fonflsftabium der Seekrankheit vor der Äata- sirophe zu vergleichen. Man ist nicht voll denk- iähig, schlaft enttetzlich viel, ißt reichlich und schwankt bei den ersten Schritten außerhalb des Zuges: dazu summt einem wie nach einem Id.'* deren 5(ufl da- Ohr noch lange von dem Rollen der Räder nach. Die Russen und Maten, denen die lange Fahrt offenbar nicht- ausmochte, sind zu beneiden. Für sie ist die Entfernung ja auch "icht so eadloS: sie denken, wenn überhaupt, in anderen Räumen, Weiten und Zeiten. Man ist eben in Asien und kann nicht europäische Maßstäbe, auch nicht für den Wert des Menschen anlegen. Als unser Zug kurz nach Swerdlowsk sJekaterinburg) einen Menschen überfuhr, hat sich eigentlich niemand darüber aufgeregt ooer auch nur gewundert.
Sonst geben sich die Russen aber eine anerkennenswerte Mühe, die Reil« erträglich zu gestalten. Das Personal rst höflich, entgegenkommend und sauber. Es versucht am- immer wieder, gegen Staub und Schmutz onzukommcn. Aber salbst bei meiner Fahrt, bei der wir regnerische- Wetter hatten, war das ein hoffnungsloses beginnen. Besonders schlimm ist da- in den russischen Waggon- — nach unseren Begriffen die 3. Klosse. Hier kann sich ein Westeuropäer nur aufhaiten, wenn er über keinen allzu feinen Geruchssinn verfügt. Denn wenn hier auch das Personal sich ebenso Wüh« gibt wie in den internationalen Wagon, so zwingen doch die Ausdünstungen der mitreisenden Russen und Asiaten zur ständigen Ästung und damit zur immer neuen Verschmutzung. Dabei spielt die Heizung der Lokomotiven mit Holz fast auf der ganzen Streike eine große Rolle. Dazu kommt der nicht gerade erstLaliige Zustand der Wagen, auch der inlernationalen. Endlich ist es eine Eigentümlichkeit der sibirischen Bahn, daß die ganze Strecke im Oberbau mit Sand beworfen ist, der auch nach Regen sehr schnell wieder hochwirbelt. Sogar dort, wo der Strang durch Felsen hat durchgeh rochen werden müssen, wo also eine natürliche feste Unterlage vorhanden war, ist Sand darüber geschüttet! Gs würde sich schon lohnen und wäre gar nicht teuer, die ganze Strecke mit Kies, Schotter oder Steinschlag au bedecken. Damit könnte man eine wesentliche Schonung des Wagen- und Lvkomotivmctterials, das in allen Führungsstellen durch den Staub ausgeleiert ist, erreichen. Der Oberbau, dessen ständige Instandhaltung heute unendliche Summen verschlingt, würde an Dauerhaftigkeit gewinnen und ein angenehmeres und schnellere- Fahren gestatten. Aber man hat manchmal den Eindruck, als ob die Dahnverwaltung auf rationelle Detriebsführung in diesem Änne keinen besonderen Wert lege: denn wenn auch Holz im Aeberfluß vorhanden ist, so bleibt es doch unwirtschaftlich, einfach Rohholz als Schwellen zu legen, das bei dem UebermaH au Holz« ichädlingen und den starken Temperaturschwankungen alle Augenblicke erneuert werden must. Die Derwenknmg von imprägn ieriem Holz ist zwar etwa- umständlicher, aber auf die Dauer billiger und betriebssicherer. Rehnlich ist es mit den Weichen, die heute überall aus- schliehlich Handweiche,: sind und keine Sickerung haben: Weichensicherung und wenigstens teilweise Einführung von mechanischen Weichen tonnte die Betriebssicherheit erhöhen, Personal ersparen und weit größere Fahrgeschwindigkeiten zulassen. Insgesamt können bei zweckmäßiger Verbesserung der Strecke und dcs rollenden Materials von Mo-kau noch Manchuria mindestens 48 Stunden gespart werden. Daß es geht, zeigt die von Russen und Ehinesen gemeinsam betriebene Ostbahn von Manchuria ab, die bei besser gepflegten Wagen und Bahnkörper wirklich europäische SchnellzugSgeschwindigkeiten entwickelt.
Aber auch dann würde die Reise von Derlin nach Harbin immer noch 7'/r Tage beanspruchen, llnd es ginge mit dem Flug bequem in vier Tagen, wobei schon die Möglichkeit von Llebernachtungen mitgerechnet ist. Die Lufthansa bat den Probeflug Berlin—Peking durchgesührt, die technischen und flugtechnischen Probleme sind teils bei der Gelegenheit, tells durch die zur Vorbereitung bestellten Vertreter in Moskau, Harbin usw. gelost. Und trotzdem scheint der Plan nicht recht weiter zu kmnmen. Dafür sind allein politische Gründe zu suchen, die nach übereinstimmender Meinung aller natürlich nicht in Deutschland, aber ofsensichtllch auch nicht in China zu suchen sein dürften. Dabei sollte der Vortell auch für Rußland aus der Hand liegen. Ich
Oie Pistole.
Von Liesbet Dill.
Nachdruck verboten.
Steffi aus Wien war zu Besuch gekommen und in da- Nebe^zrmmer einquartierc worden: wir hatten uns niet zu erzählen gehabt: war spät geworden, al- wir uns trennten und ich die Tür zwischen unseren Schlafzimmern schloß. Ich weiß nicht, wie lange ich geschlafen hatte, als mich ein Hilferuf weckte. Er kam auS dem Nebenzimmer, jemand rief meinen Rainen ... Ich sprang auf und öffnete bie Tür, und sah Steffi im Bett aufrecht fitzen mit hochgerutschter Spitzenhaube und gesträubtem Haar. „Richt nähertreten." rief sie. „Um Gottes willen, komm nicht herein!"
..Wa- ist denn los?"
Und mit einem Seitenblick auf das geöffnete Schubfach des Rachitisches. stammelte he: „Da iu:qt eine Pistole . . mit der Mündung gerade auf mich gerichtet."
Laß sie nur liegen." sagte ich. ..die tut dir nicht-.
„Aber Ixe ist sicher geladen und kann losgehen ..."
• „Aber doch nicht von selbst," sagte ich. eingeschüchtert von Steffi- Angst. ..Pistolen gehen nie von selbst los. Und dann ist fie auch bestimmt gesichert."
„Da- weiß man nicht," jammerte die bleiche Steffi. „So heißt es immer und nachher ist'- zu spät ... ich hab' schon gelesen von Pistolen, die sind Mae gangen wenn sie einer ungefaßt hat und deshalb hab' ich mich nicht getraut, sie fort- z wiegen."
„Weshalb hast du denn überhaupt die Schublade ausgemacht?" fragte ich.
„Ja, da» muß ich geahnt haben, dah so was neben mir hegt Ich hab' nicht ein'chlasen können, es hat mch etwa» beunruhigt, ich fühl' so waL immer. Da- ist. tote wenn einer mit der Wünschelrute Wasser au- der Erde zaubern kann, der kann auch nicht Einschlafen wenn er über einer Quelle liegt Ich ^ad einer CnM gehabt in Ungarn, bet war tinnie1. nad't.
quartiert auf einem fremden Schi oste nn Okbtr.r und hat nicht schlafen tonnen; jede Rocht hat
denke dabei nicht nur an die zweifellos fördernde Konkurrenz zw'icken den verschiedenen Verkehrsmitteln in Rußland, sondern auch an die mit der Zeit notwendige Entlastung des Schienenweges und an die Räherbringung des asiatischen Rich land an Moskau und Europa, die im Interesse der Erhaltung bei Rußland gegenüber dem trotz aller inneren Wirren sehr aktiven gelben Element dringend notwendig erscheint. Denn wenn der Personenverkehr «chon zwar glatt, aber doch nicht optimal abgcto.dcU wird, so muß man nach allen Erfahrungen mit der Entwicklung derartiger Dinge annehmen, daß der Güterverkehr noch größere und auch wirklich sachliche Mängel auf» weist. Loch kann ich darüber nichts PofittveS
sagen; ist hoffe aber, diese Frachtverhältniste I auf der Rückreise eingehend studieren zu können. • Und schließlich, wenn es auf der Flugstrecke Smolensk—Moskau mehr Leute gibt, die ein Flugzeug gesehen haben, als solche, die eine Eisenbahn kennen. — warum soll man nicht eine ähnliche Propagierung moderner Anschauungen auch in die Gebiete östlich Moskau tragen? Schließlich kommt auch das der Steigerung der allgemeinen Aufnahmefähigkeit und dem Fortschritt der betreffenden Gebiete zugute. Dies mitteleuropäisch-östliche Verkehrsproblem gehört jedenfalls gegenwärtig zu den interessantesten und wichtigsten Lebensfragen Mitteleuropas ebenso wie Rußland- und Asien-.
Internationale Auswirkungen derRationattsierung
Von Joseph (Laillau?, ehem. Ministerpräsidenten und Zinanzminister der französischen Republik.
Die industrielle Rationalisierung war von Anfang an ein großer Erfolg für Amerika. Die Durchführung dieses Prinzips kann in ihren fegens- reichen Auswirkungen fast mit der Aushebung der Zollschranken zwischen den einzelnen Staaten der Union verglichen werden, die bekanntlich zu einem erstaunlichen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft führte. Unter dem lebendigen Eindruck der Bielstaaterei im heutigen Europa dürfen wir uns mit Recht fragen, wie wohl die in* buftrieUe Entwicklung Nordamerikas vor sich gegangen märe, hätten seine Staatsmänner nicht eine besondere Voraussicht in der Abschaffung der Zollschranken bewiesen. Andererseits können wir gewisse Schlüsse ziehen, was aus Europa noch werden kann, wenn cs dem Beispiel der amerikanischen Union folgt und wenn es die -wischen den einzelnen ßän- dem bestehenden Zollschranken aufhebt ober wenigstens abbaut.
So segensreich die industrielle Rationalisierung für Amerika gewesen ist, so glaube ich doch nicht, daß dieses modernste aller Wirtschaftsprinzipien s i ch ohne weiteres auf Europa übertragen läßt. Bevor dieses System den Atlantik überquert, muh es bestimmten Modifizierungen unterworfen werden, die seine Verpflanzung auf unsere individualistische — vielleicht ein wenig zu individualistische — Aufsasiung und auf unser persönlich eingestelltes Temperament gestattet. Ich gebe ohne weiteres zu, daß wir in Europa mitunter t ü n ft * l i ch Industriezweige gezüchtet haben, Industriezweige, deren Existenz nur mühsam mit Hilfe der Schutzzollwälle aufrecht erhallen wird. Wir besitzen die oerfdjiebenften Unternehmungen, deren Be stand unter den heutigen Verhältnissen nicht berechtigt ist und die daher nur ein Schmarotzerdasein am lebendigen Wirtschaftskörper der Nationen führen. Eine konsequent durchgeführte Rationalisierung würde natürlich die Schließung solcher Betriebe erfordern. Ich verkenne nicht, daß ein derartiges Vorgehen gewisse Schwierigkeiten in sozialer und persönlicher Hinsicht vorübergehend im (Befolge haben wird, die man bemüht fein muß, nach Möglichkeit abzuschwächen.
Ich schließe mich der Auffassung des Internationalen Arbeitsamtes in Genf völlig an, daß die Industrie, zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft gelangen muß. In allen kontinental-europäischen Ländern können wir derartige Bestrebungen beobachten. Sie nehmen ferner einen besonders starken Umfang in England an. mo wir die Tendenz zur Herbeiführung eines Industriefriedens in wachsen- dem Maße feftfteflen können. Ich verweise nur auf die Unterhandlungen, die zwischen den Arbeitgebern mit Sir Alfred Mond, dem Präsidenten der Imperial Chemical Industries, an der Spitze und den Gewerkschaften stattgefunden haben. Die Anregung für diese Besprechungen bot der langanhaltende Bergarbeiterftreik des Jahres 1926, welcher der enalifcyenWirtschaft so überaus schwere Wun den schlug und nicht nur die Industrie, sondern auch die Arbeiterschaft Englands auf das schwerste schädigte. Das Ziel aller dieser Verhandlungen ist, eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft herbeizusühren, um Streiks und Aussperrungen aus der Welt zu schaffen, die Produktion zu steigern und auf solche Weise die Wohlfahrt des Landes zu heben. 21 u ch in Deutschland und Frankreich bestehen bekanntlich ähnliche Bestrebungen, welche die Förde- rung der industriellen Spihenorganisationen Hoben.
Bevor internationale Abkommen über die Herbei- fübrung einer Nationalisierung der Produktion abgeschlossen werden können, ist es notwendig, daß
jede Nation danach strebt, diese Reform i m eigenen Lande durch geeignete Abkommen zwischen dem Unternehmertum und der Arbeiter- schäft vorzubereiten. Nur wenn dies geschehen ist, werden die großen Kartelle in der Lage (ein, die begonnenen Verhandlungen weiterzuführen und sich fclbft auf internationaler Basis zu organisieren. Nur so und nicht anders können wir die wichtigsten Probleme unserer Weltwirtschaft lösen, die in der bestmöglichen Versorgung der Industrieländer mit Rohstoffen, die Erschließung neuer Märkte und einer vernünftigen Verteilung der Produktion gipfeln, internationale Abkommen über solche Fragen sind den europäischen Staaten bereits seit langem wünschens- wert erschienen, insbesondere seit dem erstaunlichen wirtschaftlichen Aufschwung der Vereinigten Staaten.
In diesem Zusammenhang möchte ich nur an die Zusammenarbeit zwischen der lothringischen Eisenindustrie und der westdeutschen Äohleninbuftrie im Ruhrgebiet erinnern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen biescn beiben Distrikten ist zwangsläufig gegeben unb damit auf die Dauer unvermeidlich. Frankreichs Eifen verarbeitende Industrie leidet infolge des Fehlens geeigneter Bergbaugebiete an einem chronischen Srennftoffmangel. Sie muß daher dauernd Kohlen importieren, die deutsche Schwerindustrie dagegen braucht dringend das lothringische Eisen. Ein internationales Abkommen wird auch zwischen den Vertretern der chemischen Industrie der verschiedenen europäischen Staaten angestrebt. Wir sehen also, daß die Berftän- bigung unter ben industriellen Nationen Europas marschiert unb baß bie Rationalisierung ber In- biiftrie auf internationaler ©runblage in Zukunft eine immer wichtigere Rolle zu spielen berufen ist.
Unter bem Druck ber wirtschaftlichen Verhältnisse verschwinbet ber bisher bie europäische Wirtschaft kennzeichnende engstirnig« Nationalismus immer mehr, unb es besteht bie berechtigte Hoffnung, baß die Zusammenarbeit .zwischen ben einzelnen Industrienationen der Welt sich in Zukunft noch weit enger gestalten wird, als dies bisher der Fall gewesen ist. Ich bin ber festen Ueberzeugung» baß eine solche engere Zusammenarbeit auch b u r d) a u s n o t m c n b i g ist, will Europa nicht seine bisherige Vormachtstellung auf wirtschaftlichem Gebiete ganz verlieren. Diese Vormachtstellung wirb bereits heute burch bic Vereinigten Staaten von Norbamerika auf bas schärfste bebroht, beren Gebiet faft eben so groß ist wie basjenige Europas, bie aber einen weit größeren Reichtum an Rohstosfen unb Lebensmitteln aller Art besitzen, während bas flanb nur etwa ein Viertel ber europäischen Bevölkerung zu ernähren hat.
Ich verspreche mir von biescn internationalen Abkommen unter ben einzelnen Inbustrienationen sehr viel. Ich erwarte vor allen.Dingen eine tiefer- gehenbe Verständigung zwischen ben kontinental- europäischen Nationen, eine Bereiniung ber politischen Atmosphäre unb einen Ausgleich ber sozialen Spannungen. Erfreuliche Anzeichen sink» bereite vorhanden. Denke» wir z. B- daran, wie verhältnismäßig leicht der Handelsvertrag zwischen Deutschland unb Frankreich abgeschlossen worben ist, vergleichen wir ben gegenwärtigen Ton der Preße beider Länder mit dem Ton, der noch vor wenigen Jahren herrschte. Ich hoffe, daß wir auf diefem einmal beschrittenen und als richtig erkannten Wege weiter sortschreiten, ist es doch meines Erachtens der einzige Weg, der zum Frieden und zu wirtschaftlicher Wohlfahrt führt. Nur fo können wir der Gefahr einer kulturellen und wirtschaftlichen Dekadenz unb bamit einer Ueberflügelung $ urpas durch wirtschaftlich besser organisiert« Lander entgegentreten.
er nicht einschlasen können, weil er gefühlt hat. daß eine Quelle unter ihm im Boden war, und da haben sie am Tage nachgegraben und haben richtig eine gefunden, gerade unter dem Zimmer, wo er geschlafen hat."
„Ja. das hat aber doch mit der Pistole--"
..Doch, das ist genau dasselbe mit mir. Ich fühle die Gefahr, und ehe ich einfchlafe. orientiere ick mich in fremden Häusern immer über meine Umgebung, und deshalb hab' ich das Racht- kasterl auf gezogen, um *u schauen was drinnen ist. und da hat mich die Pistole gerade angefchaut mit der Mündung. So was kann ich nicht haben. daS macht mich krank —"
„Ach waS," sagte ich. „ich werde sie fort- trägen."
„Bleib draußen," schrie Steffi hochausgerichtet, unb streckte mir beide Hände entgegen. „Rühr' dich nicht von der Stelle, sonst geht sie am Ende los unb gerate auf mich. Von einer bloßen Erschütterung ist einmal einem Kutscher von uns so ein Gewehr losgegangen unb bat ben Mann mitten inS Herz getroffen. Bleib stehen Derck' nur. wenn da ein Kind baran rührt, das kann sich unglücklich machen für fein ganzes Orten! Sicher ist sie geladen. Für waS sollte fit sonst da liegen? Wenn keine Kugel darin wäre, was hätte denn das für einen Sinn? Wemi da einer einfteigt aus bem Garten, hat man fie gleich bei ter Hand, unb mit ungelatenen Pistolen kann man nichts ausrichten. Rein, das laffe ich mit nicht au-reden. die ist geloben, bie schaut gerate fo aus und mit ter Mündung auf mich!" Steffi verbarg ihr Gesicht schauderns in den Kissen ...
„Lin Vetter von mir." klang es bumpf aus Steffis Kiffen, ,chat auch einmal fo eine ungeladene Pistole putzen wollen; seine Frau hat gefragt. ist sie geladen? Und er hatte gelacht; und tum Beweife. daß he nicht geloben ist, hat er auf fie gezielt und losgedrückt, zum Spatz, sagte er. ater b.t Pistole hat feinen Spaß verstanden unb ist ter unglücklichen Frau mitten--"
Hör auf. Steffi." sagte ich. „mit solchen Geschickten kann man nickt einfch lasen. Wir wollen He wegtragen."
Dc Pistole weg tragen? Um keinen Prers rühre ich die an!"
„So werte ich die Schublade forthragen,“ sagte ich mutig.
„Das dulde ich nicht!" rief Steffi. „Daß du dich unglücklich machst. Wenn sie dann los- goht ..
„Run. dann wollen wir sie zusammen forttragen."
„In Gottes Ramen." Stef: warf das Kiffen fort. „Aber vorsichttg mußt du dich dem Racht- fafterl nähern, bu mußt dein« Pantoffeln auä- ziehcn, so, und dann kommst du auf den Zehenspitzen heran ... Sv ..."
Damit faßten wir beite, herzklopfend und sehr vorsichtig, ten unheimlichen Kasten, ter das schauerliche Werkzeug barg, an. und trugen ihn langsam, wie man einen Schwerkranken trägt, hinaus ... Wohin? fragten wir unS. „Vor bic Tür." sagte Steffi. „Sher hab' ich feine Ruhe " „Ater wenn fie morgen bas Mädchen findet, faßt sie fie doch natürlich gleich an, und dann geht fie los. ein Knall und das Mädchen liegt da. Und ter Bub darf sie nicht fehen, denn das ist doch das erste, was bi« machen, wenn sie so eine Pistol« erwischen können . . Si? hat so eine merkwürdige Form, bie Pistol«, fo einen langen Lauf, so «ine hab ich noch nie gefeten. bie muß schon sehr alt fein, die Pistole." Steffi sprach währenb bes Transports wie jemand, ter daS Fieber hat. ater ganz leise, als ob fie die Pistole nicht wecken möchte.
So trugen toir die Pistol« in ihrem Kasten durch die mondteleucht«ten Zimmer. Der Mond sah uns zu. Wir öffneten die Haustür und (teilten fie auf die Gartenmauer. ..Da ist fie gut aufgehoben," meinte Steffi, „niemand wird daran nih r< i bis morgen, wo wir «S gleich sagen werten. und außerdem, wenn einer trotzdem darangeht. dem geschieht es dann ganz recht. Was hat «r fremde Pistolen anzurühren? Da trifft unS keine Schuld Und wer könnte uns tenn Nachweisen, daß sie gerate dir gehört, die Ptstole? Stecht kein Harne darauf? Manchmal steht ernt Dedikation auf so einer Pistole, dann ist man ßereingefallen ..Aber es standen nur ein paar Schnörkel darauf, die wir nicht entziffern konnten. Dir ließen fie stehen unb schlichen unfl erleichtert in unser Zimmer zurück ...
Oberhessen.
La Skreis Gießen.
X Klein-Linden, 2. 21 ug. Die beiden Haupt fr raßen (nach Wetzlar und Frankfurt) werden zur Zeit wieder mit splitt und Teer aus- gebessert, da Der rasende Verkehr fortwährend große üöchcr in ber Straßendecke verursacht Diese Flickereien haben den Nachteil, daß die Straßen niemals in einen einwandfreien Zustand kommen, wie dies im freien Felde, bei Äktnpflafterung unb Asphaltie- rung, ber Fall ist. Diese Herstellungsart soll nach Fertigstellung ber Wasserleitung unb Kanalisierung burchgesührt werben, was für die nächste Zeit geplant ist.
' G r o tz e n - B u f eck. 2. Aug. Der Brennerei- tefiher Ehristoph Schmidt bemerttc heute tn ten frühen Morgenstunden einen ungewöhnlichen Lärm auf feinem Hühnerho'e unb mußte bei ber Untersuchung feststellen, daß ihm neun junge Hühner fehl ten. In der alSboid gestellten Falle wurde erst ein, später noch zwei junge Iltisse gefangen. Ein altes Tirrstes offenbar die jungen zu befreien suchte, konnte mit einiget Mühe erschlagen werten.
Bg. Grohen-Buseck. 2. Rüg Eine schöne Ueterrafchung tourte heute ter hiesigen Hebamme E. Bcrgauer au teil. Mitglieder des Pofaunenchores brachten ihr in srüder Morgenstunde ein Ständchen, um ten Tao ihres f ü nf - undztoanzigjährigen Dienstjubi- 1 äums einzuleiten. Ebenso weihten ihr m finniger Wette bie vor fünfunbztoanzig Jahren Geborenen bei Tagesanbruch zwei Passende Lieder. Im Verlauf« des Tages wurden ter Jubilarin noch reich« Ehrungen zuteil, bic Zeugnis davon ablegen, baß bie Gefeierte es durch ihr allezeit freundliches ODefen unb ihre auf reich« Erfahrung und fiele Fortbildung ^ich stützende Tätigkeit verstanden hat, sich anteilig« Hochkchähung au erwarten.
* Hungen. 2. Aug. Der bitftat Stadt- rechner Emil Weck konnte in diesen Tagen auf fein« 2 5jährige Dienstzeit zurüablicken. Der Jubilar hat mit größter Pflichttreue unb Gewissenhaftigkeit fein Amt geführt unb fick wegen feines leutseligen Wesen- bei allen, die mit ihm zu tun haben, beliebt gemacht. - Bei dem in ter vorigen Woche herrschen S.n orfan» artigen Sturm wurde bie mehrere hundert Jahre zählende Linde am fog. .Herentanz" um* gestürzt. Der Boum stand unter Denkmalschutz.
* Aus ber nördlichen De11erau. 2. Rüg. Di« Ernt« reift ungeheuer schnell heran. Während in ter vergangenen Woche Korn und Gerste gleichzeitig geschnitten werten mußten, ist man jetzt daran. Hafer und Weizen abzumachen. Und wenn die trockene Witterung noch einige Tage anhält, ist das Rbernten ter Frucht In ungewöhnlich kurzer Zeit beendet. Wohl am meisten das der Hafer unter ter langen Dürrezeit gelitten, da fein Kern besonders in bergigen Lagen toenig Mehlgehalt bilden konnte. Ruch ist ter Halm da verhältnismäßig kurz geblieben, so daß er stellenweise nicht mit ten Erntemaschinen bearbeitet werden konnte Der Weizen steht durchweg gut. und fo geht sein Schnitt sehr schnell vorwärts. Bereits find die Dreschmaschinen in Tätigkeit getreten. Mit dem Ertrag ist man hinsichtlich ter Körner unb des Strohs recht zufrieden. Wo der G e t r e i d e- blasenfuß Schaden angerichtet hat, ist das Druschergebnis geringer. Sehr gut gibt bic Gerste. Der Weizcnertraa steht pro Morgen noch über ter Gerste Obwohl noch kein eigentticher Handel besteht, wird ein Preis von 23 bis 24 Mark von ten Maklern genannt. — Di« Preise für Fettfchweinc sind in weiterem Steigen begriffen. Gegenwärtig werten von ten Händlern 66 bi- 68 Pf. per Pfund Lebendgew'ckt gezahlt. Trotz steigender Fettfchweinepreife find die Ferkclpreise rückgängig, ba bic schlechten Kartoffelausfichten hemmend wirten. Das Stück 7 Wochen alter Jungtiere kostet 15 biS 20 Mr. — Den Imkern kommt das trockene Sommerwetter sehr zugute. Obwohl wir zu ten ouSge- fprochenen Frühtracktgegenten gehören, wo in erster Linie die Obstblüte und bic Wiesenblumen einen guten Ertrag verbürgen, kann ter Btenen- vater jetzt noch schleudern, weil der rote Klee beflogen werten kann.
Mrei* Vüdiugen.
Lpd. Büdingen. 2. Rüg. Dcc uralte Unsitte der Jugend, (ich an in ter Bewegung befindliche Fahrzeuge zu hängen unb f i ch mit-
Rber ich hab« nicht mehr «infchlafen können, die flanke Rächt rumorten die ungarischen Tragödien m meinem Kopfe, und ich mußte immer an bie arme Pistole denken, die, jedem Zufall ausgefetzt, draußen vor bi« Tür gesetzt war. Rm anderen Morgen brachte ter Briefbvte bi« leere Schublade herein. Die Pistol« war verschwunden, ohne Knall. Siner hatte ft« mit* genommen, es war gut abgegangen. Wir fegten niemand etwas davon.
AlS nach dem Kriege ter Hausherr in feiner Waffenfammlung eine alte Türfcnpiftofe vermißt«, wurde ich gefragt, ob ich etwa» von ihr wüßte? „WaS war tenn daS für dm Pistole?" fragte ich
„Ach. eine alte Turkenpistote aus tem russisch- türkftcken Kriege, die ein türkischer General meinem Großvater dediziert hatte. Si« war zwar nicht mehr zu gebrauchen, ater «S war ein so feingcorteltetes Stück" Mnb ter Hausherr begab sich noch einmal auf bi« Suche nach bet alten Lürkenpistol«, bie uns eine schlaflose Rächt verursacht hatte ... Rls ich eS Steffi mittetIte. schrieb sie: Mein liebes Kinb. gerate mit ten Türken muß man sich in acht nehmen. Denen ist nickt zu trauen, unb ihren Pistolen erst recht nicht ..."
Hockschulnachnchten.
Professor Dr. Walter Schmidt in Xubi .• g«n hat ten Ruf auf ten Lehrituhl für Mineralogie unb Geologie an ter Technischen Hochschule in München als Rachfolger teS Geh. Rats Oebbefe abgefeimt
Der ordentliche Profesior für deutsches Recht an ter Universität Heidelberg. H. Mittels. hat den an ihn ergangenen Ruf an bie Universität Tübingen abgelebt- — Der weitere Senat ter Berliner Ilnioersität, daS Kollegium ihrer ordentlichen Prosef vren und der übrigen wahlberechtigten Mitglieder ihre- Lehrkörpers unter ten auß«ortenllichen Professoren unb Privatdozenten wählte den Geheimen Medizi na! rat Prof. Dr. Wilhelm H i s. ter Ordinarius für innere Medizin unb Direktor ter ersten mtbi* zmischen Tharittzstinik unb Poliklinik ist, zum Rektor.
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