Ausgabe 
4.10.1928
 
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Oelkampf in Rußland.

Gescheiterte Verhandlungen mit Moskau.

London, 3. Oft. (WTB.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" erfährt, dah die wichtigen Verhandlungen, die seit einiger Zeit »wischen der Shell gruppe, der Angl o- Perfian-Oil Company, der Angl o- Amerlcan Oil Company und den ihnen angeschlossenen Gesellschaften auf der einen Seite uno den Vertretern der Sowjetregierung und der Sowjetpetroleuminterrsienten auf der anderen Seite geführt wurden, zusammen­gebrochen seien, zum mindesten für den Augen­blick. Der Abbruch sei am vorigen Freitag erfolgt. Ob 'die Verhandlungen in einigen Wochen wieder ausgenommen werden, lasse sich noch nicht sagen. Der Korrespondent sagt: Zweck der Verhandlun­gen war, ein Abkommen zu erreichen, das den Ankauf, die Verteilung und den Verkauf russischen Petroleums in Großbritannien auf einer die beiden Parteien befriedigenden Grundlage regeln sollte. Die Klippe, an der die Verhandlungen scheiterten, war die Forderung der Londoner Kombination nach einer G n t s ch ä - d i g n n g der britischen Eigentümer der von der Eowjetregierung enteigneten P e t r o l e u m u n t e r n e h m e n. Die Entschädi­gung sollte in Form eine« Sprozentigen Diskontss erfolgen. Die Ablehnung der rusftschen Regie­rung hat rine Annäherung zwischen der Stan­dard Oil und Shell zur Folge gehabt. Es ist daher damit zu rechnen, daß beide Konzerne gegen die Lowjetregierung in der Form vorgehen werdcn, daß die obgelaufenen Lieferungsverträge nicht mehr erneuert und neue Verträge nicht mehr eingegangen werden. Da die Standard Oil jährlich dem Raphthasyndikat bis zu 220 000 Tonnen Erdvlerzeugnisse abnehme, würde rin solches Vorgehen der Erdölkonzerne gegen die öotojctitnion einen harten Schlag für das Raphtha-- syndikat bedeuten.

Decker in Verhandlungen mit den: Vatikan ziemlich weil gefördert ist. Das Kabinett hat den Gegenstand noch nicht beraten.

Das preußische Konkordat.

Abschluß der Verhandlungen mit dem Vatikan.

Berlin, 1. Oft. (III.) Wie derLokalam." aus gutunterichtctcn Kreisen erfahren haben will, sind die in der Konkordatsfrage zwischen dem preußi­schen Kultusminister und dem Apostolischen Nuntius in Berlin, Pacelli, geführten Verhand­lungen abgeschlossen. Die Konkordatsvorlage sei im Kultusministerium fertiggestellt und werde voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche im Mittelpunkt der politischen Verhandlungen in Preußen stehen und wahrscheinlich schon in den aller­nächsten lagen das Staatsministerium beschäftigen. Es verlautet, daß die Vorlage nicht mir die Rege­lung der finanziellen Frage vorsehe, sondern durchaus kulturpolitischen Charakter trage. Da der Entwurf des Kultusministers auch auf Schulfragen zurückareife, so ständen die Koali- tionsparteien in Preußen mit Ausnahme des Zen­trums vor schwierigen Entscheidungen

Die Lohiwerhandluriaen in der westdeutschen Eisenindustrie.

Noch keine Einigung.

Essen, 3. Oft. (TU.) Am Mittwoch fanden die Verhandlungen zwischen den Vertretern deS Arbeitgeberverbandes für den Bezirk der nord- tocftlidjten Gruppe und den drei Metallarbeiter- verbänden statt. Die Gewerkschaften hatten für alle Arbeiter über 21 Jahre eine Erhöhung des Lohnes um 15 Pfennig je Stunde auf die bestehenden Verdienste verlangt und sämtliche 2ll>machungen, die über die Akkord- berechnunaen, die Erhöhung der Akkord­löhne und Lehrlingslöhne getroffen waren, ge­kündigt. Die Gewerkschaften begründeten ihre Forderungen im wesentlichen mit dem Hinweis auf die in anderen Gebieten und Industrien fest- gelegten reinen Tariflöhne. Diese Hinweise wur­den von den Arbeitgebern als nicht stichhaltig bezeichnet, da schematische und rein formelle Ver­gleiche verschieden ausgebauter Tariflöhne irre­führend seien und es nur auf den t a t s ä ch - Lichen Verdien st ankomme. Die effektiven Verdienste hätten seit Dezember 1927 nachweis­bar die Erhöhung der tariflich gesicherten Stei­gerungen erheblich überschritten. Bei einer solchen Sachlage könne von der Berechtigung der Lohnforderungen nicht gesprochen werden. Die Gewerkschaften verharrten auf ihren Lohnforde­rungen, obwohl auch sie anerkannten, daß die wirtschaftliche Loge nicht mehr so g ü n st i g sei wte zu Beginn deS Jahres. Die Arbeitgeber beantragten schließlich die Anbe­raumung einer neuen gemeinsamen Sitzung auf Donnerstag, den 11. Oktober.

Oer Geburtstag desReichspräsidenten.

Berlin, 3. Okt. (WTB ) Dem Herrn R e i chs- Präsidenten sind aus Anlaß seines 81. Ge­burtstages, den er in der Stille o u f d e m L a n ö e verbracht hat, mehrere tausend Glück­wunschschreiben und -Telegramme sowie viele Blumengrüße zugegangen. Namens der Reichsregierung hat der Reichskanzler, na­mens des Reichstages und feines Präsidiums der Reichstagspräsidont, namens der Wehr­macht der R e i ch s w e h r m i n i st e r telegraphische Glückwünsä)e übersandt. Die Mitglieder des Diplomatischen Korps, die Vertreter der Länder im Reichsrat haben sich ebenso wie eine große Anzahl führender deutscher Persönlichkeiten in die Besuchsliste im Hause des Reichspräsidenten eingetragen. Der von dem LuftschiffGraf Zeppelin" für den Reichspräsidenten abgewor­fene Blumengruß traf nicht das Dach des Präsidentcnhauses, sondern ging in einer der Sei­tenstraßen nieder. Ein Mitglied des ADAC., Gau Berlin-Brandenburg sowie ein Polizeioberwacht­meister konnten den Strauß greifen und ihn Frau Major v. Hindenburg übergeben. Der Reichspräsident selbst weilt noch auf dem Jagdgut in Schorfheide: er wird dort noch einige Tage ver­bleiben. Der Reichspräsident erfreut sich im übri­gen entgegen anderslautenden Gerüchten der b c Jt e n Gesundheit. Er hat Dr. Eckener durch nachstehenden Funkspruch gedankt:Danke herzlich für Blumengruß und sende beste Glückwünsche zu neuem Erfolge und für weitere Flüge, gez von Hindenourg, Reichspräsident.

WÄiche Heimkehr desGrafZeppelm".

Von Berlin nach Friedrichshafen.

Friedrichshofen, 3. Off. Die Rückfahrt des LuftschiffesGraf Zeppelin" verlief am gestri­gen Mittwoch durchaus program mäßig. Dos Luftschiff, dos noch um 9 Uhr über dec Reichs­hauptstadt weilte, erschien bereits 10.20 Uhr über Leipzig, von Mockau waren drei Flugzeuge auf­gestiegen um dem Luftschiff das Geleit über der Messestadt zu geben. 3n der Sonne glänzend fuhr derGraf Zeppelin- in ruhiger Fahrt über die Vor­orte nach dem Stadlinncrn, wandle sich dann nach dem Völkerschlachldenkmal und entschwand kurz darauf langsam. Die Bevölkerung, die die Dächer dicht besetzt hielt, bereitete dem Luftschiff einen be­geisterten Empfang. Um 11.15 Uhr wurde derGras Zeppelin- über Meißen gesichtet. Bereits eine Viertelstunde später führte er einige Schleifenfahr­ten über Dresden aus. Die Fahrt ging dann über Freiberg, Zwickau nach Plauen, wo er um 13 Uhr eintraf. 3n rascher Fahrt ging es dann über Thüringen. Ansbach wurde 15.08 Uhr mit Kurs Südsüdwest überflogen und die württem- bergische Stadt Ellwangen wurde bereits um 15.30 Uhr erreicht. 16.05 Uhr wurde das Luftschiff von Ulm aus in direkter Richtung auf Friedrichs­hofen gesichtet, wo es um 16.40 Uhr erschien.

Die Landung.

Rach einigen großen Schleifen über dem Bodensee näherte es sich um 17.20 Uhr der Luftfchiffwerft. Kurz vor 17.30 Uhr stand das Schiff über dem Lan­dungsplatz, senkte sich langsam, die Landungslaue fielen langsam aus den Bugklappen. Die Landungs- mannfchaften sprangen hinzu und zogen das Schiff zur Erde herunter in die Halle hinein. Friedrichs­hafen ist heute noch überfüllter als sonst. Alle Hotels sind mehr als vollbesetzt. Selbst von weither kommen Leute, um sich das imposante Schauspiel der Lan­dung aus der Nähe anzusehen. So ist denn der Platz vor der werft von einer großen Menschenmenge umsäumt. An den Toren staut man sich ebenso. Die Menge wird reich belohnt. Das Luftschiff bietet bei dem herrlichen Herbstwetter gegen den tiefblauen Himmel ein wundervolles Bild. Es ist allerdings ziemlich windig. Der Ostwind wird von den Wetter- sachverständigen aus etwa sechs Meter Sekunden­geschwindigkeit angegeben, wahrend das Schiff über der Werft kreist, wird ein riesiger Strauß herbst­licher Feldblumen zur Halle gebracht, offenbar ein Gruß für den Führer des Schiffes.

Die Probe bestanden.

DerGraf Zeppelin" am Moniag zur Amerikafahrt klar.

Friedrichshafen, 3. Ott (Vom Sonder­berichterstatter de« WTB.) Der .Graf Zeppelin" liegt jetzt, nachdem er von der großen Menschen­menge mit Jubel begrüßt worden ist, wieder in der Halle. Gr hat mit dieser Dauerfahrt die große Probe für Amerika bestan­den, Dr. Eckener sowie die anderen Herren von bet Führung erklärten, daß das Schiff s i ch glänzend bewährt habe. Sm ganzen hat

das Schiff 2800 Kilometer zurückgelegt. Die größte Höhe war 2375 Meter während der Rächt über der Rordsee. Während der ganzen Dauer der Fahrt haben die Motoren ausgezeich­net gearbeitet, eS ist nicht die geringste Störung vorgekommen. Auch die B l a u g a s - versuche, die während dieser Fahrt fortgesetzt wurden, haben allen Erwartungen entsprochen, und es hat sich gezeigt, dah auch das gemeinsame Lausen der Motoren auf Blaugas vollkommen einwandfrei funktioniert. Während des größten Teiles der Fahrt ist noch Benzin zum Antrieb verwandt worden, weil das Dlaugas noch Mög­lichkeit für die Ame rikafahrt auf gespart wer­den soll. Ein wichtiges Ergebnis, ist ferner, daß das Schiff keinerleiDeformierung zeigte. Gerade bei einer so langen Fahrt können sich an einem neuen Schiff mit dieser riesigen Kon­struktion leicht Verbiegungen oder Verlagerungen zeigen. Aber nichts davon ist ausgetreten, ob­wohl derGraf Zeppelin" auch mit starkem Wind zu kämpfen hatte, so namentlich im Rhrinlande und über der Nordsee.

Das Interessanteste waren diesmal die navi - gatorischen Hebungen während der gan­zen Rächt. Der Steuerraum war von dem da­hinterliegenden Kartenraum vollkommen abge­schlossen und dunkel, damit die ^Navigation aus­schließlich nach den Instrumenten durchgeführt wurde. Es war ein seltsamer Eindruck, sagte je­mand, der Dabei war, in «dem dunklen Raum stehend nur das bunte Aufleuchten der Apparate und unten das weite dunkle Meer zu sehen. Mit diesen Hebungen ist die Besatzung für die Amerikafahrt geschult. Dr. Eckener hat sie zum großen Tell s e l b st geleitet. Er hat auf der ganzen Fahrt nur eine Stunde geschlafen, machte aber beim Verlassen des Schiffes einen durchaus frischen Eindruck. Auch der Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, Ministerialrat M ü h l i g - H o s f m a n n, hat den Hebungen bei­gewohnt. Gr erklärte sich von der Fahrt eben­falls außerordentlich befriedigt.

Das Schiff wird jetzt ü b e r h o . , es wird außer­dem jetzt das Nachziehen der Hülle beendet. Im Auf­enthaltsraum der Besatzung im Innern des Schiffs­körpers muß eine Umänderung vorgenommen wer­den, weil sich gezeigt hat, daß die Ventilation sich zu stark auswirkte. Ueber der Nordsee herrschte in der Nacht fünf Grad Kälte, und dieser eisige Wind setzt die Mannschaft natürlich gesundheitlichen Ge­fahren aus. Die Aenderung ist aber im wesentlichen bereits durchgeführt.

Am Montag wird das Schiff dann für die Amerikafahrt klar sein, so daß die Reise über den Ozean dann sofort angetreten werden kann, wenn das Tief, das augenblicklich zwischen den beiden Kontinenten liegt, vorüber ift. Post und Ver- Pflegling werden vorher an Bord gebracht wer­den. Die Briefe bekommen den Post tempel vom 7. Oktober. Vorher wird das Schiff voraussicht­lich noch eine kurze Werkstättenfahrt machen, um auszuprvbieren, ob die Aenderung der Schlafgelegenheit für die Mannschaft genügt.

Die Fahrtteilnehmer schildern ihre Eindrücke in begeisterten Worten. Die Nachtfahrt sri wundervoll gewesen, und einer der schönsten Eindrücke war Rotterdam in der Abenddämme­rung. Das Schiff ist überall, auch in Holland und England, wo es sehr niedrig flog, herzlich begrüßt worden. Die Begeisterung in Deutsch­land ist unbeschreiblich gewesen.

sofortige Veröffentlichung deS Testes des Abtommens nunmehr für unbedingt notwendig angesehen werde und nach der Zustimmung des französischen GesamtkabinettS hierzu erfolgen werde. Eine Antwort der britischen (Regierung auf diesen weiteren Schritt wurde bis Mittwoch nachmittag vertagt.

Wie Driand dem Ministerrat noch weiter mit* teilte, werde er sich auf eine Empfangsbestätigung der amerikanischen Note in der Frage der Rüstungsbeschränkungen zur See beschränken und es den amerikanischen, enallschen, französi­schen, italienischen und japanischen Sachver­ständigen, die die Vorbereitende Abrüstungs­kommission bilden, überlassen, die Diskussion, toenn der Augenblick gekommen sei, wieder aufzunehmen.

Aus aller Welt.

Ein gutes Beispiel.

3n Anllam wird am Sonntag ein Ge­fallenendenkmal ein geweiht. Erfreulich ist. daß, wie derLok.-Anz." meldet, alle Par­teien, mit Ausnahme der Kommunisten, an der Feier teilnehmen werden. Dem Denkmal­ausschuh gehören.Mitglieder der Rechtsparteien, der Demokraten und der Sozialdemokraten an. Vicht nur die Kriegervereine, sondern auch das Reichsbanner und die zum Verbände der vaterländischen Ver­eine gehörenden Gruppen werden sich an der Feier beteiligen. Geistliche der drei Kon­fessionen werden sprechen.

Bersuchsfohrlen

de» Raketenwagens Eisfeld-vallier-Rok II.

Auf einer bei Blankenburg gelegenen Strecke der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn .fanden zwei Versuchsfahrten mit dem neuen Ra­ketenwagenRak II" statt. Bei den Probefahrten handelte es sich nicht um Erzielung größerer Geschwindigkeiten, sondern um die Prüfung der Betriebssicherheit der Raketen. Die beiden Probefahrten haben nach Ansicht der Sach­verständigen vollen Erfolg gehabt Die erste Fahrt wurde mit 25 Raketen durchgeführt. Man erreichte eine Geschwindigkeit von 1 00 Kilometer. Die zweite mit 36 Raketen ergab eine solche von 210 Kilometer. Wichtig war die außerordentlich glatte und ruhige Entzündung der Raketen. Der Antrieb ging nicht ruckweise, sondern langsam vonstatten. Bei der zweiten Fahrt sprangen fast gleichzeitig alle vier Räder ab, so daß der Wagen, der nicht aus dem Gelois sprang, nur auf den Achsennaben weiterlief. Die Schuld liegt daran, daß die Spei­chen der Räder zu schwach waren.

Rückenflug mit Passagier.

Der Kunstflieger (Starben hat in Kassel erstmalig einen Versuch unternommen, mit einem Passagier einen längeren Rückenflug auszuführen. Cs gelang ihm unter Anspannung aller Kräfte. 13 M in ulten und 3 2 Sekunden mit Passagier auf dem Rücken ausz-uha'liten. Besondere Schwierigkeiten bereitete Hm das Hal­ten des Steuers, das durch öife Last der Maschine so sehr drückte, daß er es mit beiden Händen hatten mußte. Er kam ebenso wie sein Passagier völlig erschöpft wieder zur Erde.

Generaloberst von Scholl f.

Dor frühere Generaladjutamt des Kaisers unb Generallapttän der Schloß- um-b Leibgarde, Ge­neraloberst Friedrich v. Scholl, ist in Potsdam kurz vor Vollendung seines 82. Lebensjahres gestorben.

Englands Außenpolitik zwischen Frankreich und Amerika.

Sobald schon?

Zwischen Paris und London scheint ilicht alles zu stimmen. Man hört eigentlich aus den ver­schiedensten Ecken von Spannungen, die zwischen den Kabinetten entstanden sind, ja sogar von einer beginnenden Entfremdung, die für die Zukunft auch für eine aktive deutsche Politik größere Möglichkeiten eröffnet. Das klingt sehr schön. Aber wir tun doch gut daran, auch wenn die Quellen auf den ersten Blick unverdächtig aussehen, uns sehr skeptisch zu zeigen und nicht in der erstell besten Falle uns fangen zu lassen. Natürlich kann man an den Dingen herum- geheimnissen, und der englischen Politik unter­stellen, sie habe von vornherein gewußt, daß Amerika dieses Flottenlompromiß nicht anneh- men würde, habe also so ruhig eine Verstän­digung mit Frankreich auf dieser Grundlage suchen können, um Zeit zu gewinnen und sich dann nachher wieder mit Anstand zurückzuziehen.

Wir haben sicher vor Herrn Chamberlain keine allzu große Hochachtung, ebenso wie hie meisten seiner Landsleute über das, was er Außen­politik nennt, ziemlich ironisch lächeln. Aber die englische Diplomatie hat doch ein starkes Beharrungsvermögen in sich, sie hat Tradition und arbeitet auf so kurze Sicht nicht. England hat durch die Rachkriegsentwicklung einen Teil seiner DcwegungSfrei-- heit verloren. Es muh Bundesgenvs- s c n suchen, wenn es den Amerikanern gegen­über nicht endgültig die Vorhand verlieren will, und hat deshalb nach her Theorie von den Heineren Liebeln die Freundschaft Frank­reichs neuerdings gesucht. Rur soll uns nie­mand weismachen, daß diese Freundschaft auf Grund eines Flottenkompromifses zu haben ge­wesen wäre, das England alle Vorteile gibt, während die Franzosen eigentlich so gut wie gar keinen Ruhen davon haben, Weil für sie das Problem der Kreuzer fast gar keine Rolle spielt. Frankreich muh also von England Zu­geständnisse auf anderen Gebieten bekommen haben, wenn es sich zu diesem Flotten­kompromiß verstand.

Dafür spricht auch noch eine andere Erwägung: England bat den Franzosen dadurch den Bau von kleinen Unterseebooten unbegrenzt freige­geben. Man muß sich doch einmal vorstellen, was das bedeutet. Die einzige Basis, von der aus ein Aushungerungskrieg mit U-Booten gegen Eng­land im großen Stil geführt werden kann, ist eigentlich Frankreich, weil von da aus die Möglichkeit besteht, die ganzen überseeischen Trans- portwege Englands zu verlegen und fo die Nah- runqsmittelzusuhr mindestens teilweise zu sperren. Nach den Erfahrungen, die England schon mit dem deutschen U-Bootlrieg gemacht hat und die doch haarscharf an den Abgründ beranführten, kann die englische Diplomatie ein solches auch nur theoreti­

sches Zugeständnis nicht gemacht haben, wenn sie nicht greifbare Beweise dafür in der Hand hat, daß die Drohung, die damit in die Hand Frank" reichs gelegt wird, nicht effektiv werden kann bis zu dem Zeitpunkt, wo die amerikanisch- englischen Beziehungen so ober fo gereinigt find. Das ist eine so simple Auslegung, daß hier eigent­lich der Schlüssel für das Verständnis des eng­lisch-französischen Kompromisses liegt Und wenn alle mit Engelszungen redeten, um zu beweisen, daß lediglich das Abkommen über die Flottenab­rüstung vorliegt, so müssen doch Vernunftgrüirdo zu der Vermutung führen, daß die geschriebenen oder nicht geschrisbenen Abmachungen auch auf das politische Gebiet sehr stark hinüber- greifen; genau in der Form, wie das vor 1914 der Fall war. Das ift eine Tatsache, mit der auch die deutsche Außenpolitik in den nächsten Jahren zu rechnen haben wird.

Mmungsverschiehelcheiten zwischen Paris und London.

Um die Veröffentlichung des Flottenparts.

Paris, 3. Oft. (MD.) Havas bestätigt, daß der gestrige Mtnisterrat sich auch mit der Frage des französisch-englischen Flotten­kompromifses beschäftigt habe. Driand habe seine Kollegen über die zwischen London und Paris eingelriteten Verhandlungen wegen der Veröfseullichung des Kompromisses imt errichtet. Die englische Regierung, die vorgestern Über die gleiche Frage beraten habe, scheine gegen die Veröffentlichung zu fein, solange die ja­panische unb die italienische Regierung, die bis­her nur eine provisorische Antwort gesandt hätten, nicht ihren endgültigen Stand­punkt bekannt gegeben hätten. 3n voller lleber- elnfthrmmng nut feinen Ministerkollegen wird Briand in London daraus bestehen, diese Ver­öffentlichung zu beschleunigen, die für not­wendig erachtet wird, um jedes Mißver­ständnis mit Washington zu besei­tig en.

Der französische Botschafter in London war beauftragt, die Zustimmung des britischen Außen­ministeriums zur Veröffentlichung des Abkom­mens zu erlangen. 3m Falle der Ablehnung sollte der Botschafter darauf Hinweisen, daß der Ouai d'Orsay sich dann veranlaßt sehen würde, von sich aus den Schriftwechsel zu veröffent­lichen. Arn Dienstag abend traf in Paris be­reits die Antwort des Botschafters rin, daß die englische Regierung es a b l e h n e, der fron- zösischen Anregung zuzustimmen and eine Ver­öffentlichung des Schriftwechsels erst nach Zu­sammentritt deS englischen Parla­ments erfolgen könne. Daraufhin wurde der französische Botschafter beauftragt, der britischen Regierung belanntzugeben. daß in Paris die

Oie Wetterlage.

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fAlttv/och, g 3. Okt. 1928,7naMS.

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Wettervoraussage.

Der hohe Druck wandert ostwärts nach Rußland ab, zieht aber Deutschland noch mit in sein Bereich. Seine Luftmassen, sowie Aufllarung führten ftum Sinken der Temperaturen die wäh- rand der Rächt vielfach unter Rull lagen. Han­nover meldete heute morgen minus 1 Grap, Celsius. Vom Atlantischen Ozean rückt rin Druck­fallgebiet nach dem Kontinent vorwärts, daß. wenn auch zunächst die aus dem Hoch ausfließen- den Luftmassen noch die Vorherrschaft behalten, später unter Zufuhr maritimer Warmluft einen Witterungsumschlag herbeiführen dürste.

Wettervorhersage für Freitag. Rach kühler Rächt morgens stellenweise nebelig- wolkig, tagsüber wolkig mit Aufheiterung, wär­mer, noch trocten.

Witterungsaussichten für Eams- t a g. Bei weiterer Erwärmung Witterungs­umschlag wahrscheinlich

Lufttemperaturen am 3. Oktober: mittags 12,2 Grad Celsius, abends 3,5 Grad Celsius, am 4. Ott: morgens 1,6 Grad Celsius. Maximum 12,9 Grad Celsius, Minimum0,8 Grad Celsius. Erdtem­peraturen am 3. Oktober: abends 9,2 Grad Celsius: am 4. Oktober: morgen» 5,8 Grad Celsius. Son- nenfcheindauer 7% Stunden.