vereinigten Staaten einfach die Fortsetzung

des Handelsministers der Regierung Eoolidge sein wird. Hoover ist Herr seiner Initiative. Er ist durch nichts gebunden, als durch sein Tempera­ment und durch sein Gewissen. DasOeuvre" schreibt: Die Politik Hoovers wird, wenn möglich, noch amerikanischer sein als die Eoolidges, vielleicht sogarPankee-Politik" schlechtweg. Die Monroedoktrin wird die Bevormundung Mittel- und Südamerikas legitimieren. Europa wird immer mehr als eine ferne Kolonie erscheinen, der man seine Waren auf- bringen muß und in der man seine Kapitalien an- legen kann. Das Gewerkschastsblattß e

Peuvle" hält es für zweifelhaft, daß Europa bei der Wahl Hoovers aus seine Rechnung komme. Man hat daran erinnert," so schreibt es,daß wäh­rend des Krieges Hoover die Lebensmittelversorgung der besetzten Gebiete geleitet habe und durch dieses Werk über die europäischen Angelegenheiten besser unterrichtet sei, als die meisten Politiker seines Landes, so daß man hoffen kann, er werde z u - g ä n g l i d) e r söin. Man läuft da Gefahr, sich eine neueJllusion nach so vielen anderen zu machen. Das wenige, was man von den Gedankengängen des neuen Präsidenten über die Internationalen Pro­bleme kennt, berechtigt kaum zu solchen Illusionen."

Der neue Herr der Reuen Welt.

Oer Selfmademan Hoover. - Aus eigener Kraft zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Deutschlands Helfer in der Hungersnot. Vom Bergarbeiter zum Bergwerksbesitzer.

Von Fred (§. Dillinger.

Mit einem Gefühl der Erleichterung wird Her­bert Clark Hoover, den die Bevölkerung der Vereinigten Staaten gestern zum Staatsober­haupt erwählt hat, die Beendigung des Wahl­kampfes begrüßt haben. Obwohl er unermüdlich in allen Seilen drS Landes für sich geworben hat, war er doch nicht mit ganzem Herzen bei der Wahlpropaganda. Hoover ist alles andere als ein Agitator, pathetische Reden und poli­tische Phrasen liegen seinem nüchternen Wesen nicht, und toeim er während des Wahlfeldzuges Versprechung auf Versprechung häufen mutzte, hatte der aufmerksame Zuhörer den Eindruck, datz dieser nüchterne Geschäftsmann sich in seinem Innern ein wenig des rhetorischen Ueberschwangs schämte. »Morgen früh um neun bin ich wieder, wie gewöhnlich, an meinem Arbeitstisch," er­klärte Hoover, als ihm seine Rominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit­geteilt wurde, und auch heute wird er wieder in seinem Arbeitszimmer sitzen, um seiner geliebten Arbeit nachzugehen.

In Deutschland ist Hoover kein Fremder: fast zehn Iah« sind vergangen, seit die ausgehun­gerte Bevölkerung der Mittelmächte zu diesem Mann, damals der Lebensmitteldikta­tor Amerikas, wie zu einem Erlöser auf- blickle. Die Hilse, die Hoover Deutschland brachte, war der einzige Lichtstrahl in den trüben Tagen des allgemeinen Zusammenbruchs. Riemals wird Deutschland vergessen, daß er den Feind von gestern ebenso mit Lebensmitteln bedacht hat, wie die englischen, französischen und belgischen Verbündeten. Mitleid mit der leidenden Mensch­heit ist ein hervorstechender Charalterzug des neuen amerikanischen Präsidenten, der dieses Ge­fühl ton seiner Mutter, einer Predigerin der Quäker, geerbt haben mag. Rur unklar kann sich der Vierundfünfzigjährire allerdings auf seine Eltern besinnen, denn schon mit sieben Jahren war er Vollwaise, niemand kann Voraussagen, wie sich sein Leben gestaltet hätte, wenn er von seinem Vater, der Schmied in einer kleinen Orb- schaft des Staates Iowa gewesen ist, erzogen worden wäre. Viel Zärtlichkeit ist dem Waisen­knaben wohl nicht zuteil geworden. Er wurde bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr bei den ver­schiedensten Verwandten hirumgestosten, und jeder erzog ihn, wie et es eben für richtig hielt. In einem Punkt waren sich aber alle Verwandten einig: der junge Hoover sollte später eine Quäkeruniversität beziehen. Man kann sich die Entrüstung vorstellen, als Herbert mit vierzehn Jahren kategorisch erklärte, datz er eine naturwissenschaftliche Tlniver ität" be­suchen wollte. Einmütig verweigerte ihm die Ver­wandtschaft jede iln'erftüftung, und man war sich darüber einig, datz der junge Trotzkopf bald zu Kreuze kriechen würde. Aber man halle sich in dem Willensstärken Knaben getäuscht. Kurz entschlossen nahm er eine schlechtbezahlte Stel­lung an und sparte jeden Gent für das beab ich- tigte Studium. Im Jahre 1891 hatte er endlich die notwendige Summe beisammen, um die Stan­ford Uniberfität in Kalifornien besuchen zu können. Während seiner älnivepitätsz it mutzte er sich die größten Entbehrungen auferlegen und sogar seinen Lebensunterhalt dadurch verdienen, daß er den Wagen einer Waschanstalt fuhr. Vier Jahre führte er das Leben eines armen Studen­ten: im Jahre 1895 legte er dann fein Examen als Dergwerlsingenieur ab.

Run wollte Hoover die praktische Ar­beit im Bergbau kennenlernen. Kurz entschlossen nahm er im Sierra-Revada-Gebirge eine Stel­lung als einfacher Berga.beiter an. Rach einem Jahr rückte er zum Vorarbeiter auf. Keinerlei Vergnügungen unterbrachen die eintönigen Jahre, die er im Bergwerk verbrachte; die einzige geistige Anregung, die er neben seinen praktischen und wissenschaftlichen Arbeiten hatte, boien die Briese, die er mit einer jungen Studentin wechselte. An der älniversität hatte er Miß ß du Henry, die Tochter eines kleinen Bankiers, fennengcte:nt. Rie hätte ihr Vater eingewilligt, seine Tochter einem jungen Menschen anzuver trauen, der weder Vermögen noch nennenswerte Einkünfte befaß. Hoover war daher fest entschlossen, sich eine geachtete Stellung zu erringen, und bezeichnend für seine Energie war eine kleine Episode, die

sich in dieser Zeit ereignete. Der junge Mann wollte im Bureau eines bestimmten Bergwerts­ingenieurs in San Franzisco arbeiten, auf feine Bewerbung wurde ihm aber erklärt, daß nur die untergeordnete Stellung eines Maschinen­schreibers frei wäre. Ohne Bedenken nahm Hoo­ver diese Stellung an, lernte in drei Tagen Maschinenschreiben und erledigte unermüdlich die geisttötende *Sureauarbeit. Durch einen Zufall wurde sein Chef auf ihn aufmerksam. Der junge Hoover mutzte nämlich eines Tages ein Gut­achten über ein Bergwerk abschreiben, das er selbst genau kannte. Da er in dem Manuskript verschiedene Fehler fand, fügte er eine eigene Abhandlung bei und brachte sie mit dem abgeschriebenen Aktenstück zu seinem Chef, der die Arbeit so gelungen fand, daß er den jungen Mann schon am nächsten Tag als Ingenieur e i n st e l l t e. und ihm nach kurzer Zeit einen führenden Posten bei einem australischen Unter­nehmen verschaffte.

Wenige Jahve darauf zeigte sich Hoover die Chance seines Lebens. Auf Empfehlung des Londoner Hauses bot ihn die chinesische Regierung in ihrem Land eine leitende und einflußreiche Stellung an, und in diesem Augen­blick zeigte sich die unverbrüchliche Treue und Anhänglichkeit Hoovers, die seine Freunde noch heute an ihm rühmen. Wenige Stunden nach Annahme der neuen Stellung telegraphierte er Miß Lou Henry seine Beförderung, und als er ihr Antworttelegramm in Händen hatte, reifte er unverzüglich von Australien nach Kalifornien, wo er sich sofort mit Miß Henry trauen lieft. Seine junge Frau begleitete ihn nach China. Während des Bo^eraufstandes war er in Tient­sin tätig und tat sich bei der Verteidigung der europäischen Riederlassung hervor. Als die Kämpfe beendet waren, organisierte er die Le­bensmittelverteilung für die arme Bevölkerung.

3m Jahre 1902 wurde er dann Teilhaber einer internationalen Ingenieurfirma; das Unter­nehmen geriet aber durch die Schuld seines Part­ners in Zahlungsschwierigkeiten. Sofort erklärte sich Hoover bereit, die entstandenen Schulden allein ab­zutragen; fünf Jahre mußte er arbeiten, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Dann errichtete er allein eine neue Firma, gründete Filialen in Eng­land und Rußland und betrieb später Bergwerks­unternehmungen in Australien, in Birma, im Ural, in Alaska und in Mexiko. Der Kriegsaus­bruch überraschte ihn in London. Mit organisatori­schem Talent ermöglichte er den vielen amerikani­schen Touristen, die sich gerade in Europa befan­den, in ihre Heimat zurückzukehren. Als die deut­schen Heere Belgien besetzt hielten, sah er seine Lebensaufgabe darin, die Zivilbevölkerung dieses Landes mit Lebensmitteln zu versor­gen. Seine Stellung war überaus schwierig, denn er mußte sich mit Deutschland gut stellen, um in Belgien umherreisen zu können; andererseits brauchte er von der Entente Geldmittel, um die Versorgung der Bevölkerung zu finanzieren. Mit Amerikas Eintritt in den Krieg harrte Hoover eine neue, überaus schwere Aufgabe. E. wurde zum ßebensmittelbittator der Vereinig­ten Staaten ernannt und hatte fast übermensch­liche Aufgaben zu bewältigen. Telegraphierte ihm doch im Januar 1918 der englische Ernährungsmi­nister Lord Rhondda, daß J)ie Alliierten den Krieg nur dann gewinnen können, wenn die Vereinigten Staaten außer der vereinbarten Menge noch 75 Millionen Bushel Weizen auf dem schnellsten Wege senden könnten. 3n verhältnismäßig kurzer Zeit gelang es ihm, die verlangte Menge zu beschaffen. Als oer Waffenstillstand abgeschlossen wurde, be­eilte sich Hoover, auch bl e Mittelmächte mit Lebensmitteln zu versehen. Richt weniger als 23 Länder haben ihm die Linderung der Hungers­not zu verdanken. Die deutsche Universität Kiel hat ihn zum Dank für seine Hilfe zu ihrem Ehren­doktor promoviert. Ucberaus erfinderisch war Hoover, wenn es galt, große Summen für wohl­tätige Zwecke zusammenzubringen. Er veranstaltete große Bankette, bei denen es nur Reis, Kakao und Brot gab. Trotz diesem frugalen Essen kostete das Gedeck tausend Dollars, und die amereikanische Ge­sellschaft beeilte sich, an diesen Veranstaltungen teil­zunehmen. Stets stellte Hoover bei diesen Festlich­keiten einen leeren Stuhl neben (einen