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Nr. 235 (Elftes Blatt
178. Jahrgang
Zreitag, 5. Oktober 1928
Erschein! lügliL.cmtzrr Sonntag» en» Feiertag»
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General-Anzeiger für Oberheffen
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Chefredakteur
Dr Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Äurt Hillmann. sämtlich in Gießen
Das Genfer Ergebnis.
Die Verhandlungen im Auswärtigen Ausschuß.
Berlin, 5. Oft. (DDZ.) Der Auswärtig« Ausschuß des Reichstages setzte in Gegenwart deS Reichskanzlers Müller und des Staatssekretärs v. Schubert die allgemeine Aussprache über die Genfer Räumungs- und Abrüstungsverhandlungen fort. An der Aussprache beteiligten sich die Abg. Dernburg (D.), Stöcker (Ä_), Dr. Kaas ($.), Dr. Bredt (WP.), Emminger (DD.) und Crispin (S.). Abg. von Lindeiner-Wildau (Dn.) kritisierte die Haltung der deutschen Delegation in Warschau bei den Handelsvertragsverhandlungen mit Polen. Staatssekretär v. Schubert stellte verschiedene Ausführungen des Vorredners richtig.
Es wurde dann über verschiedene Anträge und Entschließungen abgestimmt. Unter Ablehnung eines kommunistischen Antrages, der der Regierung wegen ihrer Haltung in Gens das Mißtrauen aussprechen sollte, wurde eine Entschließung der Deutschen Dolkspartei, des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei, der Sozialdemokraten, der Demokraten und der Wirtschafts- Partei angenommen, worin der Auswärtige Ausschuß der deutschen Delegation für die in Genf geleistete Arbeit seinen Dank ausspricht. Der Ausschuß bedauert jedoch, daß die beiden großen, das deutsche Volk in allen seinen Schichten bewegenden Fragen der Räumung desAhein- l a n des und der Ab rü st un g, nicht so gefördert worden sind, wie es Deutschland aus rechtlichen und politischen Gründen erwarten konnte. Der Ausschuß ersucht die Reichsregierung, entsprechend ihrer bisherigen Haltung auch fernerhin auf beschleunigte und befriedigende Lösung dieser Fragen hinzuwirken. — Außerdem wurde eine Entschließung derselben Parteien mit folgenden! Wortlaut angenommen: „Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages gibt feiner Besorgnis über die Entwicklung der Lage der Minderheiten Ausdruck. Er fordert die deutsche Regierung auf, im Völkerbund dafür einzutreten, daß die für die Befriedung der Völker so bedeutungsvolle Frage des Schuhes der Minderheiten verstärkte Aufmerk- samkeft und Sorge sindet."
Schlechte Aussichten für die Räumung.
Mit der Neparationsfrage verknüpft.
London, 4. Oft. (TU.) Rach Abschluß der Besprechung der deutschen Reichsregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder wird in diplomatischen Kreisen mit der Möglichkeit der baldigen Ll e be r s e n d u n g einer deutschen Rote cm Großbritannien, Frankreich, Italien. Japan und Belgien gerechnet, in der die Einleitung von Räumungsverhandlungen vorgeschlagen wird. Rach Auffassung des „®aiü) Telegraph" werden die Verhandlungen sehr schwierig sein, da die deutsche Regierung jede ausländische Lleber- wachung des Rheinlandes ablehne, die über den 10. Ianuar 1935 hinausgehe und Poincare auf Reparationszahlungen bestehe, die groß genug seien, um die gesamten Kosten für denWiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs zu decken und für die Abtragung der gesamten französischen Kriegsschulden an England und Amerika ausreichten. Präsident Cvolidge und Schahsekretär Mellon wiederum lehnten jede Verminderung der französischen Schulden an Amerika a b. Unter diesen Umständen sei es schwierig, eine schnelle und endgültige Lösung der Reparationsfrage zu ermöglichen, die mit der gewünschten Räumung verknüpft sei. In Pariser Berichten wird mit der Möglichkeit einer Zusammenkunft der Finanzsachverständigen Deutschlands und der alliierten Mächte in Paris anfang Dezember gerechnet.
Aufs falsche Pferd gesetzt.
Amerikanische Enttäuschung.
Washington, 4. Oft. (WB.) „Philadelphia Public Ledger" kommt in einem Leitartikel von neuem auf den Plan Poincares zu sprechen, demzufolge die 2lll>ierten von Deutschland die Gesamtsumme der alliierten Kriegsschulden und dazu einen angemessenen Betrag für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete in Frankreich erhalten müßten. Das Blatt, das den Plan Poin- cares in seinen Grundzügen billigt, erklärt, unter einem angemessenen Betrag verstehe es die Höhe der Zinslasten, die Frankreich für d.e für den Wiederaufbau aufgewandten (Summen zahlen müsse. Damit solle Frankreich sich zufriedengeben, die Festsetzung der Gesa-mtschuld Deutschlands müsse in der Weise erfolgen, daß Deutschland sie in 62 Jahren abtragen könne.
Die „Detroit Rews" nehmen in einem Leitartikel zur Abrüstungsfrage Stellung und erklären, daß Frankreich zwar den Kellvggpakt unterzeichne 1 h be, ab.rseinLandheernicht beschränken wolle. Wilson habe ganz recht gehabt, als er ein Jahr nach feiner Rückkehr von Versailles sagte: „Ich glaube, wir haben aufs falsche Pferd gesetzt.“
Der Flug des „Graf Zeppelin" und das Ausland.
Zweierlei Meinung in England.
Freundliche Einladung und Kriegspsychose.
London, 4. Oft. (TU.) Der erfolgreiche Probeflug des .Graf Zeppelin" wird vom .Daily Telegraph" in einem Leitartikel gewürdigt. Vor vier Iahren, als das Flugzeug mehr und mehr den Luftverkehr in Deutschland zu beherrschen begann, habe eine Schließung der Luftschiffwerft in Friedrichshafen unvermeidlich geschienen. Aber Dr. Eckener habe es verstanden, das Werk des Grafen Zeppelin zu erhalten. Auf Einladung des britischen Luftfahrtministe- riums sollte das Luftschiff Großbritannien einen Besuch abstatten. Man habe auch erwartet, daß es in einem britischen Luftschiffhafen landen werde. Diese Einladung bleibe bestehen; da nur ungünstige Wetterbedingungen Dr. Eckener zu einer Kursänderung veranlaßt hätten. Rach diesem Probeflug bestehe kaum noch ein Zweifel, daß .Graf Zeppelin" das erste Luftschiff sein werde, das in den regelmäßigen Uebersee- dienst eingestellt werde.
Das Blatt bezeichnet das Wiederaufleben der Zeppelinluftschiffe zu friedlichen Zwecken als ein Beispiel für die bewundernswürdige technische ßeiftung Deutschlands.
Im Gegensatz zu diesen freundlichen Ausführungen steht ein gereizter Artikel der „M o r - ningPost", die schreibt: Wir wissen nicht, was die Veranlassung dazu gab, uns, England, eine solche Erinnerung an diefurchtbaren Kriegsereignisse zukommen zu lassen. Aber der Besuch erscheint uns nicht als taktvoll zu einer Zeit, da man uns versichert daß die Geistesverfassung Deutschlands sich vollkommen geändert habe und daß jede Vorsichtsmaßregel unnötig sei. Da noch immer Zeppeline gebaut werden und da sie offenbar noch immer unsere Küste entlang gesteuert werden können, ist es wichtig, unsere Verteidigungseinrichtungen nicht zu vernachlässigen.
Der Klug über das besetzte Gebiet.
Die französifcheBesatzuugsbehörde moniert.
Friedrichshafen, 4. Ott. (WB.) Wie der Sonderberichterstatter des WTB. erfährt, hat die französische Desatzungsbehörde darauf aufmerksam gemacht, daß der „Graf Zeppelin" auf seiner letzten Fahrt über Wiesbaden gefahren sei, obwohl die Ueberfllegung des besetzten Gebietes nach den Bestimmungen nicht gestattet sei. Dr. Eckener hat dem Reichsverkehrsministerium darauf mitgeteilt, daß me-teoro logische Gründe ihn gezwungen haben, den Kurs über Wiesbaden zu nehmen. Es ist anzunehmen, daß die Angelegenheit damit erledigt ist. Uebrigens ist „Graf Zeppelin" auf seiner Fahrt den Rhein entlang voneinem französischen Flugzeug begleitet worden.
Amerika rüstet sich zum Empfang.
Großes Interesse für die Probefahrt des „Graf Zeppelin".
Reuhork, 4. Oft (TU.) Die Probefahrt des „©raf Zeppelin" hat hier das allergrößte Interesse geweckt die Rachrichten hierüber werden von den Blättern in großer Aufmachung wiedergeben. Rewyork Herold er flaut, es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß, wenn der
Zeppelin den Ozean überfliege, sich das öftent- liche Interesse wieder dem Luftschiff zuwenden würde, das seit Kriegsende vernachlässigt worden sei. Der Zeppelin fülle eine Lücke aus, die das Flugzeug nicht überwinden könne. Es sei anzunehmen, daß bei der in nächster Zukunft bevorstehenden Einrichtung des überseeischen Handels-Luftdienstes das Luftschiff vor dem Flugzeug den Vorrang haben werde. Der „Amerikan" bezeichnet den Zeppelin als einen neuen Triumph deutschen. Unternehmungsgeistes.
Der Luftschiffhafen in Lakehurst ist zum Empfang des „Graf Zeppelin" bereit. Die Luftschifthalle ist zur Aufnahme des Zeppelins groß genug, auch wenn „Los Angeles" darin bleibt. Wahrscheinlich wird die „Los Angeles" jedoch nach Texas fliegen, vorausgesetzt, daß die Wetterverhältnisse es ihr nicht gestatten, dem Zeppelin entgegenzufliegea. Bei der Landung des „Graf Zeppelin" werden 317 Marinssoldaten behilflich sein. Eine weitere Kompagnie ist jedoch angefordert. Anwesend werden die höchsten Vertreter der Marinebehörden, darunter vielleicht auch Marinesekretär Wilbur, fein.
Gimm auf dem Atlantik.
Schlechte Aussichten für die Amerikafahrt.
London, 4. Oft. (TU.) Auf der direkten Schifffahrtsstraße zwischen England und Amerika herrscht nach verschiedenen Schiffsfunksprüchen seit über 24 Stunden ein Sturm, wie man ihn seit drei Jahren in diesem Teil des Ozeans nicht mehr erlebt hat. Auf einem Gebiet von annähernd 6—7000 Quadratkilometer rast der Sturm aus allen Richtungen. Der Cunard-Dsmpfer „Carrania" berichtet von einem Standort 1100 Meilen westlich er Irland von Winden in einer Stärke, die sich mit den Orkanen vergleichen lassen, die kürzlich in Amerika und auf den westindischen Inseln so riesigen Schaden angerkhtei haben. Die gegenwärtigen Wetteroerhältnisse sollen dieFolgeneinessehrflachenTiefs sein, das sich langsam in ostlicherRichtung bewegt. Wettersachverständige sind der Auffassung, daß dieses Tief die Folge der kürzlichen Tornados in Ame- rika ist. Man glaubt, daß der Höhepunkt erreicht werden wird, bevor das Tief die europäische Küste erreicht.
Was ist Blaugas?
Das geheimnisvolle Trcibgas des neuen Luftschiffs.
De.i be-n Flügen des neuen Zeppelin h-ai das sogenannte Blaugas eine wichtige Rolle gespielt, denn mit ihm ist zum ersten Male ein Luftschiff mit Gas angetrieben worden und zwar, wie es aus den Aeußerungen Dr. Eckeners her- vbrgeht, zur vollen Zufriedenheit der beteiligten Techniker und Chemiker. In Publikumskreisen herrscht allerdings über das Wesen dieses neuen Detriebsgases noch ziemliche Unklarheit, so daß es angebracht scheint, einmal die Eigenschaften des Blaugases aufzuzeigen. Das Blaugas ist ein Aethytengas mit der chemischen einfachen Formel C2 H4 und ist ungefähr ebenso schwer wie Luft. Aethylen ist ein Kohlenwasserstoffgas, das bei der Trockendestil- latton von Steinkohle, Holz und anderen organischen Substanzen en-tsteht und somit einenScii des Leuchtgases bildet. Das wesentliche dabei nun aber ist, daß es als Kraftstoff für Verbrennungsmotoren benutzt werden kann und daß es infolge seines Gewichtsverhältnisses von günstigem Einfluß auf die Manövrierfähigkeit eines tenkbaren Luftschiffes ist. Da nun aber auch der Heizwert eines Kubikmeters Blaugas, also die Wärmemenge, die bei der Verbrennung entsteht, höher als der von anderen Betriebsstoffen ist, so zeigt das allein schon einen wesentlichen Vorteil. Darüber hinaus bedeutet aber auch die Verwendung von Blaugas einen nicht unerheblichen wivtischaftlichen Vorteil der Verwendung von anderen Brennstoffen gegenüber. Iedes verbrannte Kilogramm Benzin nämlich erleichtert das Schiff und es muß nach einiger Zeit ein Ausgleich zwischen Traggasmengen und Last erfolgen, damit das Schiff seine FahÄ- und Steuereigsnschaften behält. Dieser Ausgleich ist nur möglich, indem man das kostbare Wasserstoffgas a b b l a f e n läfrt, und zwar in großen Mengen. Der der Verwendung des Blaugases als Betriebsstoff kann nun aber das Gewicht des verbrauchten Gases, weil es genau so schwer wie Lust ist, einfach durch Luft ersetzt werden, und die Rotwendigkeit, teueres Traggas abz-ublasen, fällt somit fort Unb darin liegt die größte Bedeutung des neuen Blaugases.
Heuer Skandal am mimischen Königshof.
Oer Liebesroman des Prinzen Molaus. —Ln den Fußstapfen seines Bruders.
B u b a p e ft, 4. Ott. (Prlv. Tel.) „Pesti Naplo" veröffentlicht eine aus Großwardein datierte Meldung, wonach in Rumänien Gerüchte darüber im Umlauf seien, daß der 25jährige Prinz R i f a - laus, Mitglied des Regentschaftsrates und Vormund des minderjährigen Königs Michael, der jüngere Bruder des' Exkronprinzen Carol, mit einer jungen Aristokratin aus Rumänien heimlich nach dem Ausland g e r e i st ist. Der Prinz befand sich seit längerer Zeit nicht mehr in Rumänien, seine Abwesenheit fiel aber nicht auf, da man erklärte, der Prinz habe sich zwecks Erholung ins Ausland begeben. wie das Blatt weiter berichtet, hat Prinz Rikolaus mit seiner Geliebten in Paris beim Exkronprinzen Earol Absteigequartier genommen. Der neue Liebesroman des königlichen Hauses Hal in politischen Kreisen Bestürzung hervorgerufen. Den Blättern wurde strengstens verboten, über die Angelegenheit zu berichten.
Die ausländischen Telephon- und Telegraphenverbindungen, sowie die Post werden einer strengen Kontrolle unterworfen.
Der rumänische hos, die beiden übrigen Mitglieder des Regentschaftsrates und die Regierung geben sich alle Mühe, um den Liebesroman des Prinzen Rikolaus geheimzuhalten. Rach Paris wurden Kuriere an den Prinzen entsandt und die Königinwitwe Marte hat in einem Brief den Prinzen Rikolaus gebeten, sofort nach Bukarest zu- rückzukehre n. Dieser Brief blieb aber unbeantwortet. Die Königin-Witwe soll auch an den Exkronprinzen einen Brief gerichtet haben mit der Bitte, er möge seinen Bruder überreden, nach Rumänien zurückzukehren. Rikolaus soll denn auch tatsächlich, nach einem Funkspruch aus Paris, die französische Hauptstadt nach einem Besuch bei (tarol verlassen haben, um, wie man in Paris annimmt, nach Rumänien zurückzukehren.
Reue Steuern.
Die Pläne des Reichsfinanzminisiers Hilferding.
Eigene Drahtmelbung des „Gießener Anzeigers^.
Berlin, 5. Oft. Roch bevor das Reichsfinanzministerium die für das Budget von 1929 notwendigen Steuererhöhungen bekannt- gegeben hat, setzt bereits der Kampf um die angeblichen Pläne der Finanzverwaltung ein. Im Vordergrund der Angrif'e, die schon jetzt eine Vorahnung von dem geben, was geschieht, wenn Dr. Hilferding seinen bisherigen Ab ichten entsprechend im Rovember mit seiner neuen Steuerpolitik herauskommt, steht die Frage der 'Bier- steuererhohung. Besonders von ba eri'cher Seite werden zahlreiche Stimmen gegen eine Erhöhung der Biersteuer, die eine beträchtliche Steigerung um 200 bis 300 Prozent erfahren soll, laut Es tarnt gar kein Zwei e! sein, daß die mit einer solchen Erhöhung verbundene Drosselung des Einkaufs vonWeizen u n d G e r st e sich auch irgendwie auf die Landwirtschaft gewi, er Gebiete Deutschlands aus- wirken muh. Aber andererseits steht der Finanz- minister vor der Rotwendigkeit, die Eingänge des Staatshaushaltes zu erhöhen, und da die Einkommensteuer, wie überhaupt alle direkten Kapitalertragssteuern, für diesen Zweck — darüber ist man sich wohl in Deutschland einig — so gut wie gar nicht in Betracht kommen, bleiben kaum irgendwelche anderen Auswege offen. Zudem ist noch zu berücksichttgen, daß die deutsche Bier- und Alkoholsteuer im
Vergleich zu anderen Ländern, wie z. D. England, wesentlich geringer ist.
Als weitere Quelle für die Erhöhung der Einnahmen steht zur Zeit im .Finanzministerium, wie wir erfahren, noch das Branntweinmonopol, das bisher vom Reichstag noch nicht erledigt wurde, immer noch zur Diskussion. 5>er Kampf, ob der alte Gesetzentwurf in unveränderter Form beibehalten werden soll, oder ob entscheidende Rrformen vorgenommen werden, hat noch keinen Abschluß gefunden. Allem Anschein nach wird man auf jeden Fall das Monopolgeseh von 1926 mit scharfen Bestimmungen ausstatten, die die bestehenden Lücken schließen und besonders die immer noch wahrscheinlich sehr umfangreiche Steuerhinterziehung aus diesem Gebiete verhindern sollen. Eine Entscheidung über Diersteuer und Dranntweinmonopolgefetz wird aber erst Ende des Monats fallen, da der Staatssekretär Dr. P o p i tz von seinem Urlaub noch nicht zurückgekehrt ist und der Minister ohne diesen kaum endgültige Beschlüsse fassen wird.
Oie Kommunaiwahlen in Preußen.
Berlin, 4. Ott. (VDZ.) 2m Gemeindeausschuß des Preußischen Landtags war am Mittwoch bereits beschlossen worden, daß die Wahlen für die kommunalen Körperschaften im Herbst 1929 bis zum 1. Oktober stattfinden sollen. 2n Zukunft soll grundsätzlich für sämtliche Wahlen ein einheitlicher Termin maßgebend sein. Ferner soll in bestimm- ten Fällen, wenn die Wahlzeit für die P r o v i n - Aia llandtage ein Fahr vor dem regelmäßigen Ablauf beendet wird, die Neuwahl auch für die abschließende Periode gelten, so daß sie in diesem Falle
fünf 2ahre betragen wurde. Für die Guts- bezirke wird der Minister des 2nnern als zuständiges Organ noch Bestimmungen treffen.
Das Volksbegehren
-es Stahlhelms.
Eine erläuternde Erklärung.
Berlin, 4. Oft. (S.U.) Rach einer Mitteilung der „Kreuzzeitung" beschräntt sich der Verfassungskampf des „Stahlhelms" auf die Verstärkung der Macht des Reichspräsidenten und die Begrenzung der Immunität der Abgeordneten. Die Erklärung des Stahlhelms hat nach der „Kreuzzeitung" hierzu folgenden Wortlaut: „Wir fordern erstens Verstärkung der Macht des Reichspräsidenten, dahingehend, daß er allein Minister ernennt und entläßt und daß der Einfluß des Parlaments auf d i e Regierung ausgeschaltet wird. Wir begründen diese Forderung mit dem Hinweis darauf, daß in anderen demokratischen Staaten, welche eine unabhängige Regierung haben, dieses System sich als das weitaus bessere erwiesen hat. Wir fordern zweitens, daß die Immunität der Abgeordneten begrenzt wird, wenn es sich um Landesverrat, Meineid, Sittlichkeits-und Eigentumsverbrechen handelt. Wir begründen diese Forderung damit, daß wir ein anständiges Parlament haben wollen. Das alles ist so klar und einleuchtend, daß uns die Störungsversuche unserer Gegner kalt lassen. Wir gehen unseren Weig unbeirrt weiter. Wir be«


