schritte gemacht. Der Außenputz und Oel» anstrich des Gotteshauses sind kürzlich vollendet worden. Die großen graugelben Wandslächen, umrahmt von rotgestrichenen Quadern, heben sich recht gefällig in der Umgebung hoher Zier-- bäumc im anschließenden Spielgarten der Ätein- tindeLschule hervor und geben dem mächtigen Gebäude einen würdigen Anblick. Das offenbar Aach längerer Vollendung der Kirche erst aus Fachwerk angebaute Sakristeizimmerchen, das dem Ganzeir keineswegs zur Zierde gereichte, ist abgerissen worden. Die Sakristei wird in den Thor verlegt, wodurch die seither darin befindlichen Stühle für den Kirchen- und Stadtvorstand weggefallen sind. Das Orgelgebäube steht ebenfalls jetzt auf einer Bühne im Chor. Das Orgelwerk wird voir der Firma Aikolaus & Förster in Lich einer gründlichen Reparatur unterzogen. Bon der Anschvffung einer ganz neuen Orgel muhte wegen der hohen Kosten abgesehen werden. Die Weihbinderarbeiten im Innern der Kirche werden von den Weißbindermeistern Walther S p r u ck und Paul hier, ausgeführt, die Schreinerarbeiten ebenfalls von hiesigen Meistern, währe. d di.' Gemäld.' M t r.relfter Künzel, Darmstadt, erneuert. Man hofft, daß Anfang Qlobeni« ber das Gotteshaus wieder seiner Bestimmung übergeben werden kann, was umso wünschenswerter ist, als die Kasinoräume für die große Kirchspielgemeinde recht beschränkt imh für die Abendmahlsfeiern, die jetzt begonnen, wenig geeignet sind. Um hierbei Entlastung zu schaffen, sollen demnächst in den Filialgemeinden Unter» Schnitten und Michelnau besondere Abendmahlsfeiern stattfinden. — Zur Wahl der Kirchen- gemein ded er tre t e r des Kjchspiels Nidda war nur e i n Wahlvorschlag eingegangen, demzufolge erübrigte sich eine Wahlhandlung. Die Bvrgeschlagenen, 30 Männer und 2 Frauen, gelten als gewählt.
A Aidda, 2. Oft Die Stabt hatte zur Milderung dir Wohnungsnot am Ende des Stadtteils Raun ein Doppelwohnhaus errichten lassen. Dieses ging durch Kauf an die beim hiesigen Postamt angestellten Postbeamten L u d- w i g und Hofmann über. Der Kaufpreis beträgt für das Doppelhaus nebst Hausgarten 18 000 Mark. Die Stadtverwaltung will mit diesem Gelde wieder neue Wohnungen erbauen lassen. — Die hiesige Schühengesellschaft hielt an den letzten Sonntagen beim Schühenhaus ihr diesjähriges Herbstschiehen ab, das mit einem Preisschiehen auch für Kleinkaliber verbunden war. Gerade das letztere erfreut sich einer starken Beteiligung. Die Folge war ein starkes Ringen um die einzelnen Preise und Ehrengaben, die größtenteils von Gönnern des Vereins in dankenswerter Weise gestiftet waren. Auch auswärtige Gäste waren zahlreich vertreten, die verhältnismäßig gute Schuhresultate erzielten. Die Hauptpreise errangen: Freihand, 175 Wcter. Sauer (Gießen) 51,19; Hahn (Lich) 49, 14" Appel (Gießen) 46,14. Aufgelegt 175 Meter Appel (Gießen) 53, 17; Hahn (Lich) 54, 19; Pfeiffer (Aidda) 53, 19. Aufgelegt 100 Meter Brauns (Aidda) 59, 19; Sauer (Gießen) 58,20; Hahn (Lich) 58, 20. Festscheibe Appel (Gießen) 40, 39, 38; Spamer (Aidda) 40, 39, 37; Pfeiffer (Aidda) 40,38, 36. Freihand 100 Meter Georg Willy (Gießen) 58, 19; Appel (Gießen) 55, 19; Sauer (Gießen) 53, 18. Glücksscheibe Spamer, Listmann und Schuster, alle in Aidda. Kleinkaliber 50 Meter Struck (Aidda) 30. 9; LeinS (Aidda) 30, 6; Aaumann (Gettenau) 29, 10.
# Bingenheim, 2. Oft. Auf Anregung von 2ef>rer i. R., Bürgermeister Hensel von Hirzenhain, stifteten die Bienenzüchter des Kreises Büdingen für das hiesige Kreiskinderheim eine größere Menge Bienenhonig, der dieser Tage zur Ablieferung gebracht wurde.
# Aus der We11erau, 2. Oft. Da vielerorts der dürftig gewachsene dritte Klee- und Luzerneschnitt aufgebraucht war, hat man hier bereits Dickwurz geerntet und zur Bersütterung verbraucht. Als Folge der F u 11 e r n o t sind die Biehpreise um etwa 30 Prozent zurückgegangen, da in den letzten Fuiterjahren oft mit übersetztem Vi h'tand gewirtschaftet wurde. Zur Streckung des Rauhs öfters werden die teueren Krastsuttermittel, wie Sojabohnenschrot und Daumwollensaatmehl viel gekauft. Die Kartoffelernte geht ziemlich ihrem Ende entgegen. D r Ertrag mutz c ls :ine M i 11 e l e r n t e bezeichnet werden. Für einzelne Wirtschaftskar- toffeln, z. D. Siegerin, Pepo, ist sie über Mittel.
I» ■'m F-'fMinTii ■.■iwnu'iRmn
W W vorn Hinmel.
Vornan von paul Enderling.
Copyright by Carl Duncfpr, Verlag, Berlin.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Eilig öffnete er sie. Ja, hier war eine Möglichkeit. Vorläufig wenigstens. Das Rasseln von Kochtöpfen in der Küche zeigte an, daß der Besucher beschäftigt war.
Er verschloß die Stubentür, riß die Banknotenbündel auz dem Bett und stopfte sie in eine kleine Ecke der Schublade — Wäsche darauf, so war es gut.
Als er die Lade zurückgeschoben haste, blieb er einen Augenblick in der hockenden Stellung. Warum tat er das? Warum besprach er sich nicht mit Fährmann? Hatte das Geld schon Macht über ihn uni) feine Bedenken gewonnen? Bestimmte es schon seinen Willen? Mußte er Wege gehen, auf die ihn ein dunkles Ungefähr wies?
~ Unsinn, er hatte sich völlig in ber Gewalt. Aber Fährmann wäre der letzte gewesen, mit dem man über solche Dinge sprach: in der nächsten Kneipe hätte er alles weitererzahlt.
Das Rütteln an der verschlossenen Tür schnitt die Gedankenreihe ab. Während er öffnete, empfand er erleichtert: ich will wenigstens einige Stunden auskosten, wie einem reichen Mann zumute ist nur einige Stunden.
In der Zeitung stand nichts. Auch die Anzeigen brachten keine Losung. Ein Tag stand vor ihm, wo er im Besitz des Reichtums war. Er rechnete nach, daß in der späten Stunde keine Benachrichtigung der Presse möglich gewesen war. Man mußte auch die Verwirrung und Aufregung und Unsicherheit eines Angestellten bedenken. Der Mauergang begann bei der Städtischen Sparkasse. Sollte das Geld von da stammen? Nun, die Abendblätter würden Aufklärung bringen.
„Sag mal: Lernst du eigentlich den Anzeigenteil auswendig?"
Grotteck ging achselzuckend zum Waschtisch und wusch sich flüchtig. Ich werde es in einer Bade-
Die Preise für Ferkel beginnen demzufolge langsam zu steigen. 3m privaten Handel werden eben für 7 Wochen alte Jungtiere bereits 14 bis 15 Mark geboten, gegen 10 Mark vor gut vier Wochen. Die Preise für Fettschweine halten sich auf seitheriger Höhe. Es kostet das Lebendgewicht 72—74 Pfennig je Qualität. Aach durchgemästeten Schlachtschweinen besteht einige 'Nachfrage.
Kreis Schotten.
0 Gedern, 2. Oft. Da für ksie Wahl der Kirchengemeindevertretung nur e i n Wahtvorschlag eingegangen war, braucht die auf den 7. Oktober angesetzte Mahl nicht stattzufinden und die auf dem Wahlvorschlag verzeichneten Gemeindeglieder gelten als gewählt. Alle bisherigen Kirchengemeindevertreter, darunter brei Frauen, sind wiedergewählt; einige wurden neu- gewählt, da durch Todesfälle Ergänzungen notwendig geworden waren. — Mit ber Durchführung des Rotekre uztages am 7. d. M. tourito vom Kreisveroand Schotten vom Roten Kreuz der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz beauftragt, der die Sammlungen bi sämtlichen Gemeinden des Kreisbezirks Gedern vornehmen wird. Die Sammlungen werden durchgesi'chrt mit Hilfe ber Mitglieder ber kürzlich hier gegründeten Freiwilligen Sanstätskolonne vom Roten Kreuz.
-o- Born Oberwat d, 2. Akt. In den Waldern, die mit Fichten bestanden sind, zeigt sich, durch die feuchte Witterung begünstigt, zur Zeit ein g r o ß e r P i l z r e i ch t n m. Besonders wirb der Steinpilz und der CHampignon von den Fremden gesucht, während die einheimische Bevölkerung aus Furcht vor Vergiftungen sich nur wenig um die Pilze kümmert. Hoffentlich gelingt es, durch Austlärung den Wert der Pilze und ihre Erkennungsmerkmale auch der Allgemeinheit deutlich zu machen.
Kreis Alsfeld.
3 Dannenrod, 2. Oft. In der hiesigen Gemeinde fand dieser Tage die Ob st v erst ei p gering statt, wozu sich außer zahlreichen hiesigen Leuten Bieter von Nieder Gemünden und Niederklein, sowie einige Obsthändler eingefunden hatten. Der Behang war gering, dahei die Preise recht hoch. So kosteten pro Zentner: Tafeläpfel 10 bis 15 Mk., Wirtschaftsäpfel 6 bis 10 Mk., Kelteräpfel 5 bis 8 Mk., Tafelbivnen 8 bis 10 Mk., Wirtschaftsbirnen 6 bis 8 Mk., Honigbirnen 3 bis 5 Mk. Der Sesamterlös betrug rund 900 Mk., der im Hinblick auf die knappe Ernte einen recht hohen Betrag darstellt. — Seit ein'gen Tagen ist hier die Dreschmaschine in ^Betrieb. Der Körnerertrag bet allen Fruchtarten ist in diesem trockenen Jahre recht gut, wenn auch der Ertrag an Stroh geringer ist.
(—) Ermenrod, 2. Oft. QJm Sonntag fand in unserer Kirche bas Iahresfest des Gustav-Adolf-Zweigvereins Grünberg ftatt. Bei reger -Zhuziinat-m? der ganzen Gemeinde erwies sich unsere Dorflirche infolge von auswärtigen Teilnehmern fast zu klein, um die Kirchenbesucher alle zu fassen. Um 1.15 ilfjr sand ber Hauptgvttesdienst, um 3.15 Uhr die Nachversammlung statt. 3m Hauptgotteldienst sprach Pfarrer Nürnberger (Ober-Ofleiden). Als langjähriger Pionier in der Gustav,-Adolf- Sache wußte er fesselnd zu reden von der Wichtigkeit dieser Sache, und er verstand es meisterhaft, dafür die Herzen warm zu machen. 3n der Nachfeier svrachen Pfarrer Matthäus (Ehringshausen), Pfarrer Graulich (Grünberg) und Dekan Schmidt (Grünberg). Alle stellten sich die Aufgabe, den großen Gedan^n der wichtigen Gustav-Abolf-Sache der andächtig lauschenden Gemeinde näherzubringen. Dieses Ziel vermochten sie auch vollkommen zu erreichen. Verschönert wurde dje Feier durch einen gut vox- getragenen Chor des hiesigen Männergesangvereins ienb durch einen Ähülerchor.
Gtarksnvurg.
WSN. Darmstadt, 2. Oft. Ein schwerer Autounsall ereignete sich heute mittag gegen Vj3 Ahr an ber Fabrik Merck. Ein Personenauto der Firma Merck wollte in die Fabrik ein» biegen und stieß babei mit einem Motorrad, das von einem Darmstädter Studenten gelenkt wurde unb in der Richtung Arheilgen fuhr, zusammen. Der Motorradfahrer wurde schwer verletzt und muhte in das Darmstädter Krankenhaus gebracht werden. Die Autoinfassen kamen mit dem Schrecken davon.
anftalt nachholen, dachte er, wenn dieser lästige Mensch fort ist.
Sorgsam wischte Fährmann indessen die Sardinenbüchse mit einem Brotrest aus.
„Du ißt wie ein Schwein", sagte Grotteck überzeugt.
Der andere lachte gemütlich. „Ich bin kein Baron, brauche mich also auch nicht aut zu benehmen. Außerdem hat das Oel das meiste Geld gekostet. Hast du übrigens Mammon?" setzte er unvermittelt hinzu.
Grotteck betrachtete fein bleiches Gesicht mit den umrahmten Augen in dem halbblinden Spiegel. „Keinen Pfennig", beteuerte er.
„Nimm Vorschuß," riet Fährmann, „dein Spiel gestern hat mächtig gefallen. Ich verstehe ja nicht viel davon, aber ich schließe mich der Majorität an. Weißt du übrigens, was die Ida morgen vorhat?"
Während Fährmann Rundfunkanekdoten erzählte, bemerkte Grotteck plötzlich erschreckt, daß aus der untersten Kommodenschublade ein Stück Zeitungspapier hervorlugte. Es war nur ein kleines Stück, das auf dem schmutzigen Anstrich des Möbels kaum auffiel. Aber ihm schien es das Auffälligste im ganzen Zimmer zu fein. Das Papier konnte nur zu den versteckten Notenbündeln gehören.
„Erzählte ich dir schon, daß ich gestern im Abend- vrogramm angesagt habe? Man ließ mich einen Augenblick ohne Aussicht, da geschah das Unglück: .Verehrte Unsichtbare/ sagte ich, .teure Zweimarkgemeinde, geliebte Schwestern und Brüder jn Bredow —‘ Da schmiß man mich raus."
Grotteck hatte sich vorsichtig auf ein Knie niedergelassen. Er öffnete die Lade so leise wie möglich und stopfte das Papier zurück. Aber es war wider- fpenftig, wellte sich und richtete sich auf. Wütend steckte er es in die Tasche, die Lade zuknallend.
Fährmann betrachtete belustigt das seltsame Gebaren feines Freundes. „Hast du da einen Strumpf mit Geld verstaut?"
„Du scheinst mich nur des Geldes wegen besucht zu haben", entgegnete Grotteck schrqff.
„Stimmt. Gerade dir hatte ich die Ehre zugedacht, dem fähigsten Journalisten der Stadt unter die Arme zu greifen."
„Denke: ich bin gar nicht ein bißchen stolz auf diese Ehre." Ein zorniger Blick flog zu Fährmann
Preußen.
Kreis Biedenkopf.
XX Aus dem Biebertal, 2. Oft. Die abgelaufene letzte Septemberwoche stand auch hier im Zeichen der Kartoffel- und D b ft e r n i c. Fabriken unb Schulen sind geschlossen, und zu keiner anderen Jahreszeit sieht man die Felder unb Obst- gärten so belebt als jetzt, wo es gilt, biefe Guben einzuheimsen. Die Kartoffeln finb infolge des regen- armen Sommerhalbjahres nicht so dick als in den Vorjahren, sie finb aber durchaus gesund gewachsen unb zeigen nicht ben geringsten Ansatz von Fäulnis. Eingeführte neue Saatkartoffeln bringen auch diesmal wieder die besten Erträge. Aeußerst stark umworben werben die diesjährigen Dbftoerfteigerungen sowohl hei ber Gemeinde, als auch auf dem Schmitter Hofgut und an der Staatsstraße. In der sog. Grupp wurde ein Baum Wirtschaftsäpfel mit 100 Mark bezahlt.
Kreis Wetzlav.
” Q a it n 6 b a ch, 2. Oft. Der Geflügel- zuchts-Vetein Launsbach hielt am Sonntag bei Wirt Neul seine diesjährige 3 u n g - geflügel-Schau ab. Das Richteramt hatte Herr C. Rübsamen-- Gießen übernommen. Es würbe durchweg gutes Material gezeigt, ein Zeichen dafür, baß unser kleiner Verein auf ber Hohe ist. Ehrenpreise erhielten: Albert Becht- h o l b (rote Island und schw. Italiener), Otto S ch i e s e r st e i n (amerif. Leghorn), Wirt Kar- 5er»Odenhauselr (Barnevelder), Karl Storck (Zwerg-Whandottes). Rudolf Winter (Khaki Campbell-Enten), Hch. Pfaff (Änd. Laufenten).
~ Groh-Rechtenbach, 2. Oft. Gestern sand hier die Versteigerung des Gemeindeobstes statt. Srs war nicht so gut besucht wie die vorjährige. Die Ernte kann man als knapp bezeichnen. Es kamen vorwiegend Aepfel zum Verkauf. Die Preise bewegten sich je nach Sorte und Qualität auf 10 bis 20 Mark je Zentner am Daum. Daß dieser Preis ein außerordentlich hoher ist, ergibt sich daraus, daß der Gesamterlös trotz ber knappen Ernte nicht wesentlich hinter dem vorjährigen zurück- bleibt.
ch Oberkleen, 2. Oft. Jagdaufseher Eic^elittet t e r von hier hat im Distritt „Fahs" des hiesigen Gemeinbewalbes ein weiteresWild- s ch w e i n erlegt. Diesmal handelte es sich um einen Frischling, ber aufgebrochen ein Gewicht von 13 Kilo hatte.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 2. Oft. Ein großer Einbruch.sdieb stahl ist in einer Parterrewohnung der Sofienstraße in den Abendstunden verübt worden. Gestohlen wurden Schmuck- und Wertgegenstände, Uhren, Kleidungsstücke unb Wäsche im Werte von etwa 1400 Ml.
öie Sranffurfer Messe.
WSN. Frankfurt a. M., 2. Oft Erfahrungsgemäß ist der Montag einer jeden Frankfurter Messe sowohl in Besuch, wie auch im Geschäft relativ schwach gewesen. Um so erfreulicher ist die Feststellung, daß, wenn man dieses immer wiederkehrende Abflauen am zweiten Messetage in Rechnung stellt, über den Verlauf des gestrigen Tages nicht geklagt werben kann. Naturgemäß lagen einzelne Geschäftszweige, so in der Lextllausstellung, im Hause Werkbund, unb in der Abteilung „Schuh und Leber ', die schon gestern fein außergewöhnliches Geschäft hatten, heute rwch bedeutend stiller, Abschlüsse kamen nur vereinzelt vor (wenigstens solche in größerem Umfange). Weiterhin ist zu bemerken, daß sich der Wirkungsbereich der Frankfurter Messe weiter aus-ude-hneu scheint. Während man gelegentlich der Frühjahrsmesse Einkäufer aus einem Umkreise von ungefähr 150 Kilometer sehen konnte, waren bisher aus der Herbstmesse tintereffenten und Einkäufer anzutreffen, die 200 Kilometer, teilweise noch viel weiter von Frankfurt ihren Geschäftssitz Haden. Vereinzelt wird von Einkäufern aus dem Munsterlande, aus Mitteldeutschland und vornehmlich aus dem badischen Lande, und zwar aus Südbadsn und Württemberg, berichtet.
Der heutige dritte Messetag war insofern bemerkenswert, als entgegen der sonstigen Gepflogenheit etwas mehr Seßhaftigkeit bei ben Ausstellern festzustellen war. 3m all-
hinüber. Hundert lustige Stunden verdankte er ihm, aber heute wünschte er ihn zu allen Teufeln.
Der andere schien seine Gedanken zu erraten. „Du möchtest mich wohl gern rausgraufen, he?" fragte er grinsend.
„Bewahre. Ich möchte dich etwas fragen. Was tätest du, wenn du plötzlich reich würdest?"
„Si j’etais roi? Hochgehen würde ich, natürlich, lieber allem Menschlichen, Allzumenschlichen schweben. Geld macht nämlich leicht."
„Das glaube ich nicht", meinte Grotteck grüblerisch. „Zieht Geld nicht hinab? Ist es nicht Ballast?"
„Run, die Philosophie des Geldes hat ja schon ein andrer geschrienen. Was mir viel mehr Kopfzerbrechen verursacht, ist die Frage: Welche Möglichkeiten hätte ich wohl, plötzlich reich zu werden?"
„Es konnte ein Zufall sein, den du jetzt nicht voraussehen kannst."
„Ja. Entscheidend für den Menschen ist nicht das, was in feinem Zentrum liegt, sondern die Dinge an her Peripherie."
„Aber es ist trotzdem richtig. Notabene konnte es einem ja gehen wie dem Berliner Chauffeur, der in feinem Wagen fünfzigtausend Mark fand. Ich werde jetzt eifriger Autos benutzen."
„Soviel ich weiß, wurde er verhaftet?"
„Weil er sich eselhaft benahm. Er hätte übrigens auch mit dem Finderlohn zufrieden fein können."
„Dq müßte man aber wissen, wem das Geld gehört."
Fährmann lachte dröhnend. „Das pflegt der Verlierer ja gewöhnlich anzugeben."
„Das ist der springende Punkt", warf Grotteck ein.
Fährmann blickte ihn verwundert an, entschloß sich dann, dem Sinn dieser rätselvollen Worte nicht nachzudenken, und erzählte: „Euer technischer Berater hat mir gestern zu später Stunde einen langen, tiefschürfenden Vortrag über Anodenbatterien und Kristallempfänger gehalten. Da ich gleichzeitig gut temperierten Rotspon von ihm empfing, bin ich oem Problem ziemlich auf die Spur gekommen "
Nein, er wurde den Besuch nicht los. Er saß wie angegoffen da, und es machte ihm womöglich noch Spaß, die Ungeduld Grottecks auf eine gediegene
gemeinen waren auf den früheren Messen in dielen Abteilungen die Stände am dritten Tage zum überwiegenden Teil geräumt. Die Neigung hierzu ist auf der jetzigen Messe weniger stark hervorgetreten. Besonders in der für gewöhnlich geräumten Schuh" und Ledermesje ist noch ein großer Teil ber Stände am dritten Tage belegt gewesen. Der Besuch ist, wie zu erwarten stand, gegenüber Montag noch schwächer geworden, was aber nicht gleichbedeutend ist mit einem Nachlassen des Geschäftes in beni gleichen Umfange. 3m Gegenteil, in einzelnen Abteilungen erschienen heute mehr ernsthafte Reflektanten, als an den bisherigen Tagen, und es tarn auch vielfach zu recht befriedigenden Abschlüssen. 3m ganzen kann gesagt werden, daß jetzt schon das elrteil über den ‘Verlauf drr diesjährigen Herbstmesse feststcht in der Richtung, daß sie besser abzuschneiden verspricht, als die Frühjahrsmesse.
Franffutts „Gsmmer der Musi?".
WSN. F r a n k i u r t a. M.. 2. Oft. Die Frankfurter Stahtverrrdneten-Versamm- lung bem;u.agte sich t).aue mit dsnz Ausschuß- bericht über die Untersuchung der Abrechnung sur den „Sommer der Musik". Der Berichterstatter des Ausschusses, Dr. Schnorr, betonte dabei besonders, daß man weniger über die Höhe des Defizits von 1,6 Millionen Mark entrüstet sei, als über den llmftanö, daß man die Stadtverordneten vollkommen darüber im Unflaten gelassen und die Etaisrechte der Stadtverordneten berührt habe. Danach ergriffen Direktor Sutter von der Ausstellungsleitung und der Oberbürgermeister das Wort zu ausführlichen Verteidigungsreden. Direktor Sutter ging dabei von der Feststellung aus, welch kulturelle Werte die Ausstellung für Frankfurt gehabt habe. Auf die Einwände verschiedener Abgeordneten, endlich zu den Vorwürfen zu sprechen, verbreitete er sich über die einzelnen Vorwürfe. Die Frage einer ordnungsgemäßen Buchführung sei deshalb nicht vollkommen gelost worden, weil es nicht möglich war, die Buchhaltung beizutragen. Das Revisionsamt habe die Buchführung dann geführt, und er habe es mit allen Mitteln unterstützt. Eine Verschleuderung der Repräsen- tattvnsmittLl habe nicht stattgefunden, im Gegenteil sei man damit sehr sparsam umgegangen. Daß mit einem Defizit gerechnet werden mußt«, ergebe sich schon aus einem Vergleich mit anderen großen Ausstellungen, z. B. mit der Gesplei in Düsseldorf. Er ging dann noch auf einige andere in dem Ausschußbericht erwähnte Mißstände ein und suchte diese zu entkräften.
Der Oberbürgermeister stellte in längeren Ausführungen fest, daß die Rechte der Stadtverordneten in keiner Weise berührt roorbsn seien. Statt der Ausstellungsleitlmg den Dank der Stadt für ihre kulturelle Tat auszusprechen, begegne man ihnen mit Mißtrauen und mache ihnen jetzt Vorwürfe, Hn der anschließenden Debatte, zu der die Redezeit auf 15 Minuten verlängert wurde, sprachen die Vertreter aller Parteien, die zum Teil recht scharfe Angriffe gegen den Magistrat richteten und Einzelbeispiele zu den erhobenen Vorwürfen beibrachtem Die kulturelle Lat der Ausstellung wurde nicht be- ftritten, aber man hätte nicht so aus dem Dollen wirtschaften sollen, wie man es vielfach getan habe. Die Nationalsozialisten stellten die Forderung auf, der Oberbürgermeister sylle sein Amt niederlegen. Nachdem dann nochmals Direktor Sutter die Angriffe im einzelnen zurückgewiesen hatte und sich in großer Erregung verteidigt hatte, schritt man zur Abstimmung. Der Ausschußbericht wurde mit großer Mehrheit angenommen. Der wichtigste Punkt jedoch, die Bewilligung des Defizits, toirrbe ausgesetzt, so daß also nochmals barüber eine Beratung stattfinden wird.
Goziallehrgang in $rieö6»rg.
WSN. Friedberg. 2. Oft Gestern begann im evangelischen Gemeindehaus der Sozial- lehrgang des Evangelischen Wyhl- fahrts- und Iugenddienstes für den Kreis Friedberg. Direktor Röricht - Darmstadt eröffnete die Verhandlungen mit eines Andacht. Professor D. Dr. Frick-- Gießen verbreitest: sich in längeren Ausführungen über das
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Probe zu stellen. Ich muß das Bett noch einmal untersuchen — empfand er erschrocken —, ich habe das Geld viel zu eilig herausgenommen. Vielleicht hat sich ein Geldschein aus den losen Bündeln gelockert und ist drinnen geblieben und wird zum Verräter.
„Ich mache dir einen Vorschlag", unterbrach er den schwatzenden Gast. „Ich lade oich zu einem solennen Katerfrühstück ein. Aber nur unter der Bedingung, daß du dich wäschest. Ich muß auch noch eine Karte schreiben."
„Dos hättest du auch gleich sagen können", meinte Fährmann vorwurfsvoll, aber endlich ging er. n»r- gnügt den neuesten Schlager vor sich hin pfeifend.
Grotteck wartete ab, bis er bia Jür drüben zuschlagen horte. Dann durchstobe.-^"'^ das Bett, alles betastend und durchforschend- Es wilr. nichts zurückgeblieben.
Neugierig nahm er das Papier vor, das er vo^ hin zu sich gesteckt hatte. Es war bedruckt, aus einer russischen Zeitung sauber viereckig ausgeschnitten. Der Räuber mußte es in der Eile mitsamt den Geldscheinen mitgenommen haben. Denn einen Wett hatte es wohl kaum. Haste es einen Zusammenhang mit dem Geld?
Er verstand kein Ruisisch, obwohl Gratthsulen Nicht weit von der russischen Grenze lag. Offenbar war das Papier aus einem Zeitungsartikel mitten herausgeschnitten, da keine lleberschrift da war, ein kurzer Absatz, dessen Inhalt irgendwen interessiert hatte. Ein Wort war sauber mit Rotstift unterstrichen: „Slowo" entzifferte er. Aber damit war nicht viel anzufangen. e
Unruhig betrachtete er den Fund. Als er die Rückseite, die offenbar Reklamenotizen enthielt, prüfte, entdeckte er halboerwischte Spuren von einem Stempelabdruck. Er hielt das Blatt gegen den Spiegel und las: „Broder Hier hatte die Schere den Rand und damit die Fortsetzung des Worts abgeschnitten.
Sollte der Zettel auf einem frisch gestempelten „Brodersen" gelegen haben? Oder war es nur ein Zufall? Gedankenvoll verwahrte er das Papier in der Brieftasche.
(Fortsetzung folgt.)


