Redner ging dann noch auf den gewaltigen, recht sinnig zusammengestellten Festzug ein, der wohl ten Höhepunkt des Festes bed.u:e!e.
Kreis Friedberg.
Lod-Nauheim, 6. Nov. Bor Zwei Jahren hat sich hier eine Bolksbühnengemeindege- bildet, die während der Dintermonate ihren Mitgliedern gute Theatervorstellungen durch das Kunst- lertheater für Main und Rhein (Hessisches Künstlertheater) bieten will. Die bisherige lose Form der Gemeinde bekommt nun straffere Organisation. Es hat sich ein B o l k s b ü hn enverein konstituiert, der bereits etwa 240 Mitglieder zählt und folgenden Verstand wählte: 1. Vorsitzender Amtsgerichtsrat Schneider, 2. Vorsitzender Dr. Ricklinger, 1. Schriftführer Verwaltung-sekret ir Denker, 2. Schriftführer Dtplom-Handelslehrcr Barthel, Rechner Lehrer R u l l m a n n, Beisitzer Lehrer O ß « w a l d und Stadto. Wiedermann. Die Mitglieder zahlen keinen Vereinsbeitrag, sondern sind nur verpflichtet, die Karten zum Besuch der Vorstellungen zu . Vorzugspreise von 1,50 Mark abzunehmen.
WER. Groh-Karben, 6. Nov. Gestern nachmittag brach in der Matratzenfabrik und Wollreiherei Gebr. Zanders (Dö- gelmühle) Großfeuer au . Das Fabri gebaute fiel bis auf die Umfassungsmauern dem verheerenden Element zum Opfer. Dem tatkräftigen Eingreifen ter hiesigen und der Vilbeler Wehr, sowie ter wirrungsvollen Arbeit ter Friedberger Motorspritze ist es zu danken, daß di« Neben- gebaute erhalten werten konnten. Der Schaden wird auf 150 C00 Mark geschäht. Die Dränte Ursache ist noch nicht bekannt.
Kreis Büdingen.
!! Büdingen, 6. Nov. Die hiesige Gewerbeschule hat das neue Winterhalbjahr mit 76 Schülern begonnen und g'eichzeitig die neuen Säle im Anbau bezogen. Außer den 15 Metall- und Maschinenbau I hr Ingen entflammen die Schüler vorwiegend dem Baugewerbe. 3n die Untere ässe sind 25 Schüler neu ausgenommen worden. Vergleicht man ten derzeitigen Schulbetrieb mit dem der Vorkriegszeit, so kann man eine beachtliche Weiterentwick.ung feststellen. Aus ter einstmaligen, im Pensum stark beengten Schule hat sich eine Anstalt entwickelt, die in Würdigung neuzeitlicher Anforderungen die jungen Handwerker fast ausschließlich in beruflich gegeliederten Sonderabteilungen unterrichtet. Tas Zeitalter der Nationalisierung kommt auch hierin bereits sehr stark zum Ausdruck. Es ist der Schulleitung gelungen, neben der bereits bestehenden Maschinencch.ei uncj die Sondergruppen Eisenbeton und Malr i durci) Heranziehung von bewähr eßen und praktisch erprobten Kräften wei er auszubauen. Sn ten Mo- del'ielwerkstäiten sind erfahrene Meister tätig und bereit, den angehenden Handwerkern wichtige und unerläßliche Handfertigkeiten zu vermitteln. Lichtbildervorträge und Rund- gange durch die an altehrwürdigen Schönheiten so reiche Stadt Büdingen sollen in den jungen Menschen Freude und Hingabe zu ihrem Berufe Wecken und pflegen. Trotz schwerster finanzieller Belastung hat die Stadt Büdingen ihrer Schule auch weiterhin tatkräftige Hilfe nicht versagt, was an dieser Stelle mit Anerkennung festgestellt werten muß. Sn enger Fühlung mit ter Gewerbeschule arbeitet auch die gewerbliche Berufsschule. Snfolge günstiger handwerklicher Gliederung ist es auch hier möglich, die Lehrling in Fachklas'en zu unterrichten. Es testeten je eine Fachklasse für Schneiderinnen, Schneider und Schuhmacher, Schreiner. Metallberufe, Maurer und Weißbinder. Ein erfolgreicher Deluch ter gewerblichen Berufsschule wnd den Schülern beim Eintritt in d'e sich auf- bauende Gewerbeschule angerechnet. Strebfamen Jungen bietet sich somit bei gleichzeitiger Absolvierung ihrer handwerklichen Lehrzeit Ge- tagcnteit, für ihr s<.« ielles Handwerk, ater auch für Bürger und Mensch sehr wertvolle Kennt' nisfe zu sammeln.
!! Büdingen, 6. Nov. Das Frankfurter Künstlertheater unter Leitung von Hans Meißner brachte hier am Samstag das Lustspiel „D i e G e g e n k a n d i d a t e n" vor vollbesetztem Saale im Fürstenhof zur Aufführung. Das flott gespielte Stück gefiel allgemein gut. Das Publikum spendete verdienten Beifall. — Der Gefellschaftsverein hatte seine Mitglieder — Eltern und Kinder — zu einem Lichtbildervortrag am Sonntagnachmittag
Seid fällt vom Simmel.
Roman von paul Enderling.
Copyright by Earl Duncker, Verlag, Berlin.
37. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Einen Augenblick sah es aus, als ob er sich auf sie werfen wollte. Aber er erkannte blitzschnell an ihrem wartenden Gesicht, daß sie nicht gelogen hatte. Natürlich, sie hatte ja ihre Verbindungen.
„Gute Nacht."
Sie sah ihm nach, wie er zur Tür ging, wie er hinausschritt. Da erst schrie sie seinen Namen. Er hörte sie gar nicht, stolperte im Korridor über eine Schachtel und wunderte sich nur, daß der vorsichtige Hausherr die Flurtür offen gelassen hatte ..
Martha Rebmann sprang von ihrem Lager, als sie die Tür zufallen hörte. Was hatte sie getan? Er mußte zurück. Sie lief fiebernd bis zur Tür, ater sie mußte sich an den Türrahmen klammern, um nicht umzufallen. Langsam sank sie in die Knie.
Sie rief nach dem Wirt. Er mußte ihm nach und ihn zurückholen, damit sie alles sagte, was noch nicht ausgesprochen war, damit er nicht zu schlecht von ihr dachte ... damit er nicht zu der andern ging, die sie haßte ...
„Detepperl* rief sie» ächzend. Wo steckte er denn? Er hockte doch sonst wie ein Narr an ter dreimal versperrten Tür.
Als keine Antwort kam, richtete sie sich mühsam aus. An die Wände gestützt, wankte sie durch die kleine Wohnung. Niemand war da.
Da begriff sie, daß er draußen gelauscht batte, daß er aus ihren Worten die Bestätigung geyört hatte — in dem Augenblick, als Kurt Grotteck ihr Geld zu ihrer Genesung gegeben hatte. Und sie hörte deutlich sein Stolpern draußen wieder, als er fort« ging. Er war schon unterwegs.
Weinend sank sie hin, als sie alles begriffen hatte. Ihre Stirn schlug auf den kalten Boden.
„Aus ..." Sie brachte immer nur das eine Wort hervor. „Aus ... aus . ."
»
In ter Abenddämmerung des nächsten Tages durchfuhr Grotteck die Vororte von Paris. Er hatte
Obechchscher Verein für 3nnere Mion.
Die diesjährige Sahresversammlung tes O be r° hessischen Vereins für Innere Mission, die gestern in Gießen stattfand, hatte eine ganz besondere Bedeutung, da der so außerordentlich segensreich wirkende Verein mit dieser Tagung die Feier seines 50jährigen Bestehens beging. .. L _ r
Vormittags fand zunächst un Sohannessaal die öffentliche Sahresversammlung statt, dir mit einer von Pfarrer Lenz gehal- tonen Morgenandacht eröffnet touite Hierauf begrüßte Prof. Dr. Weimer dir zahlreich Erschienenen, insbrsontere die Vertreter der staatlichen. städtischen und kirch'ichen Behörden, der Lantesuniversität, des Prediger'eminars Friedberg, sowie der Evang. Organisationen und Vereine. Grüße und Glückwünsche übermittelten Superintendent Oberkirchenrat Wagner, Gießen. Prof. D. Or. Eordierim Auftrage des Staatspräsidenten, der Lantesuniver ität, der Theologischen Fakultät und des Gustav-Adolf- Vereins, Dekan G u ß m a n n Kirchberg, für das Dekanat Gießen, Prof. Stroh. Friedberg, für das Predigerseminar da elbst. Pfarrer Wagner. Darmstadt, für den Landesverein für Snnere Mis ion, Stadtv. Kirchner für ten Mitte'rh. Verband Evang. Arbeitervereine und ten hiesigen Evang. Arbeiterverein. Beigeordneter Dr. Hamm für die Stadt Gießen.
Anschließend hieran gab Prof. Dr. Weimer einen Rückblick auf die Entstehung und Entwickelung tes Oterhessischen Vereins für Snnere Mission in den 50 Jahren des Bestehens, unter gleichzeitiger Bekanntgabe der Ernennung der Herren Pfarrer Adolph, Fabrikant E. K a u f s- mann und Kirchenrat Strack zu Ehrenmitgliedern des Vereins.
Kaufmann G. H o r st erstattete ten Rechenschaftsbericht ter letzten zwei Sahre. Sm Rechnungsjahre 1926,27 betrugen die Einnahmen 4643,47 Mk., die Ausgaben 4625,80 Mk., im Jahre 1927/28 Einnahmen 6064,32 Mk., Ausgaben 6033,59 Mk. Bei der Rechnung ter Herberge zur Heimat belaufen sich die Einnahmen im Sahre 1927 auf 25 059,49 Mk., die Ausgaben auf 26 043,39 Mk. Das Vermögen des Vereins beträgt 25 955,73 Mk., dem eine Schuldenlast von 1800 Mk. gegenütersteht. Die Herberge zur Heimat in Gießen steht Ende 1927 mit 40 576 Mk. netto zu Buch, während die Herberge in Friedberg einen Wert von 20 000 Mr. repräsentiert, dem ebensoviel Schulten gegenüberstehen.
/nach Begrüßung tes inzwischen ebenfalls erschienenen Rektors ter Landesuniversität, Prof. Dr. Herzog, fand die NeuwahldesVor- standes statt. An Stelle des zurückgetretenen Kirchenrats Strack tourte Pfarrer Lenz ge- wählt, während bei ten übrigen ausscheitenden Vorstandsmitgliedern Wiederwahl stattfand.
Dann hielt Piof. D. Dr. Cordier. Gießen, einen Vortrag über: „Di e Krisis der modernenWohlfahrtspflege unddie Snnere Mission". Rach kurzer Erläuterung tes Begriffes Wohlfahrtspflege zeigte ter Redner, wie Staat, Konzession und Liebestätigkeit nebeneinander arbeiten und tote ter moderne Wohlfahrtsgedanke sich hierbei als Füllstück aus- wirkt. ..
Weiter besprach er die Frage: Was will dre Wohlfahrtspflege?, dabei besonders betonend, daß in der heutigen Zeit der Sinn ter praktischen Wohlfahrtspflege sehr oft verloren geht. Der Referent gab dann in längeren tiefgründigen Ausführungen einen Rückblick auf die Wurzeln
der Wohlfahrtspflege, zeigte deren Entwicklung und den Umfang der Teilnahme von Staat und. Kirche an dieser Fürsorge und besprach dann die Ausgaben der modernen Wohlfahrtspflege, sowie die jetzige Losung tes Wohliahrtsgeüan- lens. Die Ausführungen waren verbunden mit einer kritischen Betrachtung der sich in ter modernen Wohlfahrtspflege Agenten Krisis. An den Vortrag knüpfte sich eine inte.essanto Aussprache, an ter sich außer dem Referenten Geh.- Rat Kayser, Frankfurt a. M., und Pfarrer Hickel. Darmstadt, beteiligten.
Anschließend fand ein gemeinsames Mittagessen im Gasthaus Hindenburg und darauf eine Besichtigung ter Herberge zur Heimat, tes Evang. Schwesternhauses und der Zuflucht statt.
Abends 6 Ahr fand in ter Stadtkirche ein FestgotteSdienst statt in welchem Pfarrer Schneider (Nieter-Ramstadt) die Feftpredigt hielt. Der Gottesdienst wurde verschönt durch die Mitwirkung des Kirchengesangvereins und des Knabenchors.
Der abends 8 Ahr im Casä Leib veranstaltete Familienabend gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Feier. Pros. Weimer entbot ten zahlreich Erschienenen herzlichen Willkommengruß, dabei besonders betonend, daß die Bestrebungen des Vereins für Snnere Mission allseitig Unterstützung fänden. Er wünschte weitere Teilnahme und Unterstützung. Prälat D. Dr. Diehl (Darmstadt) zeigte in teilweise humorvoller Weise die Bedeu u xg ter Sahre 1848, 1573 unb 1923 ür d.r In.e.e Mission, um zum Schluß noch au die Notwendigkeit ter Zusammenarbeit von Kirchs und Snnere Mission hin- zuweisen.
Sm Mittelpunkt ter Abendveranstackung stand der sehr beifällig aufgenommene Vortrag von Prof. V e i b t, Herborn, über: „Snnere Mission und soziale Frage". Der Redner übermittelte z machst die Grüße tes Nassauischen Lantesverbanos für Snnere Mission und wies auf die alte geschichtliche Verwurzelung der Hessischen und Nassauischen Organisation und auf das seitherige brüderliche ersprießliche Zusammen- atbei.cn hin. Zu seinem Vortrag übergehend, betonte der Redner die Bedeutung des Sahres 1878, das einen Markstein in ter evangelischen Eozialbewegung bilde. Er kam dann auf die Entstehung ter christlich - sozialen Bewegung zu sprechen' und behandelte d'e Frage: „Was haben Snnere Mission und soziale Frage miteinander zu tun?" Er besprach weiter ten Zusammenhang der Arbeit der Snneren Mission mit der sozialen Frage und betonte, daß Snnere Mission unb soziale Frage in einer ganzen Reihe von Fällen tneinantergreifert. Redner fam zu dem Ergebnis, daß die Arbeit ter Inneren Mission zur Sozialbewegung führt, andererseits erkennt die Arbeit in der Sozialbewegung die Not der Seele. Er besprach dann die Ausgaben der Inneren Mission auf diesem Gebiet, zeigte das Verhältnis des Vereins zur Kirche und wies zum Schluß darauf hin, daß eine fruchtbringende Lösung ter sozialen Frage nur möglich ist auf ter Grundlage teS Evangeliums.
Die vortrefflichen Ausführungen ter einzelnen Redner tes Abend waren umrahmt von musikalischen Darbietungen eines Pofaunenchors unter Leitung von Pfarrer Lenz, Liedervvrträgen von Fvl. Stammler und Chören tes Kirchengesangvereins unter Leitung von Lehrer Linde n st r u t h.
eingeladen. Lehrer Petrie zeigte drei hübsche Märchen im Lichtbild und führte dann die Anwesenden im Geiste durch die großartigen Landschaften des Taunus.
△ Nidda, 6. Nov. Die hiesigen Vereinsfestlichkeiten für diesen Winter eröffnete am Samstagabend der Arbeiter-Gefangver- ein „Eintracht" mit einem Konzert, einer Theaterausführung und Tanz im Gambtinus- saale. Die vorgetragenen Chöre zeugten von guten Stimmen ter Sänger, unb daß sie mit Verständnis und Hingabe sich der edlen Gesangs- kunst widmen. Die Leistungen verdienen um so mehr Anerkennung, als der Verein erst wenige Sabre besteht. Sie beweisen auch, daß ter tüchtige Leiter tes Vereins, Musiklehrer Acker-
die letzte Nacht in einem Hotel am Bahnhof zugebracht, um nicht in der Pension Zedlitz, wo er immer noch fein Zimmer hatte, Bekannte zu treffen. Trotzdem er keinen Schlaf gefunden hatte, und trotz der Anstrengung der Reise fühlte er sich frisch und zäh. Aubervilliers flitzte vorüber, dann tarnen die Vorposten der großen Stadt und endlich der Ostbahnhof.
Draußen nahm er sich gar keine Zeit, nach einem anständigen Hotel zu suchen. Er warf seinen Koffer einem schmutzigen Jüngling zu und folgte ihm über ten Platz in ein fünfstöckiges Haus, das wie alle andern Häuser tes Viertels aussah.
Monsieur, an dem das geträufelte Haar und der schmutzige Klapptragen zuerst auffielen, empfing ihn mit der Versicherung, daß man nirgend in Paris so gut aufgehoben sei. Grotteck säuberte sich und fragte nach dem Telephon.
Monsieur war unglücklich, daß es gerate heute in Unordnung sei. Aber morgen, womöglich noch in der Nacht wurde es gerichtet sein, Madame würde selbst das Nötige veranlassen, oh, es sollte an nichts fehlen — übrigens zahle man hier im voraus. Als Grotteck das Geld hingelegt hatte, begann Monsieurs Verzweiflung über das fehlende Telephon gefährliche Formen anzunehmen, beinahe hätte er feine schöne Frisur zerstört. Als eine Art Ersatz drängte er feinem Gast den Vergnügungsanzeiger auf — er war acht Tage alt — und Billette für La Perruque rouge. Es fei nur ein Geringes nachzuzahlen und der Komiker ein Genie. Uebrigens ein guter Freund von Madame, und wie elegant! Er trug nur Hüte aus London.
Mühsam machte sich Grotteck frei. Auf dem Boulevard de Strasbourg wartete er an ter Haltestelle eines Autobusses, bekam eine Karte mit einer Nummer und stieg in das nätoste Gefährt ein. Er hatte keine Ahnung, wohin es iyn trug.
Es war ja auch gleichgültig. Hier irgendwo war Inge Brodersen.
Er blieb auf der äußern Plattform stehen, in das Gewühl der Wagen und Passanten blickend, auf die Tische vor den Eafss, auf das bunte internationale Durcheinander. Man hörte alle Sprachen und sah alle Hautfarben. Paris war ein Schuttabladeplatz Europas geworden. Eine kleine brünette Dame, geschickt ungezogen wie alle hier, blickte den großen blonden Monn herausfordernd an und machte ihm
mann dahier, es versteht, das Interesse ter Sänger zu erhalten unb ihre Stimme immer mehr auszubilten. Die sehr zahlreichen Besucher spendeten den Gel .ngsvorträgen wohlverdienten, reichen Beifall. Auch das flott gespielte Theaterstückchen wurde beifällig ausgenommen. — In dieser Woche nimmt der Unter richt in der landwirtschaftlichen Winterschule hier wieder seinen Anfang. Es haben sich für die Oberklasse 18, für die Unterflaffe 16 junge Landwirte aus tem Bezirk Nidda gemeldet. Einige weitere Anmeldungen stehen noch in Aussicht. Die Schülerzahl wird ungefähr der des vorigen Winterhalb'ahres gleichkommen.
V Gelnhaar, 6. Nov. Sm hiesigen Steinbruch verunglückte der Arbeiter Sein»
Avancen. Als sie kein Entgegenkommen fand, wandte sie sich einem zähnefletschenden Nigger zu, der zwischen seinen wulstigen Lippen eine Zigarre von Bananengröße balancierte.
Am Turm Saint Jacques stieg er aufs Gerate- wohl aus. Autos fuhren in vier, fünf Reihen nebeneinander in ununterbrochener Folge. Wie kam hier eigentlich ein Fußgänger über die Straße? Endlich wagte er es, wand sich, andern folgend, hindurch, und bog drüben in die Rue de Rivoü ein. Er ging die Kolonnaden entlang, mit einem Seitenblick auf die mittelalterliche Kirche von Saint Germain L'Auxerrois, die wie ein Gespenst in die Gegenwart sah. Alte Schulerinnerungen tauchten auf: hier hatte man die blutige Bartholomäusnacht eingeläutet. Wie oft war hier das Signal zu großen Schlächtereien gegeben worden! Jede Stadtgegend in Paris hatte solche (Erinnerungen.
An einer Ecke hing ein halb abgerissenes Plakat in knallroter Farbe, worin die Kommunisten zu einer Begrüßung einiger in Paris anwesender Kommissare der Räteregierung in leidenschaftlichen Worten auf» forderten. Grotteck studierte aufmerksam die übrig» gebliebenen Sätze: er dachte an den kleinen Zeitungsausschnitt, den er noch immer bei sich trug, und er beteuerte, daß ter Ort ter Kundgebung nicht zu finden war. Vielleicht Hatter er Blinsky dort getroffen.
Die Fenster von Rumr.lmayer winkten, und er trat ein. Während er das Eis bestellte, sah er, daß sein Reiseanzug nicht hierherpaßte und daß er nun als neues Exempel für die schlecht gekleideten beut sehen Vergnügungsreisenden gelten würde. Das ärgerte ihn, und er blickte herausfordernd auf die Angelsachsen, die das vornehme Lokal füllten und so dasaßen, als ob sie hier zu Hause, in ihrer Kolonie wellten.
Zeitungen gab es hier keine, dafür aber mehrere Televhonzellen. Aufmerksam das Publikum musternd, durchschritt er die Räume. Brodersens waren nicht da, wie er heimlich gehofft hatte. Nun, irgendwo mußten sie ja wohnen.
Er telephonierte alle möglichen großen Hotels an und stellte die Schwierigkeiten fest, die Zahlenangaben in einer fremden Sprache machen. Nirgend wohnte ein Brodersen. Es blieben noch die Pensionen zu erfragen, aber davon gab es Taufende In dieser Fremdenmetropole. Enttäuscht ging er zu
ll) e b e r durch herabstürzende Steine, die ihn im Bücken trafen. Ein Blutercuß nahe ter Wirbelsäule wird den Bedauernswerten noch einige Zeit ans Bett fesseln. Der herteigeeilts Arzt verbrachte den bedauernswerten Mann m ferne Wohnung.
Spotten
I Ober-Lais, 6. Nov. Sestern haben 1 4 hiesige Holzhauer unser Dors verlassen, um in ten Waldungen tes Forstamtes Langen in Starkenburg zu arbeiten. Schon im vergangenen Winter waren hiesige Holzhauer dort tätig, und auh diesmal werten sie fast ten ganzen Winter über dort zu tun haben. Da in den Wäldern unserer Gegend auch in diesem Winter nicht sehr viel Holz geschlagen wird, hätten die hier recht zahlreichen Holzhauer während tes Winters nur für sehr tu.ze Zeit Be- schästrgung finden können. Du.ch den Weggang dieser 14 Mann finden die Zurückgebliebenen entsprechend länger Arbeit und Verdienst.
I Vom südwestlichen Vogelsberg, 6. November. Die Zahl der Autolinien tn unserer Gegend nimmt immer mehr zu, und schon bestehende Linien werten ausgeb au . Diese Entwicklung ist sehr zu begrüßen, dringen diese neuen Au olinien doch auch entlegenen Orten Verkehr. 11. a. ist nunmehr geplant, die bisher schon bestehende Omnibuslinie Büdingen -- BindfaHsen bis Hirzenhain zu verlängern. Mit dieser Durchfüh.ung ter Linie ist vor allem beabsichtigt, der in den Dörfern Dind- sachsen. Gelnhaar usw. sehr stark vertretenen Arteitorschaft ter Eisenwerke Hirzenhain eine bequemere Verbindung mit ihrer Arbeitsstätte zu schaffen. Das Llnternehmen wird von ten Arbeitern sehr begrüßt und entspricht einem dringenden Bedürfnis, da die dielen Steigungen auf der zurückzu egenden Wegstrecke die Anstrengungen tes Weges für Fußgänger und Radfahrer stark vermehren. Dem Vernehmen nach ist di« Genehmigung für die neu; Linie bei den zuständigen Behörden bereits beantragt.
Kreis Aisfeld.
Alsfeld, 5. Nov. Am Sonntag brachte das Gießener Stadttheater mit feinen zweiten diesjährigen Gastvorstellung das Lustspiel „Sm weihen Röhl" von Blumenthal und Katelburg, das seine Wirkung auch nicht verfehlte. Qtei ausgezeichneter Leistung aller Mit- toirfenten unterhielt sich das Pub.ikum einige Stunden sehr gut. Eine glän ente Figur gab Rudolf Goll als Lampensabri.ant Die ecke. DaS zahlreich erschienene Publikum kargte mit tem Beifall nicht. Der Abend zeigte, daß die altbewährten Lustspie'e, auch wenn sie einer vergangenen Zeit angehören, Immer wieder ihr« alte Anziehangskrast von neuen bewähren. AIS nächste Ausführung ist „Die Ballerina te8 Königs" von Rudolf Prester vorgesehen. — Am 10. November wird in der hiesigen Festhalte die Provinzialverbandsausstellung mit der 25jähri en Iubilaumsscha u des Kre isgeflügel- zuchtvereins Alsfeld ftatt; inten, die sehr gut beschickt werten wird. Der Kreisgeflügel- zuchtverein Alsfeld wurde mit dieser Derbands- schau beauftragt
Preußen.
Dillkreis.
bl. Schönbach, 6. Nov. Der Dau ter C h a - mottefabrik in unserer Gemarkung ist gut vorangeschritten. Das Haus ist jetzt im Robaau vollendet
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 6. Nov. Der auS Lampertheim gebürtige Monteur Iakob Feldhinkel hat sich ter Polizei selbst gelt e l l t. Gegen ihn schweben verschiedene Be - t rugs v erf a hren. Er hat sich vorwiegend an Mädchen herangemacht und ihnen erklärt, daß er Rennwetten abschließen wo'le und dafür Geldbeträge benötige. Er erhielt Betrage bis zu 100 Mark, welche er jedoch anderweitig verwendete. Außerdem lieh er sich gegen eine gefälschte Sicherheitsbeschnnigung ein Darlehen in Höhe von 200 Mark geben. Er gibt die Taten zu. — Die. 40jährige Ehefrau tes früheren K.an- kenpflegers W e r n e r ist unter Vergiftungserscheinungen mit Morphium plötzlich verst o r b e n. Unter tem Verdacht, an dem Tote seiner Frau mitschuldig zu sein, tourte der Ehemann Werner heute vormittag von der Polizei verhaftet
timt mrummtainmni t—wi bij mwjctj—i—— rück, zahlte einen unverschämten Preis — die Speisekarten trugen keine Preisangaben — und ver- ließ Rurnpelmayer.
Am Ehatelet bestieg er die Metro, um zum Ostbahnhof zurückzukehren. Er mußte es anders anfangen. So wie er cs bisher gemacht, konnte er Sahre in Paris umherwanbern, ehe er auf Brodersens stieß. Mechanisch blätterte er in dem veralteten Vergnügungsanzeiger. Als er auf die Anzeige der Großen Oper stieß — sie spielte Thais von Massenet —, fühlte er, daß hier ein Weg war. Es war gut möglich, daß sich Brodersens einmal dort einfanden. Es galt An- und Abfahrt gut abzupassen. Tag für Tag. Plötzlich war er feiner Sache sicher.
An der Haltestelle Sebastopol stieg er um, fuhr in falscher Richtung bis zum Pdrc Lachaise, stieg wieder um unb landete endlich vor der Großen Oper.
Der Regen fegte stärker über die Boulevards. Grotteck nahm am Caf6 de la Paix Pofto und mar tote die Anfahrt ab. Eine Reihe Fußgänger ellte in den protzigen Prunkbau. Nun kamen die ersten Wagen, und bald war es eine Kette, die nicht ab= riß. Er ging zum Theatereingang hinüber und versuchte, dort stehenzubleiben, aber Polizisten bräna- ten ihn weiter. Fast wäre er arretiert worden, als er sich fortzuaehen weigerte. Die Polizisten waren meist große blonde Burschen, die den Dialekt ter Normandie sprachen.
An der Ecke des Boulevards des Italiens stockte er. Beinahe hätte er auf geschrien: aus einem Auto sah ein Herr heraus, der eine große Achnlichkeit mit Brodersen hatte. Er drängte sich durch und sah den Herrn aussteigen und einer üppigen Dame heraushelfen. Nein, er hatte sich geirrt. Die meisten Amerikaner hier hatten Aehnlichkeit mit Brodersen.
Das Sicherste war wohl, ein Bittet zu nehmen und in der Pause das Foyer unb die Logen abzusuchen. Er ging in ten Kaslenraum und klopfte an das verschlossene Bureaufenster. Ein Theaterdiener belehrte ihn, daß keine Karten mehr zu haben feien. Es blieb nichts anderes übrig, als den Schluß der Oper um Mitternacht abzuwarten ober doch bas Ende tes zweiten Aktes, nach bem bie vornehmem Besucher das Theater zu verlassen pflegten.
(Fortsetzung folgt)


