Aus -er Provinzialhaupistadt.
»ießen, den 8. November 1923.
Telegrapben-Bauverwaltung und Gießener Straßen.
Durch bk ArbeUen zur Herstellung des Selbst- anschlußamtes in Gießen ist die hre,ige leie* graphen-Dauverwaltung grzwungm in den Straßen unserer Stadt u m f an g rerch e Aufbrüche zwecks Verlegung der Kabelleitung gen zu machen. Das ist eine notwendige, wenn auch für den Zustand unserer Straßen bedauev* liche Tatsache, mit der man sich wohl oder übel abfinden muh. Fraglich ist es aber doch ob cs angebracht ist, Straßen, die nach einem Aufbruch für städtische Zwecke eben wieder hergestellt waren, nach der Beendigung dieser Arbeit er* neut auszubrechen. 3n weiten Kreisen der Bürgerschaft ist man der Ansicht, daß die Aufbruchs- »mb Derlegungsarbeiten der Stadt und der Post in einem Zuge hatten erledigt werden können. Eine andere, sehr üble Erscheinung dieser Tage ist aber, daß die Post-Daubehörde in zahlreichen Straßen das Trottoir aufreißen unb die Kabel verlegen läßt, dann die Gräben zudeckt unb im übrigen die Strahen in einem so verwüsteten Zustand einfach liegen läßt, daß man meinen könnte, die Post-Baubehörde habe es gar nicht nötig, auch nur die mindeste Rücksicht auf die steuerzahlenden Bürger zu nehmen, mit deren Geld di« Strahen hergerichtet unb unterhalten werden. Allem Anschein nach hat die Post-Baubehörde nicht in genügender Weis« dafür gesorgt, daß die Wiederherstellung der Trottoirs durch Neuasphaltierung in der erforderlichen schnellen Weise erfolgt, und sie mutet damit der Bürgerschaft zu, die Belästigung durch den skandalösen Zustand dieser Strahen wochenlang hmzunehmen. EL erscheint uns dringend notwendig, daß die Stadtverwaltung hier ungesäumt energisch eingreift und der Tele- graphen-Dauverwaltung klar macht, dah sie die Pflicht Hal, die ausgebrochenen Straßen schnellstens wieder in Ordnung zu bringen.
Oie Schafräude.
Dom Pvlizeiamt Dießen wird mit* ^Dei der Sch^shrrde des Wilhelm Hahn II, von Annerod, die hier im Gehöfte von Gottmann, Marburgerstraße 65, untergebracht ist, ist die Schafräude aus^ebrochen. Folgende Schutzmaßnahmen sino angevrdnet:
1. Sämtliche zur Herde gehörenden Schafe sind deni Heilverfahren eines Tierarztes zu unterwerfen.
2. Die räudelranken und sämtliche zum Bestand der Herbe gehörenden Schafe dürfen bis zur Aufhebung der Schutzmaßnahmen weder in fremde Ställe gestellt, noch auf eine Weide gebracht werden, die mit Schafen aus einer unverseuchten Herde beweibet werden.
3. Der Herde ist ein bestimmtes Weidegebiet zugewiesen worden.
4. Häute räudrkranker Schafe dürfen aus dem Gebiet der Gemarkung Gießen nur in vollkommenen getrocknetem Zustande ausgeführt werden, sofern nicht unmittelbar Ablieferung an eine Gerberei erfolgt.
5. Die Wolle von räudekranken Schafen darf mir in festen Säcken verpackt aus der Gemarkung ausgesührt werden.
6. Personen, die bei der Wollschur räudekranker Schafe beschäftigt werden, dürfen vor einem Wechsel, oder vor gründlicher Reinigung der Kleider die Schurstelle nicht verlassen.
7. Die Ausfuhr der zum Bestand der Herde gehörenden Schafe darf nur mit Genehmigung des Kreisamts Gießen erfolgen.
Evangelischer Bund.
Der Weiheabend, der als Refvrmationsseier gedacht war, hatte am Freitag eine ungewöhnlich große Schar von Mitgliedern und Freunden des Bundes in der Johanneslirche vereinigt. Gustaf Hildebrant von der Deutschen Dor- tragsbühne in Kottbus, der seit Jahren bemüht ist, durch seine Dortragskunst ernste Menschen innerlich zu erfaffen und eine „andächtige Gemeinde" zu sammeln,, die von dem großen Erleben unb der großen Not unserer Zeit ergriffen ist, hatte sich den dritten Teil der Trilogie von Adolf Bartels .Der Reformator" ausgewählt. Wenn man bedeull, daß das Werk schon im Jahre 1903 erschieß, so mutet die Auseinandersetzung Luthers mit Thomas Münzer, dem Führer der aufständischen Dauern und Vertreter kommunistischer Ideen, der Höhepunkt der Dichtung, geradezu prophetisch an unb pa^t ausgezeichnet in die heutige Zeit. — Ein .Vorspiel in der Hölle', die unter den Hammerschlägen Luthers an d r Schloßkirchr zu Wittenberg erbebt, eröffnet den Abend und bietet «irre glänzende Einführung zu dem »Resormator", der nun. Bild auf Bild, vor dem ergriffenen Hörer entsteht, vermag es Gustaf Hildebrant doch meisterlich, den tiefen Gehalt der kerndeutschen Dichtung mit wenigen äußerlichen Mitteln herauszuholen und an den Hörer writerzuleiten. Hier wird auf keinen politischen Klavier gesp «lt. eS handelt sich nicht um das Programm einer Partei oder einer Richtung. Nur darum, dah Gestalt, W<erk und Wort des .Reformators" Martin Luther zu uns dringt und uns Mahnung und Ansporn ünrb.
Ein glücklicher Gedanke Hlldebrants ist es ferner, seine Rezitation musikalisch untermalen unb ausbeuten zu lassen, allerbings auch ein Wagnis, ohne jede Probe das gesprochene Wort mit der Musik au einem harmonischen Zusamrnenklang zu verschmelzen Daß das Wagnis glänzend gelang, ist der feinsinnigen Anpassung unb Einfühlung des Organisten Habicht zu verdan- ken, bcr sich mit seinem Instrument, wie schon häufig, in den Dienst der guten Sache gestellt hatte, an einer Stelle wirttingsvoll unterstützt durch einen Geiger der Reichswehrkapelle. Alles in allem: ein deutsch-evangelischer Weihe-Abend, aufrüttelnd unb packend, erschütternd und stärkend, der noch lange nachwirlen wird. Bedauerlich nur, bah manche Hörer, zumal in den Seitenschiffen, wie nachträglich geklagt wird, den Vortragenden nur schwer ober mangelhaft verstanden
Gießener Wocheumarktpreise
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 220 Pfennig, Watte 30 bis 35, Käse (10 Said) 60 bis 140, Wirsing 12 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Wt.), Weißkraut 8 bis 15 (6 bis 7 Ml.), Ro kraut 15 bis 25 (12 bis 15 Mk.), Kartoffeln 5 (4,50 bis 4,70 Mk.), Aepfel 20 bis 40 (20 bis 35 Mk.), Dirnen 10 bis 30
(10 bis 20 Mk.), gelbe Rüben 10 bis 20, rote Rüben 10 bis 20, Spinat 25 bis 40, llnterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 bis 60, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 30 bis 40, Meerrettich 50 bis 150, Aviebeln 12 bis 20. Schwarzwurzeln 40 bis 70, Dörrobst 40, Nüsse 60 bis 100, Hagebutten 15, Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 90 bis 120 pro Pfund: Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 10 bis 20, Endivien 10 bis 30, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pfennig pro Stück.
Talen für Freitag, 9. November.
Sonnenaufgang 7.06 Uhr, Sonnenuntergang 16.21 Uhr. — Mondaufgang 3-33 Uhr, Monduntergang 15.36 Uhr.
1818: der Dichter Iwan Turgenew in Drei geboren; — 1896: der Theologe und Volksschriftsteller Emil Fronunel in Plön (Schleswig-Holstein) gestorben.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Goethe-Bund: 1. Dichterabend Felix Timmer- manns, 8 Uhr, in der Neuen Qlifa der Uni- versität. — Deutschnationaler Hand.ungsgehilfen- verband: Lichtbildervortrag .Persien", 8.15 Uhr, im Katholischen Dereinshaus. — Freiwillige Sanitätslolonne vom Roten Kreuz Gießen: Beginn deS Ausbildungskurfus, 7.30 Uhr, Sonnen- strahe 2. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Alraune". — Astoria-Äch.spiele: .Der Postraub in der Teufelssch ucht".
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die morgige Erstaufführung von Schillers .Don Carlos", der zu Schillers Geburtstag neuinszeniert wurde, beginnt um 19,30 Uf>r. Die Hauptrollen liegen in Den Händen der Domen Heh und Koch, der Herren Arzdorf, Gareis und Knur. Es wirken ferner mit die Damen Brack, Fuhrmann, Jahn, Jüngling und die Herren Dast6, Ebert- Grassow, Gehre, Hasser, Linkmann. Ritter, Volck, Wesener. — Sonntagnachmittag 3,30 Uhr einmalig« Wiederholung des ersten Tages des Kammerspielzyllus .Die Mitschuldigen". Die kulturelle Aufgabe d es r Feiern hat in den Theaterkreisen einen sehr starken Widerhall gefunden. Die Regie und Leitung dieser Veranstaltungen liegt in d.n Händen des 3ittendanten Dr. Prasch Univerlllätsmusikdirektor Dr. Temesvarh dirigiert die musikalischen Darbietungen. — Sonntagabend wird als Fremdenvorstellung (Beginn 18 Uhr) zum letzten Male der Schwank von Arnold und Dach „Unter Geschäftsaufsicht" auf- geführt.
— Vortrag Gottfried Husemann. Man schreibt uns: Nachdem in der vergangenen Woche Dr. Alfred Heidenreich zum Thema: „Das Antlitz des kommenden Christentums" gesprochen hat, wird in dieser Woche Gottfried Husemann, der Mitarbeiter der Bewegung für religiöse Erneuerung in Köln, zu zeigen versuchen, auf welchen Wegen es dem heutigen Menschen möglich ist, religiöses Leben zu vflegen. Sein Thema lautet: „Der rnoderne Mensch und sein Gotteserlebnis. Donnerstag, 8. November, abends 8.15 Uhr, Singsaal der Oberrealschule. (Siehe gestrig« Anzeige.)
— Bund für Hau- und Schule. Die diesmalige Monatsversammlung findet morgen, Freitag, statt. (Siche Anzeige.)
— Mandolinen- und Gitarren- verein „Neapolita" Gießen. Es fei nochmals auf das am nächsten Sonntagnachmittag in der Universitätsaula stattfindende Mando- linen-Orchester-Konzert hingewieseru Das Konzert dürfte allen Musikfreunden einen besonderen Genuß bringen. Unter der Leitung von Hans Sonntag, Gießen, werden Massenchöre zum Dortrag kommen. Der Besuch fei allen Musikfreunden empfohlen. Näheres in der heutigen Anzeige.
— Der Turnverein 1846 begeht am nächsten Samstagabend in der Turnhalle sein Wintersest, bestehend aus Konzert, turnerischen Aufführungen usw. (Siehe Anzeige.)
* ♦ Berufung an d i e Landes-Univer- |Itä t Gießen. Dr. Friedrich Sander, Professor der Philosophie und Abteilungsvorsteher am Psychologischen Institut der Universität Leipzig, er- hielt einen Rus an die hessische Landes-Universität Gießen.
* * Don der Wilhelm st raße. Die Instandsetzung der Wilhelmstraße zwischen Ebel- und Frankfurter Straße geht ihrem Ende entgegen. Die Straße ist von Grund auf neu ausgebaut und unter Benutzung von Splitt und Zusatz von Teer in tadellosen Zustand gebracht worden.
* * Di e Kaiferallee ist seit Sonntag für den Fährverkehr freigegeben. Die Kleinpflasterung der Fahrbahn reicht etwa 25 Meter über den Alten Rödger Weg hinaus. Der Bürgersteig (rechte Seite) ist noch etwas weiter als die Kleinpflasterung mit Zementplattenbclag versehen worden. Zur Zeit wird an der Gabelung der Kaiserallee-Licher Straße der Bürgersteig mit Kleinpslaster hergerichtet. Die linke Seite oberhalb der Woifstraße wird in einigen Tagen fertiggestellt sein, so daß die Kaiserallee bann für den gesamten Verkehr wieder frei ist. Die Straße macht nach dieser durchgreifenden Herstellung einen freundlichen Eindruck.
* * DerWohnungsbauaufdem Kugelberg hat auch im letzten Sommer gute Fortschritte gemacht. Auf dem Gelände hinter der Maschinen- gewehr-Kompagnie-Kaserne, westlich des Universitäts-Sportplatzes, ist eine neue Straße angelegt worden, die in der Richtung auf den hinter der Kafernenmauer her führenden Weg am städtischen Obstgarten ausläuft. Die Straßenfenkkasten und Ka- nalifationsanschlüffe sind bereits vor einigen Mo- naten fertiggestellt worden. Dor längerer Zeit wurden auch die Straßenbauarbesten ausgeschrieben, und feit einigen Tagen ist man mit dem Auffüllen der Talfenke beschäftigt. Es sind erhebliche Erbmassen erforderlich, um die Straßenfenkkasten (bis zu zwei Meter) einzubetten. An dieser neuen Straße hat der Staat einen zweiten Neubau von zwölf Wohnungen errichten lassen, der jetzt in feinem Aeußeren fertig- gestellt ist und demnächst nach vollendetem Innenausbau bezogen werden kann. Das Gebäude macht einen freundlichen unb gebiegenen Eindruck. In der Friedens st raße sind jetzt von der Wohnungsfürsorgegesellschaft für Hessen, gemeinnützige Gesellschaft m. b. H. in Darmstadt, zwei Häuserblocks von je zwölf Wohnungen im Rohbau unter Dach gebracht worden. Diese Hauser sind im Gegensatz zu früheren Bauten ganz aus Zie> lsteinen aufgeführt, wodurch sie eine erhöhte Lebensdauer zu verzeichnen haben. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit ist die Bautätigkeit in diesem Stadtteil erneut aufgelebt. Am Anfang der Friedensstraße, an der Licyer Straße, und am Beginn der Straße „Am Kugelberg" starrt ein
ganxer Wald von Gcrüststangen. Dort werden vier Häuserblocks mit zusammen 45 Wohnungen (auch Läden) im Auftrage der obengenannten Gesellschaft erbaut. Die Baufirma H. Weimer hat an dem Eckbau „Am Kugelberg" ein etwa 20 Meter hohes turmartiges Gerüst errichtet, in welchem der von der Betonmischmaschine gebrauchsfertig gemischte Beton nach oben befördert wird, von wo er dann in langen Rinnen an seinen Bestimmungsort, die Bretterverschalung für die Mauern, fließt. Die Grundmauern sind schon soweit erichtet, daß, wenn bas Wetter günstig ist, man die Bauten noch in diesem Jahre im Rohbau fertigzustellen gedenkt.
“ Zeppelin-Briefpost aus Amerika erhielt der hiesige Dauer sche Gesangverein von einem früheren aktiven Mitglied des Dauer'chen Sängerchors. Der Dries stammt von Henry Lutz in Pittsburgh (Pennsylvania). Er trägt den LDfertigungsstempel „Lakehurst, 28. Oktober" und den deut'chen Ankunstsstempel „Friedrichshafen, 1. November". Auf dem amerikanischen Mserttgungsstempel sieht man llnks in einem Kreis den amerikanischen Äontinent, rechts in einem Kreis Europa, darüber als Verbindung ben frei schwebenden „Graf Zeppelin". Der Driefschreiber läßt in seiner Mitteilung an die „Dauern" erkennen, wie groß die Freude der Deutschamerikaner über den gelungenen Flug des „Graf Zeppelin" ist. Henry Lutz, der aus Rheinhessen stammt, gehörte bis vor fünf Jahren während seiner Tättgkeit bei der Reichsbahn in Gießen dem Dauer'chen Gesangverein als aktives Mitglied an.
“ Vorsicht beim Daum fällen. In der Zeit des Baumfällens werden an den Straßen und in den Ortsstraßen die Telegraphen- und Fernsprechleitungen durch umstürzende Bäume, oder durch herabfallende Aeste häufig beschädigt, Werl die Personen, denen das Baumfällen obliegt, in der Regel die zur Sicherung der Tele- graphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt nicht, oder nur in ungenügendem Maße treffen, und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten der nächsten Postanstalt rechtzeitig Mitteilung zu machen. Da auch fahrlässige Beschädigungen der Telegraphenanlagen im § 318 des Reichs-Strafgesetzbuches mit Strafe bedroht sind, sei den Daumbesitzern empfohlen, die nächste Postanstalt von der bevorstehenden Daumfällung so zeitig zu benachrichttgen, dah eintretendenfalls die Entsendung eines 'Beamten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt werden kann.
•* Ein Schadenfeuer entstand gestern nachmittag gegen 1/22 Uhr auf dem Grundstück der Gärtnerei Gerhard am Schiffenberger Weg. Die Flammen schlugen dort plötzlich aus einem Koksschuppen heraus und ergriffen rasch eine danebenstehende Werkzeughalle. Die sofort herbeigerufene Feuerwehr nahm die Dekämpsung des Brandes energisch in Angriff, sie hatte aber immerhin etwa 8/< Stunden zu tun, bis die Ab- löschung des. Brandes soweit erfolgt war, dah die Feuerwache nach dem Depot zurückkehren konnte. Von dem Koksschuppen ist das Dach abgebrannt, ferner wurde eine Seitenwand zerstört. Von der Werkzeughalle ist die Stirnwand an» fiebramrt. Heber die Entstehungsursache ist bis eht nichts bekannt.
•• Der Schützen-Verein ©leben, der vor kurzem die Feier seines 50jährigen Bestehens begehen tonnte, hat die ihm aus diesem Anlaß von befreundeten Vereinen überreichten kostbaren Ehrengaben im Schaufenster des Juweliers Drück am Kreuzplatz öffentlich ausgestellt. Inmitten der interessanten Schau befindet sich das vom Reichspräsidenten von Hindenburg übermittelte und eigenhändig unterschriebene Glückwunschschreiben an den Verein. Die Ausstellung, die eindrucksvoll Zeugnis ablegt von der hohen Wertschätzung, deren sich der Schützen- Verein Gießen erfreuen kann, fei der Beachtung unserer Mitbürger empfohlen.
** Konzert In der Chirurgischen Klinik. Am Sonntagnachmittag erfreute die Jugendvereimgung von Klein-Linden die Pa* tienten der Chirurgischen Klinik mit einem wohl- gelungenen Konzert. Unter Leitung von Lehrer Rau trug der Mädchenchor der Vereinigung etwa zehn zum Teil recht schwierige Chöre vor, die alle reichen Beifall und den Dank der Patienten fanden. Zwischendurch sangen Burschen und Mädchen Lieder zur Laute, dr: ebenfalls dankbar aufgenommen wurden. Für die Pattenten war der Liedernachm.ttag eine schöne Abwechselung, dankbare Freude strahlte aus allen Augen.
*• Eine große Geflügelschau Ober- Hessens werd am nächsten Samstag und Sonntag als Derbandsschau der Oberhessischen Ge- flügelzuchtdereine in d:r Festhalle zu Alsfeld dem Publi um zuglng ich gemacht. Wie man uns mitteilt, wird dort das beste Geflügelmaterial aus der ganzen Provinz Oberhes.en gezeigt werden, so dah ein De.uch lohnend sein dürfte. Näheres in der heutigen Anzeige.
** Obst- und Gartenbauverein Gießen. Die Reihe gemeinverständlicher Vorträge auf dem Gebiete des Obst- und Gartenbaues, die im Obst- und Gartenbauoerein Gießen im Laufe des Winterhalbjahres gehalten werden sollen, wurde am Sonntagnachmittag im Saale des Hotel Hopfcld durch einen Vortrag eröffnet, den Landes-Obstbau- inspektor Pfeiffer (Darmstadt) vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft über bas Thema „Obstbau im Hausgarten" hielt. In klarer und fesselnder Weise schilderte der Vortragende die bekannten Schäden und Mängel des Gartenobstbaues. Immer und überall wird zuviel gepflanzt. Die jungen Bäume sind bei der Anlage noch klein, dos verführt zu engen Abständen. Werden sie größer, dann entbrennt schon lange, bevor die Zweige sich berühren, ein erbitterter Kampf im Boden um die Nährstoffe, bei welchem stets die feineren Sorten und die auf Zwergunterlage veredelten zu kurz kommen. Die nachteiligen Folgen jeder Art zeigen sich leider nicht, wie bei der Landwirtschaft, schon nach Verlauf etlicher Wochen oder Monate, sondern erst nach Jahren. Wer zu viele Obstbäume in seinem Garten hat, müßte es über sich bringen, hin und wieder welche zu opfern; besonders dann wird diese Beschränkung notwendig sein, wenn nicht nur Obst, sondern auch noch Beerenobst, Gemüse und Blumen vom Garten verlangt werden. Nicht selten wird ein Garten auf Gelände angelegt, auf welchem zuvor schon Obstbäume stan- den. Aus solchem Boden wachsen die Bäume nicht, wenn nicht zuvor Maßnahmen gegen die Boden- müdigkeit ergriffen werden, die in reichlichem Kalken und Behandeln mit Schwefelkohlenstoff, ähnlich wie im Weinbau, bestehen. Hierzu rechnet man 200 bis 250 Gramm pro Geviertmeter in vier Löcher verteilt, die 50 Zentimeter tief in den Boden reichen. Eine Bodenoerbesserung vor der Anpflanzung durcb tiefere Bearbeitung, Zufuhr frischer Muttererde unb Sand, wo beide billig zu haben sind, vor allem auch von Komposterde und Torfmull wird sich in allen Fällen später bezahlt machen. Wo mitSchwefel-
Wenn Are SmpsehlungSanzefge in derSamslagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige unb wirksame Sahausftattung werben sott bann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in ber Geschäftsstelle auf!
kohlenstoff die Bakterienflora total abgetötet ward, ist eine Einwirkung von wenigstens vier bis sechs Wochen nötig, worauf mit reichlich Stallmist und Zauche der Boden neu belebt werden muß. Redner erörterte hierauf den Gehalt der verschiedenen Düngemittel an organischen Stoffen, die immer die Grundlage jeder weiteren Düngung bilden, wie auch den Wert der Kunstdünger, die zwar nicht zu entbehren sind, aber doch nur zur Ergänzung dienen sollen. Wo diese Grundlage vorhanden, rechne man alljährlich drei bis fünf Zentner Thomasmehl, das gleichzeitig reichlich Kalk enthält, die Hälfte dieser Menge an Kali und eineinhalb bis zwei Zentner schwefelsaurer Ammoniak pro Morgen, das am Preis bemessen, immer noch am billigsten ist, da es in der Wirkung sich nachhaltig erweist. Den Baumschnitt erlernt man aus Büchern nicht allein, sondern am Daum unter Anleitung eines Fachmannes. In der Aussprache kam die bei uns leider vernachlässigte Pfirsicykultur als Busch und zwangloses Wandspalier zu ihrem Recht, auch die Bezugsmöglichkeiten von Weinreben und vieles andere wurden erörtert. Reicher Beifall lohnte den Redner. Allseitig begrüßt wurde der Vorschlag des Obstbauinfpektors E n k l e r (Gießen), im Lause des Winters eine Demonstration abzuhalten, bei welcher in hiesigen Obstgärten der Baum- schnitt erläutert werden soll. Eine ©ratisoerlofimg beschloß den anregend verlaufenen Nachmittag.
** MarkuSgemelnde. Di« ©aneinixfeiet am Resormationsfest ist nun durch jahrelangen Brauch schon feste Einrichtung geworden und mit jedem Jahr wird der Besuch stärker. Schon lange vor Beginn der Feier war dve Turnhalle so überfüllt, daß sehr viele keinen Platz mehr fanden und wieder Weggehen mußten. Di« Veranstaltung bot auch diesmal wieder, wie Kirchenvorsteher Horst in herzlichem DmrüßungSwort betonte, das Bild einer großen Fchnilie. Dazu trugen besonders bei die schön gedeckten und mit Blumen geschmückten Tische, sowie di« Bewirtung mit Kaffee und Kuchen. Diel Freude bereiteten die Spiele und Reigen von Kindern deS Kindergottesdienstes und von Mitgliedern der Markus-Mädchenvereinigung, die von Helferinnen der Kinderkirche und vor allem unter Leitung von Fräuiem Flick in langer Arbeit gut eingeübt waren. Besonderen Beifall fanden ferner einige Volkstänze und mehrstimmige Volkslieder, die von dem Gießener Volkstanz-Kreis unter Leitung von Karl AlthauS mit feinem Verständnis dargeboten wurden. Der Posaunenchor des Wartburgvereins, unter Leitung von Kaufmann Karl Schaub, bestritt den musikalischen Tell unb erfreute durch viele schöne Chö« und Märsche. Nach kurzem Dankes wort von Pfarrer Decker an alle Mitwirkenden, besonders auch an die Mitglieder drS Frauenvereins und ihre Vorsitzende, Frau Happel, welche mit viel Liebe und Sorgfalt die ganze Feier gerichtet hatten, schloß di« Veranstaltung mit dem gemeinsam gelungenen Refvrmattonslied »Ein« feste Burg ist unser Gott".
•* 64 Jahre Bürgergesellschaft Gieße n. Aus Anlaß ihres 64jährigen Bestehens hatte die Dürgergesellschaft am SamStaaabend ihre Mitglieder und Freunde zu einem Festabend im Kathol. Dereinshause eingelaben. Das reichhaltige Programm wurde durch Mitglieder der Kapelle Weller eröffnet, die den musikalischen Teil deS Programms glänzend bestritten. Die Begrüßungsansprache des Präsidenten Fr. Hirsch gab zum Sch u'; ein kurzes Bild der Vereinsgeschichte und schloß mit einem dringenden Appell an alt unb jung, getreu den Satzungen der Gesellschaft mitzuw'.rl'en, durch Anschluß an die Gesangsabteilung und die Veranstaltungen reger zu besuchen, wobei er darauf hinwies, daß die Gesellschaft am 3. Januar n. I. ein großes Konzert (45 Mann Streichmusik) veranstalte. Zum Andenken an unseren Meister Franz Schubert fang Frau GustelAppel-Pfafs drei Schubertlieder, .Morgengruß", »Der Neugierige" und »Heidenröslein", toäbrenb sie im zweiten Teil Lieder von Loewe, Hildach und E. M. v. Weber sehr wirkungsvoll zu Gehör brachte. Frau Appel-Pfaff verfügt über einen recht netten und ansprechenden Mezzo-Sopran uxb fand bei den Zuhörern reichen und dankbaren Beifall. Die Lieder für Männerchor, „Heima'-sen", „3m Walde", »3m Feld deS Morgens früh', »Tanz* liedch^n , „Ich lag am Waldesi^ame" unb „Abendständchen' . zeigten, daß der kleine Chor und sein Dirigent such mit viel Liebe der Pflege des Gesanges bingeben. Die Gesangsabteilung bot mit ihren Liedern recht gut« Leistungen. Den Schluß des Programms bildeten zwei Thlo- phonsoli des Mitgliedes der Dürgergesellschaft 3. Paulus, der sich als ein hervvrragercher Meister dieses 3nstrumentes zeigte. Stürmischer, nicht endenwollender Beifall belohnte den Solisten. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Bürgergesellschaft ein Programm geboten hat, daS das Wohlgelingen der Veranstaltung in allen Teilen sicherte, aber auch einen besseren Besuch verdient hatte.
** Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 1074 Kälber, 648 Schafe, 550 Schwein«.
Hei lewet noch: Gustav Nagel.
LPD. Zu der Meldung, daß der bekannte Naturapostel G u st a v Nagel auf dem Kirchweihfest in Farnroda bet Hersfeld an einem Herzschlag gestorben sei, erfahren wir daß diese Nachricht unrichtig ist. Gustav Nagel soll sich überhaupt nicht in jenem Dorfe auf- gehalten haben. Dem sonderbaren Heiligen, der wiederholt totgesagt toorben war, haben diele Zeitungen schon wohlgemeinte Nachrufe gewidmet.
Berliner Börse.
Berlin, 8. Nov. (WTD. Funkspruch) Nachdem Neuhork, wie erwartet, auf die Wahl Hoovers mit einer Haussebewegung geantwortet hatte, scheint man auch in Berlin weiter freundlich gestimmt zu fein. Besondere Anregungen liegen nicht vor. utid die Umfaßt ättgleit ist auch vorläufig noch weiter sehr gering. Da Kurse nicht zu hören sind, ist eine Tendenz nur schwer HU erkennen Am Devisenmartt nennt man; Paris 124,15, Mailand 92,60, Spanien 30,08, fratWunb 484,85, und den Dollar 4,1985.


