Ausgabe 
7.11.1928
 
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Lieber 3000 Studenten in Marburg

][ Marburg, 7. Aov. Der Scheu'; der Immatrikulationen zum Winiersemester 1928 29 wurde (un erstenmal in einem Winter­semester) die Zahl von 3 000 Studieren­den überschritten. Insgesamt waren es heute 3056 Studierende, darunter 530 Frauen.

Ein Prozeß gegen die Stadt Gießen.

Der Provinzial.Ausschuß dec Pro­vinz Oberhessen beschäftigte sich in ferner Sitzung am Samstag mit einer Klage des Archi- tekten Ludwig Wehrum, Gießen, ge- genr die Stadt Gießen wegen Her­anziehung zu den Straßenher- st e l l u n g s t o st e n des Le.hgesterner Wegs. Tie Stadt Gießen forderte bei dem Archit^ten Lud- wio Wshrun als Beitrag zu den Herstellungs­kosten des Leihgestern er Wegs den Betrüg von 111378 Mk. an. Die Anforderung spezifizierte sich in Gelände kosten, Kosten für Trdarbeiten. Chaussierung und Pflaster. Gegen drese Anfor­derung erhob Weh rum Kmge, wett er die An­forderung der Stadt Gießen für zu Unrecht ansah. Sowohl der Kläg.r als die Stadt Gieße-n waren anwaltlich vertreten.

Der Vertreter des Kagers vertrat den Standpunkt, daß es sich bei dem Leihgesterncr Weg vor dessen Verbreiterung um eine bereits bestandene Straße handelte, die bem öffentlichen Fuhr- und Fußgängerverkehr diente. Der Vertreter der Stadt Dießen bestritt dies und erklärte, daß es sich nicht um eine fertige Straße im Sinne deS Art. 21 der Allgemeinen Bauordnung handeln könne. Bei Erlaß des Ortsbaustatuts im Jahre 1888 habe wohl eine Strahenbefestigung bestanden, die allem Anschein nach von der früheren Brauerei (heute Gummifabrik Poppe & Co.), die mit schweren Lastfuhrwerken den Weg befahren muhte, hergerichtet worden ist.

Maßgebend für die Entscheidung des Pro­vinzialausschusses waren folgende Fragm: 1. Ist eine neue Straße angelegt, oder eine bereits bestehende Straße erweitert rooeben; ist eine fertige Straße vo h.inden gewesen ober nicht? 2. Ist eine Anfo derung zu den Geländekoüen gerechtfertigt (bas Gelände für die Q3e.Weiterung wurde schon lange von der Stabt Gießen in Eigentum erworben)?

Der Provinzialausschuß hat ber Klage insoweit stattgegeben, als fest- aestellt wird, bah die Stadt Gießen nicht berechtigt ist, von dem Kläger einen Beitrag zu den Koten des Geländeeiwerbs. der Grdarbeiten und ber Chaussierung des Leihnesterner Wegs 'U erheben. C- b i-en w ''d' die Klage als unbegründet zurückgewiesen. Die. Ko' rn des Verfahrens wu.den zu ®/7 ber Stadt unb zu i/1 dem Kläger zur Last ge|el>L

Aeu hinzu gekommen sind diesmal 625 Studie- reibe. Auf die einzelnen Fa u töten verteilen sie sich wie folgt: Theologen 2dJ Männer und 17 Frauen, Rechts- u rd Staatswissenschaftler 786 Männer und 16 Frauen, Mediziner 551 Männer und 67 Froum, Philosophen 909 Männer und 430 Frauen. Im letzten Sommerßalbjahr betrug die Zahl der immalrilulierlen Siud'.erenden 3462 ei'ischliehlich 610 Frauen u rd im vorigen Winter­semester 2480 einschließlich 435 Frauen.

Von der KriLgsgräberfürsorge.

Leise senkt sich die Dämmerung auf den in herbstliche Stimmung friedlich daliegenden Got­tesacker. Vereinzelte schwarz gellcidrte Gestalten stehen an frisch aufgeworfenen G abhügttn. unter die kurz vorhrc ein teures Familienmitglied zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Doch duften die frischen Kränze, die treue Liebe als letzten Gruß an den Heimgegangenen niedrrgelegt hat. Mit tränennassen Augen blicken die Menschen auf den Hügel, sie können nicht fassen, daß sie den stummen Schläfer dort unter für immer verloren haben. Langsam füllt sich der Friedhof, immer mehr Trauernde, tiefen Ernst in den Gesichts­zügen, wandern über die wohlgepslegten Wege zu den ihren teuren Grabstätten mtt_ Kränzen in den Händen, um die letzte Ruhestätte ihrer nie vergessenen Lieben damit zu schmücken. Ver­haltenes Schluchzen aus gram gepreßter Brust verweht in der naßkalten H'rbsilust. Fleißige Hände entfernen ein dürres Blatt, einen herab­gefallenen Zweig von bei teuren Grabstätte. Heiße Gebete steigen zum Himmel! In weh­mutsvoller Trauer geben.'en die Angehörigen ihrer in einer besseren Wett weilend m Lieben, in etwa wenigstens getröstet durch das Bewußtsein, an ihrem Grabe mit ihnen stumme Zwiesprache halten zu können.

Wie unendlich schwer lastet aber auf vielen der niederdrückende Gedanke: da draußen, in weiter Ferne, In ehemaligem Feindesland liegt dir noch ein Grab, das die teuren Liederreste eines im Kampfe fürs Vaterland gefallenen, geliebten Angehörigen birgt, und gerade an diesem kannst du nicht stehen, kannst es nicht mit eigener Hand schmücken, nicht ein stilles Gebet verrichten. Und doch ein schwacher Trost zieht in das schmerzgebeugte Gemüt der Gattin, des Vaters, der Mutter, der Geschwister: das ferne Grab konnte wenigstens, wenn auch von fremden Händen, geschmückt werden. Der Dolksbund Deutsche Kriegsgräber- f ü r s o r g c h .t, wie in den vergangenen Jahren, den Ang Vorigen in ber H ttmat bie Möglichkeit gegeben, an den beiden Totmgedenktagen einen Kranz an der letzten Ruhestätte ihres geliebten Toten niedeilegen zu lassen. Sehr viele haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, unb so zeugen bie fernen Gräber von ber treuen, dankbaren Liebe der Heimat.

Unterzeuge

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Die Lichter verlöschen, langsam leert sich der Friedhof, leise raunt's in den entblätterten Zwei- gen der BäuMe des Friedhofes, der nun wieder stillen Frieden atmet.

Das Aooemberhest derKrieasgräbersüZorge", der Bundeszeitschrift des Volksdundcs Deutsche Kriegsgrawrfürsorge, e. V., Berlin, ist in der Hauptsache den beiden kommenden Totengedenk- togen gewidmet.

Amtsgericht Gießen.

' Gteßsn, 2. Nov. Eine enge Gasse im Innern der Stadt war häufig der Schauplatz von allerlei bösem Unfug und von nächtlichen Ruhestörungen, die ein gewisser f). L.. ein vielfach vorbestrafter, dort wohnender Gelegenheitsarbeiter, verübte. Des­halb gingen ihm in letzter Zeit wiederum einige auf Haftstrafen lautende Strafbefehle zu, gegen die er Einspruch erhob. Doch zog er es vor, die Einsprüche vor der Hauptoerhandlung, für die die Vernehmung von 16 Zeugen vorgesehen war, zurückzunehmen. Er muß daher seine Strafen absitzen, und die belästigten Anwohner haben eine Zeitlang vor ihm Ruhe: sie werden überhaupt Ruhe vor ihm haben, denn er ist inzwischen in einen entlegenen Stadtteil verzogen. Die Einspruchzurücknahmen kürzten wesentlich die heutige Sitzung. Zu Geldstrafen verurteilt wur­den u. a. noch ein von der Frankfurter Straße kom­mender und in die Westanlage einbiegender Motor­radfahrer, weil er den vorgeschriebenen Bogen beim Einbiegen viel zu kurz nahm; dann ein Fuhrmann, weil er bei einer Steigung auf der Straße Klein- Linden-Dutenhofen seine beiden, vor einen stark be­ladenen Wagen gespannten, nur schwer fortkommen­den Pferde mit Peitschenhieben in einer Weise an- getrieben hat, die das zulässige Maß erheblich über­schritt und Aergernis erregte, so daß Tierquälerei im Sinne des Strafgesetzbuchs anzunehmen war; schließ­lich ein Autofahrer, weil er sein Auto, für das er eine Zulassungsbescheinigung noch nicht in Händen hatte, mit ihm nicht Anstehenden, roten Kennzeichen, offensichtlich zwecks Äiuschung der Verkehrspolizei, versehen hat, die er in durchaus nicht einwandfreier Weise sich aus dem Betriebe des früheren Eigen­tümers des Kraftwagens verschafft hatte. Er erhielt 80 Mark Geldstrafe.

Der Frankfurter Bühnenprvzeß.

WSV. Frankfurt a.M., 6.Aov. Am heu­tigen 7. Verhandlungstag rn bem Prozeß gegen ll e r-W i e l a n b sollte mit beit Plädoyers begonnen werben. Staa'sanwalt- schaftsrat Dr. Berndt erklärte jedoch, infolge starker Erkältung nicht in der Lage zu fein, heute pläd eren zu können. Die Verhandlung wurde darauf auf Mittwoch vertagt.

Berliner Börse.

Berlin, 7. Roo. (WTB. Funkspruch.) Der heu­tige Bormittagsoerkehr zeigt bis jetzt wieder ein Bild

vollkommener Geschästsstille. Die Tendenz scheint bei starker Zurückhaltung im Anschluß an Frankfurt eher etwas schwächer zu sein. Man nennt Farben 252, Siemens 402,50 bis 403. Am Devisenmarkt hört man Daris 124,16, Mailand 92,60, Madrid 30,0750, das Pfund 4,8485 und den Dollar 4,1985.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Alchr Licht in die südliche Frankfurter Straße.

Die südliche Frankfurter Straße hat eine neue Fahrbahn erhalten. Wie man hört, sollen auch die Bürgersteige vor Winter noch hergestellt werden, ein Beginnen, das nur zu begrüßen ist und von allen Anwohnern sehnlichst erwartet wird.

3m Bericht über die letzte Stadtverordnetensitzung ist gesagt, daß dem Elektrizitätswerk die nötigen Mit- tel zum Ausbau derStraßenbeleuchtung oewilligt sind. Die letzte Lampe der Frankfurter Stxaße hängt an der Thaerftraße, alles, was weiter südlich liegt, ist auf den Mond angewiesen.

Bei dem jetzigen Zustand ter Bürgersteige, dem lebhaften Auto-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr ist es geradezu lebensgefährlich, im Dunkeln den Fahr­damm zu überschreiten.

Drei bis vier Lampen würden genügen, diesem unhaltbaren Zustande u begegnen. Bildet doch die Frankfurter Straße das Haupteingangstor von Gießen.

Wie schön wäre es, wenn die Stadtverwallung dort für baldigste Abstellung der setzt bestehenden Mängel sorgen wollte! Die Anwohner.

Unhaltbare Zustände

an der Ecke Marburger Skraße-Rordanlage.

In diesen Tagen war ich Zeuge, wie ein Pas­sant an der Eck« ber Marburger Straße unb Aordanlage um ein Haar von einem Lastauto erfaßt worden wäre; nur ber Geistesgegenwart des Chauffeurs, dem es im letzten Augenblick ge­lang, den Wagen zum Stillstand zu bringen, toar1 es zu verdanken, daß kein Uiiglüd geschah. Wenn an der Ecke der Marburger Straße und Bord- > an läge noch keine, größeren Derkehrsunfälle fest- zuste.len sind, darf man bas als ein wahres Wunder bezeichnen. Man stelle sich vor: vier Straßen vereinigen sich auf einem gerabezu kläg­lich kleinen Platz, der Tag und Rächt von starkem Verkehr überflutet wird, den überdies noch die Trambahn befährt. Hier muß Abhilfe geschaffen werden, wenn größeren Anglücksfällen vorgebeugt werden soll. An die Stadtverwaltung ergeht die dringende Ditte, die Angelegenheit alsbald in Behandlung zu nehmen. R.

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