Ausgabe 
6.6.1928
 
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ar. 151 Erster Blatt

(78. Jahrgang

Mittwoch. 6. Juni 1928

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2 Rerchs»arli und 20 ^eidtspfeweig ftr Trüge» lohn, auch bei 5Hd)ter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer (Btwalt Fernjprechanf chlüsse: 61. M und 112

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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sämtlich in Giesten

IsiuWm spricht über den anßenpoliüschen Kurs Italiens.

Vie faszistischeWeltmacht.

Rom. 6.3uni. (DB.) Mussolini entwickelte in der heutigen Sitzung des Senat» ein ausführliches Bild der auswärtigen Politik Italiens. Er führte u.a. aus. Italien fei heute eine Weltmacht, es habe heute Interessen, die nicht auf einen bestimm­ten Abschnitt oder (Erbteil beschränkt seien. Darauf besprach er die Beziehungen zu verschiedenen Lön» dem.

Die Beziehungen mit Deutschland feien herzlich. E» bestehe ein Handelsvertrag mit Deutschland, dessen Vorteile während der Inftabili- tdt der italienischen Währung nicht völlig abgeschätzt werden könnte, ferner ein Vergleichs» und Schieds- qerichtsadkommen. Die Beziehungen zwischen den beiden Völkern könnten unendlich viel besser sein, wenn die Sympathie, die in früheren Zeiten zwi­schen ihnen herrschte, und die sozusagen, naturgege­ben war. heute nicht eine Einouße erlitten hätte durch die Handlungsweise gewisser unverantwort­licher Kreise, die den grotesken Anspruch erheben, sich in innerpolitische Fragen Ita­liens einmischen zu wollen. Wenn diese Wolken, wie ich wünsche, zerltreut sein werden, bann könnte bie Zusammenarbeit ber beiben Völker schon allein auf wirtsck^ftlichem Gebiet imposante Ergebnisse zeitigen. Wie ich hinzusügen müßte, haben sich bie Beziehungen in den letzten Monaten gebessert. Der Empfang, der General Nobile in Siolp unb in ganz Deutschland zuteil würbe, hat in der öffent­lichen Meinung Italiens den herzlichsten Widerhall gesunden.

Krankreich

habe in der Nachkriegszeit die Forderungen Italiens nicht wohlwollend ausgenom­men. Derzeit hab« sich die Lage um vieles ge­bessert. Nus dem Wege der Klärung und der Stabilisierung der politischen Beziehungen zwi­schen den beiden groben Nationen habe man ein beträchtliches Stück Weg zurückgelegt. AIS strit­tige Punkte nannte er die Stellung Italiens in Tanger, die Frage der Italiener in Tunis und die Berichtigung der Westgrenze von Tri­polis. Ändere Fragen habe man zurückgestellt, um daS Gelingen dieser Verhandlungen nicht zu gefährden. Die inzwischen in den Tanger-Ver­handlungen erreichten Zugeständnisse an Italien bezeichnete Mussolini al- zusriedenstel- l e n d unb alS einen vollen diplomatischen Erfolg.

Unsere Beziehungen zu Ungarn

haben in der letzten Zeit einen besonder- hohen Grad von Herzlichkeit erreicht. Ungarn, dessen ehemaliger Premierminister Tisza den Äricq nicht gewollt hat, hat unter den Folgen deS Kriegs gan,) besonders hart zu leiden ge­habt. Zwischen Italien und Ungarn haben jahr­hundertelang Fr eundschat^beziehun-en bestanden. Nach den Wechselfällen der Nachkriegszeit hat Ungarn den Versuch gemacht, aus seiner Isolierung herauszutreten. Don Loya­lität und Uneigennützigkeit beseelt hat 3 t alien ihm dazu die Hand geboten. Ein förm­liches diplomatisches Äktenstück, das im Jahre 1927 unterzeichnet worden ist, hat die Freund­schaft zwischen den beiden 0361 fern feierlich be­siegelt. Die italienische Freundschaft hat sich be­tätigt bei der Herbeiführung der Beendigung der MiUtärkontrolle in Ungarn, bei der tragikomi­schen Episode der Zerstörung der Maschinen­gewehre. in der Optantensrage und in den Er­leichterungen. die Ungarn im Hafen von Fiume eingeräumt worden sind. Ungarn kann auf die FreundschaftItalienszählen. Der FriedenLvertrag von Trianon hat allzusehr ins lebendige Fleisch geschnitten. DaS ungarische Dolk verdient ein besseres Schicksal."

Musselin! widmete dann eine eingehende Dar­stellung den

Beziehungen zu Jugoslawien

wobei er u. a. sagte: Ich bin der Ueberzeugung. baß zwischen zwei Staaten, bie gemeinsame Grenzen haben, bie Beziehungen immer einen ausge- sprochenen Charakter tragen müssen, ent- weber den ber Freundschaft ober ben der Feind- schäft. Italien hat sich grundsätzlich zu einer Politik ber Freundschaft bekannt, hat sic gegenüber Jugoslawien betrieben unb wollte ihr in dem 23er- trag von 1924 bie letzte Weihe geben. Dieser Ver­trag wurde im Jahre 1925 durch die Nc11uno - Konvention ergänzt, die zu beiderseitiger Zu- friedenheit die sehr komplizierten und wichtigen mit den Beziehungen ber beiden Mächte im Zusammen­hang stehenden Angelegenheiten regelten. Seit drei Jahren wartet Italien auf die Ratifikation durch Jugoslawien. Italien beabsichtigt keineswegs sich in die im parlamentarischen Leben eines Nach­barstaates eintretenben Wechselfälle zu vertiefen, aber es kagn seine eigene auswärtige Politik diesen Wechseln unb Schwankungen nicht unterordnen. Ita­lien ist außerdem genötigt festzustellen, daß es dem Vertrag von 1924 nicht gelungen ist. jene geistige Atmosphäre zu schaffen, die allein bewerkstel­ligen kann, daß die Freundschaft, den Bezirk der offiziellen Protokolle verlassend, in das innere Leben der beteiligten Völker übergeht. In sehr vielen firei­fen Jugoslawiens überlasten sich sogar Leute, bie selbst im politischen Leben eine verantwortliche Stel­lung bekleiden, der Hetze gegen Italien. Ein alter kroatischer Abgeordneter, ein Mann, der vielleicht em zukünftiger Minister ist, hat vor kurzem eine

Rede gehalten. diezumfirieggegenJtalien aufforderte, und in der er sich die Prophezeiung ge­stattete, der Waffenstillstand werbe in Venedig un- ter,zeichnet werben.

Dies allcd verbindet sich mit völliger Llnwissen- heit über die tatsächlichen Zustände im faszistischen Italien und mit so maßlosen Bekundungen deS Größenwahns. daß sie auf eine politische Kinderei hinauSlaufm. AuS diesem Milieu der Selbstüberhebung und des Llnverständnistes erklären sich ofme weitere- Dorsälle wie die letzten in Spalato. Sebenico und Ägram, die außerordentlich schwer genannt werden müssen, einmal wegen der dabei vorgekommenen Gewalttätigkeiten und Zerstörungen, und ander­seits besonder-, weil sie nicht etwa durch an­gebliche Zwischenfälle in Zara, die niemals vorgekommen sind, oder durch das Der­balten italienischer Studenten hervorgerulen wor­den sind, denn da- Derhalten der italienischen Studenten war, wie es sich für Mitglieder eine- großen Dolkes gehört, von vollendeter Disziplin, sondern durch nichts veran­laßt worden waren, al- durch die einfache Mit­teilung, daß der jugoslawische Minister deS Äeußern. Marinkowitsch. dank seines Mutes und seine- guten Willen- sich entschlossen habe, die Konvention von Nettuno dem Parlament zu unterbreiten.

Die jugoslawische Negierung hat ® u t - machung der Schäden zugesagt und vom diplo­matischen GesichtSpurckt aus kann deshalb der Zwischenfall al- erledigt betrachtet werden. Man kann sogar in dieser raschen und loyalen Annahme der italienischen Forderungen ein Zei­

chen des guten Willen- sehen, von dem der Minister deS Auswärtigen. Marinkowitsch, be­seelt ist, und ebenso ein Zeichen dafür, daß er gewillt ist, die Freundscha'tspvlitik neu zu be­leben. die Italien seinerseits ehrlich zu befolgen bestrebt ist. nicht allein im Interesse der beiden Staaten, sondern auch im Interesse des euro­päischen Friedens.

Oie Geißel Südtirols.

Ein Kongretz italienischer Lehrer der Provinz Bozcn.

Bozen, 5. Juni. ($U.) In Bozen tagte ein Kongreß der in Südtirol tätigen italienischen Lehrer, an dem etwa 600 Personen teilnahmen. Zarabona stellte mit Befriedigung fest, daß von 800 Schulklassen in den Volksschulen Südtirols nur noch 20 deutsch seien. In den Mittelschulen unb_ den klösterlichen Anstalten gehe wohl das Nänke- schmieden der Deutschen (1) weiter, doch würden auch diese Schwierigkeiten über­wunden werden. Am Schluß der Derhandlun- gen wurde an Turati folgendes Telegramm abgesandt: ..600 österreichische Studenten haben sich in Innsbruck als Dorhut deS Deutschtums er­klärt. 600 italienische Lehrer haben heute bekräftigt, daß das Deutschtum in der Provinz D o z e n nicht leben kann. Sie versprechen, ihr Werk mit jedem Tag mehr zu vertiefen, damit auch die tiefsten Wur­zeln des ausländischen Einflusses ausgerot­tet werden."

Oie Genfer Ratstagung.

Voreilige Ausblicke.

Don unserer Berliner Redaktion.

B e r l i n, 6. 3uni Noch ist die diesmalige sogenannte Jubiläums-Tagung des Dölkerbunds- rat- im Anfang der ersten Besprechungen und schon ergeben sich eine garue Anzahl von Zei­tungen oes 3n- und Auslandes in Kommen­taren, die wohl zu einem Teil ihre Berechti­gung haben, im wesentlichen aber bei weitem über die tatsächlichen Zusammenhänge hin aus- schießen und dadurch in Kombinationen enden, die. zur Zeit toenigftcnä, keinerlei Aussicht auf eine Verwirklichung haben. Veranlassung zu all diesen Kommentaren hat namentlich eine Erklä­rung des französischen Delegierten P a u l - D o n- cour gegeben, der entsprechend feiner alten Einstellung nicht davon ablassen konnte, wieder einmal mit seinen alten Plänen verstärkter 3n- vestigation, erhöhter Kompetenz des Nats - vräsidenten und dem noch heute so be­liebten Ost-Locarno auszuwarten. An und für sich find wir derartige französische Manöver ja zur Genüge gewohnt wir wissen auch, daß Herr Paul-Boncour immer wieder mit diesem Thema aus warten wird. Da nun diesmal ohne die Koryphäen der Locarno-Politik Themen auf der Tagesordnung stehen, die immerhin schon einige Veranlassung geben, die französischen Thesen erneut auszutischen, war eS nicht zu ver­wundern. daß der französische Dorstoß wieder einmal lanciert wurde.

Das alte Inoestigationsproblem, bie 6 t. Gott- Harb-Affäre unb ber litauisch-polnische Konflikt werben beshatb, obwohl sie nur höchst sekundär mit ben französischen Thesen zu tun haben, immer roicbcr so ausgewalzt, daß man eine beliebte Grundlage für b n Angriff zu finden vermag. Der litauische Ministerpräsident muß mit ungleichen Waffen kämpfen. Das steht fest, denn es gibt wohl heute kaum einen Menschen in der Welt, der auch nur bezweifelt, baß Professor Wolbemaros unter­liegen werbe. Vielmehr sinb sich alle klar, bah ber polnische Standpunkt von ben führenden Großmächten England unb Frankreich g e st ü tz t wirb. Es wäre aber verfehlt, wollte man hieraus nun schon schließen, baß auf biese Weise bas Ost- Locarno beschleunigt werben soll. Wohl spekuliert man damit, wohl versucht man, jeden Anlaß aus­zunutzen, um bie Notwendigkeit des Ost Locarnos zu begründen, aber schließlich kann man dasselbe doch nicht durch einen Zwang Herstellen, der doch nur geeignet wäre, das Gegenteil von dem zu er­reichen, was er erreichen soll.

Mit einem Wort: es wirb biesmal wahrscheinlich recht viel nebenbei über bie Probleme Frank­reichs gerebet werben. Für Deutschlanb tommt_ es deshalb darauf an, immer wieder auf die tatsäch­lichen 23erhältnisie zurückzuweisen. Die Stellung, bie wir einzunehmen haben, ist keineswegs eine ein­fache. Das gesamte Ostproblem ist in seiner Bcbeu- tung unb im Hinblick auf seine Schwierigkeit in fei­ner Weise mit dem bes Westens zu vergleichen. Hier liegt auch alles noch völlig unge­klärt. Aber gerabe deshalb gib es, mit erhöh- ter Wachsamkeit bie Entwicklung ber Dinge verfolgen. Unb ebenso liegt es mit ber Frage des Inoestigationsverfahrens. Man kann nur immer wieder darauf Hinweisen, daß es sich am St. Gotthard um kein Investigationsoerfahren han­delt, und auch niemals sich um ein solches handeln . konnte. Für Deutschland ist febenfäUs ber Staub- punkt in dieser Frage klar. Und was nun schließ­lich bie Vermehrung der Kompetenz

des Ratspräsidenten betrifft, so ist diese Ibee, bie anscheinenb auch von B r i a n b auszu- gehen scheint, zunächst wenigstens mehr ein Manö­ver, fehlen boch bis jetzt jebwebe konkreten Dor- schlage. Diesmal wirb es unb bas barf man nicht vergeßen zu keiner Lösung all ber Pro­bleme kommen. Im Herbst tagt die Vollversamm­lung, bis bahin gilt es beshalb mit erhöhter Inten- fität auf eine Klärung hinzuarbeiten, um im Not- falle gerüstet zu fein, unb eventuell Vorstößen ent­gegentreten zu können.

Besprechungen Schuberts.

Tie schlesische Minderhcitcnschule. Ter Lptantenftrcit.

Gens, 5. Juni. ($11.) 3m Laufe des DienS- tagnachmittags haben zahlreiche Einzelunter- teoungen zwischen dm Ministern unb Delegierten stattgefunden. Staatssekretär von Schu­bert besuchte dm holländischen Außenminister Delärts van Blockland, um mit ihm die Regelung der oberschlesischen Schul- fragen zu erörtern. Der holländische Außen­minister ist Mitglied des hierfür vom Rat ein­gesetzten Dreier-Ausschusses, der ver­suchen soll, eine grundsätzliche Lösung der Frage des Besuches der deutschen Minderheitenschulen in Ostoberschlesien zu s Inden. Der Antrag des Deutschen Dollsbundes toegen der Minderheiten- schule in Dirtultau gilt hierbei als der Schul- sall. an dessen Beispiel die Frage grundsätzlich geklärt werden soll. Nach der Entscheidung des Einzelsalles sollen dann auch die übrigen An­träge des Deutschen DolkSbundes über ben Be­such der Minderheitenschulen geregelt werden. Diese Frage wird gegenwärtig in EinzclauS- sprachen zwischen der deutschen Delegation unb ben Mitgliedern des Drei er-Komitees geprüft.

Später empfing Staatssekretär o. Schubert ben Besuch bes ungarischen Außenminister Walk*. Wie aus ungarischer Quelle mitgeteilt wirb, will man von französischer Seite bie rumänische unb bie un­garische Regierung durch einen Ratsbeschluß er­suchen, unter Hinzuziehung neutraler Persönlich­keiten bie unmittelbaren Verhandlun­gen über ben Optanten ft reit roleber auf- zunehmen. Es scheint, baß hierfür ber griech sche Delegierte Politis in Aussicht genommen ist Die ungarische Regierung wirb jedoch einen solchen Vor­schlag, sowohl grundsätzlich rose auch wegen ber Per- |on bes griechischen Delegierten ablehnen mit dem Hinweis auf die bisherige Ergebnislosigkeit ber jahrelangen unmittelbaren Verhandlungen mit Ru­mänien. Die ungarische Regierung wirb stattdessen die Durchführung ber Bestimmungen bes Vertrages von Trianon unb Einsetzung eines Schieds­richters an Stelle bes zurückgezogenen rumäni­schen Schiedsrichters fordern.

Am späten Nachmittag fand ferner eine Unter- rcdung zwischen Staatssekretär v. Schubert unb Paul-Boncour, dem französischen Delegierten, statt, in der die gesamten schwebenden Fragen, die polnisch-litauischen Beziehungen, die oberschlesische Schulfrage, ber ungarische Optantenstreit, ber Zwi­schenfall von St. Gotthard unb bie Frage der Erweiterung ber Machtbefugnisse bes Ratspräsiden­ten erörtert wurden.

Das Schicksal Tschangisolms.

London, 5. Juni. (TLl.) In London lag am Dienstagabend noch leine amtliche Be­stätigung der Nachrichten über den Tod

Tschangtsolin- vor. Die letzten amtlichen Mit­teilungen sprechen von geringfügigen Verwundungen des Marschal s bei bem Bvnrbenanschlag. Auch die führende japanifch« Nachrichtenagentur meldete gleichzeitig, daß die Gerüchte über den Tod Tschangtsolin- noch nicht bestätigt seien. Nach ihren Srkundi- gungen sei der Marschall noch am Leben. Sem Befinden sei zufriedenstellend.

Das Neichslabinett lehnt die Tariferhöhung ab.

Tic Antwort der Reichdrestierung auf den «ntrag brr Rcichdbaßnstefellschast

Berlin, 5. Juni. (IDIB.) Die Rcidjstcgierung hat ben Antrag der Keich,bahngesellschaft auf Tarif­erhöhung in wiederholten eingehenben Beratungen einer grünblichen Prüfung unterzogen. Sie Hal ins- bcsonbere auch bie Antwort ber Reichsbahn auf ihre Rückfragen vom 21. v. TH. ernstlich gewürdigt. Hknn die Beichsregierung auch nicht verkennt, daß die Finanzlage der Relchsbahngesellschaft eine gewiße Spannung zeigt, so hat sie doch au» den Unter­lagen nicht die lieber,eugu ng gewinnen können, daß die beantragte LrhöhungderPer- jonen- und Gütertarife sich bereits jetzt a I» unumgänglich notwendig er­weist. Vie Entwicklung der für die Entscheidung maß­gebenden Verhältnisse im taufenden Geschäftsjahr ist nach ihrer Ansicht noch nicht genügend zu übersehen, um zu einer Maßnahme zu greifet^ die gegenüber der Allgemeinwirtschaft nur beim Borliegen eines äußersten Notstandes vertreten wer­den kann. Insbesondere liegen keine hin­reichenden Gründe für die Annahme vor. daß die In den ersten fünf Monaten d. 3. erzielten Mehr­einnahmen von 85 Millionen gegenüber 1927 durch Mindereinnahmen In den restlichen Monaten des 3ahres ganz ober zum größeren Teil wieder aufgezehrt werden. Vas Rekbsfabinetf war da­her einstimmig der Ansicht, daß jur Zeit dem An­trag auf Tariferhöhung nicht zugestImmt wer­den kann. Es erklärt sich jedoch bereit alsbald in er­neute Verhandlungen mit der Relchsbahngesellschaft einzutreten, wenn die finanzielle Lage, insbesondere wenn die Einnahmeentwicklnng der nächsten Monate es erfordert

Die veichsregierung erklärt sich ferner geneigt alsbald in Verhandlungen mit ber Gesellschaft dar­über einwfreten, wie Mittet und Wege gesunden werden können, um ihr für ben Rest bes Geschäfts­jahres 1928 bie weitere Hereinnahme stärkerer Kapitalmittel zu sichern, unb sie ist bes weiteren grunbsätzlich bereit, mit ber Reichs­bahn schon jetzt eine Vereinbarung über bie Tilgung ber firebite zu treffen, beten Lasten sich über ben 1. Januar 1965 hinaus erstrecken.

Erregte Zinanzdebatte im pariser Senat.

Poincar«; zur Krantenstabilisierung.

Paris, 5. Juni. sWTB) 3m französischen Senat kommt es über die Frage der Wäh­rungsstabilisierung zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen dem radikalen Se­nator Hery und PoincarL. H6ry erklärt, die Dank von Frankreich sei schuld daran, daß heute eine zügellose Spekulation ein­gesetzt habe, die eine gradlinige Preissteige­rung Hervorrufen werde Die Dank von Frank­reich veröffentliche unverständliche, schleierha'te Ziffern über dir De träge ausländischer Devisen, die auf dem Pariser Markt angeboten und auf» gekauft seien, und deren 'Betrag bis zu 45 Mil­liarden angegeben werde Der Finanzausschuß müs'e sofort hierüber unterrichtet werden, und der Gouverneur der Dank von Frankreich habe die Derpslichtuntz, einen Bericht zu erstatten. .Wir haben Befürchtungen, die tragisch wer­den können", ruft Senator Hery aus.

Poincarä entgegnet in erregtem Tone, die Interpellation des Senators Hcry könne weder an die Adresse des Finanzausschusses, noch an diejenige des Gouverneurs der Dank von Frank­reich. derBeamter sei, gerichtet fein, äleberdies seien die von ihm angeführten Zahlen un­richtig. Es sei eine große Ungeschick­lichkeit, hier im Senat gefährlicheBehaup­tungen auszustellen, die alle Spekulanten morgen gegen die französischen Finanzen ausnuhen könnten.

Der Senator HHrh ruft dazwischen, die am meisten ernst zu nehmenden Tageszeitungen be­haupteten. die Banf von Frankreich habe f ü r 30 Milliarden Devisen gegen sofortige Zahlung und für 15 Milliarden Devisen auf Termin gekauft, die in den Wochenausweisen der Dank nicht in Erscheinung träten. Poincars protestiert gegen die Unterstellung, daß die Ziffern der Dank nicht richtig feien. Die Operationen der Dank seien legal, und sie hätten es gestattet, die de-facto-Stabi- Hf ietung herbeizuführen, die man seit 18 Mo-