Ausgabe 
7.12.1928
 
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Nr. 288 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheifen)Freitag, 7. Dezember (928

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Don Albrecht Graf zu Stolberg-Wernigerode,

das ist auch hier das richtige.

einer

chonik, der Medizin, der Chemie, der Statik und weiterhin auf das praktische Leben über. So wird die Notgemeinschaft auch zu einem wert­vollen Faktor der Fortentwicklung der deutschen Wirtschaft, der deutschen Technik, der deutschen Gesundheitspolitik, des Verkehrs und der Wis­senschaft überhaupt. Aus diesem Grunde sollte die Dresdener Tagung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft ein Anlatz dazu fern, immer wieder darauf hinzuwirken, datz es not« wendig ist, nach besten Kräften die deutsche Wissenschaft zu fördern.

träte Leitung in der Hand haben mutz, zu bilden, der dieses zu beraten und anzuregen hätte und in ihm Fachgruppen für die einzelnen-Produkte

- " Wich die Danken, die als Geldgeber

Von der Notgemeinschast der deutschen Wissenschaft.

Die Tagung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die vom 29 November bis zum 2. Dezember in Dres­den stattfand, hat seit langer Zeit wieder ein- mal ein llares Dild über den wirtschaftlichen Stand der deutschen Wissenschaft gegeben. Wan macht sich vielfach gar keine so ernsthaften Ge-

) Hermann Sudermann: Purzel- chen. Sin Roman von Jugend Tugend und neuen Tänzen. 120. Tausend. 384 Seiten 8°.

OB, Salblcber 10 E D-rl-g der I. G. Cottaschen Buchhandlung Nachfol- ger, Stuttgart und Berlin. (560.)

Sudermann überhaupt schon in dem Versuch, die harten und unvereinbar scheinenden Gegensätze in einer rührend unbedeutenden menschlichen Ein­heit zu verschwistern. Denn sein Herz ist Wohl, ui diesem Roman, weder derguten alten', noch der allzu praktischen, tätigen, eiligen, dien- bogenkräftigen Gegenwart zugetan. . . und es ist als ob er all sein Gefühl in die runde, rosige, noch halb kindhafte Gestalt seiner kleinen Ber­linerin aus dem Schokoladenladen hineinge- rettet hätte.

Das ist das Schöne und Wertvolle an dem Roman (von dessen Inhalt wir nicht mehr er­zählen, weil wir möchten, datz die Leser die er kleinen Anzeige sich felber das Buch verfassen und es in eigener Lektüre kennen lernen) das ist das Feine daran: die gelassene und fast verblüf­fende äleöerlegenheit, die erzählerische Reife, mit der ein ausladender, figurenreicher und von Hand­lung strotzender Stoff angesatzt, aufgebaut und zu Ende geführt wurde. Und die alte Sicherheit, Menschen zu sehen und darzustellen mit einer oft erstaulichen Schärfe ihres Wesensumrisses. Und die ernsthafte Heiterkeit, mit der ein Siebzig­jähriger, in Kämpfen grotz geworden, sich in die ihn umgebende Gegenwart wirft, ihre Probleme erkennt und darstellt, das heitzt: in Bewegung, Handlung, Menschlichkeit umsetzt, ohne sich in unfruchtbare, gehalt- und gestaltlose Grübe.ei und graue Theorie mit viel Wenn und Aber zu verlieren.

Dies sind mir ein paar Bemerkungen, kurze An­deutungen und Randglossen zu einem schönen und reifen Buch, über welches noch manches zu sagen wäre, was dennoch ungesagt bleibt, weil niemand sprechen soll: ich habe davon gehört oder etwas darüber gelesen... sondern: ich habe es ganz gelesen von vorn bis hinten und habe Freude dran gehabt. Also: nimm dieses Buch nimm und lies und schenk's zu Weihnachten!

y

purzelchen."

Guderrn-nns letzter Roman.

. Mit keinem schöneren Vermächtnis hätte der nun dahingegangene Dichter uns verlassen und beschenken können, als mit diesem Roman ) von Jugend. Tugend und neuen Tanzen. Hier ist em rundes, ereignisreiches und mit allerlei ge­ringfügigem Schicksal bedeutungsvoll und ent- scheidungsschwer angefülltes Lebens! ah r ge­schildert, ein Daseinsausschnitt, begrenzt vom 16 und 17. Geburtstage eines kleinen und ganz alltäglichen Berliner Mädels, welches den Kose­namen Purzelchen führt, aber ementlich Anne­marie Lüdicke heitzt und die Tochter emes Die deren Konditorenehepaares ist Kann man sich eine einfachere »Heldra" denken? Rem. man kann eS nicht.

danken darüber, wie es überhaupt möglich ist, datz sich die deutsche Wissenschaft in diesen wirt­schaftlich so schwierigen Zeiten überhaupt noch sortentwickeln kann. Es wird viel davon ge­redet, datz die Universitäten überfüllt seien, man spricht vom Berechtigungsfimmel, aber im glei­chen Atemzug verlangt man bei der Ausbildung des deutschen Beamten eine genügende wissen­schaftliche Vorbildung, wobei man allerdings nicht immer zu belegen vermag, in welcher Hin­sicht bei den einzelnen Beamtenlategorien diese wissenschaftliche Ausbildung auch wirksam wer- den kann. Das Einjährigen-Zeugnis ist heute selbst für den Handwerker nicht mehr genügend. Die ernste deutsche Wissenschaft hat weder mit dem Berechtigungsfimmel noch mit der Ver­trustung der wissenschaftlichen Blldung etwas zu tun. Deshalb sind aber auch ihre wirtschaft­lichen Sorgen um so größer. Es ist aus diesem Grunde doppelt erfreulich, zu erfahren, datz sich die deutsche Wissenschaft in der Notgemeinschaft ein Organ geschaffen hat, das den Zweck hat, die wirtschaftliche Lage der wissenschaftlichen Forscher durch Unterstützung der Forschungen im einzelnen zu erheben. Man hat in der Not­gemeinschaft Fachausschüsse begründet, denen namhafte Professoren angehören, die sozusagen einen Referentenkreis bllden, der über die Nütz­lichkeit jedes einzelnen Fvrschungsvorschlages zu beraten hat. Sein Urteil wird dann dafür matzgebend sein, in welchem Umfange die Unter­stützung der Notgemeinschaft eintreten wird. Mit Necht kann man deshalb die Notgemeinschaft, die sich jetzt kurzweg Deutsche Forschungsgemein­schaft nennt, eine Grotz-Akademie nennen, die das gesamte wissenschaftliche akademische Leben Deutschlands vereinigt.

Im einzelnen ergab die Dresdener Tagung die Notwendigkeit, datz immer mehr Wittel bereit- gestellt werden müssen, um die Aufgabe der Notgemeinschaft auch In vollem Umfange durch­führen zu können. Ihr verdienstvoller Präsident, Staatsminister Dr. Schmidt-Ott, darf ohne Frage für sich in Anspruch nehmen, einen we­sentlichen Qlnteil an der Organisation der Not- gemeinschaft, die nun schon eine ganze Rmhe von Jahren besteht, gehabt zu haben. Wit der deutschen Forschung und deren Fortentwicklung wird ein gutes Teil des deutschen Lebensschick­sals bestimmt. Denn diese wissenschaftliche For­schung beschränkt sich bei weitem nicht nur auf das Theoretische, sie greift in ganz erheblichem Matze in den Gebieten bet Physik, bet Me-

Standardware und fonftiye Vergünstigungen sein.

Beckmann sagt:Im Augenblick überwiegen un Ruhrgebiet noch die ausländischen Nahrungs­mittel, an zwei.er Stelle stehen die Zufuhren aus deutschen Standardexportprovin'en. und zu­letzt kommt die Versorgung aus dem eigenen Bezirk. Ihn zu organisieren, wird am schwie­rigsten sein, weil jedermann seine eigenen Ab- satzbeziehungen behalten toi.l und die Einsicht, datz man grundsätzlich am besten auf den Markt- verlehr selbst verzichtet und ihn andern überläßt, nicht aufkommen läßt." Also auch mit dem Un­verstand wird noch lange zu kämpfen sein.

All das Angeführte zeigt, datz Deutschland in der Frage mit viel größeren Schwie­rigkeiten als das Ausland zu kärnpsea haben wird datz manche Hindernisse sich überhaupt nicht beseitigen lassen (Boden. Kama, Betriebs­größen und -zahl usw.), andere nur langsam. Wenn es heute vielfach heißt, diese und nicht die Zollfrage sei das Entscheidende für die Ren­tabilität der deutsä en Landwirischa t. so heißt das die Schwierigkeiten verkennen. Weil sie so groß und zum Tell unüberwindlich sind, wird neben dem Schutze vor der Einfuhr durch Wett­rüsten mit dem Auslande auf dem Gebiete der Absatzregelung der Zollschuh stets eine Le­bensfrage für die Rentabilität der Betriebe blei­ben. Das eine tun und bas andere nicht lassen.

Die Absatzregelung für landwirtschaftlichePro- dickte ist zweifellos ein sehr wich.iges Mittel im Kampfe um die deutsche Nahrungsfreiheit. Bestehen doch 75 Prozent aller Importe aus Standardware. Zunächst ist die Staffelung aller in Frage kommenden Produkte durchzu­führen. Bei der Verschiedenheit der Produktions- bedingungen 'm den einzelnen Teilen putsch- lands ist Dezentralisierung unvermeidlich. In gewissen Beziehungen wird aber eine Verein­heitlichung doch erstrebt werden müssen. Erst wenn diese Fragen geklärt sind, wird für ge­wisse Produkte, z.D. Obst und Gemüse, an die Errichtung von Packhofen gegangen werden müssen. Diesen werden vielfach Veredelungsein, richtungen für die bei der Sortierung anfallen­den 2wfälle angeschlossen werden müssen. Die Prüfung in bezug auf Einhaltung der Staffeln, Derkaufsbedingungen usw. ist in den Packhöfen leicht durchzuführen, im übrigen wird es nötig sein, Prüfstellen und reisende Prüfer berettzu- (teilen. Markthallen, große Bahnhöfe und Grenz- übergänge bei der Ausfuhr werden dafür be­sonders in Frage kommen.

Einer der Hauptmängel im Absatzlosen ist das unregelmäßige Beliefern der Märkte mit Waren je nach dm Ernte- usw. Zeiten. Dem wird durch Einrichtungen zur Kon­servierung von Produkten aller Art abgeholfen werden müssen. Dies ist der wichtigste Punkt. Daneben sind Lagerhäuser für konservierte Produkte aber auch für solche, die sich noch lagern lassen (Kohl z.D.), zu errichten. Holland bietet dafür gute Vorbilder. Größte Bedeutung ist dem Verkauf durch Versteig rung bei'umess en. Im Geg nfatze zu Deutschland, wo bisher fast nur Zuchtvieh auf diesem W.ge verkauft wird, gibt es in Holland z. B. kaum ein Produkt, das frei­händig verkauft wird. Die Erzeugergenossenschaf­ten vervieten üjren Mitgliedern diese Art des Verkaufes. Vielfach werden zu diesem Zwecke Dersteigerungshallen gebaut werden müssen. Es werden aber auch schon vorhandene Schuppen und Lagerräume, auch brach liegende Fabriken dazu verwendet werden können.

Wetter ist planmäßige Werbung für deutsche Staffelprodukte bei den Konsumenten, aber auch Aufklärung bei den Produzenten nötig. Die beim Zuckerabsatz erzielten Erfolge beweisen, wie wird' sam geeignete Propaganda ist. Daneben wird der Marktbeobachtung und der Verbreitung ihrer Ergebnisse größte Beachtung zu schenken fern. Schließlich wird wissenschaftlich der Absatzfrage ein großes Feld auf Universitäten, Hochschulen. Landwirtschaftsschulen und in der Wirtschafts- beratung eingeräumt werden müssen.

Wenn oben gesagt wurde, daß die deutschen Verhältnisse Dezentralifierung gebieten, so wird doch auf der anderen Sette so weit wie möglich ein Durcheinander und Gegeneinander verhindert werden müssen, es wird besonders auch gelten, Produzenten, Handel und Konsu­menten an einen gemeinsamen Wagen zu spannen. Zu dem Zwecke wäre es zweckmäßig, einen Ausschuß aus allen beteiligten Zweigen beim Reichs-Ernährungsministerium. das die zen-

Führer des Krieges geradezu auch dis politische Kriegsführung auf. Wenn die Heeresleitung meßt 9 tat, bann geschah eben überhaupt nichts. Das spricht Viktor Naumann, der keineswegs blind ist für Ludendorffs große Schwächen und Einsettigkeiten, mit ganz dürren Worten aus, aber es war ihm auch klar, daß wir bei diesem Mangel an geschlosse­nem politischen Willen in der verantwortlichen Reichsleitung, bei dem lleberwiegen der retardie­renden Elemente niemals unsere glänzenden Waffen­erfolge ausnützen konnten, um den Krieg zu einem guten Ende zu fuhren.

Oberbeff en.

Landkreis Gietzcn.

)( Lich, 6.Dez. Dieser Tage fand die Ver­losung des Alicefrauenvereins unter behördlicher Aussicht statt. Dank der Arbeits­freudigkeit der Mitglieder, der Gebefreuurg- kett der Geschäftsleute und der Förderung der guten Sache durch die Vorsitzende des Ver­eins I. D. Fürstin Maria zu Solms-Hohen- solms-Lich. konnten 801 Gewinne zur Auslosung kommen. Die Ausstellung der Gewinne im Schau­fenster des Geschäftshauses Lotz wurde mehrere Tage lang von vielen Bewohnern befaßtigt, die Nachfrage nach Losen konnte nicht ganz befriedigt werden. Die Hauptgewinne, ein Borstentier und em Feldhase, sielen auf die Nummern 1766 imd 1212. Der Ertrag der Verlosung soll zu Wohl- tätigkeitszwecken. an Weihnachten verwandt werden.

Kreis Friedberg.

WSN. Bad-Nauheim, 6. Dez. Nach Mit­teilungen aus Angestelltenkreisen beabsicht.at die Gegfah (Gemeinnützige A.-G. für Angestellten- Heimstätten) im kommenden Jahre in Bad-Nau- heim eine Reihe von Angestellten-cheim- hätten zu errichten.

4 Bad-Nauheim. 6. Dez. Die geftern unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Ahl stattgehabte Stadtverordnetensitz wng hieß zunächst den mit den Holzhauern abge- schlossenen Vertrag gut. wonach für die Holz- bau erarbeiten im Wirtschaftsjahr 1929 ein Stun- denlohn von 1,01 Mark, in dem die Vergütung für Werkzeug enthalten ist, vergütet und me drei Feiertage an Weihnachten und Neuzahr mitbezahlt werden. Beschlossen wurde, wie un Vorjahr an bedürftige Gemeindeange­hörige eine Winterbeihilfe zu gewäh­ren, unter der Voraussetzung, datz die Hessische Regierung dem entsprechenden Beschluß des Land­tags nacAommt und auch der KreiS sich wieoer an dem Hilfswerk beteiligt. Ferner sollen im gleichen Umfange wie im Vorjahr Wittel für die Unterstützung städtischer Arbei­ter äu Weihnach en bereitgesteltt werden. Wit der Gewährung der Unterftüßungen wurde eine Kommission beauftragt. Sodann wurde der Bür­germeister ermächtigt, in der demnächst inKlar* burn statttindendm Mi: aliedervwsammlung des Hessisch-Nassaui chen Wir schafts- verbandes der Rentenzuschußord- nung für städtische Arbeiter zuzustimmen, tote sie im Entwurf vorgelegt war. Da in einer Reihe städtischer Neubau en die Mieten hin-

zu bilden. Mich die Danken, die als Geldgeber in Frage kommen, wären zuzuzithen. desgleichen Post, Eisenbahn und Schiffahrt. Nicht.nur Größe, Form und Material der Versandgefäße usw., andern auch Bauart der Güterwagen und von Spezialwagen sind für die Frage von großer Bedeutung.

So wichtig die Frage der Absatzregelung auch ist, darf aber nicht vergessen werden, datz ihre Regelung aus ve.schiedenen Gründen In Deutschland viel schwieriter als in andern Ländern ist. Tie Qualität der Waren ist in Deutsch­land wegen der großen D rschi.denfeitea in K I na und Boden außerordentlich verschieden, so datz eine einheitliche Staffelung, die den Absatz am stärksten fordert, unmöglich ist. Mit Recht sagt Pioses or Beckmann (Bonn): .D e Standard ie- rung bleibt ein Prozeß, der bei uns gegen d i e Natur gerichtet ist, jenseits des Ozeans mit der Natur geht. Im Aus.ande ist der Landbau vielfach Neubau, und man hat die Standards mit eingebaut, in Deutschland hat er 2300 3aßre Geschichte hinter sich und muß nun als Be- freiungsprozetz von der Geschichte die Standardi­sierung durchführen."

Zu beachten ist weiter, daß im Auslande vielfach einseitige Betriebe möglich sind, während die deutsche Landwirtschaft wegen ihrer auch in engsten Gebieten verschiedenen Bodenoe- schassenheit und unsicheren K imas auf ge­mischte Detr.ebstoti e angetoie.'en ist. Der ein­teilige Obstbauer kann sich aber natür.ich Diel intensiver mit der Absatzregelung dieses einen Produktes befas ea als der Landwirt, der die verschiedensten Produkte absihen, muß. Auch die Verarbeitung ist in geschlossenen erahn t ichen An­baugebieten viel leichter als in durch d.e Natur zersplitterten. Auch die Zahl der verschiedenen Betriebsgrößen in Deutschland un Gegen­sätze zum Auslande ist ein großes Hindernis, das sich nicht beteiligen läßt. Während z. D. in Amerika die großen Betriebe an Zahl über­wiegen, tun das in Deutschland die kleinen. We- nige große sind aber leichter unter einen Hut zu bringen als viele kleine.

Das Ausland hat. soweit es in der Frage Der Absatzregelung uns weit voraus ist. schließlich den großen Vorteil, daß es G x p o r 11 a n d für land­wirtschaftliche Produkte ist und infolgede fen durch Regelung der Ausfuhr die Standardisierung er- zwingen und ihre Kontrolle an den Verhältnis- mäßig wenigen Grenzstellen leicht durchfuhren kann. Diese Möglichkeit fehlt Deutschland als einem Lande, das bei seiner Bevölkerungsdichte Niemals zu einem starken Ausfuhrlande werden kann. Es wird deshalb, so unerfreulich das auch ist. ohne gesetzliche Eingriffe, nicht in bezug auf Preise etwa, das wäre Rückkehr zur Zwangs­wirtschaft und hätte Rückgang der Produltivn zur Folge, aber in bezug auf Qua itäten, auf Staffe­lung usw. nicht abgehen. Anfänge sind z B. tn Bayern mit der Käseverordnung gemacht. Förder­lich könnten daneben Frachterleichterungen für

Aber Sudermann macht sie zum Mittelpunkt fast winzigen Welt, die als ein Abbild und eine vielfach gebrochene Spiegelung iener größeren sich darsteL welche man rntt einem un- geheuer vieldeutigen Begriff »unsere Zett oder die Gegenwart" nennt In Purzelchen, ihren Eltern, Geschwistern, Freunden und Feinden aber scheint biefe .unsere Zett" sich gewissermaßen in zwei Hälften zu spalten, in die von gestern und chedem, und jene von heute, morgen unb über­morgen. Purzelchen steht mitten dnn.

Ehedem" geboren, im Ehedem groß geworden, wächst sie überraschend ins Heute und Woogen hinein, wird sie, nach manchen Tänzen, neuen und alten, guten und bösen, nach manchen Tra­nen und vielen äleberraschungen ein Kind .un lerer Zeit". Hub es vereinigt sich vielleicht in ihr die mit einer überall spürbaren, Innigen 2iet>e 'von ihrem geistigen Schöpfer geformt und aebilbet ist, so etwas wie eineobzwar immer ga^ bürgerliche, KMA irdische und im Grmche bem alltäglichen Leben zugeborene - Ideal- gestalt, in welcher die alte und die neue Zett, die Generation von ehedem und die allzugegen- toärtiae von übermorgen sich zusamrnenfinden und versöhnen; vielleicht liegt das Ideal für

Dokumente und Argumente.

Eine Buchbesprechung.

Bei uns in Deutschland hat es leider vor dem Krieg Polttiker ohne Beruf und ohne Auftrag all- zuwenig gegeben. Bielleicht hängt dies zusammen mit den eminenten Schwierigkeiten und ständigen Rückfällen unserer politischen Entwicklung, die uns erst erheblich viel später als dem soviel glücklicheren England erlaubten, im festen Besitz eines deutschen Staatsbewußtseins den Blick nach außen über die querelles allemandes hinweg auf die hohe Politik zu lenken. Viktor Naumann ist einer der wenigen gewesen, denen dies schon im alten Deutschland gelungen war. Weich großen Nutzen bie leitenden Staatsmänner während des Welt­krieges aus seinen Erfahrungen und Erkenntnissen hätten ziehen können, beweist das nachgelassene Werk des 1927 für Deutschland zu früh Verstorbenen (Dokumente und Argumente", Verlag Ernst Rowohlt, Berlin. 610) Der Beweis ist um so schlüssiger, als es keine nachträgliche Weishett eines Mannes ist, der tlüger vom Rathaus kam, als er hinausging. Seine Tätigkeit im Dienste der deut­schen Politik wird hier von ihm selbst auf Grund einer Unmenge wörtlich abgedruckter Tagebuch- notizen, Briefen und Denkschriften geschildert. Es ist ein erschütterndes Bild, was sich daraus für die Lotung der politischen Geschicke des deutschen Vol­kes in dem schwersten Kampfe seiner Geschichte er- gibt Und ein jeder Deutsche, dem es ernst ist um ble Liebe zu seinem Daterlande, sollte zu biesem Buche greifen unb es Zeile um Zeile lesen.

Naumann war kein Extremer, kein Rabikaler nach irgenbwelcher Richtung hin. Vorurteilslos, mit freiem Blick geht er an ble Dinge heran. Obwohl von Hause aus Protestant, steht er doch dem Zen­trum unb namentlich seinem bayrischen Flügel nahe. Er ist Vertrauensmann des Grafen Hertlmg, besten völliges Versagen als Kanzler jeboch für ihn ble größte Enttäuschung ist. Er ist ber Perbm- bungsmann zwischen Wien unb Berlin, am Dallhausplatze unb in den Kreisen der Erzherzogin Maria Theresia gern gesehen, aber klar und auch- fern sieht er die schweren Fehler ber österreichischen Politik, sieht den Zusammenbruch der Monarchie, als man in Berlin immer noch nur das sah, was man gerne sehen wollte. Er hatte gute Freunde im Slusawrtigen Amt, aber keiner hat vernichtender über bie Unfähigkeit Bethmann Hollwegs urb das völlige Desaster unserer auswärtigen Politik in allen Phasen des Weltkrieges geurteilt, als er. Er stand Tirpitz nahe unb hatte sehr gute Beziehungen zur Marineleitung, aber er sah, daß der U-Boots- krieg, um ein Jahr zu spät begonnen, nicht nur ein militärischer Fehlschlag, sondern auch im Hm. blick auf Amerika ein politischer Fehler allerersten Ranges war. Naumann war kein Freund des par­lamentarischen Systems, er hat die unglückselige Friedensresolution des Reichstages auf das aller- schärfste verurteilt, aber er war einsichtig genug, die Machthaber in Preußen immer wieder zu er- mahne? zur Einlösung ihres Versprechens das dem preußischen Volk die Wahlreform verheißen hatte, al» e» ins Feld zog. Er war Überzeugter Monarchist, aber er schloß nicht die Augen vor der Tatsache, daß der große Fond» dynastischen Ge- fühl», den Kaiser Wilhelm!, feinem Enkel hinter- laßen hatte, am Ende des Krieges restlos oeroirt- schuftet war. Er war auch ein überzeugter Fode- rallft und sah doch scharf die große Schuld der Bundesfürsten, die sich ganz im Gegensatz zu dem Sinn der Bismarckschen Reichsoersasiung von dem König von Preßen, bem pnmus inter pares, hatten zur Seite brängen laßen, und nicht einmal in den gefährlichsten Stunden des Kr.eges trotz befferer Erkenntnis aus ihrer Pafsiottat her- ^Vittor Naumann hat keineswegs geschwiegen, um nun nachträglich alle die zu steinigen, die da­mals in verantwortlicher Stellung gesündigt haben. Nein, er hat immer wieder noch zur rechten Zett in Unterredungen, Denkschriften und Briesen feiner Meinung klar und eindeutig Ausdruck gegeben. Und seine Vertrauensstellung zu so vielen damals lei-

tenben Persönlichkeiten ermöglichte es ihm, seine Auffassung auch an bie maßgebenben Stellen her- anzubringev. Aber alles umsonst, man wollte nicht sehen unb konnte zu keinen entschiedenen Ent­schlüssen kommen. Hatte man sich endlich in Berlin und Wien zu Taten aufgerafft, dann war es zu spät, und die günstige Gelegenhett zu einem für uns billigen Frieden zu kommen, verpaßt. Das Buch ist, wenn auch unbeabsichtigt, eine glänzende Rechtfertigung Ludendorffs, dem man heute vor­wirft, in diktatorischem Machtstreben alles an sich gerissen zu haben. Nein, die völlige Unfähigkeit des Berliner Systems drängte dem militärischen

Verschönerung durch Ohrstuhen.

Während man das Hundegeschlecht fett langem durch das Stutzen der Ohren zu verschönern sucht, war es unserer Zeit Vorbehalten auch den Men­schen durch diese Maßnahme höhere Rei^e zu verleihen. Wie ein Pariser Blatt meldet, breitet sich die Mode, die Ränder besonders ausgewach­sener Hörorgane durch Schönhettsdoktoren be­schneiden zu lassen, immer mehr aus »Ich werde von Leuten überlaufen, die mich darum bitten, aus ihren breiten und abstehenden .Löffeln" kleine anliegende Ohren zu machen", erklärt ein bekannter französischer Schönheitsspezialist, Dr. Raymond Passot.Ein bekannter Filmschauspieler z. D. wurde immer wieder gezwungen, die Schur­ken und Verbrecher zu spielen weil er große abstehende Ohren hatte. Er trollte nun die Rolle eines Liebhabers übernehmen, und da ihm dabei seine Ohren sehr hinderlich waren, so ließ er sich von mir ein Stück Knorpel herausschneiden, und seine Ohren befriedigten nun alle billigen Ansprüche. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Filmschauspieler beiderlei Geschlechts sich ihre Gesichtszüge durch mehr oder weniger eingreifende Operationen verschönern lassen. Große und häßlich geformte Nasen, breite Mün­der, Runzeln usw. lassen sich leicht beseitigen. Ein Filmdirektor schickt mir alle seine Künstler und Künstlerinnen, barmt ich die Fehler ihrer Gesichter verbessere, und das gelingt mir auch in etwa der Hälfte der Fälle. Manche der be­kanntesten Schönheiten sind auf diese Weise be­handelt worden." Nach Dr. Passot ist das »Ohr­stutzen" eine schmerzlose Operation, die unter örtlicher Betäubung vorgenommen wird; die Wunde heilt in wenigen Tagen, und man braucht seine Arbeit deswegen nicht zu unterbrechen.