Nr. 18’ Erster Blatt
178. Jahrgang
Freitag. 3. August (928
(tritt!*! iützoed.avhe-.
Scxalaq* **i 5«itrtag* brUeici
•ithtiur 3e*UirHbiat1ci strirxai hn BUb
TU 5d)0Üt
»•■eU«8<)egspttU;
2 KflttearM unb 20 9id$tpfeeelg für Trüge» lohn, awt bei Nichler- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernjprechanl chlüsse: 61, 54 anb 112
Anschrtst fta Drahtnach- richten: Anzeiger Oietze». vsstschristoiUo:
freeTtirl am Mat» 1168«.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnttk »Ad Verlag: vrLhl'lche U«toerfi1L1r'vvch' and Stdibriderd L Lange hi Siezen. Zchriftlettnng und SeschSftrftele: SchuIUraßr 7.
L»vahW« cee Anje»gea für bte Tageenummer bis znm Nach »mag vorher.
Pull für 1 mm HSHe fit Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, avswörts 10 Brtchspfennig für Ne. ülameanzeigen von 70;i m Breit, 35 Neichspfennig. Platzvorfchnst 20e . mehr.
LhefredaKtrnr
Dr. Fnebr Dill) Longe. BerantwonUch firTohnk Dr. Fr Dill) Lange für Feuilleton Dr tz Thyrwt, für ven übrigen Teil Ernst Dlumfchein' für b<n An» zetgenteil Ituri Hillmann, fämtlidri" Dietzen
Der französische Ministerbesuch auf der Kölner preffa.
nale Ku11urpv
btem» in vollem Umfange aufgc«cigt. ‘Ratio*
I i 111, die an sich da» höchste
Pioniere der Verständigung.
Don unserer Berliner Redaktion.
Bealeriet von seinem Kabinettschef und einem ©labt hervorragent-er französischer Journalisten ist der französische Unterrichtsminister Edouard Herriot nunmehr in Köln eingetrossen, um als Gast der Stadt der Preffa einen Besuch ab)u- ftattcn Roch ehe er deutschen Boden betrat, sand Herriot Deranlassung, von Pari» au» einen Gruß an Köln zu senden, in dem er betont, dah er al» Minister deS öffentlichen Unterricht» in Frankreich alle» daransetzen werde, um Deutschland und Frankreich aus kulturellem Gebiet« einander näherzubringen. Mit diesen Dorten hat Herriot feinem Besuch «in« weit umfassendere Bedeutung gegeben, eine Bedeutung, die Wohl in der Preffa ihren Anlah findet, die aber eben in der internationalen Kul- turpolitik überhaupt zum Au-druck kommt. Her- riot wird Gelegenheit haben, auch deutscherseits einer garuen Reihe hervorragender Journalisten zu begegnen, was immerhin Gelegenheit bieten wird, Anknüpfungen anzubahnen und Beziehungen aufzurichten, die gerade, da e» sich hier um da» Instrument der Presse handelt, für hi« kulturelle Annäherung Deutschland» und Frankreich» von unschätzbarem Werte finb
Besuche fremder Staatsbürger bedeuten ja immer Pionierarbeit in bezug auf die Annäherung. Ganz gleich, ob e» Vertreter der Wissenschaft, de» politifchen Leben» oder he» Sporte» find, der Wirtschaft oder de» Handel», immer wird e» möglich fein, eine Beziehung zu gründen, di« in ihrer Mannigfaltigkeit schließ- lieb doch einmal zu der Verständigung führen muh, wie sie notwendigerweise sein muh, wenn di« beiden Völker, und nicht nur sie. sondern auch di« anderen tm Interesse der Kultur überhaupt positive Arbeit leisten wollen G» würde hier zu weit führen, auf die internationale Kulturpolitik an sich einzugehen. Aber gerade die letzten Jahre, die doch vornehmlich der Förderung internationaler kulturpolitischer Aufgaben galten, haben die Bedeutung diese» Pro-
Gut de» Staate» ist, bedarf eben der Ausweitung und der Umbiegung in» Universale, der Durchdringung durch da» Allgemeinmenschliche will sie wirkliche Kultur fein. Denn über da» Rationale hinau» ist die Kultur eben ein menschliche» Gut. und die Völ.'er werden sich immer zusammenlinden. wenn e» gilt, in der Förderung der Kultur einen Schritt weiterzu- gehen.
Nach dem Kriege ist vielleicht der Gedanke einer internationalen Kulturpolitik stärker in das europäische Bewußtsein eingclretcn. Denn getragen von dem politischen Willen her Völkerverständigung muhte gerade dieses Gebiet der internationalen Zusammenarbeit in allerstärkstem Umfange eine Belebung erfahren, die sich eben nur in der einge- ,(biogenen Entwicklung realisieren konnte. Die Wissenschaft ging zuerst voran. Die sozialen Fragen folgten, und ichliehlich waren es auch mannigfache kulturoolitischc Probleme der Wirtschaft, die in diesem Zusammenhang forderlich wurden. Der Völkerbund entwickelte sich somit zu einem der stärksten Pfeiler internationaler Kulturpolitik und seine 5lom- Missionen für geistige Zusammenarbeit haben gc Miat, dah es auch möglich ist, die internationale vtulturpolrtif zu organisieren. Wie konnte es deshalb auch anders kommen, als dah sich die Presse urm Träger internationaler Kulturpolitik machte Die Pressa in Köln hat das im Praktischen darge tan. Und die Bestrebungen um das internationale Prssserecbi zeigen auch in dieser Hinsicht den or fjonisatorischen Willen. Mag in dieser .Einsicht der ranzösische Besuch in Köln symptomatisch sein, damit Herriots Gruh an das deutsche Geistesleben sich auch im Interesse der gemeinsamen Entwick lung realisieren kann.
Eine Kriedensrede Herriots.
Köln. 2. Aug. (WTD.f Zu Ehren be» fran- zösifchen Hntcrri4)t»miniftcr» Herriot fand heute abend im Gürzenich ein Sfkn statt, in dessen Verlauf Oberbürgermeister Dr. Adenauer in einer Begrüssungsrede feiner Freude darüber Ausdruck gab, den Vertreter des Präsidenten und die Vertreter der öffentlichen Meinung Frankreich» im Hamen der Stadt Köln begrüben zu können. Der Besuch de» Minister» Herriot. der im Auftrage de» französischen Mini st errate» gekommen sei. und der Besuch so hervorragender Vertreter der offen t» lichen Meinung Frankreichs hänge nicht zusammen mit den akuten Fragen der Politik. Trotzdem fei er von politischer Bedeutung. Wir haben, so fuhr Dr. Adenauer fort. Furchtbares erlebt, und das alte Europa liegt in Trümmern. Wir stehen an der Schwelle eine» neuen Zeitalters. Diele» neue Zeitalter kann ein besseres werden und muh ein bessere» werden, wenn die Gutgesinnten in allen Ländern e» wollen und dafür arbeiten. Die Presse aller Länder hat die Führerrollc auf diesem Dege. Möge die Presse her öffentlichen Meinung der ganzen Welt dahin wirken: was im Leben der einzelnen Menschen untereinander unerlaubt ist. das muh auch im Verkehr der einzelnen Staaten zueinander unerlaubt sein. Lernen wir einander kennen, glauben wir einander, vertrauen wir einander! Das ist
der Weg zum Frieden. Frankreich hat die Möglichkeit, da» Herz Deutschland» zu gewinnen. Gebe Gott, dast e» sie nützel
Der ZReicfafommiffor der preffa, der frubere Reichsrnnenminister Dr. Külz gab seiner dankbaren Genugtuung über die Beteiligung Frankreich» an der Ausstellung und über den Besuch HerriotS Ausdruck. Dr. Külz zitterte da- Wort Herriot» .Für den Frieden kann nur wirken. wer innerlich friedlich gestimmt ist" unb gab der Hoffnung Ausdruck, der französische Minister werde sich davon überzeugen, dah diele» Wort auch für Deutsche zutresse. Die spontanen Aeuhe- tungen deutschen Volk»turne» und deutschen Kul- turwillenS. wie sie sich auf dem Deutschen Sänger- fest in Wien und auf dem Deutschen Turnfest in Köln gezeigt haben, hätten nicht» Aggressive» gegen andere Völker und Staaten, im Gegenteil, auch sie stünden tm Dienste der friedlichen Mensch- heitsentwicllung dienenden nationalen Strömungen. Er vermöge keinen Grund zu erfemten, warum die beiden groben Völker Frankreich und Deuttchlaich sich zukünftig nicht gemeinfam in den Dienst friedlicher Höhereiltwickelung der Menschheit stellen tonnten. Zwei Völker, die. wie da» französische unb daS deutsche, der Welt in der Vergangenheit soviel gefchentt hätten, seien gerade dazu bestimmt, alle» zwischen sich hinweg- Auräumen, was ihren gemeinsamen Dienst an der Men'chbert beeinträchtigen könnte. Wer aufrichtig die Verständigung und Die harmonische Zusammenarbeit unserer beideir groben Rationen will, der wird auch um so oufrtchliger bereit sein, endgültig den Schlußstrich unter Mahnahmen zu setzen, die au» einer anderen Zeit stammen al» die ist. der unsere gemeinsame Arbeit gelten soll. 3n dieser Beziehung darf der Satz Geltung beanspruchen: .Der Worte sind genug gewechselt, nun Iaht un» endlich Taten sehn".
Minister Herriot
dankte zunächst für die Worte de» Willkommen». Frankreich habe der Kundgebung nicht fernbki- ben können, die daraus abziele, die aeiftige Verbindung der Völker aktiver und wirksamer zu gestalten. Wie Herr Dr. Külz eS so treffend aufl- gedrückt habe, könne sich da» wohlverstandene Rationalgefühl nicht in abstrakten Formeln äuhern. e» setze vielmehr die Kenntnis und die Achtung auch de» Vaterlandes der anderen voraus. Jedes Land müsse eine Anstrengung unternehmen. um sein Interesse und seine Rechte mit den allgemeinen Interessen der Menschheit in Einklang zu bringen. Frankreich hat immer, soweit e» ihm möglich war. den IdealiSmu» hoch- gehalten. und man kann sicher fein, dast es seinen eigenen Traditionen treu bleiben wird und dah man e» immer zu jeder ehrlichen Verständigung für den Frieden bereitsinden wird. Der Minister fuhr fort: Ich danke Ihnen, Herr Oberbürge rmeiftcr, dah Sie mit einer solchen Kraft gesagt haben, für alle zivi.isierten Menschen sei die Zeit gekommen, in der die Kräste, die solange für die Werke de» Tode» benutzt worden sind, nun fürötc Werke de» Leben» eingesetzt werden. Da» ist ein Unterfangen, das gleichzeitig viel Mut und viel Geduld ersordert. Es geht nicht ohne einen ununterbrochenen Feldzug gegen Skeptizismus, Spott und Dummheit, gegen s ich erneuerndeDorstöhe der Gewalt, aber
die Völker wollen den Frieden. Mil Dankbar- reit werden sie die Männer begrüben, gleichviel welcher Nationalität, die ihnen endlich Ruhe bringen. Ruhe für ihre Arbeit und da» Ceben ihrer Kinder.
Ihnen, meine Herren, kann ich hier die Dersicherunz geben, dast das republikanische Frankreich von der Notwendigkeit einer stabilen Organisation Europas unb der Welt durchdrungen ist. Es hot im Laufe der Zeiten selbst ;u sehr gelitten, um nicht zu wünschen, dah der 'Wettbewerb der 'Nationen sich in fried- lichem Eifer auf Wirtschaft und Wirtschaftsleben konzentrieren möge. Frankreich weih, wie grost der Anteil Deutschlands auf allen Gebieten von Wissen- schäft, Literatur unb Kunst ist. Wie könnte ich mich nicht erinnern, dah ein deutscher Philosoph wie Slant uns die Pflicht unserer Zeit gelehrt hat, indem er uns die Ehrlichkeit jenes moralischen Gesetzes lehne, das von jetzt an das Leben der Völker beherrschen soll, wie es schon bisher das Leben der einzelnen regelte. Für unsere Generation ist es ja das wichtigste Problem, der Gesellschaft der Nationen die Rechtsnersassung zu geben, die heute jeder nationalen Gemeinschaft ihre Sicherheit verleiht. Die kann man eine so umfassende Mission ohne die Mitarbeit des deutschen und französischen Gedankens verwirklichen!
Diese feierlich« Gelegenheit wird es gestatten, dah sich Menschen von gutem und festem Willen, von denen jeder sein Vaterland innig liebt, oer- einigen, um einen Ausruf an alle großmütigen Seelen ju richten unb selbst zu verkünden, dah es ihr brennender Wille ist, die Menschheit in der Arbeit unb im Frieden zu versöhnen.
Das Werk, zu dem wir uns berufen fühlen, wirb diese Schwierigkeiten und Gefahren durchmachen: aber haben wir nicht selbst hier den Beweis vor Augen von der Geduld, die der starke Glaube auf sich zu nehmen vermag? Hier ragt eine der herrlichsten Schöpfungen jener Baukunst hervor, die den universellen Drang des Menschen nach dem Geiste vcrsinnbilblichcn wollte. Um Ihren Dom zu bauen, waren nicht weniger als sechs Jahrhunderte not
wendig. Noch schwieriger mag es vielleicht scheinen, ein Unternehmen zu Ende zu führen, bas allen Lei- denschaften trotzen muh, um jenen Icmpd der Gerechtigkeit zu verwirklichen, den die klarsten und edelsten Geister vorhergeschaut haben. Aber schon sind die Grundsteine gelegt. Die Menschheit kann nicht mehr warten, und es hängt von uns allen ob, das starke geistige Gebäude zu vollenden, in dessen Schutz die Massen oushören werden, sich zu hasten, um sich endlich kennen und lieben zu lernen.
Das Berliner Echo.
Widersprechende Meinungen.
Berlin, 2. Aug. (XU.) Die Berliner Dresse beschäftigt sich eingehend mit dein Besuch de» französischen Hnterrid)t»mmiftcr» Herriot in Köln. Die „Germania" begrübt den Besuch de» französischen Staatsmannes warm und nennt ihn ein Symbol de» deutsch-französischen Derständigungswillen». Herriot habe al» einer der ersten unter fernen Landsleuten, unbekümmert um das Mihtrauen und den WidersprruH der französischen Rechtskreife, den dornenvollen Weg der deutsch-französischen Annäherung beschritten. Wenn irgend etwa» geeignet sei. die in Deutschland durch da» unglückliche AuSlieferungsbegehren verursachte Der- ftimmung zu beseitigen und dem deutschen Außen- minister seinen Weg nach Paris zu ebnen, so sei e» dieser Besuch de» französischen Ministers auf der Preffa. — Die „Deutsche Tageszeitung" ist dagegen der Ansicht, daß gerade das Rheinland am wenigsten Anlab habe, einen französischen Minister anders al» m i t kühlster Zurückhaltung zu empfangen,
solange am Rhein noch französische Truppen ständen unb französische Gerichte auf deutschem Boden über Deutsche zu Gericht säßen. 3m übrigen sei e» bezeichnend, dast Herri« -- am Tage be» Kriegsbeginn» - versichere, er werde sich immer über die geistige Machtstellung Deutschland» freuen. Selbst di« angeblich deutsch- freundlichsten Franzosen wünschten also kein Deutschland, da» auch machtpolitisch nut Frankreich konkurrieren könne, sondern Deutschland solle wieder da» Land der Träumer werden. - - Auch die ,.K re u § ze i t u n g" stellt fest, dab sich Hcr- riot über tue Annäherung auf politischem Gebiete in feinen Degrüßungsworlen au»geschwiegen habe. — Di« ..B ors« nzei tung" fordert den Minister Herriot auf, „in bet französischen ScbunMiteratur mit den Greuelmarchen und der antideutschen Propaganda" auszuräumen. Da» Blatt bezwerselt aber, dast der Mmistet diese Tat vollbringen werde, da er ein eifriger Verfechter der These sei. dast die Abrüstung Frankreich» — hierzu gehöre auch die geistig« Abrüstung — ein« Verführung für die anderen Länder wäre. — Der „Lokal-Anzeiger" kritisiert «6. dast Herriot von dem Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer mit ganz besonderer Herzlichkeit aufgenommen worden sei. die m gar keinem Verhältnis zu den Empsäntz.-n der nationalen Körperschaften und ^ersonltch- ke'cten — erinnert wird an den Empfang der Ozeanflieger — ständei,. Der Grus, Herriot» an die Stadt Köln und da» deutsche Geistesleben enthalte ebensoviel« Phrasen wie Worte. Lolche Aeusterung muffe gerade angesicht» der letzten Vorkommnisse im besetzten Gebiet äußerst befremdend wirken.
Wetterwolken in Osteuropa.
Die polnisch-litauische Spannung. — Deutschlands Dermittlungsattion. Schlägt polen los?
Wir haben im vorigen Zähre schon einmal eine Flut von alarmierenden Meldungen au» Osteuropa über uns hereinbrechen sehen, die bald von bedenklichen Truppenbewegungen auf der polnischen oder auf der litauischen Seite, bald von dem unmittelbar bevorstehenden Ausbruch betoaffneter Auseinandersetzungen berichteten. Ein« starke Erregung bemächtigte sich damals aller mittel- und westeuropäischen Staaten. angestellte Untersuchungen ergaben aber sehr bald, dah sämtliche Eensationsnachrichten völlig grundlos waren. Auch heute kommen wieder Alarmmelbungen au» dem Osten, di« e» verdienen. mit großer Vorsicht ausgenommen au werben. Richtig ist. dast die Lage auheror- deutlich gespannt ist. Polen hat durch die Einberufung eine» Legionär-Kongresses nach Wilna unb die Konzentrierung mehrerer Divisionen an der litauischen Grenze sehr dazu beige tragen, di« allgemeine Beunruhigung zu steigern. Verschieben« Regierungen haben sich aber bemüht. eine Zuspitzung de» Konfliktes zu verhindern. Auch Deutschland hat in Wattchau unb Kowno beruhigend zu Witten versucht, hat aber merkwürdigerweise gerade im Osten mit seinen Bestrebungen kein günstige» Echo ausglöst. Aber die Tatsache, dast sowohl Polen wie Litauen glaubt, wir hätten un» einseitig zugunsten be» einen oder anderen Staate» eingesetzt, zeigt dock, wie grost das Mihtrauen bereit» ist. Wir hoffen, dah es dennoch gelingen wird, übereilte Handlungen zu verhindern und den Dölkerbunds- rat zu veranlassen, im Herbst einen Schlußstrich unter den polnisch-litauischen Streit zu ziehen.
Die polnischen „Manöver".
Beunruhigung in Ostpreußen.
Königsberg, 2. August. (I1L) 3n einer Besprechung ber .,militärischen unb politischen Manöver" polens gegenüber Litauen behauptet die ^Ostpreuhisch« Fettung" zu wissen, dah Mit'e August rund um Wilna ölet voll aus- gerüstete polnische Divisionen Osten würden, oerstättt durch das aktive Militär Polens, Grcnzsihuhbrigaden, pilsubjkis illegaler Ccbgarbc unb Legionäre. Man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dah die Wefhnädyte und damit ber Völkerbund kaum einen Finger krumm machen würden, wenn Polen gegen Litauen zum Angriff schreiten wurde. Aus Ersparnisgründen, so wolle man glauben machen, seien ble deutschen sterb stmanöoer In Ostpreußen abgesagt worden. Der wahre Grund für diese Mah- ncchme fei politischer Art, da Strefemann den Frieden wolle. Es fei aber zu befürchten, dah v e n i s ch l a n d eines Tages bei all den Mono vorn Im Osten den Flntfchaden jnbe- zahlen haben werde.
Gegenüber diesen Befürchtungen teilt ein Redak tionsmitgiifb der . Königsberger Allgemeinen Zig." das sich nach Deuf'ch-Eylau begeben hat, um sich über die Gerüchte von polnischen Truppenkonzen- trationen zu unterrichten, mit daß b i e Lage an ber Grenze wesentlich ruhiger fei als die Aussagen polnischer Ueberiäufer dies
erwarten liehen. Außergewöhnliche Erscheinungen seien nicht au bemerken. Auch ber klein« Grenzver- kehr und bi« Erteilung von Pahvifen noch Polen hätten feine Henbenmg ober gar Unterbrechung erlitten. An amtlichen «teilen jei von Ucberläufcrn nichts bekannt. Der Bahnhof von Dcutsch-Eylau biete bas gewohnte ruhig« Bild. Auch Reisende hätten nichts Auffälliges Im Harri b o r bemerkt. Ueberclnftinunenb werbe berichtet, ' baß allerdings in der Pofenschen Gegend unb auch in ber Gegenb von Graubenz Truppentransporte bemertt worben seien. Man glaube aber, bah es sich nur um normale Manöver handele. Es fu auch nichts von dem Verbot bekannt, nach dein die Einwohner ber im Monövergeblet lienenben Orte ihre stäuser nach in Uhr abends nicht mehr verlassen bürfen. Zum Schluß stellt dos Blatt fest, diese Tatsache lediglich vermerkt zu haben, um ein objektives Bild zu geben. Die Nachprüfung über Art und Zweck der polnischen Manöver sowie Truppenoerschiebungen müsse berufenen Stellen Vorbehalten bleiben. Was aber die Stimmung an der Grenze anbelange, so habe die Bevölkerung auch in den breitesten Schichten nicht den Eindruck, daß ein Grund zu besonderer Beunruhigung voriiege.
Noch Melbungn aus Schneibemuhl herrscht jedoch in ber Bevölkerung Marienwerders, Deutsch-Eylou» unb ber anberen brutschen Grenzorle eine außer- ordentlich harte Erregung über die angeblichen polnischen Maßnahmen, deren Zweck man noch nicht durchschauen kann. Ebensolche Erregung herrfcht in bvr deulfchcn Bevölkerung inPommi - r eil en. lieber den Zweck der Manöver find folgend« Verfionen möglich: 1. dos Manöver richtet
"egen Deutschland unb Danzig: 2. bie Truppen werben verwandt, um P11sud - skis innerpolitischen Machtpläne zu verwirklichen: 3. bie Manöver richten sich gegen Litauen. Die erste Möglichkeit ist ganz un- wahrscheinlich. Cs laufen zurzeit sowohl in Tiarienburg, Deutsch-Eylau usw wie auch an ber anberen Seite bes Äorribors, in der Grenzmark Posen, Westpreuhen Gerücht« um, baß polnische Truppen bereits bie Grenze ü e r | d) r i t • t e n hätten ober überschreiten werben. Diese Mel- hungert entbehren jeher (Brunblage. Im (Gegenteil, es scheint io, als ob Polen feine Truppen von ber pommerellischen Stufte fortzieht unb an ber anberen Seite bes Korribors 3u<ammenbaUt. Dieser Umstand beutet eher daraus hin, bah bie Truppen an hie litauische Grenze weite r g e l e i t e t werben. Den Ausnahmezustanb, ber von Deutsch-Eylau aufs neue bestätigt wirb, beulet man bamit, daß Polen versuchen wolle, bie Truppenbewegungen Deuljchlanb gegenüber zu Der- tuschen. Befürchtungen, baß Polen Deutschland gegenüber etwas unternimmt, erscheinen aber grundlos.
Die Herbstmanöver der französischen Besahungsarmee.
Berlin, 2.Aug. (WB) Irn Gegensatz zu alar- mierenben Meldungen in ber französi'chrn Presse, noch denen in diesem Jahre .^esondersgrohe" sterbftmanöver ber französischen Besatzungsarme« ftattfinben sollen, wirb aus zuverlässiger Quelle bekannt, daß französijcherseits — anbers als Im Dor-


