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Das Notprogramm.

Schwierigkeiten derDurchführung. -Zurück­stellung einzelner Teile.

Berlin, 7. März. (Priv.-Tel.) Bei der Vor­beratung des Arbeitsprogra.nms im Reichsrat haben sich gewisse Schwierigkeiten herausgeslcllt. Die Vorlage über das Gefrierfleiichkon- kingent und über die Rentenbankkredite sind zurückge stell! worden, was die Ver­teilung der landwirtschaftlichen Mit- t e I anlangt, so waren bereits Bedenken des Zen­trums gegen eine Benachteiligung der Preutzcnkasse durch Bevorzugung der Rentenbankkreditanslalt geltend gemacht worden. Bedenken der Länder, und zwar nicht nur Preußens, gegen die Zentra­lisierung der Agrarkredite sind hinzu­getreten. Man wandte sich gegen die Erweiterung der Kompetenzen der Ren!envankkreditanstalt, die sich bisher auf l a n g f r i st i g e Realkrsdite be­schränkt hat und jetzt auch die Ausgabe von kurz­fristigen personalkreoiten erhalten soll. Auch in der Frage des Personaletats bestehen Schwierig­keiten. Die Bedenken des Zentrums sollen zwar durch direkte Verhandlungen zwischen Deutfchnatio- nalen und Zentrum ausgeräumt sein; das würde ober ein Abseitsbkeiben der Deutschen volkopartei nach sich ziehen. Der Personaletat unterliegt gegen­wärtig der /Nachprüfung des Sparausschusfes.

Zur Wahl-

und Verfaffungsreform.

Reichsinnenminifter von Keudell über die Splitterparteien

Berlin, 6. März. (DDZ.) Zur Frage der Splitterparteien erklärte Reichsinnenmini- st e r v. Keudell im Haushaltsausschuh des Reichstages: Die Reichsregierung habe konsequent den Standpunkt eingenommen, daß die Lösung Lieser Frage zweckmäßig der Initiative der Parteien zu überlassen sei. Das wirksamste Mittel sei die Abschaffung des amt­lichen Stimmzettels. Aber bei der Ein­stellung der Parteien fei hierzu feine Möglich­keit gegeben. Es sei auch die Frage erwogen worden, die Urteile des Staatsge­richtshofes über die Rechtsgültigkeit ver­schiedener Länderwahlrechte dadurch zu korri­gieren, daß im Wege reichsgesetzlicher Rege­lung eine Erhöhung der Kautions­summe und der Zahl der Unterschrif­ten für die Wahlvorschläge vorgesehen werde. Abgesehen von den grundsätzlichen Bedenken, daß man einen Spruch des Staatsgerichtshofes nicht durch die Gesetzgebungsmafchine korrigieren solle, habe man sich aber gefragt, ob dieses Verfahren nicht gegen den Grundsatz der Gleichheit ver­stoße. Weiter habe man erwogen, auf dem amtlichen Stimmzettel nur diejenigen Parteien aufzuführen, die bisher min- destens vier Abgeordnete gehabt hätten, während für die übrigen ein leeres Feld vor­gesehen werden könne. Auch diesen Weg eines ausgesprochenen Ausnahmegesetzes gegen die Splitterparteien habe die Aeichsvegierung nicht gehen wollen. Es sei auch zu bedenken, daß eine solche Differenzierung des Verfahrens vvraussichttich Erbitterung erregen würde, ohne Laß eine Garantie für hinreichende Einschrän­kung der Parteizersplitterung gegeben sei.

lieber das Verhältnis zwischen Reich und Ländern führte der Minister aus, auch für das kulturelle Gebiet gelte das Wort des Reichs- kanzlers, das Reich solle seinen Machtbereich nicht durch finanzielle Aushöhlung zum SchadenderLänder erweitern. Man könne es bedauern, daß die Frage zur Zeit so stark von dem Gegensatz zwischen Föderalismus und Unitarismus beherrscht werde. Was die Derwaltungsre- form betreffe, so werde die Reichsregieruna auch dort, wo der Schwerpunkt auf der Seite der Länder liege, den Ländern mit Rat und Tat zur Seite stehen, um diese Dinge zu fördern. Nach einem Wort des Abg. Heß greife das Problem tief hinein in die feinsten Verästelungen des deutschen Seelen- und Gemütslebens. Der psychologischeSchlüfsel des Problems liege südlich des Mains. Es werde eine Zusammenfassung der Kräfte des Reichs und die Beseitigung mancher Reibungen um so eher erreicht, wenn es gelinge, die süddeutschen Länder zu freiwilliger Mitarbeit zu gewinnen. Wenn man diese psychologischen Kräfte richtig ein­schätze und behandele, dann sei der Weg frei für eine vollkommene Gestaltung unserer innerdeutschen staatsrechtlichen Verhältnisse.

Oie Ehescheidungsreform.

Zentrumscmträge im Rechlsausschuß.

Berlin, 6. März (VDZ.) 2m RechtSauS- fchuß des Reichstags erklärte bei der Weiter­beratung der Ehescheidungsreform Reichs- j u st i z m i n i st e r H e r g t, daß sich die Deichs­regierung gegenüber Initiativanträgen prinzi­piell eine gewisse Reserve auferlege, namentlich wenn es sich, wie im vorliegenden Falle, um Weltanschauungsfragen handele. Die Reichsregie­rung stehe auf dem Standpunkt, daß zunächst nur die im A r b e i ts n o t p r o g r a m m fest gelegten Angelegenheiten erle­digt werben sollten und alle übrigen Ange­legenheiten, welche die Erledigung des Arbeits- Programms belasten und stören könnten, zurück- z u st e l l e n. Daher halte die Reichsregierung au ch die Ehescheidungsreform als nicht geeignet, im Rahmen des Arbeitsprogramms in der noch biS zum Auseinandergehen deS Reichstags zur Verfügung stehenden Zeit erledigt zu werden und habe deshalb auch den Refe­rentenentwurf dem Ausschuß nicht zugeleitet.

LVg. Schu l te-Breslau (Zentr.) erklärt an­gesichts der Gefahr, daß die Ehescheidung weiter erleichtert werde, sei er genötigt, vom Standpunkt der christlich-katholischen Auffassung unter Berufung auf den demokratischen Charakter der Relchsversassung den Versuch zu machen, im bürgerlichen Recht Bestimmungen zu verankern die dieser Auffassung Rechnung tragen. Zunächst stelle er folgenden Antrag:

Ein Ehegatte kann auf Scheidung klagen, wenn der andere Ehegatte die vor der staat­lichen Eheschließung vereinbarte kirchliche Trauung verweigert oder wenn die kirchliche Trauung nicht möglich ist. DaS gleiche gilt, wenn die Ehegatten derselben Re­ligionsgemeinschaft angehören und auf Verlan­gen deS einen Teils der andere Teil die vor der staatlichen Eheschließung schon vorbereitete kirchliche Trauung verweigert."

Was die beabsichtigten neuen Eheschei­dungsgründe anlange, so werde er An­träge erwägen, die die Geltendmachung dieser

Deutsche Wirtschastspwbleme.

Reichsminister Or. Curtius antwortet seinen Kritikern.

Berlin, 6. März. (VDZ.) Die zweite Be­ratung des Haushalts des Wirtschaftsministe­riums wird fortgesetzt.

Reichswirffchastsminister Or. Curtius äußert sich zu verschiedenen in der Debatte auf­geworfenen Einzelfragen. Er erklärt: Viele der vom Abg. Lejeune-Iung erhobenen Be­schwerden muß ich als berechtigt anerkennen. Verschiedene Maßnahmen der englischen Regierung bedeuten eine Verschiebung der Basis, die wir gemeinschaftlich mit England beim Vertragsabschluß gefunden haben. Wir werden bei der ersten möglichen Gelcgmheit den deutsch-englischen Hondelsvert-ag kündigen und versuchen, bei den neuen Verhandlungen die jetzt zutage getretenen Mißstände abzustellen. Zum Wortführer der Beschwerden, die sich g gen die Methoden beim deutsch-italienischen Vertrag richten, sind nur diejenigen berufen, die auch von sich aus solche Methoden als ver­werflich betrachten. Ich kann mich darum nicht denen anschließen, die, wie der Abg. H u g e n - berg das Heil in einer Grenzsperre für landwirtschaftliche Artikel und in Einfuhr­verboten sehen. Diese Forderung steht im Widerspruch zu den in der Genfer Weltwirt- schaftskonserenz auch pon der landwirtfchastlichen Gruppe unter Zustimmung der deut­schen Landwirtschaftsvertreter fest­gelegten Grundsätzen (Hört, hört!). Der Autori­tät des Abg. Hugenberg stelle ich die Autorität des verstorbenen Abg. H e l f f e r i ch gegenüber, der 1901 gesagt hat:

,,3d) sehe die größte Gefahr darin, daß wir als Industriestaat eine Agrarpolitik treiben, die den kleineren Teil des Volkes erhalten will mit Maß­regeln, die den anderen, größeren Teil zugrunde richtens" (Hört, hört!)

Den Grundsätzen, die Abg. Lejeunr hier in seiner Rede ausstellte, sind ja zum Glück er selbst und seine deutschnationalen Freunde in der Regierung nicht gefolgt. (Abg. Lejeune-Iung (Sn.): Ich habe 1926 genau so geredet wie jetzt!) Ja, aber die Deutschnationalen haben_ meine Politik m i t g e m a ch t. Die Ironie oes Schicksals will es, daß gerade für den deutsch-englischen und den deutsch-italienischen Handelsvertrag die deutschnationalen Abg. Le­jeune-Iung und Sr. Reichert die Refe­renten waren. (Große Heiterkeit.) An dem Zu­standekommen deS deutsch-französischen Handels­vertrages hat Reichsernährungsminister Schiele den stärksten Anteil. (Hört, hört und Heiterkeit.) Wenn wir mit Polen zum Vertrag kommen, so basiert das auf der Grundlage, die die Minister Schiele und Stresemann zusammen ge­schaffen haben. (Hört, hört.) Ich bin überzeugt, dah die Deutschnationalen bald auf diesen Boden wieder zurückfinden werden, denn mit den Plä­nen des Abg. Sr. Hugenberg werden wir nie­mals deutsche Handelspolitik treiben können. (Beifall.) Man darf andererseits den langsamen Fortgang der deutsch-polnischen Verhandlungen nicht allein auf deutsche Hemmungen zuruck- sühren. Die größten Schwierigkeiten gehen in der Riederlassungs- und Valorisierungsfrage von Polen aus.

Die Klagen de» Mittelstandes

werden infoferm berücksichtigt, als der Reichsernäh­rungsminister die Beteiligung von Vertretern des Handwerks und Mittelstandes an den Beiräten für die Durchführung des landwirtschaftlichen Notpro- gramms zugesagt hat. Die Entschließung, in der eine

Kontrolle der staatlichen Auftrogs- oergebung verlangt wird, geht nicht weit ge­nug, weil sie sich nur auf die Reichsbetriebe erstreckt, die nur zehn Prozent aller Aufträge vergeben. Rich­tig wäre ee, wenn alle von Reich, Ländern ttrtb Gemeinden vergebenen Aufträge dem Reichswirt­schaftsministerium mitgeteilt werden, das dann die gewünschte Kontrolle üben könnte. Die Reichsregie­rung trägt nicht die Schuld daran, daß die Novelle zur Handwerksordnung von diesem Reichstag noch nicht verabschiedet werden kann. Das Handwerk ist nicht aufgeiaugt worden, es hat sich gehalten und auf manchen Gebieten Terrain gewonnen. Mit dem neuen Reichskommiisar für das Handwerk haben die Handwerksoertreter visher ihre Zufrie­denheit geäußert. Die von manchen Seiten gefor­derte Vereinigung des Reichswirtschaftsministeriums mit dem Reichsarbeitsministerium ist undurchführ­bar, denn kein Minister könnte allein ein so unge- Iieures Arbeitsgebiet bewältigen. Die Koopera­tion in der Wirtschaft ist auch das Ziel des Rei chswirtschaftsministerrums.

Wir fordern die Zusammenarbeit der Erzeuger mit handel und Verbrauchern und wurden es begrüßen, wenn wenigstens etwas mehr dem amerikanischen Grundsatz Rechnung getragen würde: Oer Kunde hat immer Recht! Ich be­dauere, daß die Zentralarbeitsgemeinfchaft nicht mehr besteht. Ich hoffe, dah ihre Aufgabe vom Reichswirtschaftsrat übernommen werden kann, denn wir brauchen die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zum Segen der ganzen Wirtschaft. (Beifall.)

Abg. B e y t h i e n (D. D.) verlangt Anwen­dung der Reichsverdingungsordnung auch durch Betriebe, wie die Preußag. Das Eindringen der öffentlichen Hand in d i e Privat­wirtschaft müsse aufhören. Die Zentral- beschaffungsstelle für behördlich benötigte Waren müsse aufgehoben werden. Die Hauszinssteuer­mittel sollten in stärkerem Maße der Privat­bauwirtschaft zugeführt werden. Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb sei reformbedürftig. Der deutsche Einzelhandel müsse bei der Zusammen­setzung des endgültigen Reichswirtschaftsrats besser berücksichtigt werden.

Abg. B a r t s ck a t (Dem.) erklärt: Die Wirt- schaftspartci würde in Verlegenheit geraten, wenn sie vielleicht nach den nächsten Wahlen einmal den Wirtschaftsminister stellen sollte. Die Wirt- schastspartei sei bei der Abstimmung über große politische Fragen immer auSeinandergesallen, aber sie habe die Zollpolitik der Rechtsregierung mitgemacht und für die Beibehaltung der Luxus­steuer gestimmt. Die Verdingungsoronung werde von den unteren Instanzen in einer Weise an­gewandt, die dem Geist der Verordnung wider­spricht.

Abg. Dr. Reichert (Dn.) wendet sich gegen das Kartellgericht. Dieses Sondergericht müsse verschwinden, oder wenigstens eine Be­rufungsinstanz erhalten.

Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) ersucht die Reichsregierung um Maßnahmen für die Durch­führung einheitlicher Bearbeitung und Förderung der Aufgaben der Hauswirtschaft, ins­besondere der hiermit zusammenhängenden wirt­schaftlichen unft technischen Fragen. Die Haus­wirtschaft werde oft unterschätzt In ihrer Be­deutung für die Gesamtwirtschaft und die Welt­wirtschaft. Durch Rationalisierung der Hauswirtschaft könnten dem Volksvermögen Mil­liarden erspart werden.

Weiterberatung des Wirtschaftsetats Mittwoch.

Ehescheidungsgründe dann ausschließen würde, wenn die Che außer der staatlichen auch in den Formen einer Religions- g e s e l l f ch a f t, der die Ehegatten angehören, geschlossen wäre.

Don deutschnationaler Seite wurde be­antragt, dem Ehegatten das Recht auf Ehe­scheidung nur dann zuzugestehen, wenn er ein bestimmtes Lebensalter überschrit- ten habe.

Abg. Frankfurter (Dem.) hielt dem Zen­trumsantrag entgegen, daß nach dem jetzt bereits geltenden Recht die Ehe ange­fochten werden könne, wenn ttotz eines gegebenen Versprechens der eine Ehegatte die kirchliche Trauung verweigere.

Durch Abstimmung wurde ein deutschnationaler Antrag auf Abbruch der Verhandlungen mit 14 gegen 12 Stimmen abgelehnt.

In der farblichen Beratung wurden unter Ab­lehnung verschiedener Aenderungsanträge folgende erste beiden Abschnitte eines in das BGB. einzu- fugenden neuen Paragraphen 1568a be­schlossen:

1. Ein Ehegatte kann auf Scheidung klagen, wenn aus einem anderen Grunde eine so tiefe Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses eingetreten ist, daß eine demWesenderEheentsprechendeFort- setzung der Lebensgemeinschaft nicht mehr erwartet werden kann und wenn in­folge der Zerrüttung die Lebensgemeinschaft der Ehegatten seit mindestens 1 Jahre vor Erhebung der Klage nicht mehr besteht.

2. Das Recht eines Ehegatten auf Scheidung nach 2lbs. 1 ist ausgeschlossen, wenn er s e l b st einen S ch e t d u n g s g r u n d gegeben hat oder anderweit die Zerrüttung der Ehe vorwiegend durch sein schuldhaftes Verhalten herbeige- führt worden ist.

Der neue polnische Sejm.

Die Warschauer Presse zum Wahlergebnis.

Warschau, 6. Marz. (WTD.) Ohne sich schon in Kombinationen über die zukünftige Re- gierungsgestallung einzulassen, betont die Re- gierungSpresse Die großen Erfolge der Liste des Reg'erungsblocks und die vernichtende Rie- derlage der nationalistischen Parteien und be­grüßt auch, daß die Ukrainer und Weiß­russen in verhältnismäßig so überaus geringer Zahl in den neuen Sejm einziehen werden. Die nationalen Zeitungen gehen über die Tatsache der Riederlage der Rechten hinweg und beschätti- gen sich vorwiegend mit der politischen und sozialpolitischen Zusammensetzung des neuen Land- tag«. Für sie ist daS wesentliche Merkmal des Wahlergebnisses die darin zum Ausdruck kom­mende Radikalisierung. Sozialdemokraten und die beiden radikalen Bauernparteien verfügten, so wird In diesen Organen ausgeführt, allein schon

über etwa 120 Mandate, hinzukomme noch, daß mindestens drei Viertel der Abge­ordneten desRegierungsblockes aus­gesprochen radikal eingestellt seien. Es sei infolgedessen damit zu rechnen, dah radikale Experimente jeglicher Art im neuen Landtage eine sichere Mehrheit finden werden. Um so mehr, als der Radikalismus in entscheidenden Fragen auch auf die Unter ft ütjung der natio­nalen Minderheiten rechnen könne. Diese Verschiebung des Schwergetrichtes vom national­konservativen in das radikale Lager sei aus­schlaggebend für die Beurteilung des Wahl­ergebnisses.

Im fozialdemotratifchenRobotnik" schreibt der bekannte Abg. Riedzialkowski über bas Wahler­gebnis:Wir wundern uns, wenn die Regierungs­blätter dengroßen Sieg" und denTriumph" der Regierungsliste verkünden, doch die brutale Wahr­heit muß gesagt werden. Wenn nämlich der Regie­rungsblock seine 104 Mandate im normalen Wahlkampf gewonnen hatte, so wäre dieser Er­folg sicherlich imponierend, aber die Sache ver° lief anders. Ein unparteiisches Urteil der Ge- sch chte muß von dieser Ziffer 104 alles abrechnen, was dem Rcgierungsblock durch die Tätigkeit der Wojwoden und Starosten, der Polizei durch Druck auf die Beamten, durch die Aufwendung unge­heuerer Geldmittel und vor allem durch die Re- prefsivmaßnahmen gegen b i c anderen Listen gewonnen wurde. Wir lassen hier noch die O st marken beiseite, wir werden gesondert über die dortigen Prozeduren schreiben, mit denen sich das Oberste Gericht zu befassen haben wird.

Aus aller Welt.

Der Insulinforscher Lesser f.

In Mannheim ist der Vorstand des Labo­ratoriums der Städtischen Krankenansta ten, Dr. Ernst Josef Les,ec, im Alter von 48 Jahren plötzlich gestorben. Der Verstorbene hatte schon im Jahre 1913 das Prinzip der Insulinwirkung gefunden, eine Veröffentlichung aus theoreti­schen Bedenken jedoch hinausg schoben. Rach dem Kriege kamen dann bekanntlich die Ameri­kaner damit heraus. Dieser Tage sollte Lefser zum Honorarpco'essor an der Universität F anb furt a. M. ernannt werden.

Boni Verein für bas Deutschtum im Auslande.

Berlin, 7. März (WTB. Funkspruch.) Der Verein für das Deutschtum tm Auslande veran­staltet am 10. März eine Hauptvorstands- fitzung, in der u. a. eine Aussprache über die Rücktrittsabsichten des Vorsitzenden, Staatssekretärs von Hintze, stattfindct

11 000 Lier zerschlagen.

3n der vergangenen Nacht wurden in einer Ä e > flügeffarm der Ergon - A.-G. auf dem frühe­

ren Flugplatz in Kalshorst bei Berlin m einem -er Wirtschaftsgebäude Kisten mit 11000 gestempelten Eiern, die heute als Bruteier versandt iver- den sollten, von Einbrechern geöffnet und sämtliche Eier so zerschlagen, daß sie nur noch eine breiige Masse vildeten. Die Eigentümerin der Farm, die Ergon - A.-G. vermutet einen Rache­akt.

verschwundene Juwelen.

Eine Perlenkette im Werte von 50 000 Pfund Sterling, die von einem Juwelier in Paris in einem E i n s ch r e i b e p a ke t nach Lon­don abgeschickt worden war, ist seit ihrer Aufgabe in Paris spurlos verschwunden. Eine Belohnung von 5000 Pfund Sterling ist ausgesetzt worden. Es handelt sich um 57 rosa Perlen.

Lawinenunfall am Otller.

Am Ortler ist eine aus einem Bergführer und vier Soldaten bestehende Kolonne, die sich auf dem Marsche zur ehemaligen Schaubache Hütte befand, um diese zu verproviantieren, von einer Lawine in die Tiefe gerissen- und ver­schüttet worden. Dem Bergführer gelang es, sich herauszuarbeiten und auch die vier Sol­daten nach längeren Bemühungen zu retten.

3m Moor versunken.

Die Tochter des Arbeiters Schäfer aus Tcch- now bei Kolberg ging, um einen Weg abzulürzen, abends aus dem Heimwege über ein Moor. Sie geriet vom schmalen Pfade ab und versank. Die Leiche konnte erst nach zwei Tagen gefunden werden.

Grubenunfall.

Infolge vagabundierender Ströme löste sich auf einer Gleiwitzer Grube vorzeittg ein Schuß, wo­durch drei Bergleute verschüttet wur­den. Einer von ihnen wurde getötet, die beiden anderen, zwei Brüder, kamen mit erheblichen Verletzungen davon.

Auffindung des vermißten Postflugzeuges.

DaS Postverkehrsflugzeug der Linie Frank- reichSüdamerika, das am 4. März in Casa­blanca mit der ersten nach Südamerika bestimm­ten Post aufgestiegen war, und an seinem De- Bestimmungsort St. Louis (Senegal) vergeblich erwartet wurde, ist 100 Kilometer nördlich von Rio de O r o aufgefunden worden. Es hat wegen Benzinmangels niedergehen müssen und ist nach Auffüllung seiner Vorräte nach Port Etienne weitergeflogen.

Defizit der Münchener handwerksausstellung.

Dem Stadtrat München wurde die Abrechnung über die AusstellungDas bayerische Handwerk, München 1927" vorgelegt. Rach dieser Abrech­nung ist ein Ausfall von 718 000 Mark rech­nungsmäßig zu decken.

Schwere Explosion auf 3aoa.

Durch die Explosion einer Feuerwerkskörperfabrik in Koedoes, östlich von Semarang, wurden etwa £0 0 Häuser zerstört und sonstiger großer Schaden angerichtet. Aus den Trümmern wurden schon 2 0 Leichen herausgeholt. Außerdem sind 50 Personen verletzt worden. Polizei und Sanitäter leiten das Rettungswerk.

Ein Einbrecher zu 15 Iahreu Zuchthaus verurteilt.

Das Schöffengericht Dresden verurteilte den 34 Jahre alten Wärter Kostyrok aus Hirschberg in Schlesien wegen schweren Ruckfall- biebstahleL in 37 Fällen zu einer Ge­samtstrafe von fünfzehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Außerdem wurde auf Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. Die Einbrüche sind in der Zeit von Oktober 1926 bis Juni 1927 in vielen Gegenden Sachsens und der Provinz Schlesien begangen worden. Der Anklage gegen Kostyrok hatten über 600 Dieb­stähle zugrunde gelegen.

Die Wetterlage.

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Hm Bereich einer flachen Druckstörung herrscht in unseom Gebiet vielfach nebelig ° wolkiges Welter. Außerdem kam es bereits zu vereinzelten Rieder« scklägen. Eine weitere Tiefdruckstörung rückt vom Westen heran, die unter stärkerer Bewölkung auch Niederschläge bringen dürfte. Dadurch werden sich durch den bedeckten Himmel die Tomperaturwette tagsüber in tieferen Grenzen als seicher hasten.

Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkig, zeitweise auch bedeckt, Temperaturen tags- über niedriger als seither, später Neigung zu Nie- derschläaen.

Witterungsaussichten für Freitag: Wolkiges Wetter. Temperaturen wenig verändert, vielfach regnerisch.

Lufttemperaturen tun 6. März: mittags 9,8 Grad Celsius, abends 0,1 Grad Celsius: am 7. März: morgens 0,9 Grad Celsius. Maximum 10,5 Grad Celsius, Minimum 1,1 Grad Celsius. Erdtempe rciturcn in 10 Zentimeter Tiefe am 6 März: abends 4,3 Grad Celsius: am 7. März: morgens 1,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer: 5% Stunden.