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Verkündigungsblatt .?r enthält: Merteljahres- nahmen und Ausgaben deS wr Provinz Oberheffen. - ier. - Das Ergebnis der - Die Tagung des Der- schichtsforscher. - Dienst-

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Nr. 235 (Elftes Blatt

178. Jahrgang

Zreitag, 5. Oktober 1928

Erschein! lügliL.cmtzrr Sonntag» en» Feiertag»

Beilagen:

(Bießtner ftamiltenblfltiti Heimat im Bild

Di» Scholle

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2 Reichsmark unb 20 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bet Nichter­scheinen «tnzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse:

51, 54 unb UL

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehe», posischeckkonlo:

gtanffurt am Main 11688.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Vrvck «nd Verlag: vrühl'sche Untverfilütr-Vuch. and Stctnörnderei U. Lange tu Stehen. Schrtstlettung und SeschSstrftelle: Zchulftrahe 7.

Lnuahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig, für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20 mehr.

Chefredakteur

Dr Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Äurt Hillmann. sämtlich in Gießen

Das Genfer Ergebnis.

Die Verhandlungen im Auswärtigen Ausschuß.

Berlin, 5. Oft. (DDZ.) Der Auswärtig« Ausschuß des Reichstages setzte in Gegenwart deS Reichskanzlers Müller und des Staats­sekretärs v. Schubert die allgemeine Aus­sprache über die Genfer Räumungs- und Abrüstungsverhandlungen fort. An der Aus­sprache beteiligten sich die Abg. Dernburg (D.), Stöcker (Ä_), Dr. Kaas ($.), Dr. Bredt (WP.), Emminger (DD.) und Crispin (S.). Abg. von Lindeiner-Wildau (Dn.) kritisierte die Haltung der deutschen Delegation in Warschau bei den Handelsvertragsverhandlungen mit Polen. Staatssekretär v. Schubert stellte verschiedene Ausführungen des Vorredners richtig.

Es wurde dann über verschiedene Anträge und Entschließungen abgestimmt. Unter Ableh­nung eines kommunistischen Antrages, der der Re­gierung wegen ihrer Haltung in Gens das Miß­trauen aussprechen sollte, wurde eine Entschlie­ßung der Deutschen Dolkspartei, des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei, der Sozialdemo­kraten, der Demokraten und der Wirtschafts- Partei angenommen, worin der Auswärtige Aus­schuß der deutschen Delegation für die in Genf geleistete Arbeit seinen Dank ausspricht. Der Ausschuß bedauert jedoch, daß die beiden großen, das deutsche Volk in allen seinen Schichten be­wegenden Fragen der Räumung desAhein- l a n des und der Ab st un g, nicht so ge­fördert worden sind, wie es Deutschland aus rechtlichen und politischen Gründen erwarten konnte. Der Ausschuß ersucht die Reichsregierung, entsprechend ihrer bisherigen Haltung auch fernerhin auf beschleunigte und befrie­digende Lösung dieser Fragen hinzuwirken. Außerdem wurde eine Entschließung derselben Parteien mit folgenden! Wortlaut angenommen: Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages gibt feiner Besorgnis über die Entwicklung der Lage der Minderheiten Ausdruck. Er fordert die deutsche Regierung auf, im Völkerbund dafür einzutreten, daß die für die Befriedung der Völker so bedeutungsvolle Frage des Schuhes der Minderheiten verstärkte Aufmerk- samkeft und Sorge sindet."

Schlechte Aussichten für die Räumung.

Mit der Neparationsfrage verknüpft.

London, 4. Oft. (TU.) Rach Abschluß der Besprechung der deutschen Reichsregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder wird in diplomatischen Kreisen mit der Möglichkeit der baldigen Ll e be r s e n d u n g einer deut­schen Rote cm Großbritannien, Frankreich, Italien. Japan und Belgien gerechnet, in der die Einleitung von Räumungsver­handlungen vorgeschlagen wird. Rach Auf­fassung des®aiü) Telegraph" werden die Ver­handlungen sehr schwierig sein, da die deut­sche Regierung jede ausländische Lleber- wachung des Rheinlandes ablehne, die über den 10. Ianuar 1935 hinausgehe und Poincare auf Reparationszahlungen bestehe, die groß genug seien, um die ge­samten Kosten für denWiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs zu decken und für die Abtragung der gesamten fran­zösischen Kriegsschulden an England und Amerika ausreichten. Präsident Cvolidge und Schahsekretär Mellon wiederum lehnten jede Verminderung der französischen Schulden an Amerika a b. Unter diesen Umständen sei es schwierig, eine schnelle und endgültige Lösung der Reparationsfrage zu ermöglichen, die mit der gewünschten Räumung ver­knüpft sei. In Pariser Berichten wird mit der Möglichkeit einer Zusammenkunft der Finanz­sachverständigen Deutschlands und der alliierten Mächte in Paris anfang Dezember gerechnet.

Aufs falsche Pferd gesetzt.

Amerikanische Enttäuschung.

Washington, 4. Oft. (WB.)Philadel­phia Public Ledger" kommt in einem Leitartikel von neuem auf den Plan Poincares zu sprechen, demzufolge die 2lll>ierten von Deutschland die Gesamtsumme der alliierten Kriegsschulden und dazu einen angemessenen Betrag für den Wieder­aufbau der zerstörten Gebiete in Frankreich er­halten müßten. Das Blatt, das den Plan Poin- cares in seinen Grundzügen billigt, erklärt, unter einem angemessenen Betrag verstehe es die Höhe der Zinslasten, die Frankreich für d.e für den Wiederaufbau aufgewandten (Summen zahlen müsse. Damit solle Frankreich sich zu­friedengeben, die Festsetzung der Gesa-mtschuld Deutschlands müsse in der Weise erfolgen, daß Deutschland sie in 62 Jahren abtragen könne.

DieDetroit Rews" nehmen in einem Leit­artikel zur Abrüstungsfrage Stellung und er­klären, daß Frankreich zwar den Kellvggpakt unterzeichne 1 h be, ab.rseinLandheernicht beschränken wolle. Wilson habe ganz recht gehabt, als er ein Jahr nach feiner Rückkehr von Versailles sagte:Ich glaube, wir haben aufs falsche Pferd gesetzt.

Der Flug desGraf Zeppelin" und das Ausland.

Zweierlei Meinung in England.

Freundliche Einladung und Kriegspsychose.

London, 4. Oft. (TU.) Der erfolgreiche Probe­flug des .Graf Zeppelin" wird vom .Daily Telegraph" in einem Leitartikel gewürdigt. Vor vier Iahren, als das Flugzeug mehr und mehr den Luftverkehr in Deutschland zu be­herrschen begann, habe eine Schließung der Luftschiffwerft in Friedrichshafen unvermeidlich geschienen. Aber Dr. Eckener habe es verstanden, das Werk des Grafen Zeppelin zu erhalten. Auf Einladung des britischen Luftfahrtministe- riums sollte das Luftschiff Großbritannien einen Besuch abstatten. Man habe auch erwartet, daß es in einem britischen Luftschiffhafen landen werde. Diese Einladung bleibe bestehen; da nur ungünstige Wetterbedingungen Dr. Eckener zu einer Kursänderung veranlaßt hätten. Rach die­sem Probeflug bestehe kaum noch ein Zweifel, daß .Graf Zeppelin" das erste Luftschiff sein werde, das in den regelmäßigen Uebersee- dienst eingestellt werde.

Das Blatt bezeichnet das Wiederaufleben der Zeppelinluftschiffe zu friedlichen Zwecken als ein Beispiel für die bewundernswürdige technische ßeiftung Deutschlands.

Im Gegensatz zu diesen freundlichen Ausfüh­rungen steht ein gereizter Artikel derM o r - ningPost", die schreibt: Wir wissen nicht, was die Veranlassung dazu gab, uns, England, eine solche Erinnerung an diefurchtbaren Kriegsereignisse zukommen zu lassen. Aber der Besuch erscheint uns nicht als takt­voll zu einer Zeit, da man uns versichert daß die Geistesverfassung Deutschlands sich vollkom­men geändert habe und daß jede Vorsichtsmaß­regel unnötig sei. Da noch immer Zeppeline ge­baut werden und da sie offenbar noch immer unsere Küste entlang gesteuert werden können, ist es wichtig, unsere Verteidigungs­einrichtungen nicht zu vernachlässigen.

Der Klug über das besetzte Gebiet.

Die französifcheBesatzuugsbehörde moniert.

Friedrichshafen, 4. Ott. (WB.) Wie der Sonderberichterstatter des WTB. erfährt, hat die französische Desatzungsbehörde darauf aufmerksam gemacht, daß derGraf Zep­pelin" auf seiner letzten Fahrt über Wies­baden gefahren sei, obwohl die Ueberfllegung des besetzten Gebietes nach den Bestimmungen nicht gestattet sei. Dr. Eckener hat dem Reichsverkehrsministerium darauf mitgeteilt, daß me-teoro logische Gründe ihn gezwungen haben, den Kurs über Wiesbaden zu nehmen. Es ist anzunehmen, daß die Angelegenheit damit erledigt ist. Uebrigens istGraf Zeppelin" auf seiner Fahrt den Rhein entlang voneinem französischen Flugzeug begleitet worden.

Amerika rüstet sich zum Empfang.

Großes Interesse für die Probefahrt desGraf Zeppelin".

Reuhork, 4. Oft (TU.) Die Probefahrt des ©raf Zeppelin" hat hier das allergrößte Interesse geweckt die Rachrichten hierüber werden von den Blättern in großer Aufmachung wiedergeben. Rewyork Herold er flaut, es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß, wenn der

Zeppelin den Ozean überfliege, sich das öftent- liche Interesse wieder dem Luftschiff zuwenden würde, das seit Kriegsende vernachlässigt worden sei. Der Zeppelin fülle eine Lücke aus, die das Flugzeug nicht überwinden könne. Es sei anzunehmen, daß bei der in nächster Zu­kunft bevorstehenden Einrichtung des übersee­ischen Handels-Luftdienstes das Luft­schiff vor dem Flugzeug den Vorrang haben werde. DerAmerikan" bezeichnet den Zeppelin als einen neuen Triumph deutschen. Unterneh­mungsgeistes.

Der Luftschiffhafen in Lakehurst ist zum Empfang desGraf Zeppelin" bereit. Die Luftschifthalle ist zur Aufnahme des Zeppelins groß genug, auch wennLos Angeles" darin bleibt. Wahrscheinlich wird dieLos Angeles" jedoch nach Texas fliegen, vorausgesetzt, daß die Wetterverhältnisse es ihr nicht gestatten, dem Zeppelin entgegenzufliegea. Bei der Landung desGraf Zeppelin" werden 317 Marinssoldaten behilflich sein. Eine weitere Kompagnie ist je­doch angefordert. Anwesend werden die höchsten Vertreter der Marinebehörden, darunter vielleicht auch Marinesekretär Wilbur, fein.

Gimm auf dem Atlantik.

Schlechte Aussichten für die Amerikafahrt.

London, 4. Oft. (TU.) Auf der direkten Schiff­fahrtsstraße zwischen England und Amerika herrscht nach verschiedenen Schiffsfunksprüchen seit über 24 Stunden ein Sturm, wie man ihn seit drei Jahren in diesem Teil des Ozeans nicht mehr erlebt hat. Auf einem Gebiet von annähernd 67000 Quadrat­kilometer rast der Sturm aus allen Richtungen. Der Cunard-DsmpferCarrania" berichtet von einem Standort 1100 Meilen westlich er Irland von Win­den in einer Stärke, die sich mit den Orkanen ver­gleichen lassen, die kürzlich in Amerika und auf den westindischen Inseln so riesigen Schaden angerkhtei haben. Die gegenwärtigen Wetteroerhältnisse sollen dieFolgeneinessehrflachenTiefs sein, das sich langsam in ostlicherRichtung bewegt. Wettersachverständige sind der Auffassung, daß dieses Tief die Folge der kürzlichen Tornados in Ame- rika ist. Man glaubt, daß der Höhepunkt erreicht werden wird, bevor das Tief die europäische Küste erreicht.

Was ist Blaugas?

Das geheimnisvolle Trcibgas des neuen Luftschiffs.

De.i be-n Flügen des neuen Zeppelin h-ai das sogenannte Blaugas eine wichtige Rolle ge­spielt, denn mit ihm ist zum ersten Male ein Luft­schiff mit Gas angetrieben worden und zwar, wie es aus den Aeußerungen Dr. Eckeners her- vbrgeht, zur vollen Zufriedenheit der beteiligten Techniker und Chemiker. In Publi­kumskreisen herrscht allerdings über das Wesen dieses neuen Detriebsgases noch ziemliche Un­klarheit, so daß es angebracht scheint, einmal die Eigenschaften des Blaugases aufzuzeigen. Das Blaugas ist ein Aethytengas mit der chemischen einfachen Formel C2 H4 und ist ungefähr ebenso schwer wie Luft. Aethylen ist ein Kohlen­wasserstoffgas, das bei der Trockendestil- latton von Steinkohle, Holz und anderen organi­schen Substanzen en-tsteht und somit einenScii des Leuchtgases bildet. Das wesentliche dabei nun aber ist, daß es als Kraftstoff für Verbrennungsmotoren benutzt werden kann und daß es infolge seines Gewichtsverhältnisses von günstigem Einfluß auf die Manövrierfähig­keit eines tenkbaren Luftschiffes ist. Da nun aber auch der Heizwert eines Kubikmeters Blaugas, also die Wärmemenge, die bei der Verbrennung entsteht, höher als der von anderen Betriebs­stoffen ist, so zeigt das allein schon einen we­sentlichen Vorteil. Darüber hinaus bedeutet aber auch die Verwendung von Blaugas einen nicht unerheblichen wivtischaftlichen Vorteil der Ver­wendung von anderen Brennstoffen gegenüber. Iedes verbrannte Kilogramm Benzin nämlich erleichtert das Schiff und es muß nach einiger Zeit ein Ausgleich zwischen Traggas­mengen und Last erfolgen, damit das Schiff seine FahÄ- und Steuereigsnschaften behält. Dieser Ausgleich ist nur möglich, indem man das kost­bare Wasserstoffgas a b b l a f e n läfrt, und zwar in großen Mengen. Der der Verwendung des Blaugases als Betriebsstoff kann nun aber das Gewicht des verbrauchten Gases, weil es genau so schwer wie Lust ist, einfach durch Luft er­setzt werden, und die Rotwendigkeit, teueres Traggas abz-ublasen, fällt somit fort Unb darin liegt die größte Bedeutung des neuen Blaugases.

Heuer Skandal am mimischen Königshof.

Oer Liebesroman des Prinzen Molaus.Ln den Fußstapfen seines Bruders.

B u b a p e ft, 4. Ott. (Prlv. Tel.)Pesti Naplo" veröffentlicht eine aus Großwardein datierte Mel­dung, wonach in Rumänien Gerüchte darüber im Umlauf seien, daß der 25jährige Prinz R i f a - laus, Mitglied des Regentschaftsrates und Vor­mund des minderjährigen Königs Michael, der jüngere Bruder des' Exkronprinzen Carol, mit einer jungen Aristokratin aus Rumänien heimlich nach dem Aus­land g e r e i st ist. Der Prinz befand sich seit län­gerer Zeit nicht mehr in Rumänien, seine Abwesen­heit fiel aber nicht auf, da man erklärte, der Prinz habe sich zwecks Erholung ins Ausland be­geben. wie das Blatt weiter berichtet, hat Prinz Rikolaus mit seiner Geliebten in Paris beim Exkronprinzen Earol Absteigequar­tier genommen. Der neue Liebesroman des königlichen Hauses Hal in politischen Kreisen Be­stürzung hervorgerufen. Den Blättern wurde streng­stens verboten, über die Angelegenheit zu berichten.

Die ausländischen Telephon- und Telegraphenver­bindungen, sowie die Post werden einer strengen Kontrolle unterworfen.

Der rumänische hos, die beiden übrigen Mitglie­der des Regentschaftsrates und die Regierung geben sich alle Mühe, um den Liebesroman des Prinzen Rikolaus geheimzuhalten. Rach Paris wur­den Kuriere an den Prinzen entsandt und die Königinwitwe Marte hat in einem Brief den Prinzen Rikolaus gebeten, sofort nach Bukarest zu- rückzukehre n. Dieser Brief blieb aber unbe­antwortet. Die Königin-Witwe soll auch an den Exkronprinzen einen Brief gerichtet haben mit der Bitte, er möge seinen Bruder überreden, nach Ru­mänien zurückzukehren. Rikolaus soll denn auch tat­sächlich, nach einem Funkspruch aus Paris, die fran­zösische Hauptstadt nach einem Besuch bei (tarol verlassen haben, um, wie man in Paris an­nimmt, nach Rumänien zurückzukehren.

Reue Steuern.

Die Pläne des Reichsfinanzminisiers Hilferding.

Eigene Drahtmelbung desGießener Anzeigers^.

Berlin, 5. Oft. Roch bevor das Reichs­finanzministerium die für das Budget von 1929 notwendigen Steuererhöhungen bekannt- gegeben hat, setzt bereits der Kampf um die an­geblichen Pläne der Finanzverwaltung ein. Im Vordergrund der Angrif'e, die schon jetzt eine Vorahnung von dem geben, was geschieht, wenn Dr. Hilferding seinen bisherigen Ab ichten ent­sprechend im Rovember mit seiner neuen Steuer­politik herauskommt, steht die Frage der 'Bier- steuererhohung. Besonders von ba eri'cher Seite werden zahlreiche Stimmen gegen eine Er­höhung der Biersteuer, die eine beträchtliche Steigerung um 200 bis 300 Prozent er­fahren soll, laut Es tarnt gar kein Zwei e! sein, daß die mit einer solchen Erhöhung verbundene Drosselung des Einkaufs vonWeizen u n d G e r st e sich auch irgendwie auf die Land­wirtschaft gewi, er Gebiete Deutschlands aus- wirken muh. Aber andererseits steht der Finanz- minister vor der Rotwendigkeit, die Eingänge des Staatshaushaltes zu erhöhen, und da die Einkommensteuer, wie überhaupt alle direkten Kapitalertragssteuern, für diesen Zweck darüber ist man sich wohl in Deutschland einig so gut wie gar nicht in Betracht kom­men, bleiben kaum irgendwelche anderen Aus­wege offen. Zudem ist noch zu berücksichttgen, daß die deutsche Bier- und Alkoholsteuer im

Vergleich zu anderen Ländern, wie z. D. England, wesentlich geringer ist.

Als weitere Quelle für die Erhöhung der Ein­nahmen steht zur Zeit im .Finanzministerium, wie wir erfahren, noch das Branntwein­monopol, das bisher vom Reichstag noch nicht erledigt wurde, immer noch zur Diskussion. 5>er Kampf, ob der alte Gesetzentwurf in unver­änderter Form beibehalten werden soll, oder ob entscheidende Rrformen vorgenommen werden, hat noch keinen Abschluß gefunden. Allem Anschein nach wird man auf jeden Fall das Monopolgeseh von 1926 mit scharfen Bestimmungen ausstatten, die die bestehenden Lücken schließen und besonders die immer noch wahrscheinlich sehr umfangreiche Steuerhinterziehung aus diesem Gebiete verhin­dern sollen. Eine Entscheidung über Diersteuer und Dranntweinmonopolgefetz wird aber erst Ende des Monats fallen, da der Staatssekretär Dr. P o p i tz von seinem Urlaub noch nicht zurück­gekehrt ist und der Minister ohne diesen kaum endgültige Beschlüsse fassen wird.

Oie Kommunaiwahlen in Preußen.

Berlin, 4. Ott. (VDZ.) 2m Gemeindeausschuß des Preußischen Landtags war am Mittwoch bereits beschlossen worden, daß die Wahlen für die kommu­nalen Körperschaften im Herbst 1929 bis zum 1. Ok­tober stattfinden sollen. 2n Zukunft soll grundsätzlich für sämtliche Wahlen ein einheitlicher Termin maßgebend sein. Ferner soll in bestimm- ten Fällen, wenn die Wahlzeit für die P r o v i n - Aia llandtage ein Fahr vor dem regelmäßigen Ablauf beendet wird, die Neuwahl auch für die ab­schließende Periode gelten, so daß sie in diesem Falle

fünf 2ahre betragen wurde. Für die Guts- bezirke wird der Minister des 2nnern als zu­ständiges Organ noch Bestimmungen treffen.

Das Volksbegehren

-es Stahlhelms.

Eine erläuternde Erklärung.

Berlin, 4. Oft. (S.U.) Rach einer Mit­teilung derKreuzzeitung" beschräntt sich der Verfassungskampf desStahlhelms" auf die Ver­stärkung der Macht des Reichspräsidenten und die Begrenzung der Immunität der Abgeordne­ten. Die Erklärung des Stahlhelms hat nach derKreuzzeitung" hierzu folgenden Wortlaut: Wir fordern erstens Verstärkung der Macht des Reichspräsidenten, dahin­gehend, daß er allein Minister ernennt und ent­läßt und daß der Einfluß des Parla­ments auf d i e Regierung aus­geschaltet wird. Wir begründen diese Forde­rung mit dem Hinweis darauf, daß in anderen demokratischen Staaten, welche eine unab­hängige Regierung haben, dieses System sich als das weitaus bessere erwiesen hat. Wir for­dern zweitens, daß die Immunität der Abgeordneten begrenzt wird, wenn es sich um Landesverrat, Meineid, Sittlichkeits-und Eigentumsverbrechen handelt. Wir begründen diese Forderung damit, daß wir ein anstän­diges Parlament haben wollen. Das alles ist so klar und einleuchtend, daß uns die Stö­rungsversuche unserer Gegner kalt lassen. Wir gehen unseren Weig unbeirrt weiter. Wir be«