aus einem Dachbarort stammendes Ehepaar und gegen eine verheiratete Frau aus dem gleichen Ort wegen Abtreibung, bzw. Beihilfe dazu statt. Das Gericht sah einen schlüssigen Beweis für die Schuld der Angeklagten nicht für geführt an und sprach sämtliche Ange- klagten frei.
Ein Zuchthausgefangener, der aus einem bayrischen Zuchthaus entwichen war, kam auf feiner Flucht in die hiesige Gegend, wo er sich in Lehrbach unter einem falschen Damen alS Schweizer verdingte und mehrere Monate arbeitete. Hier machte er bei einer Reihe von Gewerbetreibenden Schulden, denen er haltlose Versprechungen gab. Bei einem verstand er es sogar, ein Fahrrad zu erschwindeln, auf dem er bann andern Tages fluchtig ging. Wegen Rückfallsbetrugs wurde er zu 6 Mo- naten Gefängnis verurteilt.
Wirtschaft.
Oie wirtschaftliche Lage des deutschen Handwerks im Zuli.
Dom Reichsverband des deutschen Handwerks wird uns geschrieben: Rach den eingelaufenen Berichten war die wirtschaftliche Loge des Handwerks während der Berichtszeit nicht einheitlich zu beurteilen. Während einige Kammern berichten, dost ein Stillstand bzw. sogar eine Verschlechterung des Geschäftsganges in den meisten Handwerken cingetreten ist, hat sich in anderen Kam- merbezirken die Wirtschaftslage gegenüber den Vormonaten günstig entwickelt. Dor allem trifft dies für das Baugewerbe in den Orten zu, in denen die HouszinSsteuermittel bzw. Hypotheken zur Verfügung gestellt find, während in anderen Orten die anhaltende Kapitalknappheit, das Ausbleiben der Mittel zur Finanzierung des Wohnungsbaues das Aufleben der Geschäftstätigkeit im Baugewerbe in dem gewünschten LImfange verhinderten. Bedingt durch die Hebung der Lage im Bouhauptgewerbe. sowie nicht zuletzt auch durch die günstigen Witterungsverhältnisse der letzten Wochen waren auch die Baunebengewerbe zum Teil gut beschäftigt, und zwar gilt dies besonders für die Tischler, Maler, Glaser, Klempner und Schlosser. 3n einigen Gewerbezweigen hat auch die große Hitze der vergangenen Wochen den Auftragsbestand günstig beeinflußt; der Reiseverkehr hat dagegen in den meisten Handwerkszweigen hemmend gewirkt. Lediglich dos Schuh- macherhandw^rk, das Sat lerhandwrrk sowie das Konditorhondwerk in Badeorten haben hiervon profitiert. 3n den Bekleidungsgewerben ist eine Verringerung des Beschäftigungsgrades zu verzeichnen, da das schöne Sommerwetter zu spät eintrat, um noch auf den Absatz des Schneider- Handwerks für die Reifezeit in erheblichem Umfange belebend einzuwirken. Jahreszeitlich bedingt sind gewisse Einlagerungen und Veränderungen des Absatzes im Rohrungsmittelgewerbe. So war der Umsatz des Bäcker- und Konditoren Handwerks während der Reisezeit zugunsten der Betriebe in den Badeorten verschoben, 3m Schachterhondwerk ging, wie stets mit Eintritt des wärmeren Wetters, der Absatz erheblich zurück.
Auf dem Londe blieb der Beschäftigungsgrad bei weitem hinter dem der Städte zurück. Die Belebung fr>r Bonwirtschaft hielt sich mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage der Landwirt- scholt in lehr engen Grenzen. Rur die Hand- werksberuse, die für Repa rat'.« rarbeiten an landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen in Frage kommen, waren überwiegend besser beschäftigt.
I Soweit eine Auftragsbesserung cintrot, ist diese durchweg als eine rein mengenmäßige anzusehen: f die Preisgestaltung blieb ungünstig. Die Geldverhältnisse beim Handwerk haben sich ständig ' verschlechtert und die Bildung neuen Betriebskapitals wird erschwer». Re.'e Lohnsteigerungen sind im allgemeinen nickt mehr eingetreten.
* Argentinischer Millionenauftrag für ein hessisches Llnternehmen. Die Gvonitwerke Ruth und Reimuth G. m. b. H, in Heppenheim und Hemsbach sind zur Zeit mit der Ausführung eines Millionenauftrags der argen- tmifchen Regierung beschäftigt. Gs handelt sich dabei um die Aus^ühruna des Denkmals ..Riva- davia". Dieses Denkmal wird zu Ehren des ersten Präsiden! en der argentinischen Republik, Divadovio, errichtet Die Größe des Denkmals ist 20x14 Mete'- Grundftäch?. Die Höhe beträgt 8 Meter. Der Gesamtbedarf an Wertste nen beziffert sich auf 450 Kubikmeter. Das Material besteht aus rötlichem Granit. Die Architektur ist sehr reich und mit vielen Bildhauerorbeiten versehen. 3n Granit wurde bis heute eine solch reiche Arbeit noch nicht zur Aussührnng gebracht. Abgeliefert sind bis heute fünf Schiffsladungen
mit rund 325 Kubikmeter. Die restliche Menge wird bis September zuti Versand gebracht.
* Der nachgelassene Besitz Löwen, st e i n s a n W e r t p a p i e r en. Nach Mitteilung der Bankfirma Wouters beträgt der Staufroert der elektrischen Beteiligung der Löwenfteinschen Hydro- elcctric Securities 42 347 453 Dollar mit einem Bär- senwert von 42 600 000 Dollar. Hierunter sind 2 759 200 Dollar andere Aktiva und die von verschiedenen Gesellschaften verteilten Bondsaktien nicht mit eingerechnet. An Dividenden für die Zeit von Mai 1927 bis Mai 1928 erhielt die Hydroelectric 2,3 Millionen Dollar netto oder 5,5 v. H. des Kaufpreises. Diese Dividenden würden, nach Erklärung der Bankfirma, voraussichtlich in Zukunft weiter zu- nehmen und eine höhere Verzinsung sichern, so daß der jetzige Börsenkurs niedrig erscheine. Die Holding- Gesellschaft werde weiter im Geiste Löwensteins ver- waltet.
• Frachtermäßigung für 3. G. -Den- zin. Mit Wirkung vom 1. August 1928 wird der Ausnahmetarif 14d für künstliches Benzin, wonach deren Fracht statt noch Klasse A nach Klasse D berechnet wird, auf über 100 weitere Stationen der Deutschen Reichsbahn ausgedehnt Werdern Daraus kann man also schließen, daß das Leuna-Werk der 3. G. Farben in der Lage ist, ihre Belieferung erheblich auszudehnen. Das stimmt auch mit den seinerzeitigen Mitteilungen des Geheimrats Bosch in der H. V. der 3. G. Farben überein, der erklärte, daß vom Herbst 1927 an synthetisches Benzin in steigenden Mengen auf den Markt gebracht und daß Ende 1928 die vorgesehene Kapazität von 100 000 Tonnen erreicht sein würde.
* Gebrüder Himmelsbach QI.-®, in Konkurs Freiburg i. Br. Rach Verwertung der bisher liquidierbaren Aktiven ist eine Bilanz per 30.3uni d. 3. aufgestellt und durch die Treuhand-Vereinigung A.-G., Berlin, eingehend geprüft worden. Dabei hat sich ergeben, daß in der Konkurserösfnungsoilanz die Warenbestände infolge eines Versehens bei der Zusammenfassung der Bestände der Konkursmasse und der Gesellschaft für Holzhandel um 510 000 Mark überwertet worden waren und daß der vorläuftge Status per 1.3anuar 1928 buchhalterische Korrekturen erforderte. Es liegen nunmehr schätzungsweise 35 Proz. in der Masse. Der Konkursverwalter sieht sich an der Vornahme einer Abschlagsverteilung verhindert, weil bei deren Ankündigung damit gerechnet werden mußte, daß Bayern seine angebliche Forderung von 3.5 Mill. Mark einklagt, auf die es nur verzichten will, wenn auch die Gemeinschuldnerin auf den vom Konkursverwalter nicht aufgenommenen Prozeß gegen Bayern verzichtet. Die Gläubigerversammlung wird daher zu entscheiden haben, ob die Sperrung von etwa 30 Prozent der Verteilungsmasse bis zum Austrag eines Prozesses mit Bayern in Kauf genommen oder versucht werden soll, im Zwangsvergleiche eine Einigung mit der Gemeinschuldnerin über ben von Bayern gewünschten Verzicht herbeizusühren. Die Versammlung soll im September einberufen werden.
* Erhöhte Thomasmehlpreise. Der Q3erem der Thomasmehler^euger hat ab 1. August von bisher 23 Pf. je Kilogramm und Gehalts- Prozent zitronensäurelöslicher Phosphorsäure auf 25 Pf. erhöht, wobei der Preis für die Verpackung einbegriffen ist. Wie verlautet, ist für Sep! öer eine weitere Erhöhung der Preise zu e . arten. Schon seit längerer Zeit werden nur für Lieferung September zu den bann geltenden Preisen Aufträge angenommen. Auch die Preise für ausländisches Thomasmehl haben angezogen.
Frankfurter Börse.
Frankfurt a. M., 2. August. Tendenz: fester. Im Zusammenhang mit der gestrigen festeren Neu- yorker Börse war die Stimmung am hiesiaen Markte nach der Abschwächung an der gestrigen Abendbörse wieder allgemein fester. Die Spekulation nahm weitere Deckungen vor. Daneben dürften, wenn auch nur in beschränktem Umfange, neue Orders bei den Banken vorgelegen haben. Das Geschäft war jedenfalls weiter ziemlich klein. Die vorliegenden Momente, wie der Preußische Handelskamm e r b e r i ch t, der nicht ungünstige Monatsbericht der Dresdner Bank, der Rückgang der Arbeitslosenziffer beeinflußten die Gestaltung der Tendenz. Die ersten Kurse waren durchweg gegenüber der gestrigen Abendbörse 1 bis 2,5 v. H. erhöht. Einige Spezialwerte hatten stärkere Kurssteigerungen aufzuweisen. So mären Kalipapiere wieder ziemlich rege gefragt auf den ziemlich guten Kaliabsatz im Juli. Salz- detfur th waren 5 v. H. und Westeregeln 5,5 v. H. erhöht. Am Chemiemarkt eröffneten Farben 2,75 v. H. höher. Don den Elektro- werten gewannen Licht ö-Kraft 2,5 o. H., Gesfürel und Schuckert je 4 v. H., Siemens plus 5 v. H.
Zellstoffwerte waren je 1,5 v. H. gebessert. Am Montanmarkl waren Mannesmann erneut 1,5 o. H. und Gelsenkirchen und Stahlverein je 1 o. H. gebessert. Danken lagen still. Nur Wirtschaftsbank waren mit plus 2 v. H. weiter lebhaft gefragt. Don den Auloakti en lagen Adlerwerke leicht gedrückt. Deutsche Anleihen waren behauptet. Ausländische Renten still. Im Verlaufe ging die Umsahtätigkeit stark zurück, die Kurse blieben jedoch meist behauptet. Die Mitteilung, daß die Bank von England ihren Diskontsatz unverändert gelassen habe, bot der Börse eine Stütze. Der Geldmarkt war weiter leichter. Tagesgeld 7,5 v. H. Am Devisenmarkt waren Devisen gefragt und befestigt. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1910, gegen Pfund 20,359, London gegen Kabel 4,8560, Paris 124,10, Mailand 92,82, Holland 12,0850.
Berliner Börse.
Berlin. 2. Qlug. Für die heutige Börse lagen verschiedene Momente vor. Der Monatsbericht der Dresdner Bank war ebenfalls als nicht ungünstig zu bezeichnen. obwohl er nicht so optimistisch gestimmt ist, wie der der Eom- merz-Bank von gestern. Weiter vorliegende Momente waren; Der R ückgang der Arbeitslosenziffer und der letzte feste Reuyorker Dörsenschluß bei rückgängigem Tagesgeldsatz auf der einen Seite, der Preußische Handelskammerbericht, der eine weitere langsame Abwärtsbewegung der Wirtschaftskurve bestätigt und die noch unsicheren Maßnahmen, die angeblich im Amerika zur Einschränkung der Spekulation geplant werden andersefts. Man wollte sich aber vorsichtigerweise anscheinend für keine Tendenz entscheiden, denn bei fast völliger Geschäftslosigkeit war die Stimmung sehr unsicher und zurückhaltend. Erst als bekannt wurde, daß die Dank von England auch heute den Diskontsatz nicht erhöhte, konnte sich ein freundlicherer Grundton durchsetzen und die ersten Rotierungen wiesen bereits wieder Erholungen gegen den gestrigen schwachen Rachmittagsverkehr auf. Gegen die letzten offiziellen Kurse betrugen die Abweichungen nach beiden Seiten selten mehr als 1 Prozent. Deutsche Anleihen waren behauptet. Ausländer geschäftslvs. Pfandbriefmarkt unverändert. Roggenpfandbriefe wieder gefragt Der Geldmarkt war weiter etwas leichter. Tagesgeld 6,5 bis 8,5 Prozent und darunter bis 6 Prozent. Monatsgeld 7.75 bis 9 Prozent. Warenwechsel 7 Prozent und darüber. Auch im Verlaufe zunächst weiter befestigt. Bei lebhaftem Geschäft waren Spezialwertc, wie Deutsche Erdöl, und auch in Montan papieren. Kali- aktien und besonders K un st s ei de werten. Glanz stoss 6 Prozent und Bemberg sogar 13 Prozent über Anfang gehandelt. Später wieder nicht mehr ganz einheitlich. Es wurden zu den höheren Kursen sicherlich ©etoinne glattgeftellt. Die Stimmung blieb aber weiter freundlich.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M.. 2. Aug. Der hiesige Pro- duktemnarkt verkehrte in ruhiger Haltung. Die schwachen Auslandnotierungen hatten am hiesigen Markt einen Rückgang der Preise zur Folge. Besonders Roggen war mit minus 0,25 Mark angeboten, auch Weizenmehl mit minus 0,25 Mark stärker an geboten. Das Geschäft blieb klein. Es wurden notiert: Weizen 1. gut, gesund, trocke,n, bis zu 1 Prozent Auswuchs 25; Roggen 23,50 bis 23,75; Hafer, inländischer 26,75 bis 27; Mais (gelb) für Futterzwecke 24,75 bis 25; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 34,25 bis 34,50; Roggenmehl 34,50 bis 35; Weizvnkleie 14,25; Roggenkleie 14,75. Tendenz: ruhig.
Frankfurter Schlachtvjehmarkt.
Frankfurt«. M.. 2. Aug. Auftrieb: 55 Rinder, 1165 Kalber, 108 Schafe, 851 Schweine. Es kosteten: Äätber: Doppellender bester Mast 68 bis 73, beste Mast- und Saugkälber 63 bis 67, mittlere Mast- und Saugkälber 55 bis 62; Schase: Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemast, 48 bis 52; Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 72 bis 74, vollfleischige Schweine von etwa 160 bis 240 Pfund Lebendgewicht 73 bis 75. fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 70 bis 72. Marktverlauf: Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft. Schweine rege, geräumt.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 1. Aug. Die von Heberfce erneut niedriger lautenden Forderungen sowie die schwächeren Meldungen vom Verlaus dcS Liverpooler Marktes liehen hier keine Unternehmungslust aufkommen. Dennoch war die Haltung des Marktes als stetig zu bezeichnen. Am Lieferungsmarkte ergaben sich sowohl für Weizen als auch für
Roggen Preisoerändermrgen im Ausmaße von einer Viertelmark. 3nlandweiz«n aller Ernte wird nur noch vereinzelt von Provinzmühlen gekauft und am Platze zu Fulterzwecken gefragt. 3n Reu-Weizen ist noch fein Geschäft, Grportver- kaufe scheitern an den hohen Forderungen. Reu- Roggen zur schnellen Verladung ist namentlich aus der Provinz Brandenburg etwas reichlicher angeboten, da sich noch immer für bick Position ein größeres Aufgeld gegen August- und Dezem- berlreserung erzielen läßt. Das Mehlgeschäft .st im allgemeinen ruhig Reue» Roggenmehl zur schnellen Verladung wird zu gestrigen Preisen gehandelt. Hafer und Gerste sehr ruhig.
Buntes Allerlei.
Napoleons Rache.
Eine Anzahl nicht allgemein bekannter Anekdoten Napoleons und Josephine» finden sich -n einem Memoirenbuche, das soeben in Paris tr- schienen ist. Eine dieser Geschichten erzählt, wie sich Napoleon rächte an jemand, der -intern (leinen General der Artillerie noch nicht die künftige Größe vorauszusehen imstande war. Napoleon und Josephine kamen zu dein Bureau des Notars Ra- guideau, um ihre Verlobung anzuzeigen. Josephine wurde in das Privatbureau des bekannten Notars eingeladcn, während der Bräutiyam draußen bleiben mußte. Da hörte der künftige Kaiser deutlich wie der Notar sagte: „Cs ist ein Wahnsinn von Ihnen, Bonaparte zu heiraten, und Sie werden Ihre Torheit bald bereuen. Er hat ja nichts als seinen Mantel und seinen Degen." Napoleon ließ Josephine niemals merken, daß er dieses Gespräch gehört hatte, aber an dem Tage, als er zum Kaiser gekrönt wurde, wandte er sich an den Zeremonien- meister, blickte bedeutsam auf Josephine und sagte: „Holen Sie Raguideau!" und als dieser erschien, sagte Napoleon mit einem zynischen Lächeln. „Nun, habe ich jetzt auch noch nur meinen Mantel und meinen Degen?"
Milch im Bergwerk.
Was fallen Schwerarbeiter in dem anstrengenden und gefahrvollen Beruf der Bergleute tiin» (en? Diese Frage ist vor kurzem durch einen interessanten Versuch bei der im Waldenburger Bergrevier gelegenen Melchior-Grube gegeben worden. Dieser Grube wurden versuchsweise einige Hundert ' .-Literflaschen mit Milch für die Belegschaft als Erfrischungsgetränk während und nach der Arbeit zur Verfügung gestellt. Rach vierzehn Tagen war die Rachfrage auf 600 bis 700 Flaschen gestiegen und nach sechs Wochen wurden bereits 1400 bis 1600 ' -Literflaschen pro Tag an die Belegschaft von etwa 3000 Mann ausgegeben. Die Werkdirektion hat infolgedessen beschlossen, nun auch sofort an allen ihr unterstehenden Gruben dieselbe Maßnahme einzufüh- ren. 3n wenigen Tagen werden etwa 15000 Bergleute im niederschlesischen Kohlenrevier in der Lage sein, gute Vollmilch auf ihrer Arbeitsstätte zu genießen. Es wäre wünschenswert, wenn dieses Beispiel regste Rachahmung finden würde.
Ein Duell mH geistigen Waffen
fand kürzlich unter großem Andrang de- Publikums in Boston statt und erregte in ganz Amerika ungeheures Aufsehen. ES bestand in einer öffent- tiQen Debatte zwischen einem der bekanntesten Vorkämpfer deS AlloholverboteS, Senator B o - r a h , und einem ebenso bekannten Gegner des Verbotes, Dr. Butler, Präsident der Eolum- bia-llniverfität von Reuyork. Trotzdem die Syn>- phoniehalle, in der das Rededuell ftattfanb. mehr als 3000 Personen faßt, waren in der kürzesten Zeit Eintrittskarten nur mehr mit einem Agio von 10 Dollar zu haben. Zum Trost für alle jene, die keine Eintrittskarten mehr bekommen hatten oder nicht nach Boston konnten, wurde aber natürlich die ganze Debatte per Radio biS in die en Liegendsten Winkel des Landes verbreitet. So konnte ganz Amerika zuhören und wird es auch getan haben. Ein eigenes Richterkollegium entschied schließlich, daß Borah der Trockene über Butler den Rassen 6:3 gesiegt habe. Das Publikum soll aber anderer Meinung gewesen fein. War doch Borahs Hauptargument nur, daß man dem Alkoholverbot noch nicht Zeit genug gelassen habe, sich durchzusetzen und seine segensreichen Wirkungen M entfalten, während Butler behauptet, es sei bereits hinlänglich zusammengebrochen und habe eine solche Flut von Korruption und Verbrechen gezeitigt, daß es die Prinzipien der amerikanischen Demokratie gefährde. Jedenfalls zeigt die ganze Sache wieder das eine, daß daS amerikanische Volk trotz der sieben 3ahre Prohibitionsherrschaft, die es nunmehr hinter sich hat, die Frage keinesfalls für gelöst t ansieht.
Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse.
Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt befchlostenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent. Lombard Zinsfuß 8 Prozent.
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