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Sie Außenpolitik der neuen Regierung.

Kelloggpaki und deutsche Fragen.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin. 3. 3uli. 3n der Regierungserklä­rung. die der Reichskanzler heute vor dem Reichstag abgeben wird, wird auch ein größerer Passus der deutschen Außenpolitik gewid­met sein, der auf telephonischem Wege mit dem in Dühlerhöhe weilenden deutschen Reichsauhen- Minister Dr. Stresemann vereinbart worden ist. An und für sich wird er ja kaum etwas Reues bringen. Die Außenpolitik der neuen deutschen Regierung wird auch jetzt noch die­selbe bleiben, wie die der alten Regierung, ja wie die der letzten 3ahre überhaupt, was ja auch zur Genüge dadurch dokumentiert wor­den ist, daß Dc. Stresemann, nunmehr fast fünf 3ahre deutscher Reichsaußenminister, auch in die­sem Kabinett wieder das Portefeuille des Aeu- Hern inne hat. 3m allgemeinen wird nur noch einmal betont werden, daß an dem bisherigen außenpolitischen Kurs unentwegt festgehalten werden wird.

Wir haben bereits an dieser Stelle vor län­gerer Zeit einmal all die Arbeiten zusammen­gestellt, die dem neuen Reichstag vorliegen. Diese Aufgaben werden natürlich auch in glei­chem Umfange der neuen Regierung gestellt. Es handelt sich ja jetzt bekanntlich gar nicht mal so sehr um die konkreten Angelegenheiten der Außenpolitik, als vielmehr darum, in der gesamten Weltpolitik endlich einmal die ein­heitliche Stimmung für die fortschritt­liche Arbeit an dem Wiederaufbau durchzusehen. Die konkreten Fragen, die Rheinlandräumung, Reparationsproblem, Ostfrage und wie sie alle noch heißen, werden, und das wird ihre Ent­wicklung ohne Frage sein, von der Umbildung der Gesamtlage erfaßt und bereinigt wer­den. Man übersieht viel zu sehr die Bedeutung jenes Paktes, der von der 3nitiative des ameri­kanischen Staatssekretärs Kellogg bestimmt

worden ist. Wie umstritten seine Dorschläge sind, wieviel Widerstand gegen seine Friedens­absichten noch heutzutage allüberall besteht, das hat man ja gerade in den letzten Tagen zur Ge­nüge kennen lernen können. Die Kriegspsychose existiert leider nach wie vor noch in einem ganz erschrecklichen Umfange. Und in diese Kriegspsychose, in der schon der Dölkerbunds- gedanke eine stark eingeschränkte Existenz führt, wird nun noch der Kellogg-Pakt hineingestellt, der schließlich einmal die Gesamtatmo­sphäre bereinigen soll. Den Widerspruch, der in dieser Sachlage beruht, begreift man am besten, wenn man sich zu seiner Veranschau­lichung die Lage im Abrüstungsproblem vergegenwärtigt. Dieser Widerspruch wird in seinem ganzen Umfange auf das beste dar­getan, wenn man Herrn Zaleskis Pariser Rebe zum Vergleich heranhvlt--

Und in Lieser Atmosphäre der Unsicherheit, in der gewiß sehr viel guter Wille zur Ver­ständigung vorhanden ist, in dieser Atmosphäre soll die Gesamtentwicllung Europas und nicht zuletzt der ganzen Welt fortschreiten, sollen aber auch die spezifisch deutschen Fragen, wie die Rheinlandräumung. der Dawesplan, sowie auch das Ostproblem einer Lösung im 3nteresse Deutschlands entgegen geführt werden. Dies muß man sich klar machen, wenn man bern Problem der Außenpolitik der neuen deutschen Regierung näher treten will. Reichskanzler Müller wird morgen noch einmal der Welt gegenüber er­klären, daß Deutschland von den besten Ab­sichten beseelt ist. Doch wenn die Welt von ihrem Vorurteil gegenüber Deutschland nicht ab­zulassen vermag, dann wird auch er einmal zu sagen haben, daß Deutschland, wenn auch nur auf friedlichem Wege, auch um sein Recht kämpfen kann.

Sie Zukunft des deuischen Liberalismus.

Zur Berliner Tagung -er Liberalen Vereinigung.

Don unserer Berliner Redaktion.

Die große Kundgebung derLiberalen Vereinigung im Reichstag am verflossenen Sonntag hat sicherlich bei den rund tausend Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen. Man darf darüber nicht mit einem Achselzucken hinweggehen und der Ansicht Ausdruck geben, daß derartige Veranstaltungen keinen praktischen Wert haben. Es ist noch immer so gewesen, daß eine jede politische oder kulturelle Bewegung ihren Ausgangspunkt in solchen Kundgebungen genommen hat, von denen man zunächst sagte, daß sie keine praktische Bedeutung haben könnten. Das stimmt sicherlich in diesem Falle, aber doch nur bis $u einem gewissen Grade Die Hauptschwierigkeit, die der Verwirklichung des Gedankens einer großen liberalen Partei ent­gegensteht, hob gleich der erste Redner, Ge­heimrat Professor Dr. Kahl, sehr llar unb deut­lich hervor, indem er darlegte, daß sowohl die Fraktionen wie die Parteiorganisa­tionen der Begründung einer großen liberalen Partei vorläufig unüberwindlichen Widerstand entgegensetzen. Hm so wirkungsvoller war es. daß Dr. Kahl, der Senior der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei, das Begrühungstele- gramm Stresemanns vorlas und daran feine ideale Auffassung der Pflichten und Aufgaben des beutfd>en Bürgertums knüpfte.

3eber Teilnehmer dieser Versammlung war der Ansicht, daß alle Redsn sowohl wie die zum Schluß widerspruchslos angenommene program­matische Entschließung auf einem hohen geistigen, kulturellen und politischen Riveau standen. Es ist schwer, hier einer bestimmten Persönlichkeit die Palme zuerkennen zu wollen. Vielleicht war besonders interessant, daß sich ein Vertre­ter der studentischen Fügend in aus­gezeichneter freier Rede ein Vor nid für die meisten Reichßtagsabgeordneten über den Sturm und Drang seiner Altersgenossen äußerte. Man kann es wrchl verstehen, tote gerade in der Heranwachsenden Generation, die vor wenigen Wochen zum erftenmoi an der Wahlurne ihrer Bürgerpflicht genügt hat, die Hnsicherheit und Hnklarheit unserer politischen Verhält­nisse. die Zersplitterung und Zer­klüftung der Parteien sich widerspiegelt, wie sie selbst hin und her schwankt und nicht recht weiß, wie und wo sie festen Boden unter die Füße bekommen kann. Sein eindringlicher Mahnruf an die ältere Generation, den R a ch - fahren ein Erbe zu überlassen, mit dem sie etwas anfangen könnten, fand sehr starken Widerhall, und es war ein glückliches Wort des Derhandlungsleiters, als er in seinem Dank her- vorhob, daß die Rede des 3üngsten sicherlich nicht die schlechte st e Rede des Tages ge­wesen sei, und das wollte wirklich viel heißen.

Ein anderes Moment verdient hervorgehoben zu werden. Zn ungemein geistreicher Weise schilderte der berühmte Heidelberger Professor Dr. Bergius. der Erfinder des Bergin-Berfahrens zur Verflüssi­gung der Kohle, wie sich die deutsche Wirt­schaft durch schärfste Rationalisierung, d. h. Zu­sammenlegung und Ausmerzung nicht lebensfähiger Betriebe, zur Gesundung durchgekänipft hat, unter großen Opfern einzelner. Die Schlußfolgerung lag

nahe. Auch in der Politik muß eineRationali- s i e r u n g erfolgen, wenn wir nicht im Kleinkram des Parteihaders ersticken und zugrunde gehen wollen.

Wir wiederholen: Mit Achselzucken und ober­flächlichem Spott ist eine solche Bewegung nicht abzutun. Eine andere Frage ist es, was für praktische Folgen für die nächste Zukunft zu erwarten sind. Die Antwort darauf muh trotz allem leider lauten: keine. Der alte Pro­fessor Kahl hatte schon recht, wenn er aussührte, das bisher noch alles am Widerstand der Frak­tionen und der Parteiorganisationen geschei­tert sei. Die Liberale Vereinigung, die Ver­anstalterin der Kundgebung und die Vorkämpfe­rin des Zusammenschlusses des liberalen Bürger­tums. hat besonders auf ihr Programm die Wahlrefvrm geschrieben. Hier muh der Hebel angesetzt werden. 3n beiden liberalen Fraktionen sowohl, wie bei den Rachbarn rechts und links muh die Forderung nach einer gründ­lichen Reform des Wahlrechts durchgesetzt wer- den. Gerade recht unerfreuliche Erfahrungen der jüngsten Zeit haben gelehrt, daß sich m den Fraktionen sowohl wie in den Parteiorganisatio­nen eine Art von Bureaukratie, tagen wir ruhig, von Parteibvnzentum entwickelt hat, das jedem gesunden Fortschritt im Wege steht und mit großen Besorgnissen für die nächste Zukunft erfüllen muh. Wenn erst einmal die Macht dieser Parteiklüngel gebrochen werden kann, dann werden sich von selbst große 3deen durchsetzen, die erfüllt werden müssen, wenn überhaupt unser politisches Leben nicht weiter jedes ideellen 3n- halts bar fein soll.

Wenn also zunächst etwa von einem Zusammen­schluß der Dollspartei und der Demokraten keine Rede sein kann und wird, so eilt es doch in beiden Parteien, mit dem Schutt aufzu- räumen, der sich in jüngster Zeit ange ammelt hat. Es ist ein reichlich Mah davon vorhanden. Aber hierbei muh auch eins aufrichtig gesagt werden. Gerade bei den Demokraten einer ganz bestimmten Kategorie sind wir seit langer Zeit einer Heberheblichkeit und einer Anmaßung be­gegnet, die ganz naturgemäß ihre Reaktion in der Verschärfung des bei der Deutschen Volks­partei vorhandenen Widerstandes findet. Der einzige Redner, der bei jener Kundgebung trotz glänzender Diktion aus dem Rahmen fiel, war der bekannte Geschichtsforscher Prozessor Mei­necke. Es zeugt nicht gerade von richtiger Er­kenntnis der Verhältnisse, wenn er die Gelegen­heit benutzte, um ter Deutschen Volks^artei väter­liche oder vielmehr onkelha te Ermahnungen mit auf den Weg zu geben. So fordert man das Ein­verständnis oder wenigstens das gute Einverneh­men zwischen den beiden Parteien nicht. Hnd wenn man von der Deutschen Dolkspartei ver­langt. daß sie Rück'icht auf den Rachbarn zur Linken nehme, so sollte man bei sich selbst an­fangen und nicht den Rachbam zur Rechten zu- muten, auf das zu verzichten, was ihm besonders ans Herz gewachsen ist. nämlich die Symbole des alten Reiches, ohne damit die der heutigen Repu- blick zu mißachten. Gerade h er muß noch viel nützliche Kleinarbeit getan werden.

aller Orden und Auszeichnungen zu. ausgenom­men Orden und Auszeichnungen für Soldaten für Tapferkeit vor dem Feinde. Diese Orden wird er auch nach seiner Amtszeit beibehalten. Ferner wird ausdrücklich bestimmt, daß die Staatsbürger mit Bewilligung des Präsidenten ausländische Orden und Auszeich­nungen annehmen können. Diese Bestimmung bezieht sich auch auf die vor dem Erlaß dieses Gesetzes verliehenen Orden und Auszeichnungen. Der Entwurf bestimmt ferner, daß der Präsi­dent der Republik, die Regierung oder ihre Mitglieder einem Staatsbürger für hervor­ragende Verdienste im öffentlichen 3nteresse ihre Anerkennung aussprechen kön­nen. Durch Regierungsverordnung können auch entsprechende Titel für jene bestimmt werden, die nicht berufsmäßig Funk­tionen in der öffentlichen Verwal - tung oder im Gerichtswesen versehen. 3n der Begründung des Entwurfs heißt es, daß die Aenderung mit Rücksicht auf die inter­nationalen Beziehungen des Staates notwendig fei; ferner zeige die Erfahrung, daß die demokratische Republik in großem Maße die Mitwirkung der Bürgerschaft in der öffentlichen Verwaltung und im Gerichts- wesen erfordere, und daß eine geeignete Form erwogen werden müsse, durch die die Aner­kennung für hervorragend e Ver­di e n st e im öffentlichen Leben zum Ausdruck ge­bracht werden könne.

Die Bergwerkskatastrophe in Roches-la-Moliöre.

Noch weitere LVLPfer? - Heftige Anklagen gegen die Verwaltung.

Paris. 2. 3uli. (121.) wie zu dem Grubenunglück in Roches-la-Molttre noch weiter bekannt wird, soll die Grube, in der sich das Unglück ereignete, nach Aussagen der Ingenieure besonders gesähr- d e t sein. Der letzte Brand war im Jahre 1925 aus- gebrochen, konnte aber damals ohne Verlust von Menschenleben eingedammt werden. Rach der in der Oumanltr wiedergegebenen Auffassung eines der geretteten Bergarbeiter soll das Feuer seit drei Jahren nie gelöscht worden sein, so daß sich die Kohlengase in den Stollen ansammelten. Das gleiche Blatt will im Gegensatz zu den amtlichen Fest­stellungen wissen, daß in der Grube noch 20 Arbeiter eingeschlossen seien, für deren Rettung keine Hoffnung mehr besteht, die Zahl der amtlich mit 48 angegebenen Todesopfer würde sich dann auf gegen 70 erhöhen. Die Mehr­zahl der Todesopfer sand durch Erstickung den Tod. ein namhafter Teil der Bergleute auch dadurch, daß sie sich auf der Flucht vor den Gasen in der Dunkelheit und in der Angst an den Grubenhölzern und wanden die Stirn einrannten.

Rach einer Erklärung des Arbeitsminister» T a r - dien waren alle notwendigen Sicherheitsmaßnah­men in der Grube ergriffen, doch behält er fein Urteil einer späteren Prüfung des Unterfuchungs- ergebnistes vor. kardinal Maurin, Erzbischof von Lyon, verrichtete an den Särgen die letzten Gebete für die Opfer. Die meisten Verstorbenen waren ver­heiratet und hinterlassen insgesamt 55 Kinder von weniger als 13 Jahren. Einige Bergleute hinter- lassen eine Frau mit sieben bi» neun Kindern. Der internationale Vergorbeiterkongreß von Elermont- Ferränd beschloß, eine Unterstützung für die hinler- bliebPnen. von den Toten sind 31 Franzosen, elf Polen, vier Marokkaner, ein Italiener und ein Tschechoflowak. Außerdem sind noch neun Schwer- verletzte geborgen worden. Die kommunistische Kam- mergruppe hat eine Interpellation über die Schuld­froge bei dem Grubenunglück eingebracht. In einem weiteren Antrag fordert sie sofortige Unterstützung der Hinterbliebenen.

In der Kapelle von Beaulieu fand Montag nach­mittag unter Beteiligung von vielen Tausenden die Trauerseier statt. Rach der Totenmesse kamen vier­zehn Redner zu Wort, wie havas berichtet, wurde dabei von den Bergarbeitern inheftigenwoc- ten Kritik an der Direktion des Berg­werks geübt, besonders aus dem Munde der kom­munistischen Vertreter. Inhaltlich ebenso scharf äußerten sich die Vertreter des Allgemeinen Gewerk- schastsbundes, während der Vertreter des Ministers für öffentliche Arbeiten eine rücksichtslose Untersuchung zusagte. Die Beisetzung der Opfer, zu der Fahrzeuge der verschiedensten Art als Leichen­wagen verwendet werden mußten, fand hierauf teils auf dem Ortsfriedhofe, teils in den benachbarten Ortschaften statt.

Das Pitsudfki-Fnierview.

Der Diktator und das Parlament.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 3. 3uIL Diktatoren lieben es, von Zeit zu Zeit mit ein paar Kraftausdrücken um sich zu werfen, sie können sich das auch leisten, weil sie keinem Menschen über ihre Worte Rechenschast ablegen müifen. Wir brauchen uns nur einige Mussolini- Reden, die glücklicher­weise recht spärlich geworden sind, zur Hand zu nehmen, um sehr bald auf Wendungen zu stoßen, wie sie im Hmgang mit den Mitmen chen oder an­deren Völkern nicht immer üblich sind und stets nur Verärgerung und Verstimmung auslösen. Von Pilsudski konnte man bisher nicht behaupten, daß er sich gehen lieh und seine Worte nicht auf die Goldwage legte. 3etzt hat er aber der Oeffent- lichkeit ein unterbiete zur Verfügung ge­stellt, das angeblich die Gründe seines Rücktritts von der Ministerpräsidentschaft enthalten sollte, in Wirklichkeit aber eine einzige Schimpfkanonade gegen das polnische Parlament bayftellt, wie sie wohl noch niemals zu verzeichnen war.

Man ist sprachlos über die Grobheiten, die er den Parlamentariern an den Kopf wirft und die in schlimmste und ärgste Beleidigungen ausarten. Wir können es verstehen, wenn er mit dem Sejm und seinen Mitgliedern durchaus nicht zufrieden ist. Auch wir haben am Parla­mentarismus in seiner Gesamtheit ebensoviel auszusehen, wie an der Tätigkeit einzelner Ab­geordneter. speziell wenn sie zu jener Gruppe Volksvertreter gehören, die durch unwürdiges Betragen das Parlament der Lächerlichkeit aus­liefern wollen. Pilsudski aber überschlägt sich förmlich, fein 3nterview stellt einen Wutausbruch dar, dem allerlei gewichtige Vorgänge zugrunde

liegen müssen, wenn nicht aus feinen Worten bereits der Helle Wahnsinn spricht. Man mun­kelt so mancherlei über den Gesundheitszustand des Marschalls; wie es scheint, nicht mit Hn- recbt. Wenn ein Staatsmann, mag er noch so verbittert fein, öffentlich eine Volksvertretung alsLandtag der Prostituierten" und die Ab­geordneten alsSchweine und Lumpen" tituliert, dann wird man gut daran tun, ihn als einen Menschen zu bewerten, der nicht mehr im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte rst.

Ausfallend bleibt, daß ihn von feinen engeren Mitarbeitern keiner in b:n Arm gefallen ist. Es ijt vielmehr festgestellt worden, daß bei der Ausgabe b:s 3nterbiews durch die polnischen Behörden den oppositionellen Blättern ausdrück­lich ans Herz gelegt wurde, feine Zelle der Ausführungen Pilsubllis zu streichen, auch nicht die unglücklichen Wendungen, deren er sich be­dient hat. Daraus läßt sich eigentlich der Schluß

ziehen, daß 3ntrtganten am Werke sind, die die Entgleisungen Pilsudskis dem Parlament gegen­über benutzen wollen, um daraus für sich g egen den Mars chall Kapital zu schlagen. 3hr Vor­gehen kann nur so gedeutet werden, daß sie ihren Zeitpunkt für gekommen halten, um gegen ben Diktator loszuschlagen und ihn beim pol­nischen Volke in Mißkredit zu bringen, bdmit es dann mit Hilfe der allgemeinen Empörung nicht schwer wird, dem Marschall auch noch das Kriegsministerium abzunehmen und ihn auf seinen Altenteil zu sehen. Der Diktator hat jeden­falls bei den ehrgeizigen polnischen Politllern abgewirtschaftet, denen kein besseres Ge­schenk als dieses (Interview in den Schoß fallen konnte, mit dem sie nun sehr rasch die schon um Pilsudskis Hals gelegte Schlinge zuziehen werden.

Aus aller Wett.

Der Kempf mit dem Polareis.

Rom, 3. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Rach einem von zuständiger Stelle mitgeteilten Funk- spruch derGitta di Milano" ist die draht­lose Verbindung mit der Dru ppe Vigliere wesentlich besser geworden. Die Gruppe befindet sich heute 80 Grad 24 Minuten nördlicher Breite und 28 Grad 50 Minuten östlicher Länge von Greenwich. Die Eisverhältnisie wechseln. 3nsolge des ©infenS der Temperatur besteht wieder die Möglich­keit einer Landung für kleine ApPa - rate. Gestern früh versuchten die schwedischen Flugzeuge, die ihren Standort in her Hinlopen- Skraße haben, über das Lager der Gruppe Dig- lieri zu fliegen, aber sie wurden durch Rebel daran gehindert. Dagegen gelang es ihnen, die Verbindung mit den beiden Mitgliedern des Alpenllubs herzustellen. Die .Draganza" ist heute in der Virgobah eingetroffen und wird in der Rächt nach KingSbay weiterfahren, wo sie neuen Proviant an Bord nehmen und,Ar- beiten an den Dampfkesseln vornehmen muß.'Die Apparate Larsens und Lützow Holms teerben an Bord derHobby" gebracht um an der Suche nach derLatham" (Amundsens Flugzeug) tellzunehmen.

Der EisbrecherKrassin" befindet sich jetzt im Kanal zwischen den sieben 3n,e(n und der 3nsel Soresby, wo er sehr ausgedehntes und festes Packeis angetroffen hat. Gr arbeitet sich mit eini­ger Schwierigkeit vorwärts. Zwischen Rvrwegen unb Spitzbergen befinden sich Ersatzmotoren für die italienifdjen Flugzeuge, die schon eine große Zahl von Flugstunden hinter sich haben, auf dein Transport. Ein von Deutschland gemachtes Angebot zweier Spezialapparate, die mit Gleitkufen versehen sind und auf einer Fläche von weniger als 50 Meter Ausdehnung landen Ennen, hat man dankbar angenommen. Außerdem hat der bekannte deutsche Flieger Hbet seine Mit­arbeit unb die seines besonders ausgeblldeten Personals zur Verfügung gestellt.

Eine Südpolexpedition.

Der Rorbpolflieger W i l k i n s, der mit seinem Begleiter Eyelson in Reuyork eingetroffen ist, bestätigt in feinem 3nterview, daß er die Ab­sicht habe, einen Flug in das Gebiet des Süd­pols zu unternehmen. Er betonte, daß die von ihm geplante Expedition nicht mit der von Byrd, der die Erforschung des südlichen Teils des Südpvlg^ietes beabsichtige, kollidieren werde Wilkins wlll sich auf die Erforschung der E i s k ü st e beschränken, unb zwar komme es ihm, wie er sagte, hauptsächlich barauf an, einen ge­eigneten Platz für bie Errichtung einer meteo­rologischen Station ausfindig zu machen. Er plane, vom Südpol aus die Westrüste Süd­amerikas und RordamerikaS entlang sich bis nach Alaska durchzuschlagen und von bort über Si­birien nach 3apan zu gelangen und schließlich nach Australien heimzukehren. Auf die Frage, was er von der Meldung halte, daß englische Wasserflugzeuge den Befehl erhallen hät­ten, sich an der Suche nach Amundsen zu beteiligen, meinte WilkinS, er bezweifle, ob sich Flugzeuge für diese Aufgabe überhaupt eig­neten. Seiner Meinung nach hätten die Eis­brecher allein Aussicht, eine Rettung zu bewerkstelligen.

65jährige Ehe-Jubelfeier.

Der preußische Ministerpräsident hat den Ehe­leuten Werner unb Katharina Frölich in Flensburg anläßlich ihrer 65jährigen Ehe-Jubel- feier ein Glückwunschschreiben und ein Ehrengeschenk überreichen lassen.

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Unter dem Einfluß hohen Druckes dauert in Deutschland das heitere und warme Wetter fort, ungehinderte Sonneneinstrahlung und weitere warme Luftzufuhr ließen die Temperaturen kräftig ansteigen, so daß sie überall einen sommerlichen Stand erreichten. Da es an der Rückseite des skan­dinavischen Tiefs neuerdinos zur Verlagerung po­larer Luftmassen nach Mitteleuropa kommt, die aber bereits schon stark erwärmt sind, so stehen Störun- gen, die sich in Gewittern auswirken, bevor; all­gemeiner Rückgang der Temperaturen wird außer­dem die Folge sein.

Boraussage für Mittwoch. Aufkom- mende Bewölkung, warm, Gewitterstörung und Ab- kühlung.

ßufttemperaturen am 2. Juli: mittags 24,9 Grad Celsius, abends 17,2 Grad Celsius; am 3. Juli: morgens 16 Grad Celsius. Maximum 28 Grad Cel­sius Minimum 9,2 Grad Celsius. Erdtempera­turen in 10 Zentimeter Tiefe am 2. Juli abends 25,1 Grad Celsius; am 3. Juli: morgens 18,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 14% Stunden.