würde in Zukunft fortfallen. Daß dieses trotz der Rechtssprechung des Reichsgerichts sehr häufig vvrkommt, weiß jeder Eheschcidungsrichter. Itei der Scheidung wegen Ehezerrüttung wird, falls diese Momente nicht mitsprechen, auch in Zukunft es sich nicht ganz umgehen lassen, daß Äe Ehegatten sich gegenseitig mit Schmutz bewerfen. Lüge und Schmutz werden auch dann nicht beseitigt sein, denn der auf Scheidung Klagende wird ja die Ehe als so zerrüttet dar- ftellen müssen, baß geschieden werden kann. Und läuft nicht die Zerrüttungsfrage letzten Endes mit der Derschuldungsfrage parallel? Zumal bann, wenn nach dem Anträge der Teil, der die 'Zerrüttung vorwiegend durch sein schuldhaftes Verhalten herbeigesührt hat, nicht klagen darf? 3n der Praxis lauft diese Regelung auf die Frage des Verschuldens hinaus. Denn der Teil, ber sich nicht scheiden lassen will, wird diese Frage doch aufrollen.
3n den meisten Fällen handelt es sich dann darum, daß der andere Teil den ehebrechenden Teil nicht l o s l a s s e n will, damit er nicht eine neue Ehe eingehen kann. Es sind daS aber meist die erschütterndsten Tragödien, die ein Ghescheidungsrichter erlebt. So selten sind sie übrigens nicht. Hier hilft der theoretisch sehr anmutende Zerrüttungsgrund in der Praxis in keiner Weise. Hier werden auch weiter alle die Schikanen und Gehässigkeiten weiterbestehen, mit denen der Ehegatte, der sich scheiden lassen will, den andern verfolgt, um ihn mürbe zu machen. Etwas widerwärtigeres als solche Scheidungs-- prozesse, kann man sich kaum denken. And zu was dient eine solche in Wahrheit doch kaum mehr bestehende Ehe? Doch nur, um zu zeigen, welchen Hasses der Mensch fähig ist. Zu bedauern sind hier nur die Kinder, die das bei ihren Eltern miterleben müssen. Will man tatsächlich die Ehescheidung von ihren schlimmsten Schlacken befreien, so muß man auch dem schuldhaften Zerrütter der Ehe das Scheidungsrecht gewähren. Gerade das sind heute auch die Fälle, in denen eine Reform des ScheidungS- rechts notwendig erscheint. Alles andere ist mehr oder weniger in der Praxis heute von den meisten Gerichten schon längst ermöglicht.
Erwähnt sei von den Anträgen noch, daß bei Scheidung ohne Schuldigerklärung die Ehegatten gegenseitig unterhaltsp'lich'.ig fein sollen nach Maßgabe der Billigkeit, insbesondere unter Berücksichtigung der BermogenSverhält- nisse. Das ist an sich zu billigen. Biesleicht wäre es hier angemessen, dem Gericht zu überlassen, die Regelung im ScheidungSurteik auszusprechsn. Prozesse würden dadurch vermieden.
Der Pferdefuß.
Tas Ergebnis
der Genfer Sicherheitskonferenz.
Der Sicherheitsausschuß hat sich nun doch auf eine Formulierung geeinigt, die am Montagnachmittag von der Dollversammlung angenommen ist und die jetzt im S^rbft dem Plenum des BölkerbundeS selbst zur Degutheihung empfohlen werden soll. Daß man Ischlteßlich .auS den bestehenden Gegensätzen irgendeinen Ausweg suchen würde, schon um nach auhenhin den Eindruck zu vermeiden, als ob eine Einigung unmöglich sei, haben wir ja vermutet. Wir hätten auch nichts gegen eine Entschließung gehabt, die sich in Allgemeinheiten bewegte, die etwa darauf hinauslief, daß der Dölkerbund nach wie vor den Abschluß von Sicherheitsverträgen zwischen den einzelnen Staaten empfehle. Etwas ähnliches ist wohl auch beabsichtigt gewesen, nur daß der Ausschuß einen Schritt weiter gegangen ist und in diese Entschließung allerlei Fußangeln hineingebaut hat, die sie vom deutschen Standpunkt aus sehr schwer trag^ bar machen.
Die Gefahr, der die deutsche Delegation aus- weichen mußte, bestand darin, daß diese Empfehlung des Dölkerbundsrates praktisch auf eine Einschaltung des DöllerbundSrates hinausliefe und ihm die Möglichkeit gäbe, Ein- zelstaaten gegenüber einen mittelbaren oder unmittelbaren Druck auszuüben. Daß ein solcher Druck gegen Frankreich oder England niemals in Frage kommen kann, ist ja selbstverständlich: dazu fehlt dem Dölkerbund die Macht. Aber das Schulbeispiel, daS wir als ungünstigste Mög-
Dre gsioenen Berge.
Vornan von Mara DiebiZ,
Copyright by Deutsche DerlsgS-Anstalt Stuttgart.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
4. Kapitel.
Wo der Joseph hingegangen war, erfuhr die Mutter nicht. Es kümmerte sich jetzt in Porten auch niemand darum. Alle hatten zuviel mit der Lese zu tun, mit dem Pressen, mit dem Keltern, mit ihrer Not und ihren Sorgen des täglichen Lebens. Was sollte man sich auch anhören, was so einer schwätzte?!
Der Joseph war beim allen Bremm heimlich un- tergeschlllpst. Er hätte ja gleich gehen können, aber so schnell entschloß er sich doch nicht dazu, wider seinen Willen fast, hielt es ihn in Porten noch fest. In der einzigen noch bewohnbaren Stube des Obergeschosses, die dunkel war durch die schweren, vom Alter fast schwarz gewordenen Balken der Decke und durch die in Blei gefaßten grünlichen Scheiben der kleinen Fenster, hockte der Großohem wortkarg dem Großneffen gegenüber. Den Joseph hatte er von allen Bremms noch immer am besten leiden gemocht, aber freundlich war er darum doch nicht zu dem. Daß seine Scheine, seine schönen Bildchen nun nichts mehr wert sein sollten, das hatte ihn vollends zu Stein erstarrt. Sein Gesicht wies Runen auf, wie Risse und Rinnen im Fels. Es belebte sich erst etwas, als Joseph von „schlechter Zeit" anftng zu sprechen.
Ha, schlechte Zeit, da konnte er freilich mitreden! Die schmalen Lippen des eingesunkenen Mundes bewegten sich hastig, die tiefliegenden Augen bekamen ein unruhiges Glitzerns oho, er kannte die bösen Jahre der Winzernot wohl, er hatte als Kind schon die schwarze Trauerfahne flattern gesehen. Und wenn es jetzt mit der Einfuhr der fremden Weine nicht aufhörte, und wenn die W-"nsteuer nicht aufgehoben wurde, dann würde die schwarze Notfahne alsbald wieder wehen. Sie flatterte wie Rabenfittich in schwerer Lust, und die Winzer würden hinter ihr dreinziehen, ihre hungernden Kinder hochhcben auf ihren Armen und heulend noch Gerechtigkeit schreien.
Der Alte hatte das so gesagt, daß es den Jungen fast schauerte. Aber als er nun anknüpfen wollte.
Oer Sternhimmel im März.
Sonnenaufgang von 6.50 bis 5.40 Ahr.
Sonnenuntergang von 17.35 bis 18.30 Ahr.
Lichtgestalten des Mondes: Dollmond am 6. um 12 Ahr, 3. Diertel am 14. um 16 Ahr, 1. Diertel am 28. um 13 Ahr.
mf. Der März bringt uns den Aebergang vorn Winter- auf den Frühlings-Fixsternhimmel; zwar sind die Winterstembilder noch vollzählig, aber
Arktur und Wega, an der östlichen Hälfte des Horizontes, sind bezeichnend für den Frühlingssternhimmel Don ihnen hat der Arktur den höchsten Stand, er erstrahlt deshalb auch heller als die an sich etwa gleich helle, aber tiefer stehende Wega und erst recht natürlich als die an sich schwächere Spica. Das Bindeglied zwischen den eigentlichen Winter- und den Sommer-
® Vo/lmonc# (1 Vierte!
^/fars (^Jupiter ’^’/etum
JTEENßH. OER: 6/tO/ZE BUCHyt STABEN /✓
Sterne • Kleine fluch- \ ziehen
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sie wandern mehr und mehr nach Westen; in den späten Abendstunden, zumal gegen Schluß des Monats, sehen wir schon die untere Hälfte des Orion im Dunst des Horizonts verschwinden und nur feine obere, nördliche Hälfte noch hervorragen. 3m Osten ziehen nun aber die Frühlingsbilder herauf. Denken wir uns die drei letzten Sterne des großen Bären — unter Zugrundelegung des Bildes des Wagens auch die „Deichselsterne" genannt — verbunden und ihre Verbindungslinie verlängert, so kommen wir auf den Arktur und in der weiteren Verlängerung des Bogens rechts vom Arktur und unter ihm stehend, auf die Spica in der 3ungfrau, während wir links vom Arktur und etwas weiter von ihm entfernt, tief im Aordosten, die Wega entdecke:!. Diese drei Sterne erster Gröhe, Spica,
Dir Ä>< 24 Stundenzahlen von Mitter- naeht Vie Mitternacht einte Tagte ent- Kakende Kreit und dit dielt punktierte Linie, der sogenannte Horiecnt, find fest- stehend tu denken. Der Sternhimmel dreht eich tarnt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — geicin ermaß en dem Zeiger der Himmelruhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne die gebogenen Pfeile einmal um eeinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die tu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatemitte sichtbaren Sterne. Uneere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monatemitte. Will man tu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel tarnt dem geraden Pfeil eo gedreht, daß dieser auf die Be- ebachtungsetunde engt; dadurch werden die tu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nickt mittudrekenden Hari tont hin- eingedreht. Für je $ Tage vor der Monatsmiete iet der gerade Pfeil Ma Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitte Hs Stunde später ra stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wem er die astgedeutete Licht- gestalt zeigt.
sternen bildet der Löwe, der um diese 3ahres- zeit sehr hoch im Süden am Abendhimmel steht und an seiner Sichelform leicht erkannt wird.
Sehr wenig ist von den Wandelsternen in diesem Monat zu melden. Sie machen sich nämlich samt und sonders recht selten. Gänzlich unsichtbar bleibt der 3upiter, auch mit der Venus und dem Mars ist nicht viel Staat zu machen. Sie erscheinen nur am Morgenhimmel kurz vor Sonnenaufgang: zuerst der Mars, dann die hellere Venus. Der einzige, länger sichtbare Wandelstern ist der Saturn, aber auch er steht um Mitternacht noch unter dem Horizont, ist also nur im zweiten Teil der Rächt sichtbar. Wir müssen uns also in diesem Monat mit dem Mond als Wandelstern begnügen.
Kü st ermann.
lichkeit immer im Auge haben müssen, wäre der Versuch, einen Regional-Vertrag zwischen Polen und Deutschland zustande zu bringen auf der Grundlage der Anerkennung des Status quo. Daß und weshalb ein Vertrag mit dieser Formel für Deutschland unannehmbar ist, haben wir ja oft genug auSeinandergesetzt. Aber gerade weil Frankreich und die übrigen Staaten das wissen, suchen sie nach einer Gelegenheit, uns doch auf einen Weg zu zwingen, wo uns nichts anberes als der Abschluß eines derartigen Vertrages übrig bleibt, wenn wir nicht die Rolle des europäischen Friedensstörers spielen wollen.
Dazu kann ihnen der Wortlaut der Entschließung jetzt vielleicht eine Handhabe bieten. Es wird zwar gesagt, daß der Rat nur einschreiten kann, wenn der Wunsch nach einer Dermittlungs- aftion an ihn herangetragen wird und Gewicht auf eine Prüfung der politischen Situation unter Berücksichtigung des allgemeinen Friedensinteresses gelegt wird. Das sieht harmlos genug aus, fragt sich nur, was dahinter steckt. Es kann immer der Augenblick kommen, wo von Frankreich die Auffassung geltend gemacht wird, daß eine Prüfung der politischen Situation und das allgemeine Friedensinteresse dem Dölkerbund die Anbahnung eines Vertrages zwischen Deutschland und Polen zur Pflicht mache. eben weil das Richtbestehen dieses Vertrages den Frieden gefährden könne. Wenn sich dann die ganze Maschinerie eine- Drucks von Genf auS gegen uns geltend macht, dann wird Deutschland an
den kürzeren Arm des Hebels gedrückt und steht vor der Wahl, entweder den Vorschlag des Rates abzulehnen und. sich bann in der ganzen Welt nachsagen zu lassen, daß es eben den Frieden nicht wolle, oder den Vorschlag anzunehmen und dadurch auf jede Möglichkeit einer Grenzveränderung im Osten zu verzichten.
Wir haben deshalb starke Bedenken, ob es klug war, daß Deutschland sich überhaupt auf eine, wenn auch noch so verwaschene Entschließung einließ. 3etzt wäre der Augenblick gewesen, die Gegensätze auszutragen. Es ist aber immer bedenklich, das auf eine ungewisse Zukunft hinein zu vertagen, in der Hoffnung, daß dann die Lage günstiger sein wird, wo doch gerade bei der Entwaffnung Deutschlands die Gefahr einer Verschlechterung sehr viel größer ist. Hätte der Sicherhritsausschuß wirklich die Erhaltung des europäischen Friedens im Auge gehabt, dann halte die deutsche Delegation ihm den Weg durch die von uns einge* reichte Denkschrift gegeben. Statt dessen sind diese praktischen Gcdcmoen in den großen Papierkorb gelangt, aus dem sie vielleicht — was aber mehr als unwahrscheinlich ist — In ferner Zukunft auserstehen sollen. Für den Augenblick hat sich leider die französische These gegen uns durchgesetzt. Wir haben es nicht einmal erreichen können, daß unsere Anwartschaft auf eine friedliche Regulierung der Grenze, wie sie im Dölker- bundSvertrag vorgesehen ist, andeutungsweise in die Entschließung aufgenommen worden ist.
dem Ohm den Ausruf der rheinischen Republik, den er bei sich trug, vorlesen, war der auf einmal wieder taub. „Kann nit verstehn. Geht mich nix an", brummte er.
Aber ein paar Kameraden von früher hatten dem Joseph 'doch Gehör geschenkt. Als Joseph Bremm längst wieder fort war, dockten die noch über manches nach. Wenn sie ihn mit seinen Redereien auch abgewiesen hatten, jetzt kam ihnen das, was er gesagt hatte, doch nicht ganz dumm vor. Zufrieden konnte man ja auch wirklich nicht sein. Es war abermals keine gute Ernte gewesen. Wozu eigentlich denn noch Wein bauen? Einmal gerät er, zehnmal mißlingt er. Und wäre er auch noch so gut, er wurde ja doch viel zu wenig getrunken. Die fremden Weine, ja, die wurden getrunken. Sie waren billiger. Wer konnte die eigene geringe Ernte mit der Menge der Reben, die in den weiten Gärten südlicher Länder soviel leichter zu bestellen sind, förmlich wie Untraut heranwachsen, auch vergleichen? Hier an den steilen Bergwänden war der Weinbau kostspielig und mühsam. Ach, und die Einfuhrzölle für die fremden Weine waren so niedrig! Warum ließ man die fremden Weine so leicht herein? War das nicht eine Ungerechtigkeit gegen den Winzer?
Und warum wurde der Ackerbauer denn soviel mehr gestützt? Er, der es mit seinem Korn und seinen Kartoffeln um soviel leichter hatte? Braucht der Mensck neben dem täglichen Brot nicht auch Wein? Nicht den fremden Wein, der, dickflüssig, faul und müde macht, nein, den Wein, der emporsteigt am heißen Fels, aber gekühlt wird vom frischen Wasser. Der, selber lebendig, lebendig macht, leicht und froh. Ader wußten die Herren, die wie bet* liebe Gott von oben regierten und so weltenweit in Berlin saßen, denn eigentlich viel vom Moselwin- zer? Kannten sie ihn und seinen Weinbergs
Es waren bittere Gedanken, die kamen. Freilich, mit denen da draußen — meist zusammengelau- fenes arbeitsscheues Gesindel — ließ man sich darum doch nicht ein. Wenn man sein Leben eben hier nicht mehr machen konnte, bann mußte man aus» wandern. Argentinien, Argentinien' Gab die Regierung selber es einem denn nicht zu verstehen, daß es besser wäre, man stellte sich um? Aber ehe man sich ansiedeln ließ im Osten des Reiches, wo es keine Berge gab, wo cs ewig langer Winter war mit Eis und Schnee, wo man umfommen würde vor Heimweh nach den Weinbergen >m Sonnengold, machte man lieber eine so weite Reise, daß selbst
die Sehnsucht nicht mehr bis hierher zurückreichte. Das Roden das verstand man ja, es gab genug Rottland an oben Steilhängen hier, nun würde man drüben Urwald urbar machen. Und das war eine so schwere Arbeit, daß sie alle Körperkraft in Anlvrnch nahm und auch die Gedanken. Ach, und vielleicht konnte man drüben dann auch Weinberge anlegen, deutschen Wein ziehen weit überm Meer!----
Auf größeren Bahnhöfen hatten sich Plakate ein- gcfunden. Mit weithin leuchtenden, deutlich lesbaren Buchstaben kündeten Sch.sfahrtsgesellschaften an, daß sie bereit wären, deutsche Siedler billigst nach drüben zu befördern, wo die argentinische Regierung unter den günst.gsten Bedingungen Land anbot.
„Deutsche Auswanderer, schafft euch eine neue Heimat! Versäumt nicht die Gelegenheit, euer sicheres Glück zu begründen!"
Wem sollte das nicht auffallen zu dieser Zeit — neue Heimat, sicheres Glück?! Es blieben viele vor den Plakaten stehen und lasen sie kopfnickend: was hatte man hier denn auch noch groß zu gewinnen ober zu verlieren? Nur in weiter Ferne winkte noch ein besseres Los.
„Willst du auch weg?" fragte Maria Bremm den Kasvar Dreis. Sie jagte es ganz bekümmert. Man hörte jetzt so oft davon sprechen, daß der und jener fort wollte, und da hatte es sie beschlichen fast wie Bedauern: wenn der Kaspar ginge, das wäre doch arg schade!
„Du gehst ja auch weg", sagte er
„Aber doch lang nit so weit weg, ich bleiben an der Mosel. Mit deinem Rad könnteste gut da hin- tommen, ober bu fährst m t der Bahn."'Sie wurde aanz eifrig: „Du kannst mich dock Sonntags besuchen Der Herr Doufcmont hat gesagt, ich sollst bei ihm kriegen wie Kind im Haus, da kann ich dock immer weg. Und mir gehen bann spazieren, gelt?4 Sie gab ihm einen kleinen Puff mit dem Ellbogen: „Sag, w llste?"
Natürlich wollte er. Und sie lachte vergnügt: bann war es ja gar nicht anders, dann war es genau so, als wäre sie noch zu Haus.
Am frühen Nachmittag hatten sie sich heute auf dem Klosterberg oben beim Friedhof getroffen. Frau Bremm hatte die Tochter hinausgefchickt, sie sollte nach den Gräbern sehen, ob die wenige Erde,
Oberheffen.
Land7rris Gießen.
§ Saubringen, 6. März. Dieser Tage wurde hier eine Drennholzversteige- rung abgehalten. Das Holz stammte aus dem Staatswald der Distrilte Ober- und Riever- Seilbach. Sogar Kauflustige waren aus ben benachbarten Dörfern erschienen. Die Preise bewegten sich in beachtlicher Höhe. Für je zwei Raummeter wurden durchschnittlich bezahlt: Buchenscheiter 27 bis 32 Ml., Buchenlnüppel 24 bis 26 Ml., Eichenknüppel 18 bis 20 Mk. Buchenreifer waren sehr teuer. 5 Raummeter galten durchschnittlich 24 bis 28 Ml. Höchstgebote kamen sogar über 30 Mk. Eichenreiser 12 bis 17 Mk.
cf A11endorf a. d. Lda., 6. März. Unsere Stadt betrauert den Verlust von 4 0 im Weltkrieg Gefallenen. Sie zähll noch zu den wenigen Orten, die bis jetzt noch kein entsprechendes Ehrenmal für die toten Kriege?, besitzen. Dies rührt hauptsächlich daher, daß man über die Platzfrage nicht schlüssig war. Es kommen hierfür außer dem neuen Friedhof noch zwei andere Plätze innerhalb der Stadt in Frage. — Die neue Friedhofsanlage geht nunmehr ihrer Vollendung entgegen. Zur Zeit ist man mit dem Ausbau der neuen Straße, sowie mit der Zuführung der Wasserleitung und Kanalisierung beschäftigt. Da auf dem alten Friedhof nur noch wenige Plätze frei sind, so dürfte die Inanspruchnahme des neuen Friedhofs bald erforderlich sein.
--- Reinhardshain, 6. März. Am Sonntag hielt der hiesige Kriegeroerein in der Wirtschaft von Karl Roth seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Präsident Gg. Müller begrüßte die Anwesenden und erteilte dem Rechner Heinrich Römer das Wort zum Rechenschaftsbericht. Die Rechnung für das abgelaufene Jahr ergibt einen Ueberschuß von 57 Mk. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Bei der Dorstandswahl wurde der seitherige Präsident Gg. Müller und der Rechner Heinrich Römer wiedergewählt. Als Schriftführer wurde Lehrer Müller neu in den Vorstand berufen. Zur Beschaffung des fehlenden Betrags für das Kriegerbe n k m a l soll eine Sammlung im Dorfe veranstaltet werden. Mit der Aufstellung und Einweihung des Denkmals will man warten, bis die Instandsetzung unserer Kirche vollendet ist. — Dieser Tage hielt auch der hiesige Gesangverein, der ein Opfer der Inflation geworden war, eine Generalversammlung im hiesigen Schulsaale ab. Auf der Tagesordnung stand: Besprechungen über die WiederabhaltungderSing stunden. Nachdem eine Anzahl junger Mitglieder ausgenommen worden war, wurde zur Dorstandswahl geschritten. Als 1. Vorsitzender wurde der Landwirt Karl Muhl ywiedergewählt, 2. Vorsitzender wurde der Maurer Wilhelm M e n z, Rechner wurde der Schmiedemeister Heinrich Wenzel und Schriftführer Landwirt Wilhelm R e i n m u t h. Als Beisitzer kamen Bürgermeister Heinrich Gieß und Flurschütz M e n z in den Vorstand. Als Dirigent wurde Lehrer Müller gewonnen.
D Göbelnrod, 6. März. Der Volksbil- dungsoerein veranstaltete am Samstagabend im Saale des Gastwirts Schultheiß einen Lichtbildervortrag. Zuerst schilderte der Vortragende, Lehrer Allendörfer, Eindrücke und Erlebnisse auf seiner Reise vom Rheinfall bei Schaffhausen durch den St. Gotthard an die oberitalienü schen Seen. Dann wurden die zahlreichen Zuhörer im Geiste vom Rheintal zur Nahe und Mosel geführt, und lernten auch die Schönheiten deutschen Landes kennen. Mit der Vorführung einiger humoristischer Sachen von Wilh. Busch wurde der Abend beschlossen.
z Harbach, 6. März. Letzte Woche fand hier ein Missionsvortrag durch Missionar D a ch m a n n, Riesky, statt. Der Mi fionar verstand es, in origineller Weise in die Arbeit des Missionars und die Welt des Regers in Ostafrika zu führen. Ostafrika war die Arbeitsstätte des Vortragenden gewesen.
ri. Rieder-Bessingen, 6. März. Auch in diesem Winter hielt der hiesige Frauenverein, der unter der Leitung der auf dem nahen Hof Wühlsachsen wohnhaften Frau Prinzeß Ludwig zu Solms-Hohenfolms°Lich steht, regelmäßig seine Zusammenkünfte ab im Schulsaal, der von der Gemeinde hierfür zur Der- I fügung gestellt worden ist. Die Schluhfeier des
die im harten Felsboden die Särge deckte, auch vom langanhaltenden Winterregen nicht weggespült worden war. Frau Anna konnte nicht selber hinauf, des Sonntags nach dem Hochamt mußte sie einmal stillsitzen, ein wenig ausruhen, denn die ganze Woche ging sie mit in den Berg. Die beiden Jungen halfen zwar nach Kräften, sie hatten an den langen Abenden fleißig Weidenruten zum Binden geschlissen, steckten auch die gelockerten Pfähle fest und rammten statt der vermorschten neue ein, aber das Anbinden der Ruten besorgte die Frau. Tag für Tag knipste vor ihr die Rebenschere, sie ging mit gebeugtem Rücken hinter ihrem Mann her, der die Reben beschnitt. Bremm hatte es nicht verlangt, baß die Frau mithalf, doch sie bestand darauf: er hatte ja so noch genug zu tun mit dem Düngertragen. Hotte um Hotte voll schlepvte er herauf, um jeden Weinstock wurde der Inhalt einer ganzen geschüttet. Und Unkraut, das schon so früh sprießt, muhte gejätet werden, und Schiefer gehackt. Die Arbeit hatte kein Ende, und sie litt keinen Aufschub, von den ersten Tagen des neuen Jahres an. Regengüsse durchweichten die Kleider, erste Sonne trocknete sie wieder am Leib.
Maria und Kaspar hatten hoch oben über dem kleinen Kirchhof die jähe Felsnase erklettert. Da saßen sie nun heute am Vorfrühlingstag auf dem schmalen Sitz, den der Regen vieler Jahrzehnte aus dem Stein ausgewaschen, und sahen mit glänzenden Augen weithin über alles, was Menfckien- fleiß auf den Bergen geschaffen hatte und schuf- Helle Frühnachmittagssonne schien, und es war schon viel Wärme in ihr und Gold
Wie rasch die Mosel dahinfchoß! Durch die Regengüsse des Winters war sie eine andere geworden, breit, mächttg strömend, fast wie der Rh'in. Alle Wasser des Hochlands hatten sich in sie ergossen, alle Bäche der Eifel, die zu Flüssen geworden. Tag und Nacht war es burd) tief einges.i)nit- ' lene Schluckten hinabgerauscht. Schäumend mit I weißlichem Gischt quirlte jetzt der Fluß, wo sonst ! geheime Strudel sich nicht offenbar zeigten. Das schone Blau der sommerlichen Masel war gelbgrau geworden. Sie tat wild, alle Steinmolen überflutete sie, von den Anpflanzungen der Weiden guckten nur die höchsten Schöpfe noch heraus, alle Ufer« wege bespülte sie und sthwuppte über die Füße. So kündigt die Mosel alljährlich den bald fommenben- Frühling an.
(Fortsetzung folgt)
Lwirstc,. Jaffee^’ Ser Traue eine neue •mal de K Eine ausde unter/en gebnti- Hchorlcm Abends -in- ihre Herknn btaud) und
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