Ausgabe 
6.6.1928
 
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zufrieden. Demgegenüber wies Oberbürgermeister Dr. Landmann darauf hin, daß jede Mes'e den Konjunkturschwankungen unterwor'en fei und man deshalb auch der Frankfurter Messe die Existenzberechtigung nicht absprechen dürfe. Sollte die Stao'.v rordnetenversammlung sich für die Abschaffung der Mele aussprechen. dann sehe sich der Magistrat gezwungen, die Herbst­messe lediglich aus dem Zuschuß des Reichs (100 000 Mk.) zu finanzieren. 3n der Abstim­mung wurde der vlntrag des Zentrums. die Messefrage nochmals im Ausschuß zu behandeln, abgelehnt und der sozialdemokratische Antrag mit 42 Stimmen der Sozialdemokraten. Kommunisten und Nationalsozialisten gegen 40 Stimmen der übrigen Parteien angenommen.

Oberheffen.

Landkreis ließen.

X Klein-Linden, 8. Juni. Nachdem die Blütezeit der Obstöaume vorüber ist, muß leider festgestellt werden, daß ein großer Teil der Blühen durch den Frost vernichtet wurde. Der Fruchtansatz an allen Spätsorten des Stein - und Kernobstes ist als mittel­mäßig bis schlecht zu bezeichnen. Früh­birnen zeigen vielfach einen besseren Behang, da zu deren Blütezeit warmes Wetter herrschte, Das Wintergetreide hat sich sehr gut entwickelt, auch die Sommerfrucht hat einen guten Stand. Auf trockenen Wiesen macht sich das Fehlen eines ausgiebigen Regens be­merkbar, wahrend in feuchteren Lagen ein guter Stand des Graswuchses besteht. Die Kar­toffeln haben sich gut entwickelt. Der erste Schnitt des deutschen Klees hat begonnen: die Besitzer von Kleestücken haben reichlich Grün- futter.

Lollar. 6. 3unl Die Buderus schen Eisenwerke, Wetzlar, schreiben uns unter Be­zugnahme aus den Bericht in Rr. 124 unseres Blattes folgendes!Die von 3hnen gebrachten Rachrichten über den ülmfang der Reubautätig- keit auf unserer Main-Wefer-Hütte in Lollar sind erheblich übertrieben, namentlich was die angebliche Errichtung eines neuen Hal- lenbaues mit Schmelzanlage angeht. Es sind le­diglich einige Um- bzw. Erweiterungsbauten kleineren Umfanges im Gonge, welche den Zweck einer besseren Aufteilung der Erzeugungsstätten haben. Sine nennenswerte Steigeruna der Er­zeugungsmöglichkeit wird dadurch nicht bedingt. Eb^sowenig sind planmäßige Geländeaufkäufe zwecks Wertserweiterung im Dange. Bei den in der letzten Zeit vorgenommenen Grundstücls- käulen handelt es sich um einen Gelegenheitser­werb. wie wir solchen bei günstiger Preisstellung für Grundstücke in für uns geeigneter Ortslage seit jeher betrieben haben. Der. Ausbau unserer Main-W-eser-Hütte ist nach Durchführung der laufenden Arbeiten zu einem gewissen Abschluß gelangt: die Bautätigkeit hat nach unserem Ein­druck ihren Höhepunkt überschritten, und die Aufnahmesähiakeit des Daumarktes für die Er­zeugnisse unserer Main-Weser-Hütte ist be­schränkt."

Lollar, ü. Juni. Dieser Tage fand in den Buderusschen Eisenwerken eine Alarm­übung der Werksfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr von Lollar statt, bei der die Schlagsertigkeit beider Wehren von Brandmeister Riegel (Wetzlar) geprüft werden sollte. Die Hebung zeigte die Wehren in rascher und umsichtiger Aktionsfähigkeit, bei der auch ein ver­ständnisvolles und gutes Zusammenarbeiten zwischen Werksfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr zutage trat. Noch einer Würdigung der Leistungen der Feuerwehren durch Direktor Iantzen und Brand­meister Riegel sand die Hebung ihr Ende

chAusderRabenau,5. Juni. Die wogenden Fruchtselder zeigen zur Zett ein prächtiges Aus- sehen. Winter- wie Sommerfrucht ver­sprechen eine gute Ernte. Bon der ersteren hat der Roggen bereits die Aehren gezogen, an vielen günstigen Stellen blüht er schon. Auch der Wetzen hat sich fast überall gut herausgebil­det: die mancherorts vorgekommenen Aus­winterungsschäden beeinträchtigen kaum das ein­heitliche, befriedigende Gesamtbild. Bon der Sommerfrucht kann ebenfalls berichtet werden, daß sie sich infolge der seitherigen günstigen Witterung recht gut entwickelt hat. Die Kar-

MMMMWkSSWsW.

Vornan von Edgar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig. 24. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Ihr Blick suchte die Tür. Sie reichte nicht ganz bis zum Boden. Durch die handbreite Spalte fiel ein matter Lichtschein von draußen. Sybil samnielte alle ihre Kräfte und ging schwankend zur Tür. Sie rüt­telte am Griff. Umsonst. Die Tür war verschlossen. Sie wandte sich um und starrte zum Fenster hin­auf. Es war nur eine Dachluke, unb sie lag fo hoch, daß sie auf einen Stuhl steigen mußte, um sie zu erreichen. Sie halte die Nachtlampe mitgenommen und beleuchtete die staubüberkrustete Scheibe. Es dauerte lange, ehe sie sich öffnen ließ. Als sie endlich oujsprang, war Sybll um eine Hoffnung ärmer. Die Luke war durch ein eisernes Gitter gesichert, das viel zu engmaschig war, als daß sie auch nur ihren Kopf hätte durchzwängen können.

Da hörte sie plötzlich schwere Schritte die Treppe herauskommen. Sie drückte das Fenster zu, sprang vom Stuhl herab und trug ihn ans Bett zurück. Draußen wurde der Riegel zurückgeschoben, der Schlüjsel ins Schloß aestcckt und zweimal herum- gedreht. Dann trat Cody herein.

Er hielt eine Aktenmappe in der Hand. Sein Ge­sicht zeigte einen besorgten Ausdruck.

,.Aoer liebes Kind," begann er schon aus der Schwelle, ,,was haben Sie uns für einen Schrecken eingejagt, leiden Sie öfter unter derartigen An- fäUcn?"

Sie starrte ihn an. Blitzartig begriff fie, worauf er hinaus wollte.

Anfällen .. .?" fragte sie lanagedehnt.

Nun ja, ich wähle noch eine sehr milde Bezeich­nung." Sein Ton kühlte sich merklich abIch will Ihnen keine Vorwürfe machen. Bewahre! Die Sün­den der Väter werden an den Kindern gerächt. Ist in Ihrer Familie vielleicht die Epilepsie erblich?"

Die uferlose Dreistigkeit dieses kleinen betulichen Mannes benahm Sybtl den Atem. Sie antwortete nicht.

,Lch will natürlich keineswegs behaupten, daß c» ausgesprochen epileptische Krämpfe waren", nahm Eody sogleich wieder das Wort.Das au beurteilen fehlen mir die psychiatrischen Kenntnisse. Aber ich denke mir, es muß Epilepsie sein, denn wie könnte man sonst ohne jeden äußeren Anlaß in Schrei- krämpse ausbrechen?"

tos sein, befonberd die frühen Sorten, sind recht schön aufgegangen

5 Wirberg, 5. Juni. Arn Sonntag fand in um ferm Kirchspiel ordentliche Kirchenvisitation durch den Superintendenten, Oberkirchenrat Weg­ner statt. Der Pfarrer predigte über Matth. 28, Vers 18 bis 20, von der Bedeutung der Taufe. Der Visitator legte seiner Ansprache 2. Kor. 13, L3 zu­grunde. Es schloß sich ein Jugendgotlesdienft an, in welchem der Pfarrer Iona 2 behandelte. Im An­schluß an den Gottesdienst sand auf dem Wirberg noch eine Sitzung der kirchlichen Körperfchaften von Reinhardshain und Göbelnrod statt, zugleich mit dem Gesamtkirchenoorstand und der Gejamtkirchen gemeindeoertretung. Es fand eine Aussprache über das kirchliche und religiös sttlliche Leben des Kirch­spiels statt. Der Visitator forderte zur Mitarbett auf. Der Pfarrer brachte Wünsche wegen der Wege und eines Telephonanichlusses vor und bat ebenfalls um Hilfe der Mitglieder bei seiner Arbeit. Nachmittags war in der Kirche zu Harbach noch ein Gottesdienst. Der Pfarrer predigte über Iona 1 und behandelte dieses Kapitel in dem Iugendgottesdienst. Der Visi­tator hiett eine Ansprache an die Gemeinde, und nach dem Gottesdienst fand noch eine Aussprache mit dem Kirchenoorstand und der Gemeindevertretung Harbach statt. Der Montag brachte die Einsicht­nahme in den Religionsunterricht der Schulen Bel­tershain, Göbelnrod, Harbach und Reinhardshain durch den Superintendenten.

% Grünberg. 5. 3unt 3n der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde u. a. fol- gendes beschlossen: Der Gemeinderat setzt die Baufluchtlinie in der Londorf er Straße vom Wohnhaus des Karl Schönhals bis zum Wohnhaus deis Daniel Leister so fest, wie sie vom Kreisamt Gießen in dem Lage­plan des Bermessungsamles Grünberg vom 15. März 1928 feftgelcgt wurde. Peter Rock wurde zum Bau des Wohnhauses für H. Krumm ein Teil seines Gartens, den er von der Stadt Grünberg in Pacht hat, genommen. Aus diesem Grunde wird ihm die Hälfte der Pachtsumme erlassen. - Der Gemeinderat be­schließt einen Zuschuß in Höhe von 350 Mark zu den Kosten der Teerung der Orts­durchfahrt für die Provinzialstraße zu be­willigen, falls die Stadt hierzu gesetzlich ver­pflichtet ist. Da die gesetzliche Verpflichtung von feiten des Gemeinderates in Zweifel gezogen wird, soll die Entscheidung des Provinzialaus­schusses in dieser Angelegenheit eingeholt wer­den. Landtagsabgeordneter Studienrat Mau­rer -Lauterbach teilt der Bürgermeisterei in einem Rundschreiben mit. daß er die Einlegung eines E i l z u g p a a r e s für die Strecke Gie­ßen Fulda bzw. Fulda- Gießen bei der Direktion der Reichsbahn in Frankfurt a. M. durch den hessischen Landtag beantragen will. Er bittet um Mitteilung und Stellungnahme zu dem beabsichtigten Antrag Der Gemeinderat begrüßt diese Anregung. Studienrat Maurer soll zustim­mend geschrieben werden.

s. Utphe, 5.3uni. Hier ereignete sich ein Unglücksfall, der leicht noch schlimmere Folgen hätte gaben können. Zwei Frankfurter Herren, die in Trais-Horloff einen Feuerlösch.» apparat vorgeführt hatten, wollten mit ihrem Motorrad wieder nach Frankfurt zurücklehren. Am Dorfeingang von Utphe wollten sie das Holzfuhrwcrk eines hiesigen Landwirts links überholen in der Annahme, daß dieser zum Dorf hineinfahre. 3m gleichen Augenblick jedoch beab­sichtigte der Landwirt, in einen vor dem ersten Hause links abzweigenden Feldweg einzrcbiegen. Der Lenker des Motorrades bremste sofort stark, wodurch die Maschine unmittelbar neben den Pferden stürzte und der Mitfahrer her­abgeschleudert wurde. Wahrend der Lenker mit dem Schrecken davonkam, trug sein Begleiter starke Gesichtsverletzungen und eine Gehirnerschütterung davon. Ein herbei« aeruienes Auto brachte beide, samt der stark beschädigten Maschine nach Frankfurt. Zum Glück war der Sturz nach der den Pferden abgewand­ten Seite erfolgt.

Mveiö Ariedberg.

Friedberg, 5.3unt Heber die Ar­beitsmarktlage ist zu berichten: Die Zahl der Unter st ützungsempfänger ist iu der letzten Hälfte des Mai im Bezirk wieder ge­stiegen. Insbesondere sind Entlassungen im

Sybil mußte mit aller Kraft an sich halten. Am I liebsten wäre sie diesem Fuchs an die Gurgel ge» fahren. Aber still, still. Sie war ihrer Mutter schul- | big, daß sie ihre traurige Lage nicht noch weiter verdarb.

Ich kann mick durchaus an keine Schreikrämpfe erinnern", sagte sie mit einer Stimme, die wie eine Glocke ausschwang.

Eody legte die Aktenmappe auf den Tisch und ent­nahm ihr einen Bogen Papier. Dazu nickte er kum­mervoll wie eine chinesische Pagode.

Dachte ich es mir doch Bewußtseinsstörung, Gedächtnisschwund erstes Stadium der Epllepsie, das zweite ist Tobsucht!"

Sybil ballte dic Hände, daß sie die Schärfe der Nägel in der Handfläche spürte. Sie richtete sich auf.

Geben Sie den Weg frei", sagte fie.Ich wünsche Ihr Haus sofort zu verlassen!"

Cody ftelüe sich vor die Tur.

Gemach, gemach, junge Dame, vorerst harren noch einige kleine rechtliche Förmlichkeiten der Erle­digung."

Er nahm einen Füllfederhalter aus feiner Westen­tasche und schraubte ihn umständlich ein. Dann strich er mit der Hand glättend über den Konzeptbogen.

Sic sind frei, wenn Sie das unterzeichnen", sagte er und deutete auf das engbeschriebene Papier.

Sie streckte die Hand nach dem Bogen aus, den er sofort wieder zurückzog.

Sie werden begreifen," jagte er in dozierendem Ton, ohne das junge Mädchen dabei anzusehen,daß Sie mich durch Ihre Hysterie in eine Zwangslage versetzt gaben. Ich lade Sie zu einer hochwichtigen Besprechung ein. Beim ersten Wort bekommen Sie Schreikrämpfe, wälzen sich in Zuckungen auf dem Sofa. Ich trage Sie in diese Kammer und schließe Sie ein, um Sie gegen sich selber zu schützen. Eine Multer kann nicht mehr für Ihr Kind tun. So west ganz schön, aber meine Frau meint mit Recht, daß hysterische junge Damen mitunter an merkwürdigen Zwangsvorstellungen leiden. Vielleicht, jagt fie, setzt sich Miß Lansdown in den Kopf, wir hatten Gift in ihren Tee gemischt und sie gegen ihren Willen hier festgehalten. Was können wir später gegen eine solche irrtümliche Darstellung tun? Nichts! Man würde uns nicht glauben. Staatsanwälte haben die Eigen- tümlichkeil, immer von ihren Mitmenschen das Schlimmste anzunehmen. Sie werden mir nicht ver­argen, wenn id) beizeiten solchen Möglichkeiten vor- beuge Ich habe daher eine Erklärung aufgesetzt, die mich von lebem Vorwurf sreispricht. Setzen Sie

Metallgewerbe zu verzeichnen, die trotz Dermitt- lung in Landwtrtschat und Baugewerbe im alten Umfang und Rückgang der Arae slosen in diesen Beru.en eine Erhöhung der Gesamtzahl der Unterstützungsempfänger hervorgerufen haben. Es waren am 1.3uni vorhanden 1295 Empfänger der Arbeitslosenunterstützung, davon 1017 ün Kreis Friedberg and 278 im Kreis Büdingen, außerdem 57 Krisenunterstützungsempfänger im Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg. 5. 3uni. Das Manu­fakturwaren- und Konfektionsge­schäft Mayer 3- Hirsch in Friedberg begeht am 6. 3uni des Fest des 100jährigen Be­stehens.

Mrcie Büdingen.

]:[ Usenborn. 5 3uni. Am Sonntag fand in feierlicher Weise die Einweihung des Chrendenkmals für die 22 Ge allenen des Weltkrieges aus unserem Orte statt. Um 2 Ufcr stellte sich unter Borantritt der Ortenbergcr Feuerwehrkapelle ein großer Trauerzug auf, an dem acht Kriegervereine teilnahmen. Unter Glockengeläute der beiden Kirchen und unter den Klängen eines Lrauermarsches setzte er sich in Bewegung. An der Spitze marschierten die Schul­kinder. @3 folgten der Gemeinderat. die Der- treter der Behörde, die Angehörigen der Ge­fallenen und die Vereine. Beim Denkmal ange- kommen. spielte die Kapelle zuerst das »Rieder- ländische Dankgebet". Hieraus hielt Pfarrer Lucius von der altlutherischen Gemeinde eine Ansprache mit dem Inhalt, dic teuren Toten nicht zu verges en. Tann fang der Gesangverein,Lieder­kranz" eine Motette zum Gedächtnis der Ge­fallenen: »Wie find die Helden gelallen?" Run folgte die Weihcrcdc von P'arrer Werner von unserer Landeskirche. 3n geistvoller Weise stellte er das Denkmal als Sinnbild des Friedens dar und ermahnte besonders die nachkommenden Generationen, das Denkmal nicht zu vergessen. Während die Hülle siel, wurde das Lied »Ich hatt' einen Kameraden" gespielt, t?m die Trauer­gemeinde entblößten Hauptes zuharte. Rach dem Vortrage eines Gedichtes durch jrL Lina Ger­hard übergab Herr Hans K ö d d i n g, Gießen, der Schöpfer des Denkmals, dieses der Gemeinde, und Bürgermeister Müller übernahm es mit warmen Worten des Dankes in die Obhut der Gemeinde. Zwischendurch lang der »Gemischte Ehor" der altluth. Gemeinde die beiden Lieder »Ruhet wohl, ihr Toten" und den 126. Psalm. Rach der Abgabe der Ehrensalve tarnen die üblichen Ansprachen und Kranzniederlegungen. Danach schloß der gemeinsame Gesang des Liedes ..Ein' feste Burg" Vers 1 u. 2 die wohlgelungene Feier stimmungsvoll ab.

Kreis Schotten.

5. Lallbach, 5. Juni. Heber das Ehrenmal für unsere Gefallenen dürften noch fol­gende Mitteilungen von allgemeinem Interesse sein: Bei der ganzen Anlage ist Gewicht auf schlichte, aber eindringliche Wirkung gelegt. Im Mittelpunkt steht eine große Soldatenftgur von einem architek­tonischen Umbau umgeben, der von zwölf Stein­pfeilern mit Mauerwerk gebildet wird. Die Pfeiler werden von einer Balkenlage überdeckt und zusam­mengehalten. Ursprünglich war ein anderer Einbau vorgesehen. Da dieser jedoch die Figur zu beengend umschloß und von bestimmten Seiten her außerdem die Figur nicht günstig von Mauern überschritten worden wäre, machten sich gegenüber dem ur­sprünglichen Entwurfsmodell Abänderungen not- wendig. In seiner endgültigen Gestaltung hat das Ehrenmal wesentlich an Größe und Wirkung ge­wonnen. Der Schöpfer desfelben, Kunstbildhauer Wilh. Arnold (Allendorf a. d. Lda ), besten siche- res Gefühl für architektonische Einfügung und Aus­nutzung örtlicher Gegebenheiten man bei all feinen Ehrenmalen bemerkt, hat auch hierin einen guten Griff getan. Zwischen den Pfeilern ergeben sich wechseloolle Durchblicke auf den Schloßpark, an dessen Rand das Denkmal errichtet ist, sowie auf den Teich und die Straße. Bei der Soldatenfigur, die inmitten des pfeilerumschlofsenen, von Bäumen überdachten Ehrenraumes aufragt, ist auf alles Bei- werk und auf jede sentimentale Geste verzichtet und nur das rein Menschliche betont. Gerade diese Schlichtheit läßt diese Figur als wahre Derkörpe- rung unserer Gefallenen empfinden. Der niedrige Sockel trägt das Laubacher Wappen mit den Jah-

Ihren Namen darunter mein Auto bringt Sie sofort nach Hause."

Ich denke, meine Mutter war bereits auf dem Wege hierher?" fragte Sybil, die sich diesen Hieb mit blanker Waffe nicht versagen konnte.

Cody war auf solchen Einwand gefaßt gewesen.

Ich habe sie noch telephonisch erreichen können und ftc gebeten, von ihrem Besuch abzusehen", pa­rierte er geschickt.Das Auto ist noch nicht zurück, aber es muß jeden Augenblick da sein."

Kann ich die Erklärung lesen?" fragte sic.

Wozu? Das würde zu weit führen. Die Zeit drängt. Unterschreiben Sie!"

Es ist ein bißchen viel verlangt, daß ich selber meine Geistesgestörtheit bescheinigen soll", sagte Sybil und trat einen Schritt zurück.

Das sollen Sie durchaus nicht! Wer spricht da­von? Was Sie unterschreiben sollen, ist nichts wei­ter als ein Zeugnis für meine absolute Unversehrt­heit und die Ehrcnhaftip'.ll und Sorgfalt meiner Handlungsweise!"

Warum soll ich es bann nicht durchlesen?"

Einfach deswegen, weil die Phraseologie des Juristen jeder Frau fremd ist. Sie würden dies und jenes nicht verstehen, das würde zu Mißver- ftänbniffen und Erörterungen führen. Kommen Sie! Lasten Sie mich nicht langer warten. Ich habe Aufregung genug burch Sie gehabt. Meine Frau bar sich mit schwerer nervöser Ueberreizung ins Bett gelegt. Ich muß ins Dorf unb einen Arzt holen.

Er ließ einen Tropfen Tinte in die goldene Feder laufen und reichte Sybil mit überredendem Lächeln den Halter.

Sie näherte sich dem Tstck und sah jetzt, daß der Bogen mit sehr kleinen Schreibmaschinentypen be­deckt war. Als er ihren Blick sah, legte er rasch seine Hand über die Schrift Mit der anderen beu­tete er stumm auf eine freie Stelle. Schon wollte sie bie Feber ansetzen, denn sie war von dem Wunsch bcseett, ihre Freiheit wiederzugewinnen, gleichgül­tig, um welchen Preis ihres Stolzes. Da los fie zwischen seinen gespreizten Fingern eine verdäch­tige Zeile:

Sollte die besagte Sydil Lansdown vor dem besagten Bertram Cody sterben, so . -

Nein, sagte fie ruhig unb fest,ich unterschreibe prinzipiell nur, was ich Durber geprüft unb gelesen habe.

Da fiel die Maske von seinem Gesich ab seine Kinnlaben verschoben sich, feine Lippen entblößten

reszahlen 19141918 und die Inschrift:Gedenket derer, die für uns kämpften, litten und starben.'" An den Pfeilern befanden sich Schrift platten den Namen der 70 Gefallenen unserer Stabt Fiaur, Sockel unb Namenplatten finb aus Muschelkalk her- gestellt. Die Maurerarbeiten wurden von der hie- ficen Firma Rühl, das schmiedeeiserne, kunstvolle Tor von Schmiedemeister Kopp, die Zimmer­arbeiten von Zimmcrmeister Franz und die Weihbinderarbeilen von Deißbindermeister Löwer von hier unter Leitung des Künstlers ausgeführt Es laßt sich nunmehr erkennen, daß er wohl daran tat, die uralten, zum Teil mit Efeu umrankten Parkbäume trotz mancher Gegnerschaft zu erhallen.

nßflubatb. 5. Juni. Am Sonntag "r lernahm der hiesige Zweigverein des Vogels­berger Höhenclubs unter Führung von Stadtrechner Schmidt seine 6. Wanderung in diesem Dereinsjahr 3n zahlreicher Wa-derschar martchierte man 9 ilfct morgens vorn Ä.anfen* Hause ab. zunächst durch den .Duchwald" zum »Alten Heuweg", dann durch das .Tiefe TaT auf bc*- linken Seite des SeenbachS zur Alten- bain-S^jttener Straße. Don der vorderen Kuppe des »Fockenhain" bot sich ein herrlicher Fernblick in die Gießener Gegend. Insbesondere der Düns- berg hob sich malerisch von feiner Umgebung ab. Hieraul ging es zum .Petershainer-Hof . wo bei Förster Repp fröhliche Einkehr gehalten wurde. Den Rückweg nahm man über die Betzen- rödcr Höhe, von wo man Gelegenheit hatte das Schottener Auto-Rennen zu beobachten. Hieraus langte man über die .Haurteiler" und das Sorgenlos (der Stä te eines früheren 3agd- schlosses unweit der Wetterquelle' um 7 Uhr wieder im Heimatstädtchen an. 3n der H a u p t- versammlung des Laubacher Dor* fchuß-Bereins. die im »Colmfer Hof ftatt- fand, konnte eine Steigerung des Gesamtumsatzes von 5,1 Millionen Mark in 1926 auf über 9,5 Millionen Mark in 1927 sestgesteHt werden. Die Reserven sind auf 18 000 Mark an- gewachsen: die Ge amthastsurnme der Mitglieder betrug Ende 1927 : 298 000 Mark. Ts wurde ein Reingewinn von 4623,74 Mark erzielt. Die Bilanz schließt mit 56) 037.57 Mark ab Die Mitgliederzahl hat sich seit 1926 von 200 auf 203 erhöht.

i Stümpert enrod, 5. 3unt Bei schön­stem Wetter fand am Sonntag in dem zwischen Stumpertenrod, Zeilbach und Unterseibertenrod gelegenen Zeilwald das sogenannte Z e i l to a Id - f e st statt, ein christliches Wald est. da» alljähr­lich in dieser Zeit unter der Leitung des in der Dorskirchenbewegung weithin bekannten P'arrers Georgi aus Ermenrod veranstaltet wird. Hauptredner war in diesem 3abre der Prälat unserer Landeskirche. Professor t). Dr. Diehl. Er sprach über das Thema.Uotjeit Gottes­zeit". 3m ersten Teile seines Vortrages führte er in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück, in diese furchtbare Rotzeit, die auch unsere Gegend heimsuchte. 3n anschaulicher Weise zeigte der Redner die furchtbaren Röte dieser Zeit, die hervorgerufen waren durch die Grausamkeit der verrohten Soldateska, durch die Pest deS 3ahreS 1635. durch die Hungersnot des Jahres 1636 und durch die religiösen Bedrückungen, bei denen gar viele ihres Glaubens wegen S>ab und Gut ver­loren. Diese Rotzeit war eine Segenszeit Es entstanden z. B. die schönsten Lieder unseres Ge­sangbuches, zu denen auch wir oft greifen, wenn wir in Rot Trost und Kraft suchen. 3n einem zweiten Vortrage behandelte dann der Redner in sehr eindrucksvoller Weise die Frage, waS wir aus dieser Rotzeit der Vergangenheit für unsere Gegenwart lernen könnten. Die ganze Feier war umrahmt von Liedern der Gemeinde, des Frauen­chors Windhaufen, des Gesangvereins Elvenrvd, des Männerchors Ermenrod und von Musik­stücken des PosaunenchorS ilnterfeibertenrob.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

WSR. Wetzlar, 5. 3uni. Die Spar - lasse der Stadt Wetzlar beging am 1.3uni ihr 25 i übrige« Bestehen. Si» hätte schon 1835 in die Erscheinung treten können, und damit hätte Wetzlar eine der ältesten Sparkassen gehabt, wenn dieser Plan nicht an der alten Wetzlarer Hypothekenverfassung ge­scheitert wäre. So wurde erst 1857 die Kreis-

bie gelben Zähne, bie Augen versanken in bie ßib spalte. Er war nicht mehr ber joviale, rebegeroanbte alte Herr, er war ber verstockte, in Sünben er­graute Verbrecher, ber vor keiner Niedertracht zu- rückschreat.

Hnterschreiben Sie," brüllte er Sie an,ober ich gebe Ihnen Veranlassung, Ihre Weigerung zu bereuen!"

Ich unterschreibe nicht. Bemühen Sie sich nicht länger", sagte sie kost unb ablehnend.

Da riß er das Dokument vom Tisch und warf es in die Mappe.

Diesen Moment hatte fie erspäht. Mit einem Sprung war sie an ber Tür. Schon hatte sie die Hand am Griff. Da packte er sie am Gelenk und schleuderte sie so kräftig zurück, daß sie zu Boden stürzte

Er sah sie höhnisch an. Er gab sich keine Mühe mehr, sich zu verstellen.

jjier bleiben Sie, bis Sie kirre geworden sind, mein Fräulein Ich habe Jett, i<h kann warten. Ob Sic warten können, ist eine andere Frage Denn Ihre Vernunft Ihnen nicht den einzigen Weg jur Rettung zeigt, wird der Hunger es tun müßen.

Er warf die Tür ins Schloß unb drehte den Schlüssel um. Seine Schritte verloren sich auf der Treppe Sybll war allein.

Eine Zeitlang war sie zu gelahmt, um irgend einen klaren Gedanken zu fassen. Dann ober mei­sterte sie allmählich ihre zuckenden Nerven und versuchte ihre Lage zu übersehen. Sie hoftte auf Dick. Er war der einzige Posten, den sie auf ihrer Kreditseite hatte. Er stellte zwischen den bösen unb den guten Mächten ihres Schicksals den Ausgleich her Gewiß, er würde sie finden und retten, ehe sie ber Hunger zermürbt hatte. Vor allen Dinaen mußte sic Cody verhindern, die Kammer gu betre­ten. während sie womöglich vom Schlaf überwäl­tigt lag. Sie versuchte, den Schrank vor die lür au rücken, aber er war zu schwer. Run stellte sie oen Tisch davor, hob den Waschständer hinauf und stemmte ihn so gegen die Klinke, daß sie eingeklemmt und nicht zu bewegen war. Dann warf sie ich er- schöpft auf die Matratze Wie ein Panther umschlich sie der Schlaf. Sie versuchte, ihm zu entgehen Der« zweisell rezitierte sie Gedichte, sprach das Erhöbet, bas kleine Einmaleins, cs half nichts. Mitten in einer Multiplikation verschwommen ihre Gedanken, löste sich alles in wesenloses Nichts auf.

(Fortsetzung folgt)