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Vr. 4 Erster Blatt
178. Zahrgang
Donnerstag, 5. Januar 1928
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Beilege«:
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»•eets-Beiigiyrtü: r Helft*narb und 20 Hrtftsptmutq ftr Trüge» lohn, auch bei Diftter- Schemen einzelner Nummern Infolge höherer Gewalt. Jernfpreftanlftlülle: 51, 54 und 112 Anschrift für Vrahmach. richten Inniger 4 letze».
potffterftonto: jrenttnrt am Blain 1168».
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
thmtf MHb Deriog: vrühl'sche Untversilüls-Vuch. und Steinöniderei B. Lange in Gießen. Sdfriftlettnng und Geschäftrstelle: ZchnlNraße 7.
lnna)me oou Snjelatn für die lagrtnnmmer ois jun ‘Jiaftmiltag vorher.
Prell für 1 mm HL he ftr Hnj<ia«u von 27 mm Brette örtlich 8, auuoirt» 10 Ne»ch»pfennig7 für Ne. hlameanteigen von 70 n m Brette 35 Helft»pfennig, Platzvoriftrift 20* . mehr
Chefredakteur
Dr. Jnebr. With. Lange Derantmonlift tüt Politik Dr Fr. Wilh Lang«, für Feuilleton Dr H Thvriot; für den übrigen Teil tfrnfl Slumlftetn; für den An. peigenteil Kurt Hillmann.
sämtlich in (Sieben.
WosiehenwirmHeffen?
von unserer Darmstädter Redaktion.
Der llebergang vom alten xum neuen Jahr hat sich In der hessischen Politik In ähnlicher Weile vollzogen wie der IayreSwcchsel von 1924 auf 1925. Damals konnte auch nach den Wahlen «4. Dezember) zunächst keine Regierung zu- ft a n o e kommen und die Parteien muhten wochenlang mi einander verhandeln. Allerdinas toar um Die Jahreswende damals die politische •Jage viel undurchsichtiger al» jetzt; die Probleme waren zu jener Zeit jedoch ähnlich gelagert wie gegenwärtig, indelsen ist daS Stadium der Entwicllung nunmehr etwas weiter vor- 0*14) ritten.
3m Jahre 1924 war eS daS Zentrum, daS bei den Verhandlunaen zur Regierungsbildung lozufagen daS Heft in der Hand hielt. eS war die treibende Kraft, während eS jetzt in eine passive Lotte gedrängt und viel mehr als früher von der Sozialdemokratie abhängig ist. DaS Zentrum halte 1924 bei den Wahlen zwei Sitze eingebüht und suchte Anlehnung nach rechts, jetzt hat es sogar zwei Sitze gewonnen, hat ober merkwürdigerweise weniger Einfluß cuf die "Regierungsbildung als ehede.n. War zu jener Zeit die Politik des Zentrums schwer zu durchschauen, wußte man nicht genau, zu welchem ,;t[>ed ee mit den anderen Parteien unterhandelte, so war man nunmehr wohl allgemein von vornherein der Ucberjeugung, bah eS die Forderun- gen der Sozialdemokratie onnehmen werde
6o ist es denn auch geschehen; aus den letzten Besprechungen der Zentrumsfraktion im alten Jahre Hl bekannt geworden, öafj das Zentrum denMin - deftforberunflen jugtftimml hat. 3m wc- sctitltchen bedeutet dies einen Verzicht auf das bnncnmtnftcrlum und das Einverständnis mit der Dem okratifterung der Verwaltung, worunter in erster Linie die Besetzung der strelsrat» st eilen durch politische Persönlichkeiten zu verstehen ist. Da» Zen- Irum hat mit der Aufgabe des Innenministeriums auch den M i n i ft e r Rirnbcrger fallen g e - lassen. Dieser ist aus dem Beamtenstand hervor- gegangen, und man kann annehmen, daß er nicht l.lne ftanb zu den Maßnahmen bieten wollte, die Idne Partei bereit ist, der Sozialdemokratie zuzu- gestehen. Der linke Flügel des Zentrum» hat sich nieder einmal stärker al» der rechne erwiesen.
Innerhalb der Sozialdemokratie — wa» bei einer groben Partei erklärlich ist — ringen auch Gegensätze miteinander, sonst hätte sie nicht immer die Entscheidung hinauSgeschoben. ,rür die Sozialdemokratie wäre ja daS nächst- Hegende gewesen, sich wieder mit dem Zentrum zur Weimarer Koalition zusammenzu- schlieben. AlS sich dann Schwierigkeiten ergaben, hätten die Sozialdemokraten der sogenannten Proben Koalition zustimmen können (Zentrum, Deutsche Dolksparlci. Demokratie und Sozialdemokratie). allein sie wollten nicht recht, wenn auch nach allem, was verlautet, es das Zentrum war. das die Grobe Koalition vereitelt hat. Wie die Dinge gegenwärtig stehen, kamen das Zentrum und die D e u t s ch e Volks- Partei, von dem Gesichtspunkt der Sozialdemokratie gesehen, als gleiche Partner für die "Bildung einer Regierungskoalition in Betracht; die Freiheit der Wahl lag durchaus bei der Sozialdemokratie und doch ging die Fraktion am 29. Dezember nach einer mehrstündigen Beratung auseinander, ohne sich entschlossen zu haben. Die Entscheidung wurde auf Anfang Januar vertagt.
Wäre die Meinungsbildung innerhalb der Sozialdemokratie einheitlich, so hätte die Partei sich zwetsettoS schon längst entschieden. Bemerkenswert in dieser Hinsicht waren Verlautbarungen in der sozialdemokratischen Bresse, die fest- stellten und betonten, daß sich öu Sozialdemokratie noch nach keiner Seite hin gebunden habe, al o auch nicht dem Zentrum gegenüber, was einige Meldungen behauptet halten. GS scheint dieS auch richtig zu sein, denn die ZeiUrumsprcste emp'iehlt sich allzu dringend der Sozialdemokratie zur Berücksichtigung. So wird im .Mainzer Journal' u. a. daraus hin- gewiesen, daß bei einem Eintritt der Deutschen Äolkspartei in die Regierung, die Opposition nicht geschwächt, sondern gestärkt werde, wett nun das Zentrum in die Opposition kommt. Die Regierungsba iS werde um sechs S immen [Liner, die Opposition aber um sechs Stimmen gröber. So einfach liegen die Dinge nun doch nicht, denn das Zentrum hat mit den anderen Oppositionsparteien sehr wenige Berührungspunkte und eS wird nicht Opposition um der Opposition willen treiben können. Als OppositionS partri kommt daS Zentrum sicher in manche schwierige Lage; deshalb ist es verständlich, datz rs stark danach strebt, wieder die Weimarer Koalition in Hessen zur Herrschaft zu bringen.
Derwaliungsresomi in Thüringen.
Thüringens neue Ltcuerverwaltung geht auf das Reich über.
Weimar. 5. Ian. (Wolff.) Die Verhandlungen zwischen der thüringischen Regierung und dem Reichssinanzministerium über die Hebe r - tragung der Landessteuerverwaltung auf das Reich sind soweit gefordert worden, bab man nunmehr damit rechnen kann, dah die Reichssteuerbehvrden die Verwaltung
Amerika und der Knedenspaki Briandö.
Eine höfliche Absage.
Zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika hat sich in den letzten Wochen ein recht interessantes und zugleich amüsantes Zwischenspiel ereignet, in dem die französische Regierung nicht attzu glücklich abgeschniiten hat. Der amerikanische 61*116- fcfrelär Kellogg hat, selbstverständlich mit Zustimmung der franzosi chen Regierung den daraus bezüglichen Rotenwechsel nach dessen Abschluß der Oefsentlichkeit übergeben, so daß man nunmehr In der Lage ist, die Entwicklung voll übersehen zu können.
Schon im Jahre 1908 hatte Frankreich mit den Vereinigten Staaten von Amerika einen Schiedsgerichtsvertrag abgeschlossen auf Grund eines von dem bekannten VölDrrcchts- lehrer und damaligen amerikanischen SutS- sekretär Elihu Rovt verfaßten Entwurfs. Rebenbei sei bemerkt, daß eS einer der größten Fehler der deutschen Politik in der Zeit vor dem Kriege gewesen ist. nicht sofort dem Bnsp.el Frankreichs zu folgen und einen ebensolchen Vertrag <ib}ufd)r.icben, sondern solange zu zögern. biS eS zu spät war. DaS Hal zur deutschfeindlichen Stimmung tn Amerika wesentlich bei getragen. Der Vertrag lief zehn Jahre und wurde 1918 auf weitere zehn Jahre verlängert, läuft somit im Februar d. 3. ab.
Zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten wurden nun Veth. . langen in doppelter Richtung gepflegt. Einmal wurde vorge- schlagen, den kurz Rvotichen genannten Vertrag mit unbedeutenden Änderungen abermals um §ehn Jahre zu verlängern. Darüber hinaus jedoch glaubte die französische Regierung besonders klug zu handeln, wenn sie der ameriiani* scheu den Abschluß eines Sondervertra- fl e S nahelegte, durch den sich beide Mächte eierlich im "Hamen ihrer Volker verpflichten sollten, den Krieg als politisches Mittel zu verurteilen und aus den Krieg als ein Instrument ihrer nationalen Politik untereinander zu vernichten. Sie sollten Übereinkommen. eireitigfciten, die zwischen ihren Völkern entstehen konnten, gleichgültig, welcher Art sie auch seien, nur auf friedlichem Wege beizulegen.
Hierin war eine Erweiterung des gewöhnlichen Schiedsgerichtsverfahrens zu erblicken, beim bei diesem hatten die Amerikaner von vornherein erhebliche Vorbehalte gemacht. Amerika ist stets besonders eifersüchtig darauf bedacht. jegliche Beeinflussung innerkwlitischer An- gelegeicheiten, zu denen namentlich Einwandererfragen gehören, von auswärts zu verhindern. Für sie liegt die Gefahr nahe, daß von einer außeramerikanischen Macht Maßnahmen zur Beschränkung der Einwanderung vor ein Schiedsgericht gebracht werden, wenn nicht rechtzeitig dagegen Vorsorge getroffen wird. Ferner sind die Amerikaner peinlich darauf bedacht, ihre allbekannte Mvnroe- Doktrin in ihrer weitesten Form als zartes Pflänzchen gegen Einwirkung von außen zu schützen. Rach diesen beiden Richtungen waren und sind ihre Vorbehalte eingestellt.
Mit dem zweiten Vorschlag zur Abschaffung des Krieges zwischen Frankreich und Amerika verfolgte Briand einen anderen Zweck. Allen sranzölischen Staatsmännern ist immer noch der Wunsch eigen, Amerika in die Reihe der Mächte einzubeziehen, die den Unoeränbertcn Fortbestand deS Versailler Ver
trages garantieren. Sv war der Pakt gedacht, den Wilson zwar unterzeichnet, den aber der Senat nicht betätigt hatte. Ein zweiter Versuch, einen solchen Pakt im Rahmen deS Völkerbundes herbeizuführen. scheiterte am Widerspruch Englands. das ohne Amerika nicht mittun wollte. Run plante Briand zunächst einen solchen Vertrag mit Amerika abzuschNeßen. der wenigstens moralisch die Vereinigten Staaten in dem gleichen Sinne festlegen würde.
Die amerikanischen Politiker waren zu gerissen, um in diese Falle zu gehen und zogen hat) statt dessen mit Glanz auS der Affäre. Die Antwortnote deS Staatssekretärs Kettvga fegt der französischen Regierung in der höflichsten und liebenswürdigsten Form dar. daß bei den freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern ein Streit mit Kriegsmöglichkeit völlig ausgeschlossen sei. Da aber beide Mächte in bestimmten Richtungen bestimmte Bindungen cingeganaen seien, wäre die Möglichkeit gegeben, dah auf diese Weise die eine oder die andere in einen Streit mit anderen Mächten hineingezogen werden konnte. Daher würde sich ein zweiseitiger Vertrag zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten nicht empseh- len, vielmehr müßten alle Großmächte sofort zum Beitritt aufgefordert werden.
Damtt ist nun wieder Frankreich keinesfalls gedient und außerdem läge darin die Begründung eines neuen Völkerbundes mit Einschluß und unter Führung Amerikas, was die Stellung Frankreichs in der europäischen und in der Weltpvlitik nicht erleichtern würde. Viel
leicht bat man auch In Washington instinktiv aeuhlt, daß Frankreich bei seinem zweiten Dor- sch'.ag noch einen anderen H ntergedanken hatte. Wenn Amerika einem allgemeinen vor- bcba:tIoTen SchiedSgerichtSvertrag zustimmi. bann wäre eS für Frankreich auch möglich, die Kriegsschuldensraae vor ein internationales Schiedsgericht zu bringen. Davon wiederum will Amerika nicht- wissen und vor allen Dingen wehrt eS sich noch immer mit ebenso großer Bestimmtheit wie Hartnäckigkeit gegen jede Verquickung der französischen und englischen Kriegsschulden mit der Höhe der deutschen Reparationszahlungen. Hierin dürste ein weiterer zwingender Grund für die höfliche und liebenswürdige aber darum nicht minder entschiedene Ablehnung deS französischen Vorschlags liegen. Die Franzosen werden sich also damit ab- finden müssen, dah gerade von Amerika aus die Revision deS DaweS-Abkommens ohne gleichzeitige Herabsetzung der sranzösischen Kriegsschuld in Anregung gebracht wird.
Oer Gegenvorschlag Kelloggs
Washington. 4. Ian. (WTB.) 3n Kon- greßkreisen wird die vom Staatsdepartement soeben bekanntgegebene Aufforderung der Regierung der Vereinigten Staaten an Frankreich, den Schiedsvertrag zu einem vielseitigen Vertrage an Stelle eines nur zweiseitigen Paktes auszugestalten, durchweg beifällig aufgenommen. Man begrüßt die Absicht der Regierung, ähnliche Verträge mit London und Tokio
Schwere Explostonskalastrophe in Berlin.
Mehrere Todesopfer bei einem Hauseinsturz in der Landsberger Allee.
Berlin, 5. San. (IDIB. Zunkspruch.) Gegen 12.30 Uhr nachts erfolgte In den unteren Räumen be» Hauses Landsberger Allee 116 eine schwere Explosion, durch die der ganze rechte Anbau des vier- ftöckigen Wohnhauses roeggerlff ea und In einen Trümmerhaufen verwandelt wurde. 3n den unteren Räumen entstand rin Brand, der von fünf Zenerwehrzügen bekämpft wurde. Bl» 3 Uhr morgen» waren 3 lote und 15 verletzte geborgen, jedoch muß angenommen werden, daß sich unter den Trümmern noch eine Anzahl von Token befindet.
Das Grundstück Landsberger Allee 116 bietet ein grauenvolles Bild der De r - Wüstung. Die etwa sechs Dieter breite rechte /Seite des Hauses ist vollständig abgerissen und auf das danebentiegende, unbebaute Gelände abge- stürzl, wo eine ungeheure Masse von e(roa zehn Dieter höhe, die aus Mauerblöcken, Balten, Brettern und Möbelstücken besteht, der Ausräumung harrt. Zahlreiche Feuerwehrleute find beim Schein von Acetylenlampen und Fackeln damit beschäftigt, den Schutt wegzuschassen. Bis drei Uhr nachts waren bereits drei Tote und fünfzehn Berlehte geborgen, doch dürfte die Zahl der Toten weit erheblicher fein, da gerade in diesem Jlügel slkh die Schlafzimmer vieler Hausbewohner befanden. Die im parterre befindlichen Räume eines Kolonialwarengeschäftes und einer Wirtschaft sind vollständig zerstört.
3m Hause sind viele wände eingedrückt und andere weisen starke Risse auf, so daß sie abgetragen werden müssen. Die Türen hängen schief in den Angeln ober sind au» den Angeln gefallen. 3 n der Lust hängende Mauer wände muhten der Einsturzgefahr wegen beseitigt werden. Zahlreiche Fensterscheiben sind in Trümmer gegangen und auf die gegenüberliegende Seite geschlendert worden, wahrscheinlich ist die Explosion durch große Mengen von Ammoniak und Gas hervorgerufen worden, die sich in den Kühlräumen einer ZleIsch - roarenfabrlf angesammelt hatten. Das gleiche Bild bot der hos, der wie ein Krater aussieht, und die zerstörte Iteischwareusabrik.
Trotz der von allen beteiligten Feuerwehren und Rettungsmannschaften unter Einsatz aller Kräfte und Dichtachtung der eigenen Lebensgefahr fortgesetzten Aufräumungrarbeiten an der Explosionsstelle in der Landsberger Allee konnten bis 8,30 Uhr früh noch keine weiteren genauen Feststellungen über die Zahl der bei dem Explosionsunglück Derletzten bzw. Getöteten gemacht werden. Auch von den Toten konnten bis jetzt nur eine 4öjährige und eine 67jährige Jrau identifiziert werden. Die ärzttlche Untersuchung der sünszehn Derlehten hat glücklicherweise ergeben, dah die Derrounöungen — es handelt sich im wesentlichen um Gesichts- und Beinverletzungen — nicht allzu schwer zu sein scheinen.
der Thüringer Steuern vom 1. April d. 3. zu Bedingungen übernehmen, die den Interessen des Lande- in angemessener Weise Rechnung tragen. — In dieser Maßnahme liegt der erste entscheidende Schritt der Thüringer Verwal- tungSvereinsachung. Man wird ihn als günstigen Austakt für die Berliner Konferenz der Länder besonders begrüßen können. Gerade in Tchüringen arbeitet der Steuerapparat ver- hältnismäßia teuer wegen der starken Zerstückelung des Landes. Das Reich hat hier ganz andere Möglichkeiten zu rationalisieren und überflüssiges Rebeneinanderarbeiten auszuschalten. Vielleicht wird dadurch auch der Plan des Reichsfinan^ministers gefördert, der eine Vereinheitlichung der gesamten Steuererhebungen verfolgt, aber mit seiner Vorlage sich bisher gegen den Widerspruch der einzelnen Länder im Reichsrat nicht durchzusehen vermochte.
Um den Wahttermin.
Vermutlich erst im Herbst Wahlen im Reich und in Preußen.
Berlin, 5.3an. (Wolfs.) Zu ber lebhaften Diskussion in der Oessenttichkeit über die Frage, ob die Wahlen zum Reichstag und zum preußischen Landtag früher als bestimmungsgemäß burchgeführi werben, wird aus parlamentarischen Kreisen erklärt, buh allein bie Sozialdemokraten und Kommunisten für die vorzeitige Auslösung ein träten, wahrend sämtliche bürgerlichen Parteien im Reich sowohl wie in Preußen gewillt sind, die Parlamente eines natürlichen Todes sterben zu lasten. Das würde bedeuten, dah Ende Oktober ober Anfang November zum
Reichstag unb Im Veziber zum Preußischen Canb- tag gewählt werden muß.
3n Preußen wollen die bürgerlichen Parteien die im Mai, spätestens im 3uni, durchzusührenben Kommunal- unb Kreistagswahlen nicht mit den politischen Wahlen verquicken, weil bei den ersteren die Gegensätze im bürgerlichen Lager weniger scharf find, unb so durch Listen Verbindungen der StimmenjerfpHtterur.g wirksam begegnet werden könnte. Uebrigens wollen die preußischen Regierungsparteien im Einverständnis mit der Regierung noch vor den Kommunatwahlen den Landtagsbeschluß aus Aushebung der Gutsbezirke in die Tat umsetzm, damit die Einwohner der Gutsbezirke bereits bei diesen Kommunalwahlen mitstimmen können.
Keine Mieipreisechöhung.
Dor einer ernsten K.isiS auf dem Wohnungsbaumarkt.
Berlin. 4. Ian. (WB.) Zu der in Mieterkreisen verbreiteten Befürchtung, dah am 1. April 1928 aberma ls eine Steigerung der Mietpreise eintreten werde, wird dem Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Ze'.tungSoerl^g-er an unterrichteter Stelle versichert, dah eine solche abermalige Steigerung zu drin genannten Termin für die Wirtscha't untragbar sein würde, zumal naturgemäß dabei die Rückwirlungen auf die Konsumenten auch in ihrer Eigenschaft als Lichn- und Gehaltsempfänger in Frage kommen. Eine Mietzrnsverteuerung wird daher am 2. Apr l 1928 nicht eintreten. Dagegen ist die Situation auf dem Wohnungsoaumarkt für das Jahr 1928 als kritisch zu bezeichnen, da sich der private Kapitalmarkt vor einer recht ungünstigen Lage sieht. Es bleiben für den
Wohnungsbau nur zwei Hilfswege: einmal, daß das Reich in der Lage tst, seinen sogenannten Zwischenkreditsonds von 200 Millionen Mark aus eigenen Mitteln zu erhöhen, oder aber der AuSlandmarkt. Sollte es nicht gelingen, einen dieser Wege zu beschreiten, so müßte allerdings mit einer ernsten Krise auf dem Daumarkt gerechnet werden. Die in Betracht lommenden preußischen Stellen werden vgrsuchen, die Bedenken des Reichsbankpräsidenten gegen Icmummale Auslandanleihen, besonders für den Wohnungsbau, zu mildern. Rach dem bisherigen Stande der Dtnge muß m.t "7:bauern fest- gestellt werden, daß im 2<chre 1928 höchstens 150 000 Wohnungen neu gebaut werden können.
Bierhunderttausend Dollar für die Universität Heidelberg.
Aus Veranlassung be» Botschafter» S d) u t m a n ist eine Sammlung zugunsten eines Neubaues der Universität Heidelberg ringelet tet worben. Rockefe11er beteiligte sich mit einer namhaften Summe. Die Stenben Gesellschaft wirb ble Sammlung fortfehen. Ls wird ein Gesamtbetrag von 400 000 Dollar aufgebracht werben, ber zur Errichtung eines neuen Unioerfitätegebäu- bes in heibelbera bestimmt ist. Die Stifter handeln dabei in dankbarer Anerkennung der wertvollen Dienste, ble die Universität Heidelberg für die geistige Ausbildung vieler Hunderter amerikanischer Studenten im 19. 3ahrhundert und später leistete. Weber 252000 Dollar wurden von amerikanischen Bürgern nichtdeu tscher A b - st a m m u n g beigesteuert. Das neue Gebäude wird den Vorlesungen sämtlicher Takultäten, mit Ausnahme der naturwissenschaftlichen, dienen. — Die Universität Heidelberg wird von mancher ihrer Schwe'leruniversitäten um ihre gleich großzügigen wie leistungsfähigen Gönner beneidet werden.


