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ghmnasium- nach Horn berufen. Seit 1907 trat er auch politisch hervor, indem er für Cggen- burg-Gföhl in das Abgeordnetenhaus gewählt wurde. Mitglied des .iiederöster- reichischen Landtage- wurde er 1908. Aach der Revolution wurde er 1918 zum Mitglied der vorläufigen L a n d e s v e r t r e t u n g von Niederösterreich gewählt und leitete als Landesrat dessen Schulwesen. Ein Wiener Be­zirk entsandte ihn im Februar 1919 in die kon­stituierende Nationalversammlung. Nach Sildung einer endgültigen Regierung aus der Mitte der Nationalversammlung wurde er zum älnterstaatssekretär im Staotsamt für das Dildungswefen ernannt.

3m November 1923 wurde er zum erstenmal ;um Präsidenten des österreichischen NatronalrateS gewählt. Nach den April­wahlen 1927 erfolate seine Wiederwahl zum Prä­sidenten des Natiznalrates. Miklas ist ein streng- gläubiger Katholik. Er bekleidete auch einmal das Ehrenamt eines Präsidenten des Katholiken­tages. Dar neue DuiÄespräfident ist Dater von elf Kindern.

Glückwünsche des Reichspräsidenten.

Berlin, 6. Dez. (WB.) Reichspräsi­dent v. Hindenburg hat an den neugewähl­ten österreichischen Bundespräsidenten M i k l das nachstehende Telegramm gerichtet: »Dem Bundespräsidenten der Republik Oester­reich, Herrn Wilhelm Millas, Wien. -Zu der tlebernahme 3Hres hohen Amtes als Bundes- Präsident der Republik Oesterreich bitte ich Sie, meine unddes deutschen Volkes herz­lichste Wünsche entgegenzunehmen. Möge Ihre Amtsführung dem österreichischen Bruder­volke, an dessen Gedeihen Deutschland den innig­sten Anteil nimmt, zum Glück und Segen ge­reichen.

(gez.) Reichspräsident v.Hindenburg.-

Oie Auswirkung

der tschechischen Wahlen.

Prag, 6. Dez. (WB.) Obwohl die Wahlen zu den Landes- und Bezirksvertretungen die absolute Mehrheit der gegenwärtigen Oppo­sitionsparteien gebracht fjaben, ist vorläufig mit einem Regierungswechsel nicht zu rechnen. 3n den nächsten Tagen soll aber die Ernennung des neuen Ministerpräsidenten an Steife deS erkrankten Svegla erfolgen. Der neue Wann wird den Reihen der stärksten Par­tei, den tschechischen Agrariern, entnom­men werden. Diese Partei richtete heftige An­griffe gegen D e n e s ch, der dem bürgerlichen Kabinett angehört, obwohl er der Führer der oppositionellen tschechischen Nationalsozialisten ist. Das Zentralorgan der tschechischen Agrarier be­zeichnet diesen Zustand als eine unerhörte Ano­malie. Daß Benesch deswegen aus dem Kabinett ausscheiben sollte, ist frellich unwahrscheinlich. Eher ist mit einer Annäherung feiner Partei an die Mehrheit zu rechnen. Die Presse beschäftigt sich ferner lebhaft mit der großen Stärke der kommunistischen Partei, die trotz ver­schiedener kommunistenfeindlicher Regierungsmah- nahmen und trotz des starken Stimmrückganges noch immer di« zweit stärkste Partei des Staate- bleibt.

Oie Wohnungsbaupolitik in Hessen.

Minister Korell vor dem Finanzausschuß.

D a r m st a d t, 6. Dez. Der Finanzausschuß nahm die Regierungsmitteiluna über die Verteilung der für polizeiliche Zwecke bewilligten 200 000 Mark zur Kenntnis. Abgelehnt wurde ein Antrag des Bauernbundes, diesen Kredit auf 100 000 Mark herabzusetzen. Einstimmige Bewilli­gung fand die von der Regierung beantragte Ab­änderung des Gemeindeumlagegesetzes. Wegen der Vergebung von Aufträgen der Bade- und Kurverwaltung Bad- Ra u h e i m war von den Kommunisten Klage ge­führt worden. Der Ausschuß stimmte einem Antrag Lux (Soz.) zu, alle vorkommenden Arbeiten, so­weit sie 500 Mark übersteigen, auf dem Wege des öffentlichen Wettbewerbs zu vergeben. Arbeiten, die unter diesem Betrage liegen, sind abwechselnd den in Frage kommenden Handwerkern zu übertragen. Für die Beschaffung von Dadewasche für Bad- Rauheim werden 50 000, für Bad Salzhausen 11 000 Mark bewilligt.

Ein so ialdemotratischer Antrag, zur Förde- rung des Wohnungsbaues und Bele­bung des Arboitsmarctes in den Landgemeinden schon jetzt Mittel aus dem nächstjährigen Dau- programm zur Verfügung zu stellen, wurde durch die Antwort des Ärbeits- und Wirtschaflsmini- sters für erledigt erklärt. Der Minister wies darauf hin, daß im laufenden 3ahre 8 Mil­lionen für verbilligte Baudarle he n bereitgestellt und verteilt worden sind. Der Betrag reiche jedoch bei weitem nicht aus, um allen gestellten Ansprüchen gerecht zu werden. Da viele Bauten ohne Rücksicht auf die Finanzierung des Bauvorhabens in der Erwartung begonnen würden, daß für ein schon begonnenes Haus eher Mittel bewilligt würden, habe der Minister, um Stillegungen vorzubeugen, einen weite­ren Betrag von 400 000 Mark bereit* gesteckt. Für die allerdringendsten Ansprüche seien später noch weitere 300 000 Mark not­wendig. Auch dieser Betrag würde als Vorgriff aus die für das Baujahr 1929 vorgesehenen . Mittel zur Verfügung gestellt. Auch jetzt noch seien Anträge für 691 begonnene Wohnhäuser mit rund 1000 Wohnungen gestellt, die nicht mehr berücksichtigt werden könnten. Hiervon seien 761 Wohnungen als vordringlich bezeichnet.

Bei einer Beleihung von nur 2000 Mark für jede Wohnung wäre ein weiterer Betrag von 1 520 000 Mark erforderlich gewesen. Da für das laufende Jahr bereits 8 ZOO 000 Mark bereit- gestellt seien, könne eine weitere Inanspruchnahme des Geldmarktes nicht mehr erfolgen. Für die allerdringendste Notlage werde jedoch im Ein­verständnis mit den: Finanzminister mxh ein Betrag von 700 000 2Rarf zur Verfügung gestellt werden können für die Lasten des Anteils der Landgemeinden an dem Sondergebäudesteuerauf- kvmmcn des I h.eS 1929. Wei ere Mittel für Roh­bauarbeiten flüssig zu machen sei ausgeschlossen, zumal noch nicht feststehe, ob für das Jahr 1929 Anleihemittel zur Förderung des Wohnungs­baues in den Landgemeinden aufgebracht werden können, weil aus dem Gesamt aufkommen der Sondergebäudesteuer von 11 Millionen nur 4,4 Millionen den Landgemeinden zufallen, von

k welchem Betrag aber noch die Verzinsung und Tilgung der Anleihen aus den Jahren 1927/28 in Abzug zu bringen seien. Weitere Vor­griffe auf die nächstjährigen Mittel dürften nicht mehr erfolgen, weil sonst im näch­sten 3ahre die Baueinschränkungen schon früher einsetzen müßten und diese dann erheblich fühlbarer sich auswirken müssen als jetzt. Auch von der Beschreitung des Anleihrweges müßte zumindest so lange Abstand genommen werden, damit nicht die ordnungsmäßige Ver­zinsung und Abrechnung aller Bauten beeinträch­tigt werde. Die Erhebungen für den Wohnungs- baubedarf für das Jahr 1929 seien im Gange. Der Minister hofft, daß er dem Landtag in der nächsten Zeit sein Programm vorlegen kann.

Eine Regierungsaniwori.

Auf die kleine Anfrage des Abg. Haurh betr. die Wohnungsfürsorgegesell­schaft f ü r Hessen, gern. G. m.b. H., hat der Hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft am 3. Dezember im Landtage eine eingehende Er­klärung abgegeben, der im wesentlichen folgendes zu entnehmen ist:

Zu Ziffer 1. Der Regierung ist nicht be­kannt geworden, daß die Wohnungssürsorge- gesellschast für Hessen, gern. G. m. b. H., Bauten durch führen läßt, die nicht ausreichend fi­nanziert sind. Dagegen ist bekannt, daß die WohnungSfürsorgegesellschaft sehr vorsichtig fi­nanziert und meistens höhere Doranschlagsbe­träge annimmt, weck sie neben den eigentlichen Bau- und Grundstückskosten sämtliche Neben­kosten berücksichtigt, ein Verfahren, was die pri­vaten Planverfertiger und Unternehmer nur leider zu wenig beachten.

Zu Ziffer 2. Die Vergebung von Bauaus­führungen cm Generalunternehmer war nament­lich im Jahre 1925 bei der Llnsicherheit der Preisgestaltung im 3ntereffe der meist minder­bemittelten Bauherren gelegen, um diese durch feste Preisvereinbarungen vor einer nicht trag­baren Mehrbelastung zu schützen. Einzelsälle, in denen sich Handwerksmeister als ilnterunterneh- mer gegen den Generalunternehmer bei der Wohnungsfürsorgegeiellschaft beschwert haben, wurden von dieser gütlich beigelegt.

Zu Ziffer 3 und 4. Der Vorwurf einer einseitigen Bevorzugung des Konsumver­eins sowie der Bauhütte wird mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen.

Zu Ziffer 5. Der auf Gerüchten be­ruhende Verdacht (die Gewährung von Prozenten an die Angestellten für von ihnen hereingebrachte Aufträge) trifft in keinem Falle und ist vol l- kommen unbegründet. Dte Geschäfte der W. F. G. werden in finanzieller Hinsicht von einem Ministerialvberrevisor und einem Dank­revisor regelmäßig geprüft. Außerdem bietet die Zusammensetzung des Auffichtsrates schon eine volle Gewähr für die äleberwachung der Ge- schäftssührung.

Allgemein sei bemerkt, daß die in der An­frage berührten angeblichen Mißstände und Mut­maßungen durch die Ermittelungen als unbe­gründet widerlegt sind. Um auch jeden Anschein zu beseitigen, der geeignet sein könnte, die Ge­schäftsführung und das Geschäftsgebaren der W. F G. nach außen hin herabzusetzen oder un­mittelbar zu schädigen, wird festgestelll, daß die W. F. G. ihre Aufgaben sowohl auf dem Gebiete der Betreuung wie auch der Daustnanzierung und Bauleitung durchaus ordnungsmäßig und gewissenhaft erfüllt bat.

Aus dem Jahresbericht von 1927 ist zu er­sehen. daß im Berichtsjahr

1925 440 Wohnungen, 1926 490 1927 1070 1928 1150

bearbeitet wurden. Die Zahlen zeigen eine gün­stige Weckerentwickelung und steigende Inan­spruchnahme der W. F. G. durch die Dauinter- essenten. gez. Korell.

Bayerns Selbständigkeit.

Ein Beschluß des Münchener Landtags.

München, 6.Dez. (WTB.) Die Koalitions­parteien und die Nationalsozialisten haben im Bayerischen Landtag eine Entsch.ießung ein­gebracht, worin der Bayerische Landtag feinen Entschluß kundgibt, am Bestand des Staa­tes Bayern fest zuhalten und alles zu tun, um die dem Staat Bayern nach Derfsassung und Verträgen zustehenden Rechte zu wahren, weck damit am besten dem inneren Zusammenhalt des Reiches und der Zukunft des deutschen Volkes gedient werde. Abg. Ackermann erklärte, die sozialdemokratische Fraktion lehne die Methoden ab, mit denen man letzthin im Landtag versucht habe, die Belange Bayerns gegenüber dem übrigen Deutschland zu wahren. Sie lehne es deshalb ab, der Entschließung bei­zutreten. Für die Deutsche Volkspa r tei führte Ab^. Burger aus: Wir werden die bayerische Regierung unterstützen, wenn sie die Selbständigkeit Bayerns wahrt, aber jeder Versuch, den Staat gegen das Reich a u s z u s p i e le n, schädigt den inneren Frieden des Reiches und seine Entwicklung. Die Ent­schließung^ wurde mit 68 gegen vier Stimmen bei 32' Stimmenthaltungen angenommen. Der Stimme enthielten sich die Sozialdemokraten und die Deutsche Volkspartei, dagegen stimmten nur die Kommunisten.

Die Arbeitsgemeinschaft zwischen Preußen und Hamburg. Ein weitgehendesAbkommen bciderLänder

Berlin, 6. Dez. (WTB.) In dem gestern un­terzeichneten Abkommen bekunden die Regierungen der Länder Hamburg und Preußen die überein- stimmende Auffassung, daß eine einheitliche Entwicklung des h a m b u r g i s ch - p r e u - ßischen Wirtschaftsgebietes an der unteren Elbe notwendig ist, und erklären ihre Bereitwilligkeit, die hierzu erforderlichen Maß. nahmen, in gemeinsamer Arbeit so zu treffen, als ob Landesgrenzen nicht vorhanden wären. Zu diesem Zweck wird beschlossen, in erster Linie die Lösung der bestehenden Fragen auf dem Gebiete der Hafen­wirtschaft, der Landesplanung und Siedlung, sowie der Verkehrsgestaltung in Angriff zu nehmen. Es wird die Bildung einer H a f e n g e m e i n f ch a f t zur einheitlichen Verwaltung und Ausgestaltung des Hafengebietes von Hamburg, Harburg, Wil­helmsburg und Altona vereinbart, in die beide Länder ihre Grundstücke, Beteiligungen und Bau­anlagen mit allen Rechten und Pflichten in An­rechnung auf das Grundkapital einbringen. Beide

Länder verpflichten sich, die etwa erfordersichen Zu­schüsse in gleicher Hohe jährlich rechtzeitig zu leisten. In den Vorstand der Hafengemeinschaft entsenden beide Länder die gleiche Anzahl von Mitgliedern mit gleichen Rechten, ebenso in den Verwaltungs­rat, dessen Vorsitzender, eine mit den Hamburger Verhältnissen vertraute Persönlichkeit, gemeinsam zur Wahl gestellt werden soll.

Bezüglich der Landesplanung kommen Hamburg und Preußen überein, für Hamburg, Altona, Wandsbek, Harburg, Wilhelmsburg und das sonst in Frage kommende Gebiet eine einheit­liche Planung zu schaffen, zu deren Ausarbeitung und fortlaufenber Anpassung ein Landesplanungs- ausschuß eingesetzt wird. Die beiden Regierungen gründen ferner einen Ausschuß zum Zwecke der planmäßigen Ausgestaltung des Kraftfahrlinienverkehrs in den Ham­burg benachbarten preußischen Gebietsteilen und zur Herstellung einer zweckmäßigen Verbindung mit Hamburg. Die Regierungen erklären schließlich allgemein ihre Bereitwilligkeit auf die Beseitigung von Derwaltungsunzuträglichkeiten, insbesondere auch auf dem Gebiete des Anstaltswesens hinzuwirken, und geben dem Wunsche Ausdruck, daß die weiteren Verhandlungen im Geiste der Verständigung in aller Kürze zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden.

Britische Mandaispoliiik in Palästina.

Frankreich protestiert gegen den Ausbau des Hafens von Haifa.

Berlin, 7. Dez. (Priv.-TeT) Das ,3. T." hört zu un 'Ausland verbreiteten Meldungen, wonach auf Veranlassung Deutsch­lands der Völkerbund in London gegen die Vergebung der Arbeiten zum Aus­bau desHafens vonHaifa ausschließ' lich an englische Firmen protestiert haben soll, weil dies gegen die in den Mandatsbestvm- mungen ausdrücklich festgesetzte wirtschaft­liche Gleichberechtigung aller Voller- bundsstationen verstoße, daß die Nachricht von einem Schritt Deutschlands in Genf in der Haifa-Angelegenheit unrichtig ist. 3m übrigen sei zunächst nicht der Völkerbund, son­dern die Mandatskommission zuständig, die sich aber nach hier vorliegenden Informatio­nen offiziell mit der Angelegenheit noch nicht beschäftigt hat. Gleichzeitig berichtet das Blatt, daß nach in Jerusalem vorliegenden Nachrichten Frankreichbei der englischen Regierung gegen den Hafenbau Protest eingelegt habe, weil Haifa durch ihn im Widerspruch zu den Mandatsbestimmungen zur englischen Flo t- t e n b a s i s würde.

Ernste Lage in Afghanistan.

London, 6. Dez. (Tel.) Nach den nunmehr in Kallutta und Lahore vorliegenden Berichten über die Vorgänge in Afghanistan besteht kein Zweifel mehr, daß sich dort sehr ernste Dinge vorbereiten. Die revolutionäre Bewegung in Iallalabad wird von einem Wasserträger namens Dacha Saku geführt, der einen großen Preis auf den 3?opf des Königs ausgesetzt hat. Auch in Kalkutta selbst beginnt sich die Lage infolge des sich lang­sam bemerkbar machenden Nahrungsmit­telmangels zuzuspitzen. Die Auto- und Wa­genführer, namentlich die Hindus weigern sich, die gefährliche Reife nach Peshawar zu unterneh­men. In Peshawar sind bereits eine Reihe von afghanischen Beamten mit ihren Familien ein­getroffen, die aus dem llnruhegebiet ge­flüchtet sind. Kabul ist von dm Rebellen gegenwärtigrolllommen abgeschnitten. Hier­von wird auch der dortige brisische Gesandte be­troffen, der sich außer Stande sieht, seine beab­sichtigte Weihnachtsreife nach Europa anzutveten.

Aus aller Wett.

Weihe des Denksteins für die Auslandhilfe.

Die Deutsche Liga der Freien Wohlfahrtspflege und der Deutscke Zentralausschuß für die Ausland- Hilfe veranstalteten in dem Festsaal des Wohl- fahrtshaufes in der Oranienburger Straße in 2J e r« (in die Weihe des Denksteines für die Ausland- Hilfe. Der Denkstein zeigt eine Tafel mit einer In­schrift, an deren Seiten zwei Frauengestalten stehen und gemeinsam eine Opferschale heben, in der die Flamme der Erinnerung und des Dankes brennt. Die Inschrift lautet:Bleibe du, Stein, s i n Zeuge des Dankes für helfende Güte, die durch Jahre der Not währt. Auslandhilfe 1924 bis 1927". Das Hilfswerk wurde in erster Linie getragen von den im Kriege neutralen Ländern, von Auslanddeutfchen und den deutschstämmigen Angehörigen der ehemals feindlichen Staaten. Ihnen schlossen sich die großen kirchlichen Hilfswerke aller Bekenntnisse und der humanitären Gesellschaf­ten, namentlich der Rotkreuz-Dereine, an, bis im schweren Notwinter 1923/24 die Hilfe für das not- leidende Deutschland eine Angelegenheit fast aller Kulturstaaten wurde. Insgesamt sind von 1920 bis 1926 schätzungsweise 136 Millionen Kilo- gramm Waren, hauptsächlich Lebensrnittel, im Werte von 125 Millionen Goldmark und etwa 17 Millionen Goldmark in bar nach Deutschland ver­mittelt worden. Die sog.Q u a f e r f p e i f u n g" hat während ihrer fünfjährigen Dauer von 1920 bis 1925 durchschnittlich 500 000, im Juni 1921 und im Sommer 1924 über eine Million Schul- und Sttemtinbern, Jugendlichen und Müttern eine täg­liche Mahlzeit geboten. Etwa 260 000 deutsche Kin­der wurden während der Zeit von 1917 bis 1924 in benachbarten Ländern zur Erholung ausge­nommen.

Nach einleitendem Gesang von Knaben des Staats- und Domchors begrüßte der Präsident der Deutschen Liga 'der Freien Wohlfahrtspfleae, Graf von Lerchenfeld, die Erschienenen. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dietrich, erklärte: Das Gute und Erhebende aus den Jahren der Not soll und wird unser Volk bewahren, und dazu gehört, daß wir der Hilfe ge- denken, die uns in diesen Notzeiten opferfreudige Nächstenliebe deutscher Lolksgenosien im Auslände und darüber hinaus in weitem Maße hilfsbereiter und edler Menschen vieler Völker der Erde gebracht hat. Der Reichspräsident und die Reichs- regierung haben mich beauftragt, im Namen des deutschen Volkes allen, die mit dabei gewesen sind, bei diesem Werk der Menschlichkeit, den herzlichsten Dank auszusprechen. Ich tue dies zugleich auch namens der freien und öffentlichen Wohlfahrts­pflege und namens der Organisationen, die die Hilfe vermittelt haben, und nicht zuletzt namens der Not­leidenden, denen sie zuteil geworden ist. Die Schluß­ansprache hielt der Vertreter der religiösen Gesell­

schaft der Freunde (Quäker), Mr. Gilbert L. M a c Master.

Eine chinesische Stadl unter der Schreckensherrschaft von Banditen.

Die mächtige Bandit enorganisalion derGro­ßen Schwerter" hat die Stadt Li Pang im südlichen Kiangsu vollständig ausgeraubt und 78 vermögende Einwohner verschleppt, für die ein Lösegeld von vier Millionen Mark ver­langt wird. Äe Banditen rückten etwa 1000 Mann stark an, zerstörten die Stadttore, be­freiten mehr als 200 Insassen des Gefängnisses, erbrachen dir städtischen Verwaltungsgebäude, be­mächtigten sich der Polizeistationen und setzten daraus eine Anzahl Gebäude in Flammen. Nach diesen ersten Vorbereitungen errichteten sie eine Schreckensherrschaft, ermordeten zahlreiche Personen und raubten alles, was ihnen in die Hände fiel. Nach fünfstündiger Schreckens­herrschaft trafen Regierungstruppen ein, worauf sich die Banditen zurückzogen. Als Be­weis für die Ernsthaftigkeit ihrer Ankündigung, daß sie die mitgeschleppten Gefangenen töten würden, wenn das Lösegeld nicht bezahlt werde, haben die Banditen beim Passieren einer An­zahl von Städten je einen oder zwei ber Ge­fangenen ermordet. Die Stadt Li Vang hat im vergangenen Jahre nicht weniger als fünf solcher Raubübersälle über sich ergehen lassen müssen, die jedesmal mit bedeutenden Opfern an Men­schenleben und großen Sachschaden verbunden waren.

hauseinsturz durch eine Explosion.

3n Schwarzenbach (Saale) ereignete sich in einem Haufe eine Implosion, wodurch ein großer Teil der hinteren Llmfasfungsmauer in den Hof stürzte und große Teile der Wohnungs­einrichtungen mit in d e Tiefe gerissen wurden. Vier Familien sind durch den Einsturz obdach­los geworden. Die Ursache der Explo ton ist noch nicht geklärt. Die Unglücks stälte b.etet ein trost­loses Bild: Mauertrümmer. Holzstücke. Glas­scherben liegen in wüstem Durcheinander auf dem Grundstück.

Ore Wetterlage.

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Donnerstag, ,6.DezD 1928 J* aDds.

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Wettervoraussage.

Während in Süddeutschlanü unter dem Einfluß hohen Druckes die Temperaturen noch heute mor­gen stellenweise unter Null Grad liegen, bat über Mittel- und Norddeutschland milde Südwestluft des nördlichen Druckfallgebietes stellenweise Erwär­mung und Niederschläge gebracht. An der Rückseite des Tiefs bringen kräftige Kaltluftmasfen vor, die über den britischen Inseln einen Temperaturfall von etwa fünf Grad gebracht haben. Sie werden in unserem Gebiet zunächst zu unbeständigem Wetter führen und Anlaß zu Regen- und Schneeschauern geben. Die Temperaturen gehen erneut zurück und kommen später vielfach unter Null Grad zu liegen.

Wettervoraussage für Samstag: Unter wechselnderBewölkung mit Aufheiterung ver­einzelte Regen- und Schneeschauer, Temperaturen wieder sinkend.

Witterungsaussichten fürSonntag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter mit nur vereinzelten geringen Niederschlägen, Temperaturen nachts vielfach unter null Grad.

Lufttemperaturen am 6. Dezember: mittags 3,8 Grad Celsius, abends 4,1 Grad Celsius; am 7. Dez.: morgens 3,4 Grad Celsius. Maximum 4,5 Grad Celsius, Minimum 2,8 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 6. Dezember: abends 3,6 Grad Celsius; am 7. Dezember: morgens 3,5 Grad Celsius.

Amtlicher Wintersport.

Nachrichtendienst der hessischen Wetterdienststelle.

Vogelsberg (hoherodskopf).

Heute morgen Schneefall, Temperatur2 Grad Celsius, Gesamtschneehöhe 10 Zentimeter; Beschaffen­heit: Pulverschnee; Sparttnöglichkett für Ski vor­handen.

Sauer land (Winlerberg).

Heute morgen leichter Schneefall;1 Grad Cel­sius; 20 Zentimeter Schnee, gekörnt; Ski und Rodel stellenweise möglich.

Schwarzwald (Jetoberg).

Bewölkt,6 Grad Celsius, 65 Zenttmeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.

Ruhestein.

Bewölkt, 3 Grad Celsius, 50 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.

Alpen (Garmisch-Partenkirchen).

Heiter,5 Grad Celsius, 75 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.

Füssen.

Heiter,5 Grad Celsius, 45 Zentimeter Schnee, Pulverig, Ski und Rodel mäßig.

Sächsisches Gebirgsland (Fichtelgebirge).

Nebelig, 5 Grad Celsius, 50 Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski und Rodel sehr gut.