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Aus der Pwvinzialhaupistadi.

Gießen, den 2. Rovember 1928.

Das Schielen der Kinder.

Äon Or. Ilaschenträger, Augenarzt.

Die Blickrichtungen beider Dugem beim Ge­sunden sind parallel tote die Echrinwerser eines Autos; wenn ein Auge sich nach der rechten Seite dreht, macht ganz automatisch das andere Qluge die Dlickbewegung mit. Uete cf reuten sich aber die Sehrichtu.lgen beider Qlugen in Form eines groben lateinichen X bet Dllck geradenus, dann schaut ein Qhige nach innen Mir Olafe, während das andere geradeaus ger.chtet ist, ein Auge schielt dann, es steht schief. Otudattiger Blick- wech'el tritt beim Schielauge ein, nicht aus das Kon.mandoAuaen geradeaus", sondern bei wech­selndem Verdecken ball) des einen, bald des anderen Auges, wobei immer ein Punkt ge­radeaus angeftarrt werden mutz. Wenn man teine eigene Rasenfvttze betrachtet, so schieben beide Augen nicht, denn beide Augen arbeiten zusammen, während das schielende Auge die De- wsgungen des anderen Auges fast so wenig mitmacht. wir ein GlaSauge.

Das Lchtelen tritt in den frühesten Lebens­jahren aut, am meisten nach Kinderkrankheiten, Masern, Scharlach, deutlich bemerkbar ist es nach Ermüdungen, nach seelischen Gleichgewichtsstörun­gen, z. S. Aerger, Zorn: eine gewisse nervöse Veranlagung ist mit dorn Schielen vererbt. Bet den Linkshändern schielt nicht das linke füh­rende Auge, sondern daS rechte. Die Ursache des Schielees liegt in hoher Uebersichtigkeit. Cin solches Auge muh dauernd seinen Muskel- appavat zu stari anspannen, sowohl den für die tote Gummi elastische Linse zum scharfen Ein- ftellen für die Ferne ein gesundes Auge ist tote ein Photoapparat für die Ferne bereits ein­gestellt als auch den des Augapfels, der daS Auge Mir Aase dreht, wie es beim Aabelesen notwendig ist. Die erste Hilfe für das Schielen ist eine Drill« mit Plusgläsern, die bei genauer Anpassung das Schieten zum Schwinden bringen. 2n den meisten Fällen sind die Augenmus­keln nicht im Gleichgewicht, es fehlt das Streben des beidäugigen Sehens, auch hier kann der Fehler mit einer Drille, diesmal mit Prismengläsern, ausgeglichen werden.

Immer soll man bei schielenden Kindern in den ersten Lebensjahren, angefangen mit dem 4. Le­bensjahre, mit einer Drille versuchen, den Schön- -leitSseh^er zu beseitigen. Gelingt es nicht, dann fann man vom 10. Lebensjahve an durch eine Operation, Abchneiten des Schielmuskels vom Augapfel nach Kofainbetäubung der Schleimhaut den Fehler beheben. Früher ist ste nicht not­wendig, denn im Lauf« des Wachs bums ändert sich das Schieten. Zum Operieren ist es nie zu spät. Die Schieloperation ist eine reine kos- metischr Operation, wenn ein Auge sehschwach ist. denn durch die Operation wird das Auge kein besseres Sehen erlangen, nur bei beider­seitigem guten Sehen wird durch die Operation rin Zusammenarbeiten beider Augen erleichert. Di« Cchieloperation ist der letzte Versuch, wenn alte anderen Hilfsmittel, Drille, Sehübungen mit Stereoskop, Atropin-Einträufelungen ver­sagen. Auch ist die Operation nicht so toitffam, daß die Vererbung beim Schielen nicht mehr stattfindet. Die Dehandlung eines sehschwachen, ost praktisch blinden Schielauges ist möglich und <4 gelingt, daS Auge wieder sehtüchtig zu ma­chen, doch steht di« notwendige Geduld und Energie In keinem Verhältnis zu dem geringen Grfolg. Durch tägliches Verbinden des s-rh- tLchtigen Auges kann man durch monatelanges Ueben biS zu einem Jahr daS schlechte Auge zum Sehen erziehen, die Sehschärfe bessern und ztoar je früher der Versuch am kindlichen Auge gemacht wird, desto besser. Die Destimmung der jeweiligen Dehandlung des Schielauges (Plus­gläser, Prismengläser, S.-Hübungen. Operationen) kann nur von einem Fachmann getroffen werden. Da das Auge im Dau einem exakt ausgearbei­teten optischen Instrument gteichkommt, wenn e-s in der Leistung auch die menschliche Technik übertrifft, sv läßt sich ebenfalls an optischen Apparaten bei Unter.'uch.mg des Auges aufs genaueste z. B. die Stärke eines notwendigen Brillenglases abtesen. Weil aber der mensch­liche Körper keine Maschine ist und das Auge nicht jedes Glas verträgt, vermag die hoch- entwickelte Technik nicht den Augenarzt durch einen bis ins feinste berechneten optischen Appa­rat zu ersetzen.

Aufklärung.

Äon Hans Schrader, Köln.

Wirksam für sein Geschäft oder seine Ware zu werben, ist eine Kunst, freilich, aber diese Kunst doch nicht so schwer, tote es vielleicht scheinen mag. Man muß nur einmal den richtigen Grund- q-tbanten haben. Man vergegenwärtige sich also Me Situation:

Jeder Mensch bedarf heute zu einer vernünf­tigen Lebensfüyrung unzählig viele Dinge. Was offen wir von den Dingen, die wir gebrauchen? Das toiffen wir von dem 'Bett, in dem wir schla- fan, von drm Stuhl, auf dem wir sitzen, von der Kabel, vom Messer, vom Löffel, womit wir eisen, von dem Ofen, der uns wärmt?

Im allgemeinen wird es unS gar nicht be» Duht, tote wenig Kenntnis wir von den Dingen fabtn. die uns täglich umgeben. Wozu auch? Wir haben soviel damit zu tun, unsere tägliche Berufsarbeit mit der notwendigen Sorgfalt zu erfüllen, und all die Dinge, die dazu gehören, p studieren und tin Kopfe zu behalten, daß wir i-iS wirklich nicht damit. beschäftigen können □lange wir es nicht nötig haben auch noch Befen und Werdegang all der Sachen zu er» orschen, da als Hilfsmittel unser Dasein auf )<r Höhe moderner Menschen halten.

Aber es wird mit einem Schlage anders, wenn l D. der Teller, der mir seit Jahren in schweig- amen Dienst die Suppe kredenzte, auf einmal erbricht, und wenn ich vor die Frage gestellt Odrde: Welchen Teller soll ich mir jetzt kaufen? ^öelche Demalung soll er haben? Soll er aus Uvrzellan oder Steingut sein? Was ist über- H aupt Porzellan oder Steingut? Rur eine Preis- tnfterenj? Wieviel von meinem Einkommen darf ici für diesen Teller ausgeben, ohne meine son- ft gen Bedürfnisse zu schädigen? usw. Eine Weir vwn Fragen bestürmt den armen Menschen. Unb ö« jeden Tag irgendeine andere dieser Selbst- Verständlichkeiten morgen ist es der Ofen, übermorgen der Stuhl, der Tisch, der Löffel, otr Gabel, der Anzug, die Schuhe den Weg Ees Lydischen wandert, so tritt jeden Tag eine neue Welt von Fragen auf, die man nur ge- nühlsmähig lösen kann, toeil kein Mensch ge-

50 Ähre Obechessischer Verein für Änere Mission.

Wie schon kurz nritgeteilt, feiert der Ober­hessische Vereinfür Innere Miss io n am Dienstag und Mittwoch, 6. und 7. November, [ein fünfzigjähriges Bestehen, verbun­den mit der Jahresversammlung des Hessischen Landesvereins sür ärmere Mission und des Lan­desverbandes für Innere Mission in Hessen. An­gesichts dieses Jubiläums eines Vereins, der ein halbes Jahrhundert in grobem Segen für unsere oberhessische Heimat gewirkt hat, dürfte eS an­gebracht fein, einen kurzen Rückblick auf feine Geschichte zu werfen, die mit der Geschichte der Inneren Mission in ganz Hessen eng verknüpft ist.

Die Innere Mission ist bei uns in Hessen schon lange daheim. Kurz nach jenem denkwürdigen Kirchentage des Jahres 1848, auf dem Wiche rn zur Arbeit in der Inneren Mission auf rief, wurde im selben Jahre auf dem ersten hessischen Missionsfest in Oppenheim a. Rh. in der Katha- rinenkirche auch ein kräftiges Zeugnis für das Werk der Inneren Mission abgelegt. Bereits im folgenden Jahre, am 17. April 1849, schlossen sich etwa 40 Geistliche unser s Landes zur so­genanntenGandhofskonferenz" in Frank­furt a.M. zusammen und gründeten einen Ge­samtverein für äußere und innere Mission im G r o ß h e r z o g t u m Hessen. Bei einem ihrer größeren Misstonsfeste (in Ar- heiligen 1852) lassen sich schon die Anfänge einer Südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission feststellen, indem Württemberg und Baden an die hessischen Brüder heranrücken. Üleberall und auf den verschiedenst n Gebieten schufen einzelne, vom christlichen Geist der Liebe erfaßte Männer in den 40er und.50er Jahren Werke der Inneren Mission. So sorgt der bekannte .Dliinden-Schäser" für die Taubstummen und Blinden und gründet 1850 die Blindenanstalt in Friedberg als eine Anstalt evangelisch-lu h risHer Konfession, die feit 1879 staatlich geleitet wird. Schäfer hat auch die erste Anregung zur Gründung des ersten hesfischenRettunqshauses g eten, das 1847 in Arnsburg entstand. 1851 folgte das Rettungshaus zu Hähnlein in Starkenburg, 1852 das zu Jugenheim in Rheinhessen. Im Jahre 1850 entstand der erste hessische Iüngllngsverem in Darmstadt. Das Jahr 1858 ist das Geburtsjahr des Diakonissenhauses Elisabeths n- st i f t in Darmstadt. Ihren Brenn- und Sammel­punkt fanden alle diese Sinzelbestrebungen in der »Südwe st deutschen Konferenz für Innere Mission", die im Jahre 1865 ge­gründet wurde und der sich schließlich sechs Lan­desverbände anschlossen: Württemberg. Dcteen, Großherzogtum Hessen, die Pfalz, Frankfurt- Wiesbaden und Elsaß-Lothringen. Aus dem Hes­sischen Ausschuß dieser Südwestdeutschen Kon­ferenz für Inneve Mission heraus entstand im Jahre 1878 der »Oberhessische Verein für Innere Mission, der sich zunächst Verein für Innere Mission für Gießen und

älmgegend" nannte Er hatte sich dieselben Ziele gesteckt wie die Südwestdeutsche Konferenz für Innere Mission, und zwar im freien Anschluß an dieselbe: sein Schriftführer. Pfarrer Schlos- s e r (Gießen), wurde in den Ä>rstand der Süd- westdeutschen Konferenz für Innere Mission be­rufen.

Es würde zu weit führen, wollte man hn ein­zelnen die Arbeit verfolgen, die der Oberhessische Verein für Innere Mission in dm 50 Jahren seines Bestehens geleistet hat. Es sei nur auf die Werke Hingewi äsen, die ihm ihre Entstehung verdanken, bzw. die er fördert und betreut Da ist zunächst das Rettungshaus in Arns- bu r g, das so manchem verwahrlosten und ge­fährdeten Mädchen schon eine wirkliche Rettung und ein Heim geworden ist. Weiter ist da das Elisabeth-HauS in Dad-Rauheim, das, unter der ausopfernden Fürsorge des Kir­chenrats Wissig zur Blüte gelangt, jetzt unter selbständiger Verwaltung auf eigenen Fußen steht. Ferner ist ebenfalls in Dad-Rauhnm das Eleonoren-Hospiz zu nennen, das auf Anlaß von Pst Ter Schlosser (Gießen) ins Leben gerufen, sich jetzt auch selbst erhält, und von dem der Oberhessische Verein für Innere Missten noch Mitbesitzer ist. Allgemein bekannt ist die trefflich eingerichtete und geleitete Her­berge zur Heimat inGießen. zu der jetzt auch noch die Herberge in Friedberg ge­kommen ist. Diese hatte im Kriege ihren Betrieb einstellen müssen und ist vor kurzem durch den Oberhessischen Verein für Innere Mission von der evangelischen Gemeinde Friedberg käuflich übernommen worden. Sie wird nach notwendigen Wiederherstollungsarbriten in wenigen Wochen den Betrieb unter der bewährten Leitung des früheren Hausvaters eröffnen. Es sei noch hin­gewiesen auf ein Merk der Inneren Mission, das zwar nicht vom Oberhessischen Verein ausgeht, sondern ein, Werk des Landes Vereins, verbunden mit dem Elisabethenst'.ft in Darmstadt ist, aber in unserem Oberhessen liegt und sehr segensreich zu werden verspricht. Das ist das Fürsorge- Heim für schulentlassene Mädchen In der Glauburg bei Rieder-Erlenbach, das vor kurzem eingeweiht wurde. Blicken wir noch auf die K 1 e i n k i n d e r s ch u l e n, die im Laufe der letzten 50 Jahre in unserem Oberhessen entstanden sind, uttd auf die Krankenhäuser, die die oberhessischen Standesherrn hx Büdingen, Lich. Laubach, Schlitz und Lauterbach ins Leben gerufen haben unb zum Teil heute noch tatEräftig unterstützen, denken wir weiter auch an die staat­liche Wohlfahrtspflege und ihre Einrichtungen in den letzten Jahren, so müssen wir dankbar an­erkennen. daß der Geist tätiger Bruderliebe den der Oberhessische Verein für Innere Mission durch 50 Jahre hin eifrig gehegt und gepflegt hat, unserem Lande reichen Segen gebracht hat.

nügend Fachkenntnisse besitzt, um alle diese Käufe ganz objeltiö au vollziehen.

Wir sind also gezwungen, mehr oder weniger gefühlsmüßig einzukaufen unb dieser Zwang flößt uns allen beim Einkauf jenes bekannte Ünluft- gefühl ein, welches man allgemein mit Miß­trauen bezeichnet. Denn bei jedem Einkauf fin­den wir uns Leuten gegenüber, die jahrelang den Qlrtilei studieren und verkaufen, der für uns nur einer von den vielen ist, die wir gebrauchen. Der Verkäufer ist der Fachmann und wir sind die Laien.

Jeder Kaufmann fjat daS größte Interesse daran, dieses natürliche Mißtrauen zu befei- tigen. Hierfür gibt es ein ganz ausgezeichnetes Mittel: Aufklärung. Wo sollen wir Laien bei einem Einkauf uns Rat holen, wenn nicht bet Ihnen, der Die doch Fachmann sind? Da es jeden Tag wieder andere Menschen sind, die ge­rade Ihren Arttkel benötigen, so brauchen Sie auch nicht jeden Tag etwas ganz Neues zu sagen. Wenn Sie mit der Art der Darstellung etwas abwechseln. um den verschiedenen Tempera­menten gerecht zu werden, so genügt das voll­kommen.

Ich will Ihnen eine Bezugsquelle für gute Anzeigentexte verraten: Lassen Sie in Ihrem Geschäft täglich alle Frage der Kundschaft no­tieren, und beantworten Sie diese Fragen sach­lich und in schlichter S rache durch Zeitungs­anzeigen. Diese Anzeigen werden bet den Le­sern immer auf großes Interesse stoßen. Der Tip ist gut! Versuchen Sie'S einmal.

£offerietofe pünktlich bezahlen!

Daß es ratfam ist, Lotterielose immer rechtzeitig zu bezahlen, lehrt ein interessanter Fall, der zwar zugunsten des Lotteriespielers entschieden ist, aber dennoch erkennen läßt, auf welchen besonders un­sicheren Grund derjenige sein Glück baut, der jahre­lang in der Lotterie spielt und die Lose nicht vor­schriftsmäßig bezahlt.

_ Kläger spielte bei einem Loterieeinnehmer In Schmiedefeld (Thürinaen) zwei Achtellose der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie. Die Ziehung der 5. Klaffe begann am 5. August 1926; aber erst am 13. 21 u g u ft 1926 bezahlte Kläger die Lose da­durch, daß er das Geld für die Lose in einem Briefe einsandte. Das Los Nr. 223 243 wurde am 3. September 1926, dem letzten Ziehungstage, m i t 3 000 Mark und einer Prämie von 500 000 Mark gezogen. Aks Kläger die Auszah­lung des Gewinns verlangte und das Los einfanbte, verweigerte der Lotterieeinnehmer die Auszahlung des Gewinns, weil der Kläger im Gegensatz zu den Bestimmungen des Loterieplanes das Los nicht an dem letzten zulässigen Tage, dem 4. August 1926, bezahlt habe.

Landgericht Meiningen unb Ober - landesgericht Jena erkannten den An­spruch des Klägers auf Auszahlung des Gewinns als berechtigt an. Das Reichs- geriet ist jetzt dem Oberlandesgericht beigetreten und hat ebenso zugunsten des glücklichen Lotteriespielers entschieden. In den reichs­gerichtlichen Entscheidungsgründen wird zunächst ausgeführt, daß die Klage mit Recht gegen den Lotterieeinnehmer erhoben worden ist, da der Ge­winn von der Loteriedirektion an diesen ausbezahlt wurde. Obgleich nun der Kläger die Planvorschrif­ten verletzt haoe, so sei doch mit dem Oberlandes­gericht anzunehmsn, daß der L o 11 e r i e e in­ne h m e r sich st i 11 s ch w e i g e n d mit der Erneue­rung des Loses nach Eingang des Geldes ein­verstanden erklärt habe. Denn er habe erst am 3. September der am 13. August erfolgten Zahlung widersprochen. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn er der verspäteten Zahlung sofort wider­sprochen hätte. Eine besondere Annahmeerklärung

des Beklagten war nicht notig, da der Kläger, der das Los in Händen hatte, durch Einsendung des Geldes auf die Annahmeerklärung des Kaufs ver­zichtete.

Laten für Samstag, 3. November 1928.

Sonnenaufgang 6.56 Uhr, Sonnenuntergang 16.30 Uhr. Mondaufgang 21.13 Uhr, Monduntergang 13.32 Uhr.

1500: der italienische Goldschmied unb Bildhauer Benvenuto Cellini in Florenz geboren; 1802: der Buchhändler Karl Baedeker in Essen geboren; 1871: der Schriftsteller Hans Heinz Ewers in Düssel­dorf geboren.

Dorrrotizen.

TageSkalender für Freitag. Stadtthrnter:Richard HL, Anf. lOVe. Ende 227a Evangelischer Bund: Luther "Abend,

in der Iohannesrirchr. 8 älhr. Lichtspiechaus, Bahnhofstraße:Mary Lou'. Astoria-Licht­spiele:Der Löwe des Hafenviertels^.

Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt­theaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend, 7.30 Uhr, findet eine Aufführung von Shakespeares Richard 111." statt. Sonntag, 4. November, Gast­spiel des Neuen Operettentheaters, Frankfurt,Liebe und Trompetenblafen". Die Intendanz weist aus­drücklich darauf hin, daß die Operetten, die Sonntags erstmalig herauskommen, nicht durch das Abonne­ment gehen. Die Vorstcllung beginnt um 18 Uhr.

Vom Konzertverein werden rpir ge­beten, darauf hinzuweifen, daß das Szigeti- Konzert am Sonntag, 4. November, bereits nach­mittags um 4.30 Uhr beginnt. Es soll damit gründ- sätzlich nichts an der besherigen, durch langjährigen Gebrauch eingebürgerten und in Rücksicht auf aus­wärtige Besucher gebotenen Einrichtung geändert werden, nach welcher die Konzerte erst um 5 Uhr an- Anfängen pflegen. Es handett sich vielmehr um einen Ausnahmefall und um Erfüllung einer Bitte des Künstlers, der anberroeitiaer Verpflichtungen halber sofort nach Beendigung des etwas früher gelegten Konzertes von Gießen abreifen muß.

Evangelischer Bund. Man schreibt uns: Für den Luther-Abend in der Iohannes- kirche, der h eu te stattsindet, zeigt sich ein erfreu­liches Interesse in der evangelischen Bevölkerung der S adt. Mit Recht! Denn ein Weihe-Abend von Gustas H i l d e b r a n t ist, tote wir von früheren Veranstaltungen toiffen, kein alltägliches Ereignis, sondern ein tiefgreifender Genuß, eine Stunde reiner Weihe religiöser Grienntnis und künstlerischen Erlebens; er vermittelt den Hörern Werte von bleibender Bedeutung. Diesmal hat Hildebrant sich denReformator" von Bar­tels auserfehen, der überall den stärksten Eindruck gemacht hat und der durch Stücke aus Kohdes W i 11 e nbc r gisch Rach t i ga l l" abgerun­det wird. Daß zwei Tage nach dem Refor- mativnsfest der Evangelische Bund eine Refor- mationsseier veranstaltet, bedarf keiner Begrün­dung; daß unter den großen Männern unserer Geschichte, bei denen unsre Zeit antnüpfen muh, Luther mit an erster Stelle steht, ist un­bestritten. An seinem Geiste und seiner Glaubens­kraft kann eine gesunkene, kraftlos gewordene Welt sich wieder aufrichten.

Volkshochschule. Die Intereffenten des KursesWeltanschauungsfragen" (Pros. Messer) roeroen auf die Anzeige in der heutigen Nummer hingemiesen.

Deutscher Sprachverein. Am Montag, 5. November, abends 8.30 Uhr spricht Professor Dr. Götze im Deutschen Sprachverein über die mittel­hochdeutsch« Schriftsprache. Gäste sind willkommen. (Hörsaal des Geographischen Instituts, Brand- platz 411). Man beachte die gestrige Anzeige.

Der Gießener Radfahrer-Verein 18 8 5 veranstattet morgen, Samstag, abend in der

Turnhalle am Oswaldsgarien fein Winterfest Set Verein wird dabei mit ausgezeichneten radsportliche» SHuführungen aufwarten. Zur MUwirkuna bei dem sportlichen Teil sind hervorragende Meistersahrer ge­wonnen worden. Auch die Mannschaften des Vereine werden vortreffliche Leistungen zeigen.

Das Auge d e r W e l t , die Bühne für Kunst und Leben im Film, veranstaltet ihr erstes Gastspiel mit dem ersten deutschen Querschntttstlm Henny Porten", Leben und Laufbahn einer Filmkünstlerin, im Zusammenspiel mit fast allen bedeutenden Filmkünstlern, am Samstagabend und Sonntagoormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraß,» Näheres Im Anzeigenteil.

* Dis erste i eierlich« Immatrikv- lation findet morgen, Samstag, mittag 12 Ufrn im Großen Hörsaal des älniverfttätSg^bäudeM statt.

* Besichtigung unseres Kremato­riums. Morgen nachmittag 4 älhr faxtet bte letzte Führung in diesem Jahr durch die Anlage des hiesigen Krematoriums statt. Da die Be­sichtigung im Oktober eine große Zahl von An­hängern der Feuerb.stattOng vereinigte, ist auch morgen wohl guter Besuch zu erwarten. Die Be­sichtigung ift kostenlos und beginnt pünktlich 4 Llhr. Siehe heutige Anzeige.

** Gin falscher Kriminalbeamter. Wie der heutige Polizeibericht mittcllt, erschien am 26. Ok­tober in einem hiesigen Uhrmacherladen und in einer Wirtschaft ein fremder Mann, der sich in einem Falle als Schutzpolizeibeamter ausgab, im andern Falle sich als Kriminalbeamter bezeichnete. Der Mann ist etwa 1,65 Meter groß, hat blondes Haar, frffche» Gesicht und trug eine Mütze und Autpfchugbrille. Falls er hier nochmals auftreten sollte, möge man seine Festnahme sofort veranlassen.

** Wieder ausgefunoen. Die vor einigen Tagen im Polizeibericht als vermißt gemeldete 17jährige MargareteWieth von Heer tourte infolge der Mitteilung durch die Presse von ter Butzbacher Schutzpolizei auf der Kirmes in ®rit­tet ermittelt und zunächst in S^utzhist genommen. Das Mädchen tourte bann vom Vater nachhausO- geholt.

* AufgeklärteKellereinbrüch«. Der heutige Polizeibericht meldet: In letzter Zait trieb ein Einbrecher in unserer Stadt fern Hn» wesen. Bei mehreren Keliereinbrüchen stahl et eingelegte Eier samt den Töp en, ferner Würste. Speckseven und Butter. Der Kriminalpolizei ge­lang es gestern frühmorgens, den.er in seiner Wohnung zu {teilen. Eme sofortige Durchsuchung brachte eme Anzahl Würste, sowie die gestohlen«« Eiertöpse und Dauerware heraus, die von ten Geschädigten als ihr Eigentum anerkannt wurde«. Ferner fand man noch 50 Schlüssel aller Größen, die als Einbrecher-Werlzeug anzusehen sind. Sichergestellt wurden ein Schinken, übet dessen Herkunst noch nichts bekannt ist, ein Stück dicke Schinkenwurst und eine Flasche Malaga, ferner eine braune Kiste, in der sich allerlei Werkzeuge (iAlemmeisen, Steinmeißel mit dem Zeichen H. K. und zwei Hobel, sowie ein neues Zweimelermah) befanden. Dermullich stammen diese Sachen zum Teil aus früheren Bauhütteneinbrüchen. Sach­dienliche Mittellungem die zur Aufklärung ter Diebstähle geeignet sind, nimmt die Krimincch» Polizei entgegen.

* A u s der Straße gestorben. Am Mitt­wochabend wurde in der Wilhelmstraße eine Frau auf der Straße liegend aufgefunden. Die Bedauerns­werte wurde sofort mittels Auto» nach der Klinik verbracht, wo aber nur der Tod durch Herzschlag fest- gestellt werden konnte.

** Scheuende Pferde oerursacbten gestern vormittag in der Ludwigstraße einen Unglücksfall, bei dem ein Straßenwärter von den rasenden Tieren überrannt wurde, zum Glück aber mit leichteren Ver­letzungen davonkam. Dr. med. Knauf leistete dem Verletzten die erste Hilfe. Dem tatkräftigen Eingreifen eines Polizeiwachtmeisters gelang es, die Pferde bald zu stellen und weiteres Unheil zu verhüten. Da» Fuhrwerk stammte aus Wieseck.

"Hessischer Handwerkertag. Hes­sische Handtoeris- und Getoerbc-Verbcmd hält am 10. und 11. Rovember seine diesjährige Tagung in Offenbach a. M. ab. Am 10. Rovember wirb die Tagung des LandesausschusseS ftattfinten, in ter vor allem Wahlen vorgenommen toecten sollen. Am 11. Rovember wird die Hauptver­sammlung abgehalten, in der ter Vorsitzende Rohl (Darmstadt) den Jahresbericht erstatten wird. Anschlich.n) so.gen Referate des Land;agS- abgeordncteir La Utenbacher über Alters- sürsorge für das Handtoeri" und des Handtoerks- kammerd.rektors Schüttler (Darmstadt) über ten heutigen Stand ter das Handwerk berühren­den Gesetzesvorlagen.

** Eine Verkaufsausstellung von Ge­mälden findet zur Zeit, bis einschließlich Samstag, im Hotel Schutz statt. Es handelt sich um eine Wan­derausstellung Münchner und Düsseldorfer Künstler der älteren akademischen Richtung, die zusammen etwa hundert Gemälde vorführen, sämtlich zu ange­messenen Preisen oerläuflich. Man findet hier haupt­sächlich Landschaften, See-, Tier- und Jagdftucke, einige Stilleben und Genrebilder von Malern wie Schüchting (jetzt in Berlin), Müller-Kämpf, Walch, Schubert, Berger, Zimmermann. Liptai, Wolf, Holz, Lindemann, Prager und Prüssen. Leider sind die Raum- und Beleuchtungsoerhältnisse im Ausstel- lungssaal nicht besonders günstig. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt ge­öffnet. (Siehe Anzeige.)

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