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Nr. 107 Erstes Blatt

(78. Zahrgang

Montag, 7. Mai 1928

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

ümtf en6 Verlag: vrühl'sche Unlvrrsttülr-vuch- und Sieinöruderet N. Lanze In Sietzen. Sdfriftldnmg und Sefchäftr'tele: 8chul»ttatze 7.

3niat}mc von InjeiacB für die lagtwnumtner Die zum Jlodimir.ug vorder.

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Stresemann über internationale Verständigung.

Eine große Rede des deutschen Außenministers bei der Feier seiner Ehrenpromotion durch die Universität Heidelberg. Botschafter (Shurman spricht als Heidelberger Ehrendoktor über Deutschland und Amerika als Förderer des Frieder s.

Heide Iber«. 5. Ulat (WTB.) Das 3n- ttrefle der ganzen Stadt konzentrierte sich auf den feierlichen Akt ber Shrenpromo'.lon dcS Lei­ters der deutschen Außenpolitik und deS ameri­kanischen Bot chasterS in Berlin. Die Gemein­samkeit beider Akte wird durch den Flaggen- schmuck betont, den die Stadt bei herrlichem Detter angelegt hat. Buch auf dem .Europäi­schen Hof', in dem beide promovierenden Gäste abgestiegcn sind, wehen die deutsche und die amerikanische Flagge nebeneinander. Bereits um »All Uhr war der große Festsaal der Universität bis aus den letzten Platz gefüllt. Zahlreiche Ver­treter der In- und ausländischen Presse wohnten dem Akte bei. 3n einer Ansprache betonte her Rektor der Universität Heidelberg,

Professor Dr. Dibelius,

daß die heutige Feier herauStrete au» dem üb­lichen Rahmen d r PromotionSehrungen. denn sie empfange ihren besonderen Charakter durch zwei Männer de« Staatslebens. den Leiter der aus­wärtigen Politik unseres Vaterlandes und den Botschafter der großen Ration jenseits deS Ozcan». Herr AcichSmirisier Dr. StresemannI Dieser Tag bekundet vor der Oeffentlichkeit c i n Vertrauen zu Deutschland- Zukunft und bekundet darum über politische Meinungs­verschiedenheiten hinweg eine Dankbarkeit für die Entwicklung. die unser Vaterland auS der schweren Krise von 1923 wieder zu einem nicht sorgenfreien, aber beruhigten Dasein geführt hat. In jenen fünf Jahren, in denen Sie die aus­wärtige Politik bisher geleitet haben. SS ist das Resultat jener fünfjährigen Entwicklung, daß wir hier mit beruhigtem Gewissen zu festlicher Sa- Eimb zu dieser Doppelehrung au'ammcntreten.

ach überreichte Dr. Dibelius die Ehren­chiplome

Der Dekan der philosophischen Fakultät, Dr. Andreas, führte in seiner Ansprache an Botschafter Dr. S h u r m a n aus: Mil besonderer Freude nimmt die philosophische Fakultät Sie in ihren Kreis auf. sind Sie ihr doch feit den Tagen verbun­den. da Sie durch Kuno Fischer in daS Fach der Philosophie cingefüßrt wurden. daS Sie später so ersolgreich an Ihrer heimatlichen Uni­versität vertreten haben. Ein halbes Jahrhundert ist verflossen, seitdem der Vame Shurman in der Matrikel der Universität verzeichnet wurde. Ein Dirbelsturm von Erlebnissen und Schick­salen ohnegleichen ist in dieser Zeitspanne über die Delt dahingebraust. 3n beiden Erd le cken sind einsichtige und hervorragende Männer am Werk, die verhängnisvollen Rach - wirkungen in der S:ele der beiden 'Stationen zu heilen und Mißverständnisse zu beseitigen. Und daß Sie. Herr Botschafter, mit großherzigem Eifer Ihre Kraft dafür einfetzen, dazu bvglück- wünschen wir unS nicht nur als Deutsche, sondern auch als Bürger der Welt und mitverantwort­liche Träger von Kulturwerten. Dem abgeklärten Staatsmann, der durch die Schule Kants hin- durchgegangen ist und zu den Bewunderern seiner Schrift vom ewigen Fr eden gehört, steht diese Haltung wohl an; denn sie beruht auf seiner wahrhaft philosophischen Gesinnung und der sittlichen Achtung vor der Würde der 'Ra­tionen als gleichberechtigte Glieder der Mensch­heit. Wir heißen Sie in dieser Stunde herzlich willkommen in unserer Gemeinschaft.

Botschafter Dr. Shurman

erwiderte mit einer Rede, in der er seiner Stu­dentenzeit in Heidelberg. Berlin und Göttingen ge- dachte und mit großer Dankbarkeit von seinen Leh- rern und dem Einfluß der Führer des deutschen Geisteslebens sprach. Mit begeisterten Worten rühmte der Dotschalter die Schönheit Heidelbergs, das (eine erste deutsche Universität und auch seine erste Liebe gewesen fei und verlas eine eigene eng- lische Uebersetzung des Scheffelschen Liedes ..Alt- Heidelberg" Daraus gab Dr. Shurman seiner stol- Aon Freude Ausdruck, zugleich mit dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann. seinem guten Freunde und einem der allerersten aufbauenden Staatsmänner der Welt, das Diplom in Empfang nehmen zu können, und kam dann auf den von Staatssekretär Kellogg überreichten Entwurf eines vielseitigen Vertrages zur Aechtung des Krieges zu sprechen. Der Fortschritt der Dissensckaft ist so weit gediehen, sagte der Botschafter, daß es in Zukunft keiner Ra­tion erlaubt sein darf, im Kriege die Kräfte der Ration zu verwenden, die die Menschheit durch die Wissenschaft gelernt hat zu beherrschen und für ihre Zwecke auszunutzen. Wenn die menschliche Zivilisa­tion und Kultur fortbestehen sollen, muß der Krieg geächtet werden. Während der drei Jahre, die ich als Botschafter der Bereinigten Staaten in Deutsch­land bin, bin ich in immer steigendem Maße von der A e h n l i ch k e i t der grundlegenden internatio­nalen Ideale der Regierungen und der Dölker un­srer beiden Länder durchdrungen worden. Und jetzt ist die Frage der Aechtung des Krieges ein wei­teres Beispiel und eine weitere Bestätigung dieser Internationalen Kameradschaft. Deutschland und die Bereinigten Staaten marschieren vorwärts

in einem großen und edlen Abenteuer für die Sache der menschl.chen Kultur Ich hoste ernstlich und erwarte auch zuversichtlich, daß alle Rat innen der Welt sich bald diesem glorreichen Zuge anschlie- ßen werden Universelle Zusammenarbeit in der Sache des Friedens wird sich an und für (ich schon als schöpferisch und fördernd für die internationalen Freundschaften erweisen.

Reichsminister Dr. Sfresemann führte dann nach einleitenbrn Worten, in denen der Ae.chsminister der staatswissenscha Hießen Fakultät Ser philosophischen und juristischen Fa­kultät der Universität seinen Dank für die ihm erwiesene Ehrung auSfvrach. u. a folgende» au» Auf zwei große 3deen weist die Urkunde hin, mit der die Konmission ihren Beschluß be­gründet hat: .Das Recht der Rationen auf Leben und Freiheit" und .Die gristig: Annähe­rung und friedliche Verständigung der Völker". Damit ist ausgesprochen, ba'i diese beide:, Pro­bleme nicht im Dege.sah zueinand:r stehen, son­dern einander ergänzen, ja einander ge­radezu bedingen. ES ist ein unieliges Mißver­ständnis. daS Vationale und das 3n tcrnationalc al- Geg.nsatz hinzustellen und mit dem Begriff des Internationalen den Vor­wurf bce- Vichlnat o.alen zu verbinden. Damit möchte ich in einer Weise jenen politischen und geistigen Strömungen das Wort sprechen, die sich auf der Ansicht aufbauen, wie wenn da- 3ntcrnationale das Höhere der Gestaltung des menschlichen Daseins darstelle und die in dem "nationalen nur eine vorläufige Form sehen, txuu bestimmt, dereinst in der jüngeren Form aufzugehen. Das ist ein schwerwiegender 3rrtum. Auch bei höchster geistiger Entwicklung wird der Mensch sich niemals von den Flutströmen lösen, die fein Eigen sind auf Grund der Tra­ditionen seines Volles.

Die größten Denker und Dichter, die allen Völkern Großes und Mächtig»- zu sagen hatten, haben das Höchste ihrer Kraft nur da gegeben, wo sie im nationalen Boden Wurzel- t e n. Shakespeare ist ohne England. Goetbe ohne Deutschland, Dante ohne 3taüen und alle oyne die Zeit, in der sie Lebten, nicht zu ver­stehen. Ebenso wird niemals eine Weltorgani­sation aufzubauen sein ohne die feste natürliche Grundlage, die in den zu nationalen Staaten zusammengeschlossenen einzelnen Böllern besteht. So wie die Wurzeln der Kraft der einzelnen Staaten in der Kraft der ihnen angehörenden einzelnen Persönlichkeiten liegen, so werden die Wurzeln deS internationalen Leben- in der Gesundheit der einzelnen Staaten der Weltgemeinschaft liegen und das Völkerrecht wird, wie Kant ausspricht, nur auf einem freien Föderalismus der Völler aufgebaut werden können. Die Einordnung deS Einzel­nen in eine Gesamtheit ist für den Einzelnen kein Verzicht und kein Verlust. Gleichwie die Persönlichkeit nichts von sich aufgibt durch Ein­ordnung in die Dollsgesamtheit und in die Ord­nung deS Staates, sondern wie dadurch erst der Impuls sich entfaltet zur Konzentrierung aller Kräfte und zu der eigentlich sittlichen Betäti­gung. die nur in dem Bestreben nach einem hö­heren Ziel liegen kann, so gilt dasselbe für die Einordnung des Volles in die organisierte Gesamtheit der Kulturwell.

Seide Borausfeßungen, von denen eine wirklich dauernde und fruchtbringende internationale Ordnung abhängt, sind einstweilen noch nicht er- süllt. Es ist noch nicht zwischen den einzelnen Staaten derjenige Ausgleich erfolgt, den die Katar der Dinge gebietet und der ein gleich­berechtigte» Jlebeneinanberkbcn gewährleistet. Ebenso müssen die Formen für den internatio­nalen Zusammenschluß selbst noch gesunden werden.

Dr. Stresemann gab bann einen großangelegten historischen Rückblick auf die Entwicklung der zwischenstaatlichen Beziehungen unb den Stand der Frieden-sicherung in den verschiedenen Zeit­altern, um dann fortzufahren. Die Nachkriegszeit bietet zunächst ein sonderbares Bild deS Reben- einander von rücksichtsloser Anwendung deS nationalen Machtprinzips und von zäh verfolgten Bemühungen, ein neues System derDölkerverständigungaui der Grund­lage der Gleichberechtigung aufzubauen. Völker­verständigung und Krieg-Verhütung be­dingen sich gegenseitig. Daß ohne Verständigung der Völler auf die Dauer kriegerische Verwick­lungen bei der Statur des Menschen nicht aus­geschlossen werden können, liegt auf der Hand. Umgekehrt kann die Verhütung des Krieges nicht als Ziel angesehen werden. Mit der Vermei­dung des Krieges muß der Aufbau derjenigen Institutionen 5>anb in Hand gehen, welche un­ausführbar gewordene Verträge auf friedlichem Wege abzuöndern in der Lage find. Diele Wechlclverhältni'se spiegeln sich auch tatsächlich in der Geschichte der letzten Jahre deutlich wieder, in der die wirtschaftliche Ver­ständigung durch das Londoner Protokoll am Anfang steht, die Vereinbarungen zur Kriegs­verhütung von Locarno nebst Deutschlands Eintritt in den Völkerbund sich daranreihen und

die Bemühungen zu ein r weiteren geistigen An- näheru a und zur Bereinig 'ng politi­schen Konflikt i.o'les im Gange cknd Ge- iadc jetzt find wir wiederum Zeuge eine: großen politischen Aktion, die beweis! wie d.e wirtschaftliche und geistige Annäherung dem Gedanken der Verbannung des Kriege- aus den Methoden internationaler Politik förderlich ist. Hat doch erst die Entpolitisierung deS Reparationsproblem-, wie fte unter entscheidender Mitwirkung der Ver­einigten Staaten von Amerika in Lon­don zustandegekommen ist. vermocht, die Abnei­gung der Vereinigten Staaten gegen die ver­tragsmäßige Zusammenarbeit mit Europa im Dienste der Kriegöverhütung so weit zu über­winden. daß wir heute die amerikanische Regie­rung mit einem in großen und einfachen, klaren Linien gezeichneten Entwurf eineS W e l t p a k - tes zur Aechtung deS Kriege- hervor­treten sehen.

Deutschland nimmt seit bald zwei Jahren an den Arbeiten des Völkerbundes teil. Es ist eingetreten nicht in dem Glauben, daß nun mit einem Schlage das Ideal einer auf Gleich­berechtigung und gegenseitige Achtung der natio­nalen Intereisen begründeten Völkergemeinschaft hundertprozentig verwirklicht würde. ES hat fich an allen Arbeiten beteiligt in einer Weise, die bestimmt war. durch die Erwägung, daß feine eigenen Interesien mit denen aller anderen Ra­tionen ins o, em übereinftimmen, als ihnen am besten durch eine Lösung der bestehenden Kon- Hüte im Geiste sreundschackttcher Verständigung und im Zeichen des Rechtes gedient ist.

Die well wird sich aber klar darüber werden müssen, daß auf die Dauer ein solche» yand-in- Hand-Arbeiten nur möglich ist ;wisä)cn Mächten, die einander ganj allgemein auf dem Jußc der Gleichberechtigung behandeln und die chruu) be­strebt sind, die zwischen ihnen »och bestehenden fionfliftfloffe im ID ege gegenseitigen Entgegen­kommens zu beseitigen. Es hieße, die Institu­tionen de» Bölter.unbe» zu einem bloßen lech- nisch-admlnistralioen Apparat herabzuwürdigen, wollte man es al» einen erträglichen Zustand bezeichnen, daß eine Bölkerbundsmacht ans dem Territorium einer anderen Truppen unterhält. Die Dell wird sich auch darüber keiner Täuschung hingeben dürfen, daß der Bölkerbund gewertet werden wird nach seinen Erfolgen in der Frage der Abrüstung und der Beseitigung der unge­heuren Rüstungvungleichheit, wie sie heule noch besteht. Da» deutsche Boi? hat nicht viele Jahre hindurch die kaiserliche Regierung unter der An­klage des Wettrüstens und derkrlegsprooozie- renben Abrüstungssabotage" brandmarken sehen, um jetzt, da diese Regierung und Ihre militärische Macht nicht mehr bestehen, st.llschweigend und mit Gleichmut zuzusehen, wie andere Mächte sich eine Rüstungsüberleqenheit bewilligen, an die da» kaiserliche Deutschland nicht in den kühnsten Träumen jemals gedacht hat.

Der Wille zur friedlichen Zusammenarbeit ist zweifellos bei einer großen Mehrheit der breiten Masse in den meisten Ländern Europas auch heute noch vorhanden. Ausgabe der verantwortungsbe­wußten Führer ist es, gerade in diesem Augenblick den breitesten Schichten klarzumachen, daß ein Er­lahmen In dieser Friedensarbeit von unabseh­baren verhängnisvollen Folgen sein und die Entwicklung der Menschheit um Jahre zu- rückwerfen könnte. Ein solches Erlahmen könnte nur die Kräfte neu bewegen, die nicht einfehen wollen, daß eine Konslagration unseren Erdteil an­gesichts der erschreckenden Bereicherung der Zerstö- rungstechnik rettungslosem Ruin aus­liefern würde, die Kräfte, die ein friedliches Ncbeneinanderleben der auf diesem Erdteil zusam­mengedrängten Bölkerschaften für eine Unmöglich- keit erklären und schon durch diesen Fatalismus einer neuen Katastrophe entgegentreiben. Roch nie in der Gefch chte hat man es verzeichnet, daß ein Volk mit solcher Vergangenheit, mit kriegerischen Lorbeeren bedeckt und in allen Werken der Wissen­schaft, Kunst und Technik hoch geachtet, nachdem es von einer übermächtigen Koalition überwältigt und an Land und Volk, an Gut und Rus aufs schwerste getroffen worden, der kriegrischen Vergel­tung a b f a g t und mit keinen anderen Mitteln als denen friedlicher Verständigung die Berichtigung unseliger Irrtümer und Mißgriffe anstrebt. Man darf nicht vergeßen, daß das Volk einen schwe­ren inneren Kamps auskämpfen mußte, be­vor es sich zu dieser. Würde und Besonnenheit paarenden, Haltung durchgerungen. Es hat damit ein Anrecht erworben auf da« Vertrauen der an­deren Rationen in seinem Willen zu friedlichem Wiederaufbau und internationaler Verständigung.

Anders als in den Zellen, in denen der Staats­mann nur das Vertrauen seines Königs oder feine Gleichgültigkeit gegenüber den großen Fragen der Auyenpolitll brauchte, um seine Ideen durchzufetzen. stehen wir heute in einer Situation, m der große neue Ideen zu einer Durchsetzung des mitfühlenden Verständnisses, der Mllarbeit und des Miikämpfens bereniqen be­dürfen. die ein Voll leiten und beeinflussen. Es tff nicht richtig, daß Fortschreiten der Demokratie die Wirkung der Persönlichkeit ge­

genüber der Masse auefcb alten maste, itc Masse ist nicht ein Ding an sich, das irgendwie zur Führung und Le tung berufen Wäre. Rlemand ist mehr dazu berufen al* das kommen e Geschlecht selbst d r geistig Führ.mden in Deutschland. Der-Hald stellt die Zell, in der wie leben, die gebieterische Forderung an die aka­demische Jugend, sich nicht an alten Shlag­worten zu berauschen.

Die Erhaltung de» Frieden» und die darauf gerichteten BcHrcbungen sind nicht Falschheit, sind nicht Feigheit, sind nicht Schwäche, sie sind realpolitische Erkenntnisse unserer eigenen natio­nalen Interessen

Möchten wir versteht", b< die Weite de- Gesichtskreises, die Kenntnis anderer Völ er und and.-rer Me scheu eine Erweiterung unsere» na­tionaler. Arb itSseld*- ist. und möchte die studen­tische Jugend so dazu beitragei. in der gro'.en geistigen Republik der Welt dem Deutschtun die Stelle wieder mitzu Tobern. auf die es 'in Anrecht hat auf Vru d seiner Geschichte u d seiner Entwicklung. Möchten alle Ströme der Verständigu ig zwischen den Völ em schließlich darin einmünben. daß dem heutigen Geschlecht, das so unendlich viel gelitten hat. eine lange Per ode bevorsteht deS Friedens und er Freiheit, eine wirkliche Durchführung des Selbst­bestimmung-, rchl» der Völker, einer Achtung der Kultur, der Religion und Sprache jedes Men- schens. in welchem Staat imm:r er lebt. Möch­ten alle Ergebnisse einer solchen Pol til vor sich sehen ein rrie», in seiner Souveränität nicht beschränktes, dem Frieden und der Fortentwick- luna der Menschheit dienende», geistig mitlüß- vendes Deutschland.

Japan fordert Sühne.

Vorstellungen bei Tschianlaischek.

Tokio. 6. Mai. (Tel.) Aus Schanghai wird gemeldet, daß Oberst Sasaki im Auftrage des Oberbefehlshaber- der japanischen Truppen. General F u k u d a. eine längere Unterredung mit Tschiankaischek gehabt hat. Oberst Da- saki erklärte, daß. wenn die chinesische Ra­tionalregierung einen Druck mit Japan ver­meiden wolle, sie ersten- sofort die Stadt Tsinanfu von Südtruppen räumen; zweiten- die chinesischen Offiziere, die Befehl gegeben haben, auf die japanischen Privathäuler zu schießen, streng bestrafen: drittens für das japani fche Privateigentum in Tsinanfu. da- von chinesischen Soldaten geraubt wurde. Schadenersatz zahlen; vor der ja­panischen Flagge eine Entschuldigung abgeben müsse Sasaki hat ferner mitgeteilt, daß trotz der Unterbrechung der Eisenbahnlinie zwischen Tsinanfu und Tsingtau weitere japanische Verstärkungen in Tsinanfu eintreffen sol­len. Ob die Mission Sasakis bei der südchinesi- schen Regierung Erfolg haben wird, bleibt ab- zuwarten. Sasaki wird morgen nach Tokio reifen, um der japanischen Regierung einen persön­lichen Bericht zu erstatten.

Eine Protestnote der Nankingregierung.

Keine Antwort Japans.

London, 6. Mai. (TU.) Die südchinesische (na- tionalistische) Regierung bat eine Protestnote nach Tokio gesandt, in der gefaßt wird, daß zur größ­ten Ueberrafdjung der nationalistischen Regierung japanische Soldaten am Donnerstag früh ohne jeden Grund in Tsinanfu auf chine­sische Soldaten und Zivilisten das Feuer eröffnet hätten. Tschiankaischek habe daraus seinen Truppen den Beseh! gegeben, sich von den von den Japanern besetzten Gebiet fern- zu halten. Zugleich habe er hohe Militärs nach dem japanischen Hauptquartier gesandt, um Maß­nahmen zur Verhinderung eines Zusammenstoßes zu treffen. Die chinesischen Unterhändler seien verschiedentlich angegriffen worden. Japanische Inippen hätten schwere Geschütze auf chinesische 9tegierungsgebaube gesichtet. Die Protestnote erklärt, die nationa­listische Regierung behalte fich das Recht vor, Ja­pan für alle Schäden verantwortlich zu machen.

Die Note der Nankingrcgierung hat jedoch in Tokio wenig Eindruck gemacht. Minister­präsident Tanaka hatte am Sonntag eine län­gere Unterredung mit dem Marineminister, Admi­ral O k a d a , über die Lage der japanischen Lan­dungstruppen in der Schantungprovinz. Die ja­panische Regierung hat beschloften, durch ihre Bot­schafter in Paris, London, Rom und Washington die ausländischen Regierungen über die Maß­nahmen Japans zum Schutze seiner Interessen 1 n der Schantungprovinz in Kenntnis zu setzen Japanische halbamt­liche Stellen behaupten, daß die Nankingnote nicht beantwortet werden wird, da die Nanking- regierung von feiten Japans nie de jure an­erkannt worden sei. Man erwartet neue scharfe Maßnahmen gegen die Nanking­regierung. In Japan herrscht angesichts der Ereig-