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kam, daß für unser Dorf zwei Backhäuser genügen, da doch zur Zeit nur zwei benutzt werben, allerdings das an der Gießener Straße gelegene am meisten in Anspruch genommen sei. Das Gesuch des Herrn Aug. 2 u e s von Gie­ßen betr. Badeanstalt in der Ludwigstraste konnte nicht erledigt werden, da hierüber noch genauere Erkundigungen notwendig sind. Wenn auch allgemein anerkannt wird, daß die Einrich­tung für Wieseck eine Notwendigkeit ist, so gingen die Meinungen über die Uebernahme auseinander, und manch guter Dorschlag mußte zurückgcstellt werden, da sich der Gemeinderat zuerst über die eventuelle Unterbringung der Einrichtung genau unterrichten muß und die Angelegenheit der Badeanstalt vielleicht mit der Beheizung der Roten Schule zusammen er'edigen will, damit hier gleich etwas Ganzes geschaffen wird. Gin Antrag, der besagt, der Badeanstalt als einem gemeinnützigen Unternehmen das Wasser für 1928 kostenlos zu über lassen, fand gegen drei Stimmen Annahme. Der steuer­lichen Begünstigung, wie in den vergangen nen Zähren für die in 1928 begonnenen Neu­bauten, wurde allgemein zugestimmt. Gemeinde­rat Decker tritt in die von seinem Dorgänger inncge&abten Ausschuhposten ein. Eine weitere Anfrage über die kostenlose Abgabe des Wassers an den Zweckverband Wie- seck-Alten-Buseck wurde dahin beantwortet, daß doch letzten Endes der Zweckverband die Gemeinde und auch der geringe Derbrauch gar nicht ausschlaggebend sei, ferner bereits durch die Miete des Grundstücks die Gemeinde ge­nügend entschädigt sei.

Lollar, 2. April. Gestern konnte der Bahnhofswirt Eduard Kordes auf sein 40jähriaes Gcschäflsjubiläum zurück­blicken. Sen 39 Zähren ist Cordes Pächter und Inhaber der hiesigen Bahnhofswirtschaft, er er­freut sich als solcher der Wertschätzung weitester Kreise.

u. Klein-Linden, 2. April. Unsere M ä d - chenfortbildunasschule entließ in diesen Tagen den ältesten Jahrgang mit 27 Schülerin­nen, von denen elf aus Allendorf a. d. Lahn waren. Die Mädchen nahmen an dein technischen Unterricht, wie Kochen. Hauswirtschaft undHand­arbeit, teil und waren die ersten, die drei Zahre lang die hiesige Pslichtfortbildungsschul« besuch­ten. Der regelmäßige Schulbesuch bewies, daß die Schüler und ihre Eltern dem Unterricht großes Interesse entgegenbrachten. Als Abschluß wurde ein Ausflug nach Friedberg und Bad- Nauheim gemacht. Die Ausstellung der Arbeiten findet am Sonntag nach Ostern statt. Zu Anfang des neuen Schuljahres rücken 28 Schülerinnen in die letzte Klasse auf.

s) Lich, 2. April. Der Landwirt Philipp Iakob Keck und seine Ehefrau Anna Marie geb. Zung, Hierselbst, feierten dieser Tage in seltener geistiger Frische das Fest der golde­nen Hochzeit.

fovm Friedberg

=- Bad-Nauheim, 1. April. Der Landes­verband Hessen der Deutschen Demokra­tischen Partei veranstaltete gestern und heute hier eine Schulungstagung für die bevorstehende ReichStagswahl. Etwa 50 Partei­angehörige auö allen Teilen Hessens nahmen an der Tagung teil, die von Schulrat Fischer (Gießen) im Auftrage des Parteivorstandes mit einem warmen Nachruf für den verstorbenen Kreisvorsihenden des Kreises Friedberg, Rektor Koch (Friedberg), eröffnet wurde. Dr. Ehler­mann von der Parteizentrale in Berlin be­handelte in ausführlichen Referaten die poli- l tischen Zeit- und Zukunftsfragen. Beim ösfent- I i ch e n B e g r ü h u n g s a b e n d, den die hiesige -'Ortsgruppe der Demokraten gestern abend ver­anstaltete, war außer den meisten Mitgliedern 'r des hessischen Parteivorstandes auch der demo­kratische Spitzenkandidat für Hessen, Staatspräsident a. D. Prof. Dr. Hellpach, zu Gast, der nach einer Ansprache des Partei- Vorsitzenden Oberamtsrichter Schreiber (Dil- bel) ein längeres programmatisches Referat hielt, das mit lebhaftem Beßall ausgenommen wurde. Er bezeichnete den ReichstagSwahlta npf als einen Kampf an der Grenzschei^ der Entwicklungen. Die republikanische Staatsform als solche dürfe als gefestigt und gesichert erscheinen, bedeutungs­voll sei aber, welchen Inhalt ihr die zukünftige Entwicklung gebe. Eingehend beschäftigte sich der Redner mit dem Zentrum, das durch seine

Bie goldenen Berge.

Vornan von Clara Viebig.

Cophright bh Deutsche DerlagS-Anstalt Stuttgart.

30. Fortsetzung. Nachdruck verboten

15. Kapitel.

Der Herbst dieses Jahres war eingeholt, die Lese vorüber. Wie der junge Winzer es schon einge- schätzt hatte, ein Dreivicrtelherbst, so war's auch geworden. Man konnte mit der Menge zufrieden fein und auch mit der Reife.

Bei Kaspar Dreis drüben in Mundener Kellern fing es erst an zu gären, Simon 23remm war in diesem Jahr vorauf, er probierte schon den Feder- weißen. Er hatte es eilig: so rasch wie möglich verkaufen! Dieses Jahr muhte er schon den Most verkaufen, er konnte nicht warten, bis der Wein so weit war, der Kommissionär würde den dann fertig machen. Das war ihm hart, aber für die Zuckerung und das Abwarten hatte er kein Geld übrig. Wenn nur der Feiden käme!

Aber der Feiden ließ sich nicht sehen und auch nichts von sich hören. Während der Lese hatten sich wohl ein paar Händler gezeigt, ganz kleine Leute, auf die man mit Verächtlichkeit sah. Denen eo auf den Hacken brannte, die hotten freilich an die ihre Trauben verkauft, aber es wurde so wenig für den Zentner geboten, daß sich kaum das Lesen verlohnte. Eine Empörung über dieses Angebot bemächtigte sich der Winker, statt der bei der Lese und fei sie auch nicht glanzend sonst allgemein gastlichen und heiteren Stimmung herrschte eine dumpfe, hinter- bältige Verbitterung. Die Winzer schimpften. Es hätte nicht viel Hefehit, und der Loefenich, den seine frühere Gelassenheit verkästen hatte, hätte die kleinen Händler an der Gurgel gepackt. Die waren froh ge­wesen, heil boDon^utommen ohne Prügel: die Por- tener seien ein übles Pack, bas schrien sie aber die ganze Mosel entlang.

Der Kommissionär, mit dem SB rem m schon so viele Jahre in Geschäftsverbindung gestanden hatte, blieb auch fernerhin aus.Schreib doch mal an ihn," drängte die Bremm ihren Mann,mach ihm cm Angebot." Der Keller war gut besetzt, die Fässer, bie Bremm besaß, waren voll, er hatte sich sogar noch ein Faß vom Loesenlch borgen müssen. Es kam bie Fran eine Angst an, wenn sie an all ben lagern­

letzte KoaMionSpolitik viel an Ansehen eingebüßt und unter Marx und Köhler im letzten Zahre feit seinem Bestehen die schwerste Niederlage erlitten habe. Die vom Zentrum und seiner kirchlichen Obrigkeit angestrebte Konfessionalisierung der Schule sei gescheitert, aber schon die nächste Re­gierungsbildung könne wieder eine Schulparvle bringen. Diese Gefahr bestehe besonders für den Fall, daß eine starke Linlswelle kommen sollte. Aus innerpolitischen Gründen müsse daher die Demokratische Partei im bevorstehenden Wahlkampf auch nach links schauen und bei aller Verbundenheit mit den republikanischen Par­teien mehr als seither an sich denken und sich anstrenge.i, gestärkt aus dem Wahlkampf hervor­zugehen. Als große Aufgaben der kommenden Regierung betrachtet der Redner vor allem eine vernünftige Gliederung des Reiches und die Aenderung des Wahlrechts.

-d. Bad-Nauheim, 2. April. Eine grö­ßere öffentliche Entlassungsfeier veran­staltete nach altem Brauche die hiesige Stadt­schule zum Schluß deS Schuljahres in der Turnhalle des Turnvereins 1860. Rektor Stau- bach gab den zur Entlassung kommenden Schü­lern in gedankentiefcr Ansprache wertvolle Le­benshinweise mit auf den Weg beim Eintritt in Beruf und Lehre. Für die Leistungsfähigkeit der Schule sprach überzeugend das unter Leitung von Lehrer Wagner sehr frisch dargestellte ZugendspielEine Sonntagsüberraschung" von O. Wehner. Der unter der bewährten Leitung von Lehrer Diehl stehende Schülerchor der Stadtschule belebte und ergänzte die Bühnen­darbietung und trug dazu bei. daß die schöne Schulfeier bei den zahlreichen Besuchern die besten Eindrücke hinterließ.

Büdingen.

< Büdingen, 2. April. Am Samstag fand im Saale des Hotels zmnSiern" die dies­jährige Schlußfeier der hiesigen Gewerbe­schule statt, die einen sehr würdigen Derlaus nahm. Der Feier ging unter Führung der Lehrerschaft ein Besichtigungsrundgang durch die im Schulgebäude eingerichtete, sehr reich­haltige Ausstellung von Schülerarbei­ten voraus, wodurch die zahlreichen Besucher ans Eltern- und Handwerkskreisen in vollem Umfange befriedigt wurden. Mit ungeteiltem Beifall wußte man die von großer Sachlichkeit, konstruktiver Präzision und sicherem Gefühl ge­tragenen Arbeiten zu würdigen. Besonderen An­klang fanden die zahlreichen großen und kleinen Modelle, die ganz besonders geeignet sind, die teilweise recht komplizierten Konstruktionen über­zeugend zu erläutern. Auch die Ausstellung der gewerblichen Fortbildungsschule fand volle und verdiente Anerkennung. Die Anschaulichkeit wird auch hier durch zahlreiche Schülermodelle stark erhöht. Schreiner, Wagner, Schmiede, Sattler, Schneiderinnen. Schneider und Schuhmacher zeich­neten sich besonders ans. Bei der Schlußfeier sprachen Bürgermeister H i l d n e r im Namen des Aufsichtsrates der. Schule und der Stadt Büdingen. Kreisschulrat Gockel als Vertreter der Schulbehörde warme Worte der Anerken­nung. Rektor Müller gab sodann in seinem Jahresbericht das Ergebnis der diesjährigen 2lb° gangsprüfung bekannt, wonach 3 Schüler mit sehr gut", 5 Schüler mitgut bestanden und 7 Schüler die Prüfungbestanden" haben. Nach Ansicht der Prüfungskommission verdienen die Leistungen der Prüflinge volle Anerkennung. Für besondere Leistungen erhielten 4 Schüler Ehren­urkunden. Zm Laufe des Winterhalbjahres haben 75 Schüler die Gewerbeschule und 200 Schüler die gewerbliche Fortbildungsschule besucht. Außer­dem wurden durch die Lehrer der Schule zwölf Meisterkandidaten auf die Meisterprüfung vor­bereitet und noch Donderkurse abgehalten. Die neueingerichtete Maschinenabteilung wurde von 12 Schülern besucht und hat sich vorzüglich be­währt. Der gemütliche Teil der Veranstaltung verlief sehr anregend. Gin unter Leitung des Lehrers Dipl.-Ing. Saab von Schülerinnen und Schülern aufgesührles Lustspiel sand großen Beifall. Gesang, Svlovorträge und Musik wech­selten in bunter Folge ab.

h. Nidda, 2. April. Die hiesige Real­schule veranstaltete Freitagabend in d:r Tum- halle eine öffentliche Schlutzfeier, ver­bunden mit der A b s ch i e d s f e i e r für ihren in Ruhestand getretenen Lehrer Küfer. Mit den Schülern und deren Angehörigen waren auch sehr viele ehemalige Schüler des scheidende

Lehrer- von hier und sogar aus weiter Ferne erfchicnen, um ein Wied.riehen unter sich mit ihrem früheren beliebten Lehrer zu feiern. Der erste Teil der Veranstaltung war ausschließlich der Schule gewidmet. Größere Musikvorträge einer vorzüglichen Kapelle hi^iger Musikfreunde, Deklamationen, wohlgeschulte Schülerchöre und Klavier- und Diolinvorträge einzelner Schüler boten abwechselnd genußreiche Unterhaltung. Auch zwei von Schülern und Schülerinnen der Anstalt vortrefflich gespielte Thea ter stückchen fanden außerordentlichen Beifall. Zn einer warmen An­sprache begrüßte der Leiter der Realschule, Stu­dienrat Lauckhard, alle Gäste, besonders die ehemaligen Schüler, die Vertreter des Kura­toriums. der Stadtverwaltung, und hob kurz die Verdienste des Zubilars in und um die Schule hervor, deren Entwicklung er in seiner 45jährigen Lehrtätigkeit miterlebt hat. Unter den besten Wünschen für die Zukunft überreichte der Redner dem Gefeierten ein prachtvolles Blumen­bukett, von den derzeitigen Lehrern und Schülern gewidmet. Nun hieß in begeisterten Worten Lehrer Wolf von Unter-Schmitten, ein früherer Schüler Küfers, alle seine einstigen Mitschüler aus der Ferne herzlich willkommen, gedachte der großen Zahl, die nicht zur Feier erscheinen konnten und der im Weltkriege gefallenen Lehrer und einstigen Schüler der Realschule. Die An­wesenden ehrten ihr Qlnbmien durch Erheben von den Sitzen. Auch dieser Redner rerstand es meisterhaft, Herrn Küfer für ackeS Gute und alle Mühen zu danken, die er mit ihm und allen ehemaligen Schulkameraden gehabt habe. Zum Andenken überreichte er dem geliebten Lehrer ein Kunstblatt, eine Landscha t im Abendfrieden. Tiefempfundene Gedanken der Liebe, Verehrung und des Dankes waren, die Grundtöne eines Ge­dichtes, das Geh. Zustizrat Röm Held hier ver­faßt hatte und das sehr ansprechend von Frau Dr. Koch jun. vorgetragen wurde. Zn ergeben- bet Weise schilderte Professor L a m p a s aus Friedberg die ausgezeichnete Lehrtätigkeit seines ersten Lehrers, der seinen Schülern sein Herz und seine Liebe gab, uiT) brachte ein begeistert aufgenommenesHoch" auf Lehrer Küfer und Frau aus. Bürgermeister Ringshausen wür­digte die Verdienste seines früheren Lehrers und dankte dafür im Namen der Stadt und im Auf­trage der Regierung. Lehrer Ganz von Ober- Widdcrsheim gedachte der Tätigkeit des Zubi- larS während seiner langen Dienstzeit als eifriges Mitglied des Bezirlslehrervereir.s Nidda. Für alle erwiesenen Ehrungen dankte Lehrer Kufe r in herzlichen Worten und schloß mit einem drei­fachen ..Hoch" auf das weitere Wachsen, Blühen und Gedeihen der Realschule Nidda.

KrciS Schotten.

Q L a u b a ch, 2. April. Gestern sand die Stichwahl zur Besetzung des Ehrenamtes eine# B e igeordneten zwischen dem Land­wirt Wilhelm Pitz II. und Kaufmann August Em melius statt. Stimmberechtigt waren 1283 Personen. Hiervon stimmten insgesamt 681 ab; 4 Stimmen waren ungültig. Landwirt P i tz er­hielt 410 Stimmen, fein Gegner 267. Es haben also nur wenig über 50 Prozent abgestimmt. Da Landwirt Pitz Mitglied des Gemeinderats ist, so wird Lehrer i.R. Weil an seine Stelle im Stadtparlament rücken.

Groß-Eichen, 2. April. Am Samstag fanden hier die Generalversammlungen der MolkereigenossenschaftenGroß-Eichen" und Vogelsberg" statt. Die Versammlung der Mol­kereigenossenschaft Groß-Eichen lei­tete der Aufsichtsratsvorsitzende. Dürgermeister Rühl (Ober-Seibertenrod). Als Vertreter des Verbandes wohnte Oberrevisor Hartmann (Gießen) den Verhandlungen bei. Die Zahres- rechnung ergab an Aktiven 18 703,91 Mk., an Passiven 17 787,03 Mk., mithin einen Reingewinn von 916,88 Mk. Der Genossenschaft geboren 141 Mitglieder an. Zm Geschäftsjahr 1927 wurden 761 995 Liter Milch angeliefert, von denen 759 757 Liter verbuttert und 2238 Liter verkauft wurden. An Butter tonrben 33 086 Kilo hergestellt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Aufsichtsratsmit­glieder Bürgermeister Rühl (Ober-Seibertenrod) und Bürgermeister G u l e r (Ober-Ohmen) wur­den einstimmig wiedrrgewählt. Nach Erledigung der Tagesordnung sprach Oberrevisor Hart­mann der Genossenschaft zu ihrem jetzigen 25* jährigen Bestehen die Glückwünsche und Grüße des Verbandes aus. Der Redner wies dabei auf die Not der Landwirtschaft hin und ermahnte

den Wein dachte, an die drei Fuder Neuen von diesem Jahr, der sich noch nicht gesetzt hatte. Wenn der nun nicht verkauft wurde? Ader sie hoffte. Wenn cs Zeit für den ersten Abstich war, dann würde im neuen Jahr der alte Kommissionär auch erfeh einen, ein rechtlicher Mann, auf den man sich verlassen konnte. Es war ja noch lange bis dahin, man ging jetzt erst in den Christmonat hinein, bis Januar, Februar konnte sich vieles ändern. Und gut wurde der Diesjährige, schon der Federweiße schmeckte angenehm, Bremm hatte sich einen regel­rechten Rausch davon angetrunken. Das war noch nie vorgekommen. Die Frau hatte ihn zu Bett brin­gen müssen. Und der Federweiße rumort« auch noch tagelang mächtig in ihm, aber er sagte, das schade nichts, fo wäre er doch einmal lustig gewesen. Bon Herzen luftig, das sagte er nicht.

Anna Bremm sah ihren Mann jetzt manchmal von der Seite an: was war mit ihm? Was lag in ihm wie auf der Lauer und wartete bloß auf einen Anstoß, um hervorzuspringen? Er hatte zu sehr ge­arbeitet, das war's, fast Uebermenschttches geleistet in der letzten Zeit. Das rächte sich nun, seinen Kräf­ten roar zuviel zugemutet, an seinen Nerven war zu lange gezerrt: nun brauchte er Schonung, Ruhe. Die konnte er ja jetzt haben: es lag nichts Dringen­des vor, es waren keine Setzreben zu schneiden, denn er würde kein neues Gesetz anlegen in diesem Jahr, er sagte, er hätte so schon übergenug, was sollte er noch mit mehr leidigen Stöcken? Einen Dreck waren die wert. Die Frau horte es immer mit Kummer, wenn er so sprach: war ihm der Weinberg verleidet? O weh, wenn das wäre, dann wäre es freilich bester, er schlüge alles los, und sie zögen fort, irgendwohin, wo man sie nicht kannte und nicht wußte, wie sie einst dageftanden hatten: dann mußten sie eben versuchen, sich durch irgend etwas anderes ein kärgliches Brot zu erringen.

Wenn Anna Bremm solche Gedanken kamen, kommen mußten, denn der Mann war allzu un- luftig, dann weinte sie bitterlich.Was hast du?" fragt« dann zuweilen Maria, aber sie fragte es ohne das richttge Mitgefühl, das merkte die Mutter, und jo schwieg sie. Was sollte sie auch die Tochter be- heiligen, die war ohnehin so ganz anders geworden, wurde dem Vater elaentlich ähnlicher, war wie der so verschlossen. Oh, daß die faulige Jungfrau doch den Feiden herbrächte! Sehnsüchtig sah öle Frau nach ihm aus. In diesem grauen/ verregneten Winter

war der Gedanke an den vertrauten Kommissionär mit dem braungebrannten gutmütigen und doch er­schlagenen Gesicht ein Ausblick wie auf die lieb« Sowie. Aber die ließ sich ja auch nicht sehen. Es regnete, regnete Tag und Nacht, und der Himmel war verhangen, als gäbe es keine Sonne mehr in der Wett. Sonne hatte man im Sommer doch so viel, oft allzu viel, warum denn jetzt nicht wenig­stens ein klein bißchen? Ach, ab und zu ein Strählchen nur, dah man doch merken konnte, sie war noch da, sie schien, wenn auch nicht hier, doch in Afrika auf den Joseph.

Die Bremm sah in ihrer Küche und schütte Kar- toffdn zu Mittag. O weh, die faulten arg bei der nassen Witterung! Mit Schrecken hatte sie eben ge­sehen, wie rasch di« abnahmen: gut, daß sie dies Jahr kein Schwein hatten, das sie ihnen wegfrah. Bremm trat ein: sie merkte es gl ei 4, daß er erregt war. Er lieh sich auf uinen Schemel fallen und hing den Kopf auf bie Brust. Mit finsteren Augen stierte er vor sich hin; so sah er und saß. Sie war längst mit Schälen fertig allzu mel durste sie ja nicht schälen, so.mußte cs eben genug sein aber sie wagte es nicht, aufzustchcn. Endlich stand sic doch auf und setzte die Kartoffeln aufs Feuer.

Da hob er den Kopf und sah sie an, als käme er aus weiter Ferne, al» mären Jeine Gedanken da herumgeirrt zwischen allerlei Möglichkeiten. Nun sprach er. Er sprach ganz leise, sie mußte gut auf­horchen, daß sie ihn verstand:Sie haben den Loefe­nich schon wieder sekiert und, wat meinste, uoat er nu hat zugeben müssen?!"

Sie zuckte die Achseln: der hatte wohl nicht viel mehr, roas man ihm pfänden konnte.

Da schrie der Mann plötzlich so laut, daß sie erschrak:Die Stuf), die flut) haben sie ihm ver­steigert!"

Sie sah ihn fprachlo; an; bas konnte doch wohl nicht möglich sein, der hatte ja kleine Kinder, Am­ber. die Milch noch so nötig brauchten. Ungläubig schüttelte sie den Stopf: das war mal wieder ein Dorfklatsch, etwas, an dem nachher kein wahres Wort ist.

Ader Bremm sagte:Ich hab ihn selber gr sprachen. War bei ihm drin, die arme Frau sitzt und weint. Das Jüngste hat sie ja noch an der Brust, aber wat gibt sie dem Mädchen von zwei und dem Jung von drei? Eine Gemeinheit, eine unerhörte Gemeinheit!" Man sah'e, es kochte in

die Landwirte zu festem Zusammenschluß, denn nur hierdurch könnten sie die jetzig? schwere Zeit überstehen. Weiter betonte er die Wichtigkeit der Lieferung von Qualitätsware, da nur solche sich dauernd auf dem Markte durchsetzen könne. Zn der Generalversammlung der Mol­kerei ^Vogelsberg" zeigte die Rechnungs­ablage eine Aktiva von 26 469.85 Mk.. eine Passiva von 24 244,80 Mk.. mithin einen Rein­gewinn von 2225,05 Mt. Die Mitgliederzahl der Genossenschaft belief sich am 31. Dezember 1927 auf 183. Zm Geschäftsjahr 1927 wurden 1 002 546 Liter Milch angeliefert, von denen 980 301 Liter verbuttert und 22 245 Liter verkauft wurden. An Butter wurden 43 945 Kilo hergestellt Der seitherige Direktor Scho m der t (Groß-Eichen) (»qte mit Rücksicht auf sein Alter sein Amt nieder. An seine Stelle wurde Karl Kratz (^roß-Eiä;en) gewählt. OberrevisvrH a r t m a n n wünschte der Genolle.schalt unter der Leitung ihres neuen Direktors eine weitere gedeihliche Aufwärtsentwicklung. A 'gesichts der gegcnwär- tigen Not der Landwirtscha t ist in der Bevölke­rung die Ansicht verbreitet, daß es wohl zweck­mäßig sei, die beiden Genoss earsL asten an einem Orte zu vereinigen, damit auf diese Weise eine rationellere Milchverwertung im Znterefse aller Beteiligten erzielt werde.

>' Gedern, 2. April. Als würdigen Ab­schluß des Schuljahres veranstaltete die hiesige- Volksschule eine einfache Dürcrfeier, in deren Mittelpunkt ein von Lehrer Häusel gehaltener Lichtbildervortrag stand. Nachdem der Vortragende die LebenSgcschichte des großen Meisters geschildert hatte, zeigte er mittels Epidiaskops eine große Anzahl der be­deutendsten Kupferstiche, Holzschnitte und Ge­mälde des Künstlers, aus denen sowohl daS fleißige und gewissenhafte künstlerische Schaffen als auch das Streben Albrecht DürerS nach immer größerer Vollendung deutlich zu erkennen war. Am gestrigen Sonntag sand eine Aus­stellung der im Laufe des verflossenen Schul­jahres angefertigten Handarbeiten der Schülerinnen der Volks- Fortbildungs- und Städtischen Höheren Schule statt. Die Reich­haltigkeit und die gewissenhafte Ausführung der Arbeiten hinterließen bei den zahlreichen Bs- fuücrn den denkbar be lci Eindruck. Die technische Lehrerin. Frau Kuhl, kann aus das gute Ge­lingen der Ausstellung stolz sein.

Kreis Alsfeld

«w Nieder-Gemünden, 2. April. Nachdem in unterer Gemeinde die Durchführung der Feldbereinigung beschlosfen worden war, sand jetzt eine Versammlung der Grundeigen­tümer statt, in der die einheimische Voll­zug s k v m m i s s i o n gewählt wurde. Diese be­steht aus den Ortsbürgern Heinrich Horst III und Karl Becker 11. Die Vertuimnluny er­mächtigte die VollzugSkommifsion, bis zum bafcre 1930 zwecks Deckung der F.ckdberrinigung^kosten 1 Mark pro Morgen und Zahr zu e*-beben. Weiter wurde die Kvmmtsiion beauftragt, nach Bedarf ein langfristiges Darlehen aufzunehmen, dessen Zinsen und Amortisation von den Grund­eigentümern aufzubringen sind. An Massegrund- stücken wurden von der Versammlung 1,5 Pro­zent bewilligt: hinzu tritt noch der Abzug für Wege, dessen Höhe im Voraus nicht festzustellen ist. Die zur Deckung der Kosten aufzubringen­den Gelder sollen je zur Hälfte auf den Flächen­inhalt und auf den Bonitätswert der Grund­stücke ausgeschlagen werden.

Rheinhessen.

WER. Mainz, 2. April. Die Mainzer Polizei halte den Auftrag, ein aus der Zwangs­erziehung entlaufenes Mädchen wieder in die Fürsorge zurückzubringen. Als ein Poli;ei- beamter sich zur Erledigung deS Auftrags in ein Haus in der Welschnonnengasse begab, wurde er von mehreren Burschen, die anschei­nend von dem Auftrag Kenntnis hatten, a n ge­fallen und auf8 schwerste bedroht. Der Beamte sah sich gezwungen, von seiner Hiebwaffe Ge­brauch zu machen, wurde aber daran durch einen Angriff von hinten gehindert und zu Boden geworfen. Als er sich des Angreifers entledigt hatte und nochmals gütlich zur Herausgabe des Mädchens aufforderte, drangen die Burschen mit schweren Schlaginstrumenten auf ihn ein. Zn höchster Notwehr mußte der Beamte den Revolver ziehen und verletzte einen der Bur­schen durch einen Schuß am Hals._________

ihm; er ballte die Fäuste. (Ein paarmal rannte er in der Küche auf und ab, dann ging er hinaus.

Wo ging er hin? Draußen strömte der Neye». Im Haus war er nicht geblieben. Unruhig spähte die Frau aus der Haustür: fein Mensch auf der Straße, kein Hund, keine Katze. Völlig vereinsamt das Ufer, von den Bergen jenseits des Flusses gar nichts zu sehen. Berg, Mosel, Uferlanö alles ein undurchdringliches graues Nah. Nur diesseits der Juckerberg mit seiner 'Zuckerhutspitzo hob sich aus Regenschleiern und schaute verdrießlich aufs Dort hin. Wie unheimlich der aussah! Nichts war trost­loser und nichts war verlassener. Wenn Anna Bremm auch fein Wort von dein glaubte, was man im Dorf sich erzählte, so überlief sie es doch

Das Pricsterseminar zu Trier hatte Zakob Bremms Schenkung nicht angenommen: was sollten sie mit diesem Zuckerberg, der besser Essigbera hieße? Es war überhaupt niemand da, der ihn mochte. Nur die Naben mochten ihn: die halten auch hier die Lese gehalten. Während überall fonft die Menschen schafften, schafften im Zuckerberg die Vögel: schwarzes Raubgesindel, das unablässig frech krächzte. Don keinem Stein rau rf ließen sie sich ver- ch-uchen, sie waren hier in ihrem guten Recht. Ratzekahl hatten sie die Trauben aufgefreffen. Und bann mar über Nacht ein Wind «kommen, der hatte feine Fanfaren geblasen überall Windfoll im Zuckerberg aber hatte er sich verfangen, hatte wahrhaft verheert. Wie auf dem Schlachtfeld ge^ fallen« Leiber, lagen hier Stöcke. Kein Mensch rity tete sie wieder auf und band die Ruten an; wenn man mal später Stöcke brauchte, bann würde man bingeben und sehen, was noch gut davon war. Aber jetzt hatte keiner die Zeit, in den Zuckerberg zu gehen, uni) auch nicht die Lust; denn man mochte cs glauben ober nicht glauben, im Zuckerberg ging der Iakob Bremm um. Den ließ es nicht ruhig schlafen, daß sein Berg nicht versorgt mar. Wenn der Mond schien, konnte man deutlich sehen, wie sein altes bleiches Gesicht über ben Berg Isinspähte, und wie er sich mühte, mit dünnen zittrigen Fin­gern feine gefallenen Stöcke wiederum aufzurich­ten. Und meinen hörte man ihn dabei^ förmlich heu­len: ,Hui, hui, huhuhuhuh! Die Schommer, die faitte bas zuerst gesehen und bei ihrer Seligkeit es beschworen: der alte Geizhals ging um.

(Fortsetzung folgt.)