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wird. Der Künstler will die Grenzen, die der menschlichen Kraft gesetzt sind, nicht sehen und anerkennen, stets will er über diese hinaus, ent­wirft ungeheure Pläne, deren Ausführung wie­der am Konflikt Mensch und Amwelt scheitert. Es ist Romain Rolland nicht in erster Linie darum zu tun, die Werke Michelangelos zu analysieren, er will vor allem diesen Konflikt zwischen Mensch und Kunst darstellen. Seinem Beethoven" gleich ist Rollands Michel­angelo das Epos eines großen Einsamen, ge­schrieben für diejenigen, die in unserer Zeit noch Verständnis für folche Gröhe haben. 187

Ottokar 2 anetschek: Schuberts Lebensroman. 312 Seiten 8° und 8 Bild­tafeln. Geh. 5 Mk. Ganzl. 7 Mk. Arnalthea- Verlag, Zürich, Leipzig, Wien. Ianetfchek hat in seinem Roman alles Beiwerk vermieden und schildert auf Grund der geschichtlichen Wirklich­keit Schuberts Leben von den Anfängen seiner Künstlerlausbahn bis zum tragischen Ende des ganz verarmten Künstlers in einem selbst den damaligen Wienern unbekannten Dorstadtzins­hause. Schuberts Leben als ständiger Kampf mit dem Schicksal, als aufreibendes Ringen mit den Kleinheiten des Alltags kommt hier erschreckend klar und erstaunlich zum Ausdruck. Das Werl dürfte im Schubertjubiläumsjahr 1928 von besonderem Interesse sein und vielen Musikfreun­den eine schätzenswerte Bereicherung ihrer Di- bliother bedeuten. Die verlegerische Ausstattung des Bandes ist zu loben. 263

Lyrik.

Max Dauthendey: Ausgewählte Lieder aus neun Büchern. Umschlag- und Einbandzeichnung von Paul N e u. Preis geh. 2,50 Mark, Leinen 4,50 Mark. Verlag von Albert Langen in München. Auf der anderen Seite der Erde liegt ein teures Grab. Der Sorg, der dort vor zehn Jahren, mit der deutschen flagge bedeckt, zur Gruft unter.javanischen Palmen geleitet wurde, edle, blonde Frauen hätten ihn auf ihren Schultern tragen müssen. Denn in ihm träumte seinen letzten Traum der zweite Heinrich Frauenlob, der seiner Frau mit der goldenen Haorkrvne oielhundert süße Liebeslieder gesungen hat. Diesem Dichter war Dichten Singen, wie es im Ursprung war. Aber Dichten war ihm auch Malen, denn er war ein Maler von der Seele aus, und so lebt in zarten Pastelltönen die deutsche Landschaft in seinen Gedichten, so brennen aber auch die heißen Farben der fremdschönen Inseln in ihnen, die ihm Himmel und zugleich Hölle waren, und olle die sinnverwirrenden Farbenorgien des Orients, die er schaute. Nun hat der Verlag Langen die schönsten Lieder aus seinen neun rein lyrischen Versbüchern in einem Bande vereint, hat die innigsten Liebes­lieder ausgcwählt, die zugleich die feinsten Natur- aedichte sind, denn Max Dauthendeys Liebesemp­finden war aufs engste naturverbunden, und zuletzt die schmerzlichen Schnsuchtslieder aus der Kriegszeit, die den Dichter auf Java ingroßem Herzens­hunger" verschmachten und sterben ließ. Möge dos kleine und wohlfeile Buch dem Lyriker Dauthendey endlich die Popularität beim deutschen Volke errin­gen, deren sich der Novellist Max Dauthendey schon seit langen Jahren erfreut. 320

AntonWildgans: Gedichten mPa n. Neue Gedichte. Mit einem Bildnis des Dichters in Tiefdruck. 72 Seiten Quart. F. G. Speidelsche Ver­lagsbuchhandlung, Wien und Leipzig. 1928. Drei Ausgaben: Pergaminband 6 Mk., Halbpergament­band auf feinem Hadernpapier 10 Mk., Ganzperga­ment-Handband (30 Exemplare) auf handgeschöpftem Büttenpapier, numeriert und vom Dichter signiert 33 Mk. Das neue Werk enthält die erlesensten der in den letzten Jahren entstandenen, bisher noch nicht herausgegebenen Gedichte, die den Dichter in der l {Reife feines Lebens und auf der Höhe seines Schaf- fens zeigen, Früchte voll Saft und Süße, Kraft und ' Äodenwürze. Kostbar in der Form, dennoch heißen , Atems; gedanklich gesättigt, dennoch gesegnet von Wundern des Gefühls. Sie umgeben in adeligem Wuchs diePanische Elegie", wohl das schönste und gewichtigste Gedicht, das Wildgans geschaffen hat. 817

Ern st Lange: S o m m e rt a g e. 31 Seiten 8°. Axel Juncker, Verlag, Berlin \V 15. Lyrismen in Prosa. Dilettantische Fingerübungen, die nirgends den Bereich vrivater Aufzeichnungen überschreiten ^und weder inhaltlich noch formal irgendein literari- sches Interesse beanspruchen können.' 213

Eva Rhode-Fenner: Balladen. Darmstadt. Gesellschaft Hessischer Bücherfreunde. Diese Balladen überraschen durch ihre kunst- sichere Ausführung, durch ihre phantasievolle Form und ihre Kraft der Verbildlichung. Die Sprache wird von musikalischer Rhythmik be­schwingt, überall tritt plastischer Parallelismus hervor. Verbindung von Ratur und Menschen­dasein wird offenbar, finstere Mächte verschol­lener Zeiten werden wach. Eva Rhode hat ein Organ für das Wunderbare, Geisterhafte. Immer wird das Charakteristische erfaßt. Dabei eignet

der Dichterin Tiefe des Gefühls. Ein Hauch der Droste weht durch das kleine, geschmackvoll aus- gestattete Buch. A. B. 212

Wirtschaft.

3ur Wirtschaftet- und Geldmarktlage.

In ihrem Iuli-Monatsbericht äußert sich die Dresdner Dank über die Konjunktur­bewegung, Geldmarkt- und Börsen - l a g e u. a. wie folgt:

Eine rückläufige Tendenz in der Konjunkturbewegung kommt jetzt immer mehr auch in der Lage der Produktionsmittelin­dustrien zum Ausdruck. In den Schlüsselindu­strien sind Produktion und Absatz weiter ge­sunken, und in der Industrie der Eisen- und Metallverarbeitung ist fast überall eine Ver­schlechterung des Beschäftigungsgrades festzu­stellen. In der Gesamtlage des Arbeitsmarktes ist von dieser Entwicklung allerdings noch nichts zu verspüren. Die Zahl der unterstützten Er­werbslosen ist vielmehr weiter zurückgegangen. Indessen zeigt die Zunahme der Kurzarbeit in fast allen Industriezweigen deutlich die rück­läufige Grundtendenz, die zur Zeit lediglich von Saisoneinflüssen überdeckt ist. Auch die Güter­umsätze bestätigen erneut, daß die Konjunk­tur sich auf der absteigenden Linie be­finde:. Die Entwicklung des Außenhandels im Mai bestätigt gleichfalls die Fortdauer der Kon­junkturabschwächung.

Weil die Hauptursache eines Konjunkturrück­ganges mit in der Lleberschätzung der Kapital- beschaffungs- und Kreditmöglichkeiten seitens der Unternehmer zu liegen pflegt, muß in diesem Zusammenhänge betont werden, daß sich bisher, trotz aller Fortschritte, die inländische Ka- pitalbildung in keiner Weise zur Finan- zicrung einer Hochkonjunktur als aus­reichend erwiesen hat. Demgemäß beharren die Zinssätze des Kapitalmarktes immer noch aus ihrem hohen Rieveau, und wenn auf dem kurz­fristigen Geldmarkt seit längerer Zeit periodisch eine verhältnismäßig leichte Verfassung zu be­obachten ist, so ist dies im wesentlichen aus die Zufuhr ausländischer Gelder zurückzuführen. Lieber die Aussichten auf dem internatio­nalen Geldmarkt kann gesagt werden, daß in Reuyort nach Abwicklung des Börsenengage­ments eine Rormalisierung des Geldmarktes ein­treten dürfte, andererseits die dortige Wirt­schaftslage für die nächste Zeit keine besondere Beanspruchung des KapitÄmarktes erwarten läßt. Die Aufnahme von langfristigen Auslands­geldern seitens Deutschlands in bedeutendem Ausmaße hat weiter angehalten. Im Mai wur­den Anleihen im Romrnalbetrage von fast 500 Mill. Mk. im Auslande untergebracht und in der ersten Hälfte des Iuni in Amerika deutsche Emissionen in Höhe von 54 Mill. Dollar aufge­legt.

Bei der zunehmenden Verflechtung der Weltbörsenplätze konnte es natur­gemäß nicht unterbleiben, daß die letzten un­ruhigen Wochen in Reuyvrk auch für Berlin eine Belastungsprobe mit sich brachten. Demgemäß erfuhr das Geschäft einen außerordentlichen Rück­gang, zeitweise bis zum Stillstand.

Oie Reichsbank Ende Juni.

Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 30.1 u n i hat sich die gesamte Kapital­anlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 728,4 Millionen auf 2710,4 Millionen Marl erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 616,3 Millionen auf 2477,2 Millionen Mark, diejenigen an Lombards um 111,1 Millionen auf 138,3 Millionen Mark zugenommen. Die Effekten- bestände sind mit 94,0 Millionen Mark weiter­hin unverändert geblieben.

An Reichsbanknoten sind 767,5 Millio­nen Mark neu in den Verkehr abgeflossen, so daß sich ihr Umlauf auf 4674,2 Millionen Mark stellt. Der Umlauf an Rentenbankscheinen nahm um 37,1 Millionen auf 578,3 Millionen Mark zu, die Bestände der Reichsbank an solchen Scheinen haben sich demgemäß auf 21,3 Millio­nen Mark verringert. Sonach waren am 30. Iuni an Reichsbanknoten und Rentenbank­scheinen zusammen 5252,5 Millionen Mark im Verkehr, der gesamte Zahlungsmittelumlauf er­reichte an diesem Tage die Höhe von etwa 6320 Millionen Mark. Die fremden Gelder nahmen um 12,5 Millionen auf 525,2 Millionen Mark zu.

Die Bestände an Gold und deckungsfähi­gen Devisen zusammen sind mit 2333,8 Mill. Mark, im einzelnen die Goldbestände mit 2083,8 Mill. Mark, die Bestände der deckungsfähigen Devisen mit 250,0 Millionen Mark ausgewiesen. Die Deckung der Roten durch Gold allein

stellte sich auf 44,6 Prozent gegen 52,8 Prozent in der Vorwoche, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen auf 49,9 Prozent gegen 59,1 Prozent.

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. M., 4. Juli. Tendenz: fester. An der heutigen Börje war die Stimmung all­gemein zuversichtlich und fester, da die starke Erleichterung des Neuyorker Geldmarktes und der feste Schluß der gestrigen Neuyorker Börse den starken Druck, der auf den deutschen Börsen gelastet hatte, beseitigten. Die Aussichten hinsichtlich der roeb teren Gestaltung des hiesigen Geldmarktes werden günstig beurteilt. Es setzt sich auch die Meinung durch, daß die Geldoerteuerung in Neuyork durch die Federal Reserve-Banken gefördert worden sei, um einen weiteren Abbau der Börsenkredite zu veranlassen. Die Spekulation schritt zu Deckungs­käufen, denn verschiedentlich sollen gestern Blanko­abgaben vorgenommen worden sein. Das Geschäft war wieder nicht umfangreich, da neue Orders nach wie vor f a st v o l l k o m m e n f e h l t e n. Der Reichsbankausweis, der die starke Anspannung zum Halbjahrsultimo anzeigt, konnte keine ungünstige Wirkung ausüben, da er ungefähr den Erwartungen entsprach. Bei den ersten Notierungen waren gegen­über der gestrigen Abendbörse meist 1- bis 3-V.-H. Kurserholungen zu verzeichnen. Für einige Spezial- werte trat aber etwas lebhafteres Interesse in Er­scheinung. So für Zellstoff Aschaffenburg, die 8,25 v. H. zurückgewinnen konnten. Bon den Kali werten waren Westeregeln 6,5 v. H. höher, Salzdetfurth 3 v. H. erhöht. Am Chemiemarkt waren Farben 1 o. H. fester. Holzverkohlung ebenfalls plus 1 o.H. Scheide­anstalt 3 v. H. erholt. Von den Elektrowerten konn­ten Siemens 3 v. H. Licht 8c Kraft 1 v. H. anziehen, während AEG. und Chade-Aktien nur behauptet blieben. Banken waren vernachlässigt und gegen gestern meist unverändert. Dresdner Bank 1 v. H. gedrückt. Am Montanmarkt gab es bei kleinem Ge­schäft überwiegend kleine Kurserholungen bis etwa 1,5 o. H. Deutsche Anleihen lagen still. Ausländische Renten fast geschäftslos. Im Verlaufe wurde das Geschäft außerordentlich still, bei nicht einheitlicher Kursentwicklung traten kleinere Rückgänge ein. Für Siemens erhielt sich einiges Interesse. Der Geld­markt war immer noch wenig verändert Tagesgeld blieb zu 8 v. H. gesucht. Am Devisenmarkt zog der Dollar weiter etwas an. Das Pfund lag gegenüber der Mark etwas schwächer. Man nannte Reichsmark gegen Dollar 4,1889, gegen Pfund 20,412, London gegen Kabel 4,874750, Paris 124,22, Mailand 92,75, Madrid 29,60, Holland 12,0950.

Berliner Börse.

Berlin, 4. Iuli. Das Bild der heutigen Börse hatte sich, besonders gegen geftern ge­sehen, wieder einmal sehr schnell geändert. Ebenso wie in Reuyork der Tagesgeldmarkt gestern mit 5 Prozent nach 10 Prozent am Vortage der Börse drüben eine kleine Erholung gebracht hatte, so war man schon im hiesigen Vormittagsver­kehr auch wesentlich freundlicher ge­stimmt. Die Spekulation hatte gestern noch Reali­sationen vorgenommen und schritt heute zu Deckungen, die die evtl, herauskonnnende Ware absorbierte, die, besonders bei Spezialwerten, sofort wieder zu Materialknappheit führten. Dom Auslande wurden Kleinigkeiten gekauft, was ebenfalls zu einer günstigen Be­urteilung der Dörsensitualion beitrug. Merkwür­digerweise wurde über die Regierungserklärung und die für heute zu erwartende politische Aus­sprache im Reichstage wenig diskutiert, obwohl besonders das innerpvlitische Programm (Zoll- senkuna, Senkung der Zinssätze, Wiederherstel­lung der Rentabilität der Landwirtschaft, So­zial- und Steuerpolitik, die Ankündigung eines Kartellgesehes) für die Börse von großer Wich­tigkeit sein dürfte. Auch der heute erschienene Reichsbankausweis, der für den Halbjahrsultimo gilt und an und für sich kräftig angespannt erwartet wurde, hat mit einer Zunahme der Kapitalsanlage um 660 Millionen für Wechsel und 111 Millionen für Lombard und einer Rotenzunahme um 667 Millionen bei einer 2lbnahine der Deckungen um etwa 8 bis 9 Prozent, zunächst keinen Eindruck gemacht. Die ersten Kurse waren 1 bis 5 Prozent erhöht. Deutsche Linoleum eröffneten 9 Prozent höher, Feldmühle plus 7,5 Proz., Polyphon plus 13,75 Prozent. Bei letzteren scheinen die englischen Käufe wieder einzusetzen, denn im Verlaufe tonn­ten sie um weitere 7 Prozent anziehen. Deutsche Anleihen freundlich, Ausländer geschäftslos und eher schwächer. Pfandbriefmarkt still. Der Geld­markt war wieder leichter. Tagesgeld 7,5 bis 8,75 Prozent. Monatsgeld 8 bis 9 Prozent. Im Verlaufe wurde die Tendenz uneinheitlich und meist etwas schwächer, da erst jetzt der Reichsbankausweis kritischere Beurteilung fand. Lebhaft blieben Polyphon, Berger und Feld­mühle. Hiervon ausgehend trat später wieder

eine Erholung ein. Die ersten Kurse waren meist wieder Geld.

5ranffur:cv Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 4. Iuli. Am heutigen Haupbnarkt blieb das Geschäft still. 'Die Tendenz war jedoch im allgemeinen freundlich und die Preise konnten sich gut behaupten, wenn auch neue Anregungen nicht vor lagen. Gegen gestern sind die Rotierungen vollkommen unverändert. Es wurden notiert: Weizen 26,50 bis 26.75 Mark; Roggen 28.50; inL Hafer 27,75 bis 28,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 24.25; Weizenmehl, süd­deutsches Spezial 0, 36,50 bis 37,25; Roggenmehl 38 bis 39; Weizentteie 13.50; Roggenkleie 16,25 Mark. Tendenz: ruhig.

Oer Mordprozeß Wichmann.

WSR. Frankfurt a. 'TEL, 3. Iuli. Die Vernehmung der Sachverständigen füllte den heutigen Vormittag aus. Zunächst ließ sich Gerichtsarzt Professor Dr. Vor- k a sl n e r über den Geisteszustand des Ange- llagten aus. Der Angekagte war bei seiner Einlieferung stark deprimiert, abe^die Depres­sion war nach dem von dem Sachverständigen gewonnenen Eindruck nicht geheuchelt. Bei dem körperlich sehr heruntergekommenen Angeklagten traten psychopathische Züge auf, aber er ist sicherlich als kein schwerer Psychopath anzu­sprechen. wobei der Gutachter auf die Berufs- tüchtigkeit Wichmanns verwies. Besonders charak­teristisch waren für den Beschuldigten seine Halt­losigkeit und seine Willensschwäche. Der Sach­verständige hält den Angeklagten für sexuell normal, was er näher begründet. Es sei nicht unmöglich, daß der Angeklagte die Tat unter dem Einfluß der Frau begangen hat. aber unter ganz anderen als sexuellen Bedingungen Der Sachverständige kam schließlich zu dem Schluß, daß der Angellagte kaum mit Hcberlegunq 'ge­handelt habe.

Der zweite Sachverständige. Rervenarzt Pri­vatdozent Dr. Riese, ist der Meinung, daß der Angeklagte ein Psychopath sei. Durch daS Einrücken als Kriegsfreiwilliger wurde der or­ganische Reifungsprozeh des mit einer mangel­haften Erbmasse ausgerüsteten Angeklagten unterbrochen, ein Ereignis von entscheidender Bedeutung. Der sicherlich intellektuell sehr stark leistungsfähige Mann war andererseits auf der Entwicklungsstufe stehen geblieben. In der Ent­wicklung trat ein Bruch ein. und das Erhall en - bleiben seiner Schuhbedürftigkeit war für sein späteres Verhalten maßgebend. Der Sachverstän­dige meint, daß er unter den Lebensumständen, in denen sich die Familie befand, das Leben auch nicht als ein tragbares entpsunden hätte. Der Sachverständige äußerte sich dann zur Frage der Ueberlegung, wobei er betonte, daß das Ver­halten nach der Tat absolut hierfür kein Merk­mal bilde, das hier von Bedeutung fei. Den ganzen Familienselbstmord fasse er nicht als Einzelhandlung des Wichmann, sondern als eine Kollektiv Handlung auf. Die Frage der Zurech­nungsfähigkeit sollte man nicht von den gel­tenden Begriffen abhängig machen, die Schwere des Affekts, in dem W. handelte, sei nicht zu ermeffen. Die unglückliche Fassung des jetzt 75 Iahre alten § 51 des StrGD. genüge nicht mehr den Fortschritten, die auf medizinischem Gebiet seitdem gemacht wurden. Der Angellagte habe ohne Ueöerlegung gehandelt. Der Sachverstän­dige hält, wie er auf Befragen des Vorsitzenden bekundet, die Vernehmung einer Graphologin für nicht mehr erforderlich. Dr. Riese wirb, nachdem er von dem Angeklagten von der Schweigepflicht entbunden wurde, als Zeuge über die Angaben, die der Angellagte bezüglich der Tat selbst ihm gegenüber machte, vernommen, wobei er zu dem Schluß kam, daß die Frau es war, die den ersten energischen Schritt getan hat.

Der dritte Sachverständige, Prof. Dr. R a e ck e, beurteilte den Angeklagten nicht als einen geistig minderwertigen Menschen. Aus der Art der Tö­tung dürfe man keine besondere Brutalität an* nehmen. Die klare Heberkgung fehlte, und man müsse schon einen schweren Aftektzustand an» nehmen, der die vernünftige und klare lieber« tegung ausfchliehe

Nachdem die Verteidigung noch Fragen an Dr. Riese gerichtet hatte, wurde die Verhandlung auf Mittwoch vertagt.

Oer Strafantrag.

Frankfurt a. IN., 4. Iuli. (2DTB. Draht- bericht.) 3n der heutigen Verhandlung beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten Wichmann wegen Tötung auf verlangen gegen­über feiner Ehefrau und Totschlags seiner drei Kinder unter Zubilligung mildernder Umstände eine Gefängnisstrafe von neun Iahren.

Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse.

__Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent.

Frankfurt a. M

Berlin

Frankfurt a. M

Berlin

Frankfurt a. TI.

Berlin

Berlin. H ftuH

Geld

Briei

stramoiische Wotcr......

Holländische Noten......

Atalienifdje Noten......

Norwegische Noten......

Tenksch-Ceftcrr., ä 100 Kronen Rumänische Noten......

Schwedische Noten......

Schmetter Noten.......

Spanische Noten.......

Tschechoslowakische Noten . -

Ungarische Noten.....

Devisenmarkt Berlin

Telegraphist*

16.435

168.43

22,08

111,68

69,09

2,56

112,1'1

80,62

68,68

12,38

72.75

Frankfurt Anszah

" iOJ5 169,11

22.16 112,12

59,33

2,58 112,54

80,94 68,06 12,44 73,05

a. W.

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Datum

3 7.

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Datum:

3.7. | 4.7.

1

5% DI. Reichsanleihe v. 1927 .

DI. Airt.-Ablöl.-Schuld mit 81ufr los.-Rechten..... ...

DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 7% Rrantf. Hnp.-BI. Goldps. utv kündbar bis >032.......

WA Rheinische Hyp.-Bank Liqu.- Goldpf...........

obg. VorkriegS-Obllgatton., rückzahlbar 1032 .

4% Schweiz. Bundesb.-Anl.. . . 4% Oeslerretchilche Goldrte.. . . 4,20% Gefiert. SUberrie.....

4% Oesterreich. einheiU. Rte. . . 4% Ungarische Goldrie..... 4% Ungarische SiaatSr. v. 1910 . 4'/i% betgi. von 1913 ...

4% Ungarische Itroncnrte.....

4% Türk. fiellanlelhe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl.,

Serie 1 ..........

4% de-gl. Serie 11.......

4% {Rumänen convert. Rte. . . . 4V,% Rumänen QlolbanL von 191b

CUlg. Deuifche ti|enbahn . . 4^ Hamburg-Amerika Paket ... 8 Hamb.-SÜdam. Dampsich. . . 8 Hansa Dampfschiff .10

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Deutsche Bank......10

Dttkonto-Slesellschasl Ant.. . 10

Dresdner Bank......10

Mitteldeutsche Ctebliban! ... 9 Melallbank.........8

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Deutsche Erdöl.......6

Essener Steinkohle......8

Gelsenkirchener ... |. H J 4

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Köln-Renessen..... 9

Mannesmann........8

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265 278

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271

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Philipp Holzmann......7

Heidelberger CemetU.... 10 Leinen! Karlstadt ...... 8 Wahb & Freitag..... 10

Schultheis Patzenhofer ... 15

Lstwerke.........12

Ser. Glanzstoss ...... 18 Bemberg..... U

Zellstoff Waldhos.....1'2

Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 7

Dessauer Gas........8

Daimler Motoren ...... o Demag ....... . . o

Adlerwerke Rleeer......5

Ludw. Loewe ....... 10 Rat. Automobil ....... O Crenfieln 4 Koppel . .... 6 Leonhard Dietz . ...... 6

Bamag Megmn ....... 0 stranls. Maschine» ...... 6 Grinner .... 11 Hegligenstaedt .......v IunghanS. . ........ 4

Matnkraftwerke ....... 8

Miag...........10

Rekarsulmer ...... .8

Peter» Union ........ 8 chebr. Roeder ....... 10

Lotgl 4 Hamner ...... b

Slldd. findet........8

Bant

151

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150

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22.03 20,438 4,1925

16,46 81,50

69.05 1.947 0.501

59,09 12,421

7,386 73,07

3,933 18.87

81,74 2,139 5,435

4,180 4,274

89.968

168,60 1.774 □8.39

111.94 111,06 112,23 10,527 21,985

<50,39 4,1835 16,415

>0,62 69,07 1,943 <5.498

-'S,96 13,396 7,363 72.89 3,019 18,83 81,55 2,138 5.415 4,171 4,266 20.916

168,91 1,778 58,51

112,16 111,28

112,45 10,547 22,025

20,43 4,1915 16,455

80,78 69.21 1,947 0,500

59.08

12,416

7,377 73,03

3,025 18,87 82,71 2,142 5,425

4,179 4,274

20.956

Berkin. 3 ynli

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Lorerikamlche 'Jltrtta ..... Belgische Noten ....... Dänische Nölen ........ Englische Roten........

4,164

68,00

111,88

20.378

4,184 68,84

112.32 .'U.458