Ausgabe 
6.10.1928
 
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Der Finanzausgleich bei uns und im Ausland.

Die Stellung der Länder und Gemeinden.

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 6. Ott Zu der heftig umstrittenen Frage dos Finanzausgleichs, die noch im kom­menden Jahre eine besonders große Rolle spie­len wird, bringt das Statistische Reichsaint einen interessanten Vergleich zwischen dem Deutschen Reich und den Verhältnissen in Oesterreich, der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Dabei ergibt sich, ^$6 die Stellung des Gesamtstaates zu den Teilgebieten in Deutschland finanzpolitisch gesehen ungefähr mit der Struktur der Vereinigten Staaten vergleichbar ist. Bei beiden entfällt auf die Länder nur ein relativ kleiner, auf die Ge­meinde jedoch ein recht großer Teil des öffentlichen Aufwandes. Sn Prozentanteile umgesetzt erhalten die verschiede­nen Körperschaften folgenden Anteil an den Gesamteinnahmen. Das Deutsche Reich 35 Pro­zent, Oesterreich, das unvergleichlich zentra­listischer als Deutschland organisiert ist, weist einen Bundesanteil an den Gesamteinnahmen von 50 Prozent auf, während die Schweiz, wo das Schwergewicht der staatlichen Tätigkeit aus­gesprochen in den Kantonen liegt, dem Bund nur 20 Prozent gibt, und die D e r e i n ig t e n S t a a t e n auf den Gesamtstaat etwa 36 Prozent, also ungefähr der deutsche Anteil, berechnen. Am stärksten ist bei diesem Vergleich die Diffe- reriz in der Verteilung der Gesamteinnahmen eines Volkes bei den Ländern oder Kantonen. In Deutschland entfallen 24 Prozent der Ge­samteinnahmen auf die Länder, (41 Prozeitt auf die Gemeinden), während in Oesterreich nur 9 Prozent den einzelnen Bundesstaaten (41 Prozent den Gemeinden) zukommt Die Schweiz stellt die Kantone, d. h. die Land«?, mit 39 Prozent (41 Prozent entfallen auf die Gemeinden) besonders günstig, während die Vereinigten Staaten ihren Staaten nur 11 Prozent, dafür aber 73 Prozent den Gemein­den überlassen. In Amerika und damit ist es allerdings trotz mancher Aehnlichkeit im Fi­nanzausgleich mit den Verhältnissen in Deutsch­land unvergleichbar, sind die S t a a t e n, d. h. die Länder, beinahe schon die Kostgänger der Gemeinden.

Die Wirtschastspartei zur Außenpolitik.

Gegen jede neue Belastung.

Berlin, 5. Ott Der Reichsausschuß der Wirtschastspartei trat in Geme.nschaft mit den Abgeordneten des Reiches und der Länder im Preußischen Landtag zu einer Tagung zu­sammen, die vom 5. bis 7. Oktober währt. Sie wurde am Freitag mit einer Aussprache über die Außenpolitik eröffnet. Rach einleitenden Re­feraten der Abg. Drewitz und Prof. Dr. Bredt, die eine sehr eingehende Diskussion zur Folge hatten, wurde die nachstehende Ent­schließ u n g angenommen: _

Die Reichspartei des deutschen Mittelstandes steht grundsätzlich auf dem Boden einer Derständigungspolitikaufnat tona­ler Grundlage, erachtet es aber schon fett längerem für notwendig, daß gerade mit Rück­sicht auf solche Ziele eine größere Zurück- Haltung in der auswärtigen Polit il beobachtet wird. Die Partei hat niemals die großen C^vartungen auf Rückwirkungen von Locarno geteilt. Sie hat deshalb auch den Eintritt in den Völkerbund als v e r f r ü h t angesehen und seinerzeit abgelehnt. Sie derttitt jetzt entschie­den den Standpunkt, daß unter keinen Um- stä'nden von Deutschland irgendwelche Angebote gemacht werden dürfen, die über dasIahr 1935hinausreichen. Die Par­tei erklärt die Dawes-Lasten in ihrer heu­tigen Höhe sür untragbar und verlangt in erster Linie eine baldige endgültige und annehmbare Lösung der gesamten Repa- rattonsfrage.

Ein Oankerlasi des Reichspräsidenten.

Berlin, 5.Ott. (DD.) Das Bureau des Reichs­präsidenten gibt folgenden Erlaß des Reichspräsi­denten bekannt:Auch in diesem Jahre sind mit zu meinem Geburtstage aus allen Teilen des Reiches und von vielen Deutschen aus dem Ausland Glückwünsche in großer Zahl zu- gegangen. Ihre Linzelbeantworlung ist mir leider nicht möglich. Allen, die freundlich meiner gedacht haben, spreche ich daher aus diesem Wege meinen herzlichen Dank aus und bitte sie zugleich, die mir bezeigte Zuneigung und Treue dadurch zu be­stätigen, daß sie, ein jeder an seiner Stelle, mit­helfen, unserem Volke inneren Frieden und Einigkeit zu geben, gez. v. Hindenburg, Reichspräsident.^

Oie preußischen Koalitionsverhandlungen in Zluß. B e r k i n, 6. Ott. (Priv.-Tel.) Der preußische Mi­nisterpräsident Braun ist am Freitag gegen Mit­tag im Landtag erschienen, um mit den Regierungs­parteien Besprechungen über die Erwei­terung der Regierungsbasis zur Gro­ßen Koalition zu pflegen. Gegen 12 Uhr fand eine Besprechung mit dem Führer der Demokraten, Falk, statt. Es werden nunmehr voraussichtlich in der kommenden Woche die preußischen Re­gierungsparteien (Zentrum, Sozialdemo­kraten und Demokraten) zu einer gemeinsamen Sitzung zusammentreten. An dieser Sitzung wird Ministerpräsident Braun teilnehmen. Bor allem wird die Frage der Besetzung der Ressorts zu lösen sein.

Demokraten und Konkordat.

Aus Kreisen der deutsch-demokratischen Land­tagsfraktion wird zur Konkordatsfrage das fol­gende erilärt: Die Mitteilung einer Tages­zeitung, die demokratische Landtagsfraktion sei bereit, einem Konlordat zuzustimmen, roenn d i e Schulfrage dabei unerwähnt bleibt, ist völlig unrichtig. Die Beziehungen zwischen dem preußischen Staat und der Kurie sind durch Vereinbarungen im Iahte 1821 ge­regelt worden, die ihren Riederschlag in einer preußischen Kabinettsorder und in einer päpst­lichen Bulle gefunden haben. Ist eine An­passung dieser Vereinbarungen an die heu­tigen Verhältnisse gelten, so wird die

Oie Roi der Minderheiten.

Der Auswärttge Ausschuß hat soeben seinem Bedauern Ausdruck verliehen, daß es unserer Delegation in Genf nicht gelungen sei, die Mit­glieder des Völkerbundes zu einer A e n d e - rung der bisherigen Minderhei­ten Politik zu bringen. Bei der heftigen Kri­tik, die sich im Ausschuß bemerkbar machte, dach­ten die Abgeordneten in erster Linie an die Leiden unserer Volksgenossen in Südtirol, Polen und der Tschechoslowakei. Ieht liegen aber auch aus Iugoslawien, das seiner deutschen Minderheit nicht mehr ganz so unfreundlich gegenübersteht wie in den ersten Rachkriegsjcchren, Rachrichten vor, wonach der Kleinkrieg gegen die Staatsbürger deutscher Zunge noch immer nicht sein Ende gefunden hat. Ein sehr bekannter Arzt, der sich erst kürzlich für ein größeres Iugoslawien und eine deutsch­jugoslawische Annäherung einsehte, ist seines Postens als Kreisarzt enthoben worden, nur weil er zu den Führern des Deutschtums ge­hörte. Obwohl Iugoslawien von Iahr zu Iahr einen stärkeren Deutschenbesuch aufweist und auch die deutsch-jugoslawischen Beziehungen sich stän­dig bessern, scheint man es in Belgrad noch immer nicht für nötig zu halten, endlich einmal den Kleinkrieg gegen die deutschsprechenden De- völkerungsteile aufzugeben.

Antideutscher Kurs in Slowenien.

Unerhörte Schikanen gegen das untersteierische Deutschtum.

Belgrad, 5. Ott. (TU.) Trotz der Versiche­rung einzelner südslawischer Politiker, für eine deutschfreundliche Minderheitenpolitik und eine deutsch-südslawische Verständigung einzutreten, herrscht in der Behandlung der Deutschen in Slowenien vollkommene Willkür undRecht- losigkeit. Erst kürzlich hat das Laibacher

Oberlandesgericht bi zweiter Instanz in dem Verfahren gegen das den Deutschen widerrecht­lich weggenommene Deutsche Haus in C i l l i das ungeheuerliche Urteil gefällt, daß diese Enteignung zu Recht bestehe, weil der Zweck des Deutschen Hauses, das der Erhal­tung des Deutschtums diente, unmora­lisch gewesen sei. Dieser Tage wurde der Führer des un ter steierischen Deutschtums Dr. C. Moro- cutti von der Kreisbehörde in Marburg in seiner Eigenschaft als Kreisarzt ohne An­gabe ton Gründen seines Dienstes ent­hoben. Seit Iahren unterwühlen die slowe­nischen Behörden in dieser ungesetzlichen Weise die berufliche Tätigkeit Dr. Morocuttis. Schon vor mehreren Iahren erfolgte ohne gesetzliche Grund­lage seine strafweise Versetzung, vor zwei Iahren seine willkürliche Entlassung aus dem Staatsdienst. Erst vor einigen Mo­naten wurde er auf die Aufforderung einer faszistischen slowenischen Zeitung hin zur mili­tärischen Dienstleistung einberufen. Durch diese behördlichen Maßnahmen, die der Verfassung des südslawischen Staates und den Bestimmungen des MinderheitenschutzverttaLes widersprechen, versuchen die nationalen Macht­haber in Slowenien diesen Führer des Deutsch­tums zur Abwanderung zu zwingen. Die Widersinnigkeit d'eser ungesetz'ichen Maßnahmen slowenischer Behörden wird aber dadurch deut­lich, daß sie sich gegen einen Minder­heitenpolitiker richten, der seit Iahren in mutiger Offenheit für eine ehrliche deutsch-süd­slawisch« Verständigung und für die Gewährung einer slowenischen Schul- und Kulturautonomie an die benachbarten Kärntner Slowenen ein­tritt. Erst dieser Tage erschien Dr. Morocuttis neues BuchGroßdeutschland Grvhfüdslawien , in dem er die Rotwendigkeit einer planmäßigen deutsch-südslawischen Verständigungsarbeit in großzügiger Weise entwickelt.

3n Mener-Aeustadt am Vorlage des Aufmarsches.

Ein Heerlager zum Schutz der Stadt.

Starke Truppenkonzentrationen.

Wienet-Jleu ff abt, 5.Oft (Von einem pri- voikorrespoudenfen.) Die Stabt zeigt seit gestern ein vollstänbig veränbertes Bilb, bas vorwiegend militärischen Eharakter trägt 3m Laufe des gestrigen Tages sind bereits einige tansenb THann Militär unb Genbarmeric in bie Stabt eingezogen. Sie erregten um so mehr Auf­sehen. als sie in felbmarschmähiger Aus­rüstung, mit Stahlhelm unb ausgepslanziem Ba­jonett durch bie Stabt marschierten. Für heute wirb bas Eintreffen von weiteren Militär- unb Gen- barmerieabteilungen erwartet Der größte Teil des Militärs ist in der ehemaligen Militärakademie ber Bunbeserzlehungsanstalt untergebracht weshalb sämtliche Schüler bieser Anstalt schon gestern diese räumen und in ihre Heimatorte zurückkehren muß­ten. Die hiesige städtische Sicherheits­wache hat in den letzten Tagen Schießübun­gen abgehalten und wird für den 6. und 7. Oktober mit Mannlicher-Gewehren ausgerüstet fein. Großes Aufsehen erregen die vielen Militärordonnanzen, die auf Motorrädern durch die Stadt rasen. Die Stadt wimmelt von Uniformen. Für den Fall eventueller Zusammenstöße wurden in hiesigen allgemeinen Krankenhaus 300 Rotbetten und 22 Tragbahren bereitgestellt. Der ärztliche Dienst in Wiener-Neustadt wird durch eine Reihe wiener Aerzte verstärkt, viele Geschäftsleute haben für ihre Auslagen Holzverschalungen machen lasien, so daß bie hiesigen Tischler mit Ar­beit überhäuft sinb. Der sonst am Samstag abge- haltene wochenmarkt wurde bereits heute früh ab­gehalten. da morgen früh sämtliche Betriebe der Stadt stillstehen und aller Voraussicht nach auch die Geschäftsleute von Wiener-Neustadt ihre Lokale bereits am Samstagmittag schließen wer­den. 3n Anbetracht des bereits morgen einsehenden Askoholverbots werden auch die hiesigen Gastwirte ab morgen bis Sonntagabend geschlossen halten. Viele Neustädter Einwohner haben bereits die Stadt verlassen, um an den beiden kri­tischen Tagen außerhalb von Wiener-Neustadt die Ereignisse abzuwarten. Man hofft jedoch mit aller Bestimmtheit, daß es zu keinen Zusammenstößen kommen wird. Auch in Baden trifft man Maß­nahmen für den 7. Oktober. Es sind bereits 500 Manu zur Sicherung des Kurortes cingetroffen. Die

Vorbereitungen zur Sicherung eines ruhigen Ver­laufes des 7. Oktobers dehnen sich ferner auch auf Wien aus. Für Sonntag ist die allgemeine Bereit­schaft der gesamten Wiener Polizei vorgesehen. 1350 Mann werden militärisch ausgerüstet in einem Ge­bäude in der Nähe der Regierungsgebäude zusam- mengezogen. Reiterpatrouillen und Polizei zu Fuß werden alle Bezirke abffreifen. 3n den Hauptstraßen sollen außerdem stehende Patrouillen an geeigneten Punkten ausgestellt werden, von der Polizeidirek­tion wird ein entsprechender Rachrichtendienst einge­richtet, um das Entstehen von beunruhigenden Rach­richten zu verhindern.

Oie Ziele ber Heimwehren.

Eine Erklärung des Bundesführers Steidle.

Wien, S. Ott. (WB.) Bor Pressevertretern sprach der Bundesführer der österreichischen Selbstschutzverbände, Dr. Steidle, über den Zweck der Heimwehren, wobei er u. a. erklärte, daß die Sozialdemottatie seinerzeit auf dem Par­teitag die demottatische Republik nur als lieber g ang zur Diktatur des Prole­tariats bezeichnet habe. Gerade dies habe der Heimwehr großen Zulauf gebracht, der nach dem 15. Iuli v. I. noch stark zugenommen habe. T a u- s«nde von Arbeitern seien den Heim­wehren beigetreten. Diese Erscheinung habe naturgemäß zu weiterer Ausdehnung ihrer Werbeaktion auf die Industriegebiete geführt. Rach Wiener-Reustadt, wo von vornherein nur 1800 bis 1900 Mann auftreten sollten, würden weitere Ausmärfche in Linz und Bischofshof en erfolgen. Am 12. Rovember werde der Ratio­nal f e i e r t a g, den bisher di? Sozialdemokratie für sich allein beansprucht habe, durch Abord­nungen der Heimwehren aus allen Bundesländern in Innsbruck festlich be­gangen werden. Aus Wiener-Reustadt jetzt ein Politikum und schließlich auch eine Macht- frage zu machen, sei der sozialdemokratischen Parteileitung Vorbehalten geblieben. Die Heim­wehren würden sich aber nicht von der einmal beschlossenen Kundgebung abbringen lassen. Die Heimwehren seien auch kein Feind desPar- laments, doch müsse die Volksvertretung im­stande sein und instandgesetzt werden, auch ihre Freiheit zu bewähren und ihren Willen durchzusehen. Die Heimwehren, so erklärte Steidle schließlich, seien zur inneren Abrüstung bereit, doch gehöre dazu die Beseitigung des Gesinnungszwanges und die Her- stellung der persönlichen geistigen Freiheit des Arbeiters und offenes Be­kenntnis zur Demokratie und nicht zu einer Demo­kratie auf Kündigung. Vorher gäbe es keine Abrüstung und keine Verständigung.

deutsch-demokratische Landtagsfraktion im Geiste der Toleranz sich dem nicht widersetzen, wobei unbedingte Voraussetzung ist, daß die staat­lichen Rechte nicht beeinträtiat wer­den. Von einer Behandlung der Schulfrage bei dieser Gelegenheit kann überhaupt nicht die Rede sein.

Zum Fall Thälmann.

Berlin, 6.Ott. Das Politische Bureau der KPD. beschloß, eine Erklärung von 25 Mitgliedern des Zentralkomitees zu verösfentlichen, worin diese ihre Zustimmung zu dem Beschluß des Zentralkomi- tces über den Fall Thälmann und Genossen z u - rückziehen und erwarten, daß das Exekutiv­komitee in Moskau die Revision des Beschlusses vornimmt, der die Rehabilitierung Thäl­manns und die Wiederherstellung der Rechte der drei Hamburger Funktionäre bedeutet.

Oie Idente der Siandesherren.

Berlin, 6. DEL Ein Gesetzentwurf über die Auswertung und Ablösung älterer Staatsrenten wird das Reichskabinett noch in diesem Monat beschästigen. Das Gesetz erstrebt eine Abfin­dung der sogenannten st andesherr­lichen Renten ansp rüch e an die Län­der. Das Reichsjustizministerium hat sich in seinem Entwurf die Vorschläge der preu­ßischen Regierung zu eigen gemacht. Es schlägt im allgemeinen eine Aufwertung von acht Prozent vor. Als nicht aufwer­tungsfähig sollen Leibeigenschafts- und Ho-

hettsrenten gelten. Die Liegenschaftsren- ten sollen bis zu 25 Prozent auf gewer­tet werden können, wenn Verpflichtungen aus Ruhegehältern nachgewiesen werden. In besonderen Fällen kann eine Auswertung bis zu 40 Prozent erfolgen. Diese Aufwertungssähe sollen u. a. gesta tet werden, wenn aus der Rente eine kulturhistorische oder eine ge­meinnützige wertvolle An läge (Schloß oder Park) bestritten wird.

Oie neue Verfassung der Republik China.

Rankina, 5. Oft. (WTB.) Die neue Ver­fassung der Republik China, die gestern von der Kuomintang-Partei verkündet wurde, bestimmt, daß sich die Rationalregierung aus fünf Körperschaften, Puan genannt, zusammen­setzt. Das oberste Staatsorgan ist der Exe- kutiv-Buan. Der gesetzgebende Vuan besteht aus 49 bis 99 Mitgliedern, die von der Regierung ernannt werden. Die Regierung im engeren Sinne besteht aus einem Präsiden­ten und 12 bis 16 Staatsräten, aus deren Mitte die Präsidenten und Vizepräsidenten der Puans gewählt werden. Der Präsident der Re­gierung vertritt die Regierung beim Empfang der Diplomaten und bei offiziellen Veranstaltungen. Er ist auch der Oberbefehlshaber der 'Streitkräfte zu Wasser, zu Lande und in

der Luft. Die Regierungsgeschäfte werden unter Mitwirkung des Staatsrates geführt, des en Vor­sitz dem Präsidenten der Regierung zusteht. Di« auf Grund der Entschließung des StaatsrateS verkündeten Gesetze und Verordnungen'sen von dem Präsidenten der Regierung und den Präsidenten der fünf QJuanS unterzeichnet werden.

Aus aller Well.

Der Dresdner Gattenmord.

Dresden, 5. Ott. (WD.) Heute vormittag wurde in dem Gattenmordprozeh Treiber die damalige geschäftliche Lage der Firma Hoffmann L Treiber erörtert Kaufmann Hoffmann, der jetzt ein Geschäft in Wien betreibt, stellt fest, daß beide Geschäststeilhaber im Iah re 1924 nicht die monatlich vereinbarte Summe von 750 Mark, aus dem Geschäft entnommen bitten. Kaufmann Lässerhoff erilärt Treiber habe ihm etwa im Herbst 1925 erzählt, daß die Frau Treibers in; der Schweiz ein Kapital von 80 000 Franken stehen habe. Treiber stellt erregt eine derartige I Erklärung in Abrede. Es kam zu einem Wort­gefecht zwischen dem Verteidiger Alsberg und dem Zeugen, wobei Alsberg den Zeugen fragte: Wollten Sie Treiber bei der Gelegenheit, wo von den 80 000 Franken die Rede war, nicht gerade anpumpen?" Der Zeuge erwiderte: Aber, Herr Doktor, reden Sie doch nicht von anpumpen!" (Große Heiterkeit im Saäl.) Der Schwager des Angeklagten. Emil Frvtsch aus Berlin, erklärte, daß er jederzeit den Eindruck gewonnen, daß die Ehe seiner Schwester überaus glücklich war, und daß in dieser Ehe beste Harmonie herrsche. Auch die Eheftau des Arztes Dr. Herbicht aus Rauschau, eine Ju­gendfreundin der Frau Treiber, bekundet daß sich ihre Freundin niemals über ihren Mann beklagt habe. Der 27jährige Bruder des fUngetlagten, Wal­ter Treiber, sagt aus, daß er Unstimmigketten in der Ehe seines Bruders niemals bemerkt habe. Bon der Bersicherung sei ihm nichts bekannt gewesen. Dagegen habe er von den Beziehungen seines Bru­ders zu anderen Frauen gewußt

Tragödie einer Jagdgesellschaft in der Wüste.

Wie schon kurz gemeldet, wurde seit einigen Tagen nach einer Jagdgesellschaft gesucht, die in der ägyp- tischen Wüste sich offenbar verirrt hat Nach mehr­tägigem Suchen ist es einem englischen Militärflug­zeug gelungen, die Jagdgesellschaft auszufinden. Sie befand sich in einem bejammernswerten Zustande. Einige ihxe Mitglieder hatten den Ber st and verloren und lagen nackt in einer Höhle, wobei jeder den anderen für seinen Feind hielt. Sie waren nicht imstande, einen zusammenhängenden Bericht über ihre Abenteuer zu geben. Ihr Auto­mobil ist noch nicht wieder gefunden worden.

Freilassung der vier jugendlichen Diebe durch die Franzosen.

Das französische Kriegsgericht hat entsprechend dem Antrag des Verteidigers Senatspräsident Dr. Führ-Landau den Haftbefehl gegen die wegen Diebstahls im Landauer Milttärpolizei- gefängniis festgehritenen vier Iugendlichen auf* gehob en und diese dem deutschen Iugendrichter überwiesen, der ihre Verbringung in eine Fürsorgeanstalt angevrdnet hat.

Oie Wetterlage.

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Wettervo < aussage.

Das westliche Tief hat sich nordwärts ver­lagert und liegt mit seinem Kern über dem Rordmeer. Kontinentale kühle Luftmassen des östlichen Hochdruckgebietes führten beim Zusam­mentreffen mit der maritimen Warmluft des Rordmeerfallgebietes im westlichen Deutschland in den heutigen Morgenstunden zu Aufgleitregen. Aachen und Wilhelmshaven melden Regen. Da von Südwesten her das Barometer erneut kräftig: ansteigt, und das uns bedrohende Schlechtwetter­gebiet eine abziehende und uns nicht mehr be­rührende Richtung eingeschlagen hat, so wird bei zeitweiser Bewölkung im wesentlichen trocke­nes Wetter vorherrschen.

Wettervoraussage für Sonntag: Wollig mit Aufheiterung, mäßig warm und meist trocken.

W i 11 e r u ng s a u s s ich t en für Mon­tag: Aucheiterndes Wetter, zwischen Tag und Rächt wieder größere Temperaturgegensätze, trockn.

Lufttemperaturen am 5. Oktober: mittags 13,8 Grad Celsius, abends 5,3 Grad Celsius: am 6. Ott.: morgens 4 Grad Celsius. Maximum 13,8 Grad Cel­sius, Minimum 1,5 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 5. Oktober: abends 8,6 Grad Celsius: am 6. Oktober: morgens 6,3 Grad Celsius. Sonnen­scheindauer 7 Stunden.