Ausgabe 
6.7.1928
 
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Reichsernährungsministers

nun weiter mit der

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Oie Wetterlage.

Donnerstag, Den 5. Vu^ /$2.

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Bon der fjatt* gestürzt.

Gin schwerer Unfall ereignete sich auf der Konkordia"-Grube der DonnerSmark- Hütte. Beim Abtransport von Schlacken auf eine Halde entgleiste eine Lokomotive und stürmte mit ihrem Führer und dem Heiner die Halde herunter in einen Tümpel. Der Führer wurde sofort getötet, bet Heizer erlitt schwere Knochenbrüche und Verbrennungen. Sein Zustand ist hoffnungslos.

Das Urteil im Donezprozeß.

DieDeutschenvtto und Meyer frelgesprochen.

Bewährungsfrist für Badstieber.

Moskau. 6. 3ulL (Wolff. Stmtfpr.) Das Urteil int Donezprozeß wurde gestern vom Obersten Ge­richtshof nach insgesamt S2stündiger Beratung ver- kündet. Bon 53 Angeklagten wurden elf zum lobe verurteilt. Rämllch: Gortetzki. Voba- rinow, Krschischanowski, Vuffewitsch, Budny, Ma- toro, Vratanowski. Beresowski. Bojarschinow, fta- ' sarinow. Schadlun. Das Gericht beschloß jedoch in Anbetracht ihrer Reue und hohen technischen Fähigkeiten beim Zentral. Exekutiv-Komilee der Sowjetunion um Milde­rung der Strafen zu ersuchen. 34 Angeklagte erhielten Gefängnis st rafen ccn ein bis zehn Jahren, darunter Rabinowitsch sechs und Susma drei Jahre. Bier Angeklagte wurden unter Zubilligung von Bewährungsfrist verurteilt. Der Deutsche Bad stiebet erhielt ein Jahr Gefängnis mit Bewährungsfrist wegen Bestechung, er wurde jedoch von der Beteiligung an der gegenrevolutionären Organisation freige­sprochen. Bier weitere Angeklagte, darunter die Deutschen Otto und Meyer, wurden frei ge­sprochen.

In der Begründung des Urteil» wurde ausge­führt. das Oberste Gericht habe es al» erwiesen angesehen, daß eine weitverzweigte ge­genrevolutionäre Bewegung entstanden wäre. Der Freispruch Meyers und Ottos wäre nur deshalb erfolgt, weil es nicht erwiesen werden

Oie Steuersenkung.

Ein neuer Plan deS Reichsfinanzministeriums.

ihn unaufhaltsam höhwärts führt

Charlotte von Stern war seine Geliebte, feine irerin, seine

einmal aus:Ich komme mir jetzt selber mythisch vor, da ich so allein übrigbleibe". Goethe mutzte die Frauen, die in seinen Lebenskreis traten, ganz er- forschen, in einer Frauengestalt konnte er die Frauen nie völlig erkennen. Nicht leichten Herzens gab er dem Verglimmen einer Liebesglut nach. Das Genie in seiner berechtigten Selbstzucht brauchte die voUkommcne Konzentrierung für sein Werk, er brauchte immer neue Luft in neuen Liebeszonen. Goethe war der Schweifende, der Tastende, der Un­gestüme, der ewig Suchende.

In Marie Beaumarchais erkennen wir Friede­rike Drions Bild aus anderer Perspektive. Das wirkliche Riekchen war nicht die. die uns in Dichtung und Wahrheit" entgegentritt. Ebenso­wenig entsprechen WertherS Erlebnisse dem, was sich in Wetzlar zwischen Goethe und Lotte Buff im Hause ihres Vaters abgespielt hat. Friederike Brion schloß sich mit schwesterlicher Vertraue lichkeit an den Straßburger Studenten Goethe an, Eltern und Verwandte sahen in ihm Friede- rikens erklärten Liebhaber. In dem Augenblick, da "Friederike ihm ihre Liebe gesteht, kling m die holden Töne in ihm ab. Er fühlt, Hatz er sich nicht binden darf. Glühende Liebe zu Lotte Duff durchströmt mit heißen Wellen sein Herz, er be­neidet Kestner den glücklichen Bräutigam. Er reiht sich los. Die Erregungen seiner Seele for­men sich zu ..Derthers Leiden". Lili entflammt lein Herz. Sobald er die Gewißheit hat, daß er sie gewonnen hat, wird die Empfindung in ihm wach, er hat die Höhe erreicht, er muh sich wieder befreien, muß feinem Genius folgen, der'

Berlin, 5. Juli. (TU.) Der Reichsjustiz' Minister Koch-Weser hatte am Donnerstag- oormittag im Reichstag eine weitere Besprechung mit den Führern der hinter der Regierung stehenden Parteien über die Amnestiefrage. Wie die Tele- graphen-Union zuverlässig erfährt, ist bei der Aus­sprache eine Einigung über die errage tm wesent­lichen herbeigeführt worden. Die vorgesehene Am­nestie soll einen Schlußstrich unter die Erei^ nisse der Inflationszeit und der erregten Jahre nach der Revolution setzen. Für die sog. Fememörder " ' ' der Strafe in Frage.

tümern zur Wahrheit führte. Er erquickte sich an ihrer Reinheit und Güte, war sich bewußt, daß sie sein Schassen förderte. Charlotte will, daß er vor aller Welt als der größte, berühmteste Dichter gefeiert wird. »Dein Beifall," schreibt er ihr einmal, »ist mein höchster Ruhm. Vol­lende dein Werk und mache mich recht gut.* Iphigenie, Prinzessin von Este zeichnete er nach ihrem Bild.

Ganz von der Schönheit Italiens erfüllt, wandte er sich, nach Weimar heinmekehrt, von Eharlotte ab. In der Erscheinung SbristianenS, dem blühenden Kind auS dem Volk mit dem dunklen Gelock und den dunklen strahlenden Augen lebten die italienischen Frauen wieder in ihm auf. Dem Verhältnis zu Christiane war Dauer und Glück beschießen. Sie war keineswegs so ungebildet, sie suchte mit wachsendem Ver­ständnis in seine GeisteSwell einzudringen. Der tiefgekränkten Charlotte von Stein ward es deut­lich, daß sie Goethe verloren hatte. 3n tiefster Seele getroffen sprach sie es aus, er habe sich an eine Minderwertige weggeworfen. Doch quoll später die Liebe zu Goethe wieder in ihr auf, eine Liebe, die auch verzeihen konnte.

Eine ganze Reihe von Frauengcstalten, in Goethes magischen Kreis gezogen, läßt der Red­ner an uns vorüberziehen. In fesselnder, sein- durchdachter Form wird eine Atmosphäre von Anmut, Geist und Schönheit wach Die Bilder Marianne Willemers und Ulrike von LevetzowS werden al fresco gezeichnet. GS leuchtet ein, daß der Frauenkultus zu den feinsten Ausstrahlungen Gvethcschen WefenS gehört. Die Zuhörerschaft dankie dem Redner mit s^rzlichem Beifall. Mini­sterialdirektor Urstadt und der Rektor der Uni» versität. Prof. Dr. Hofenberg, wohnten der ein­drucksvollen Feier bei. Dr. K.

' Eigene Drahimeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 6. Juli. 2m Mittelpunkt der Ver­handlungen um die Lohnsteuersenkungsaktton, die bereits unter dem Vorsitz des Reichsfinmumini- sters Dr. Hilserding begonnen haben, steht ein Plan, der bisher noch von keiner Seite vor- g^racht wurde und der deshalb immerhin einiges Aufsehen erregen dürfte. Die Durchführung der ursprünglich geplanten Heraufsetzung des lohn steuerfreien Einkommens scheint, jedenfalls haben das die bisheriger Be­sprechungen ergeben, doch manche Schtoi e- rigreiten zu bereiten. Man hat deshalb erwogen, ob eS nicht möglich wäre, das Gesetz zur Aenderung des Einkommensteuergesehes vom 22. Dezember 1927, das am 1. Januar d.I. in Kraft trat, abzuändern. Dieses Gesetz be­sagte bekanntlich, daß die Lohnsteuer insofern er­mäßigt werden solle, daß der nach den alten Vorschriften berechnete Steuerabzug vom Arbeitslohn um 15 v. H, höchstens aber um 2 Mk. monatlich, 50 Pf. wöchentlich, 10 Pf. täglich und 5 Pf. bei Entlohnung für je zwei angefangene oder volle Arbeitsstunden herab­gesetzt werden solle. Dieses Gesetz hat aber nur Gültigkeit für Einkommen, die den Betrag

Goethebund.

Jahresfeier am 5 Juli in der neuen Aula der Universität.

Die Jahresfeier d-s GvechebundeS wurde mit einem Prolog von Alfred Bock eröffnet. In dichteri'ch erhobener, anschaullch gestalteter, von musikalischem Rhythmus getragener Sprache wurde Goethes Persönlichkeit in ihrer Tiefe und Klarheit lebendig. Den Prolog sprach Fräulein Trude Heß vom Gießener Stadttheater und trug daran anschließend Gedichte von Goethe (Der Gott und die Bajadere, Willkommen und Abschied, Rettung, Liebhaber in allerlei Ge­statten) vor. Die junge Künstlerin, eine schlanke, biegsame Gestatt mit beweglichen Zügen, wurde dem Geiste der Dichtungen in vollem Maße ge­recht. Sie sprach ohne rhetorische Uebertreibung. Sie verstand es, ihre Rede zu retardieren und zu steigern. Pathos und Temperament sind ver­schwistert bei ißt, so daß ihr Dortrag zu vor- trefflicher Wirkung gelangte.

Danach ergriff Direktor Franz 91 e u b e r t aus Leipzig zu seiner RedeGoethe und die Frauen" das Wort. Goethe knüpfte Bande, um sie wieder zu zerreiben. Ueberall dieselbe Erscheinung: eine kurze Zeit der Blüte, bann Mattwerben, Verwel­ken. Jeder neuen Liebe, ble ihn berührte, wandte er seine volle Persönlichkeit zu. Wir gewahren, datz ihn eine ganze Schar schöner geistreicher Frauen umgibt. Er hat sie in. den Tempel der Unsterblich­keit gesühtt. Das Kleine, AUzumenschliche bet seinen Herzenskämpfen beschäftigt uns beute nicht mehr, wir wissen, daß die Frauen um Goethe ihm Schick­sal und Lebensideal waren. Der Greis, sternweit von allen Herzenskämpfen, seinem Tode nahe, ruft

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 6. Juli. Recht interessant find die Auf­gaben, die sich der neue Reichsminister für Ernäh­rung und Landwirtschaft, der Demokrat Dietrich (Baden) geftellt hat. Die Durchführung des 9tt>t- programms ist im wesentlichen ja festgelegt. Bei der U m s ch n l d u n g s a k t i o n ist bereits über 110 Millionen Kredite verfugt worden, ebenso ist verfügt über die 30 Millionen für die Milch­wirtschaft, Molkereiprodukte, Obst und Gemüse. Dagegen sind die Mittel für die Neugestaltung und die Rationalisierung des Ge­nossenschafswesens noch nicht angegriffen. Diese Ausgabe durchzuführen, liegt dem neuen Reichsernährungsminister noch ob. Dieses Problem scheint noch mannigfacher Beratungen zu bedürfen. Mit besonderem Interesse beabsichtigt der neue Reichsernährungsminister an die Standardi­sierung der landwirtschaftlichen Produktion über­haupt heranzugehen, verspricht er sich doch dadurch auch eine wesentliche Erweiterung der Ab­satzmöglichkeiten, deren Beschränkung da­durch bedingt ist, daß die bisher noch nicht durch- geführte Standardisierung und Typisierung keinen glatten Absatz gewähren konnte. So wird auch Dietrich (Baden) sein Hauptaugenmerk darauf legen, daß Produkte, die in Deutschland hergestellt i werden können, auch hier hergestellt werden sollen und datz sie dann auch einen gewissen Schutz gegen­über den ausländischen Sorten erhalten müssen. Auf diesem Wege verspricht sich der neue Reichsernäh­rungsminister auch eine wesentliche Berbesse- rungderbäuerlichenExistenzmogllch- t eit en. Schließlich verbleibt ihm noch die llmschul- bungsattion restlos durchzuführen, wobei er beab- sichtigt, eine Liste über die Vergebung der Um» schuldungskredite anlegen zu lassen, um damit eine klarere Kontrolle über dieselben zu erreichen.

Oie Meliorationskredite.

Noch »eine Auslandanleihe aufgenommen.

Berlin, 5. Juli. ($.-11.) Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: In der Oeffentlichkert sind Klagen laut geworden, daß die angekün-

Oie Unwetterkatastrophe in Ostoberschlesren.

Ueber die Unwetterkatastrophe in Ostoberschlesien laufen erst jetzt die ersten Nachrichten ein, da die Telephonverbindungen unterbrochen sind. Die Ernte ist zum größten Teil vernichtet. Im Rybniker Gebiet wurden etwa dreihundert Dächer abgedeckt. 16 Personen erlitten Verletzungen. In den Waldungen ist der Schaden außerordentlich groß. In einer Maschinenfabrik in Kattowitz stürzte ein Gerüst ein, wobei ein Arbeiter den Tod fand. Ein Gerüst am neuen Wojwodschaftsgebaude wurde ebenfalls zertrümmert. Don den dort beschäftigten Arbeitern konnten sich sämtliche bis auf vier retten, die sich in einer Höhe von etwa zwanzig Meter am Gesims feftllammerten und in dieser verzweifelten Lage etwa zwanzig Minuten ausharren mußten, bis sie von der Feuerwehr gerettet werden konnten. Nach den bisherigen Schätzungen wird der Schaden auf ungefähr 25 Millionen Zloty geschätzt. Nach einer Meldung derVossischen Zeitung" hat das Unwetter in Oberschlesien, soweit bis jetzt zu über­sehen ist, zehn Tote und 32 Schwerver­letzte gefordert.

zu sagen, welche Arrangement« getroffen wer­den, um Löwensteins Platz auszufullen iedvch wird der Angelegenheit vom Aufsichtsrat m Kanada die ihr gebührende Beachtung geschenkt. Jedenfalls braucht die Lage nach unserer -Mei­nung keine Veranlafsungzur Beun­ruhigung zu geben. Der in Erwägung ge- zogen« Verkauf von noch nicht ^geberien Aktien der International Holdings and Invest­ment Company wird seinen Fortgang nehmen.

Oer Eindruck in Berlin.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten?

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^ettervo .»us jage.

Die ozeanische Störung hat sich ostwärts tod- terbewegt und nähert sich mit rhvemKern Sud- standinaoien. Ihre 6ui>feite beeinflußte unser Debiet und brachte neben BewollungS-ur.d Tem­peraturanstieg bereits vereinzelt Riederschläge. Da an der Rückseite unter Darometeranstteg küh­lere Luffmafsen folgen, so wird die Wetterlage nach anfänglich veränderllchem Charalter sich freundlicher gestalten und die Dewöllung zurück­gehen. Die Temperaturen erfahren zunächst wie­her einen geringen Rückgang, dürsten aber später unter dem Einfluß der Sonneneinstrahlung wie­der ansteigen.

Wettervoraussage für Samstag: Aech wechselnder Bewölkung und vereinzelten Regenschauern ruhigeres Und aufheiterndes Wet­ter. etwas kühler, um West drehende Winde.

Lufttemperaturen am 5. Juli: mittags 22,9 Grad Celsius, abends 18,5 Grad Celsius: am 6. Juli: morgens 13,3 Grad Celsius. Ma imum 26,7 Grad Celsius, Minimum 10 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 5. Juli: abends 22,2 Grad Celsius: am 6 Jul:: morgens 17,3 Grad Celsius. Niederschlag 0,8 Millimeter. Sonnenscheindauer 11% Stunden.

von 8000 Mark nicht überschreiten. Es gilt aber auch für die veranlagten Einlommen, soweit sie 8000 Mark nicht überschreiten. Man hat nun­mehr die Absicht, die löprozenttae Ermäßigung auf eine solche von 25 Prozent zu erhöhen, womit die Durchführung der ge­planten LohnsteurrsenkunaSaktion auf schnellstem Wege gewährleistet sein dürfte, so daß vielleicht schon mit dem Inkrafttreten der neuen Rege­lung für den 1. August zu rechnen ist. wird nicht uninteressant sein, zu erfahren, daß diese Steuersenkung immerhin einen Ausfall von 100 Millionen Mark an dem Steuerein­kommen betragen würde. In welcher Form dieser Ausfall wieder ausgeglichen werden wird, steht noch dahin. Aach dem letzten Haushaltsplan, den Reichssinanzminister Dr. Kohler vorlegte, war eine solche Steuersenkung für unmöglich erklärt worden. Die Lex Brüning, deren Voraus­setzungen jetzt allerdings erfüllt sind, gibt der gaiuen Aktion Wohl die rechtliche Degründimg. Leider war Brüning selbst in der Sitzung nicht anwesend, so daß noch abgewartet werden muß,

bigte Meliorattonskreditaktion verzögert werde. In der Tat hat die von der Deutschen Rentenbankkreditanstalt geplante Ausland- a n l e i h e für Meliorationszwecke bisher noch nicht auf genommen werden können, weil die Verhältnisse am amerikanischen Kapitalmarkt derart gelagert waren, daß die Rentenbank­kreditanstalt sich nicht zum Abschluß der An­leihe entschließen konnte. ES darf aber jetzt mit dem Abschluß einer Teilanleihe in nächster Zeit gerechnet werden, lieber die Unter­nehmen. für die die Zinsverbilligung bewilligt werden soll, ist mit sämtlichen in Be­tracht kommenden Ländern bereits eine Eini­gung erzielt. In dringlichen Fällen hat bisher die Deutsche Bodenkultur-A. G. nach Möglich- leit mit Darlehen ousgeholsen.

Der Nationalfeiertag.

Der Gesetzentwurf im Reichstag eingebracht.

Berlin. 6. Juli. (WT2.) Dem Reichstage ist jetzt der vom Reichsrat bereits beschloffene Entwurf eines Gesetzes über den Rational- f e t e r t a g zugegangen. Er tragt die Unterschrift deS neuen Reichsinnenministers Severing und steht auf der Tagesordnung der Dienstagssihung des Reichstages. Der Entwurf hat folgenden Wortlaut:

§ 1 Rationalfeiertag des deutschen Voltes ift bei '11. August als Ve r f assung s t a g. Er ist Fest- oder allgemeiner Feiertag tm Sinne reichs- und landesrechtlicher Vorschriften.

8 2 Am Rationalfeiertag sind alle öffentlichen Gebäude in den Reichs färben zu be­flaggen. In allen Schulen sind für Lehrer und Schüler verbindliche, der Bedeutung deS Ta­ges entsvrechende Feiern zu veranstalten Fallt der Rattonalfeiertag in die Schulferien, so fmoen diese Gedenkfeiern bei Schluß oder Wiederbeginn des Unterrichts statt. .

In der Begründung wird ausgeführt. In den letzten sechs Jahren sei der Tag stets von der Reichsregierung unter Beteiligung des Reichs­präsidenten und von der Mehrzahl der deutschen Länder durch Beflaggung der Dienstgebäude und Veranstaltung besonderer Feiern festlich begangen worden.

Einigung über die Amnestiefrage.

kommt eine Ermäßigung Der Rechtsausschuß wird sich Angelegenheit beschäftigen.

konnte, daß sie beteiligt gewesen seien. Alle Freigesprochenen und unter Zubilligung von Be­währungsfrist Bcturicilfen wurden sofort auf freien Fuß gesetzt.

Die Belgrader Kabinettskrisis.

Raditsch mit der Regierungsbildung beauftragt.

Belgrad, 5. Juli. (TU.) Stanvjewitsch, der Vizepräsident des Vollzugsausschusses der Radikalen Partei, hat dem König den Auftrag zur Kabinettsbildung zurückgegeben, nach­dem ihm Stefan Raditsch erLärt hatte, daß seine Partei jede Verbindung mit einem Vertreter der bisherigen Regierungsmehrheit a b» lehne Die kroatische Opposition will durch ihre Haltung offenkundig die Auflösung der Skupschtina erzwingen. In WehrheitSkreisen besteht man dagegen darauf, die wichtigsten Ge­setzentwürfe, so die Ratifizierung der Rettuno-Derträge, noch durch das alte Parlament verabschieden zu lasten. _ Rach dem Scheitern der Mission Stanojewllschs wurde heute nachmittag in Vertretung Stefan Ra - ditschS, der sich noch immer im Krankenhaus befindet, Wetofar P r i b i t s ch e w i t s ch in fast zweistündiger Audienz vom König empfan­gen. Der König übertrug gelegentlich dieser Audienz Stefan Raditsch bie Regierungsbil­dung. Pribitschewitsch überbrachte den Auftrag sofort Raditsch. Man nimmt jedoch in politi­schen Kreisen an, daß Raditsch die Bildung der Regierung, die mit der jetzigen Ratio­nalversammlung Weiterarbeiten soll, ab lehnen wird, da er an dem Standpunkt fest­halten werde, daß die bäuerlich-demokratische Koalition mit dem jetzigen Parlament nichts mehr zu tun haben will.

Derlin, 5. Juli. (TTl.) Der plötzliche Tod des belgische?'. FinanzmanneS Alfred Löwen stern erregt in berliner W i r t s ch a f t s k re i se n ungeheures Aufsehen und hat die Börse ft a r £ beeinflußt. Brsher hegen noch keine zuverlässigen Rachrichten darüber vor. ob es sich um einen 11 nglücksfal l oder um einen Selbstmord handelt. Vach allem, was ^nweieno, ,o oav nvu; uugviuuLcci wciw» über das Schicksal der l^^L^oßen finanziellen sich aus dazu zu sagen hat.

Transaktionen Löwensteins bdaimt Wrrd, ist die Annahme eines Selbstmordes Diel wahr- Oer neue Kurs,

scheinlicher. Löwenstein, der stark an der rnter- vva «vwy 5W**,*e

nationalen Kunsffeidenindustrie beteiligt war. Aussichten für Severrngs Personalpollttk wollte zuletzt für die Holdinas-Gesellschaft, in im ReichsiunenministerMM.

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käP riJ«n hielt iedvch Löwen- sehr bemerkenswerte Aeuherungen gemacht. In fcsssÄ«»: tot di- feines M

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maept hat. des ©taatäfefretär« dahin: Auf die Gefahr

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Brüssel 5. Juli. (211.) Der geheimnisvolle geben. In dem Reichsinnenministerium, dem Der- Tod des belaischen Finanzmannes Löwenstein fassungsministerrum, dem der Schutz der Republik hat in Brüssel allergrößtes Aufsehen erregt obliege, müsse er mehr fordern: Die Liebe In Brüsseler Finanzkreisen bespricht man viel zur Staatsform, dre LtebezurRepu- die Taffache, daß Löwenstein in letzter Zeit in b l i k. Wer in diesem Amt Verfastungsfragen be- finaivtelle Schwierigkeiten geraten war. Sein handele, müsse mit dem Herz e n b e i der Besuch in London, von dem er nun nicht Verfassung fern. Ohne eine solche tnnere mehr nach Brüssel zurückgekehrt ist, soll dem Einstellung sei eine gedeihliche Arbeit von den ^>weck gegolten haben, einen Kredit von 200 Beamten des Verfassungsminiftenums nicht zu Millionen zu erhalten, um entstandene erwarten. Man darf wohl annehmen, so fügt das Schwierigkeiten in Brüssel zu decken. Dieser Kre- Matt hinzu, daß der neue Reichsinnenminister btt soll ihm verweigert worden sein. Auch aus diesen Worten auch Konsequenzen für das Scheitern seiner Verhandlungen mit seine Personalpvlitik ziehen wird, dem deutschen G l anzst of f shnd ika t soll ihn sehr entmutigt haben. Auch m Brusteler VkS

Finanzkreisen ist bereits die Ansicht aufgetaucht,

daß Löwenstein Selbstmord begangen hat. Alle Rachforschungen nach dem Verbleib von Löwensteins Leiche sind bisher vergeblich gewesen. An der hiesigen Effektenbörse toirtlc Löwensteins Tod stark beunruhigend. Die von der Löwenstein-Gruppe abhängigen Werte erlitten beträchtliche Kurseinbuhen, und diese Baisse teilte sich auch den anderen Markt­gebieten mit. Besonders stark gedrückt waren Tubize und Heliopolis. Irn Verlaufe schien ein Hall in die Abwärtsbewegung zu kommen, und verschiedene Papiere vermochten einen Teil der anfänglichen Verluste wieder aufzuholen, dann überwog jedoch neuerdings das Angebot.

Freundin, seine Vertraute, seine ? | Beraterin. Sie war es, die deS 5 I haste Exaltationen niederhielt, die

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