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Oer ColmarerAutonomistenprozeß

Colmar, 4. Mai. (3330 3u der

heutigen Sitzung definiert der früher Rrtrakteur der , Zukunft", Schall, die geplagte Schaffung der Vereinigung der Freunde der .Zukunft", dre aus etwa sechs bis sieben politischen Zirkeln bestehen sollte, aber hinfällig geworden Jet, da es vorher zur Gründung des Heimatbundes gekommen sei und die Freunde der .Zukunft' auf gefordert worden seien, sich diesem anzuschließen. Cs wird ein Vries von Schall an den früheren Vankier Pint verlesen, datiert vom 24. August 1927, der die Möglichkeit von Theatervorstel­lungen in deutscher Sprache behandelt und der zu Beginn den Vermerk trägtStreng vertraulich". Schall erklärt, erhübe gewußt, daß Pink sehr redselig fei. Scball äußert sich dann über innere Meinungsverschiedenheit inner­halb drL Heimatbundes. Er erklärte, er f)ätte die Bewegung mehr politisch nach links gewünscht als Ricklin, und er hätte auch nicht die stets wiederholten Loyalitätserklärungen zugunsten Frankreichs für notwendig gehalten. Hinsichtlich der deutschen Theatervorstellungen weist er dar­auf hin. daß sich sogar der sozialistische Bürger- meister von Straßburg. PeiroteS. im Jahre 1919 in diesem Sinne bemüht habe. Es handele sich hier nicht, wie der Vorsitzende behaupte, um die Einführung deutscher Kultur im Elsaß, son­dern um die Srha ltung derbestehenden Traditionen.

Schall protestierte dagegen, daß man den El­sässern sobald sie von der Wahrung ihrer Sprache, die nun doch einmal die deutsche sei, sprachen, man ihnen zum Vorwurf mache, sie besorgten die politischen Geschäfte Deutschlands.

Die literarische Beilage derZukunft", die den TitelDie Brücke" trug und von Pink und Abbe Zembs geleitet worden sei. habe keinerlei po­litische Artikel enthalten. Wenn in der Anklage behauptet werde, daß Professor S ch m i d l i n in Münster in Westfalen an den Herrn Pink am 25. Oktober 1927 einen Brief geschrieben haben solle des Inhaltes:Fahren Sie fort mit der Veröffentlichung derBrücke". Sie werden von hier aus unterstütz t," so sei dies um so erstaunlicher, als die letzte Hummer derBrücke" am 26. März 1927 erschienen sei. Aus Befragen des Vorsitzenden äußerte sich Schall dann über die sogenannte Schutz truppe, die in der Klageschrift als Stoßtrupp hingestellt wurde. Er erllärte, daß diese Schuhtruppe in­folge von Lieberfällen und Be­drohungen von gegnerischer Seite zum Saalschutz geschaffen worden sei, und zwar, nachdem am 3. Oktober 1925 der Druckereibesiher derZukunft" in Zabern von Freiwilligen (engagös rnilitaires) überfallen wor­den sei. Der Vorsitzende läßt die Statuten' der Schuhorganisation des Heimatbundes ver­lesen, die von Einteilung in Gruppen, Abtei­lungen, Hundertschasten. einem Oberbefehl, einem Generalstab, von unbedingtem Gehorsam usw. sprechen. 11m die Schaffung dieser Schuhtruppe zu erläutern, beschreibt Schall die Ereignisse, Die sich am 22. August 1926 in Col­mar abgespielt haben. Hier sei eine vom Colmarer Präfekten geneh­migte Drote st Versammlung gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit infolge der Maßregelungen der Unterzeichner des Heimat- ^bundmanifests anberaumt worden, zu der etwa 35 ui oewafsnete Heimatbundleute von Strah- ^burg nach Colmar gekommen feien. 25 Faszisten hätten am Bahckhof den auS dem Zuge steigenden Dr. Ricklin blutig ge­schlagen und einen einarmigen Kriegsverley- ten mißhandelt mit den Worten: .Auch noch so ein Schweinehund, der in der deut­schen Armee gedient hat." Bor dem Ver­sammlungslokal sei es dann zu schweren Zu­sammenstößen gekommen, bei denen auch d i c Gendarmen s i ch nicht unparteiisch verhalten hätten, sondern Anhänger der Autonomistenbewegung wegen kleiner Vergehen verhafteten und Mißhandlungen durch Faszisten und Bo-allsten duldeten. Man habe die Schutz- truppe nach dem Muster derjenigen Schutztruppe organisiert, die die Faszisten und 'Royalisten auch hätten. 3n Straßburg habe eS im ganzen etwa 40 Mitglieder der Schutztruppe gegeben, von denen nur 25 sich aktiv betätigt hatten. Hinsichtlich der Bewas nung habe man sich mit Schwar-d)rnstöcken begnügt. Gummiknüppel feien nicht geführt worden. Die Schuhtruppe sei ein einiges Mal in Tätigkeit getreten, und zwar habe sie bei einer Versammlung Dr Ricklins lediglich diesen vom Bahnhof abgeholt.

Ein Zwischenfall.

Bei Beginn der Samstag-Prozeswe.Handlung in Colmar stellten zwei Rechtsanwälte der An­geklagten den Antrag, es möge eine präzise Antwort auf die Frage gegeben werden, wo - r i n das den Angeklagten Aum Vorwurf ge­machte Komplott gegen Die Sicherheit des Staate- bestanden habe. Der Staats­anwalt erklärte darauf, er schlage vor. die Ver­nehmung der Angeklagten einzustellen und so­fort in die Vernehmung der Bela­stungszeugen einzutreten. RA. 3ägcl lehnte dies beschleunigte Verfahren im Rainen

der Verteidigung ab. RA. Berthen erklärte, dies würde e in anormales Verfahren bedeuten. Der Vorsitzende teilte dann mit. er werde nunmehr eine andere Methode einlchlagen und mit der Zeugenvernehmung be­ginnen. Er beauftragte den Gerichtsdiener. den ersten Zeugen in den Saal zu führen. RA. Derthon erklärte, er wolle hierzu den Antrag stellen, daß jeder Zeug« darauf hingewiesen wer­den müsse, daß daS Verhör der Ange­klagten noch nicht abgeschlossen fei.

Die 13 bisher noch nicht vernommenen An­geklagten erheben Einspruch dagegen, daß ihre Freiheit, ebenso ausführlich auszufogen wie die ersten beiden, beschnitten werde. Er bringt ferner sein Erstaunen darüber zum Aus­druck, daß, obwohl sämtliche Zeugen bis Montag beurlaubt wurden, heute der erste Be­lastungszeuge. Polizeikommissar Dauer, nicht nur aufgerufen werde, sondern auch zur Stelle fei. Er behalte sich vor, die Richter wegen Ver­stoßes gegen gesetzliche Vorschriften zur Verant­wortung zu ziehen. Der Präsident erwiderte, er sei sich gestern darüber tlar geworden, daß die bisher einaefchlagene Verhandlungsmethode nicht gut fei und habe daher den Staatsanwalt beauftragt, den ersten Belastungszeugen für heute zu laden. Rechtsanwalt Fournier erklärte, möglicherweise stünde die Aenderung in der Methode im Zusammenhang mit der Reise Poincarss nach dem Elsaß. AlS Fournier erklärt, wenn Poincare jetzt seine Dummheiten in Metz wieder gut­machen wolle, erhebt sich der Staatsanwalt und erflärt, er werde gegen Fournier ein Ver­fahren wegen Beleidigung deS Chefs der Regierung beantragen.

Der Gerichtshof zog sich zur Beratung zurück und gab dann den Gerichtsbeschluß bekannt, in dem eS u. a. heißt: Rechtsanwalt Fournier habe in zwei Fällen gegen d i e dem Ge­richtshof geschuldete Ehrfurcht ver­stoßen. erstens habe er den Beschluß des Vor­sitzenden, die Vernehmung der Angeklagten aus- zusehen und in die Zeugenvernehmung einzutreten mit der jetzigen Reise Poincares nach dem Elsaß in Verbindung gebracht, was nicht den Tatsachen entspreche, zweitens habe er behaup­tet, daß Poincare jetzt die von ihm begangenen Dummheiten (gaffe) wieder gutmachen wolle. Es werde ihm daher auf einen Monat d i e Ausübung der Anwaltstätigkeit verboten. Als daraufhin sämtliche Vertei­diger laut protestierten, schwang der Vor­sitzende die Glocke, und hob, ohne die Vertei­diger nochmals zu Worte kommen zu lassen, die Sitzung auf. Die Verteidigung antwortete mit Protestrufen, in denen der Beschluß des Ge­richtes als unzulässig bezeichnet wird. Die Wei­terverhandlung erfolgt Montag.

Fournier hat gegen die gegen ihn verhängte ein­monatige Suspensierung Berufung eingelegt. Außerdem haben sämtliche Verteidiger in einem Schreiben an den Justizminister P r o t e st gegen die wiederholten Verletzungen des Verteidigungsrechtes erhoben und fein sofortiges Einschreiten bei der Generalstaatsan- waltschast verlangt. Sie teilen ferner mit, daß sie die Pariser A n w a l t s k a m m e r mit der An­gelegenheit befaßt haben.

poincars spricht in Straßburg

Die historische Rolle deS Elsaß.

Paris. 5. Mai. (WTB.) Ministerpräsident Poincarü hielt in der Generalversammlung der eliässischen Unioersitätssreunde eine Rede mit be­stimmter Tendenz, die man für den Augenblick zeit- gemäß nennen könnte. Unter Bezugnahme auf Prinz Alexander von Hohenlohe und seine Schrif­ten glaubt PoincarS die Behauptung ausstellen zu tonnen, daß d i e deutsche Universität Straßburg in keiner Weise die Assimilierung zwischen Deutschland und dem Elsaß vorbereitet habe. Die deutsche Universität in Straßburg habe in einem Lande, das dem deutschen Einfluß sich entzogen habe, eine erbitterte und verzweifelte Pro­paganda getrieben. Das kaiserliche Deutschland sah sich dazu verdammt, in einem ew gen Mißoerständ- nic- mit der Bevölkerung zu leben, deren Gewissen es vergewaltigt hatte. Diejenigen, die die Dinge aus allernächster Nähe beobachtet hatten, wie der Prinz Alexander von Hohenlohe, haben anerkannt, daß das Zugehörige.lcaefühl der annektierten Provin- zen zu Frankreich fortbestand und daß die morali­schen Bande, die das Elsaß und Lothringen mit ihrem alten Vaterlande verknüpften, unlösbar waren. Deshalb hat Prinz Alexander von Hohen­lohe kurz vor feinem Tode den Wunsch ausgespro­chen, daß seine ehema! gen Wähler im Elsaß u n - t r r der französischen Fahne endlich den Frieden und die Ruhe finden m chten und nicht mehr ein Elcment der Zwietracht seien, sondern ein Bindeglied zwilchen den beiden großen europäischen Nationen. Kein klarblickender und zivi- lisierter Mensch könne einen anderen Wunsch aus- sprechen. Aber damit dieses Ergebnis jemals er­reicht werde, sei es vor allem notwendig, daß weder in Frankreich noch außerhalb Frankreichs jemand den Versuch mache, unter irgendwelcher Form die endgültige Rückkehr Elsaß Lotbring ns an die große französische Gemeinde in Frage zu stellen.

Nisse ungeheure Erregung. Stündlich brin­gen die Zeitungen Extrablätter. Man kann die totimmung mit dem Jahre 1904 vergleichen. An den ostasischen Börsen werden wilde Schwankun­gen verzeichnet, die Abschlüße unmöglich machen. Die javanischen Warenmärkte erleben schwere Niederschlage.

Oie demokratischen Wahlkandidaten in Heften-Nassau.

Frankfurt a. M., 5. Mai. Die Deutsche Demokratische Partei hat für den Wahl­kreis 19 tH c s s e n - R a s s a u) folgende Listen ausgestellt: Für den Reichstag: Reichsfinanz­minister a. D. Dr. Reinhold, Dresden. Stadt­rat Schanz, Frankfurt a. M. Johanna Vogt, Kassel. Landrat Dr. Schuster. Melsungen. Bürgermeister Kaiser. Cölbe, Fabrikant Dr Leih. Wetzlar, Klara Völzing. Kassel u. a. Für den Landtag: Gastwirt ® Goll. Frankfurt a. M.. Rektor Wickel, llaffau. Ge­schäft «führer Zimmermann TBlrebaN

Frau Dora Rade. Marburg. Professor Dr. Deutsch dein. Marburg. Landwirt Maler,

Viermünden. Schmiedemcister Berndt, Bad Homburg u. a.

Gegen die Regierung draiianu.

Der rumänische Baucrnkongrctz fordert Marsch auf Bukarest

Karlsburg, 6. Mai. (TU.) Am Sonntag fand hier der in ganz Rumänien mit Spannung er­wartete Parteikongreß der Nationalen Bauernpartei unter Führung Manius statt. Die Veranstaltung war bekanntlich zuerst von der rumänischen Regierung verboten worden. Aus allen Bezirken und Provinzen des Landes kamen große Masten von Parteianhänaern zu Fuß ober In Lastautomobilen, um an dem Kongreß teil- zunehmen. Der Hauptplatz van Karlsburg war fmon am frühen Sonntaqmorgcn mit dichten Men- schenmasten gefüllt. Um acht Uhr hat zunächst ein Gottesdienst stattgefunden. Danach begründeten die Führer der Nationalen Bauernpartei, Maniu und Michalache. die Entschließung gegen die Regierung, die sofort angenommen wurde. In der Entschließung wird Treue zum Vaterland, ein Gruß an den Völkerbund als Friedenshart und ein

Dank an die Verbündeten des Weltkrieges zum Ausdruck gebracht. Es wird betont, daß die Re­gierung Bratianu nur durch einen Staats- treich ans Ruder gekommen fei. Sie müsse einer Regierung des Rechts, einer Regierung Ma- n;u, Platz machen. Maniu ist mit dieser Ent- chließung noch am Sonntag nach Bukarest abgereift, um sie dem Regentschaft-rot .zu unter- breiten Sechs andere Redner sprachen noch in Karlsburg in öffentlichen Versammlungen. Die Menge ichwur mit erhobener Hand, alles zum Sturz her Regierung Bratianu tun zu wollen Ein Abgeordneter sprach mit Nachdruck von einem durchaus notwendigen Marsch auf Bu- korest. Die Karlsburger Demonstranten mar- djierten zu einem großen Teil nach Klausenburg, wo morgen eine Massenversammlung stattfinden oll, der Maniu die Antwort des Regentschaft«- rotes überbringen soll.

Aus aller Welt.

Seern anculos.

Schiffstrümmer, die aus Scatter. Island an ter Südosttüste von Kap Breton Reuschottland) gefunden wurden. Verben als endgültiger Be­weis dafür betrachtet, daß der holländische Damp­fer .Callisto untergegangen ist. Er hatte am Samstag um Mitternacht drahtlos gemeldet, daß er gestrandet sei. Man befürchtet, daß die Besatzung von 3 2 Hann den Tod ge­funden hat.

(Ein spanisches Fischerboot gesunken.

In der Nähe von Pasagey bei San Sebastian tft ein spanisches Hochseefischerboot an einem Fel- {en zerschellt und sofort gesunken. Bon der zehnköpfigen Besatzung sind sieben Mann er­trunken. Vier Leichen konnten geborgen werden.

Die Sage der hessischen Wirtschaft.

Wirtschaftsminister Korell spricht im Landtag zum Etat.

3m Mittelpunkt der Freitagssitzung stand die Etatsrede des Ministers für Arbeit und Wirt­schaft, Korell, die ein umfassendes Bild von der hessischen Wirtschasts- und Sozialpolitik gab. Besondere Beachtung sanden die Ausführungen über das Lohnproblem. das weder einseitig nach der Arbeitgeber- noch nach der Acbeitnehmer- feite gelöst werden könne. Wirtschaftliche und soziale Gesichtspunkte müßten in gleicher Weise Berücksichtigung finden. Zentrum und Rechte be­grüßten die Anerkennung, die der Minister der Fürsorgetätigkeit der privaten Wohlfahrtsver- bände auch der kirchlichen zollte. Starke Erregung ergriff das Haus, als es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Minister und den Kommunisten kam. Der Minister hatte den Kommunismus und die monistischen Theorien als Irrlehre und die Kommunisten als Spätlinge einer sozialen Bewegung bezeichnet. Rachdrm sich mehrere Abgeordnete mit theoretischen und prak­tischen Wirtschaftsfragen be chwtigt hatten, wo­bei die Behebung der Rot bei Landwirtschaft und Handwerk die größte Rolle spielten, wandten sich die Abgeordnet-m Frau Hattemer und Frau Birnbaum der Kleinrentnerversorgung zu, deren derzeitige Gesetzgebung noch zahlreiche Mangel aufweise und wofür reichsgesetzliche Re­gelung gefordert wurde. Mit einer durch zahlreiche Zwischenrufe gewürzten und ziemlich schar'en Auseinandersetzung zwischen dem Minister Korell und dem Kommunisten Dalm über marxistische Theorie und kommunistische Führer schloß die Sitzung.

Sitzungsbericht.

Darmstadt, 4. Mai. (HPD.) Präsident Delp eröffnet das gutbesetzte Haus um 10.20 Uhr. Aus der Tagesordnung steht als erstes die Regierungsvorlage über einen Kredit von 504 00 Mark zum Umbau des Darmstadter Schlosses. Der Finanzausschuß hat die Annahme im Interesse der Erhaltung des Schlosses empfohlen. Gegen die Kommunisten wurde der An­trag angenommen. Zum Wirtschaftsetat spricht dann

Abg. Dr. Müller (Dbd), der bei der elemen­taren Bedeutung die Berücksichtigung der Landwirt- schäft gegenüber den anderen Wirtschaftsgruppen im Etat für zu gering hält. (Eine Steigerung der land­wirtschaftlichen Produktion habe bisher immer statt zu einer Besserung zu einer Verschlechterung gerade dieser fortschrittlichen Betriebe geführt. Bei einer Steigerung der Schweinezucht um 28 v. H. Im Vorjahre sei wohl der Konsum an Fleisch erheblich gestiegen, die Erfolgsrechnung des Landwirts habe aber ein Sinken der S ch w e i n e p r e i s e ge­sehen. Die Preisspanne zwischen Erzeuger und Konsument sei üb exmäßig hoch. Der heutige Schweinepreis liege neun Pfennig unter dem Frie­denspreis und 25 Pfennig unter dem Gcstehungs- preis. Beim Getreide fei die Lage nicht viel besser. Gerechte Zölle feien nicht nur zum Schutz gegen ausländische Schlcuderkonkurrenz, sondern auch zum inneren Ausgleich unserer Wirtschaft. Die Landwirt­schaft könne nicht wie die Industrie und Gewerk­schaften ihre Produkte einfach der gesunkenen Kauf­kraft und den erhöhten Lasten angleichen. Die vom Gewerkschaftler Mann gestern vertretenen amerika­nischen Grundsätze könnten doch nicht auf die deutschen Derhältnisfe angewandt werden; selbst Amerika habe hier schon umlernen müsien. Don einer erhöhten Kaufkraft werde der Absatz der hei­mischen Landwirtschaft leider nicht in dem Maße profitieren, wie es zu wünschen sei, da der deutsche Verbraucher immer noch ausländische Produkte bc vorzuge. Wie in Amerika mässe auch in Deutschland die Regierung gegebenenfalls mit Zwo"0«Mitteln auf gesteigertenDcrbrauchheiniifcherPrv butte drücken Bei ausk mmlichcr Entlohnung mürbe die Arbeit von heimischen Kräften in der Landwirtschaft immer noch abgelchnt. Die Unter stützung in der Arbeitslosenversicherung muffe nach den ortsüblichen Löhnen geregelt werden. Eine fünft siche Erhöhung ber Kaufkraft würbe uns bald die Katastrophe von 1923 wieder nahe bringen. Was würden Brot und Fleisch kosten, denn der Bauer auch einen Stundenlohn von einer Mark verlange? Tin Steuerstreik der Landwirte brauche nicht prokla­miert zu werden, sondern werde bei Forisührung ber heutigen Politik ganz von selbst aus ber Zo h - lungsunmöglichkeit sich ergeben.

Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell

führte bann in längerer Rebe etwa folgendes aus: Mein Ministerium befaßt sich mit den Interessen von Industrie, Handel und Handwerk, mit der Landwirt- fchast und mit der Wohlfahrtspflege der verschieden­sten Zweige. Es liegt aus der Hand, daß in ihm viel­fach sich widersprechende Interessen kreuzen und daß ein Ausgleich gesucht werden muß, ber bas Wohl der Gesamtheit voranstellt. Im Herbste 1926 hat nach tief ft er Depression eine langsam ansteigende gute Konjunktur begonnen, welche tm Jahre 1921 sich zur ausgesprochenen H o ch k o n j u n k k u r ent- wickelt hat. Die innere ftapitalbttoung in Deuttchmno im Jahre 1927 wird mindestens auf 7 Milliarden und höchstens auf 10 Milliarden geschätzt. Spareinlagen sind hierbei neben anderen Quellen besonders be­teiligt. Die Sp a r c 1 n k a g e n in Hessen hoben regel­mäßig ansteigend tm Jahre 1927 in Starkenburg 43,9 Millionen, in Oberhessen 22,7 Millionen und in Rheinhessen 43,6 Millionen, zusammen über 110 Millionen Mark betragen ein (Ergebnis, das niaM mehr weit hinter der Friedenrzeck turüifb leibt, auch wenn man ben veränderten Geldwert in Rechnung fetzt. Das ist pro Kops in Hessen 81R Mark gegen 71,2 Mark im Reich Daß unsere Gesanttwirtschoft

eine solche Sparrückloge machen konnte, isl noch jeder fRicßtung ein gutes Zeichen, zumal wenn man in Rücksicht zieht, wie verschiedene Zweige unseres hessi­schen Wirtschaftslebens stark leiden. Dos beseite hessische Gebiet ist immer noch durch die Fol­gen des Rhein- und Ruhrkampses stark eingeengt. Der Weinbau hat einiae schwere Mißiahre hinter sich, der Weinhandel, ein besonders wichtiger Zweig der rheinhessischen Wirtschaft, leidet stark unter ben Folgen der Markstabilisierung, den langen Kredit­gewährungen und der Einschränkung der Konsum­kraft. Die Industrie des besetzten Gebietes erobert sich nur langsam wieder ihre allen Märkte.

3m ganzen ist die Lage besser, al» wir es noch vor einem 3ahrc anzonchmen bereit waren. Läßt uns das Reich für die hessische wirtschaft, entsprechend seiner Pslicht, die besondere Pflege angedeihen, auf die wir ein Recht haben, fo wer­den sich noch manche dunkle Punkte beseitige« lasten. Pon großen Gewinnen der Industrie kann man jedoch in Deutschland gewiß nur In ein- zelnen Fällen sprechen, und in der hessischen 3n- dustrie noch weniger, dafür find Steuern und Caften aller Art w hoch und die Kaufkraft der großen Moste immer noch zu gering.

Cs ist neulich in der Generaldebatte behauptet worden, die Kaufkraft müflc doch schon da sein infolge der gestiegenen Löhne und der Beam­tenbesoldungsreform. Diese Behauptung erfch.int mir zu kühn. Bezüglich der Beamtenbe­sold u n g kann man sich auf einen der Wirt­schaft nahestehenden Mann berufen, wie der frühere Reichskanzler Dr. Luther, der Die Hungergehälter Der Beamten als die Grund­lage der Stabilisierung bezeichnet hat. Und was durch die Mietstcigerung und Die Er­höhung einzelner Konsumartikel wenn auch nicht de« Gesamtinder von den Einkommenserhöbungen ber Festbesoldeten. der Anoestellten und Ar­beiter übrig bleibt, ist nicht ausreichend, um eine Belebung des inneren Marktes harbeizu- führen. Hinzu kommt noch die R o t l a g e großer Teile der Landwirtschaft in­folge von Mißernten, zu niedrigen Gctrei >e- und Fleischpreisen. so daß auch dieser so wichtige wirtschaftliche Faktor des Innenmarktes außer­ordentlich geschwächt ist Trotz alledem hat sich die deutsche und die hessische Wirtschaft zähe

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«in« Rinne riefen Drucke- erstreckt fich von dem Mittelländifchen M r in nordöstlicher Rich­tung üb:r Deut chla id. S.andinavien und Finn- lanv. in der llache Störungen mit ihren Üuft- hrömur.gcn die Windrichtung sehr verschieden gestalten. Unt r d.nn Sinslutz der Störungen tommt es zunächst $ut Dol'.enbildung. ledvch bleibt es vorläufig in der Hauptsache trocken. Kühler? Luftmassen, die an der Westseite der Tie druckc>nne vordcingen, lassen auch tagsüber fei:'« starke Erwärmung au tonmen.

Wettervoraussage für Dienstag. Wolkiges Wetter, auch tagSüber frischer, meist t roden.

Wettervoraussage f ü r Mittwoch: Weiterhin bewölkt, Temperaturen wenig ver­ändert.

Lufttemperaturen am 6. Mai: mittags 18 Grad Celsius, abends 11,3 Grad Celsius: am 7. Mai: mor- ar ns 9,5 Grad Celsius. Maximum 19 Grad Celsius, Minimum 2,2 Grad Celsius. Crdlemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 6 Matt abends 17,7 Grad Celsius , am 7. Mai: morgens 13,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 14 Stunden.