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rücklage von 1165,75 Mk. und einen Reingewinn von 3297,93 Wk. Die Mitgliederzahl steigt dauernd und erreichte bereits 100. Der Llmsah in 1927 beträgt 35180 Mk., mit Düngerbezug 41 512 Mk. Die vom Aufsichtsrat vorgeschlagene Warenrückvergütung von 8 Prozent wurde von der Generalversammlung genehmigt. Die gesamte Rückvergütung von 1927 beträgt 2427 Mk. Auf die einzelnen Mitglieder verteilt erhielten vier Mitglieder 50 bis 60 Wk.. sechs Mitglieder 40 bis 50 Mk., 19 Mitglieder 30 bis 40 Mk., 31 Mitglieder 20 bis 30 Mk.. 29 Mit- glieder 10 bis 20 Mk., die anderen unter 10 Mk.

* Ober-Bessingen. 7. Febr. Die Orts­gruppe Ober-Bessingen des Land- jugendbundes kann auf eine schöne und ein­drucksvolle Feier zurückblicken. Galt es doch am Sonntag, den neu beschafften Wimpel feier­lich zu weihen. Zwei gemischte Chöre leiteten den Weiheakt ein. Letzterer wurde von dem Bundesvorsitzenden Robert Schmidt aus Steinheim vorgenommen. Sn gleicher Treue, wie die Hessen im russischen Feldzug 1812 zu ihrer Fahne hielten, die Mannschaften derIltis" und die desGrafen von Spee" die Treue zur Fahne mit dem Tode besiegelten, so möge in Zukunft auch die Ortsgruppe Ober-Bessingen zu ihrem Wimpel stehen. Rach üblicher Ueberreichung kam eine umfangreiche Vortragsreihe zur Abwick­lung. Die lebenden BilderGermania" undDie Spinnstube", sowie Tanz- und Volkslieder, nebst einigen Sologesängen fanden begeisterte Aus­nahme. Sn seinem Vortrag über unser Wirt­schaftsleben mahnte der Dundesführer Schmidt treuer Einigkeit: olle Stände müßten sich schätzen und ehren lernen, wobei aller Partei- Hader beiseite trete. Zwei Einakter, die mit großem Verständnis gespielt wurden, setzten die Lachmuskeln tüchtig in Bewegung. Der gemischte ChorDer Frühling naht mit Brausen" beendete die Vortragsreihe. Bei seinem Schlußwort be­tonte der Dundesvorsihende, daß die Land­jugendbund-Gruppe Ober-Bessingen die Sdeale des Bundes hochholte, indem sie unter Leitung ihres Lehrers deutsches Lied, deutsche Sitte ver­herrliche. vor allem die alten schönen Volks­lieder zu Ehren bringe und die modernen Gassen­hauer verabscheue. Roch lange wird die hübsche Feier in den Herzen nachhallen.

-. Lang-Göns, 7. Febr. Die Verbreiterung und Befestigung des hiesigen Bahndammes, der im vorigen Frühjahr bedenklich gerutscht war, haben es bedingt, daß auch die Durchfahrt hinter dem Dorfe, nach dem Hardtwald zu, ver­längert werden mußte. Di« Arbeiten sind fast vollendet. Wie man hört, soll nun auch die Unterführung an der Holzheimer Straße erweitert werden. Das würde von einem großen Teil der hiesigen Bevölkerung aufs wärmste begrüßt werden, denn gerade hier tut Hilfe dringend not. Sst doch wohl in unserer Gemeinde keine Stelle, die zur Zeit so schwer passierbar ist, wie gerade die Durchfahrt an der Holzheimer Straße. Rach Beendigung des Krie­ges ist jenseits des Bahndammes ein ganz neues Viertel erbaut worden. Der Verkehr hat sich da­durch gewaltig vergrößert, und di« schmale Durch- gangspförte hat sich längst als viel zu dürftig erwiesen. Dom Gemeinde rat wurde nun auch beschlossen, daß der neu« Dvrfteil zu beiden Seiten der Straße eine Rinne erhält. Viel­leicht wirA bei der Herstellung dieser Rinne und bei der Verbreiterung des Durc^anges auch «in Fußsteig angefegt Denn tote die Verhält­nisse eben liegen, rönnen sie unmöglich in Zu- fünft bleiben. Zu Mitgliedern der Bezirks- sparkasse Gießen wurden die Herren L. Velten unb 3. Henrich vom Gememderat wiedergewähll.

Kreis Friedberg.

* Friedberg, 7. Febr. Die Zusammen­stellung der Zahl der Unter st ützungsemp- fänger beim Arbeitsamt Friedberg- Büdingen am 1. Februar, hat einen erfreu­lichen Rückgang ergeben. Rund 600 Arbeiter haben sich tells selbst wieder Arbeit gesucht, teils sind sie vom Arbeitsamt vermittelt worden. Die vom Arbeitsamt vvrgenommene Vermittlung verteilt sich etwa zur Hälfte auf die Landwirt­schaft und zur anderen Hälfte auf ander« Be» rufe. Cs scheinen auch allmählich die Kreise der kleineren Arbeitgeber, auch außerhalb der Land­wirtschaft, sich an das Arbeitsamt zu gewöhnen, wenigstens nimmt die Zahl der gemeldeten offe­nen Stellen langsam zu. Besondere Schwierig-

Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....

Roman von Erica Grupe-Lörcher.

38 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Leise Schritte gingen über den Teppich. Dietwart wandte sich zum Freund herum. Raymond schien im Begriffe, aus Taktgefühl das Zimmer verlassen zu wollen.Bleibe hier, Raymond, ich bitte dich dar­um! Es gibt kein Geheimnis zwischen dir und mir. Was zwischen Melusine und mir jetzt gespro­chen wird, kann dich kaum überraschen."

Dann straffte sich Dietwart zu seiner schlanken Größe auf und sah Melusine ins Auge. Niemand merkte ihm in seiner vornehmen Selbstbeherrschung an, wie ungemein widerstrebend er jetzt diese letzte Aussprache begann. Wenn es sich, wie er bisher angenommen hatte, einzig um nationale innere Ge­gensätze gehandelt hätte, die unter der Berschieden- heit der Verhältnisse aufgeklafft waren und vielleicht zwischen ^wei charaktervollen Menschen begreiflich waren, er hätte es leichter genommen! So aber ichob sich der Argwohn ihrer schon begonnenen Un­treue, eine Trübung ihres Charakterbildes durch ein U? ,®lene gesetztes Doppelspiel zwischen ihn und die Gebebte.

Wir wollen Klarheit zwisä)en uns beiden schaf­fen, sagst J>u, Melusine? Das trifft nicht ganz den Kern der oad?e. Für mich lagen meine Beziehungen zu mr m einer einziaen klaren Linie seit damals, seit wir uns auf dem Ballabend verlobten! Ich hatte mich völlig in die glückliche 'Zuversicht eingelebt, ich besäße dein Jawort und du würdest dieses am Schlüsse des Krieges mit einer Verbindung mit mir einlösen!"

Gewiß, Dietwart, das war auch meine Absicht Aber sieh, jetzt haben sich die äußeren Verhält- nisse so vollkommen verschoben. Der Krieg ist so ganz anders ausgegangen als ..., Und unter dem Druck dieser großen Veränderungen ist e- mir klar geworden, daß meins innerste Uederzeugung eben doch nicht mehr völlig zur deutschen Seite^hin­übergeht!"

Raymond hatte sich an die Wand gelehnt, die Hände auf dem Rücken. Er gab sich keine Muhe, je ner Schwester gegenüber seine immer größer mer-

keiten macht immer noch die Besetzung der von der Landwirtschaft gemeldeten freien Stellen. Hm den Bedarf auch nur notdürftig zu decken, wird es namentlich im Frühjahr notwendig werden, die im letzten Sahr aus der Landwirtschaft ab- gewanderten Arbeitskräfte zurückzuführen, da bi« Zahl der bis jetzt für den Bezirk genehmigten ausländischen Arbeiter, die durch die Abwande­rung entstandene Lücke keineswegs deckt. So er­freulich es an und für sich ist, daß auch in ländlichen Gegenden Werke, wie beispielsweise die Hefrag in Wölfersheim, entstehen, so groß ist auf der anderen Seite die Gefahr, daß gerade in diesen Betrieben frühere landwirtschaftliche Arbeiter eingestellt werden. Das Arbeitsamt ist nach Kräften bemüht, einen tragbaren Aus­gleich zwischen den verschiedenen Snteteffen her­beizuführen. Am 1. Februar wurden insgesamt im Arbeitsamtsbezirk 3030 Hauptunterstützungs­empfänger gezählt. Davon entfallen 23 0 6 auf den Kreis Friedberg, mit Ausnahme der Stadt Bad-Nauheim, rmd 724 aufden Kreis Büdingen. Außerdem erhalten Krisen- unterstühung 182 Personen im Kreis Fried­berg und 5 Personen im Kreis Büdingen.

i Steinfurth, 7. Febr. Gestern abend hielt Oberstleutnant von Hagen im hiesigen Krie­gerverein einen öffentlichen Vortrag über die Marneschlacht 1914. Sn sehr sachlichen Ausführungen gab er mittels graphischer Dar­stellungen im Lichtbild einen anschaulichen Äeberblick über die militärischen Operationen bei der Marneschlacht, und versuchte im 2. Teil seines Vortrages der Frage nach der Schuld an der verlorenen Schlacht gerecht zu werden. Mit einer schönen Bilderserie vom Rhein be­schloß er seinen Vortragsabend. Philipp Hup­pert, der Vorsitzende des Kriegervereins, leitete die Veranstaltung und verteilte am Schlüsse an Kameraden die Kriegervereinsabzeichen für 25jährige und 40jährige Mitgliedschaft.

Kreis Büdingen.

? Nidda, 7. Febr. Sn einer Stärke von über 30 Reitern unternahm am Sonntag der hiesige Reit - und Fahrverein einen $ r o- pagandaritt durch die talaufwärts gelegenen Dörfer des Niddatals. Am Ende der Reiterschar, die von dem Publikum lebhaft begrüßt wurde, fuhr ein Sagdwagen. Es ist anzunehmen, daß die Neugründung, die anscheinend gut geleitet ist, aus der ganzen Umgebung wertvoll« llnter* stühung findet.

! Nidda, 7. Febr. Die Oberhessischen Ob st Werke in Büdingen haben sich be­reit erklärt, die noch über Bedarf in den ein­zelnen Orten lagernden Aepfel aufzukau­fen und zu verwerten. Damit ist den ein­zelnen Produzenten, die im Herbst nicht ver­kaufen konnten, Gelegenheit geboten, ihre Vor­räte abzusetzen. Aepfel wie Kartoffeln sind seit Herbst im Preise stark zurückgegangen.

Kreis Schotten.

S L a u b a ch, 7. Febr. Sicherem Vernehmen wird Kammerdirektor Friedrich Birnbaum, der seit 21/2 Sahrzehnten an der Spitze der gräflichen Verwaltung steht, mit Wirkung vorn 1. April d. 3. aus dem gräf­lichen DZenst« ausscheiden. Der Abgang des tüchtigen Beamten und liebenswürdigen Ge­sellschafters wird nach jeder Seite allgemein tief bedauert. Die heutige Holzversteige­rung aus den gräflichen Waldungen, wie auch die gestrige, erzielte normale Preise im Gegensatz zur letzten Versteigerung aus den Gemeindewaldungen. Heute kam das Raummeter Duchenscheit durchschnittlich auf 11 bis 12 Mk.. BuchenprÜHel auf 6 bis 9 ML, Buchenstöcke etwas billiger.

Kreis Alsfeld.

*«« Alsfeld, 7. Febr. Lus der gestrigen Stad t o o rsta n d s si tz u n g ist außer der schon berichteten Beschlußfassung über die Höhere Bürger-Mädchenschul« noch folgendes mit« zuteilen: Bezüglich der Fortführung der Kanalisation wurde bescksiossen, diese im lau­senden Jahre wegen der schwierigen Geldbeschaftung einzuschränken. Es wurde hierfür für einige Sira« ßen ein Betrag von 32 400 Mark bewilligt und die Ausführung der Arbeiten von der Gewährung der beantragten Zuschüsse aus der wertschaffenden Er­werbslosenfürsorge abhängig gemacht. Die von der Mechanischen Kleiderfaorik Gg. D. Bücking beantragte Erweiterung der Hohl, d. h. der

dende Empörung zu verbergen und meinte:Ja, weil Deutschland den Krieg verloren hat, Melusine! Du handelst in deinem Einzelschicksal als Elsässerin um keinen Preis anders, als das Elsaß es jetzt Deutschland gegenüber tut. Du weißt, wie oft in den letzten Monaten in den elsässischen Kreisen die Phrase, diese Redensart von aofcheulicher Eharak- terlosigkeit wiederholt wurde.Wir gehören zum Sieger!" Ja, Nationalgcfühl und nationales Zuge­hörigkeitsgefühl find zur Zweckmäßigkeit erniedrigt!"

In Melusine stieg heißblütig ein Bekennermut auf. Die Finger preßten sich ihr leidenschaftlich zu­sammen.Maa sein, Raymond! Ich aber muß mich nach meinen Gefühlen richten. Biente, daß franzö­sisches Blut in mir rollt! Das hat sich geregt das ist schon damals erwacht als ich dich im Hoch­sommer droben im französischen Lazarett besuchen wollte! Nie habe ich mich auch nur einen Moment fremd oder als Fremde gefühlt, wie ich dort mit der französischen Zivilbevölkerung in Berührung trat!"

Die b'den Herren wechselten einen Blick miteinan- der. Sie sah in den Augen ihres Bruders ein Miß­trauen stehen. Im Gefühle eines schlechten Gewissens glaubte sie jetzt nicht anders, als chr Bruder habe durch irgendwelchen Zufall von ihren Beziehungen zu Jean Bouvier erfahren, die schon damals begon­nen hatten! ,Jch habe einen jungen Franzosen kennengelernt, der auf mich sogleich einen tiefen Ein­druck gemacht hat! Durch seine große künstlerische Begabung. Und um nun gleich zum Ziele unserer Besprechung zu kommen: es ist derselbe Monsieur Bouvier, Len ich euch eben beim Verlassen des Autos hier vorgestellt habe"

Sie stockte, denn sie sah Dietwart eine unwillkür­liche Bewegung machen. War es Empörung, war es Ueberraschung oder vielleicht gar Stolz? Raymond aber war so verwachsen mit dem Gedankenleben sei­nes Freundes, daß er die plötzliche Bewegung richtig zu deuten vermochte:Dietwart, wie soll man das alles nennen? Verhängnis? Fügung? Bestimmung? Allein durch deine vielen Bemühungen bei all den verschiedenen Instanzen ist es damals möglich gewe­sen, Melusine nach Bezay kommen zu lassen. Nur durch deine Mühe und Umsicht konnte mir damals mein Wunsch erfüllt werden, Schwester ober Mutter nort) einmal sehen zu können, weil mein Zustand hoffnungslos war. Du siehst dick in deinem Fre ichaftsdlenft mir gegenüber nun vurch meine Schwe-

Zufahrtstvaße ju der Fabrik, wurde wegen der hohen Kosten und der dadurch erwachsenden starken ftnanziellen Mehrbelastung vorerst zurück- aefteUt. Die Kosten sind auf 65 000 Mark veran­schlagt. Die Frage einer eventuellen provisorischen Herstellung der Straße soll nochmals geprüft wer­den. Die Festsetzung einer Reihe von Baufluchtlinien zwecks Beseittgung einer Anzahl von Miststätten und Abfallgruben in der Altstadt wurde im Einvernehmen mit dem Denk­malpfleger auf Grund einer Ortsbesichtigung be­schlossen. Auf diese Weise sollen die unschönen, teil­weise gesundheitswidrigen Zustande in der Altstadt beseitigt werden, da eine gütliche Regelung nicht möglich ist. Die Stiftung eines Aus- fichtstempels auf dem SBölfingberg durch ven hiesigen Zweigoerein des Vogelsberger Höhen­klubs, den dieser dort errichtet hat und der der All­gemeinheit zur Verfügung gestellt werden soll, wurde dankend angenommen. Der Vertrag zwischen der Stadt und der landwirt­schaftlichen Schule, welcher das bestehende Rechtsverhältnis bezüglich der Ueberlaffung der Schulräume regelt, wurde ohne Debatte gend>migt. Ein Gesuch der Freiwilligen Feuer­wehr um kostenlose Ueberlaffung der Festhalle für den am 9. und 10. Ium stattfindenden Prvvin- zialfeuerwehttag wurde genehmigt. Eine lange Debatte entspann sich über die am Schüsse der Sitzung verhandelte Angelegenheit der Errich­tung eines neuen Postgebäudes. Wäh­re nd nach dem seicherigen Beschluß des Stadtoor- standes als Bauplatz das städtische Grundstück in der Alicestraße vorgesehen ist, liegt nunmehr eine Eingabe mit mehr als 200 Unterschriften vor, tn der beantragt wird, das HotelZur Krone" zu erwerben, es nieüerzulegen und auf diesem Platze das neue Postgebäude zu errichten, da der Neubau I hier zentraler gelegen sei und viel besser zur Gel­tung komme, als in dem ziemlich eingeengten Platz in der Alicestraße. Das Reichspostministerium lehnt eine Beteiligung an den Kosten des Erwerbs des Bauplatzes bezüglich derKrone" ob. Nach einer ausgedehnten Aussprache wurde schließlich beschlos­sen, über die Frage, ob für den Po st neubau Der Platz in der Alicestraße oder das Projekt be­züglich des Hotels ,Lur Krone" gewählt werden soll, eine Volksabstimmung aller Wahl­berechtigten am Sonntag, 12.Februar stattftnden zu lassen. Der Stadtvorstand wird als­dann, je nach dem Ergebnis Der Abstimmung, sei­nen Beschluß fassen. Dieser ungewöhnlich Weg wurde beschritten, weil man glaubte, in einer so wichtigen Angelegenheit für die Stadt die Gesamt­heit der Bürger befragen zu sollen.

Kreis Lauterbach.

chHörgenau,7. Febr. Eine von Bürgermeister Walz (Lauterbach) hierhin einberufene Ver­sammlung ließ sich von ihm, als dem Haupt­redner, zu einem einheitlichen Vorgehen be­wegen zugunsten einer neuen Bahnlinie M ü de Ulrichstein Engelrod Hörgenau Lauterbach. Der Vortra­gende führte u. a. aus, daß diese OsttWest-Bahn wesentlich leichter zu verwirklichen sei als die andere geplante Linie in Nord-Süd-Richtung, Verbindung von Alsfeld mit Schotten. Sn der Hauptsache wurden fünf Gründe angeführt, die (rtle für die Bahn Mucke Lttttchstein Lauterbach sprechen. Den sehr großen Schwierig­keiten der Geländeüberwindung von Schotten aus auf die Höhe steht gegenüber eine viel günstigere Geländegestalt bei der hier propagierten Rich­tung. Die Strecke ist wesentlich kürzer und darum billiger als die in Nord-Süd geplante. An ihr liegen bedeutend mehr Ortschaften, die darum eine sichere Rentabilität gewährleisten und außerdem zu den Kosten in größerem Mahstabe herangezogen werden können. Die.weitaus größte Strecke dieser Linie sei seinerzeit schon abgesteckt gewesen. Die vorgeschlagene Linienführung gehe mitten durch den Hauptkerrc des gewaltigen Eisenerzlagers mit dem Mittelpunkte Dirlammen, während gerade dieses die Bahn rentabel ge­staltende Gebiet von den anderen Projekten höch­stens am Rande erfaßt werde. Mit großem Bei­fall wurden diese Ausführungen aufgenommen und erzeugten den einheitlichen Willen des gan­zen Nordost-Vogelsberges, mit einmütigen Kräf­ten dem dargelegten Ziele zuzustreben. um so mehr, als man sich von einer mindestens ebenso starken Bewegung auf der Gegenseite des Ge­birges, dem Ohmtal, unterstützt weiß. Von den zahlreichen einheimischen Debatterednern wurden die Ausführungen des Hauptredners iwch toert- ster dadurch belohnt, daß ihr ein Mann in den Weg geführt wird, dem sie ihre Zuneigung zuwendet .. ,?x

Gs verging eine lange Zeit, bis Dietwatt sich zu einer Aittwort aufraffte. Er verschloß seine Enttäu­schung lieber in sich, als sich in ein Abwägen und fragen und Erörtern über Dinge mit der Geliebten einzulassen, die so subtil und die so schmerzlich waren! Er sah sich wieder mit Melusine damals am Sonnenmorgen in den Mauern des alten Festungs­turmes sitzen und nach dem Grunde chrer leise und langsam entgleitenden Liebe forschen. Ohne zu ahnen, daß in diesem gefährlichen Stadium einer ersterben­den Zuneigung ein Mann ihr begegnete, für den schnell ein neues Gefühl in chr aufwuchs!

Sage es kurz und offen Melusine! Nicht nur die nationale Zwiespältigkeit unserer Ansichten ist es, die dick mir entfremdet: du hast jenem anbem dein Interesse zugewandt? Und du bist überzeugt, mit ihm glücklicher zu werden, als du es an meiner Seite vermöchtest?"

Sie stand noch völlig unter dem beherrschenden Zwang dieser frisch durchlebten Stunden mit Jean Paul Bouvier.3a, Dietwart. Gefühle lassen sich nicht zwingen. Ich habe geglaubt, für dich die ein- Alge, d'« wahre Zunei-gung zu empfinden. Jetzt aber ahn« ich es, es kann noch ein jauchzendes Gluck geben"

Raymond hatte, an die Zimmer wand gelehnt, den Kopf gesenkt, regungslos zugehött. Jetzt hob er den Blick und sah feiner Schwester fest ins Gesicht: Wenn ich Dietwart wäre, ich würde dir sagen: ,Geh deiner Wege, Melusine, verbinde dein Schicksal mit diesem anderen, der dir fast noch ein Fremder ist! Vielleicht wird dir eine große Ernüchterung nicht erspart bleiben!'"

-Melusine mag sich mit den Konsequenzen ihres Schrittes abfinden! Dietwart griff wieder ein, weil ihn der brennende Drang beherrschte, die Unterhal­tung zu beendigen. Er war schmerzlich berührt, es empörte ihn fast, wie beherrscht, wie sicher, wie un­beirrbar Melusine von einem Glück an der Seite des andern sprach, den sie kaum kannte, mit dem sie nichts verband! Rein, Gefühle ließen sich nicht zwin­gen! Und im Grunde handelte sie in ihrem Ernzel- schicksal gegen ihn, wie chr heimatliches Elsaß es gegen Deutschland getan!

Darum laß uns jetzt Abschied voneinander neh­men, Melusine! Ich will dir nicht im Wege stehen, *

voll ergänzt, «in Beweis, tote stark sich die sonst nicht gerade redegewandten Vogelsberger mit der Frage beschäfttgen. Nur der Vertreter von LIlrichstein, Mehgermeister Dehrmann (in Verhinderung des Bürgermeisters Appel, der an einer ähnlichen Versammlung jensetts des Gebirges teiürahm), behielt sich volle Frei­heit der Entschließung vor, nicht, wie er aus­drücklich betonte, aus Quertreiberei, sondern um die Möglichkeit eines Bahnbaues durch starreS Festhalten an einem Projekt nicht zu zerschlagen. Er war mehr für ein Festhalten an dem alten Plane der Einmündung in Rixfeld, wegen der von Fulda schon lange angestrengten Weiter­führung über StockhausenHanczell bis dorthin. Am Schluffe der Versammlung wurden auö den etwa ein Dutzend beteiligten Ortschaften je drei Kommissionsmitglieder gewählt, die sicher die Verwirllichung des genannten Planes Mücke Lauterbach nach Kräften einsetzen wollen.

Rheinhessen.

WSN. Worms, 7. Febr. Zwei LJ Jahre alte Sungen spielten in Hofheim mit einem Flobert. Nach Art Wilhelm Tells wollte der Schüler Hans Schaber von hier seinem Gespielen, dem Schüler Heinrich E n g e c1 aus Bobstadt, eine Flasche vom Kops herunterschießen. Der Schuß ging jedoch fehl. Sn die Stirn getroffen, sank Engert zu Boden und erlag alsbald seinen schweren Verletzungen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

Z W e tz l a r, 6. Febr. Am Samstagnachmittag ist Ghmnasialoberlehrer a. D. Ludwig Seyer durch einen Gehirnfchlag plötzlich auö dem Leben geschieden. Mit ihm ist wieder eine der bekanntesten Wetzlarer Persönlichkeiten da- hingegangen, die sich besonders um die heimat­kundliche Erforschung unserer Stadt große Ver­dienste erworben haben. Seine Arbeiten waren vornehmlich den Goethestätten gewidmet: Goethe- brunnen, Lottehaus, Jerusalemhaus und auch dem städt. Museum. Mit viel Liebe hat er hier beim Ausbau dieser Stätten wirken helfen. Da­bei war er stets gerne Führer und Berater, wenn es galt, auswärtigen Besuchern ein Bild aus Wetzlars vergangenen Tagen zu^eben. Er­innert sei hier an den Besuch des früheren englischen Ministers Lord Haldane in Wetzlar einige Jahre vor dem Kriege. Neben diesen Arbeiten war Seher noch ein sehr dichterisch begabter Mann, der immer zur Stelle war, wenn es galt, Heimat und Vaterland bei totalen Anlässen in der Poesie zu verherrlichen. Leider hatte den 60jährigen Junggesellen seit zwei Jahren ein schweres Leiden befallen, von dem er durch eine Badekur in Neuenahr vergebens Heilung suchte, und das wohl auch den Grund zu seinem allfeitig bedauerten frühen Heimgang gegeben haben dürfte.

Kreis Biedenkopf.

bl. Bischoffen, 7. Febr. Der Arbeiter Wilh. Kroh von hier stürzte gestern nachmittag von einem Bulldogg und erlitt dabei schwere Beinverletzungen und Knochenbrüche. Der Verunglückte mutzte dem Krankenhaus in Dii lenburg zugeführt werden.

CO Bottenho rn, 7. Fsbr. Dis hiesige Ge- meindeoertretung hat in ihrer jüngsten Sitzung dem vom Kreise Biedenkopf vorgelegien Vertrag über eine Kraftpostlinie Gla­denbach Bottenhorn Nieder Ei- f en ba u f en zugettimmt und antragsgemäß einen jährlichen Zuschuß zu dieser Linie in Höhe von 1200 Mk. genehmigt. Mit diesem Beschluß be­kundet unsere Gemeindeoerttetung das starke Inter­esse, das allgemein in unserer Einwohnerschaft für diese Verkehrseinrichtung besteht. Man hofft, daß die neue Autolinie bald in Gang kommt.

Dittkreis.

* Herborn, 7. Febr. Auf dem gestern ab­gehaltenen ersten diesjährigen Markt waren auf­getrieben 80 Stück Rindvieh und 120 Schweine. Es wurden bezahlt für Fettvieh, und zwar Ochsen 1. Qual. 56 Mk. per 50 Kilo Schlacht­gewicht: Kühe und Rinder 1. Qual, das Stück 500 bis 600 Mk., 2. Qual. 300 bis 350 Mk. Auf dem Schweinemarkt kosteten Ferkel 46 bis 50 Mk., Läufer 80 bis 85 Mk. das Paar.

wenn bi^jjtoubft, mit einem andern, der deinen na­tionalen Gefühlen jetzt besser entspricht, glücklicher gu werden! Ob er dich so lieb hat, wie ich dich liebte? Wer weiß es? Di« Zukunft wird es erweisen. Für mich ist dieses Schlußresultat des Krieges sehr bitter. Zch habe in mühsamen Wochen und Zeiten von Ent­behrungen immer das Ziel leuchtend vor mir gehabt: dich einst heimführen zu können! Keinen Augenblick ist mir der Zweifel gekommen, du würdest dein ge­gebenes Wort nicht einlösen wollen!"

Wie ein grauer Schleier wollte es sich bei seinen' Worten über sie legen. Ein eigenartiges Gefühl, das sie sich nicht im Augenblick zu deuten vermochte! Unfaßbar war es, und doch schien es sie sinfpmnen zu wollen, als gäbe es fein Entrinnen. War es eine Ahnung kommender Reue? Eine Ahnung von kommenden Solbstvorwürfen? War es das Ge­wissen, das ihr zuraunte: wie un recht sie handelte, und wie voller Undank sie ihm seine Liebe lohnte?

lieber die nächsten Augenblicke vermochte sie sich keine Rechenschaft mehr zu geben. Sie hörte Diet­wart noch einige Worte sagen, die sie selbst plötzlich sehr traurig machten. Für Sekulchen. Dann neigte er sich über ihre Hand und küßte ihre Rechte fast an demselben Ort hier, an dem er damals zmn ersten Male ihr mit wachen Blicken in die Augen gesehen, um ihr für ihre Mithilfe bei seiner Er­rettung zu danken. Wie qualvoll und traurig wa­ren doch diese Augenblicke des Abschiedes gegenüber jenen Momenten, in denen ihr gegenseitiges Inter­esse aufgeloht war, an jenem Ballabend unter der rings rauschenden Lebenslust, unter dem brau­senden Glück der Jugend!

Dann sah sie den einst (Beliebten aus dem Zim mer gehen, immer und in jedem Zoll der Mann von tadelloser Haltung, von vornehmster Gesin­nung, von Ritterlichkeit. Ihr Bruder geleitete oen Freund aus der Tür. Mit herabhängenden Annen stand sie unbeweglich da. Sie horchte hinaus. 9Uir ganz wenige Worte wurden draußen zwischen den Freunden getauscht. Die Stimme ihres Bruders er klang ihr sehr bedrückt. Er würde am nächsten Mor­gen zu Dietwart in die Wohnung kommen, glaubte sie als letzte Verabredung zu hören. Dann fiel die Wohnungstür leise hinter Dietwatt zu. Seine Schritte verklangen hallend in der Einsahrt, sie ver­loren sich draußen in der Stille der Nacht auf der einsamen Straße.