Aus der Provinzialbaupistadi.
Dießen, den 3. Dezember 1928.
Novemberfahrt.
Von Dr. Wodaege, Gießen.
Hochwasser auf der Lahn. Die massigen Fluten rufen und locken den Kanufahrer. Was schadet's, daß bereits der Novemberwind weht. Warum soll man die Freude an der reißenden Flut, die man im Sommer auf fernen Strömen genossen, nicht auch einmal in der Heimat kosten? Bis mitten in die Stadt hinein lockt und ruft es. Denn auch die W i e s e ck führt flotte Strö- nrung. Zwar ist es schon verstaut, das Faltboot, oben im Speicher. Aber bald liegt es auf- geschlagen vor uns. Auf dem Bootswagen wird es zur nahen W i e s e ck gerollt.
Unter altbekannten Drücken hindurch tragt sie »ns zur Mündung in die Lahn. Wie anders i'lt das Bild dort als sonst in sommerlichen Tagen. Seeartig liegt die Wassermasse vor uns. A cht mehr hemmen die Sei enwande des meist • tef liegenden Flußbettes den Blick. Das Wasser trägt jetzt das Doot am oberen Rande des Flußraines, zu dem man sonst von unten hinauf- schaut. Weithin kann nun der Blick streifen, hinüber zum Dünsberg und den Höhen bei Königsberg und Hohensolms, die den Horizont bis nach Wetzlar hin begleiten.
Wie die Flut das Doot erfaßt! Dies Tempo liebt der Kajakfahrer. Grau liegt das Land rings um uns. Entblätterte Bäume starren mit ihken Aesten gen Himmel. Fetzenhaft ziehen die Wolken von Westen daher. Und vorwärts, vorwärts sagt uns die Flut dem Winde entgegen. Da Packt uns ein Strudel. Zwei kräftige Pad» delschläge und wir sind dem Gesellen entronnen. Die Wehre bieten keine Hindernisse mehr. Auch sonst muß man oft durch gurgelnde und brodelnde Wassermassen. Sicher führt uns das gut gebaute Doot. Gefahrvoll ist'- nicht. Unb doch spürt man so etwas vom Reiz einer Fahrt im Wild- wafser, der Sehnsucht des Karmfahrers, vom Kampf mit den Elemen'en. Hier und da greift der Fluß weit ins Land und führt uns in die Irre. Das Paddel stößt auf flachen Wiesengrund. Borsichtig tasten wir uns wieder zurück ins Tiefe hinaus. Die Drücken, deren hochragende Pfeiler wir sonst in voller Größe sehen, liegen jetzt nur wenige Meter über dem Wasserspiegel. Immer weiter geht die Fahrt auf einsamer Flut. Ts dämmert. Die Wasserebeire vor uns schimmert Im fahlen Rot des westlichen Himmels. Dann tauchen die Lichter Wetzlars, im Hintergrund die Feuermassen der Industriewerke auf. Das dunkle Wasser spiegelt ihren Glanz wider. Die Rächt bricht herein. Dumpf tosen iroch einmal die Wassermassen vor uns, wie das Brausen eines letzten Wehres. Aber es ist nur der Anprall der Flut gegen Hindernisse, die sich dem Fluß entgegenstemmen mrd uns sich im Dunkeln ver bergen. Wir sah'en mit Dorsicht am Rande des Wassers. Doch dann treiben wir wieder in die Flut. Wie dunkle Streifen ziehen sich die Alfcc dahin. Die Lichter der Stadt weisen uns den Weg.
Sechs Glockenschläge erklingen vom Dom, als wir das Weichbild der Stadt erreichen. Drei- Viertel Stunden spater, und wir sitzen bereits im warmen Wartesaal. Das Doot, in Stabtasche und Rucksack verpackt, lehnt neben uns an der Wand.
Menschen sitzen an den Tischen im hellerleuch- teicn Saal, Menschen, die nichts wissen von der Schönheit der novemberlichen Flut dort draußen, vom Wind über dm Wassern, von Widerwellen und gurgelnden Strudeln. Wan kann auch heute noch etvxrs genießen von elementarer Romantik, nahe bei Landstraße und Eisenbahn, ganz nahe auch in unserer Heimat — auch heute noch, ganz bei den Deh.rglichkeiten unserer Zivilisation. Liegt nicht darin der Reiz des Lebens, im Gegensätzlichen? Unb sollte es etwa ein uralter Menschheitstrieb sein, der in uns schlummert und dann und wann uns wegzieht von diesen Bequemlichkeiten der Zivilisation, hinaus zu den Elementen, die vor vielen Jahrtausenden unseren Vorfahren die Heimat waren?
Volkstrauertag 1929.
Der Ausschuß für die Festsetzung eines Volkstrauertages hielt jetzt in Berlin eine Sitzung ab, in der einstimmig beschlossen wurde, ohne die gesetzliche Regelung abzuwarten, den Volks- t r a u e r t a g zum Andenken an die im Weltkriege aejaHenen Helden auch im kommenden Jahre am fünften Sonntag vor Oftern „Remi -
nf fcert* (2 4. Februar 1 929) in ähnlicher Weise zu begehen, wie dies in den Vorjahren der Fall gewesen ist. Der Ausschuß setzt sich aus 23er» tretern der drei großen Bekenntnisse und den großen in Betracht kommenden Körperschaften und Verbänden zusammen. Den Vorsitz führt der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfür- j sorge, weil der Dolksbund es gewesen ist, der den : Gedanken einer Einführung des Volkstrauertages angeregt hat. Die Feier soll in Gottesdienst, Läuten der Glocken im ganzen Reich und Soalseiern bestehen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. 117er: Monatsversammlung, 8 Uhr, bei Kamerad Sieck, Hammstrahe. — Damenfriseur- und Perücken- machcr-Dehilsenverein, Gießen: OeMntliche Versammlung, 8.30 illjr, „Zum schwarzen Walfisch". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Die tolle Lola". — Astoria-Lichtspiele: „Die Schrek- kensfahrt des Gvldexpreh".
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird und berichtet: Morgen, Dienstag, 4. Dezember, findet die erste Wiederholung von Bruno Franks „Perlenkomüdie" statt. Spielleitung: Julius Dafts. — Mittwoch, 5. Dez., wird das mit großem Erfolg erstaufgeführte Drama „Der Patriot" von Alfred Reumann, wegen Erkrankung des.Herrn Ebert-Grasso w am Dienstag, 27. Rov., ausfallen mußte, erstmalig wiederholt. — Das Kriminalstück „Der Prozeß der Mary Dugan" von Dayard Verlier wird am Freitag, 7. Dez., in Gießen erstauf- geführt. Die Inszenierung von „Der Prozeß der Mary Dugan" hat der Intendant. — Das Darmstädter Landestheater wurde von der Intendanz des Gießener Stadtthcaters zu einem einmaligen Operngastspiel für Mittwoch, 12. Dezember (im Abonnement), verpflichtet. Zur Aufführung gelangt die Oper „Fatme" von Friedrich von Flotow, den: bekannten Komponisten von „Martha". Diese fast vergessene Oper Flotows wurde bei der E.-stausführung in Darm- stadt ein großer musikli erarischer Er.olg, der arößte und eigenartigste klassische Musikerfolg des diesjährigen Darmstädter Theater-Winters. Der auffallend stacke Beifall, drn diese neuerweckte Oper gefunden hat, veranlaßte die hiesige In- tendanz, sich „Fatme" als Festvorstellung im Rahmen der Werbewoche „Gießen im Licht" zu sichern.
— „Die Entwicklung des Darwinis- mus in den letzten 50 Iahren" ist das Thema eines Vortrages, den der Biologe ?. Wasmann S. J. am Mittwochabend in der Neuen Aula der Universität halten wird. Im Anschluß an den Vortrag soll eine Aussprache stattfinden. Näheres in der heutigen Anzeige.
*
** Deutschlandsender auf Welle 1648,3. Nachdem Kalundborg die Welle 1680 für seinen Großrundfunksender verlassen und gleichzeitig die Luftschiffahrt die Welle 1680 Meter, die ihr öisher zu gewiesen war, im Interesse des Rundfunks vorzeitig aufgegeben hat, sS daß nach den Beobochtun- flen des Reichspostzentralamtes und des Deutschen funktechnischen Verbandes Störungen des Deuisch- landsenders auf Welle 1648,3 Meter nicht mehr zu befürchten sind, hat die Deutsche Reichspost sich entschlossen, vom 1. Dezember ab das gesamte Programm des Deutschlandsenders auf dieser Welle (1648,3 Meter) zu verbreiten und die gleichzeitige Aussendung auf Welle 1250 einzustellen, da sonst die Lustschiffahrt auf Welle 1288 gestört werden würde.
**OeffentlicheBücherhalle. Im Novern- ber wurden 1234 Bände ausgeliehen. Davon fallen auf: Erzählende Literatur 830, Zeitschriften 74, Iugendschriften 85, Literaturgeschichte 7, Gedichte und Dramen 8, Länder- und Völkerkunde 60, Kulturgeschichte 4, Geschichte und Biographien 84, Kunstgeschichte 24, Naturwissenschaft und Technologie 33, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Land- wirtsckaft 6, Gesundheitelehre 2, Religion und Philosophie 8, Staatswissenschaft 7, Sprachwissenschaft 1 Band. Nach auswärts kamen 9 Bände.
•* Zunahme der Maul- und Klauen- seu<he in Hessen. Gegenüber der letzten Rachweisung über die Maul- und Klauenseuche im Dolksstaat Hessen zeigt die gestrige statistische Veröffentlichung eine Zunahme der Seuche, und zwar in den Kreisen Friedberg (1 Gehöft), Bingen (1 Gehöft), und Darmstadt (1 Gehöft). Insgesamt herrscht die Seuche in vier Gehöften (1 davon im Kreis Groß-Gerau).
** Für Auswanderer nach den Vereinigten Staaten. Wie die hiesige Vertretung der Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, schreitet die Erledigung der bei den amerikanischen Konsulaten
während der letzten Annahmesrist eingegangenen Anträge auf Erteilung des Einwanderungssichtoer- Werkes rasch voran. Es besteht daher Grund zu der Annahme, daß in nicht zu ferner Zeit neue Anträge wieder entgegengenommen werden. Personen, die nach den Vereinigten Staaten auswandern wollen, einen Antrag auf Erteilung eines ameri- konischen Einwanderungssichtoermerks aber noch nicht gestellt haben, tun daher aut, sich schon jetzt um die Beschaffung der für den Antrag erforderlichen Papiere und sonstigen Unterlagen zu bemühen.
*e Gründung eines Reichsbahn- Tum- und Sportvereins Gießen. Zu diesem Zwecke hatten sich dieser Tage im Unter- richtszimmer des DahnhssS etwa 60 Beamte und Arbeiter der hiesigen Reichsbahndienststellen eingefunden. Oberbahnhofsvorsteher H e i n z e l - mann als Versammlungsleiter wies aus den Zweck der Gründung und die hohe Bedeutung des Turnsportes hin: Erziehung zur Karnerad- schast durch Pflege aller Leibesübungen. Obersekretär Urmitzer, der Leiter des Reichs- bahn-Turn- und Sportvereins Frankfurt, schilderte in seinen Ausführungen ebenfalls den Wert der Reichsbahn-Sportvereine, die von der Hauptverwaltung als Wohlsahrtseinrichtung anerkannt seien und als solche unterstützt und gefördert würden. Hierauf erfolgte einstimmig die Gründung eines Reichsbahn-Turn» und Sportvereins Gießen. Es wurde ein vorläufiger Vorstand bestellt, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt: 1. Vorsitzender Oberbahnhofsvor- steher Heinzelmann, 2. Vorsitzender Ma- schineninsvektor Landmann Schriftführer Reichsbahnassistent Weber, Kassierer Reichsbahnsekretär E i d m a n n, Beisitzer Obergüter» Vorsteher Scholl und Hilfswerkführer Römer. Die geräumige Holzhalle in der ehemaligen Re- benwerkstätte soll als Turnhalle umgebaut werden. Hier sollen ein Turnplatz für Hallentraining, eine Kegelbahn, Schiehstände für Kleinkalibersport, heizbare Zimmer für Schachspieler, ein Tennisplatz u. a. m. eingerichtet werden. Ferner beabsichtigt der Verein, eine Fußball-. Ski-, Schwimm-, Wander- und Radfahrerabteilung zu bilden.
** Deutsche Volkspartei. Man berichtet uns: Der Lichtbildervortrag „Von Versailles über London nach Genf", zu dem die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei auf Mittwoch eingeladen hatte, erfreute sich eines recht guten Besuches. Rach kurzen Eröffnungs- Worten des 1. Vorsitzenden ergriff Generalsekretär W e l k o w (Darmstadt) das Wort. Er erinnerte an die schweren Tage der Umwälzung und an die Zeit, in der die D.V.P. gegründet wurde. Er gedachte der hingebungsvollen Arbeit, die Prof. Dr. K r a u s m ü l l e r und Reallehrer Appel in diesen 10 Jähren in vorbildlicher Weise, der eine als 1. Vorsitzender, der andere als Rechner für die Partei geleistet haben. In Anerkennung ihrer Verdienste überreichte er beiden Parteifreunden im Auftrage des Parteivorstandes das Buch „Deutscher Aufbau", mit einer persönlichen Widmung des Parteiführers Dr. Stresemann und des hessischen Reichstagsabgeordneten Rechtsanwalts Dingelbeh. Anschließend ergriff Geschäftsführer Dr. Weißer das Wort zu dem angekündigten Lichtbildervortrag. An Hand von recht interessanten Lichtbildern erläuterte er in vortrefflich gehaltenen und mit großer Sachkenntnis vorgetragenen Ausführungen die ungeheuren Tributleistungen, die uns der Feindbund auferlegt hat. Lleberzeugend wies er die Richtigkeit der von Dr. Stresemann betriebenen Außenpolitik nach, die eine Lockerung der Fesseln herbeigeführt und die Grundlage für eine endgültige Regelung geschaffen . hat. Die Ausführungen deS Redners fanden lebhaften Beifall.
" Vereinigung fürdeuts cheFrauen- kultur, Ortsgruppe Gießen. Die diesjährige Weihnachtsmesse war von Gießener Firmen, die dem Verband angeschlossen sind, beschickt. Mannigfaltig zeigte die Ausstellung den zahlreichen Besuchern, darunter auch Schulen, was sie zur schönen und zweckmäßigen Ausgestaltung des Heimes und der Frauenkleidung, sowie zur geistigen Vervollkommnung der Frau zu bieten halte. Die von den Geschäften gebotene reiche Auswahl zeigte die Leistungsfähigkeit der Gießener Firmen in bezug auf Güte und Geschmack. Für die kommende Weihnachtszeit haben die Besucher reiche Anregung für schöne und preiswerte Einkäufe mit nach Hause nehmen können. Die Messe wurde durch einen von Mitgliedern und Gästen stark besuchten Teeabend beschlossen. Diese Veranstaltung gab Ilse G r a e f Gelegen- beit, vor dem zahlreichen Publikum ihre Tanz
kunst zu zeigen. Das Programm: Moment mtrtteal von Schubert, Walzer von Brahms, zuletzt da- Ständchen von Schubert. Bewußtes Kunstschaffen war unverkennbar. Jeder Affekt der jungen Künstlerin prägte sich in ihrem Mienenspiel aus. plastische Darstellung der Impulse gestaltete sich zu schöpferischer Formung. Heber das rein Technische hinaus schuf das Zusammen51 iugen von Rhythmus und Harmonie sesselnde Bilder. Fräulein Raab am K.avier glich sich mtt bemerkenswerter Fertigkeit der Künstlerin an.
•* Auftrieb auf bem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 342 Ochsen, 75 Bullen, 606 Kühe, 410 Färsen, 526 Kälber 216 Schafe, 5528 Schweine.
Büchertisch.
— Professor D. Dr. Leopold Eordier: Evangelische Iugendwohlsahrt. Ein Quellenbuch (Als III. Band der „Evangelischen Iugendkunde"). 576 Seiten. Gr. 8°. 1928. Verlag Friedrich Bahn in Schwerin i. Mecklb. Geh. 20,—, Ganzleinenband 24 Wk. (576) — Das Werk des Gießener Theologen vermittelt aus der Geschichte die Kenntnis der ehernen Grundlage, der treibendein Kräfte, der vorbildlichen Persönlichkeiten, der klassischem Gestaltung evangelischer Iugend'wohlsahrtspslege und regt damit eine grundsätzliche Besinnung auf evangelische Iu- gendwohlsahrt an. Zugleich will es aber auch Einblicke im die Iugendwohlsahrtspslege unserer Tage eröffnen, mit den einzelnen Arbeitszweigen, den gesetzlichen Bestimmungen und fürsorgerischen Organisattonen und Unternehmungen bekannt machen und die leitenden Gesichtspunkte unserer gegenwärtigem evangelischen Iugendwohlfahrts- pflege zur Darstellung bringen. Die allgemeine Fursorgetätigkeit und Armenpflege ist berüd- sichttgt, um zu einem Gesamtbild der fürsorge- schen Tätigkeit zu gelangen, das erst der Einzelbetätigung an der Jugend die ihr eigentümliche Farbe verleiht. Der Verfasser ist jeweils zu den ersten Anfängen einer fürsorgerischen Arbeit vor gedrungen und hat in Verbindung mit dem Ursprünglichen das Kennzeichnende herausgestellt. Eine bibliographische Liebersicht und ein umfangreiches Rachschlagewerk schließen das mit aller Sorgfalt und Gründlichkeit des Gelehrten bearbeitete Werk ab. Richt nur den Derufsarbei- tern in der Wohlfahrtspflege, den Inhabern staatlicher und kirchlicher Erziehungsstellen, den Lehrern, Pfarrern, Iugendleitern, Gemeindebeamten, sondern allen, denen die Wohlfahrt des jungen Geschlechtes am Herzen liegt, ist hier ein urkundlicher Stoff geboten worden, der unterrichtet von dem, was auf evangelischem Boden geworden ist, und der anregt zu neuer Verantwortlichkeit und neuem Dienst. Alle Anstallen und Ausbildungsstätten der Inneren Mission, die gesamte Wohlfahrtspflege, ihre Aemter. ihre Schulen, die Jugendfürsorge für beide Geschlechter können das Werk nicht entbehren!
Berliner Börse.
B e r l i n, 3. Dez. (WTB. Funkspruch.) Heute früh ist zwar auch infolge des Montags kaum etwas zu hören. Bei den Banken liegen aber schon wieder kleine Orders vor, und die Grundstimmung ist weiter freundlich, zumal keine ungünstigen Nachrichten stören und durch die Annahme des Schiedsamtes Seoerings von beiden Parteien man wieder einen Schrill weiter im Ruhrkonflikt gekommen ist. Am Devisenmarkt nennt man: Paris 124,10, Mailand 92,59, Spanien 30,05, das Pfund 485,13 und den Dollar 4,1950.
Sprechstunden der Redaktion
12 bi» 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschlossen.
Bekanntmachung.
Der hessische Minister des Innern hat mit Verfügung vom 7. November 1928 zu Nr. M. d. I. 44 589 die Aufhebung der Straße ,Mm Weiher" und der Fluchtlinien sowie die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes für das Baugebiet zwischen Mittelweg, Bahnhof und Frankfurter Straße genehmigt.
Die über das Gebiet bestehenden Bebauungspläne vom 31. Oktober 1906 und 24. Juni 1909 werden gleichzeitig für un- S erklärt. Der neue Plan liegt bei dem ifchen Hochbauamt während der üblichen Dienststtmden zu jedermanns Einsicht offen. 10567O
Gießen, den 29. November 1928.
Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm.
Dienstag, den 4. Dezember L nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", irenenweg 28, babler, zwangsweise gegen Barzahlung: 10568D
Zwei Steppdecken, zwei Diwans, zwei Chaiselongues, einen Ausziehtisch, einen Eisschrank, eine Ladenkaffe, eine Laden- thcke, drei Warenschränke, ein Nähtisch- chen, eine Kommode, ein Pult, eine Nähmaschine, drei Stück Waschleder, dreißig Paar Ledergamaschen, einen Rauchtisch, ein Grammophon, ein rundes Tischchen' ein Schränkchen, ein Küchenbüfett, ein Motorrad, ein Goerz-Prismenglas, einen Bücherschrank, ein Bild, zwei Büfetts, eine elektrische Waschmaschine, ein Vertiko, ein Sofa, zwei Pferde.
Voraussichtlich bestimmt: zwei Kassenschränke, einen Registraturschrank, einen Dipl. maten-Schreibtisch, eine Adler-Schreibmaschine, einen Klubsessel (Leder) zwei Tische, ein Schreib- maschineillischchen, eine Äorbgarnitur, ein Büchergestell, vier elektrische Lampen. Alöll, Gerichtsvollzieher kr. A. ln Gießen 3heringstraßc 7 — Telephon 1239
I RWG-»M in größter und schönster Auswahl eingetroffen. — Verkauf ab Dienstag gegen- üöer dem Selter Stör und von Miti woch ab auch im Garten des Katholischen VereinshcruseS. Liebigstraße-
08468 Frau A. Frosch Wwe.
Bekanntmachung.
Das Nachrichten von Bord- und Pflastersteinen soll auf Grund der RVO. vergeben werden. 10567C
Angebote sind spätestens bis zum
10. Dezember 1928, vormittag» 10 Uhr beim Städtischen Tiefbauamt, Asterweg Nr. 25, abzugeben.
Angebotsoordrucke sind daselbst zu haben. Zuschlags- und Bindefrist drei Wochen.
Gießen, den 1. Dezember 1928.
Städtisches Tiefbauamt: Braubach.
Wegen Aufgabe der Drescherei sind folgende Maschinen zu verkaufen:
ein Lanz-Selbstfahrer V. L.-O. (Baujahr 1920),
eine Lanz-Sttohpresfe (1913),
ein neuer Badenia-Drefchwagen, 60 Zoll, Kugellager laufend (1926),
ein allerer Badenla-Dreschwagen (1900), eine Drehbank. 105691)
Alle Maschinen sind in tadelloser Verfassung und betriebsfertig. Drescherei tn größerem Orte (12—13 Wochen) kann ab nächstes Jahr übernommen werden.
Nähere Auskunft erteilen Gebrüder Uleuser in Hahnstätten bei Limburg an der Lahn.___
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