Einzelbild herunterladen

Rr. 57 Erster Blatt

178. Jahrgang

Mittwoch, I. MSrz 1928

Erschetnr tügUch.emher Sonntags anb Feiertag».

Beilagen: (Biegenei Familienblütter Heimat hn Bild Die Scholle MonalS'Bezvgspreir:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trüget» lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelncrNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnach­richten Sn;eiger Gieße«.

Postscheckkonto: Sranffnrtam Main 11686.

MtzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvff vnd Verlag: vrühl'lche UMverfftStL-vvch' und Stdndniderd B. Lange in Kietzen. Lchriftiettnng und Keschöftrstelle: Zchalltratze Z.

Annahme von Anzeigen fit die Tagesnummer bis znm Nachmittag vorher.

Preis fit \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° mehr.

Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Polürk Dr. Fr. Wilh. Gange, für Feuilleton Dr tz.Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in (Biegen.

Fünfmächie-Konferenz über die Gotthard-Affäre.

Investigation auf Hintertreppen.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 7. Mürz. Es scheint, als ob Un­garn diesmal im Mittelpunkt der Ratstagung stehen wird, wobei es nach zwei Fronten kämpfen muh: einmal gegen Rumänien wegen der seit Jahr und Tag schwebenden Enteignun­gen, deren Behandlung durch den Rat ein besonders trauriges Kapitel ist, noch mehr wohl aber durch den Waffenfund von St. Gott­hard , Der von Frankreich und der Klei­nen Entente künstlich aufgebauscht und mL aller Gewalt zu einer Staatsaktion gestempelt werden soll. Dabei handelt es sich doch eigent­lich nur um eine Angelegenheit des Grenz- s ch m u g g e l s. 3n St Gotthard wurden einige Waggons mit Maschinengewehren beschlagnahmt, die zweifellos aus Italien stammen, von denen aber niemand sagen kann, wo sie hin sollten. Adressiert waren sie nach Polen: mög­lich, daß es sich dabei nur um eine Deckadresse handelte und daß sie in der Tat auf der Fahrt durch Ungarn verschwinden sollten, um die ungarischen Bestände aufzufüllen. Aber wenn schon. Daß gerade die Staaten, die s e l b st einen schwunghaften Waffenhandel biS nach China - siehe Beneschi treiben, so entrüstet sind, wenn einige Waggons Waffen nach Un­garn festgelaufen sind, zeigt doch, in wie hohem Maße Politik und Unehrlichkeit sich hier wieder einmal mischen. Die allgemein. Anti­pathie gegen Ungarn gibt dabei einen will­kommenen Hintergrund» vor dem Frankreich wie­der einmal seine Friedensliebe in die richtige bengalische Beleuchtung zu setzen weih: aller­dings nur, um im Schatten seine sehr viel ^rliegenden politischen Ziele weiter zu ver­folgen.

Dieser ungarische Wasfenschmuggel könnte tbeo- retisch den Anlaß zu einer Investigation, zu einer Nachprüfung durch den Völkerbund, bil­den. Der Fall ist in den Friedensverträgen vor­gesehen : Ungarn gehört yu den entwaffneten Staaten, und wenn erst einmal überhaupt der Völkerbund von seinem Investigationsrecht Ge­brauch gemacht hat, ist es später um so leichter, die ganze Maschinerie auch einmal gegen Deutschland in Bewegung zu setzen. Das ist der Drehpunkt der ganzen Angelegenheit: woraus sich für Deutschland ohne weiteres ergibt, welche Haltung wir einzunehmen haben. Wir denken nicht daran, die Ungarn zu verteidigen, falls irgendwelche formellen Berstöhe vorgekommen sein sollten. Wir denken aber ebenso wenig daran, ihnen einen Strick zu drehen, der später viel­leicht um unseren eigenen Hals gelegt werden soll. Wohl gerade deshalb hält Briand in Genf mit großer Zähigkeit an dem Gedanken der Investigation fest. Er stößt dabei aber auf den Widerstand Italiens, das selbst viel­leicht mancherlei zu verbergen- hat, und auch Englands, dem der Anlaß zu solchem Aus­wand doch etwas geringfügig erscheint. Briand hat deswegen auch schon 50 Prozent seiner For­derungen gestrichen und scheint sich mit einer Nachprüfung durch Zollbeamte ein­verstanden zu erklären, die lediglich den Grenz­bahnhof inspizieren könnten. Aber auch das wäre schon der Anfang einer Investigation, was den Franzosen für diesmal genügen dürfte, was für uns aber ebenso ausschlaggebend ist, um selbst diesen Versuch kaputt zu schlagen. Herr Briand glaubt und mürbe machen zu können mit der Drohung, daß ohne Investigation keine Rheinlandräumung zu haben wäre. Die Zeiten, wo dieser Trumpf stach, sind doch wohl vorüber. Deutschland und die Bevöl­kerung des besetzten Gebietes haben sich längst darauf eingestellt, daß wir die wenigen Jahre bis zum Ablauf der Besatzungsfristen aushalten. 1935 muß der letzte französische Soldat den deut­schen Boden verlassen, und dann hat Frankreich den Augenblick, wo es für das Besahungsrecht etwas einhandeln konnte, gründlich verpaßt.

Vas Ergebnis der VespreHung.

Untersuchunft durch ein Dreterkomrlee.

Genf, 6. TRäc}. (IBIB.) heute nachmittag gegen 5 Uhr sind am Sih der französischen Dele­gation die Vertreter der fünf ständigen Ralsmilglie- öer, also Deutschlands, Englands, Frankreichs, Italiens und Japans zu einer Besprechung zusam- mengetreten, die über anderthalb Stunden dauerte und fast ausschließlich dem Zwischenfall von St. Gotthard galt. Meter das Ergebnis der Bespre­chung war in uukerrichtelcn Kreisen der bestimmte Eindruck, daß auf keinen Fall mehr an die Einleitung eines feierlichen 3 n o e ff i g a t i - onsversahrens gegen Ungarn unter Anwen- düng der Ratsbeschlüffe über das Jnoestigations- protokoll vom Dezember 1924 und Dezember 1926 gedacht wird. Bei den heutigen Besprechungen war allgemein der Wunsch maßgebend, von der in letzter Zeit teilweise in Erscheinung getretenen Ueber- t r e i b u n g der Bedeutung der Angelegenheit ab­zurücken. von der Einsetzung eines Dreierko­mitees, das in schwierigen fallen bereits zur Tradition geworden ist, verspricht man sich auch in diesem Halle eine glückliche Lösung der ganzen An­gelegenheit. Wenngleich anzunehmen ist, daß dieses

Dreierkomitee insofern eine Richtlinie erhalten wird, als die Einleitung eines direkten feierlichen Jnvesti- gationsversahrens ausgeschlossen sein soll, so wird es doch bei der Aufstellung seines Berichtes und seiner Vorschläge vollkommen frei sein, so daß im Augen­blick alle Möglichkeiten zwischen einer ein­fachen Verwarnung und einer Unter­suchung an Ort und Stelle, jedoch ohne militäri­schen Eharakter, offen bleiben. Hebet die Zusam­mensetzung des Dreierkomitees verlautet noch nichts Bestimmtes, jedoch scheint man sich bereits in der Richtung orientiert zu haben, daß der hol­ländische Außenminister den Vorsitz und damit auch das Amt des Berichterstatters über­nimmt.

In einigen Kreisen wird damit gerechnet, daß bei der bevorstehenden Diskussion über die Jnvesti- gationssrage gegen Ungarn oder vielleicht im Zu­sammenhang mit der geplanten Herabsetzung der jährlichen Ratstagungen von vier auf drei die Frage der Erweiterung der Befugnisse des Ratspräfidenten aufgeworfen werten wird. Diese jeage könnte jedoch auf keinen Fall in ter jetzigen Ratstagung spruchreif werden. Ganz abge­sehen davon, daß in andern Lagern diese Jrage weder als dringlich, noch als aktuell angesehen wird. Auch die amerikanische An­regung zum Abschluß eines allgemeinen Anil- kriegspaktes zunächst unter den Hauptmäch­ten, wird wegen der Kompliziertheit dieser $tage nach überwiegender Ansicht während der gegenwär­tigen Tagung nicht spruchreif werden.

Die Nheinlandräumung.

Eine Erörterung in Genf unwahrscheinlich.

Paris, 6. März. (TU.) ImPetit Journal" meint Marcel Renaud, daß die unvermeidliche Diskussion der Rheinlandräumung dadurch erleichtert werden könnte, daß Deutschland der Ent­sendung einer Inoestigationskommission nach Ungarn zustimmen würde. Die Investi- gatten könnte wohl mit Stimmenmehrheit entschie­den werden, eine einheitliche Auffassung des Dölker- bundsrates würde aber dem Frieden in Europa dienlich sein. DasOeuvre" betont die Zweckmäßig- feit der Besprechung über die Rheinlandräumung zwischen Strefemann und Briand, auch während der gegenwärtigen Ratstagung, obwohl diese Un­terhaltung wegen der bevorstehenden Reichstags­wahlen nur theoretischen Charakter hätte. Dabei weist das Blatt erneut darauf hin, daß das Rheinland endgültig 1935 geräumt werden müsse und eine vorzeitige Räumung Frank­reich nur Vorteile bringen könne. D.e Be­setzung erschwere die Annäherungspottiik. Die Räumung könnte gegebenenfalls das Reparations­problem und das französische Schuldenproblem lösen und damit hätte man einen großen Schritt auf dem Wege des Friedens und der Wiederaufrichtung der französischen Finanzen getan. Rach demPetit Pa- rificn" soll Dr. Strcsemann im Laufe einer Unterredung mit Briand zu verstehen gegeben haben, daß er die Frage der Räumung des Rheinlandes während der gegenwärtigen Session des Rates nicht a u f ro 11 e n werde. Selbst ein theoretischer Gedankenaustausch wäre am Vorabend der deut­schen und französischen Wahlen zwecklos. Dagegen hätte Streseman offen erklärt, daß die ganze An­gelegenheit im Juni zur Sprache kommen soll.

Die erste Ratssitzung.

Genf, 6. März. (WTB.) Die heutige öffentliche Sitzung des Dölkerbundsrates begann um 10.30 Uhr und wurde kurz nach 13 Uhr geschlossen. Die ersten drei Punkte der Tagesordnung, die sich auf wirt- schastliche Fragen bezogen, wurden fast ohne Aus­sprache erledigt.

Zu einer längeren und grundsätzlich wichtigen Aussprache kam es bei der Beratung eines von dem italienischen Ratsmitglied Sciateja erstatteten Be­richtes über den Stand der Ratifizierungen der unter den Auspizien des Völkerbundes abge­schlossenen Staaten abkommen. Chamberlain bemängelte als erster Diskussionsredner, daß die Opiumkonvention vom Jahre 1925 wegen ungenügender Ratifizierung durch die Ratsmächte nach nichtinKrafttr'eten konnte. Auch habe eine ganze Reihe von Abkommen über Schiff­fahrtsfragen noch nicht die nötige Zahl von Ratifikationen erhalten. Chamberlain betonte die dringende Notwendigkeit, zunächst die bereits vor­handenen Abkommen in Kraft zu setzen, statt ihre ohnehin hohe Zahl immer mehr zu steigern. Die Vertreter Rumäniens, Hollands, Kanadas und Ja­pans kündigten bei dieser Gelegenheit die bevor­stehende Ratifikation der Opiumkonvention durch ihre Länder an, so daß diese, da Rumänien und Holland schön in allernächster Zeit ratifizieren wer­den, bis zur nächsten Ratstagung in Kraft treten kann. Der rumänische Außenminister Titulesco erinnerte außerdem daran, daß fein Land als erstes das Washingtoner Achtstundenabkommen unterzeich­nete. Br i a n d erinnerte an die überaus große Be­deutung einer Ratifizierung der Konvention zur Kontrolle des internationalen Waf­fenhandels, die Frankreich ratifiziert habe, ohne allerdings dabei bisher viel Gefolgschaft ge­funden zu haben Strcsemann wies auf Die große Bedeutung hin, die gewissen Vorbehalten

bei der Ratifizierung von internationalen Abkom­men zukomme. Er regte an, daß der Rat von Zeit zu Zeit sich grundsätzlich mit den Fortschritten des Ratifizieruntzsstandes befasse.

©cialoja wurde beauftragt, für die nächste Ratstagung einen Bericht über die juristisch- grundsätzliche Frage des Ratifitatioirsstandes aus- Auarbeiten. Dann beschloß der Rat, den von Dem Fünferausschuß au5gearbeiteten Bericht über den Bau des Bölkerbundspalastes in seinen Grundzügen zu genehmigen, aber gleich­zeitig über die Frage der endgültigen Gestal­tung des Bersammlungssaales und der Fassade einen Ergänzungsbericht für seine nächste Tagung einzusordern. Damit wird der gemeinsame Plan des Pariser Architekten M e n o t, des Erbauers der Sorbonne, und seines Schülers, des Genfer Architekten Flegenheimer, allerdings unter einer Reihe von Abänderungen zur Ausführung bestimmt. Die Baukosten sind bisher auf 19,5 Millionen Schweizer Franken festgesetzt worden. Das Honorar für die Architekten wird auf fünf Prozent der Baukosten festgrlegt. Der General­sekretär soll den Auftrag für die Ausführung des Baues erst dann gegenzeichnen, wenn über die drei Punkte, des Bersammlungssaales, der Fassade und die Leitung der Bauarbeiten völlige Klarheit geschaffen iist.

Oer amerikanisch-französische Gchiedsverirag.

Ratifizierung im amerikanischen Senat.

Washington, 7. März. (WTB. Funkspruch.) Der Senat hat gestern abend den Schiedsge­richtsvertrag zwischen Frankreich und den Ber­einigten Staaten ohne Abstimmung nach kurzer Erörterung ratifiziert. Der neue Berirag, der den am 27. Februar abgelagerten Root° Schiedsgerichtsvertrag ersetzt, sieht vor, daß jeder Streitfall zwischen Frankreich und den Bereinig­ten Staaten, der nicht irgendeine rein innere Frage, die Interesse einer dritten Macht, die Monroe-Doktrin oder die Berpflichtungen Frank­reichs als Mitglied des Völkerbundes in Mit­leidenschaft zieht, einem Schiedsspruch unterworfen werden soll. In ter Präambel des Vertrages wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß ter Tag kommen werte, wo alle Länder auf den Krieg als Instrument natio­naler Politik verzichten werden. Die Prä­ambel wurde eingefügt im Anschluß an den Meinungsaustausch zwischen Briand und Kel- log über die Möglichkeit eines Abschlusses eines gesonderten Vertrages gegen den Krieg.

OerHeilige Krieg" in Arabien.

Oer Wahabitenhäuptting Ibn Saud zieht gegen Irak und Transjordanien zu Heide.

Auf der arabischen Halbinsel schlagen die Kriegsflammen wieder einmal hoch. Ibn Saud, ter Führer der Wahabiten und Beherrscher fast «Arabiens, hat gegen den Irak, TranSjor- m und Koweit den .Heiligen Krieg" erklärt. Angeblich sollen die vom Glauben abtrünnig gewordenen Bewohner dieser Gegenden mit Feuer und Schwert bekehrt werten. In Wirllichkeit hantelt es sich aber um einen EroberungSfeldzug ter fanatisierten Wahabiten, die schon oft von sich den gemacht haben und von den Englän­dern nur schwer zu bändigen sind.

Den äußeren Anstoß zu dem Kriegszug hat ein von den Engländern nicht eingelöfted Ver­sprechen gegeben. Als Ibn Saud vor zwei Jahren den Emir Hussein, einen Schützling Englands, davonjagte und aus dem Innern Arabiens bis an das Rote Meer vorstieß, beeilte sich Groß­britannien, mit dem Eroberer in Fühlung zu treten und mit ihm Freundschaft zu schließen. Die Engländer erkannten sehr rasch, daß das am besten durch die Abtretung einiger umstrittener Gebiete um Akaba und Maan geschehen könne. Ein entsprechender Ver­trag kam zustande, die englischen Truppen wur­den aber nicht zurückgezogen, worauf die Freundschaft zwischen Ibn Saud und den Eng­ländern sehr rasch wieder in die Brüche ging.

Dor wenigen Wochen ist er nun gegen das ihm versprochene Gebiet mit Waffengewalt vor­gegangen und hat eS auch zum Teil erobert Dadurch sind die Engländer in eine recht kritische Lage gekommen. Man muh berücksichtigen, daß sie in Aegypten und Indien mit , ernsthasten Schwierigkeiten zu kämpfen haben und daß diese sich um ein Vielfaches vergrößern würden, wenn sie in Arabien das Feld nicht zu behaupten vermögen. Außerdem ist Ibn Saud in die Rich­tung ter Sinai-Halbinsel und des Suez» Kanalö vorgestoßen, so daß sich Großbritannien beeilt hat, Bombenflugzeuge und Tankgeschwater zur Niederwerfung der Aufständischen bereit­zustellen. Außerdem sind aber die Wahabiten noch nach dem Osten vorgestoßen, sie wollen das Emirat Koweit am persischen Golf in ihre Gewalt bringen. Auch das müssen die Eng­länder verhindern, weil sie sonst den Persern gegenüber an Ansehen einbühen könnten. Schließ­lich bleibt noch der dritte Kriegsschauplatz in Assir übrig, ter aber von untergeordneter Bedeutung ist. Da die Engländer umfangreiche Äbwehrmahnahmen treffen, sind fic anscheinend gewillt, den Aufstand ter Wahabiten erst gar nicht zur Entwicklung kommen zu lassen.

Englands Mandatspolitik.

London, 7. März. (WTB. Funkspruch.) Nach einerExchange"-Meldung aus Jerusalem soll Kö­nig Ibn Saud dem Irak und Transjor­danien den Krieg erklärt haben. Eine starke Streitmacht von Wahabiten mit modernen Waffen befindet sich im Gebiete von Maan. Sieben Tanks und 22 Flugzeuge seien zum Schutze der Grenze des Trunsjordanlandes entsandt worden. Nach den Morgenblättern liegt bisher eine Bestäti­gung der Meldungen über die kriegerischen Dorbe­reitungen Ibn Sauds nicht vor.Daily Mail" er­klärt die mesopotamische Politik der Regierung für verfehlt und warnt davor, Großbritannien in einen Krieg steuern zu lassen. Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" weist dar­aus hin, daß Großbritannien keine diplonwtische Vertretung oder Agenten in der Wahabiten-Haupt- stadt besitze, obwohl Ibn Saud in der mohamme- danrsclM Wett eine wichtige Rolle spielt. Die Erklä­rung des Heiligen Krieges gegen die Araber in Transjordanien, im Ira? und Koweit bedeutet für englische Orientkoimer nichts anderes als den Kampf

Ibn Saute um die Erweiterung feiner Macht. In amtlichen e»»allschen Kreisen wird einerse-tts das Ge­rücht bementtert, daß indische Truppen nach Koweit unterroeg» seien, andererseits wird beruhtgerte dar­auf hingewiesen, daß die britischen ßuftflreitf reifte im Irak über 45 Bombenflugzeuge, 12 Kampfflug­zeuge und mehrere Panzerwagen verfügen. Der Soerring Standard" mentet sich unter dem Ein­druck der arabischen Hiobsnachrichten stehend, scharf gegen die Zwecklosigkeit ter arabischen Mandate Engtente.

Oie Lage in Aegypten.

Kairo, 6. März. (Reuter.) Die politische Lage in Aegypten ist unverändert. Die Stu­denten zeigen weiterhin Abneigung, sich mit ihren Studien zu befassen. Eine Abordnung be­gab sich heute zum Hauptquartier ter radikalen Wafd-Partei, um im Namen der Studenten gegen die von der Polizei angewenteten Metho­den Einspruch zu erheben. Der Führer der Wafd-Partei, Nahas Pascha, richtete jedoch eine Ansprache an sie, worin er erklärte, er mißbillige die Anwendung von unnötiger Gewalt von feiten ter Polizei. Die Studenten dürften aber auch keinen Anlaß dazu bieten. Sie könnten die Polizeistöcke vermeiden, wenn sie bei ihren Studien verblieben und es den verant­wortlichen Führern überließen, sich mit der poli­tischen Lage zu befassen.

Das Tangerabkommen.

Zustimmung Englands.

London, 6. März. (TU.) Die hiesigen Botschaft ter Frankreichs und Spaniens sprachen gestern abend im Foreign Office vor und unterrich. teten den ständigen Unterstaatssekretär Sir William Ty re 11 davon, daß zwischen ihren Regierungen ein Abkommen über das Tanger st atut vom Jahre 1922 erreicht wurde. Das nächste Sta­dium der Verhandlungen wird nunmehr eine P a rifer Konferenz zwischen Vertretern der eng­lischen, französischen, italienischen und der spanischen Regierung sein, auf der die Bedingungen festgelegt werden sollen, unter denen JtalienindieTan- gerverwalkung einbezogen werden soll. Die britische Regierung wird auch hierbei eine ver- mittelnde Rolle einnehmen. Wie dieTimes" aus lange» berichtet, wird dort das Uebereinkommen zwischen Frankreich und Spanien n i ch t als ein An- zeilyen für eine endgültige Lösung des Tangerpro­blems angesehen. Die vorgesehene Vermehrung der Gendarmerie, die eine bedeutende Mehr­belastung für Tanger bedeutet, hat erheblich ver­stimmt. Weiter wird betont, daß die lieber« laftung der Finanzen der Tangerzone einen Ausgleich erheblich erschweren würde.

Sie Samoaner »erlangen Se.bsiregimmg

Wellington (Neuseeland), 6. März (Deu­ter.) Ein vom Gouverneur von Samoa am 3. März gemachter Vorschlag, in ter Frage der Begnadigung der Mitglieder des illega­len Verbandes von Samoanern, die ter Bildung irregulärer Polizei­formationen überführt sind, ist zurück- gewiesen worden. Wie ter Sprecher für 200 Gefangene erklärte, seien die angebotenen Zuge­ständnisse nicht genügend. Sie verlangen, daß Samoa ohne Hinzuziehung weißer Be­amten von Samoanern, jedoch unter britischer Flagge regiert werde. Der Gouverneur eröärte ihnen, daß ein solcher Vorschlag Aufrühre­risch sei und daß nicht darüber verhandelt wer­den könne.