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Die Wirtschaftslage Rußlands.

Verschleierung des kommunistischen Wirtschaftssystems.

Paris, 8. Febr. (1DIB. Funkfpruch.)Mäkln" glbi Aeuhecungen wieder, die der von der japani­schen Regierung zugleich mit Baron Goto nach Ruß­land entsandte Industrielle Kuhara nach seiner Rückkehr in einer japanischen Zeitung veröffentlichte. Die neue Wirtschaftspolitik in Rußland, so erklärte er, sei eine Art Verschleierung der Stel­lung des Kommunismus. Die von der Re­gierung betriebenen Fabriken könnten keine Qua­litätsware Herstellen. Die Herstellungskosten seien h ö h e r als in den Privatfabriken, infolgedessen müßten die Erzeugnisse zu erhöhten Preisen a b g e s e h 1 werden. Das sei der Grund für die tt n - Zufriedenheit der ländlichen Bevölke­rung. Um deren Beschwerden zu beseitigen, habe die Regierung die Höchstzahl dec in den Privatbe­trieben beschäftigten Arbeiter heraufgeseht und be­schlossen. bis zu einem gewissen Grade Handels­freiheit zu gewähren. Die gesamte Bevölkerung nehme diese neue wirtschaftssormel. obwohl sie i m Widerspruch zum Geiste des Kommunismus stehe, zustimmend auf.

(Sine offene Wunde." England und die Fortdauer der Rheinlandbesetzung.

London, 7. Febr. (WB.) Unter der Ueber« schrist:Eine offene Wunde", befaßt sich der M a n - chester Guardian heute mit der Rheinland­besetzung, die das Blatt als eine dauernde und quälende Erinnerung an die Demütigung und die Niederlage bezeichnet, die Unwillen, Verstimmung und Bitterteit in ganz Deutschland verursache. Das Blatt bemerkt: Die Besatzungsheere stellen in den Augen von fast jedem Deutschen die hervor- stechendste Ungerechtigkeit des Versailler Vertrages und eine offenkundige Ver­letzung der in Locarno und im Vertrage selbst gegebenen Versicherungen dar. Was auch immer die deutsche und die britische Regierung wünschen mö­gen, Frankreich verläßt sich auf seine Truppen in Deutschland für seine Sicherheiten und wird sie nicht ohne gleichwertige Garantien zurückziehen. Stresemann hat die Fraae auf­geworfen und ist bei Briand auf dieselbe Antwort gestoßen, die noch in der französischen Presse unter­strichen worden ist. Der Manchester Guardian be­tont, daß Deutschland seine Entwaffnungsbedingun­gen erfüllt, daß es jeden Heller bezahlt hat, den die Alliierten verlangt und den der Dawesaus- lchuß für angemessen erklärt hat, daß Deutschland daher aber nicht beschuldigt werden kann, den Ver­trag nicht erfüllt ju haben. Außerdem hat es jeden möglichen Beweis seiner Absicht zu erkennen ge­geben, den französischen Wünschen entgegenzukom­men; es hat freiwillig die Verpflichtungen des Lo­carnooertrages vorgeschlagen und übernommen. Dies war vor zwei Jahren, und abgesehen von einer Verminderung der Besatzung um 10000 Mann ist keine weitere Andeutung erfolgt. Ist es daher überraschend, daß die deutsche Regierung unruhig wird? Es ist wünschenswert, daß die Be- satzung ohne jeden weiteren Schacher beendet wird. Es ist zu hoffen, daß Chamber - lajn Briand klar machen wird, daß England noch nicht den Preis dafür erhalten habe, wofür es die ernste Verpflichtung von Lo­carno übernommen habe.

Japan und die Abschaffung der Unterseeboote.

Tokio. 7. Febr. (Reuter.) Die Erklärung K e l l o g g s , daß die amerikanische Regierung bereit sei. mit allen Mächten der Welt einen Vertrag abzuschließen, durch den der Ge­brauch von Unterseebooten unter» s a g t werden würde, wird in Tokio mehr als frommer Wunsch denn als praktischer Vor­schlag betrachtet. Es scheint, daß das Marine- departement diesen Vorschlag für eine nicht ernstere Sache hält, als das neulich veröffent­lichte Programm der Flottenvermehrung, an dessen Ausführung die Marinekreise nicht glauben. Es wird in Abrede gestellt, daß Kellogg vor seinen Erklärungen in Tokio Erkundigung... eingezogen habe und hinzugefügt, daß sich die Ansicht Japans über die Abschaffung der Unter­seeboote seit der Washingtoner Konferenz nicht geändert habe. Japan habe den Vorschlag grund­sätzlich angenommen, aber nur unter der Bedingung, daß alle Mächte ihn annehmen.

Die Zreigabebill.

Washington, 7. Febr. (WTB. Funtspruch.) Die Beratungen des Finanzausschusses des Se­nats über die Freigabebill wurden heute end­gültig abgeschlossen. Die gestern noch offengelassene Frage der Einführung einer Sperrklausel, wonach die Freigabe zwar theoretisch erfolgen, die Auszahlung aber auf­geschoben werden sollte, bis die hiesige Schieds­kommission über alle nicht rechtzeitig angemel­deten amerikanischen Ansprüche entschieden habe, wurde in ablehnendem Sinne beschieden.

präsidentschastswahlen in Portugal.

Paris, 7. Febr. (WB.) Rach einer Mel­dung derChicago Tribüne" aus Lissabon sollen am 4. März die Präsidentschaftswahlen statt­finden, was als erster Schritt zur Wiederher- stellung normaler Veryältnisse ange­sehen werde. Präsidentschaftskandidat sei der bis­herige Präsident, General Carmona. Er werde voraussichtlich, dajedeernstlicheOp- Position fehle, gewühlt werden. Die Oppo­sition gegen die Kandidatur des jetzigen Präsi­denten soll dadurch beseitigt sein, daß Mar­schall Gomez C o st a, der Führer der Aufstands­bewegung vom Mai 1926, von der Regierung des Landes verwiesen wurde. Wie Ha- vas berichtet, ist er gestern nach Rom abgereist.

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Von Pariser Morgenblättern in Sonderaus- gaben gebrachte Meldungen über einen Aus­bruch der Revolution in Portugal hat sich als das Werk eines üblen Spaßvogels herausgestellt. Die portugiesische Gesandtschaft dementiert die Rachricht auf das entschiedenste. Die Radioagentur, die die Rachricht weiterver­breitet hatte, gibt folgende Auskunft: Am Rach­mittag wurde der diensthabende Redakteur von

Der afghanische Königsbesuch in Verlin.

Das Berliner Programm. Deutschlands politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Afghanistan.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

"Berlin, 8. Febr. Der König von Afghanistan, Aman-Illlah-Khan wird, wie bereits gemeldet, am 21. Februar von der Schweiz kommend in DeutschlaÄ» eintreffen. An der Grenze soll er von Vertretern der Reichsregierung empfangen werden und dann im Sonder­zug über Frankfurt o.M. nach Berlin geleitet werden, wo er am 22. Februar morgens auf dem Lehrter Bahnhof ankommt. Hier wird er von dem Reichspräsidenten und den Spitzen der Behörden empfangen werden. Abends ist beim Reichspräsidenten ein Diner vorgesehen, am 23. Februar ein Diner beim Reichskanzler, am 24. eine Galaoper. Am 25. gibt der König seinerseits ein Diner. Das Königspaar mit Gefolge wird dann noch einige Tage inoffiziell in Berlin verweilen, und etwa eine Woche lang im übrigen Deutschland. Es wird insbesondere die deutschen Wirtschafts­verhältnisse studieren und eine Reihe großer in­dustrieller Tlnlernehmunaen besichtigen.

Die Bedeutung Afghanistans liegt darin, daß es ein Pufferstaat zwischen Eng­land und Rußland ist. Während früher England die auswärtige Vertretung Afghani­stans hatte, hat es jetzt seine auswärtigen An­gelegenheiten selbst in die Hand genommen. Darüber kam es seinerzeit zum Kriege mit Eng­land, der dazu führte, daß Afghanistan dirette Beziehungen zu den auswärttgen Mächten an- knüpste. Aman-Tlllah ist in seinem Lande der Träger des Fortschrittes. Seine reformatorische Tättgkeit ist durchaus bemerkenswert. Mit Hilfe türkischer Ratgeber hat et seinem Lande eine Verfassung und einen geordneten Staats­haushalt gegeben, auch mit Hilfe türkischer

Berater feine Armee reorganisiert. Sein beson­deres Augenmerk richtet er auf die Entwick­lung des Verkehrswesens. Autostraßen durch das Land sind durch seine Initiative ge­schaffen worden und eine Prachtautvstrahe nach Indien, die von deutschen Ingenieuren gebaut wurde, ist auf seine Initiative hin gebaut wor­den. Gegenwärtig wird ein Kleinbahnnetz im Süden des Landes geschaffen, an deren Dau deutsche Ingenieure hervorragenden Anteil ha­ben. Eine Autostraße wird über das Hindukusch­gebirge gelegt, die ebenfalls mit deutscher Unter­stützung gebaut wird. Es wird für die Schaf­fung anbaufäh ig en Bodens durch Be­wässerung der Gebirgstäler gesorgt. Zwei große Talsperren sind unter deutscher Leitung gebaut worden. Instandsetzung alter Kanäle und der Dau neuer wird mit Rachdruck betrieben. Ein altertümliches Bleibergwerk wird gegen- toärtig neu erschlossen. Auch Gold- und Kupferbergbau soll in Angriff genommen werden. Ebenso sind Kohlenlager und Magneteisensteinlager gefunden.

Unsere Beziehungen zu Afghanistan beruhen auf einen Freundschaftsvertrag, der feit Sep­tember 1926 in Kraft ist. Ein Handelsver­trag ist in Aussicht genommen. Die gegen­seitige Zusicherung der Meistbegünstigung besteht bereits. Der Warenaustausch mit Deutschland über Indien und Rußland besteht schon lange. Die afghanische Teppichindustrie bezieht ihre Farben aus Deutschland. Ferner werden aus Deutschland eingeführt elektrische Gegen­stände, Kanalröhren, Zement ufto. Die Einfuhr beträgt mehrere Millionen Goldmark im Jahre. Wir beziehen hauptsächlich Persianerfelle, die nach Leipzig kommen.

Jersranzösisch-MenkanischeIlemdschastSvlltrag

Es war zweifellos ein geschickter diploma­tischer Schachzug, den Briand versuchte, als er Washington um die Jahreswende vorschlug, einen Friedensvertrag zu schließen, der die Vereinigten Staaten eng an Frankreich ge­kettet hätte. Der Versuch mißlang, weil der Staatssekretär Kellogg diese enge Bindung ab» lehnte, wohl aber bereit war, ihn zu einem Vertrag zu erweitern, dem alle Staaten hätten beitreten können. Dafür hat Briand nun einen Freundschastsvertrag Paris-Washing­ton ausgetauscht, der der taktischen Heberlegen» heit der unionistischen Diplomatie alle Ehre macht. Daß dieser Vertrag just an dem Tage dem Senat in Washington zuging, an dem vor 150 Jahren der erste Dündnisverttag zwischen Frankreich und den damals neubegründeten "Ber­einigten Staaten von Nordamerika abgeschlossen wurde, ist nebensächlich. Wichtiger ist, was dieser neue Freundschaftsvertrag enthält.

In der Präambel wird erklärt, daß der K r i e g inskünftig von den Vertragsstaaten nicht mehr als Instrument der nationalen Po­litik angesehen werden soll. Das ist schön und gut. Run hat Washington in einem Zusatz erklärt, daß diese Einleitung keinen Teil des Vertrages bilde, noch weniger eine Ver­pflichtung in sich schließe. Aehnlich verhält es sich auch mit den übrigen Bestimmungen des Ver­trages. Im ersten Arttkel ist die Einrichtung eines Versohnungsausschusses vorge­sehen, der alle Streitfragen zwischen den Der- tragsstaaten schlichten soll. Allein schon der Ar­tikel zwei kommt mit einer Ausnahme: juri­stische (Streitfragen sind der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes im Haag zu unter­breiten, der aber nicht endgültig entscheidet, sondern abwarten muß, ob der Senat in Washington diese Entscheidung bll gt. Run

aber kommt Arttkel drei. Alles^iche kann dem Schiedsgerichtsverfahren unterworfen werden mit Ausnahme alles befen, was die eigentlichen politischen Jnterefscn der Vereinigten Staaten betrifft. Dazu ge­hören alle Streitfälle, die der nationalen Recht­sprechung eines jeden Landes unt riiegen; weiter Streitfälle, die eine dritte OKacyi angcpen; sodann Streitfälle, die mit der Monroe-Doktrin in Ver­bindung stehen; schließlich Streitfälle, die mit dem Völkerbund-Statut zusammenhängen.

Die französische Presse ist trotzdem zufrieden. Rur der ewig nörgelnde Pertinax gibt imEcho de Paris" der Befürchtung Ausdruck, daß der Senat in Washington Schwierigkeiten machen werde, da seine Mitglieder zum Teil befürchten, es könne Frankreich beifallen, das Kriegs­schuldenproblem auf Grund des Vertrages vor den Internationalen Gerichtshof zu ziehen. Das kann ja Frankreich ruhig tun. Selbst teeren der Internationale Gerichtshof dann eine Ent­scheidung fällt, die Frankreich günstig ist, wofür indessen keinerlei Gewähr besteht, so genügt ja die Bestimmung im Artikel 2 des Freundschafts- Vertrages, daß der Senat in Washington diese Entscheidung billigen muß. lind das wird der Senat wohl nicht tun, wenn irgendwie Inter­essen der Vereinigten Staaten nicht genügend durch den Schiedsspruch gewahrst sein sollen. Richtsdestoweniger hat es in Paris ein feierliches Bankett gegeben, um dies Ereignis, d. h. die Llnterzeichnung des Freundschastsvertrages, mit eitel Glanz und Herrlichkeit zu umgeben. Sonst ist das Ereignis nur ein Beweis dafür, te i e bescheiden die Franzosen fein können, wenn sie auf härteres Gestein stoßen. Von Driands Friedensvertrag zu Kelloggs Freundschastsver­trag ist doch ein weiter Schritt.

einem ünbefannten angerufen, der sich als Botschaftsrat der portugie­sischen Gesandtschaft vorstellte und der die Mitteilung von dem Ausbruch der Revo­lution machte mit der Bitte, die Rachricht un­verzüglich an die Pariser Presse und die Pro­vinz weiterzugeben. Das geschah dann auch. Inzwischen hatte der Unbefannte auch seinerseits einige Pariser Blätter telephonisch angerufen, so daß die Mitteilung von dem neuen Umsturz in Portugal in Paris gleich die größte Verbreitung sand. Die Polizei fahndet nach dem Uebeltäter, der mit seiner Mysti­fikation ungeheure Verwirrung ange­richtet hat.

Aus aller Wett.

Dec Deutsche Sprachverein.

Der Deutsche Sprachverein hat dieser Tage wiederum seine alljährliche Vorstandssit- z u n g in Berlin abgehalten, und nach Erledi­gung einiger geschäftlicher Angelegenheiten und Personenfragen die Richtung seiner diesjährigen Ausgaben vorgezeigt. Der Deutsche Sprachverein hat in seinem neuen 13.P reisausschreiben die Aufgabe gestellt, eine gute deutsche Bezeich­nung für den AusdruckElektrische Loko­motive" vorzuschlagen. Die mit dem ersten Preise von 2000 Mk. ausgezeichnete Bearbeitung des 18. Preisausschreibens überZeitungs­deutsch" wird demnächst als Sonderheft er­scheinen. Wegen einer einheitlichen deutschen Bezeichnung der Monatsnamen wurde unter Leitung des Deutschen Sprachvereins eine Be­sprechung mit den größten deutschen und öster­reichischen Turnverbänden und anderen Ver­einen abgehalten, in der eine allseitig befriedi­gend? Einigung auf eine einheitliche Liste von 12 Monatsnamen zustande kam. DieSprach- Hilfe" des Deutschen Sprachvereins wird jetzt von Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden, sowie von großen Handelsgeschäften in immer stärkerem Maße in Anspruch genommen. Daß die rege Werbetätigkeit des Vereins vom Erfolg gekrönt war, beweist, daß 53 neue Zweig- vereine mit 2500 Mitgliedern gegründet und 1000 neue Einzelmitglieder gewonnen werden konnten. Sämtliche Reichsuiinisterien und fast alle Länderregierungen sind dem Deutschen Sprachverein beigetreten oder gewähren ihm geldliche Beihilfen. Ter Verein zählt jetzt 325 Zweigvereine mit 42 000 Mitgliedern, ist also erheblich über den Vorkriegsstand

gewachsen. Sehr erfreulich ist die lebhafte Teil­nahme der akademischen Jugend und der Schüler der oberen Klassen höherer Schulen, für die vaterländischen Bestrebungen des Ver­eins Bemerkenswert ist, daß auch die durch den Krieg gestörten Beziehungen zum Ausland in erfreulicher Weise wiederher­gestellt werden konnten. Die Monatszeitschrift Muttersprache" wurde vom 1. Januar d. I. ab durch eine Unterhaltungsbeilage er­weitert.

Zuchthaus für einen Bau- und Wohnungsschwindler.

Das Große Schöffengericht Berlin-Schöneberg ver­handelte gegen den Architekten Gustav Mez und den Kaufmann Willy B c a n b, die Gründer eines Deutschen Bau - und Sparverein s", der Tausende in kurzer Zeit bezugsfertige Wohnungen und Eigenheime anbot, obwohl die Genossenschaft noch nicht einmal das Terrain erworben hatte und im übrigen auch vollkommen mit­tellos war. Diele Leute, die auf diese Weise zu einem kleinen Besitztum zu gelangen hofften, opferten ihre gesamten Ersparnisse, die von den Gründern für ihre eigenen Zwecke verwendet wurden. Mez wurde zu zweieinhalb Jahren Zucht­haus, 1500 Mark Geldstrafe sowie zu fünf Jahren Ehrverlust, der Mitangeklagte Brand, der unter dem Einfluß von Mez gestanden hatte, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Gefängnis für einen kceisbankdicekloc.

In bem Prozeß gegen den früheren General­direktor der Lebuser Kreisbank, Klee mann, wurde der Angeklagte wegen Untreue in Tateinheit mit Unterschlagung und wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug zu zwei Jahren sechs Mo­naten Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verur­teilt. Der Angeklagte gab zu, 50 000 Mark unter­schlagen zu haben und für insgesamt 75 000 Mark Belege gefälscht zu haben. Kleemann hatte für die Kreisbank das T o u r i st e n h e i m ,.Tannenhorst" im Riesengebirge erworben, dieses Haus mit großem Aufwande ausgebaut und seine Geliebte und deren Dater dort als Geschäfts­führer angestellt. Durch den Erwerb dieses Hauses kam die Kreisbank in Schwierigkeiten.

holländische Gcündungsfchwindeleien

Seit längerer Zeit beschäftigen sich die Leipzi­ger und Frankfurter älntersuchungsbehörden mit der Aufklärung von umfangreichen Grundungs- schwindeleien, die von Holland aus in ver­schiedenen Städten Deutsch la nds in

Szene gesetzt wurden. Die Betrüger traten an kapitalkräftige Leute heran und boten ihnen zu außerordentlich günsttgen Bedingungen gewinn- bringende ^Beteiligungen an Reugründungen auf holländischem Gebiet an. Wohl wurden die in Aussicht gestellten Reugründungen vorgenommen, doch waren die deutschen Geldgeber nicht daran beteiligt. Von den einge­zahlten Geldern sahen sie niemals etwas toieber. In Leipzig haben nach den bisherigen Ermitte­lungen drei Geldgeber zusammen 32 000 Mark verloren. Im Zusammeichang mit den Schwinde­leien war Ende Dezember ein Leipziger In­genieur verhaftet worden, der den Holländern Zutreiberdienste geleistet haben sollte. Wie erst heute bekannt wird, hat der Ingenieur in der Zette des Untersuchungsgefängnisses Selbstmord durch Erhängen verübt.

Jugendliche Brandstifter.

Die polizeilichen Untersuchungen über die Ur­sache einer Reihe von Brandstiftungen im Süden von Boston führten zur Festnahme von zwei Knaben, von denen der Än-e sieben, der andere vierzehn Jahre alt ist. Wie die Polizei mitteilt, hat der siebenjährige Knabe ein­gestanden, eine Kirche und eine Schule in Brand gesetzt zu haben. Der andere Knabe svU zugegeben haben, eine Schule während der Schulzeit angesteckt zu haben. In diesem Falle war es glücklicherweise gelungen, die Kin­der rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Tödlicher Unglücksfall.

Einen schrecklichen Tod sand in Berlin der 36 Jahre alte Expedient Georg Peter aus El­bing. Peter wollte gegen 12.15 Uhr nachts auf dem Schlesischen Bahnhof einen bereits in Fahrt befindlichen Zug besteigen, dabei glitt er aus und stürzte zwischen zwei Wa­gen auf die Schienen. Die Räder rollten über ihn hinweg, trennten den Kopf vom Rumpfe und zermalmten den Körper. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhaus gebracht. Es liegt lediglich ein llnglückssall infolge eigner älnvorsichtigkeit vor.

Drei Kinder bei einem Brande umgekommen.

3n einem Gutshofe bei Markgrafneu­siedei bei Wien brach ein Brand aus, dem drei Kinder eines Arbeiters im Alter von zwei, fünf und zehn Jahren zum Opfer fielen.

Ein ausgefeimler IDeftbetrug auf gedeckt.

Die Hamburger Kriminalpolizei hat eine in Hamburg ansässige Betrügergesettschaft aus- gehoben, die seit Jahren erfolgreich die Funk- Übermittlung französischer Ren­nen aufgefangen und die ihnen bekannt gewor­denen Rennresultate benutzt hat, um in letzter Minute bei Buchmachern Wetten zu belegen. An den Betrügereien sind mindestens acht Per­sonen beteiligt. Die drei Verhafteten Haupttäter haben eingestanden, den Schwindel auch in an­deren deutschen Städten, so in Berlin, Chemnitz, Bremen, Düsseldorf, Leipzig, Hannover, Mag­deburg ausgesührt zu haben. Die Betrüger ar­beiteten mit einem Dreiröhrenapparat, mit dem sie die Morsezeichen aufnahmen. Die Hamburger Buchmacher sind in wenigen Tagen um 6000 Mark geschädigt worden, die Scha­densumme in Leipzig dürfte 10000 Mark betragen.

Ein Kriminalbeamter wegen Erpressung verurteilt.

Die Geraer Große Strafkammer verurteilte den Kriminalwachtmeister Reumann zu einem Jahr Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, weil er Erpressungsbriefe an einen Greizer Fabrikanten geschrieben und dessen Familie mit dem Tode bedroht hatte.

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Wettervoraussage.

Die Luftdruckverteilung zeigt wenig Aenderung- Im Süden herrscht weiterhin hoher Druck und im Norden ziehen Tiesdruckstörungen vorüber. Die in Begleitung der Störungen folgenden milderen ozea­nischen Luftmassen führen unserem Gebiet neben Bewölkung auch leichte Niederschläge zu. Da die ozeanische Luftzufuhr noch.anhält, ist mit der Fort­dauer des herrschenden Witterungscharakters zu rechnen. Die Temperaturen steigen dabei noch etwas an.

Wettervoraussage für Donnerstag Wechselnd wolkig, milder und vereinzelt Nieder­schläge.

Witterungsaussichten für Freitag. Veränderliches Wetter, Temperaturen über Null, strichweise etwas Niederschläge.

Lufttemperaturen am 7. Februar: mittags 5 Grad Celsius, abends 4,6 Grad Celsius; am 8. bruar: morgens 4,9 Grad Celsius. Maximum 5 4 Grad Celsius, Minimum 1,8 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 7. Februar: abends 1,3 Grad Celsius; am 8. Februar: morgens 1,6 Grad Celsius. Niederschläge: 1 Millimeter. Sonnenscheindauer: eine halbe Stunde.