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Der Mordprozeß Wiechmann.

BS'Jt. Frankfurt a.M. 2.Juli. Im Zeu- gen verhör wurde heule fortgefohren und der Gendarmeriebeamte vernommen, der Wiechmann in Schweigen bei Bergzabern feftnahm.Ich habe es aus Not getan", sagte Wiechmann damals und er­wähnte auch, daß man gemeinsam aus dem Leben scheiden wollte. Er habe mit seiner Frau in sehr gutem Einvernehmen gelebt, eine Person, em Mann, dessen Namen er verschwieg, sei eigentlich an der ganzen Sache s ch u Pb gewesen Seine Frau habe chm erzählt, daß dieser Monn sie verfuhren wollte. Der damals tief erschütterte Angeklagte kann sich der bei seiner allerersten Vernehmung gesproche­nen Worte nicht mehr entsinnen, bestreitet aber, daß vonVerführen" die Rede war. Wenn es ober ge­schah. so sei damit lediglich der Zeuge Sommer gemeint gewesen.

Polizeiarzt Dr Kohl hatte nut W.echmann im Untersuchungsgefängnis zu tun. Wiechmann habe da u o geäußert, seine Frau sei in anderen Umstanden gewesen und das hat uns in unserem Verhalten bestärkt" 'Wiechmann behauptet, daß nicht er. son dern der Arzt zuerst von der Schwangerschaft der Frau gesprochen habe, da er ja gar nicht wußte, daß seine Frau in anderen Umständen war. Dr Kohl der bei seiner Aussage bleibt, erwähnt dann, daß der Angeklagte bei seiner Einlieferung sehr her­unter war. daß man ihm Brotzulagen gab. weil er em starkes Untergewicht hatte. Auch Milch erhielt er ertro. Am lO.März wog Wiechmann 124 Psund. am 29 Mai 146 Pfund.

Zeuge Äriminalrat Hader erzählte, tote eS am Tatort auSsah. 3m Zimmer war alles ziem- lich sauber, die Schlüssellöcher waren mit Papier verklebt. 3m Kinderwagen lag daS jüngste Kind, die beiden andern im Kinderbett. Frau Wiech- mann log in ibrem Bett auf dem Lücken, bis zum HalS zugedeckt. das Gesicht etwas nach der Wand geneigt. AIS man ausdeckte, sah man. daß sie ein schwarzes Samtkleid, aber keine Schuhe an hatte. Die Kinder hatten Tagkleidung an, waren aber schuh- und strumpslos. Die Frau hatte den Halsriemen fest zugezogen um den Hals, es steckte ein Taschentuch dazwischen. Dem kleinen Hans waren die Händchen gefaltet. Der Tatbestand lieh anfangs verschiedene Auslegun­

gen zu: eS konnte auch Dergiftung vorliegen, da eine Flasche mit einer Flüssigkeit auf dem Tisch stand. Als Wiechmann nach Franksurt kam. gelangte er ins Pol^eipräsidium. Der Zeuge erkundigte sich beim Oberstaatsanwalt, ob er W. vernehmen 'olle, es hieß aber: ..Lein, führen Sie ihn gleich dem Richter vor." Aus der Zeugenaussage des Kriminalrats geht hervor, daß er doch an W. Fragen richtete Der Zeuge wird darob von der Verteidigung sehr angegrif­fen, weil er da dienstwidrig gehandelt habe. Der Zeuge führt an. daß es sich aber um keine Vernehmung, «andern um eine Unterhaltung ge­dreht habe.

As'istenzarzt Dr. Müller, der an den Tat­ort gerufen wurde, bekundete, daß überall schon Leichenstarre eingetreten war. fo daß der Tod allerspätestens um 9 Uhr morgens ersolgt sein muhte

Es wurden dann noch Zeugen auS Egelsbach gehört, wo der Angeklagte verstört anlam und im Gesicht zuckte. Die Verteidigung stellte noch eine Reihe von Veweisantrügen, und eS kam zu längeren Erörterungen auch über die Frage der Ladung einer Graphologin. Rach mehr als einstündiger Beratung des Gerichts über diese BeweiSanträge der Verteidigung erklärten die Verteidiger, dah sie mit Rücksicht auf den Zu­stand des Angeklagten, der durch die tagelangen Verhandlungen sehr angegriffen ist. sämtliche Beweisantrage zurückzögen bis auf die Punkte, die sich auf die Unterhaltung des Angeklagten mit dem Stadtsekretär Bode auf dem Wohl- sahrtsamie beziehen. Das Gericht unterstellte insoweit die Angaben des Angeklagten als wahr. Der Antrag der Derteidigung auf Ladung der Graphologin wurde nicht abgelehnt, es soll später hierüber vom Gericht Deschluh gefaßt werden. Das Gericht beschloß bann, einen Brief des Angeklagten, den Wiechmann nach der Gegenüberstellung mit dem Zeugen Bode vor dem Untersuchungsrichter an den Verteidiger Dr. Fürst gerichtet hatte, auszugsweise verlesen zu lassen. Darin schildert der Angeklagte, dah Bode. alS er. Wiechmann, ihn, gegenüber­gestellt wurde, zusammenzuckte und zugab, dah er Wiechmann wiedererkenne und mit ihm auf dem Wohlfahrtsamt verhandelt hat. Auf die

Frage de» Untersuchungsrichter», wie oft der Angeklagte bei Bode vorgesprvchen habe, wich Bode aus oder er antwortete: .3ch entsinne mich nicht mehr!" Bode muh auf Vorhalt auch zu geben, dah in dringenden Füllen sofort Unter- stühungen gezahlt werden usw.

Hebet den Settionsbefund der vier Leichen be­richtete bann am Schluß ber WontagSverhandlung Gerichtsarzt Professor Dr. Dorla st ner. Der Ernährungszustand der Leichen war verschieben. Die Kinder waren nicht einmal so schlecht genährt, sie wie'cn noch ein ganz schöne- Fettpolster auf. Der Zustand ber Frau Wiechmann war weit ent­fernt von dem Zustand berj trügen Leute, bic Hungers sterben. Dagegen war Frau Wiechmann sehr unterernährt unb wies nut ein ganz ge­ringe» Fettpolster auf. Als Todesursache wurde Ersticken sestgcstellt. Rur bei dem Kind Friedel lieh sich eine Todesursache überhaupt nicht feststellen. Der Befund dieser Leiche war vollkommen nega­tiv. Da ber Gerichtsarzt die Möglichkeit einer Todesursache durch Gift erwog, ist in diesem Falle eineGiftsektion' gemacht worden, die aber voll­kommen negativ verlief. GS ist anzunehmen, daß das Kind Friedel erbrof'e't worben ist. Dom me- bizinischen Etanbpunkt sei aber hier bic Todes­ursache nicht sestzustel'en. Tie Darstellung des An­geklagten über die Tötung des Friedel könne durchaus zutreffen.

Am Dienstag sollen die Sachverständigen ihr Gutachten erstatten.

Vorsicht beim pilzesammeln!

WSN. Nach den reichen Niederschläaen der letzten Zeit und dem Eintritt sommerlicher Wärme ist in den Waldungen ein rasches Wachstum unserer köst­lichen Speisepilze zu erwarten, die für den Kenner eine Bereicherung der lafeffreuben bedeuten. Der Unkundige hüte sich aber davor, wahllos oder nach Gutdünken Pilze für Eßzwecke zu sam mein, denn es gibt eine Reihe von giftigen Pilzen, deren Genuß schwere Schäden an der Gesundheit, ja, unter Umständen den Tod herbeiführen können. Ein sicheres Mittel, giftige Pilze von eßbaren zu unterscheiden, wie das fälschlicherweise oft empfohlene Mitkochen eines silbernen Löffels oder einer Zwiebel, gibt es nicht. Das beste ist immer noch, sich von

einem Fachmann praktisch in die Pilzkunde ein» führen zu lasten. An der Hand eines guten IUI* duches kann man bann allmablich seine Kenntnisse vervollkommnen, wenn man sich nicht auf die leicht erkennbaren Steinpilze und Pfifferlinge beschränken will Bei ersteren hüte man sich vor Verwechslungen mit dem sehr ähnlichen Teufel», ober Satanspilz. Der Pfifferling ist nach Kenntnis seines Hauptmerk­mals, der unregelmäßigen Lamellen, nicht leicht mit einer anderen Pilzart zu verwechseln.

Oos Heimatmuseum in 'Dillenburg.

WER. Dillenburg, 2 3ull 3n ben letzten Tagen ist in ben oberen Räumen der kürzlich eingeweibten Jugendherberge auf dem Schloß berg bas neue Heimatmuseum ein­gerichtet worden. Zunächst wurden bic bisher im Wilhelmsturm untergebtachten alten Lbrv- ntlen, Urkunden unb Altertümer hierher über* geführt, da die holländische Regierung, die Er­bauerin des TurrneS. diesen einzig und allein alS Gedächtnishalle für ben Befreier ber Riedcr- lanbe. Wilhelm ben Schweiger in Anspruch nimmt Weiter fanben hier Aufstellung bic an­läßlich ber Gewerbeausstellung von kaufenden von Besuchern mit großem 3ntcreffe betrachteten .Bodenschätze beS Dillkreises Diese geben einen umfassenben ilcberbltd über bic Geologie unserer weiteren Heimat unb zeigen in geschickter 2In- orbnung. alS wären sie naturgewachlcn, die cha- rakteristtschen sechskantigen Basaltsäulen von Beil- stein, bic verschiebenen Kalkvorkommen bn Dill­kreis (Erdbach, Buckcrsbors. Dicken Hüger). Wis­senbacher Schieser. bann ganz seltene Dorkommen, wie Rickel. Kobalt, Mangan, Zinnober u. a. m. aus Deilstein. Hirzenhain unb Breitscheib, sowie bic hochwertigen Erzeugnisse ber einheimischen Farbenindustrie.

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Gerichtsvollzieher in Gießen. «0

Bekanntmachung.

Der Boranschlag der Gemeinde Münster für Rj. 1928 liegt vom Mittwoch, dem 4. Juki bis einschließlich Dienstag, dem 10. Juli 1928 auf unserem Bureau zur Einsichtnahme offen. Innerhalb dieser Frist können bei uns Einwendungen schrift- l,ch ober mündlich vorpebracht werden. Es .st die Erhebung emer Umlage be­schlossen, zu der auch die Ausmärker heran- gezogen werden. 6289D

Münster, den 2. Juli 1928.

Hessische Bürgermeisterei. Heß.

Bekanntmachung.

Der vom Gemetnderat durchberalene Voranschlag der Gemeinde Alten-Buseck sür Rj. 1928 liegt vorn 3. Juli bis einschl. den 9. Juli 1928 aus hiesiger Bürger- meisteret zur Einsicht aller Interessenten offen und können Einwendungen während dieser Zeit mündlich oder schrifllich gegen denselben vorgebracht roetben.

Die Erhebung einer Umlage, wozu auch die Ausmärker beizuttagen haben, ist be­schlossen. 631 IO

Alten-Buseck, den 3. Juli 1928. Bürgermeisterei Alten-Bufeck.

^Bekanntmachung.

Dec Borait'wlag ber Gemeinde Hungen jur Rj. 1928 lieg* von Mtttwoch, den i. Juli 1928 bis einschl. Dienstag, den 10. Juli 1928, auf unserem Amtszimmer v,.t Einsicht offen. Innerhalb dieser Frist lönnen bei uns Einwendungen schriftlich . _vr mündlich zu Protokoll vorgebracht .verden. Es tst die Erhebung einer Um- uze beschlossen, zu der auch die Ausmärker ränge zogen werden.

Hungen, den 2. Juli 1928.

Bürgermeisterei Hungen.

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