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Nachdruck verboten

5 Fortsetzung

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zu Grube getragen, ein fleißiger und treuer Ar- beitsmann, der unerwartet infolge eines Herz­schlages im Alter von 66 Saßren verschied. Der Kriegerverein, dessen Mitglied der aus dem nahen Ettingshausen gebürtige Entschlafene als ctilter Gießener 116er war, und die Feuerwehr, in deren Dienst er über 25 Jahre lang stand, Alben ihm das ehrenvolle Geleite und legten Kranzspenden nieder.

geschlossen, aller Voraussicht nach werden min­destens sieben Maschinen am Star! versammelt sein. Als Springerin hat man Frl. Rench^aus Wiesbaden gewonnen, die im fliegenden Flug- .zeug aus großer Höhe mit dem Fallschirm abspringen wird. Ballonjagden vervoll- ständizen da- Programm.

Möwe im Sturm

Vornan von Sophie Kloerß.

erwähnen: Gesangsvovträge des Gesangvereins Germania"-Grohen-Linden. sowie Kunst- und Qteigenfaßren des Radfahrervereins Großen» Linden. Der übrige Teil des Festes war durch Tanz und Volksbelustigungen verschiedenster Avt ausgcfüll't.

ri. Rieder-Dessingen, 3. Suli. Unter allseitiger Deteiliguilg wurde gestern unser Kran­kenkassen- und Kirchenrechner Wendelin Diehl

Nun ja, ein Augenblick genügt.

Dröhnend hallte der Klopfer durch das Haus. Kamen schon Gäste? Die Lieferanten hatten doch den anderen Eingang, unten m das Kellergewolbe. (Plena lauschte, stand auf, ging in das Nebenztrnmer, und horchte von der Loggia herab. Es war schon den ganzen Tag eine Unruhe in ihr gewesen, als etwas auf dem Wege zu chr, etwas, das die Ge­danken nicht in Ruhe kreisen liefe. Aber ob es ein Gutes war oder ein Schlimmes, das wußte sie

die Baronin der Ring war ein sehr wertvolles Stück.

Laß nur," sagte Elena, und ihr Gesicht sah plötz­lich müde und leidend aus.Es ist schon gut Du wirst ihn nicht iindcn. Ich weife schon. Der Baron wollte ihn zum Juwelier bringen. Die Fassung hatte sich gelockert."

Ja, sie wußte schon. Er hatte ihn in der Hand ge­halten, vor zehn Minuten, als er flüchtig hereinge­kommen war und gefaßt hatte:Mach dich sehr reizend heute abend, Earissirna. Es werden oieke Gäste kommen." Und nach einer kleinen Pause:Ich habe fünfzig Flaschen Sekt kommen lassen. Es wird keine Sache ohne Stimmung."

Den Ring hatte ihr die Kaiserin aefchenkt. Die stille Frau mit den müden Augen, die die herrlich» ften Brillanten, die schönsten Töchter, den ergeben­sten Gemahl, den elendesten Sohn und das traurigste Herz hatte. Sie hatte den Ring durch viele Not be­wahrt lind nur für Augenblicke vom Finger ge­lassen.

daß sie der Dichter als heilige, als segensreiche Him­melst achter verehrt. Denn auch uns ist das Recht eine der gröfeten Schöpfungen des menschlichen Gei­stes, eines der wertvollsten Güter der Menschheit, eine unentbehrliche Segnung von höchster sittlicher Würde. Gibt es doch keine Kultur und keinen Kul­turfortschritt, als hinter der schützenden Mauer des Rechtes: jenseits aber liegt dos Chaos, ist Anarchie, herrscht das Grauen. Der Festoortrag war durch die Art der Themabehandlung weit mehr als ein Fach­vortrag: er wurde zu einem aufeerordentlich genuß­reichen geistigen Erlebnis für alle Zuhörer, denn er brachte die innigen Zusammenhänge zwischen der Institution des Rechts und den unentbehrlichen Lebensgrundlagen jedes Menschen in so feingeistiger und packender Art heraus, wie man es wohl nur selten zu finden vermag.

Anschließend gab Se. Magnifizenz die Chronik des vergangenen Safercd bekannt, wo­bei er zunächst der verstorbenen Universitäts- angehorigen gedachte, dann die Veränderungen im Lehrkörper erwähnte, weiter auf den Ausbau der verschiedenen llniversitätsinsfttute hinwies und dabei die von warmherzigen Freunden der Universität in hohem Gemeinsinn bewiesene Munisizenz mit herzlichen Dankesworten hervor­hob. Sn diesem Zusammenhänge gab er u. a. die kurz vor der Sohresseier erfolgte Ernennung des Ministerialrates Dr. med. h. c. Löhl ei n, Darmstadt, zum Ehrensenator der Universität bekannt. Weiter dankte er der Gießener Hoch- schulgesellschaft für ihre große Subiläumsspende und die auch bisher stets bewiesene Förderung der Universität, ebenso sprach er der CRotgemein- schäft der Deutschen Wissenschaft herzlichen Dank siir ihre Unterstützung aus. Sodann widmete er warme Worte der Anerkennung dem ausgezeich­neten Verhältnis zwischen Studentenschaft und Universität, wobei er die hervorragende und un­tadelige Disziplin und den dadurch zum Ausdruck kommenden guten Geist in unserer Studentenschaft mit Worten höchsten Lobes pries.

Zum Schluß gab er die Ergebnisse der (Bearbeitung der Preisaufgaben be­kannt. Preisträger wurden: Gerhart Dobusch, stud. theol., aus Spandau, mit einer Arbeit über Schlafen und Wachen in der religiösen Sprache der Hellenistischen Bibel": W. §ü feier, cand. phiL, mit einer Arbeit über das ThemaDer Einfluß der Phänomenologie auf die historische Methode"; Th. Schrader aus Gießen, Stein- straße 12, mit einer Arbeit über das ThemaSst der Verlauf der Aäferstof sauf nähme hinsichtlich Kali und Phosphorsäure bei unseren Getreide- arten von natürlichen oder züchterischen Art­eigenschaften der Pflanzen abhängig?" Sämt­lichen Preisträgern wurde von den Fakultäten der volle Preis zuerkannt. Den Diezpreis erhielt cand. phil. Karl Hehmach aus Wetzlar auf Grund einer ArbeitDie Satire in den Pamphleten Elaude Tilliers".

Se. Magnifizenz begückwüncht? die Preis­träger und richtete im Anschluß daran die Er­mahnung an die Kommilitonen, sich allezeit mit Eifer und ganzer Hingabe in den Dienst der Wissenschaft zu stellen und unermüdlich mit- zuarbeiten an einem wieder erstarkenden, ange­sehenen und glücklichen Deutschland, unter einem kraftvollen unö gerechten Recht, im Schuhe hei­liger, segensreicher Ordnung.

Langanhaltender lebhafter Beifall befunbete dem Redner den Dank der Zuhörer für steine eindrucksvolle geistige Festaabe.

Rachdem der Akademische Gesangverein den Chor aus SchillersGlocke" von Max Bruch zum Vortrag gebracht hatte, verließ der Lehr­körper unter den Klängen des Schlußmarsches in feierlicher Weise die Aula, womit die Sahres feier ihren Abschluß fand.

nicht. _ .

Da unten eine Stimme

Großer Gott, das konnte doch nicht

Nur wenige Worte, sie konnte sie kaum verstehen, aber der Klang! Das war doch Wahnsinn. Woher sollte das Stint) kommen? Safe sicher in Wien bei der strengen Tante, wurde gehütet und bewacht, wufete nichts von der Schwester

Torheit! Torheit! Seit neun Jahren hatte sie die Stimme nicht mehr gehört. Und während sie das dachte, lauschte sie mit allen Fibern hinein in das Haus, ob es da herauskäme, hörte Geräusch, rief nach Giulii ta, sagte mit gan', trockenem Munde: Zieh, wer da kommt!" und stand hinter der Tür, als könnte es doch nicht anders sein.

(Fortsetzung folgt)

Lang-GönS. 3. Suli. Am kommenden Sonntag. 8. Suli, hält der Kriegerverein Lang-Göns das diesjährige BezirkSfest der KriegerkameradschaftHassia", Bezirk Butzbach-Bad-Rauheim, ab und verbindet damit die Weihe einer neuen Fahne. Mittags um 1.30 Uhr wird sich ein stattlicher Festzug, in dem viele Uniformen unseres Heeres aus den Freiheitskriegen und der Vorkriegszeit gezeigt werden, durch die Straßen unsere- Orts etoegen. Die Festmusik hat der Verein ehern. Militärmusiker übernommen. Lang-Göns ist als Zestort genügend bekannt. Es ist dafür gesorgt, daß die Festgaste einige frohe Stunden hier ver­leben können.

* Snheiden, 3. Suli. der Etraßenwärter i. R. Heinrich Frank hierseLst. begeht am 8. Suli seinen 8 4. Geburtstag. Der alte Herr hat bei dem ehemaligen Infanterie-Regi­ment Rr. 116 gedient und an den Feldzügen 1866 und 1870/71 teilgenommen. Trotz seine» hohen Alters weih er sich noch manches Erleb­nisses zu erinnern, und es macht chm Freude. Freunden und Bekannten davon erzählen zu können. Er nimmt noch jedes Sahr an den Feldarbeiten teil und freut sich mit seinen An­gehörigen. wenn die Frucht gut geraten heim- gebracht ist.

Kreis Schotten.

Laubach. 3. SuIL Am vorigen Samstag feierte der .Tennis-Klub Laubach' an der Stätte seines Sportplatzes auf der Westseite desVorderen RamSberges" sein 25jähriges Bestehen. Der derzeitige Vorsitzende. Studien­rat Schwei saut, begrüßte die erschienenen Mitglieder, insbesondere den Gründer des Klubs, Prof. 5)r. Roeschen. Dieser ist der einzige Ueberlebende der sechs Herren, die an der Gründung am 1. Suli 1903 teilnahmen, wäh­rend die drei an der Gründung beteiligten - Damen noch leben. Drei der Gründer haben im Weltkrieg vor dem Feinde den Heldentod ge­funden. Prof. Dr. Roeschen hatte übernom­men, Über die Gründung zu berichten. Am 1. Suli fand in seiner Wohnung die Gründungsver­sammlung statt. Zum Vorsitzenden wurde der Vortragende, zu seinem Stellvertreter Lehramts- assessor Köllner. zum Schriftführer und Kas­sierer Gerichtsreserendar Bergheimer er­nannt Wan begann sofort nach der Gründung, eifrig und eigenhändig auf dem von der Ober­försterei zur Verfügung geftetlten Gelände am Ramsberg den Sportplatz herzurichten, und schon am 13. Suli konnte das Spiel eröffnet werden. Der Klub entwickelte sich gedeihlich. Man spielte täglich, wenn die Witterung es irgend erlaubte. -Weber feine weitere Entwickelung berichtete Stu­dienrat Schweisgut, der seit 1924 den Vorsitz hat. Er konnte eine weitere eifrige Pflege d^s gesundhritsördernden Spieles feftftellen. Der Mit­gliederbestand blieb beständig: er bewegte sich seit 1906 zwischen 20 bis 25 Mitgliedern. Zum Schlüsse seiner Ausführungen teilte Studienrat Schweisgut mit, daß in Anbetracht seiner großen Verdienste um den Klub Prof. Dr. R o e s ch e n zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden sei. Dieser dankte herzlichst und brachte auf den eifrigen Vorstand und feinen verdienten Vor­sitzenden ein dreifaches Hoch aus. Darauf wurde in zwei Klassen ein Tennisturnier abge­halten. das einen glänzenden Beweis von der trefflichen Schulung der Mitglieder bot. Für die A-ÄIaffe waren drei, für die 6-Klafse zwei Preise ausgesetzt worden. Zwei Preise warcn vom Gründer des Klubs gestiftet worden. Sn der A-Klasse errang den ersten Preis Dr. Fried­rich Roßbach, den zweiten Fcl. Waldeck aus Alsfeld, eine vorzügliche Spielerin, die al- Gast geladen war, den dritten Frl. Martha V o l p: in der 6-Klasse errang den ersten Preis Frau Studienrat Schweisgut, den zweiten Frl. Aenne Weil. Ein Picknick auf dem reizvollen, von herrlichem Buchenhochwald und prächtigen Felsgruppen umgebenen Sportplatz beschloß die Feier, die zur vollen Befriedigung aller Teil­nehmer verlaufen ist.

± Köddingen. 3.Juli. Unser seitheriger För­ster Gaul, der schon seit langen Jahren in unserer Gemeinde wohnt und hier als pflichttreuer und ge­wissenhafter Beamter allseitig geschätzt ist, wurde auf seinen Wunsch nach Liederbach bei Alsfeld ver- setzt. An seine Stelle ist Förster Kraft getreten.

Kreis Alsfeld.

H Alsfeld, 3. Süll Am Samstag fand im kleinen Saale desDeutschen Hauses" eine

ein bißchen unter den Füfeen zittert, gerade so viel, um ein angenehmes Schauern hervorzuruscn. Ge­fahr regt das Leben an. Unsicherheit peitscht jeden Genufe ,3um Entzücken auf. Und schließlich man gewöhn! sich an diese schwankende Decke und geht mit leichten Füfeen über sie hin. Wenn nur der Sumpf da unten nicht durchdringt und die seidenen Schuhe befleckt.

Er war durchgedrungen. Er liefe sich nicht mehr unter der Decke halten. Mit den kleinsten verwöhn­ten Füfeen mufete man mitten hindurcygehen und so tun, als spüre man gar nicht, wie es häßlich und unsauber unter den Sohlen aufquoll.

Elena war nicht die Frau, sich lange unangeneh­men Gedanken hinzugeben. Sie hatte es nie getan Als Kind war sie auf Händen getragen worden. Der fröhliche Later, die schöne rumänische Mutter, die Erzieherin, die Dienstboten keiner hatte ihr ein kurzes Wort gesagt.

Und Sergei Sergei konnte wohl mit der Reit­peitsche zuschlagen in jäfeer Wut das nahm man hin wie ein Erdbeben oder einen Blitzschlag. aber einer Dame häßliche Worte sagen Niemals.

Giulietta, gib mir die Flasche mit White Rose. Es ist heute ganz unerträglich. Eure Kanäle riechen nicht, sie" ein Helles Auflachensie stinken. Man mufe für solch böse Sachen schon ein böses Wort brauchen."

Es war warm heute, Frau Baronin. Und wenn dann die Ebbe kommt, bann riecht der Schlamm."

Reizende Aussicht. Heute warm, und morgen wärmer, und bald heiß, ganz heife es wird nicht zum Aushalten sein."

Bis dahin wird der Herr Baron einen anderen Pa­lazzo gefunden haben, einen draußen am Meer. Oder eine schöne Billa auf der Insel, mitten im Garten, wo Frau Baronin zwischen Rosen und Tul­pen gar nicht mehr an das häßliche Haus hier den- ken wird."

Sie wußte ganz genau, was die Herrin hören wollte.

Er wird kein anderes Haus finden. Er kann auch gar kein anderes brauchen, glaube ich. Gib mir die Ringe, Giulietta. Wo ist der Schlangenring mit dem Rubm? Ich streifte ihn vorhin ab, als du die Nägel poliertest. Dori auf dem Toilettentisch mufe er liegen."

Er lag dort nicht. Giulietta bückte sich und suchte auf dem Teppich, unter den Möbeln, sah verstört auf

Sn herkömmlicher Weise beging die Hessi­sche Landesuniversität, wie gestern be­reits kurz gemeldet, am Montagmittag in der Reuen Aula ihre Sahresfeier. Sie Ver­anstaltung bot wieder ein glanz- und eindrucks­volles Bild. Den weiten Saalraum füllten dte Gäste und die Chargierten, auf der Empore hatten die Abordnungen der Studentenschaft mit ihren Fahnen Platz genommen; ein feierliches unö farbenfrohes Bild. Als Vertreter der Re- vierung waren Staatspräsident Adelung, Ministerialdirektor Urstadt und Ministerial­rat Dr. h. c. Löh lein, Darmstadt, zugegen, ferner waren anwesend Se. Magnifizenz der Rektor der Technischen Hochschule Darmstadt. Prof. Dr. Kammer, Provinzialdirektor Graes (Gießen), Oberbürgermeister Dr. Keller (Gie­ßen) und zahlreiche weitere Vertreter von Be­hörden, der Gießener Hochschulgesellfchaft. öffent­lichen Körperschaften usw. Ein zahlreicher Da- menflor verschönte die Feierstunde.

Kurz nach 11.15 Uhr eröffnete die Kapelle Topp das Fest mit dem Einzugsmarsch, unter dessen Klängen der akademische Lehrkörper, ae- sührt von Sr. Magnifizenz dem Rektor Professor Dr. Rosenberg, seinen feierlichen Einzug in die Aula hielt. Danach fang der akademische Gesangverein unter der Leitung des Universi­täts-Musikdirektors Dr. Temesvarh eine Motette von Brahms. Hierauf folgte die Festrede Gr. Magnifizenz des Rektors

Prof. Or. Bosenberg.

Er begrüßte zunächst den Staatspräsidenten Adelung, den treuen und bewährten Freund der Landesuniversität, den diese mit stolzer Freude zu den ältesten ihrer Ghrensrnatoren zähle und dem sie sich aufs engste verbunden wisse. Ferner begrüßte er besonders Se. Magnifizenz den Rektor der Technischen Hochschule Darmstadt, Pros. Dr. Kammer, und betonte, daß es das erstemal sei. daß die Technische Hochschule in dieser Weise beim Sahressest der Landesuniversi­tät vertreten sei; er fehe darin das erfreuliche Zeichen eines engen Zusammc ng chörigkeitsgefühls der beiden Hochschulen des Hessenlandes und erhoffe aus ihrer gemeinsamen, von gegenseitigen Vertrauen getragenen Arbeit reiche Früchte für die beiden Anstalten selbst, wie für das ganze Land.

Das vergangene Sahr habe der Universität mannigfache Förderung gebracht. Die Zahl der Studierenden sei in ständigem Aufstieg begriffen. So stehe die Hessische Landesuniversität in jugendlicher Frische, Blüte und Kraft da, bereit und imstande, ihre hohen Aufgaben, die ihr für Forschung und Lehre gestellt sind, zu erfüllen.

Sodann sprach der Redner über ein Pro­blem aus seinem engeren juristischen Fach­gebiet, und zwar über das ThemaD i e Gründe der Rechtsbildung". In wunder- barer Weise führte er seine Zuhörer in die vielfültig- sten Abschnitte des Themas ein. Er kennzeichnete in klarer Welse das, was für den Inhalt der Rechts­norm entscheidend ist und warum die konkreten Rechtssätze diesen und keinen anderen Jnhatt erhalten haben. An Hand einiger Beispiele arbeitete er die großen Leitgedanken des Themas in überzeu­gender Weise heraus und pries mit gutem Grund das Recht als die Grundlage aller Ordnung in dem vielseitigsten Gemeinschaftsleben der Menschen. Ord­nung ist Ruhe, Ordnung ist Frieden. Für jebes In­dividual-, wie für jedes Sozialleben aber ist die Rechtsordnung die Ruhe, der Frieden schlechthin. Da­her ist cs das immer lebendige, niemals verstum wende oder auch nur schlummernde Verlangen un­seres tiefsten Seins, daß eine Rechtsordnung bestehe, und so wird es begreiflich, daß die Rechtsordnung vom mittelalterlichen Menschen als eine überirdische Macht empfunden und Gott gleichgesetzt wird und

Während ihr das noch durch den Kopf flog, legte die Gondel an. Es war wohl ein alter Palazzo, der hier aus dem Wasser stieg. Seine Fenster zeigten Rundbogen, aus rotem Sandstein gemeißelt und in der Krönung irgendein verwittertes Wappen tra gend. Sein Portal, von dem die Treppe niederführte zum Kanal, war weit und hatte schwere Beschläge und einen riesigen Griff; im oberen Stockwerk trat die Mauer zuruck, und hinter zierlichen Säulen war in der ganzen Breite des Baues eine Loggia sicht­bar aber das Ganze feaüe lange aufgepört, ein Stolz der Stadt zu fein. Trübe wie die ganze Ge­gend, schmutzig und verfallen stand es in seinem Weltwinkel wie ein verdrossener Greis, der nur noch da ist, weil der letzte Gnadenstoß des Schicksals immer noch auf sich warten läfet.

Ecco," sagte der Gondelier und hob die Sachen aus der Gondel, Maria auffordernd anblickend.

Mein Gott, wo hatte er sie hingefahren! Wenn es nun gar nicht Elenas Wohnung war? Wenn man sie verschleppte? Sie hatte doch in den Blät­tern gelesen daß so etwas oorkarn. Nein, so stieg sie nicht aus.

Fragen Sie, ob hier Baron Biron wohnt." Sie Hämmerte sich an die Gondel wie an eine letzte Sicherheit.

Der Mann stieg auf die Treppe und schlug mit dem schweren Eisenring gegen die Tür. Es dröhnte, als liefe der Hall drinnen durch lange Räume, hallte ' von Wölbungen wider und murrte noch lange nach. Ein Fenster neben der Tür wurde aeöffnet, eine alte Frau, schlampig und mürrisch, schaute hinaus.

Wohnen hier Baron und Baronin Biron?"

8i, si, Signora. Der Portier soll kommen und öffnen."

Also heraus aus dem Kahn. Das Schicksal mußte feinen Lauf gehen. Wie das Tor sich langsam auf­tat und dahinter eine weite Dunkelheit gähnte, schüttelte es Maria.Elena," sagte sie in sich.Der Weg aeht zu dir, Elena." Und plötzlich ein grenzen­loses Mitleid mit der Schwester.Hier muß ich dick) hüben. Du Arme, du Geliebte. Ader ich will lauter Helligkeit in dein Leben bringen."

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

'Bg. Großen-Buseck, 3. Suli. Die unt­erbaute Schmiedbrücke ist vollendet. Sie T>at eine ansehnliche Breite erhalten. Durch eine andere Lag« ist die bei der alten Brücke oft mißliebig empfundene Biegung fast vollkommen verschwunden. Ebenso ist oei dem Reubau der beiderseitig« Anstieg verntieden worden. Mit ihrem Kleinpflaster macht sie einen sauberen Ein­druck. Sn den nächsten Tagen wird sie dem Ber- !ehr. auch für Lastfahrzeuge, freigegeben werden. Sie bedeutet für die Abwicklung des Verkehrs in unsrem Dorfe eine wesentliche Erleichterung. Gin.« durch den zunehmenden Verkehr recht gefährlich gewordene Stelle ist das sogenannte Kreuz. fle Stell«, wo Schloßgasse. Dismarck- straßr. Kaiserstraße und Oberpfovte »ufammen- treffen. Wiederholt konnten Unfälle hier nur im letzten Augenblick vermieden werden. Die Ge­meinde hat an dieser engen, unübersichtlichen Stelle für den Rachtverkehr bereits eine stark- terzig« Birne anbringen lassen. Falls jedoch für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen an dieser Stelle nicht eine geringe Ge­schwindigkeit vorgeschrieben wird, werden Zusammenstöße usw. hier nicht ausbleiben.

: Aus dem Busecker Tal, 3. Suli. Das überaus günstigs Wetter der letzten Tage hat di« Heuernte sehr gefördert. Beson­ders konnten am Freitag und Samstag große Mengen heimgefahren werden. Hinsichtlich des Ertrags faim die diesjährig« Heuernte als gute Mittelernte angesprochen werden. Wie fast überall, so ist auch in unserem Tale das Mähen mit der Sense eine Seltenheit ge­worden. Smmer mehr kommt die Mähmaschine zur Anwendung.

; Beuern, 2. Suli. Ein eigenartiger Vorfall, der leicht erheblichen Schaden hätte anrichten können, ereignete sich heute beim Heu- machen. Ein plötzlich einsehender Wirbel­wind ersaßt« ein Q u a n t u m H e u und schleu­derte es auf di« elektrische lieber la nb- lei tung, wo «8 sofort in Flammen aufging. Di« her unterfallenden brennenden Halme setzten das auf den Wiesen ausgebreitete Heu in Brand.

§ Großen-Linden, 3. Suli. Am Sonn­tag fand her ein Bezirks- und Der- bandskriegcrfest statt, mit dem der hie­sige Kriegerverein die Feier seines 5 0- iäferigen Bestehens beging. Don 12 Uhr ab trafen die auswärtigen Gastvereine in großer Zahl hier ein und wurden unter Musikbegleitung zu dem Festplatze geführt. Bald darauf setzte sich der Festzug in einer Größe, wie ihn die hiesig« Gemeinde selten gesehen hat, durch ver- schieden« Straßen des Ortes nach dem Fest­platze in Bewegung. 11. a. waren in dem Fest­zuge drei historisch« Wagen, von denen zwei von dem hiesigen Geflügelzuchtverein und einer von dem GesangvereinGermania" gestellt wur­den. zu s«hm. Vie Zahl der im Festzuge befind­lichen Dereinsfahnen und Danner betrug über 50. Der Ort hatte reichlichen Festschmuck angelegt. Aks sich der Jestzug in der Rahe der Kirche be­fand. wurde der Weitermarsch zum Andenken und zur Ehruna der Gefallenen auf 5 Minuten Unterbrochen. Glockengeläute und das Spiel des alten SoldatenliedesSch haft' einen Kameraden" durch die Musikkapelle gaben dem Augenblick eine besondere Weihe. Rach Ankunft des Fest­zuges auf dem Festplatze veranstaltete der h.e- fige Rei-terverein eine Quadrille. Der erste Vorsitzende des Kriegervereins, Herr Post, richtete herzliche Begrüßungsworte an alle Er­schienenen. Bürgermeister Lang begrüßte be- sonpers die auswävftgen Vereine und gedachte nochmals der Gefallenen. Weitere Ansprachen hielten der Vorsitzende des Artttterievereins Gießen, der Vorsitzende des Dezirkslrieger- Verbandes Gießen, und Förster Grasse- Ober» fieen für den Kriegerverband Hüttenberg, dem der Kriegerverein Großen-Linden als einziger hessischer Kriegerverein schon 50 Safer« angefeört. Aus den to«vieren Darbietungen find noch zu

Straff und sicher ging sie hinter dem Mann her, der sich mit ihrem Gepäck velud und zu einer Treppe im Hintergründe schritt. Zwei Türen rechts und links der Eingangshalle, die er aufftiefe, ließen das Abendlicht in den dunklen Raum fallen. Er schien wenigstens nicht so unsauber und öde wie die Fas­sade. Möbel standen in den Ecken, es blinkte aus den Zimmern wie Glas und Spiegel, jetzt, am Fuß der Trevpe, drehte ihr Führer den Kontakt, eine elektrische Birne in der Treppenbiegung flammte auf und erleuchtete den Weg in das obere Stockwerk.

Mechanisch ging sie Stufe für Stufe hinauf, spürte oben einen dicken Läufer weich und schmiegsam unter den Füfeen, sah ein Kammerzöfchen in schwarzem Kleid und weißem Häubchen sich ent­gegenkommen und fragte:Ist die Frau Baronin zu sprechen? Sagen Sie ihr, ihre Schwester wäre gekommen."

Elenas Schlafzimmer im ersten Stock ging hinaus nach dem Hof an der Rückseite des Hauses. Groß und hoch, war es einstmals für eine italienische große Dame mit allem Raffinement der Renaissance ausgestattet gewesen, hatte Deckengemälde, dem Geist der Zeit entsprechend, Götter und Nymphen in fröhlicher Zärtlichkeit zeigend, jetzt stark nachge­dunkelt und stellenweise mit häßlichen Kalkflecken bedeckt, hatte geschnitzte Paneele und geheimnisvolle Wandschränke, in deren Tiefe man immer noch tiefere unheimliche Geheimnisse ahnte, hatte umlau­fend unter der Decke einen Fries von Stuck, dicke Fruchtgirlanden, alle zwei Meter weit in einen gol­denen Kranz endend. Er war von allen Räumen des Hauses derjenige gewesen, der sich am besten ge­halten hatte. Elena hatte ihn sofort für sich mit Beschlag belegt.

Das Aussehen liefe sich mit Decken und Vorhän­gen, mit Möbeln und allerhand Kleinigkeiten leidlich Herrichten, nur der dumpfe Moderdunst, der den ganzen Kasten vom Keller bis unter das Dach füllte, der mar nicht zu vertreiben. Da half kein Parfüm, so reichlich Giulietta es ausstäubte, und bei jedem Versuch, durch Lüften die Sache zu verbessern, drangen ganz« Wolken von Miasmen herein und verschlimmerten^ die Pein. Mein Gott, ja Moder und Fäulnis! Sie hatte es tennengelernt durch viele Jahre. Aber es erträgt sich leichter, wenn eine dicke, grüne Samtdecke über dem Sumpf liegt, die nur

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