Ausgabe 
3.12.1928
 
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Jcad) der Verhaftung des Oberinspektors begaben sich die französischen Beamten auch in d eisen Prioatwohnung und nahmen dort gleichfalls eine umfangreiche Haussuchung vor. Gegen ein Uhr mittags erschienen drei ftanzösische Kriminal­beamte in der Wohnung des in der Möbelabteiluna des Reichsvermögensamts beschäftigten Heinrich Schilling, in der Josephstraße 52, wo sonst nur französische Offiziere wohnen und Schilling H a us = vermalter ist. Sie hielten hier ebenfalls ein­gehende Haussuchung ab und erklärten Schilling für verhaftet. Am gleichen Mittwoch vormittag hiel­ten sie bei dem Kasernenwärter Seegräber in Weisenau ebenfalls eine Untersuchung ab See- gröber ist im Artilleriepark in der Rheinallee be­schäftigt, ebenso bei dem im Fliegerpark in der Rheinstraße tätigen Arbeiter Frenz und bei dem im Hause Hindenburgstraße 49 wohnhaften, als Heizer beschäftigten Arbeiter Schmitt. Das Haus wird gleichfalls nur von französischen Offizieren be­wohnt. Am Donnerstagvormittag erfolgte im Zu­sammenhang mit der Angelegenheit die Berhastung des im Stadtpark in einem französischen Offiziers- Haus wohnhaften Heizers S t e n n e r und weiterhin des im früheren Zeughaus und jetzigen französischen Soldatenheim in der Rheinstraße und in derCoope- rative in der Gerichtsstraße tätigen Heizers Wocker aus der Wallausstraße.

Allen Beteiligten wurde zur Last gelegt, sich gegen Ordonnanz 71 der Aheinlandkommtsswn. die von Spionage und Gefährdung der Sicherheit der Besatzungstruppen handelt, vergangen zu haben. Oberinspektor Kratz soll versucht haben, von den Mitverhaftelen Schriftstücke und Plane zu erhal.en. dir von diesen in den französischen Ofsizierswohnun- gen entwendet werden sollten: außerdem sol­len die Beschuldigten mit einem Geheim­agenten aus dem unbesetzten Gebret in Verbindung gestanden und diesem das Material geliefert haben. Inwieweit die Beschuldigungen zutreffen, ist abzuwar en, west bei den bisherigen eingehenden Vernehmungen alle deutschen Beh o r denve r t r e t e r und Bechtsbeistände 'ferngehalten wurden. Jedenfalls erfolgte aber bereits die Freilassung des Schilling, Frenz und S t e n n e r am Donnerstagabend. Ob diese Be­schuldigungen bei den anderen Verhafteten, die noch festgehalten werden, begründet sind, konnte bisher noch nicht fest gestellt werden. Die amt­lichen Stellen sind jedenfalls sofort verständigt worden.

Nochmals Reform der Ehescheidung.

Fortsetzung der Reichstagsdebatte.

Berlin, 1. Dez. (DDZ.) Der Reichstag setzte die Aussprache über die Anträge der Sozial- demokraten, Demokraten und Kommunisten zur Reform der Ehescheidung, über die Rechtsstellung der Frau und des außerehelichen Kindes fort.

Aba. Ehler mann (Dem.) weist darauf hin, daß die Notwendigkeit einer Reform der Ehe­scheidung von fast allen Parteien anerkannt werde. Gerade aus Gründen der Sittlichkeit, der Mensch­lichkeit und des Ansehens der Ehe im Volke sowie aus Gründen des Staatswohls sei eine Verbesse­rung des EhescheidungsvechlS notwendig. An Stelle des Verschuldungsprinzips se das Prinzip der objektiven Zerrüttung der Ehe gesetzt werden. Ernsthaft müsse man auch die Frage prüfen, ob nicht bei beider­seitigem Einverständnis ohne gericht­liche Kststellung der Zerrüttung mit ihrem pein­lichen Änhringen in die intimsten menschlichen Bewegungen eine Scheidung ermöglicht werden soll/ Scharfe Kautelen müßten allerdings zum Schuh für Mutter und Kind geschaffen werden, Der Redner erinnert zum Schluß an das Elend und die Verzweiflung, die das heutige Scheidungswefen vielfach verschuldet habe. Die Reformwünsche seien deshalb aus tiefster Ge- wis ensnot geboren. . .

Abg. Dr. Hanemann (Dtschntl.): Die letzt vom Reichsrat vorgesehene Aenderung des Rechts der unehelichen Kinder baue sich auf dem Verschuldungsprinzip auf, wäh­rend man die Verwandtschaft zur Grundlage machen sollte. Der Redner bean­tragt, alle vorliegenden Anträge dem Rechts­ausschuh zu überweisen. Man könne gespannt darauf sein, wie sich die jetzige Regierungs­koalition bei den in ihr vorhandenen weltan­schaulichen Gegensätzen mit der vorliegenden Ma­terie abfinden werde.

Abg. Frau Weber (Zentr.) erkennt an, daß die jetzige Rechtsstellung der Frau viele Här­ten und Llngerechtigkeiten enthalte. Das Zen­trum nehme zum Chescheidungsrecht Stellung nicht unter dem Gesichtspunkt des katholischen Dogmas, sondern aus der Erkenntnis heraus, daß die Grundlage des Staates in der Familie und Einehe liege. Die hier angeregte Cheschei- dungsreform würde zu einer Steigerung der Zahl der Ehescheidungen führen und einen Schritt von der Einehe zur Kame­radschaftsehe bedeuten. Diese Reform würde zu La ft en der Frauen und Kin­der gehen. Das Zentrum halte an dem Ver­schuldungsprinzip fest und lehne die hier be­antragte Ehescheidungsrefvrm ab.

Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) betont der Vorrednerin gegenüber, die Anhänger der Ehe- scheidungsreform ließen sich von der ssttlichen Verpflichtung leiten, durch das Recht den er­schütternden Tasachen des Lebens Rechnung zu tragen. In der Frage der Staatsangehö­rigkeit seien die deutschen Frauen besonders benachtestigt. Diese Frage müsse auf der Haager Internationalen Rechtslonferenz behandelt wer­den. Die Ehefrau müsse eine eigeneRechts- persönlichkeit werden und auch die damit verbundenen Pflichten und Verantwortungen tra­gen. Bisher hätten sich die Regierungen bemüht, die den Frauen in der Verfassung gegebenen Versprechungen zu umgehen. Man versuche so­gar den Artikel 14 der 2lbbauverordnung zum Dauerrecht zu machen, jenen Artikel, nach dem Beamtinnen entlassen werden, wenn sie heiraten. Der Frau müsse endlich die Gleichberechtigung gewährt werden.

Abg. Dr. I ö r i s s e n (Wirtsch.-Part.) meint, eine Reform des ehelichen Güter­rechts und des Rechts der unehelichen Mütter und Kinder sei notwendig. Die Wirtschaftspartei werde mitarbeiten an einer Reform, die einer­seits den modernen wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung trägt, andererseits aber auch eine Lockerung von Sitte und Moral vermeidet.

216g. Dr. v. Mendhausen (Chriftl.-Rat. Bauernpartei) lehnt eine Erleichterung der Che- scheidung ab. Die Ehe als Grundlage der christ-

Italienisch -französische Spannungen.

Berlin, 2. Dez. (Eigene Meldung.) Rach- dem vor mehreren LNonaten in Paris das neue Tangerabkommen zwischen Italien. England. Spanien und Frankreich unter Dach und Fach gebracht worden war, hieß es. daß nunmehr die Dahn frei sei für eine italie­nisch-französische Der ständig nn g.In- zwischen tauchten immer wieder Rachrichten auf. denen zufolge es angeblid) gelungen war. die Grundlage für eine Interessen-Ab­grenzung beider Mächte zu finden, dann aber wurde es wieder still und man hörte nur in reaelmätzicen Abständen von neuen G renz- zwischen fallen bei Qkntimigüa und an- derswo, die Zeugnis ablenien von der ge­reizten Stimmung zwischen beiden Staaten.

Die Streitpunkte, um die es sich dabei handelte, sind hochpolitischer Ratur. Einmal ist zwischen beiden Ländern noch kein gegenseitiger Rü­stungsstandard vereinbart worden und überdies hat Mussolini beansprucht, daß Italiens Landheer dem jedes anderen Staates gewachsen sein müßte. Schwere Konflsttspunkte liegen in Rordafrita, dort hat der italienische Men- schenüberschutz in dem französischen Tunis staatsitalienische Kolonien insgesamt von meh­reren Millionen Menschen entstehen lassen, die darum kämpfen, die italienische Ratio­nalität behalten zu können. Italiens Wünsche nach einer durchgreifenden Grenzberich- tigung zu seinen Gunsten in Rordafrika sind seit langem angemeldet, aber von Frankreich bisher hinhallend behandelt worden, pinklar sind auch die Mächteverhältnisse zwischen den einzelnen Flotten im Mittelmeer. England als tradi­tionelle Mittclmeermacht hat dort bisher seine Stellung zu wahren gewußt. Die italienische Poli­tik der plötzlichen Vorstöße war immer mehr oder minder rvn London her beeinflußt. Frankreich dagegen macht gleichfalls Ansprüche auf die Herr­schaft im «westlichen Mittelmeer gellend, zumal es wichtige Verbindungslinien zwischen Mar­seille und Algier zu schützen hat.

Auch auf das östliche Millelmeer erstrecken sich diese Rivalitätskämpfe. Dort besitzt Frankreich das Völkerbundsmandat über Syrien, für das Italien schon längst als Interessent gelten muß. Kürzlich haben in der Pariser Kammer die Sozialdemokraten beantragt, dem Völkerbunde das Mandat zur Ver­fügung zu stellen, weil die Franzosen in Syrien bisher weniger Lorbeeren geerntet als blutige Auf­

stände durchzukämpfen hatten. PoincorS hatte es leicht, einen Vorstoß der Opposition zurückzuwetsen. Er brauchte nur mit einem deutlichen Hinweis auf Italien darauf aufmerksam zu machen, daß der Völkerbund einen Nachfolger für Frank­reich für das syrische Mandat sehr leicht fmden ^Rein gefühlsmäßig sind die Gegensätze zwi­schen Frankreich und Italien in diesen Tagen wiederum verschärft worden. In Paris war der Mörder eines italienischen Konsuls vom Schwurgericht zu nur zwei I ahren Gefängnisverurteilt Werder. Darauf gab es in ganz Italien antifranzösische Demon­strationen in einem Ausmaß, wie wir es schon lange nicht er ebt hiben. und Mussolini er« klärte öffentlich, daß er die Empörung Italiens volliommen begr.i e. Dir französische Re ierung hat wohl eingesehen, daß hier etwas geschehen müsse. So hat der Mini'lerrat seine Entschei­dung dahin belanntgemacht, daß künsttg die Ausländer in Jranlr ich etwas schärfer überwacht toert en sollen, da unverhältnis­mäßig viele politische Morde gerade m Frank­reich vorgekommen seien. Glüchgüllig. wie diese Angelegenheit geregelt wird, auf alle Fälle bleibt die Atmosphäre zwischen beiden ßänbem in der nächsten Zeit gekannt und erscheint wenig ge­eignet für eine Lösuni der zwi'chen ihnen schwe­benden sach tchen politischen Gegensätze.

plebrigens darf man auch bei allen Willlär- debatten, wie sie jetzt in der französischen Kam­mer geführt worden sind, nie ganz vergessen, daß das ganze Geschrei wegen der angeblich be­drohten französischen Sicherheiten sich zu einem guten Telle nur äußerlich _ gegen Deutschland wendet, denn die Franzosen, auch der Abgeordnete Fabry, wissen ganz ge­nau, daß ihnen von Deutschland her keine Gefahr droht. 2lber sie sagen Deutsch­land und meinen Italien, und des­halb ist ihnen die Fortsetzung des traditionellen Sicherhellsgeschreis wegen der angeblichen 'Be­drohung ihrer Ostgrenzen eine so willkommene Gelegenheit, um ihren eigentlich politisch-mili­tärischen Aufmarsch zu verschleiern. Sicherlich liegt in der unausgeglichenen und vielleicht gar nicht auszugleichenden italienisch-französischen

| Spannung eine der schwersten Bedrohungen des europäischen Friedens überhaupt.

lichen Staatsordnung dürfe nicht erschüttert werden.

Damit schließt die Aussprache. Die Anträge werden dem Rechtsausschuß überwiesen.

Kleine politische Nachrichten.

Das Reichskabinett nahm den Entwurf eines Gesetzes über dreErhöhungdesZucker- zolls unter gleichzeitiger Festsetzung von Höchst­preisen für Zucker an und beschloß, das Ge­setz an den Reichswirtschastsrat und an den Reichs­rat zu leiten.

Reichsjustizminister Koch-Weser hat di, e e r st e Frau ins Reichsjuftizministeriumbe- rufen. Frau Rechtsanwalt Dr. v. Erffa - München ist als wissenschaftliche Hilfsarbeiterin für die Fragern der Strafrechtsreform in. dieses Ministerium berufen worden.

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Im Reichsjustizministerium ist der Gesetzent­wurf über die Abfindung der Stande s- Herren f ertiggestellt worden. Es ist gelungen, in den Verhandlungen mit Preußen eine völlige Einigung zu erzielen.

2lls Rachfolger des zum Botschafter in Mos­kau ernannten Ministerialdirektors v. ©treffen als Leiter der Ostabteilung des Auswärttgen Amtes ist der bisherige Dirigent dieser Abtei­lung, Vortragender Legationsrat Trautmann, in Aussicht genommen.

Schwere Erdbebenkatastrophe in Chile.

Annähernd 300 Todesopfer.

Santiago,!. Dez. (1BB.) Die Orte Talcaund E h l l l a n sind kurz nach Mitternacht von einem heftigen Erdbebe n heimgesucht worden. Die telephonische und telegraphische Ver­bindung mit den betroffenen Orten ist unterbrochen. Der Kriegsminifier ist i m F l u g z e u g zur Besichti­gung des Erdbebengebietes nach Talca abgereist. Die Truppen der benachbarten Garnisonen wurden zu Rettungsarbeiten aufgeboten, von verschiedenen Behörden wurde die Verhängung des Belagerungs­zustandes über die heimgesuchten Distrikte nach­gesucht. In Santiago in Automobilen eiugetrosfene Personen berichten, dah der Ort Santa Lru; zer­stört und die Städte Lurico und Talca schwere Beschädigungen erlitten haben.

Soweit die infolge der Zerstörung der Leitungen nur unvollständigen Berichte eine Beurteilung des von dem Erdbeben verursachten Schadens zuiasseu, kann die Z a h l bet loten auf annähernd 300 und die der Verletzten auf mehrere hundert bezif­fert werden. Zwölf Städte von Südchile sind in Mitleidenschaft gezogen. Besonders schwer hat Talca gelitten, wo die Zahl der Toten hundert überschreitet. Der Kriegsminifier beschreibt Talca als eine Ruinen ft abt, deren Straßen mit Toten und verletzten gefüllt seien, wer fliehen könne, suche Zuslucht auf den Feldern. Auch die Stadt Santa Lru; ist zerstört. Der Schaden auf dem Lande ist noch unübersehbar, da die Brücken und Straßen zerstört sind, und der Verkehr dadurch behindert ist. Vas Arbeiterlager des Teniente-Bergwerks, einer amerikani­schen Kupfergesellschaft, ist durch die IDaffermaffen eines Reservoirs vernichtet worden, die infolge e'neö Dammbruches talabwärts fluteten und Brücken und Häuser mitrissen. Die Zahl der Toten in diesem Tal wird auf fünfzig geschäht, weitere durch Flieger und einen improvisierten Funkdienst eingehende Berichte melden, dah die Erdstöße in Talca fortbauern, wo noch zwölf Stunben nach betn Beginn bes Lrbbebens Gebäube burch Erdstöße zum Einsturz gebracht worden sind. Prä­

sident Ibanez ist in die von der Katastrophe heimgesuchte Gegend abgereift, wohin, wie bereits gemeldet. Kriegsschiffe, Truppen und Flieger zur Hilfeleistung entsandt worden sind.

Theaierffandal in Hamburg.

Mit Stintbomben und Nictzpulver gegen das Publikum.

Hamburg, 1. Dez. (WTB.) Im Deutschen Schauspielhaue kam es Fr.itag gegen 9.30 Ahr bei der Aufführung des StückesVerbrecher" zu Störungen. Der erftc Akt wurde ohne jede Störung zu Ende gespielt. Kaum hatte sich aber nach der Pause ter Vorhang wieder gehoben, als ein ungeheurer Lärm einfetzte. Die Demonstranten, deren Unternehmen allem An­schein nach sorgfältig organisiert war, so dah sie auf die verschiedensten Plätze ver­teilt wären, begannen laut zischen. Zu gleicher Zeit sah man einen Teil des Publikums im Par'ett nach Atem ringend, mit trä - nendenAugen. mitDaschm ü5)ern vor Mund und Rase aus den Sitzreihen in die Wandelgänge stürzen, da aus den oberen Rängen und aus dem Stehparterre Stin k bomben ündRietz- Pulverröhrchen ins Parkett geschleudert worden waren. Gleichzeitig veran'ia t.' en die De­monstranten, offenbar Nationalsozialisten, auf Trillerp ei en und Virenen einen wüsten Radau. Das Pubti.um nahm einmütig gegen die Ruhe­störer Stellung. Auf der Bühne hatte man ver­geblich versucht, weiter zu spielen, sah sich dann abex veranlaßt, den Vorhang fallen zu las en, zumal der Aufenthalt in den durch die S.inkbomben verpe eten und Rieß- Pulver ecfu lten Sitzreihen des Pavletls für das Publikum unmlgich war. Es dauerte einige Zeit, bis es der Polizei, die auf den Alarm hin eine Streife von 30 Mann entsandt hatte, gelang, die Haupträdelsführer teilweise gewaltsam zum Verlassen des Theaters zu zwingen. Das Publikum, das lebhaft verlangt hatte, daß die Aufführung fortgesetzt werde, stand während dieser Säuberungsaktion vielfach auf den Sitzplätzen und bezeichnete den Polizeibeamten die Personen, die sich an der gewaltsamen Störung betei­ligt hatten. Rach einer halben Stunde war die Ruhe wiederhergestellt und die Vor­stellung konnte ohne Störung zu Ende geführt werden. Dor dem Theater hatte sich eine größere Menschenmenge angesammelt, die sich zu einem erheblichen Teil aus den aus dem Theater ent­fernten Ruhestörern und ihren Anhängern zu- sammensehte. Da sie das aus dem Theater kom­mende Publikum belästigten, griff die in­zwischen noch verstärkte Polizei erneut ein und nahm 16 Personen fest. Unter den Festgenom­menen befand sich auch das nationalsozialistische Mitglied der Bürgerschaft, Hüttmann.

Aus aller Wett.

Lin getjeimnisoo s verbrechen.

Ein Wann und zwei Frauen in Düsseldorf veranlaßten am Samstagabend einen Kraft­wagenführer zu einer Fahrt nach Barmen. In einem wenig begangenen Bezirk zwischen Ohligs und Wald angelommen, mußte der Führer des Wagens halten. Er hatte mehrfach Stöh­nen im Wagen gehört. Die drei Insassen gingen in einen Garten hinein und kamen nach kurzer Zeit ohne die eine Frau zurück. Sie veranlaßten dann den Wagenführer, wieder nach Düsseldorf zurückzulehren. Diesem tarn die Sache verdächtig vor, weshalb er zwei Land­jäger, die des Weges kamen, ersuchte, eine Untersuchung einzuleiten. Als die Insassen des Wagens sich in Widersprüche verwickelten, wurden sie in Haft genommen. Der Wann legitimierte sich als ein Zahnarzt Dr. Wohr aus Düsseldorf. Die Frau als eine gewisse Hill)enbrand aus Barmen. Sie verweigerten über die Vorgänge zunächst jede Auskunft. In der Zwischenzeit fuhren die Beamten in dem Auto

nach OhligS, holten sich dort einen Kriminal­beamten, worauf der Ort augesucht wurde, an dem die drei Personen ausgestiegen toaren. Unter einem Strauch fand man nur wenig bellet» bet und f a st starr, das Gesicht mit einem Kohlblatt zugedeckt, die vermißte Frau. Diese wurde sofort in das Ohligser Krankenhaus gebracht, wo sie bis jetzt noch besiimungslos öar- niederliegt. Wie die ..Kölnische Zeitung" erfährt, handelt es sich bei der Erkrankten um eine Stühe Elly Weickert aus Barmen. Anscheinend liegt ein gesetzwidriger Eingriff vor.

Line Berliner Irauerfeiet für Admiral Scheer.

Am Sonntag veranstallete der Gauverband der Marinevereine Berlin und der Provinz Brandenburg eine Trauerfeier für den Sieger von Skagerrak. Bis zum letzten Platz war der Dom gefüllt, so dah Hunderte keinen Einlaß mehr fanden. Diele höhere Offiziere der allen Armee sowie der Reichswehr sah man. Ein Wald von Fahnen umgab den Altar. Eine besondere Weihe erhielt diese Trauerfeier durch die Anwesenheit des Reichsprästdenten, der in Beglei­tung seines Sohnes und des Chefs der Mcrrine- lettung, Admiral Dr. h. c. Raeder, an der Feier teilnahm. Ferner bemerkte man Vertreter der Behörden, des diplomatischen Korps und der vaterländischen Verbände. Hofprediger v-Doe- r in g legte feiner Gedenkpredigt den Psalm 90 zu Grunde:ilnfer Leben währet 70 Iahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen". Dor dem Gotteshaus brachte die Menge dem Reichspräsidenten eine be­geisterte Huldigung dar und sang das Deutsch­landlied.

Backhaus in Paris.

Wilhelm Backhaus, der im Januar auch in Gießen ein Konzert geben wird, veranstaltete in Paris einen Beethoven-Svnaten- Abend mit einem Erfolg, wie ihn ein deutscher Pianist wohl selten dort erzielle. Das Publlkum bereitete dem Künstler am Schluß minuten­lange stürmische Ovationen. Er spielte fünf Sonaten und muhte sich zu drei Zugaben verstehen. Mit besonderem Beifall wurde die Mondfcheßr-Sonate und die Aurora-Sonate aus­genommen.

Hochwasser der Schwarzwaldflüsse.

In den niederen Lagen des südlichen Schwarz­waldes war am Sonntag Tauwetter eingetreten, so daß riesige Meng en Neuschnee den Schwarzwaldflüssen zuliefen. Insbesondere schwoll die Kinzig in ganz kurzer Zeit erheblich an. Da die Wasser nicht schnell genug in den Rhein abfließen konnten, kam es im unteren Kinzigtal innerhalb der Hochwasserbahn zu U e b e r f ch^w e m m u n» gen. Die Temperatur ist zur Zeit i m S i n k e n be­griffen, so daß eine Gefahr weiterer Ueberfhttung nicht bestehen dürfte.

Schwere Sturmschäden im Schrvarzmald.

Mik welch ungeheurer Wucht in den letzten Wochen der orkanartige Sturm in den Schwarzwaldbergen gewütet hat, zeigen _ die immer zahlreicher eingehenden Meldungen über die großen Verheerungen, die der Slurm i n den Wäldern angerichtet hat. In einzelnen großen Gemeindewaldungen sind bis zu 2X0 Festmeter Holz umgeschlagen worden. So haben die Gemeinden Donaueschingen, Hüfingen u.ib Wolf ach einen Schaden von weit über 100 000 Mark erlitten.

von einem Lullen getötet.

In Zvwen (Pommem) wurde der 74jährige 2lllsitzer Prechel, der in der Wir schäft seines »Sohnes das Füttern des Viehs Mergle, von einem Bullen so schwer verletzt, daß er bald darauf an den Verletzungen starb. Pr- chel hatte eine schwere Kopfverletzung davon­getragen. 2luch waren ihm mehrere Rippen ge­brochen.

Oie Wetterlage.

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Haparard:

Sonntaa, |.2.bezV.1928,

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Wettervoraussage.

Das nördliche Ties hat sich südwärts ausgebreitet uni) die Staffel milder feuchter ozeanischer Lust­massen bringt über den britischen Inseln Nieder­schläge, die beim Erreichen unseres Gebietes eben­falls stellenweise Niederschläge bringen dürsten.

Wettervoraussage für Dienstag: Wolkig, stellenweise auch aufheiternd, Temperaturen wenig verändert, vereinzelte Niederschläge.

W i tterungsaus|id)ten fürMtttwoch: Wolkiges vielfach aufheiterndes Wetter und in der Hauptsache trocken.

Lufttemperaturen am 2. Dezember: mittags 6,6 Grad Celsius, abends 5 Grad Celsius; am 3. De- zernber: morgens 4,1 Grad Celsius. Maximum 8,4 Grad Celsius, Minimum 3,8 Grad Celsius. Erd­temperaturen am 2. Dezember: abends 4,8 Grad Cetsucs; am 3. Dezember, morgens 3,6 Grad Celsius. Niederschlag 0,7 Millimeter.