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Nr. l55 Zweites Blatt

Oie Kleine Entente gegen Mussolini.

Ton unserem römischen ^«Korrespondenten.

Rom. Ende Sunt

Die Politik der Satten, die nun schon zehn Jahre Europa beherrscht, ist durch TtuHo- lini, diese- enfant terrible der behäbigen Kabi­nette, empsindlich gestört wurden. Alle die­jenigen, die Grund haben, mit der augenblick­lichen Verteilung der Erde zufrieden zu sein, hat ein Unwohlsein befallen, seit Rom d i e Abänderung derVerträge proklamierte. Die haben durchaus Recht, wenn sie über die Gefährdung des Friedens jammern, nämlich ihres Verdauungsfriedens; Recht hat aber auch Musso­lini. wenn er erklärt, solange die Angerechtig- feit und Annatürlichkeit der Verträge bestehe, könne von einem wirklichen Frieden keine Rede sein. Es ist sinnlos, diese An­schauung als einen Beweis für den kriegs­lüsternen Faszismus zu betrachten, denn auch Mussolinis grimmigster Gegner, sein antifaszi- stischer Vorgänger Ritli, vertritt sie.

Poincars und Mussolini zwei Männer, zwei Rationen, zwei Weltanschauungeil. Immerhin mehr Konkurrenten, als Gegner aus angeborener Disharmonie. Poincar6 verteidigt schließlich nur seinen Besitz, das Besitztum der Ration, wenn er die Verträge immer wieder alsheilig" bezeichnet, wie Mussolini an das Wohl der Ration denkt, wenn er sie anfecht­bar, brüchig in ihren Voraussetzungen und Fol­gerungen, wenn er die Verträge kurz gesagt als Menschen- und damit als Stückwerk er­klärt. And wie die groben Gestirne, so ihre Trabanten. Die Vasallen Frankreichs marschieren nicht bloß aus Treue, sondern aus Berech­nung mit; für die unterlegenen Staaten hat Rom, indem eS aus der Bahn der Entente, heraustrat, eine immenfe Anziehungskraft gewon­nen. Zu Gunsten Mussolinis fällt allerdings in die Waagschale, daß er auch die Zertrüm­merung des Porzellans von SLvres durch Ke- m a l Pascha verherrlichte, diesen Borkänrpfer für die Befreiung aus der Stickluft von 1919, obwohl es nicht leicht fallen mühte, ihm daraus einen Vorteil nachzuweisen.

Anders bei Angarn, dessen Freundschaft für Italien nicht ganz gleichgültig sein kann, anders bei D e u t s ch l a n d, dessen Wohlwollen im kritischen Augenblick für Rom so entscheidend sein kann wie das Eingreifen Amerikas in den Weltkrieg. And außerhalb Europa hat das ungesättigte Italien von den Aebersatten schlicß- lich auch einiges zu verlangen. Hier spricht aus Mussolini der Diplomat, der ebenso gut rechnen kann und muh wie andere.

Für Frankreich unt> seine Vasallen ist er in diesem Augenblick aber der Feind, als solcher weit mehr zu fürchten als die waffenlosen und damit aus dem Spiel der Kräfte aus ge­schalteten Rachbarn. Wennzu tief ins lebende Fleisch der ungarischen Ration hineingeschnitten wurde", was soll dann erst Deutschland sagen. daS u. a. sogar an einen neutral gebliebenen Staat ein Stück Land abtreten muhie? Dem sämtliche Kolonien abgenommen wurden? Das dreieinhalb Millionen Brüder allein an die sprach- und rassenfremde tschechische Herrschaft verlor? Es ist also durchaus nicht allein Ungarn gemeint, wenn jetzt die Kleine Entente in Bukarest so entschieden in Poriuarvschem Französisch gegen Mussolini Stellung bezog, gegen die These von der Abänderlichkeit der Verträge.

Weit mehr noch als Frankreich treibt, zwangs­läufig. die Kleine Entente die Politik der Satten, sie kennt überhaupt keine andere aus­wärtige Politik als das Festhalten der Beute. Mag Mussolini eine noch so hohe Warte be­steigen. mit jedem Wort, das er für den eu­ropäischen Frieden einlegt, spricht er gegen die besitzende Klasse.

.Kein Vertrag ist ewig, denn die Welt schreitet vorwärts. Es gibt in den Friedensverträgen ter­ritoriale. finanzielle, svziclle Klauseln, die er­örtert, durchgesehen, verbessert werden können

Zwischen Korsika und Sardinien.

Von Or. Alphons Aobel.

-And der Geburtstag der Mutter Ihres Gvotz- vaters mütterlicherseits? Was für eine ge­borene war sie? Zweck Ihrer Reise? Warum wollen Sie nach Rom? Wie, zu Erholu ng-zwe cken? And warum fahren Sie von Deutschland nach Rom über Korsika und Sardinien?" Diese und andere Fragen bemühte ich mich, im Schweiße meines Angesichts zu be- antwvrten. Endlose Listen füllte der Sendbote Mussollnrs mit meinem Stammbaum aus. Er mühte sich nicht weniger als ich; die deutschen Tarnen waren schwer zu schreiben; buchstabieren kann man Wort« wie Schultze überhaupt nicht; und hätte ich nicht in die italienischen Staats- llsten die kompliziertesten Bestandteile meine» Famllrengeschlchte selbst hineingeschrieben so stände ich wahrscheinlich noch heute in dem Chef- zimmer der Gendarmerie zu La Maddalena.

La Maddalena ist eine Insel, gehört zu Sardinien und liegt in der Straße von Boni­facio. Das benachbarte Eiland Caprera ge­nießt einen größeren Ruf. beim auf Eaprera ist der Erve, der Bollsheld Italiens, Gari­baldi. beerdigt, der erlauchte Ahnherr groß­zügiger Hochstapler. Zwischen Eaprera und La Maddalena sind gewundene und von Jelsküsten umrahmte Meerengen, die zusammen mit den tiefen, fiordähnllchen Buchten der sardinischen Küste einen einzigen großen Raturhafen ab- geben. La Maddalena ist demzufolge der wich­tigste italienische Kriegshafen in diesen Ge­wässern. beschützt von Forts, armiert mit Ka­nonenbooten. ausgestattet mit einem Dutzend eiserner Antennen; Wasserflugzeuge steigen auf und landen, bzw. ..wassern"; U-CBootc gleiten durch das Meer, und über 40 verankerte Bojen bieten ebensovielen Schlachtschiffen und Groh- kreuzern sicheren Halt.

Rur denjenigen unter meinen Lesern, die zu­fällig einmal Admiral gewesen sind, wird diese Tatsache bekannt sein. Mir seDst war es gänz­lich unbekannt. Als ich in Bonifacio, dem südlichsten Rest auf Korsika, mich auf den ita­lienischen Dampfer (300 To.!) begab, uni als sein Ziel Maddalena nennen hörte, dachte ich an ein malerisches Fischernest, wo die Rehe zum Trocknen ausgebrei te t am Meere liegen und

Siegener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

im Interesse der Vertrage selber, zur Siche­rung einer längeren Friedensperiode."

6o_ vernünftig das klingt, dem Satten ist es störende Mullk. Jugoslawien will nichts davon hören, obwohl es zu Dreiviertel gegen die Entente kämpfte und nur durch die groteske Verschiebung zu Ende des Ringei.S plötzlich in der Reihe der Sieger auftauchte. Rumänien will nichts davon wissen, obwohl es geschlagen wurde wie fein anderer Kriegsteilnehmer, und selbst die T f ch e ch o i l o w a k e i glaubt ein bes­seres Schicksal als der ungarische Frontlamerad zu verdienen, nur weil einig? Regimenter bei­zeiten gemeutert haben. Daß jeder dieser drei Komponenten sich ein Stück Ungarn einverleibt hat. dos kittet sie zusammen, nichts anderes, und wenn Mussolini den Ungarn die Hand hinhält, so hat folglich die Kleine Entente gegen Rom zu operieren.

_ So weit wäre alles in Ordnung und auch im Sinne der Direktiven des Quai d'Orsay, aber je länger je mehr zeigt sich, daß Frankreich die Kleine Entente doch etwas anders ausfaht. als sie sich selber. Eie wurde geschaffen als Poli­zist an der deutschen Ost grenze, als Hilfswächter für die Zwingburg von Versailles, als Quartiermacher für die französische Hege­monie in Europa, aber die drei bösen Buben neigen, kaum mündig geworren, jetzt dazu. Müt­terchen Frankreich den Gehorsam aufzusagen und auf eigene Faust Politik zu treiben. Ihre west­liche Orientierung ist eigentlich nur noch eine geistige, schon mehr Rachspeise für die Literaten, als tägliches Brot der Diplomaten, die Lebens» intereffen dagegen gehen auseinander. Iugo­slawien sieht nach Triest und Saloniki. Bul­garien ist ihm im Wege, es hat so viel auf dem Balkan zu tun. daß es sich kaum noch um Paris kümmern kann. Rumänien hat feine besfarabischen Sorgen, bei denen ihm keine Sonn­tagsrede Poincarss helfen kann. And die T s ch e- ch e n denken auch mehr östlich als westlich, die Polen fitzen ihnen auf dem Racken, der Matin ist schrecklich weit. Dazu kommen die querlaufen- den Tendenzen innerhalb des merkwürdigen Drei­bundes. das rumänisch-polnische Dünd- n i s mit seiner Spitze gegen Moskau, von der die Südslawen natürlich nicht erbaut sind, die Latinität Rumäniens überhaupt gegen­über bem slawischen Block der beiden anderen Partner.

Was sie einigt, ist nur die gemeinsame Sorge wegen der Ansprüche Ungarns, und Frankreich treibt daher ein gewagtes Spiel, wenn es sie nach wie vor als zuverlässigsten Faktor in seine Rheinrechnung einsehen zu können glaubt. Ita­lien darf dabei heute nicht mehr übersehen werden.

In Rom wird andrerseits der Fehler began­gen, die französische Politik allzusehr unter dem Gesich tspunkt des Faszismus zu betrachten, das heißt, man glaubt hier nur zu gerne, Frankreich sei bloß wegen des faszisti- schen Regimes so schlecht auf Italien zu spre­chen, in Paris sei, geduldet und unterstüht, das Zentrum der Umsturzbewegung. Diese Auffas­sung geht so weit, dem Franzosen Formeln zu unterstellen wie diese, die man in der römischen Presse lesen konnte; Mag es zum Kriege kommen, wenn nur der Faszismus untergeht! Ein sehr ernsthaftes Blatt wie dieTribuna" meint, auch ein gewiß nicht faszistenfreundlicher Schriftsteller, Saint-Brice, erkenne an, daß die italienfeind­liche Haltung der französischen Presse nur der Ausdruck der freimaurerischen Direktive sei, die Frankreich und Jugoslawien in Waffen an der italienischen Grenze sehen wolle. Rundheraus müsse gesagt werden, entweder bestehe tatsächlich ein Plan für die Einkreisung und Isolierung Italiens, der den bewaffneten K flift nicht aus­schließt. oder die Anmaßung und Arroganz Bel­grads und seiner französischen Hintermänner sei einfach unerklärlich. Frankreich lade mit der Dallanisierung der europäischen Politik, mit der Aufhetzung der Kleinen Entente unter dem Vor­wand der Heiligkeit der Verträge eine schwere Verantwortung auf sich. Das faszistische Italien müsse es als eine französische Entgleisung be­trachten, Italien in den Dallanstreit hinein-

eirte Ziehharmonika die Stille bisweilen unter­bricht. Rachträgllch habe ich mich dann infor­miert, wie sehr ich im Irrtum war. Schon historisch. Das ist nicht etwa ein neuer Kriegs­hafen. nicht etwa eine Erfindung Mussolinis. In einem vor dem Kriege getriebenen Reise­buche las ich die Klage des Verfassers, der bei seiner Ankunft schon damals von Gendarmen abgeführt wurde, weil er der Spionage hin­länglich in La Maddalena verdächtig erschien. And später noch bin ich dahintergekommen, daß von La Maddalena aus der Brite Relson die Bewegungen des Korsen Rapoleon. des­sen Flotten in Toulon an der französischen Ri­viera lagen, eifersüchtig überwachte. Als er ab- zog, schenkte er der kleinen Darockkirche in La Maddalena zwei silberne Leuchter und ein gol­denes Kreuz. Vielleicht dachte der edle Lord, daß Sardinien doch einmal britisch würde, und daß dann die wertvollen Sachen im Lande blie­ben. Aber auch mit Rapvleons Ramen ist La Maddalena verknüpft. Eine Episode aus seinem Heldenleben trug sich hier zu, die in den meisten.Diograjchien ausgelassen wird. Ra­poleon ist auf diesem Eilande als junger Offi­zier 1793 in die Flucht geschlagen worden. Da­mit diese Flucht schnelllir vor sich gehen könnte, schmiß er zwei Kanonen und einen massiven Mörser ins Meer.

Aeberhaupt soll man im Mittelmeerbereiche nie eine Gegend für einsam und unbeschrieben halten. Alles hat seine Geschichte, jedes Heine Fischernest feine historischen Erinnerungen, jeder Fels feine Kriegsgeschichte, alle Städte sind Geburtsorte berühmter Persönlichkeiten und im Zweifelsfalle befindet man sich zwischen Berlin, Konstantinopel, Sevilla und Palermo immer auf einem Schlachtfelde.

Allerdings erinnern nicht überall so viele Denkmäler und Gedenktafeln an die Vergangen­heit wie zum Beispiel auf Korsika, wo kein Ort ohne Rapoleonmonument, wo der Bona­parte-Boulevards kein Ende ist. Ajaccio, fein Geburtsort, zeigt zunächst in Erz gegossen Ra­poleon als Konsul sodann, auf einem anderen Platze, den Kaiser hoch zu Roß, und. um ihn im Karree geschart, seine durch ihn berühmten Brü­der. Außerdem gibt es dort das Geburtshaus Rapoleons. das Mausoleum seiner Mutter- titia. eine Rapoleousgrvtte (in der er als Iunge

jicfjcn und der Kleinen Entente einen aus­gesprochen italienseindlichcn Charakter geben zu wollen.

Ob es wirklich nur das Anbehagen über das schwarze Hemd des andern ist. was solcher­maßen die lranzösische Politik bestimmt? Ob Paris nicht ebenso mit den Fäden, an denen die drei bösen Buben hängen, operieren würde, trenn im Palazzo Chigi Don Starzo oder Ritti statt eines Mufso.'ini sähe? Italien wird nicht darum herumkommen, sowohl in Franlreich als auch in der Kleinen Entente Gegenspieler zu er­kennen. deren Interessen nicht der Politik des Innenministers Mussolini, sondern der des Außenministers QKu folini zuwiderlau'en. In­teressen sowohl gemeinschaftlicher, wie Monieret Ratur. Denn wenn sich auch die Balkanentente von Paris freimachen sollte, von Rom trennt sie immer die Politik der Satten.

Vmidesiag der Zivildienstberechtigien.

Dom 21. bis 24. Iuni d. I. fand in Breslau der 31. Bundestag des ReichsbundeS der Zivil­dienstberechtigten statt. Das Ergebnis der Be­ratungen fand in einer Entschließung Ausdruck. in der es heißt Der Bun­destag des Rcichsbundes der Zivi dienstberech­tigten E. D.. die Spitzenorganifation der Ver­sorgungsanwärter. ftclli erneut fest, daß die Zivilvcrjorgung nicht von allen Anstellungsbe­hörden so durchgeführt wird, wie es für die Erhaltung einer zuverlässigen Wehrmacht und der Schutzpolizeien der Länder erforderlich ist. Der Bundestag 1928 hält daher folgen x Maß­nahmen für dringend erforderlich, um die Durch­führung einer geregelten Zivilversorgung zu sichern:

Die Anstellungsgrundfätze (Grundfähe für die Anstellung der Inhaber eines Dersorgungsscher- nes) müssen Gesetzeskraft erhalten. Den Ver- sorgungSanwärtern muß ein Anspruch auf An­stellung als Beamter im öffentlichen Dienst nach Maßgabe der nachgewiesenen Fähigkeiten zuge­standen werden. Die Bestimmungen in den §§ 40 ff. des Reichsbesoldungsgefetzcs 1927 find zu beseitigen, da sie die Durchführung der Zivil­versorgung erschweren. Freie oder freiwerdende Deamtenstellen sind im Interesse der Zivilver­sorgung und aus Gründen der Sparsamkeit (Ein­sparung der Aebergangsgebührnisse durch Reich und Länder- bis auf weiteres über den in den Anstellungsgrund «ätzen vorgesehenen Stellenvor­behalt hinaus mit geeigneten Versorgungsan­wärtern zu besehen. Alle Anstellungsbehörden sind zu verpflichten, die Abschlußprüfungen der Heeresfach- und Pol zciberufsschulen als Enah der Vorprüfung und als Rachweis der erforder­lichen Allgemeinbildung zwecks Vormerkung für den Deamtendienst anzuerkennen. Die Dienstzeit der Dersorgungsanwärter in der Wehrmacht, den Schuhpolizeien der Länder und im Reichswasser- schutz ist Staatsdienstzeit; demnach muh diese Denstzeit bei der Anstellung, Besoldung und Beförderung usw. der Beamten und Angestellten einheitlich bewertet werden. Die zur Zeit darüber bestehenden gesetzlichen Anrechnungsvorschriften sind zu verbeisern.

Zur Beseitigung der bestehenden Härten sind die versorgungsrechtlichen Bestimmungen für aus­geschiedene Angehörige der Wehrmacht und Schutzpolizeien nach fönenden Grundsätzen um­zugestalten: nach 10 jähriger Dienstzeit besteht beim Ausscheiden infolge Dienstunfähigkeit ein Anspruch auf Ruhegehalt und Hinterbliebenen­versorgung nach den Grundsätzen wib für Offi­ziere und Beamte; vom Tage des Ausscheidens aus dem Militär- oder Schuhpvlizeidienst nach 12 jähriger Denstzeit bis zur Anstellung im Deamtendienst besteht Anspruch auf Wartegeld und Hinterbliebenenversorgung; den Versor­gungsanwärtern sind nach der Anstellung im öffentlichen Denst die Gesamtbezüge mindestens in dem Umfange des zuletzt bezogenen Militär- oder Polizeidiensteinkornmens zu gewahren; die auf Grund älterer Dersorgungsgesetze bestehen­den Ansprüche auf Renten Versorgung und Zu­lagen müssen als wohlerworbene Rechte wieder aufleben.

von künftiger Größe geträumt haben soll), ein Rapoleon-Museum, einen Rapoleon-Korso, eine Avenue des Konsuls, eine Rapoleon-Straße, einen Bonaparte-Platz, mehrere andere Stand­bilder der Rapolevniden, darunter der König Ierome. Das ist Ajaccio. B a ft i a aber, die volkreichste Stadt an der Rordspihe der Insel, rühmt sich des llassischen Denkmals: Rapoleon in der Toga als römischer Imperator, umgeben von Allegorien aller Tugenden. B a ft i a .... Wenn man unter dem beschriebenen Denkmal am Platz vor dem neuen Hasen steht und hinaus aufs Meer sieht, gewahrt man in der Ferne die gebirgigen Umrisse einer anderen Insel: Elba. And der sentimentale Reisende, in der Muße aufgelegt zu philosophischen Geschichtsbe­trachtungen, hat Gelegenheit. Glück und Ende des Korsen zu meditieren. Wahrscheinlich hat sich Korsika feit jenen Tagen gar nicht verändert. Die paar Bahnlinien versöhnen durch sentimentale Langsamkeit (um die Hälfte der nur 200 Kilo­meter langen Insel zu durchqueren, braucht man mit der Bahn einen vollen Tag!). Bebaut ist es nicht; überall dehnt sich die Macchia, oder wie die Franzosen sagen, das Maquis: Heide­landschaft mit viel Unterholz und wenig Bäu­men, distelreich, wild, ungangbar, überragt von schroffen Felsenklippen, an deren Fuß sich die Kakteen, oft mannshoch, schmiegen. Weiter land­einwärts das Gebirge, nicht minder wild, bis 2800 Meter hoch, auf den Spitzen den ewigen Schnee.

Der Leser wird schon vermißt haben, daß ich noch nicht von der Blutrache sprach, die auf Korsika bekanntlich zu Hause ist. Ich hätte mich auch nicht so lange bei den Rapoleons aufgehalten, wäre ich wohl noch im Besitze meines, eigens für diesen Publikalionszweck ge­sammelten Materials. Bei meinem Aufenthalte in Dastia nämlich lief dort ein wunderschöner Mordprozeh, der geradezu danach schreit, ver­filmt zu werden. In einem korsischen ©ebirgS- dorfe, dessen Ramen ich vergessen habe, lebten zwei Familien in Feindschaft. Wahrscheinlich warteten sie voller Spannung auf den Moment, wo die Söhne so weit herangewachsen waren, daß sie die traditionelle Feindschaft in ihre eigenen Hände nehmen konnten. Dieser Moment kam im Rovember vergangenen Jahres. Im nächsten Dorfe war Tanz und am anderen Mor­gen waren Int beiden Söhne bet beiden Fa-

Mittwoch, 4. Juli (928

Der Bundestag fordert außerdem in Ueberein- ftimmung mit den Spitzen verbänden der Be­amtenschaft: Abschaffung des DiätariatS; Ver­einigung der Assistenten und Sekretäre zu einer De oldungsgruppe solange dies nicht durchqe- führt. ist die Schaffung ausreichender Beför- derungSmöglichleiten für die Gruppen der Se­kretäre und Assistenten sowie für die Beamten des unteren und Kanzleidienstes notwendig; Zulassung aller Beamten zur Sonderprü'ung. soweit fie nach den früheren Laufbahnbestim­mungen für den Assistentendienst a. O. vvrge- merit und vorgeprüst waren oder die Auf­stiegsmöglichkeit dafür batten: Verbesserung der Cinstufuirg der sondergeprüsten O^rsckretäre oder Erhöhung des Endgehalts der Besoldung. - gruppe Id. Beseitigung der in den neuen Be­soldungsgesetzen vorhandenen Härt n und Be- nachleiligungen für die Beamten; baldige An­stellung der überalterten Diiitare und außerplan­mäßigen Beamten bei allen Verwaltungen; tvr- mehrte Anrechnung der Denst):it als Hilfsar­beiter oder Heller auf das Desoldungsdienstalter; Beseitigung der Rachtetle und Härten, die den Warie- und Ruhestandsbeamten durch die neuen Besoldungsgesetz.- entstanden sind; jeg'icher Be» amtenabbau hat zu unterbleiben, die Erhaltung des BerusSbeamtcntums auf ösfenllich r d)ti Ixr Grundlage muß auch in Zukunft gewährleistet fein. _______________

Klug- und Zeppelintag in Gießen.

Am kommenden Sonntag wird in Gießen ein großer F 1 u g t a g veranstaltet. Der Flughafen dürste an diesem Tage von überallher besucht fein. Rach dem ersten gelungenen Ozeanflug von Deutschland aus. nach der mißglückten Rord- polfahrt mit ihrem tragischen Abschluß, ist daS Interesse für alles, was mit der Luftfahrt zu­sammenhängt, wieder einmal sehr rege geworden, so daß die Qkranftaltung eines oberhessisch, n Flugtags gewiß starke Beachtung finden wird. Es trifft sich gut, daß der Termin mit dem 90. Geburtstage des Grafen Zeppelin zu- sammenfällt, dessen großes Werk durch den Reu­bau in Friedrichshafen eine Krönung erfährt. So wird das Gießener Unternehmen zugleich mit einer Ehrung dts Rarnens Zeppelin ver­bunden fein, der in der ganzen zivilisierten Welt einen guten Klang hat.

Das Programm des Gießener Flugtages um­faßt die ganze Skala fliegerischer Betätigung: den einfachen Flug, den Kunstslug und den Go- schicklichkeitsflug. Der Kunstflug, dessen Baler der Franzo'e Pegoud war, hat in den letz.en Iahren gerade in Deutschland eine Bereicherung erfahren, die kaum noch zu überbieten ist; das Flugzeug ist zu einem Instrument geworden, das alle anderen Verkehrsmittel nicht nur an Schnel­ligkeit, sondern auch an Gelenkigkeit und Wendig­keit übertrifft. Man fliegt mit ihm auf dem Rücken, d. h. der Flieger verlegt den Schwer­punkt nach der Erde, man macht alle möglichen Kunststücke mit ihm, so leicht und fo spielerisch, daß die Schwere solcher Uebungen gar nicht mehr in die Erscheinung tritt und als eine Selbstverständlichkeit empfunden wird. Eine ganze Reihe von Pklvten, deren Ramen in der Sport­fliegerei guten Klang hat, wird sich in Gießen betätigen, darunter Keiting. Felmh und Martens. Martens, der tn den nächsten Wochen einen Euro Pasing mit einem Kleinflug­zeug antreten will, wird in Gießen seinMotor­rad der Luft" vorführen, ein Mafchinchen, daS mit wenigen P. S. ausgerüstet, das gleiche fertig» bringt tote eine große Maschine mit Hunderten ton Pferdekräften. Ke 11ing, der Sport­leiter des Flugtags, fliegt ein französisches Flug­zeug, eine Caudroninaschine von 130 P. S., deren Steigfähigkeit gegenüber den deutschen Flug­zeugen unerhört ist. Hauptmann a. D. F e l m y endlich, der Leiter der deutschen Lufthansa in Frankfurt, fliegt eine Klernm-Darrnler-Maschine von 20 P. S., die an Leichtigkeit und Beweglich­keit ihresgleichen sucht. Mil anderen Flugzeug­führern sind die Verhandlungen noch nicht ab*

mitten nicht heimgekehrt. Einer wurde bald an einem Waldrand im Gebüsch versteckt als blut­besudelte Leiche gefunden. Der andere aber lebte, er kam nach einigen Tagen, etwas scheu und sichtlich mit schlechtem Gewissen, zurück. Die Mahnung des Bürgermeisters, doch das Maquis Aum Aufenthalte zu wählen (eS ist noch heute schwer, jemanden aus dem Maquis zu holen, der es darauf anlegt, nicht geholt zu werden), wies er ab. Am übernächsten Tage wurde, mit gehörigem Aufgebot an Gendarmen, die gesamte männliche Einwohnerschaft des Dorfes zwischen 17 und 30 Iahren verhaftet. Der Monsterprozeß spielle in Dastia und die Ver­handlungen waren so interessant, daß ich aus der korsischen Presse (die zum Teil in Mar­seille gedruckt wird) die gesamten Presseberichte herau^chnitt, um sie in diesem Leinen Auf­sätze zu verwerten. Die Blätter beschrieben alles genau: die Aussagen und die Gebärden dec Angeklagten und sämtlicher Zeugen, besonders aber das Verhalten und die Gesichter der eben­falls zu Zeugen geladenen Mädchen. Dann hieß es:Run erhob sich unser berühmter Staats­anwall, lautlose Stille erfüllte den GerichtSsaal. und die eherne Stimme des großen Juristen formte_ die niederschmetternden Anklagesähe wie mit Hämmern ..Ein paar Spalten weiter hieß es: ..Dann aber erhob sich unser berühmter Advokat, lautlose Stille erfüllte den Ger ich ts- faal, und die geschmeidige Stimme des großen Verteidigers zerpflückte vor den Ohren der Ge­schworenen die Anklagerede des ruhmbedeckten Staatsanwalles...." Wie gesagt, ich würde das alles gern ausführlicher mit teilen; aber das Material ist mir abhanden gekommen.

Als ich nämlich auf der italienischen Gen- darmerie zu La Maddalena über meine Vor­fahren vernommen wurde, unterzogen die Be­amten mein Gepäck einer ausgedehnten Revision und beschlagnahmten folgende Stücke: einen Ro­man von Balzac, einen photographischen Appa­rat, fünf Filmpacks, ein Exemplar der ., Frank­furter Zeitung", in dem meine Hausschuhe ein* gewickelt waren, und sämtliche französischen Jour­nale. Den Apparat unb die Filmpacks erhielt ich zurück, als ich wieder auf dem Schiffe war die Zeitungen jedoch sah ich niemals wieder« Es ist nämlich verboten, tn Italien bedrucktes Papier einzuführen.