Einzelbild herunterladen

Nr. 55 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)Mittwoch. 8. Hebruar 1928

Französische Propagandakünste im Elsaß.

Die französische Presse ist derzeit eifrig an der Arbeit, den schlechten Eindruck zu ver­wischen, den nach dem Zeugnis großer ausländi­scher Blätter die in Elsaß-Lothringen vorgenom­menen Haussuchungen. Verhaftungen und Presse­verbote vielfach erzeugt haben. Ein Beispiel für diese Bemühungen ist der vomQuotidien", dem vielfach als besonders friedensfreundlich betrach­teten Pariser LinkSblatt, dieser Tage zitierte Redakteur eines amerikannischen Blattes, der trotz mehrtägiger Bemühungen im Elsaß keinen Autonomisten habe finden können! Womit bewiesen sein soll, daß der Autonomismus mause­tot ist oder vielleicht gar nie am Leben war. Bösartiger ist ein zweiter Fall: Die ,Straß­burger Neuesten Nachrichten", ein gouvernemen- tales anti-outonomistisches Blatt, hat einen zur Zeit im Elsaß weilenden dänischen Redakteur zu Worte kommen lassen. Dieser ,neutrale und unvoreingenommene Beobachter" soll bestätigen, daß Frankreich durchaus im Recht ist, wenn es gegen die Heimatrechtsbewegung mit allen Mit­teln vorgeht.

Dieserunvoreingenommene" Neutrale ist nach einer redaktionellen Bornotiz Direktor der däni­schen ZeitungDhbbölposten" in Sonderburg, Andreas Grau, der Vertreter der Bevölkerung des nördlichen Teils Schleswigs auf der Ver­sailler Friedenskonferenz gewesen sein soll. Die Antworten Graus an den Ausfrager zeigen, wie wenig verdient das lobende Prädikatunvor­eingenommen" ist. 3m vorliegenden Falle ist genau bekannt, daß der dänische Besucher Elsaß-Loth- ringens sich vor seiner Reise Material über die neuesten Ereignisse auch aus Kreisen der Elsaß- Lothringer im Reich hat geben lassen. Er muß also wissen, daß die größte politische Partei in Elsaß-Lothringen, die Elsässische Volks­partei (Zentrum), Selbstverwaltung, Pflege der deutschen Muttersprache, Abkehr von der der­zeitigen französischen Sprachenpolitik auf dem Gebiet der Justiz, Verwaltung, Schule fordert. Er muh wissen, daß der Kammer Anträge vorliegen, unterzeichnet von führenden Persönlichkeiten dieser Partei, die auf Verwirklichung der von Poincarä vor anderthalb 3ahren zugesagten Zwei­sprachigkeit, auf Untersuchung der allge­meinen Unzufriedenheit, auf Einführung einer Verwaltungsautonomie (mit gewähltem Parlament in Straßburg und eignem Budget) gerichtet sind. Er muß wissen, daß 21 Elsässer heute wegen derartiger Forderungen im Ge­fängnis zurückgehalten werden, damit sie in den bevorstehenden Wahlkampf nicht ein­greifen können.

Dieser seltsame Kämpfer für Recht und Freiheit möchte eine so offenkundige Tausche wie die bodenständige deutsche Kultur in Clsah-Loth- ringen mit den Worten abtun:Auf elsässischem Boden prallen nicht zwei Kulturen aufeinander" .. Oder er behauptet gar,daß es sich (im Elsaß) nicht um eine Frage der nationalen Minderheiten handel?', oder auch als Beweis für die fran­zösische These...:Rach 1918 wanderte kein Einheimischer aus den wieder einverleibten Ge­bieten aus." Da gibt es einfach keine Entschuldi­gung. Grau weiß, daß er Falsches be­hauptet. Und daher konnte von ihm zummindesten erwartet werden, daß er als Neutraler in einer derart wichtigen europäischen Frage seine Auf­fassungen glaubhafter motiviert.

Nach dem Muster deutscher Friedensfreunde a laMenschheit" erklärt Grau, es seidem europäischen Frieden nicht zuträg­lich", wenn manjenseits des Rheins, über Kehl hinaus", also in Deutschland, diefälsch­lichen Auffassungen" der elsaß-lothringischen

Gießener Gtavttheater. )

Hofrat Steingoetters Ehrenabend. \

Der scheidende Intendant unserer Bühne, Hofrat Steingoetter, hätte zur würdigen Feier des -Abschieds von der Stätte seines nunmehr 25jährigen Wirkens schwerlich eine glücklichere Wahl treffen können: ShakespearesSommernachts­traum", zumal im Bersin mit der wunderbar anschmiegsamen und eigentlich von keiner modernen Aufführung mehr wegzudenkenden Musik Men­delssohn-Bartholdys ist mit seinem be­schwingten Märchenzauber, mit seiner zeitentbun- denen und raumentrückten, heiteren Anmut, mit sei­nem blühenden Humor und seinen über alle Szenen ausgegossenen Naturstimmungen allezeit ein Fest für die Bühne und auf der Bühne gewesen, wie kaum ein anderes Werk der Weltliteratur zu feier­lichen Anlässen sich darbietend. Man merkt dem Schauspiel noch heute, nach über drei Jahrhunderten an, daß es zu einer Hochzeitsfeier am Hofe der eng­lischen Elisabeth geschaffen wurde: dies fühlt man; daß es also zugleich auch eine Gelegenheitsarbeit war, hat man längst vergessen, oder wenn man daran erinnert wird, so muß man sich in Bewun­derung neigen vor dem Genius, der noch ein solches, nicht aus freiestem, innersten Empfinden entstande­nes Werk mit soviel Kunst, soviel echtem Gefühl, inoicl Zartheit und Heiterkeit zu begaben vermochte.

Ein Schauspiel zu fröhlicher Feier, ein Schauspiel für Liebende und glückliche Hochzeitspaare, ein Stück mit tausend Verwechslungen und vielfältigem Blend­werk, ein Stück aus Weinen und Lachen, voller Zauber und Elfenspuk, mit Musik und Tanz und Rüpelkomödienspiel und dreifach gesegneter Vermäh­lung zum guten Ende.

Drei Handlungen kreuzen sich in der Märchen­komödie, drei Gruppen von Spielern sind mit thea­tralischer Meisterschaft zu unlöslicher Einheit inein­ander verwoben. Menschen, heroenhafte Halbgötter und mythische Fabelwesen führen den Reigen des mondscheinübergossenen Zauberspieles. Derb irdi­scher Spaß und Mummenschanz verbündet sich mit olympischer Heiterkeit; menschliche Liebessehnsucht wird von überirdisch waltenden, richtenden und schlichtenden Mächten, denen doch nichts von der grausamen Unentrinnbartat antiker Schicksalsgötter innewohnt, in befreiender Heiterkeit mit schöner Er­füllung begnadet. Der große William war, als er die lockere und dennoch ungemein zuchtvolle «zenen- reihe desSommernachtstraumes" erdachte und nie­derschrieb, in Fest- und Hochzeitslaune, angeregt im Dorgenuß eines beschwingten und argloser, unge­trübter Lebensfreudigkeit gewidmeten Hoffestes be­fangen; fern jeder dämonischen Vision seiner Trauer­spiele und Staatsakttonen schuf er sich mit leichter

Frage als eines nationalen Minder- heiten-Problems in einer Art sich breit machen lasse, die der Wahrheit vor den Kopf stoße. Demgegenüber muß mit aller Entschieden­heit immer, wieder erklärt werden: Man bient dem Frieden nicht, wenn man der französischen Derwelschungspolitik Beifall klatscht. Wenn Grau und andere Verteidiger der französischen Diktaturpolitik deren Berechtigurm nachgewiesen zu haben glauben, wenn sie vom Nichtvorhanden­sein eines elsaß-lothringischen Separatis­mus sprechen, so rennen sie offene Türen ein. Denn man weiß in Deutschland sehr wohl, daß die Heimatbewegung ihre Zieleim Rohmen Frankreichs" erfüllt sehen möchte. Es muß daher von einem wirtlichunvoreingenommenen" Beobachter erwartet werden, daß er zu den Kla­gen und Forderungen der durchaus loyalen Auto­nomisten Stellung nimmt. Oder verteidigt Grau etwa die Auffassung, daß völkische Minderheiten sich widerstandslos vom Mehrheitsvolk dessen fremde Kultur ausdrängen lassen müssen?

Herr Grau, der die deuffche Zeit von 1871 bis 1918 als eine Epoche derFremdherrschaft" bezeichnet und damit bedenklich mangelhafte Ge­schichtskenntnisse verrät, will die heutigen, ihm also bekannten Widerstände gegen die Assimila­tion (Verschmelzung, mit Frankreich auf diese Jahrzehnte der Fremdherrschaft zurückführen. Hier sieht Grau die Dinge völlig schief, denn von Fremdherrschaft" kann man in Elsaß-Lothringen wahrlich nur für bie Zeit noch 1 64 8 (unb heute) sprechen. Und daher gilt der von Grau als beschönigende Erklärung der heutigen Schwie­rigkeiten Frankreichs gemeinte Sah einzig und allein für die Zeit nach 1870/71, für bie ihn Grau jedoch nicht zur Erklärung der bald bedeu­tungslos gewordenen Proteststimmung gelten lassen dürfte:

Nie untersteht ein Volksteil ungestraft wäh­rend einer oder zwei Generationen der Fremd­herrschaft ... Neue Sitten und Gewohnheiten lassen sich nicht im Handumdrehen ausrotten, be­sonders wenn sie jahrzehntelang vom Beherrscher eingeimpft worden sind... Diese Beobachtungen kann man in Elsaß und Lothringen wie auch sonstwo, wo Fremdherrschaft regierte, sehr leicht machen."

Die französische Propaganda hat sich die Sache diesmal zu leicht gemacht. Sie wollte zu viel beweisen und hat darum gar nichts gezeigt als i h r schlechtes Gewissen.

Um die Oberpostdirektion Darmstadt.

Das Presseamt des hessischen Staatsministeriums teilt mit:

Zur Frage der Oberpostdirektivn Darmstadt sand am Montag im Staatsmini- ftertum tn Darmstadt auf Wunsch des Deichspost- ministers eine Besprechung statt, zu der vom Reichspostministerium Staatssekretär ©auttcr unb Ministerialrat Daurhorst erschienen wa­ren. An den Verhandlungen unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten LI l r i ch nahmen außer den Ministern mit ihren Sachbearbeitern auch Oberbürgermeister Dr. © I ä f f i n g, Landtags- Präsident Adelung unb für die Oberpostbirek­tion Darmstadt Geheime Rat Martin teil.

Die StaatSregierung, der Landtagspräsident und der Oberbürgermeister legten eindringlich bie Gründe bat, aus welchen das Land H e s - f e n unb die Stadt Darmstadt durch bie Auf­hebung de» Oberpostbirektivn schwer geschädigt würden.

Staatssekretär S a u t t e r führte aus, bah für das Reichspostministerium lediglich bie Vollzie­hung der bekannten Entschließung des Reichstags,

und sicherer Hand fein Personal, hauchte lächelnd den Figurinen seiner unerschöpflichen Phantasie den Le­bensodem ein, lenkte sie unsichtbar überlegen, schürzte und entwirrte wie in tändelndem Spiel die zarten unb verschlungenen Fäden, welche die Gestalten der Komödie miteinander verbinden. Dem Paare, dem zur Feier man fein Stück am elisabethanischen Hofe spielen wollte, zum Gruß ließ er die Paare seiner blauen Sommernacht sich begegnen, sich verlieren und glückselig wiederfinden; fein Elfenreigen war diesen wie jenem ein Hochzeitsgeleit holder Brautjungfern; fein Rüpelspiel aber ausgelassene Ergötzung, das Mahl zu würzen, handfester Spaß zum Nachtisch und zugleich ein gutmütig leiser Spott des Meisters über die Nachahmer und die kleinen Dilettanten, ironisches Gegenstück so hat man mit Recht bemerkt zum bitterernsten Schauspiel im Schauspiel, wie es dieHamlef'-Tragödie in dämo­nischer Verdoppelung und Ueberfteigerung theatra­lischer Kunst einem atemlos gebannten Publikum vor Augen stellte.

Die letzte Ausführung, bie als eigene Regie- leistung aus ben Händen des abschiebnehrnenben Theaterdirektors hervorging, stand allenthalben unter einem glücklichen Stern; sie war geschaffen in liebevollem Bemühen um die szenische Gestal­tung der unvergänglich jugendfrischen Dichtung, und in allen Teilen getragen von der hin- gebenden Mitarbeit eines großen Personals, das sichtlich, ein jeglicher an seinem Platze, bestrebt war, sein Bestes zu tun und dem scheibenden Herrn des Hauses mit einer würdigen, abge­rundeten, klingenden Ausführung Freude zu be­reiten und Eyre einzulegen bei ihm und einer großen unb festlich gestimmten Hörerschaft.

Die acht Bilder von Steingoetters Bühneneinrichtung waren von seinen bewährten Helfern Löffler und Keim mit Geschmack unb Sorgfalt ausgestattet, farbig wohlabgestimmt, räumlich zumal im großen Schlußakt ge­schickt gegliedert. Die Verwandlungen vollzogen sich verhältnismäßig rasch und wurden teilweise auch durch die musikalische Begleitung geschmeidig überbrückt und ausgesüllt. Besondere Anerken­nung gebührt der Reichswehrkapelle unter Lei­tung von Obermusikmeister 2 ober, der sich mit einer sauberen, ausgeglichenen Interpretation der Musik um das Gelingen des Festabends ver­dient machte. Wenn wir auS den acht Bildern einige besonders geglückte Szenen herausgreifen sollen, so fei vor allem auf die Doppelbegeg­nung der wechselweis verliebten Paare im Wald und auf das überaus erheiternde Rüpelspiel, die wahrhaft lächerliche Moritat aus der klassi­schen Mythologie hingewiesen, in welcher Phra- mus unb Thisle, die Wand, der Mondschein unb der brüllende Löwe die Hauptrollen spielen.

welche bie Aushebung der kleineren Oberpost­direktionen wünsche, in Frage komme. Das Der> kehrsgebiet der Oberpostdirektton Darmstadt sei z. Zt. außerordentlich zersplittert, die jetzige Ein­teilung entspreche nicht den verkehrspolitischen Gesichtspunkten. Rach Auffassung des Reichs- postministeriums müsse Offenbach richtiger der Oberpostdirektion Frankfurt a. M. zugeteilt werden; ebenso würde auch Oberbeff en zweck­mäßiger von der Oberpostdirektion Frank­furt a. M. aus geleitet. Bei Durchführung dieser verkehrspolitischen Gesichtspunkte würde Darmstadt zu den kleinen Oberpostdirekttonen zählen, deren Aushebung vom Reichstag ge­fordert worden fei. Für eine gewisse Heber* gangszeit würde die Oberpostdirektivn Darm­stadt noch als besondere Abteilung der Ober* Postdirektion Frankfurt weiterbestehen. Ein Ab­bau von Beamten fei damit nicht verknüpft, son­dern nur eine Verschiebung der Arbeiten.

Don der hessischen Regierung, dem Landtagspräsidenten, sowie auch vom Ober­bürgermeister der Stadt Darmstadt wurde ent­schieden gegen die geplante Maßnahme Einspruch erhoben. Es wurde insbesondere auf die poli­tischen Folgen hingewiesen, die die Weg­nahme einer oberen Reichsbehörde für das Land Hessen bedeutet, und auf die große Schädigung, die die Stadt Darmstadt treffen würde. Die Hessische Regierung habe durchaus Verständnis dafür, daß Vereinfachungen vorgenommen wer­den mühten und daß dabei kein Land verschont werden könne, aber sie könne nicht anerkennen, daß die Leitung der für Hessen in Betracht kommenden Oberpostdirektivn außer­halb des Landes zu legen fei. Wiederholt wurden eindringlich die Gründe dargetan, aus denen eine Aufhebung der Oberpostdirektivn Darmstadt unerwünscht und in ihren Folge- Wirkungen schädlich für Land und Stadt sei. Die Wegnahme einer oberen Reichsbehörde für Hessen bedeute eine Maßnahme, die die Not des Landes nur vergrößern würde. Mindestens müsse gefordert werden, daß die Durchführung einer für Hessen in Frage stehenden Zusammenlegung infolange aufgeschoben würde, bis die Vorschläge der anderen großen Verwaltungen vorliegen, um zu verhindern, daß einzelne Länder und Städte von allen Zentralbehörden des Reiches entblößt würden.

Staatssekretär S a u 11 c r nahm die Einwen­dungen zur Kenntnis und stellte in Aussicht, sie in Berlin in vollem Maße zur Sprache zu brin­gen. Die Frage werde noch im Verwaltungsrat dec Deutschen Reichspost verhandelt werden, in dem das Land Hes cn auch einen Vertreter habe.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

u. Klein-Linden, 7. Febr. Der hiesige SchühenklubRoland" hielt dieser Tage unter seinem ersten Vorsitzenden, Lokomottvsührer Friedrich Stein, im Turnerheim seine dies­jährige Generalversammlung ab. 3m letzten Jahre ist die Mitgliederzahl um 12 ge­wachsen, ein Beweis dafür, daß dem Schießsport in unserem Dorfe große Sympathien entgegen* gebracht werden. Aus dem Rechnungsbericht, den der Vereinsrechner Keudel erstattete, war er­sichtlich, daß das abgelaufene Geschäftsjahr jünstig war. Der seitherige Vorstand touroe ein- irnmig wiedergewählt, außerdem noch drei Bei­cher. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, ein drittes Gewehr, Kaliber 8,15, anzu­schaffen. Auch soll in den nächsten Tagen ein Preisschiehen abgehalten werden. Der Ver­ein plant für dieses Jahr die Beteiligung an den Bundesschiehen in Nieder-Girmes, Großen- Linden und Dillheim.

!! Saubringen, 7. Febr. Am Samstag­abend veranstaltete der Gesangverein Saubringen in dem stark überfüllten Saale der Wirtschaft Ludwig Weimer sein diesjähriges Wintervergnügen. Nach einer Ansprache des ersten Vorsitzenden, Herrn Roth, wurden unter der bewährten Leitung von Fortbildungs­schullehrer Eberle einige wirkungsvoll vor­getragene Chöre zu Gehör gebracht. Den Höhe­punkt des Abends bildete ein Singspiel in drei Akten, das sehr gut aufgenommen wurde. Sie folgenden drei Einakter wurden ebenfalls sehr flott gespielt und ernteten reichen Beifall. Tanz hielt dann die Anwesenden noch einige Stunden in fröhlicher Stimmung beisammen.

t Treis a. d. Lda., 7. Febr. Sonntagabend hielt der hiesige TurnvereinGut Heil" seinen ersten diesjährigen Vortragsabend bei Mitglied Lemp dahier ab. Der erste Vor­sitzende, Lehrer Walter, sprach zunächst in eingehenden Ausführungen über die Bedeutung deS Turnens in sportlicher, gesundheitlicher unb erzieherischer Hinsicht, dann wurden von der Hauptgeschäftsstelle derDeutschen Turnerschast" in Berlin herausgegebene Lichtbilder gezeigt, die von der in der Deutschen Turnerschast ge­leisteten Arbeit Zeugnis ablegten und von Turn- toart Kurt Walter sachgemäß erklärt wurden.

Reinhardshain, 7. Febr. Am Sams­tagabend hatte der hiesige Kriegerverein zu seinem diesjährigen Familienabend in den Saal des Gastwirts Roth eingeladen. Die Mitglieder mit ihren Angehörigen beteiligten sich fast vollzählig an der Feier. Nachdem der Präsident des Kriegervereins Georg Müller die Mitglieder und Gäste in einer Ansprache be­grüßt hatte, hielt Kam. Kratz (Freicnscen) einen Vortrag über feine Erlebnisse bei d?r Marine. Dabei zeigte er prachtvolle Lichtbilder von unserer früheren Flotte. Besonders eingehend erläuterte der Vortragende das Leben auf den Untersee­booten während des Krieges. Sein mit Humor ge­würzter Vortrag fand sehr gespannte Zuhörer, die ihm am Schluffe reichen Beifall zollten. 3m nachfolgenden gemütlichen Teil trugen humo­ristische Darbietungen des Kam. Kratz noch viel zur Erheiterung ber Versammelten bei.

Z Grünberg, 7. Febr. ImHessischen Hof" fand jetzt die diesjährige Hauptversamm­lung des ländlichen Reit- und Fahr­vereins Grünberg und Umgebung unter dem Vorsitz des Ehrenvorsitzenden, Rittmeisters a. D. Frhr. Roeder von Diersburg statt. Rittmeister von Roeder begrüßte die gut besuchte Versammlung und dankte den aktiven und passiven Reitern für ihr Erscheinen. An­schließend wurde von ihm der Geschäfts­bericht gegeben. Das Vereinsleben war recht rege, wenn auch manche Besserungen notwendig sind. Den Kassenbericht erstattete der Schatzmeister Ehr. Gehringer. - Ergebnis: 107,18 Mark Heberschuh. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt Da Dr. Selzer den 1. Vorsitz aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, mußte der Vorstand ergänzt werden. Die Vorstandsergänzungswahl hatte fol­gendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Postinspektor Carle (seither Schristsührer). 2. Vorsitzender: Mühlenbesiher und Landwirt Eisenach, Nie- der-Ohmen. Schriftführer: August Stemm- ler, Beisitzer: Ernst Zimmer und Otto Christ. 3m übrigen befaßte sich die Versamm­lung mit internen Vereinsangelegenheiten.

iS. Steinbach, 7. Febr. Der Landwirt­schaftliche Konsumverein e. G. m. b.H., der 1924 vor seiner Auflösung stand, hat sich innerhalb vier 3obren durch seine sichere Füh­rung auf gesunder Grundlage entwickelt. Sie der ordentlichen Generalversamm­lung vorgelegte Bilanz von 1927 zeigt einen Reservefonds von 1380,69 Mk., eine Betriebs-

Wir kommen zur Auszählung der Personen und sind in einiger Verlegenheit, da wir einer­seits nicht geradezu den ganzen Zettel abschrei­ben möchten, auch unser wohlassortterter und allnächtlich griffbereit neben dem Tintenfaß auf­gestapelter Vorrat an schmückenden und lobenden Beiwörtern schließlich einmal zur Neige geht und da andererseits fast das gesamte darstel­lende Personal auf den Beinen war (zum Teil sogar auf allen Vieren), und männiglich sich be­strebte, sein Möglichstes zu geben. Schauspieler und Schauspielerinnen, Solisten und namenloses Volk", seien also zuvörderst mit einem Gesamt* lobe bedacht. Immerhin sollen insbesondere erst­lich die teils verliebten, teils verlobten Paare genannt fein: ©e ff er 3 unb Baumann, fürstlichen Geblütes für diesen Abend; Sannert und Krahmer, Lysander und Hermia; Hennig und Joch, Demetrius und Helena; W e h r l und H e y m , das schleierwallende Kö­nigspaar des Elfenvolkes. Zum anderen aber war Lngeborg Scherer als Puck (auch Droll genannt) eine überaus wichtige und überaus vergnügte Person; ein lustiger, beweglicher, zu Schimpf und Scherz allzeit aufgelegter Wald­geist. kobolzschießend, Liebeszauber ausgiehend, Verwirrung sttftend und anmutig den Epilog sprechend. Zum dritten ist zweier ehrsamer Hand­werksmeister zu gedenken, die sich im Rüpelspiel herzlichen Beifall sowohl vor dem Vorhang wie auf der Bühne erwarben, und zwar mit Recht: dies sind der Weber Zettel, den an Stelle des leider erkrankten Herrn Goll Ludwig Link* mann mit ausladenden Gesten und einem prächtig rollenden Komödienton, teils eselsköpfig, teils schwertgegürtet zum allgemeinen Ergötzen verkörperte, unb der Bälgenflicker Flaut, welcher von Baste gespielt wurde; noch jetzt beim Schreiben kommt uns das Lachen an, wenn wir des biederblonden Pagenkopfes unb des wahrhaft sehenswerten Emdonpoints gedenken, mit dem er seine unglückselige Thisbe ausgestat­tet hatte.

Nachdem der fünfte Akt beschlossen, ber Epilog gesprochen und die schmetternde Festmusik des Hochzeitsmarsches zum andern Mal verklungen war, hob sich der Vorhang von neuem, unb auf der Treppe des Herzogspalastes erschien zu einer schlichten Abschiedsfeier Hosrat Steingoetter mit feiner Gemahlin vor der stattlichen Schar der an der Rampe versammelten Gratulanten. Als Erster ergriff das Wort im Namen der Stadt Gießen und in Vertretung des durch Krankheit verhinderten Vorsitzenden des Theaterausschusses, Kommerzienrats Klingspor, Bürgermeister Dr. Frey; er schilderte in warmen Worten die durch 25 Jahre bewährte künstlerische, volkserzieherische und soziale Arbeit deS Jubilars, der unsere

Bühne, ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns, unter nicht unbeträchtlichen Schwierigkeiten man­nigfacher Art zu ihrer heutigen, durch vortreff­liche Aufführungen bewiesenen, künstlerischen Höhe geführt und die Theatersreudigkeit eines großen Publikums geweckt und bewahrt habe in hin­gehender Arbeit für das ihm anvertraute In­stitut. Ser Redner überreichte dem also Geehrten im Namen ber Stabt zwei Bilder zum An­gebinde und zur Erinnerung an Gießen. Namens der Stadt Alsfeld, die der Gießener Bühne manchen wertvollen und genußreichen Abend ver­danke, überbrachte Bürgermeister Dr. V ö l - fing (Alsfeld) herzliche Grüße unb Wünsche. Der Vorsitzende des Bühnenschiedsgerichtes, Iustizrat Aschaffenburger, Frankfurt am Main, überreichte unter Hervorhebung der von Hofrat Steingoetter im Schieds­gericht unermüdlich geleisteten Arbeit dem Jubi­lar zum Abschied ebenfalls ein Geschenk. Als Abgesandter des darstellenden Personals sprach Schubert, der an die Schwierigkeiten und Nöte der Theaterleitung erinnerte, an die über Gießen hinausreichende Anerkennung der von unserer Bühne geleisteten Arbeit, und ganz besonders an die tatkräftige soziale Tätigkeit des Inten­danten zum Besten aller Mitglieder; als Ge­schenk des Personals war ein ansehnlicher Gar- tensonnenschirm an der Palast treppe aufgepflanzt. Für den Bezirksverband der Bühnengenossen­schaft überreichte B a st 6 einen Lorbeerkranz unb verlas ein für die künstlerischen und sozialen Verdienste Steingoetters außerordentlich aner­kennendes Begleitschreiben. Auch das technische Personal und die Statisterie brachten durch je einen Vertreter Glückwünsche und Abschieds- grühe zum Ausdruck.

Zum Schluß ergriff Hofrat Steingoetter selbst, sichtlich bewegt, das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er auf das schöne und un­getrübte Erinnerungsbild der verflossenen 25 Jahre hinwies, in einem kurzen Rückblick auf diese Zeit nicht ohne Humor bie bescheidenen Anfänge des Institutes schilderte, unb die man­cherlei Schwierigkeiten, die durch stetige Arbeit und unverdrossenen Optimismus zu überwinden waren; er sprach mit Genugtuung von der in­zwischen erreichten künstlerischen Bedeutung un­sere- Stadttheaters, wies auf das gute Einver­nehmen der Theaterleitung mit dem Personal, der Presse und vor allem auch dem Publikum hin und gab dem Wunsche Ausdruck, das Gie­ßener Theater möge auch fernerhin unter einem glücklichen Stern stehen. Eine zur äußeren Aus­gestaltung des Theaterhauses^ bestimmte, von Steingoetter angeregte Spende wurde der Opferwilligkeit des Publikums empfohlen, von dem sich der Jubilar mit einem herzlichen Lebe­wohl verabschiedete. Dr. Th.