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sichen Glückwünsche zur Rückkehr des Luftschiffes Graf Zeppelin" von feinem ersten Transozean­flug spreche ich meinen aufrichtigen Dank ans. Dem Dani schließen sich Erbauer, Führer und Besatzung des Schiffes an. denen ich von den anerkennenden Worten Ew. Exzellenz Kenntnis gegeben habe. Der begeisterte Rückhalt, den diese bahnbrechende Tat bei den stammes- verwandten österreichischen Brüdern gesunden hat, wird ein Ansporn zu neuem Schaffen sein.

Der Glückwunsch

-er Reichsregierung.

Em Schreiben des Reichsverkehrsnrinisters an Eckener.

Friedrichshafen, 1. Äov. (TU.) Reichs- Verkehrsminister von Guerard hat folgendes Schreiben an Dr. Eckener gerichtet:

Hochverehrter Herr Professor!

Bei Ihrer Rückkunft heute früh auf deutschen Boden nach Ihrer denkwürdigen Fahrt über den Ozean hatte ich die Ehre, Sie als Erster in der Heimat wieder begrüßen zu können. Dringende dienstliche Angelegenheiten zwingen mich, heute abend nach Berlin zurück» zufahcen, so daß ich. da der Festakt Ihrem ver­ständlichen Wunsche entsprechend, auf den Abend verlegt worden ift nicht 'n derLage bin, vor weiterer Oeffentlichkeit Ihnen den Willkomm au entbieten. Es ist der Willkomm der deutschen Reichsregierung, der Ihnen und Ihrer Besatzung, aber auch den leitenden Köpfen, die das Lufftchiff erdacht und denen gift, die es mit ihrer Hände Arbeit in die Tat umaeseht haben. Ich darf h'.nzufügen, daß auch der Präsident des Deutsch cnReichstagcs mich d a tlt f> gebeten har, dem heimkehrenden Führer itnj der Besatzung auch im Ramen des Deutschen Reichs­tages herzlichen Glückwunsch auszudrücken. Ich darf wohl sagen, daß ich befugt bin, Ihnen die Wünsche des ganzen deutschen Bol­les zu übermitteln, da Ihre Fahrt über den Ozean zu dem befreundeten amerikanischen Volke eine Herzenssache war. ReueEntwicklungs- Möglichkeiten eröffnet dieser glückhafte Flug, der trotz Ungunst der Jahreszeit und der Ele­mente gelungen ist. Sie haben der Welt erneut bewiesen, daß es nicht htttzen darf:Luftschiff oder Flugzeug", sondernLuftschiff und F l u g z e u g". Das deutsche Volk hat es ein­hellig gefühlt, daß Sie eine neue geschicht­liche T a t im Sinne des Grafen Zeppelin aus- aeführt haben, eine Fahrt, die deutsches Können, deutsches Wollen und deutsche Tatkraft geformt haben. Möge diese glücchafte Fahrt auch ein Symbol fein, ein Symbol der deutschen Einigkeit in nationalen Fragen, die uns allen eine glückliche Zukunft sichern kann." Zum Schlüsse fernes Schreibens bekräftigte der Minister den Wunsch der deutschen Reichsregie­rung, daß Dr. Eckener selbst an der Spitze der Besatzung mit dem neuen Luftschiff auch der Reichshauptstadt elften Besuch abstat- ten möge.

Amerikanisches Lob.

DieFahrt desGraf Zeppelin" ein Triumph für Deutfchland.

Washington, 2.Roo. (WTB. Funkspruch.)'! Washington Post" erklärt in einem Leitartikel: ' DerGraf Zeppelin" wird der Vater einer großen Flotte ähnlicher Luftschiffe werden. Das Starrsystem I hat sich glänzend bewährt, nur müssen, wie Dr. Eckener sagt, Geldleute einspringen und' seinen Plan verwirklichen. Diese Rundreise des. Graf Zeppelin" zeigte, daß der Luftlchiffoerkehr sich rentiert, selbst, wenn der Reiz der Neuheit der Art der Beförderung abgeschwächt fein wird, und daß vor allem die Zahl der Passagiere und Post- aufträge groß genug sein wird, um den Uebersee--' flug zu einem guten Geschäft zu machen. Sogar, der sonst nicht leicht in Begeisterung zu versetzendei Evening Star" schreibt, daß die Reise e t n, Triumph für Deutschland sei und das:, deutsche Volk mit Recht auf diese Glanzleistung stolz ' sein dürfe. Don welchem Gesichtspunkte aus man fiq auch immer betrachte, diese erste kommerzielle Re- kordrundreise habe die Möglichkeit der Jeid)ter--nls=1 die-Luft-Flugfchiffe" überzeugend dargetan. Trotzt aller Schwierigkeiten, die die Fahrt nach Amerika verlangsamten und zur Aufgabe des geplanten:, Ueberlandfluges in Amerika zwangen, stehe bie- Fahrt als epochemachende Leistung deü Weltgeschichte dar und ihr Ruhm werde nie oer-» blassen. Dr. Eckener habe 124 Personen mit vieler,, Post und Fracht über eine Strecke von fast 15 000) Kilometer mit nur einer Zwischenlandung in etwa 180 Flugstunden von Deutschland nach Amerika und' zurück gebracht. Die Rückfahrt habe die staunen- erregende kurze Zeit von zwei Tagen 21 Stunden^ gedauert. Die ganze Well beneide Deutschland in dieser Stunde um feinen Ruhm.

pariser Echo.

Die Leistung des Rückflugs mutz anerkannt werden.

Paris, 2. Aov. (TU.) Die Pariser Presse bemüht sich im großen und ganzen, dem Rückflug desGraf Zeppelin" objektiv gerecht zu werden, sieht aber auch in ihm nicht den schlüssigen Be­weis für die Verwendbarkeit von Luftschisfen für den Transozeanverkehr. DerTemps" schreibt,, der Rekord der Ozeandampfer sei diesmal reich­lich geschlagen worden. Di« Zeit von drei, Tagen für di« Ueberquerung des Oz«ans werde auf die Oeffentlichkeit Eindruck machen. Das Ergebnis eröffne neue Gesichtspunkte füp die Möglichkeit, di« Erdteile auf dem Luftwegs schnell zu verbinden. Das Blatt fahrt dann sort< man dürfe nicht vergessen, daß di« fr an-' zösisch« Luftverbindung nach Süd- amerika den Weg vorgezeichnet habe. In einem halben Jahr werd« man erkannt haben,, daß demSchwerer als L u f t" Im Vergleich [ zu denLeichter als Luft" der Vorzug zu geben-) fei. (DerTemps" erwähnt jedoch dauer nicht/ daß für die Verbindung FrankreichSüdamerika, auf einer großen Strecke Torpedoboot«, eingesetzt worden sind.) Das Gesamtrisiko,, mit dem Luftschiff, so meint das Blatt, sei be­trächtlich größer als mit dem Flugzeug. Trotz­dem müsse man dem geglückten Unternehmen Eckeners Beifall spenden. DasJournal'^ schreibt, daß Dr. Eckener den Beweis dafür abgelegt habe, daß er zur Zeit das der Asse der Luftschifführer sei. Das Blatt bleibt aber' auch dieses Mal ebensowenig wie früher von dem Wert des Luftschiffes als Verkehrsmittel im regelmäßigen Handelsverkehr überzeugt. Zum, Flug« Dr. Eckener« über Frankreich schreibt ba&

Das päpstliche Friedensangebot im Jahre 1917.

Reichspräsident von Hindenburg sagt als Zeuge aus.

Berlin. 2. Rov. (Priv.-Tel.) In einem Pro­zeß des Ritter von Lama gegen den Hvf- prebiger Döhring, den Reichskanzler a. D. ^Michaelis, den Evangelischen Bund .und andere, der den Vorwurf Lamas zum Gegen­stand hat, daß der Reichskanzler Michaelis sich rm Jahre 1917 hinter die oberste Heeresleitung gesteckt und aus konfessionellen Grün- Jen die Friedensvermittlung des Davstes abgelehnt habe, wurde der Reichs­präsident v.Hindenburg über die Ablehnung ,ßes Friedensangebotes des Papstes vernommen, ,und zwar fand diese Vernehmung heuie vormittag im Relchspräsidenten-Palais statt. ^Rechtsanwalt Lütgebrune, Göttingen, hat nomen« der Angeklagten unter Beweis gestellt, spaß die Behauptung, Michaelis habe sich bei sder Behandlung des Papst Friedensangebotes nicht an Kaiser unb Reichstag, sondern an d ie Oberste Heeresleitung gehalten, eine ifllatte Geschichtsfälschung fei. Michaelis .habe niemals der obersten Heeresleitung das Feld geräumt, sondern sich streng an den iKronratsbeschluh vom 11.September 1917 «gehalten.

1 In der Zeugenvernhmung betonte Reichs- Präsident v. Hindenburg mit aller Ent­schiedenheit, daß weder er noch General Hudendorff, der Reichskanzler Michaelis oder der damalige Staatssekretär im Auswär­tigen Amt, Kühlmann, ihre Maßnahmen ipegen des päpstlichen Fri.densangebotes durch konfessionelle Beweggründe hätten Lest Immen lassen. Das Angebot des Pap­stes fei vielmehr endgültig in der Kronrats- sihung vom 11. September 1917 unter Vorsitz

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des Kaisers im Schloß Bellevue eingehend er­örtert worden. Der Verlauf der Kronratssitzung sei in dem Buch von MichaelisFür Staat und Volk" zutreffend wiedergegeben wor­den, in dem der Verfasser betont, daß auf feine Einwirkung hin der Kaiser, der iwch tagS zuvor wieder von der Rot wendig kett des Besitzes der flandrischen Küste gesprochen hatte, zu dem Be­schluß der Verzichterklärung auf den Besitz von Belgien gebracht worden stt. Den Bedenken der Obersten Heeresleitung sei damit Rechnung ge­tragen worden, daß das Friedensangebot deS Papstes mit dem Ablauf des Jahres 1917 limi­tiert worden sei. Ritter von Lama hatte weiter die Behauptung aufgestellt, daß der Reichskanzler Michaelis nach der Kronratssitzung sich durch die Oberste Heer.sleitung habe bestimmen lassen, gegen den Kronraisbeschiuß Minen glatten Ver­zicht auf Belgien nicht auszufprechen, um so die Bemühungen des Papstes zu vereiteln. Hierzu hat Reichspräsident v. Hindenburg sich dahin ge­äußert, daß seit der Kronratssitzung vom 11. September in der Frage der Friedenseedingungen irgendwelch' Disier nzen zwischm der ReichScegie- nmg und Der Obersten Heeresleitung nicht mehr bestanden hätten. Die Oberste Heeresleitung habe sich vielm.hr d.-m Kronratsleschiuß gefügt. Staais- sekretär v. Kühlmann habe vor dem Unter­suchungsausschuß des Reichstages mit Recht dar­aus hingewiesen, daß der Briefwechsel zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler Michaelis im September 1917 nur privater Ratur gewesen fei, und nur dm Fall im Auge gehabt habe, daß die Situation s i ch ändere, falls ein Frieden biS Ende 1917 nicht zustande gekommen fein sollte.

GroßeKoaliiion mr-panzerkreuzer

Oie Kraftprobe

Don unferer Berliner Redaktion.

Alles Zureden hat dem Zentrum nichts ge­nützt, der sozialdemokratische Frakttonsvorstand ist bei seinem Trotz geblieben unb hat wirklich den Antrag auf Einstellung des DauS des Panzerkreuzers im Reichl tag ein» zubringen beschlossen. Die Fraktion wird dem MelfelloS zustimmen. Der Antrag wird am 13. Rovember, wenn das Parlament seine Arbeiten aufnimmt, bereits vorliezen, und wenn es nach dem Willen der Sozialdemokraten geht, soll et schon in einer der ersten Sitzungen beraten werden.

Wesh lb? Die Taktik der Sozialdemokraten ist sehr durchichttg. Sie müssen sich ihren Wäh­lern gegenüber eine Rückendeckung schassen, um im Kabinett und späterhin im Plenum die zweite Rate bewilligen zu können, nachdem ihr Antrag auf Einstellung des Ba ies abgelehnt ist. Sie glauben auch mit dieser Hilfe den ganzen Kampf beenden zu können, um bann die Bahn für die neuen Verhandlungen über dieUnter­mauerung des Kabinetts Müller" frei zu haben. Ern sehr einfaches Rechenexempel. Wir können uns nur nicht recht vorsteilen, daß die bürger­lichen Parteien bereit sein sollten, den Sozial­demokraten dieses Spiel zu erleichtern. Herr Müller hat an der Spitze feiner Partei die Un­kosten des Wahlkampfes im wesentlichen mit dem Kampf gegen den Panzerkreuzer bestritten, er hat dann, als er Kanzler war, Im Kabinett gegen den Beginn des Baues keinen Einspruch erhoben. Der Fehler, der in den Organisationen große Beunruhigung hervorrief, soll nun w i e- der gutgemacht werden, und dazu darf die bürgerlich: Mitte guädigst aushelsen. In dem unbegrenzten Vertrauen auf die sta atsbürgerliche Gesinnung b:r anderen Regirrungspa t ien glau­ben sich die Sozialdemokraten den Seitensprung leisten zu können, in dem unerschütterlichen Ver­trauen auch, daß die De itschnationalen btt ihrer Einstellung zu den Weh.fragen ebenfalls den svzialdemokrattschen Antrag ablehnen.

Aber das ganze Exempel kann doch ein Loch haben. DerVorwärts" tut so, als wenn die Sozialdemokraten auf eine Annahme ihres An­trags hoffen, er rechnet sogar aus, daß zweihun- dertvierzig Stimmen dafür seien und höchstens zweihundertfünfzig dagegen, wobei er noch die Möglichkeit eines Zuzugs aus dem Zentrum und der Bauernpartei ofsenläßt, die dann aus der

Minderheit ein« Mehrheit machen würden. 3m Innern aber haben die Sozialdemokraten eine Himmelangst davor, daß es so kommen könnte. Sie wissen genau, daß sie leichtfertig mit einer Krise spielen, denn der Reichspräsident wird nicht daran denken, sich nun einfach dec v^^ änderten Willensmttnung des Reichstags zu' fW gen, er wird das dann unvermeidliche AP-' schiedsgesuch des Reichswehrmin stets ablehnen, womit wir dann glücklich in einer Regierungskrise mit folgender Auflö­sung des Reichstags drin wären, älnd das alles nur, well die Sozialdemokraten auch als Regierungspartei auf die Vorteile der Oppo­sition nicht verzichten wollen. Das wird doch auch dem Zentrum und der Dolkspartei zu den­ken geben und sie veranlassen, den Sozialdemo­kraten sehr deutlich zu verstehen zu geben, daß man so keine Politik machen kann.

Das Zentrum gibt die Abstimmung frei.

Berlin, 2. Rov. (Privattel.) Die Zen­trumsfraktion wird die Abstimmung über den im Reichstag eingebrachten so,ialbemolta i chen An­trag auf Einstellung des Panzer lreuzerbaues freigeben. Die ZenttumssraMon hat bereis bet der Abstimmung über d e erste Baurate im früheren Reichstage auf die Ausübung des Fraktionszwanges verzichtet. Man er­wartet, daß noch mehr Zentrumsabgeordncte als bisher sich der Abstimmung enthalten werden.

Kommunismus hier und dort.

K o w n o, 31. Oft. (TU.) Wie aus Moskau ae= meldet wird, wurde in der gleichen Zeit, als die Kommunistische Pattei Deutschlands das Volksbegehren gegen den Panzer­kreuzer durchzudrücken suchte, in der Sowjet» union mit Hilfe der von Arbeitern des Nordkaukasus gesammelten Mit­tel ein Schlachtschiff in die Dien st e der baltischen Kriegsflotte eingestellt. Die Hissung der Flagge auf dem neuen Schlacht­schiff, das mit den modernsten Mitteln der Technik ausgerüstet ist, soll am Tage der Reoolutionsfeier stattfinden. Der Inbetriebnahme des neuen Schiffes werden Vertreter der Sowjetregierung beiwohnen. Es ist dies das erste Kriegsschiff, deren Indienst­stellung feit der Revolution von den Sowjetbehörden zugegeben wird.

Journal", daß di« Bevölkerung von Paris bi« Anstrengungen und den Mut voll zu schätzen wisse. Wenn Dr. Eckener den Opemplah über­flogen hätte, so wär« ihm sicherlich derselbe Bei­fall zuteil geworden, wie ihn Paris den Flie­gern Coste und Le Drix spendete. Der ,,Ma- in" nennt den Rückflug eine der schönsten Fahr­ten der Luftschiffahrt. DerGraf Zeppelin" habe fein Unternehmen mit vollem Erfolg be­endet.

Telegrammwechsel mit dem französischen Lustfahrtminister.

Paris, 1. Rov. (WB.) Dr. Eckener hat während der Fahtt deSGraf Zeppelin" über Frankreich an den französischen Luftfahrtminister Laurent-Eynac folgendes Telegramm ge­sandt: Aach Ueberquerung des Ozeans in drei Tagen überfliegen wir Frankreich von Rankes nach Basel. Diele Grüße! Dr. Eckener.

LuftschifsahrtSminister Laurent-Eynac hat dar­auf mit folgendem Telegramm geantwortet: Dank« Ihnen für Ihre Grüße bei Üeberfliegen fran­zösischen Gebietes und sende ihnen lebhaf­teste Glückwünsche für prachtvolle Leistung. Laurent-Eynac, Lustschiffahrtsmlnister.

Gewinne der Arbeiterpartei bei englischen Gemeinderatswahlen.

London, 2. Rovember. (WTB. Funlspruch) Gestern wurden in über 300 Städten und Ge­meinden in England und Wales di« Gemeinde­ratswahlen abgehalten, die verschicdenilich a l s Generalprobe für die Parlaments­wahlen bezeichnet werden. Bis Mitternacht lagen die Ergebnis,« von 85 Städten und Ge­meinden vor. GS ergibt sich, daß di« Ar­beiterpartei bisher einen außer­ordentlichen Erfolg erzielt hat. Eie hat einen Nettogewinn von 101 Sitzen zu verzeichnen, von denen mehr als die Hälfte den Konser­

vativen verloren gingen. Alle übrigen Parteien haben Rettoverluste zu verzeichnen.

Neue Demütigungen für Südtirol.

Bozen, 31. Oft. (TU.) Am 4. November finden aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Zusammenbruches der österreichischen Front in ganz Südtirol von den Italienern ver- anstallete Siegesfeiern statt. In der Bevölke­rung erregt es große Empörung, daß nach dem ver­öffentlichten Programm an diesem Tage auf den öffentlichen Plätzen der Wortlaut der Kriegserklä­rung gegen Oesterreich und das Siegesbulle- t i n über den Zusammenbruch der Oesterreicher ver­lesen werden sollen.

Auf der Suche nach neuen Gteuerquellen.

Das Defizit im Reichsetat.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 2. Rov. Im Reichsfinanzministerium rechnet man. Das Defizit im neuen Haushalts­plan läßt sich eben nicht mehr toegleugnen. Ir­gendwie müssen also neue Einnahmequel­len erfaßt werden. Die Steuererhöhun­gen sind natürlich dabei immer wieder bas be­deutsamste Objekt der Untersuchungen. Ob man mit der Erbschaftssteuer Gluck haben wird, steht noch sehr dahin. Jedenfalls ist hier die So- zialdemokratte, die die deutsche Erbschaftssteuer dem englischen System analeichen will, ohne Freunde. Sowohl die Deutsche Volkspartei als auch die Demokraten, und, wie nunmehr verlau- tet, auch noch das Zentrum lehnen eine Erhöhung dieser Steuer in jeder Beziehung ab. Zudem würde sie auch herzlich wenig etnbringen und dazu noch die Kapftalsbildung, die ja jetzt in Deutschland noch im ersten Anfang begriffen ist, untergraben. Gegen die Biersteuerer- Höhung wendet sich nach wie vor Bayern, das auch einer Erhöhung deS Branntweinmonopols

nicht günstig gesinnt ist. Man verlangt ht diesen Kreisen in einem solchen Falle ebenfalls wieder eine Einführung der Weinsteuer, die auch nicht viel bringen würde und außerdem dem deutschen Winzerstande Schaden zusügen müßte. Kurzum, das Relchssinanzmmisterium wttß heute noch nicht, woher es eigentlich das fehlende Geld nehmen soll. Da die Zttt drängt, denn der Etat muß in diesen Tagen in Druck gehen, ist Elle am Platze. Wie wir erfahren, wird deshalb das Reichskabinett in Kürz« dazu endgültig Stel­lung nehmen.

Aus aller Wett.

Panik bei einer Schülerlnuenvorführrmg.

Bei der Vorführung des Lutherfilms, zu dem sich sämtliche Klassen des Kasseler Oberlyzeums eingefunden hatten, fing der Film nach dem ersten Akt Feuer. Durch den Feuerschein wurden die 600 anwesenden Schülerinnen in Helle Aufregung ver­setzt. Wildes Rennen von den Galerien unb Rängen nach den Ausgängen setzte ein, wobei eine Anzahl Schülerinnen zu Boden geworfen und leicht verletzt wurde. Nur dem besonnenen Eingrei­fen der anwesenden Lehrer gelang es, Schlimmeres zu verhüten. Der Operateur erlitt schwere Brand­wunden.

Tödlicher Jagdunfall.

Btt der vom Iagdvennklub Leipzig im Muldengelände bei G.imma veranstalttten $ar> forcejagd hat sich ein tödlicher ^Inglücks'all zugetragen. Die bekannte Turnierreiterin F au Stock aus Leipzig stürzte auf brr Wiese am Eingang des Ri.nbschmec Fußwegs vorn Pferd. Eie ritt ein junges Pferd, daS sie abwarf. 'Bei dem Sturz ist Frau Stock jedenfalls auch von dem Hufschlag eines anbeien Pferdes g21.-offen worden, so daß sie mit einem doppelten Schä delbruch in das Grimmaer Krause h us eingeliesert werden mußte, wo sie nach einigen Stunden starb.

Meineidsoerfahren gegen Buchrucker.

21 u f Antrag des Reichswehrmini st e- r i u m s ist gegen Major Buchrucker die Einlei­tung eines Verfahrens wegen Abgabe einer falschen Erklärung unter Eid erfolgt. Es handelt sich um die Frage, ob die Truppenzusnrnmenziehun- gen bei Berlin im September 1923 m 11 oder ohne Wissen des Wehrkreiskom­mando s erfolgt feien. Major Buchrucker erklärte im Stettiner Fememord-Prozeß, daß nach seiner An­sicht das Wehrkreiskommando darum aewuht habe, während der Vertreter des Rcichswehrministe- riums, Oberst von Hammerstein, dies bestritt und erhärte, daß Major Buchrucker das Wehrkreiskom­mando hintergangen und gefälschte Gestellungs­befehle ausgegeben habe.

Zweite Kirschen- und Kartoffelernte in den Llbmarschen.

Die über öem Durchschnitt liegenden Tempera­turen und die linden Herb st nächte haben in diesem Jahre in vielen Gegenden «ine zweit« Baumblüte hervorgebracht. So hat ein Dauer in Borstel bei Achim in die'en Tagen eine zweiteKirschenernteh« ein gebracht Di« neuen Früchte sind ein wenig kleiner di« der ersten Ernte. Ein Gartenbesitzer hat sogar eine zwttte Kartoffelernte erzielt. Er pflanzte nach Qlbemtung feiner Frühkartoffeln sofort neue Pflanzkartofseln alter Ernt«. Knollen der neuen Pflanzung gleichen denen bet ersten an Geschmack und Größe vollkommen.

Die Metterlaae.

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AZettcrvo .uvsage.

Unter Biscaya erstreckt sich in nordösllicher Rich- tund Über Frankreich und Deutschland das Druck­fallgebiet, in dessen Bereich vielfach nebeliwwolkigeS Wetter herrscht und weiterhin einzelne Regenfälle ouftreten. Der Hobe Luftdruck im Norden ist mit seinem barometrischen Maximum nach Skandinavien gewandert, obwohl das gesamte Hochdruckgebiet noch an Ausdehnung gewonnen hat. Seine Kaltluft dürste auch in unserem Gebiet unter Luftdruckanstieg ein Nachlassen der Niederschläge Hervorrufen und zur Durchbrechung der Wolkendecke führen. Ferner bringt sie weitere Tempcraturrückaänge, der sogar nachts stellenweise leichte Frostgefahr verursachen dürste.

Wettervoraussage für Samstag: Nebelig-wolkiges Wetter mit Aufheiterung, Tempe­raturen weiter finkend, nachts vielfach um Null, nur vereinzelte Niederschläge.

Wttterungsaussichten für Sonntag: Mellt trocken und vielfach stärker aufheiternoe» Wetter, Temperaturen wenig oerändett.

Lufttemperaturen am 1. November: mittags 10,2 Grad Celsius, abends 9,4 Grad Celsius; am 2. Nov.: morgens 9,8 Grad Celsius. Marimum 10,4 Grad Cel­sius Minimum 9,2 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 1. November: abends 8,8 Grad Celsius; am 2. November: morgens 8,7 Grad Celsius. Nie­derschlag 5,1 Millimeter.